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Samstag, 26. Juli 2025

Bild gewordener Glaube

Ein Zitat

Pfarrerin Christine Preis inmitten von Teilnehmenden am Kurs "Ich glaube..." im Open Place Kreuzlingen.
Foto © Jörg Niederer
"Manchmal halte ich mich für einen glaubenden Menschen." Dieter, Teilnehmer am Sommerkurs "Ich glaube..." im Open Place Kreuzlingen

Ein Bibelvers - Sprüche 13,10a

"Wer Umgang mit Weisen hat, wird klug."

Eine Anregung

Der Ort ist etwas Besonderes; die Menschen auch. Gestern besuchte ich die Vernissage des Sommerkurses "Ich glaube..." im Open Place Kreuzlingen. Die alten Glaubensbekenntnisse wurden im Verlauf einer Woche kreative interpretiert. Geleitet wurde der Workshop von meiner methodistischen Pfarrkollegin Christine Preis. Keine einfache Sache angesichts der Teilnehmenden aus fast ausschliesslich besonderen Lebensumständen. Was bei der faszinierenden Auseinandersetzung mit dem eigenen Glauben entstand, ist ein buntes Triptychon, das mit einigem Stolz von vier der beteiligten Hobbykünstlerinnen erklärt wurden. Da war Uwe; der sah vor allem Rot. Fast alles Rote auf dem Gemeinschaftswerk kam von ihm. Elisabeth erkannte im Verlauf des Kurses: Gott ist nicht nur da, wenn es mir gut geht, oder wenn es mir schlecht geht. "Gott ist immer bei uns".

Während der Vernissage tröpfelten weitere Personen in den Kirchenraum. Ab und zu machten sich Handys bemerkbar. Es war kein exklusiver Anlass versnobter Kunstliebhaber, sondern ein von besonderen Lebenserfahrungen erfüllter Moment.

Im nachfolgenden Gespräch mit einem weiteren Kursteilnehmer meinte dieser, er hätte zwar etwas anderes erwartet, aber schlussendlich habe es ihm gefallen. Das Open Place sei nebst Arbeitsplatz und Familie sein dritter Ort. Wobei ich mir nach dem Gespräch nicht sicher war, ob er überhaupt Arbeit oder Familie hat. 

Das Open Place Kreuzlingen ist mehr als ein Besuch wert. Und da sich an diesem Abend noch eine weitere methodistische Pfarrerin zur Vernissage eingefunden hatte, war es auch eine Art Pfarrkleingruppe, die sich da spontan bildete. Hinzu kommt, dass ich den leitenden Pfarrer Damian Brot noch von seiner Zeit her kenne, als er drei Jahre lang in der Methodistenkirche Flaach wirkte. Er habe sich in der Zwischenzeit in Sozialarbeit weitergebildet. Die Konzentration der diakonischen Angebote in der seit der Reformation evangelischen Kirche St. Peter, sie basiert auf einer Kapelle St. Peter aus dem Jahr 1157, hat sich bewährt. Aktuell soll die Kirche noch stärker zu einem Mehrzweckraum umgestaltet werden.

Das alles und noch viel mehr erfuhr ich so beiläufig bei Kaffee, Kuchen und Speiseeis in Gesellschaft vieler besonderer Menschen. Ich meine, ein Besuch im Open Place lohnt sich. Aktuell auch, um einen vertieften Blick auf das Triptychon über die Trinität Gottes zu werfen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Montag, 2. Juni 2025

1700 Jahre Bekenntnis von Nizäa

Ein Zitat

Nationalratspräsidentin Maja Riniker spricht anlässlich der Vesper zu 1700 Jahre Bekenntnis von Nizäa zur Festgemeinde im Berner Münster, während ein Band der Versöhnung in Korbtaschen auf den Altartisch gestellt wird.
Foto © Jörg Niederer

"Wir glauben an den Heiligen Geist, der Herr ist und lebendig macht, der aus dem Vater hervorgeht, der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird, der gesprochen hat durch die Propheten, und die eine heilige, katholische und apostolische Kirche."
Aus dem Glaubensbekenntnis von Nizäa

Ein Bibelvers - Epheser 4,5-6

"Es gibt nur den einen Herrn, den einen Glauben und die eine Taufe. Und ebenso gibt es nur den einen Gott, den Vater von uns allen. Er regiert über alle, wirkt durch alle und erfüllt alle."

Eine Anregung

Es war alles dabei, was man von einer ökumenischen Vesper anlässlich von 1700 Jahren Bekenntnis von Nizäa erwarten konnte, gestern Sonntag um 17.00 Uhr in Bern. Das wunderschöne Ambiente des Berner Münsters; vier hervorragende Chöre; Repräsentanten der unterschiedlichen Kirchen; viele Gäste; sinnige Grussworte; die Predigt von Pfarrer Jerry Pillay, Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen; Gebete; Fürbitten; natürlich das von allen gesprochene Glaubensbekenntnis von Nizäa; eine Zeichenhandlung: ein gelbes Band wurde durch die Reihen geführt, das Band des Friedens, und schlussendlich wieder aufgesammelt und auf dem Altartisch platziert, genau in der Zeit, in der die Nationalratspräsidentin Maja Riniker vom Bergsturz in Blatten sprach, und an die Interreligiöse Ökumene erinnerte, und was die Kirchen so alles gut machen in der Gesellschaft. Ganz gefehlt hatte natürlich auch das Sündenbekenntnis nicht, angesichts der beschworenen Einheit, die durch das Nizäanische Glaubensbekenntnis einst gegeben war, und heute eben nicht mehr ist; gerade auch durch die Schuld der einzelnen Kirchen.

Danach gab es einen Apéro in der Christkatholischen Kirche, mit der Möglichkeit zu Begegnungen, Gesprächen und Selfies mit Freund:innen.

Es war eben alles dabei, was man von einer ökumenischen Vesper erwarten konnte. Und das meine ich nur positiv.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Sonntag, 26. Januar 2025

(M)Ein Glaubensbekenntnis

Ein Zitat

Orgel in der Kirche St. Laurenzen in  St. Gallen.
Foto © Jörg Niederer
"Ich glaube, dass Gott in Jesus Christus sein letztes, schönstes, tiefstes Wort in diese Welt gesprochen hat. Ich glaube, dass Jesus Christus das Ja zu allem ist, was Gott verheissen hat. Und dass ich in dieser Spur nicht fehl gehe." Beat Grögli, Dompfarrer St. Gallen

Ein Bibelvers - Römer 10,10

"Denn aus dem Herzen kommt der Glaube, der gerecht macht. Und aus dem Mund kommt das Bekenntnis, das zur Rettung führt."

Eine Anregung

Das OrgelWort in St. Laurenzen und der Kathedrale in St. Gallen ist vorbei. Für alle, die an diesem eindrücklichen Anlass zum Nicaenischen Glaubensbekenntnis nicht dabei sein konnten, und auch nicht die von den vier beteiligten Pfarrpersonen formulierten eigenen Bekenntnissen gehört haben, gibt es hier ein Muster.

In meinem Glaubensbekenntnis geht es vor allem um einen spielerischen Umgang mit der Aussage: "Ich glaube". "Ich glaube, in einigen Stunden wird es Regnen"; so gesagt ist "glauben" eine unsichere Sache, drückt Wahrscheinlichkeit aus, aber nicht mehr. Dagegen will die Aussage: "Ich glaube an Gott" Gewissheit über die Existenz und das Wirken Gottes ausdrücken.

Doch wie wird der Glaube an Gott verstanden und gehört? Hat Gottglauben in der heutigen Zeit noch sein Gewicht, oder ist damit Unsicherheit verbunden?

Hier also eines meiner Glaubensbekenntnisse, so wie ich es beim OrgelWort-Anlass vorgetragen habe: 


Ich glaube an den einen Gott, der alles geschaffen hat,
und ich glaube noch so einiges mehr: 

  • Ich glaube, dass friedlich Schlafen ein Menschenrecht ist.
  • Ich glaube, dass der Mensch von Grund auf gut ist; wenigsten prinzipiell.
  • Ich glaube, dass die Sonne weder im Osten noch an einem anderen Ort auf- oder untergeht.
  • Ich glaube, dass das Leben kein Ponyhof ist, was mir recht ist, da ich nicht reiten kann.
  • Ich glaube, dass da immer irgendwo eine Krähe sitzt.
  • Und ja, auch an Agrarwüsten und die Vergänglichkeit des Matterhorns glaube ich. 

Ich glaube an den einen Jesus Christus, der für uns Menschen gekommen ist,
und ich glaube noch so einiges mehr: 

  • Ich glaube an das Funktionieren des Kanalisationssystems und an die Müllbeseitigung.
  • Ich glaube, dass Glatteis auf dem Gehweg der Gesundheit schadet.
  • Ich glaube, dass auf einen Kilometer Heimweg 500 weggeworfene Zigarettenstummel kommen.
  • Ich glaube, dass der 'Kater' nach durchzechter Nacht tausendfüssig daherkommt.
  • Und ja, auch an den menschbewirkten Supergau und die kommende Herrschaft der Kakerlaken glaube ich.

Ich glaube an die Heilige Geistkraft, die lebendig macht,
und ich glaube noch so einiges mehr:

  • Ich glaube an unnützes Wissen.
  • Ich glaube an die Vorherrschaft der Banalität.
  • Ich glaube, dass Pellkartoffeln überbewertet sind.
  • Ich glaube an Sixpacks im Getränkeregal.
  • Ich glaube, dass weder ärgern noch nicht ärgern etwas bring.
  • Ich glaube, dass es immer irgendwie weitergeht, bis es hier auf dieser Erde nicht mehr weitergeht. 

Und ich glaube, dass all das sein muss, um Gott als den zu erfahren, der mit mir und nicht über mich lacht.
Ja, ich glaube an Gott, welche mich leise, schrill, laut und bunt lehrt zu sein, wie ich nun einmal bin. Ich glaube viel, aber einer Sache bin ich mir ganz gewiss: Gott liebt die Welt.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Donnerstag, 23. Januar 2025

Stafette

Ein Zitat

Vermutlich Skulptur 'Seelen-Weg' von Roland Fornaro, Eriswil auf dem Friedhof in Huttwil
Foto © Jörg Niederer
"wie die Läuferinnen einer Stafette / sind die Stunden des Tages / dem Abend entgegengelaufen
nun dunkelt es ein
während die elektrischen Licher aufflammen / hoffen wir / dass du den glimmenden Docht / nicht auslöschen wirst
wie die Läuferinnen einer Stafette / laufen die Tage unseres Lebens / dem Ende entgegen / dem grossen Lichterlöschen
während es finster wird / beten wir / dass Glaube Hoffnung und Liebe / Zukunft haben / glauben wir / dass du diese Welt nicht fallen lässt / sondern bei uns bleibst / wie Jesus versprochen hat / alle Tage alle Nächte / und immer
wie die Läuferinnen und Läufer einer Stafette / laufen wir Menschen / auf dich zu Gott
in deinem Licht / sehen wir das Licht / und finden das Leben"
Elisabeth Bürki-Huggler, ehem. Spitalpfarrerin

Ein Bibelvers - Psalm 25,4+5

"Zeige mir deine Wege, Herr, und lehre mich, deinen Pfaden zu folgen! Lass mich nach deiner Wahrheit leben und lehre mich! Denn du bist es, Gott, der mir hilft!"

Eine Anregung

Zuerst noch einmal der Hinweis auf das "OrgelWort". Es findet heute um 18.00 Uhr in der Kirche St. Laurenzen und anschliessend in der Kathedrale in St. Gallen statt. Dabei geht es musikalisch-literarisch um Glaubensbekenntnisse. Ein Leckerbissen im Rahmen der Gebetswoche zur Einheit der Christen 2025. Alle weiteren Infos findest du im Beitrag vom Mittwoch, 22. Januar 2025.

Dann fahre ich fort mit Texten und Skulpturen, die auf dem Friedhof Huttwil zu finden sind. Eindrücklich, wie Elisabeth Bürki-Huggler den Weg der Menschen als Stafette beschreibt (siehe oben!). Auch die Skulptur "Seelen-Weg", so vermute ich, von Roland Fornaro, zeigt, wie ein Leben über weite Strecken geradlinig vorangeht, um dann in den letzten Jahren sich verstärkt in Suchbewegungen fortzusetzen. Da, wo diese Suche endet, strahlt uns das Blau des Himmels entgegen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Mittwoch, 22. Januar 2025

OrgelWort

Ein Zitat

Beim Brunnen sprudelt das eiskalte Wasser, während sich Trauernde auf dem Friedhof Huttwil versammeln.
Foto © Jörg Niederer
"Die Mutigen wissen / Dass sie nicht auferstehen / Dass kein Fleisch um sie wächst / Am jüngsten Morgen / Dass sie nichts mehr erinnern / Niemandem wiederbegegnen / Dass nichts ihrer wartet / Keine Seligkeit / Keine Folter / Ich / Bin nicht mutig." Marie Luise Kaschnitz (1901-1974)

Ein Bibelvers - Römer 10,9+10

"Wenn du also mit deinem Mund bekennst: 'Jesus ist der Herr!' Und wenn du aus ganzem Herzen glaubst: 'Gott hat ihn von den Toten auferweckt!' Dann wirst du gerettet werden. Denn aus dem Herzen kommt der Glaube, der gerecht macht. Und aus dem Mund kommt das Bekenntnis, das zur Rettung führt."

Eine Anregung

Über den Friedhof Huttwil verteilt finden sich Texte über Sterben und Tod, über Abschied, Hoffnung und Vergänglichkeit. Sie werden begleitet von Kunstwerken regionaler Kunstschaffender. So auch das oben abgedruckte eindrückliche Gedicht von Marie Luise Kaschnitz. In den kommenden Tagen werde ich einige Impressionen und Texte vom Friedhof Huttwil hier wiedergeben. Doch heute geht es mir auch besonders um den Hinweis auf das "Ökumenische OrgelWort" von morgen Donnerstag. Es beschäftigt sich mit dem Glaubensbekenntnis. Der eigene Glauben hat ja auch viel zu tun, wie ich durchs Leben und besonders durch die letzte Zeit meines Seins auf dieser Erde gehe.

Das "Ökumenische OrgelWort" nimmt das Glaubensbekenntnis von Nicäa auf. Vor 1700 Jahren entstanden wird es noch heute in vielen christlichen Kirchen gesprochen. Es beginnend mit den Worten: "Ich glaube an den einen Gott, den Vater, den Allmächtigen." 

Ist die Sprache dieses Bekenntnisses noch zeitgemäss? Ist der Inhalt noch stimmig? Was davon glaube ich und wie würde ich es in Worte fassen? Dieser Herausforderung stellen sich Dompfarrer Beat Grögli, Laurenzenpfarrerin Kathrin Bolt, Jörg Niederer, Pfarrer der Evangelisch-methodistischen Kirche sowie Peter Grüter, Pfarrer der christkatholischen Kirchgemeinde.

Im sogenannten "Ökumenischen OrgelWort", einer zweiteiligen musikalisch-literarischen Feier, werden die vier Pfarrpersonen je ihr persönliches Glaubensbekenntnis vorlesen. Dazu musizieren die beiden versierten Hausorganisten; Bernhard Ruchti in der Laurenzenkirche und Christoph Schönfelder in der Kathedrale. Das "Ökumenische OrgelWort" ist ein Beitrag zur Gebetswoche zur Einheit der Christen 2025. 

Es findet statt in St. Gallen am Donnerstag 23. Januar, 18.00 Uhr in der Kirche St. Laurenzen und anschliessend in der Kathedrale. Im Anschluss sind alle zu Maroni und Punsch eingeladen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Samstag, 1. April 2023

Farbenfroh und tiefsinnig

Ein Zitat

Bild von Hedi Fussenegger aus der Ausstellung im Domzentrum St. Gallen.
Foto © Jörg Niederer
"Ich frage Jesus: Was kochen wir heute? Was machen wir jetzt? / Oder ich schlage ihm etwas vor, / was immer wir tun, eins fliesst aus dem andern heraus – alles auf IHN / zu – in die Ewigkeit hinein." Hedwig (Hedi) Fussenegger, als sie für eine Woche als Eremitin in der Wiborada-Zelle St. Gallen wohnte.

Ein Bibelvers - 1. Samuel 3,18+19

"Christus hat einmal für die Sünden gelitten: Der Gerechte litt für die Ungerechten. So sollte er euch zu Gott führen: Sein Körper wurde zwar am Kreuz getötet, aber durch den Geist Gottes wurde er wieder lebendig. Dabei ging er auch zu den Geistern ins Gefängnis und verkündete die Gute Nachricht."

Eine Anregung

Endlich bin ich dazu gekommen, die Bilder von Hedi Fussenegger, die sie bis Anfangs April im Domzentrum St. Gallen ausstellt, anzuschauen. Sie zeigen abstrakte Figuren, Kreise, Linien, Bänder, Kleckse, die sich harmonisch zusammenfügen. Es gibt Berührungen, Gabelungen, Strukturen, Dinge, die wie Pflanzen aussehen. Mir gefallen die Farben. Besonders die Farben. 

Hedi Fussenegger wohnt seit einigen Monaten im Kapellen-Wohnhaus der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen. Sie ist mit Leib und Seele Katholikin, mit ökumenischer Weite und Offenheit.

2022 war sie die 11. Inklusin für das Wiborada-Projekt. Die 11. Inklusin – das bedeutete, dass sie überzählig war, quasi auf der Ersatzbank, in Warteposition. Aber nicht nur. Statt dessen zog sie im April als Eremitin in die Wiborada-Zelle, eine weitere Möglichkeit, sich mit der St. Galler Stadtheiligen zu beschäftigen und mit dem eigenen Glauben. In einem Blog fasste sie Gedanken aus dieser Zeit zusammen; verdichtet, aufs Wesentliche bezogen:


In der kalten Nacht, am Anfang, war ich in Gedanken in einem Bunker
in der Ukraine – in einem Flüchtlingslager
Die Decken waren dünn, Kinder weinten
Die Bomben liessen die Zelle zittern. Dann wieder unheimliche Stille.
Ich überlegte, was ich noch teilen könnte, wie in diesen Umständen Leben geht … wie Liebe sein ?

Ich glaubte, dass Gott da hineingeht! In das ganze Chaos.
ich wollte es mit aller Kraft glauben 

Hinabgestiegen zur Hölle – Was tut er in der Unterwelt (fragt Hans Urs v. Balthasar in seinem Credo)
ER BRINGT LIEBE HIN. Er geht überallhin, bringt überall Liebe hin!
Wissen wir das? Glauben wir das?
Das gilt es zu glauben! Ich glaube!

Am Morgen bin ich nicht müde nicht gerädert 
wundre mich nur, dass ich überlebt habe. 


Zurück zu den Bildern. Auf einem handgeschriebenen Zettel zur Ausstellung steht: "Anlässlich meines Umzugs in eine kl. Wohnung habe ich keinen Platz mehr für diese Bilder - Ich möchte sie weitergeben oder verkaufen, um in Zukunft nur noch Ikonen zu malen." Einige Bilder sind schon verkauft. Ich aber möchte nun gerne auch die Ikonen von Hedi Fussenegger sehen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Dienstag, 27. September 2022

Ein persönliches Credo

Ein Zitat

12 Jahre war Daniel Konrad Pfarrer der Christkatholischen Kirchgemeinde St. Gallen. Hier bei einer Tagung der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen der Schweiz in Freiburg.
Foto © Jörg Niederer
"Ich glaube, dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind, und dass es Gott nicht schwerer ist mit ihnen fertig zu werden, als mit unseren vermeintlichen Guttaten." Dietrich Bonhoeffer in "Widerstand und Ergebung".

Ein Bibelvers - 2. Korinther 13,13

"Ich wünsche euch allen die Gnade, die der Herr Jesus Christus gewährt. Ich wünsche euch die Liebe, die Gott schenkt, und die Gemeinschaft, die der Heilige Geist bewirkt."

Ein Anregung

Gestern Sonntag war der letzte Arbeitstag von Pfarrer Daniel Konrad in der Christkatholischen Kirchgemeinde St. Gallen. An seinem Abschiedsgottesdienst in der Christuskirche bekannten die Beteiligten ihren Glauben mit Worten eines Credos, das wohl von Daniel Konrad selbst verfasst wurde, stehen doch seine Initialen unter dem Text. Im Folgenden das besagte Credo: 


Ich glaube an Gott, den Vater,
dem ich in seiner Schöpfung begegne, 
in der unbelebten und der belebten Welt, 
in seiner Kreativität und seiner Grosszügigkeit. 

Ich glaube an Gott den Sohn, 
in welchem der unsichtbare Gott sichtbar geworden ist, 
in welchem er menschliche Gestalt angenommen, 
und mit uns das Leid und die Not der Welt geteilt hat. 

Ich glaube an Jesus Christus, 
der unser Herr ist in seinem Dienen, 
der unser Bruder ist in seiner Barmherzigkeit, 
der unser Freund ist in seiner Nächstenliebe. 

Ich glaube, 
dass er vom Kreuz auferstanden ist, 
dass er die Macht des Bösen gebrochen hat,
und uns in der Versöhnung das neue Leben schenkt. 

Ich glaube an Gott, den heiligen Geist, 
die Kraft Gottes, die in uns Menschen wirkt, 
und uns befähigt zu Frieden und Liebe, 
die uns begeistert in der Gemeinschaft der Gläubigen, 
und uns den Weg zum himmlischen Reich des Vater weist. 

Ich bekenne mich zur Kirche als der Gemeinschaft derjenigen Menschen, 
die das Wort Gottes verkünden, 
die seinen Weg zum Heil beschreiten, 
und in gegenseitiger Solidarität und Liebe den Himmel auf Erden beginnen. 

Amen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde