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Dienstag, 8. Februar 2022

2,3 Kilometer verhindern den Knast

Ein Zitat

Hochsicherheitsgefängnis für Gartenzwerge
Foto © Jörg Niederer
"Diebstahl, der: Enteignung ohne gesetzliche Grundlage." Karsten Mekelburg (*1962), deutscher Satiriker

Ein Bibelvers - 1. Mose 39,19-21a

"Josefs Herr hörte sich den Bericht seiner Frau an. Als sie sagte: 'Das hat mir dein Sklave angetan!', packte ihn der Zorn. Er ließ Josef ergreifen und ins Gefängnis werfen – dorthin, wo die Gefangenen des Königs waren. Josef blieb im Gefängnis. Aber der Herr war mit Josef."

Ein Anregung

2,3 Kilometer Luftlinie sind es von unserer Wohnung bis in den Kanton Zürich. Diese kurze Distanz verhindert, dass ich ins Gefängnis komme. Aber der Reihe nach. 

In meinem Blogbeitrag vom 2. Juli 2021 schrieb ich, dass ich mich als Gefangener bewerben möchte für den Testbetrieb des neuen Gefängnisses Zürich-West (GZW). Seit etwa drei Tagen nun gilt es ernst. Nun können sich alle eintragen lassen, welche die Erfahrung von Gefangenen im einem Schweizer Gefängnis machen möchten. 

Alle? Leider nicht. Der Zugang zu dieser "Dienstleistung" ist nur noch für Bürgerinnen und Bürger möglich, welche im Kanton Zürich wohnhaft sind. Es habe eine so grosse Zahl von Interessierten gegeben, dass die Gefängnisleitung sich zu dieser Beschränkung entschieden habe.

So ein Pech aber auch. 2,3 Kilometer weiter Richtung Westen, und ich würde im Kanton Zürich und nicht im Kanton Thurgau leben. So aber darf ich nicht ins Gefängnis. Und das finde ich nun echt schade. Freiwillig wäre ich gerne eingesessen. So aber geniesse ich halt für einmal meine nicht so geschätzte Freiheit im Kanton Thurgau. 

Warum die Thurgauer neckisch als Langfinger verschrienen waren, erfährt man auf dieser Webseite. Und auch wenn ich ein Thurgauer bin, ich werde jetzt nicht, um doch noch ins Gefängnis zu kommen, mit Stehlen beginnen. Sosehr zieht es mich denn doch nicht hinter Gitter.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Freitag, 2. Juli 2021

Freiwillig ins Gefängnis

Ein Gedanke

Gefängnissicherheit
Foto © Jörg Niederer
"Das größte Unglück im Gefängnis [...] ist, seine Tür nicht zuschließen zu können." Henri Stendhal (1783 - 1842)

Ein Bibelvers - Apostelgeschichte 16,23

"Nachdem sie [Paulus und Silas] viele Schläge erhalten hatten, liess man sie ins Gefängnis werfen. Dem Gefängniswärter wurde eingeschärft, sie besonders gut zu bewachen."

Eine Anregung

Schweizer Gefängnisse seien vergleichbar mit Hotelferien, sagt man. Eine Haftstrafe liesse sich locker absitzen, das Strafmass sei sowieso meist zu tief.

Doch wie ist das, wenn man weggesperrt ist, einen Teil seiner Individualität verliert, andere darüber bestimmen, wie der Tagesablauf aussieht? Ich stelle es mir nicht einfach vor. Einzelhaft bedeutet Einsamkeit. Gemeinsam mit andern in einer Zelle bedeutet je nach Zellennachbar*in Stress.

Sicher sollen die Gefängnisse sein, doch wie sicher sind sie für die Gefangenen?

Der Kanton Zürich sucht aktuell für den Testbetrieb des neuen Gefängnisses in Zürich-West (GZW) Freiwillige. Im GZW werden bald Personen inhaftiert, die vorläufig festgenommen worden sind (124 Plätze). Dann entstehen dort 117 neue Plätze für die Untersuchungshaft. Mit dem Testbetrieb soll die moderne Gebäudetechnik geprüft werden.

Das St. Gallen Tagblatt schreibt: "Den Freiwilligen werden alle persönlichen Gegenstände wie Telefon oder Bücher abgenommen. Zudem wissen sie nicht, mit wem sie die Zelle teilen müssen. Nur auf die Leibesvisitation werde verzichtet. Auch könne ein Signalwort vereinbart werden, mit dem die Freiwilligen anzeigen können, dass der Versuch abgebrochen werden soll."

Nun, ich habe mich auf der Webseite des Gefängnisses unverbindlich angemeldet für den Gefängnisaufenthalt während des Testbetriebs im März 2022. Vielleicht denken jetzt einige, wer freiwillig ins Gefängnis wolle, habe es nicht besser verdient. Nach den Sommerferien weiss ich dann mehr, und nach dem März 2022 vielleicht etwas besser, wie "locker" ein Gefängnisaufenthalt in der Schweiz ist.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde