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Dienstag, 9. April 2024

Liebestaumel

Ein Zitat

Ein Zitronenfaltermännchen bemüht sich um ein Zitronenfalterweibchen.
Foto © Jörg Niederer
"Wenn Schmetterlinge Schmetterlinge im Bauch haben, muss das nicht auf Kannibalismus hindeuten."

Ein Bibelvers - 1. Johannes 4,8

"Wer nicht liebt, kennt Gott nicht. Denn Gott ist Liebe."

Eine Anregung

Frühling. Zeit für die Liebe. Bei den Zitronenfaltern ist das ein gefährliches Unterfangen, wie man an den lädierten Flügeln des Männchens gut erkennen kann. Dabei sind diese Schmetterlinge für Vögel gar nicht bekömmlich, was dem grünlichgelben Kerl wohl auch das Leben gerettet hat.

Die Liebe ist gefährlich, habe ich geschrieben. Das gilt nicht nur bei Schmetterlingen. Auch bei Menschen ist die Liebe wunderbar verhängnisvoll. Kein Taumeln ist schöner und segensreicher wie das vor Liebe. Liebe ist stark wie der Tod. Wer liebt, kennt Gott. Denn Gott ist Liebe.

Nebenbei: Dazu würde doch der Tee passen mit dem verräterischen Namen "Liebestaumel".

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Samstag, 25. November 2023

Der Lebensfreude auf der Spur

Ein Zitat

Die vom Bildhauer Peter Thommen geschaffene Skulptur aus Laufener Kalkstein auf dem Kirchhof Liestal.
Foto © Jörg Niederer
"Ich suche mit Hilfe von Skulpturen und Bildern organische und architektonische Formen, die an lebende und gelebte Bewegungen erinnern und in ihrer Art überall existieren können, im Kleinen wie im Grossen." Peter Thommen (*1960), Bildhauer und Restaurator

Ein Bibelvers - Prediger 3,18-22

"Ich dachte darüber nach, was mit den Menschen ist: Gott wird mit ihnen ins Gericht gehen. Und dann müssen sie erkennen: Dem Vieh sind sie gleich! Am Ende ergeht es den Menschen wie dem Vieh. Beide trifft ein und dasselbe Geschick. Wie die einen sterben, so sterben auch die anderen. Alle beide haben ein und denselben Atem, durch den Gott sie am Leben erhält. Nichts hat der Mensch dem Vieh voraus. Denn alle beide sind Windhauch! Alle gehen an ein und denselben Ort, von dem es heißt: 'Alle sind aus Staub und kehren zum Staub zurück.' Und was ist mit dem Lebensatem nach ihrem Tod? Wer kann denn wissen, ob er beim Menschen nach oben steigt, bei den Tieren dagegen zur Erde sinkt? Da erkannte ich: Es gibt kein größeres Glück für den Menschen, als dass er sich seines Lebens freut. Ja, das ist sein Anteil."

Eine Anregung

Morgen Sonntag wird in den Kirchen landauf, landab der Verstorbenen des vergangenen Kirchenjahres gedacht.

Auf dem Kirchhof vor der Stadtkirche Liestal steht eine Skulptur des Lausener Künstlers Peter Thommen. Sie erinnert mich an den oben zitierten Bibeltext aus dem Buch Prediger. Der Künstler hat den Kalkstein aus Laufen so bearbeitet, als würde er eine Vielzahl von Fossilien bergen. Doch da gibt es diese Irritation. Nicht nur Tiere und Pflanzen aus einem bestimmten Erdzeitalter sind dargestellt, Fisch, Vögel und anderes, sondern auch versteinerte Skelette von Menschen. Es sieht so aus, als wären die Tiere und Menschen in einem Moment, alle gemeinsam ums Leben gekommen.

Der Bildhauer schreibt über sein Schaffen: "Ich suche mit Hilfe von Skulpturen und Bildern organische und architektonische Formen, die an lebende und gelebte Bewegungen erinnern und in ihrer Art überall existieren können, im Kleinen wie im Grossen. Dadurch stellt sich immer die Frage nach dem wirklichen Sinn des Lebens oder wie wir diesen wahrnehmen." Genau das ist auch die Fragestellung des biblischen Buchs Prediger. Was ist der Sinn des Lebens? Die Antwort: Dass du dich deines Lebens freust, solange es dir geschenkt ist!

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Sonntag, 12. Juni 2022

Das Spiel der Hermeline

Ein Zitat

Junges Hermelin in einer Hecke bei Wittenbach
Foto © Jörg Niederer
"Wenn ich mit meiner Katze spiele, bin ich nie ganz sicher, ob nicht ich ihr Zeitvertreib bin." Michel de Montaigne (1533-1592)

Ein Bibelvers - Hiob 12,7-9

"Frag doch das Vieh, es wird dich belehren, und die Vögel des Himmels, die sagen es dir! Oder rede mit der Erde, sie wird dich belehren, die Fische im Meer erzählen es dir. Wer weiß denn nicht von ihnen allen, dass die Hand des Herrn die Welt gemacht hat?"

Ein Anregung

Bisher habe ich es erst zweimal erlebt. Das eine Mal als junger Mann, das andere Mal gestern, zusammen mit meiner Frau bei Wittenbach auf einem kleinen Strässchen entlang einer Hecke. Plötzlich waren da fünf oder sechs junge Hermeline, die ausgelassen in ihr Spiel vertieft uns bis auf 2 Meter heranliessen. Sie sprangen sich an, jagten einander nach, kugelten sich in wildem Kampf.

Das Treiben war so lebensfreudig, so lustvoll, so unbelastet, es tat einfach gut. Wir konnten nicht weggehen von diesem Ort, ohne Euphorie, Hoffnung und Ehrfurcht ob dieser Überfülle an Leben.

An diesem Sonntag möchte ich dafür danken, dass ich diese besonderen Momente erleben darf, in denen Aussergewöhnliches durch Alltägliches geschieht. Meist bin ich nicht mitten im Geschehen. Doch wenn ich es einmal war, bleibt es als kostbare Erinnerung.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde