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Donnerstag, 28. August 2025

Ein ganz besonderer Engel

Ein Zitat

Engelskulptur von Barbara Hänggi von der Kirche Bruder Klaus in Gerlafingen.
Foto © Jörg Niederer
"Manchmal sind die hilfreichsten Engel die Menschen an unserer Seite." Herkunft unbekannt

Ein Bibelvers - Psalm 89,6

"Die Himmel preisen deine Wunder, Herr. Deine Treue loben die Engel in heiliger Schar."

Eine Anregung

Diese Engelskulptur wurde von Barbara Hänggi, Teilnehmerin der Tagesstätte Pro Infirmis in Gerlafingen geschaffen. In dieser Tagesstätte finden Erwachsene, die aufgrund schwerer Beeinträchtigungen nicht mehr am Erwerbsleben teilnehmen können, sinnvolle Beschäftigung und Gemeinschaft. Unter anderem wird dort Alltagskunst produziert und in einem Laden verkauft.

Die Engelskulptur wurde der Pfarrei Bruder Klaus erst als Exponat zur Verfügung gestellt und daraufhin spendenfinanziert erstanden. Der Grund wird auf einer kleinen Begleittafel zum Engel genannt: "Tief beeindruck von der Arbeit der Menschen in der Tagesstätte von Pro Infirmis und inspiriert von der wunderbaren Begegnung zwischen ihnen und der Pfarrei im Rahmen eines gemeinsamen Gottesdienstes wurde entschieden, den Engel über Spenden für die Pfarrei käuflich zu erwerben."

Diesem aussergewöhnlichen Kunstwerk füge ich Worte des kürzlich verstorbenen methodistischen Dichterpfarrers Robert Seitz hinzu. Sie finden sich im Büchlein "Engel der Fragenden".

Mit Buchstaben der Liebe

Dein Name / ist im Himmel geschrieben / mit Buchstaben der Liebe.

Denke daran. / Dein Name, / du, / nicht beurteilt, / nicht qualifiziert / von Menschen.

Du bist geliebt, / so wie du bist, / vom Himmel. 

 

Wie schon erwähnt, wird es ab dem 1. September keine Blogs mehr geben unter dieser Adresse oder per Mailingliste. Ich werde aber auch weiterhin Blogs schreiben und Fotos posten auf der neuen Seite 
"NNN - Nicht Nur Natur".
Aktuell ist dort noch nicht viel zu sehen. Aber man kann diesen Blog schon einmal abonnieren, oder die Seite anderweitig vormerken.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Samstag, 16. August 2025

Vorbeigeflitzt

Ein Zitat

Pfarrer Robert Seitz 1988 in rasender Fahrradfahrt hinunter vom Col du petit Ballon.
Foto © Jörg Niederer
"Du hast den Lebensgarten verlassen, doch deine Blumen leben weiter." Worte von Manfred Hoffmann auf der Todesanzeige von Robert Seitz (1940-2025)

Ein Bibelvers - Sprüche 4,23

"Gib acht auf dein Herz, mehr als auf alles andere! Denn davon hängt dein Leben ab."

Eine Anregung

Gestern beim Ausmisten meiner Regale kam es mir wieder in die Hände. Ein kleines Büchlein von meinem am 26. Juni 2025 im Alter von 85 Jahren verstorbenen Pfarrkollegen Robert Seitz. In einigen verdichteten Gedanke versucht er darin Spuren von Gottes Nähe zu finden.

Im Rückblick verschwimmen viele meiner Erinnerungen an Robert Seitz. Es ist, als seien die gemeinsamen Momente in rasendem Tempo vorbeigegangen. So wie damals im Jahr 1988, als wir von der Pfarrversammlung im elsässischen Landersen per Fahrrad nach Basel zurückfuhren. Roberts Geschwindigkeit vom Col du petit Ballon hinunter überforderte meine fotografischen Fähigkeiten; und doch ist es dieses unscharfe Bild wert, betrachtet zu werden.

Ich erinnere mich auch noch gut daran, wie Robert Seitz mit mir über das Sterben gesprochen hat. Er war gerne draussen unterwegs, auch in den Bergen. Angesichts des tödlichen Absturzes eines bekannten Bergsteigers meinte er: So zu sterben würde er sich wünschen. Draussen in der Natur, unerwartet und schnell. Es ist anders gekommen.

Für diesen Tag soll ein als Gebet formuliertes Gedicht von Robert Seitz mich durch den Tag begleiten.

Warum sind die Blumen nicht grau? 

Lieber Gott, / erlaube mir die Frage: / Warum hast du / die Blumen geschaffen, /die Farben und die Formen? / Warum sind / nicht alle Blumen grau, / rechteckig und gleich gross?

Weil meine Augen / mich mit deiner Herrlichkeit / erfüllen sollen. 

Lieber Gott, / warum hast du / den Wind geschaffen / und die wärmenden Strahlen / der Sonne? / Warum ist die Welt nicht / ein vollklimatisiertes Büro?

Weil mein Leib / deine Liebkosungen spüren soll.

Lieber Gott, / warum hast du / den Abend geschaffen, / die Dämmerung und die Stille, / das aufgehende Licht des Mondes / und der Sterne? / Warum kennt deine Welt / nicht künstliche Lichter / und keine Diskotheken / oder Nachtsitzungen?

Weil ich im Frieden des Abends / zur Ruhe kommen soll.

Und, lieber Gott, / warum hast du / den Nächsten geschaffen / als Mann und als Frau, / mit einem Herzen / und einer Seele / und einem Leib? / Warum kann er / Freude und Schmerz empfinden? / Warum ist er keine Maschine / und kein Computer?

Weil mein Leben auf Erden / deine Liebe mehren soll.

Lieber Gott, / wie kann ich dich loben? / Weniger mit vielen Worten / und mehr mit / allen meinen Sinnen. 

(aus Robert Seitz: Spuren deiner Nähe finden, Zürich 1991, Seite 14-16)

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Dienstag, 8. November 2022

Individuelle Besinnungszeit

Ein Zitat

Teilnehmende der Bibelschule Adelboden von 1992 bei gruppendynamischen Spielen.
Foto © Jörg Niederer
"Der beste Zeitpunkt ist diejenige Tageszeit, an der Sie am Aufmerksamsten sind und / oder an der Sie sich am Wenigsten von anderen äusseren Einflüssen ablenken lassen." Aus den praktisch Vorschlägen des Alpina-Reiseführers in die Besinnung

Ein Bibelvers - Sprüche 14,8

"Die Weisheit besteht bei einem klugen Menschen darin, über seinen Lebensweg nachzudenken. Die Dummheit aber führt bei dummen Menschen dazu, sich selbst zu belügen."

Eine Anregung

In der schönen Bergwelt von Adelboden erinnere ich mich gerne an die Bibelschule Adelboden, die hier jeweils über acht Wochen im Hotel Alpina durchgeführt wurde. Unterrichtende waren Pfarrpersonen der Evangelisch-methodistischen Kirche, die jeweils für eine Woche Einleitungen in die biblischen Bücher vermittelten. ich war in der 4. Woche dran mit der Weisheitsliteratur. 

Irgendeinmal ebbte das Interesse an dieser Form von Bibelschule ab, und so verschwand die Bibelschule Adelboden von der Bildfläche.

Im Hotel Alpine gibt es aber immer noch Anregungen für ein spirituelles Leben. "Reiseführer in die Besinnung" nennt sich eine kleine Sammlung, die in den Hotelzimmern zusammen mit einer Bibel aufliegen. Unter diesen "Impulsen für die individuelle Besinnungszeit" findet sich auch ein Beitrag vom pensionierten Pfarrer Robert Seitz. Da steht: 

"Wandern sie von der Alpina dem Engstligenbach entlang talaufwärts, kommen sie nach ungefähr einer halben Stunde zu einer schönen Holzbrücke.

Brücken gehören zum Leben. Als Kind liefen wir im Tal dem Bach entlang, der schmalen Brücke entgegen, sprangen und hüpften, den Wind in den Haaren, über den schwankenden Steg ans andere Ufer, Von jenseits riefen wir: Hei, wir sind drüben!

Längst ist das Leben zur Brücke geworden. Immerfort schreite ich weiter über dich und habe das Ufer meiner Herkunft aus den Augen verloren.

Du mein Gott, trägst mich im weiten Bogen einem anderen Ufer entgegen. Wohin wirst du mich tragen, geliebte Brücke des Daseins? Während ich lachend, weinend oder träumend gehe und schwanke und schwebe, trägst du mich zurück in den Anfang. Brücke der Liebe, du trägst mich sicher über die Wasser der Zeit."

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde