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Donnerstag, 2. November 2023

Mütter

Ein Zitat

Eine ältere Frau fährt ganz allein auf einem Karussell.
Foto © Jörg Niederer
"Gebt mir betende Mütter und ich rette die Welt." Augustinus von Hippo (354-430)

Ein Bibelvers - Matthäus 18,3

"Dann sagte Jesus: 'Amen, das sage ich euch: Ihr müsst euch ändern und wie die Kinder werden. Nur so könnt ihr ins Himmelreich kommen.'"

Eine Anregung

Meine Mutter liebte Karusselle. Wahrscheinlich beneidete sie uns Kinder, wenn wir an den Jahrmärkten darauf mitfahren durften, während sie daneben auf das Ende unseres Vergnügens warten musste. Doch dann kam dieser Moment, als sie wieder Platz nahm in der Kutsche, und die Welt sich zu drehen begann. War es ihr ein wenig peinlich, wieder in die Rolle eines Kindes zu schlüpfen? Ich vermute, das Bild entstand in den Ferien in Holland. Also unter Umständen, in denen man auch einmal "ausbrechen" durfte und die Konventionen nicht in gleicher Weise beachtet werden mussten.

Meine Mutter hat mich die Freude am Leben gelernt. Ihre Gebete begleiten mich noch heute durch die Zeit. Ich erinnere mich an Bastelstunden zuhause, daran, wie wir Kastanien gesammelt haben, um sie im Tierpark als Futter zu verkaufen. Unzählige Blumengestecke hat sie in die Kirche mitgenommen und auf den Altartisch gestellt. 

Heute ist sie nebst einem Schwager die einzige aus ihrer Generation, die noch lebt. Ich bin sicher, könnte sie, dann würde sie immer noch auf einem Karussell mitfahren.

Gott, wie eine Mutter begleitest du mich. Meine ersten Bewegungen hast du erlebt wie eine Schwangere. Am ersten Schultag sahst du meine Unsicherheit. Voller Bewunderung hast du meine Fortschritte beobachtet. Genervt habe ich dich auch, doch deine Liebe blieb. Gott, wie eine Mutter begleitest du mich nun durch eine Zeit, in der es Mut und Selbstverleugnung brauchen würde, sich in eine Karussell-Kutsche zu setzen, wieder ein Kind zu werden. Danke Gott für meine Mutter, die das getan hat. Amen

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen 

Mittwoch, 31. Mai 2023

Geliebt

Ein Zitat

Zwei junge Blässhühner auf dem Bildweiher in St. Gallen.
Foto © Jörg Niederer
"Der Schlüssel zu allem ist Geduld. Nicht durch Aufschlagen, sondern durch Ausbrüten wird aus einem Ei ein Küken." Anselm Grün

Ein Bibelvers - Römer 8,15b+16

"Ihr habt vielmehr einen Geist empfangen, der euch zu Kindern Gottes macht. Weil wir diesen Geist haben, können wir rufen: 'Abba! Vater!' Und derselbe Geist bestätigt unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind."

Eine Anregung

Sehen sie nicht wie von einem anderen Stern aus? Wie Aliens schwimmen zwei junge Blässhühner ihre rufenden Mutter hinterher. Rotköpfige Punks mit Glatze und schütterer Goldmähne.

Junge Tiere und Menschen rühren uns an, selbst wenn sie so gar nicht unseren Schönheitsidealen entsprechen. Sie sind jung, sie stehen für Hoffnung, das reicht, also sind sie "Jöööh" und "härzig" und "lustig"

Blässhühner müssen bis fünf Wochen von den Elterntieren gefüttert, bevatert und bemuttert werden.

Eltern sind fixiert auf ihre Kinder und finden sie einfach wunderschön und liebenswert und tun alles für sie, damit sie einmal gross und stark sind.

Und genau so ist es auch mit uns Menschen. Gott tut alles für uns, damit wir mündig und selbständig eine Antwort auf seine Liebe finden. Selbst wenn wir rotköpfig mit Glatze und schütterer Goldmähne um Futter und Wohlstand bettelnd herumrennen würden, würde dies nichts ändern an Gottes dauerhaften Liebe zu uns Menschen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen