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Montag, 21. Oktober 2024

Seeadler im Thurgau

Ein Zitat

Am Hugiweiher bei Frauenfeld pausiert ein einjähriger Seeadler auf seinem Zug.
Foto © Jörg Niederer
"Wer will dem Adler die Bahn vorschreiben, wenn er die Schwingen entfaltet und stürmischen Flugs sich zu den Sternen erhebt?" Georg Büchner (1813-1837)

Ein Bibelvers - 2. Mose 19,3+4

"Da rief ihm der Herr vom Berg aus zu: 'Sag es dem Haus Jakob! Verkünde es den Israeliten: Ihr habt gesehen, was ich den Ägyptern angetan habe. Euch aber habe ich wie ein Adler auf Flügeln getragen und hierher zu mir gebracht.'"

Eine Anregung

Seit zwei Tagen kann am Hugiweiher bei Frauenfeld ein Seeadler beobachtet werden. Statistisch schwanken dessen Sichtungen in der Schweiz zwischen keinem bis 3 Tieren pro Jahr. In Frauenfeld ist es die allererste Beobachtung des grössten europäischen Greifvogels.

Der Adler ist nicht beringt. Er kommt somit nicht aus der französischen Zuchtstation am Genfersee. Heute Morgen habe ich mir dieses beeindruckende Wildtier angesehen können.

Solche besonderen Beobachtungen ziehen immer viele Vogelkundlerinnen und Vogelkundler an. Es ist also gerade einiges los rund um den Hugiweiher.

Seeadler sind mit einer Flügelspannweite von bis zu  2,4 Metern deutlich grösser als der bei uns oft zu sehende und auch schon beachtlich grosse Rotmilan. Seine Hauptnahrung sind bis fünf Kilogramm schwere Fische, aber auch Vögel und Säugetiere bis zur Grösse einer Graugans. Für die Berufsfischerei sind Seeadler nützlich, weil sie für Unruhe unter den Kormoranen sorgen. Der Seeadler in Frauenfeld ist wohl etwa einjährig und auf dem Zug in den Süden ans Meer oder zu einem bewaldeten See.

Beim Betrachten dieses eindrücklichen Vogels verstehe ich, warum Adler in der Bibel immer wieder in positiver Weise für Gottes Kraft und Stärke steht, aber auch für Kraft und Vitalität der Menschen, die durch Gottes Eingreifen bewirkt wird. (Psalm 103,5).

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Mittwoch, 28. Dezember 2022

Vogeljäger

Ein Zitat

Sperber im Auenwald bei Frauenfeld.
Foto © Jörg Niederer
"Das größte Leid ist das, was sich der Mensch selbst antut." Manes Sperber (195-1984) Schriftsteller

Ein Bibelvers - Lukas 12,51

Jesus: "Meint ihr, dass ich gekommen bin, um Frieden auf die Erde zu bringen? Nein, sage ich euch, sondern Streit."

Eine Anregung

Der Sperber ist ein kleinerer Greifvogel, der ausschliesslich Vögel jagt. Geschickt fliegt er in der Deckung von Hecken im Tiefflug heran, um sich dann gezielt eines der dortigen kleinen Vögelchen zu greifen. 

Ein Vogel, der Vögel frisst, das ist für Ornithologinnen und Ornithologen wohl ein kleiner Alptraum. Wenn Katzen nicht besonders beliebt sind, weil sie auch Vögel fressen, müsste dann diese "fliegende Katze", die nur Vögel frisst, nicht genauso verpönt sein? Aber Sperber sind Vögel, wildlebende, schöne Vögel.

Da gibt es doch diese Redensart: "Der Mensch ist des Menschen Wolf". Will sagen, dass wir Menschen einander gegenseitig am gefährlichsten sind. Wir sind für diese Welt bei weitem das grössere Problem als die Sperber es für die Vogelwelt sind. 

Ich jedenfalls freue mich, dass es diese faszinierenden Tiere gibt. "Sperber" ist übrigens die Zusammensetzung von zwei althochdeutschen Wörtern: "sparo" für Sperling und "aro" für Aar oder Adler. Entweder ist "Sperlingsadler" eine Anspielung auf die geringe Grösse dieses Greifers, oder aber auf seine Hauptbeute, den Sperling. Und noch eines: Die Weibchen sind deutlich grösser als die Männchen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde