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Samstag, 27. November 2021

Kirche für drei Religionen

Ein Zitat

Bischof Ilia Osephashvili von der Evangelisch-Baptistischen Kirche in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen
Foto © Jörg Niederer
"Wir wussten, wie man Beziehungen zu Muslimen aufbaut, durch solche Brückenarbeit Frieden schafft und wie man die Versöhnung zwischen Christen und Muslimen fördert." Bischof Malkhaz Songulashvili von der Evangelisch-Baptistischen Kirche Georgien bei einer Rede 2018 im House of One in Berlin.

Ein Bibelvers - Hebräer 12,14

"Bemüht euch um Frieden mit allen Menschen und auch um Heiligkeit."

Ein Anregung

Beim Besuch einer Delegation der Evangelisch-Baptistischen Kirche von Georgien in St. Gallen erzählte der Bischof von Kachetien (Ostgeorgien) Ilia Osephashvili von einem Besuch im Irak.

Eingeladen von den schiitischen Muslimen nahmen die Bischöfe Malkhaz Songulashvili und Ilia Osephashvili am wichtigsten Fest Aschura in Kerbela teil. Es habe sich schnell herumgesprochen, dass zwei hohe christliche Vertreter in der Moschee anwesend seien (vom Äusseren sehen die Bischöfe orthodoxen Geistlichen ähnlich), mitten unter Tausenden von Muslimen. Und dann sei eine grosse Zahl von Männer auf sie zugekommen mit unbestimmter Absicht. Es stellte sich heraus, dass sie nichts Böses im Sinn hatten, sondern sich von den beiden Bischöfen segnen lassen wollten. Später dann seien auch muslimische Frauen erschienen, und auch sie liessen sich segnen. Darüber hinaus boten ihnen die Imame der Moschee an, dass sie dort, in diesem islamischen Bethaus, auch ihre christlichen Gebete verrichten dürfen.

Diese Erfahrung habe die beiden Bischöfe dazu bewegt, über die Funktion ihres christlichen Gotteshauses in Tiflis nachzudenken. Wenn sie als Christen in der Moschee der Schiiten beten und Gottesdienst feiern durften, warum soll das nicht auch für die Muslime und die Juden im christlichen Gotteshaus in der Hauptstadt Georgiens gelten. Und so sollen nun (wohl auch in Anlehnung an das House of One in Berlin) zwei Anbauten an die Hauptkirche der Evangelisch-Baptistischen Kirche verwirklicht werden. Ein Anbau als Gebetshaus für die Muslime, und ein weiterer Anbau als Gebetsraum für die Juden.

Drei abrahamitische Religionen unter einem Dach - ein weiteres Zeichen, wie ernst die Evangelisch-Baptistische Kirche in Georgien der christlichen Friedensarbeit und dem religiösen Frieden verpflichtet ist.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Donnerstag, 25. November 2021

Berührender georgischer Gesang in der Galluskrypta St. Gallen

Ein Zitat

V.l.n.r.: Bischof Ilia Osephashvili, Maka, Natia und Madona Mazmishvili, Nano Saralishvili und Bischöfin Rusudan Gotsiridze von der Evangelisch-baptistischen Kirche Georgien im Dom St.Gallen
Foto © Jörg Niederer
"Dialog und Mission: Im interreligiösen Dialog teilen die Dialogpartner den kostbaren Schatz ihrer religiösen Überzeugung. Für Christen ist dies das befreiende Evangelium von Jesus Christus." Aus den Grundsätzen der Evangelisch-reformierten Kirche des Katons St. Gallen zum Interreligiösen Dialog

Ein Bibelvers - Johannes 4,9

"Da sagte die Samariterin zu ihm: 'Du bist ein Jude, und ich bin eine Samariterin. Wie kannst du mich um etwas zu trinken bitten?' Denn die Juden vermeiden jeden Umgang mit Samaritern."

Ein Anregung

Gestern besuchten Vertreterinnen und Vertreter der Evangelisch-baptistischen Kirche aus Georgien auch die Evangelisch-methodistischen Kirche. Eingeladen hatte die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen beider Appenzell und St. Gallen (ACK).

Zum Bischof von Kachetien (Ostgeorgien) Ilia Osephashvili und der bekannten Friedensaktivistin und Bischöfin für Zentralgeorgien Rusudan Gotsiridze werde ich in späteren Beiträgen noch zu sprechen kommen. 

Dem Besuch und Gespräch in der Evangelisch-methodistischen Kirche ging eine Führung durch den Dom voraus. Dabei wurde auch die Krypta von Gallus besucht, wo die drei in Georgien bekannten Sängerinnen Maka, Natia und Madona Mazmishvili ihre Stimmen erklingen liessen, und die Domführerin und weitere Anwesende aus der Ökumene zu Tränen rührten.

Zum georgischen Baptistenbund gehören 38 Gemeinden mit knapp 1.000 Mitgliedern. Vor mehr als 150 Jahren entstand diese Kirche aus mehrheitlich russischstämmigen Molokanerinnen und Molokaner (Milchtrinker), welche ihren Namen davon haben, dass sie früher jeglichen Alkohol ablehnten. Als Gründungsdatum gilt die Taufe von Nikita Woronin am 20. August 1867 Kura. Ein interessanter Bericht zur Evangelisch-baptistischen Kirche in Georgien aus dem Jahr 2003 findet man hier.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde