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Freitag, 15. August 2025

Kirche im Übergang

Ein Zitat

Rückbau der Viva Kirche Weinfelden. Hier entsteht das neue Gemeindezentrum "Perron Süd".
Foto © Jörg Niederer
"Der Aufbau einer eigenen Meinung geht Hand in Hand mit dem Abbau von Vorurteilen." Ernst Ferstl (*1955)

Ein Bibelvers - 2. Korinther 5,17

"Wenn jemand zu Christus gehört, gehört er schon zur neuen Schöpfung. Das Alte ist vergangen, etwas Neues ist entstanden!"

Eine Anregung

So sieht ein Kirchengebäude im Übergang aus. Da wo bis vor kurzem die VIVA-Kirche Weinfelden stand, ist heute ein Bagger dabei, Mauerwerk zu verkrümeln.

Damit etwas Neues entstehen kann, muss Altes weggeräumt werden. Das ist nicht nur in der Baubranche so, sondern auch im Leben von Menschen. Auf alten, überholten Lebensfundamenten kann man zwar weiterbauen. Besser ist es aber, wenn man von Grund auf neu beginnt. Dann können neue Ideen verwirklicht werden, dann können neue Chancen genutzt werden.

Am Ort, an dem die alte Viva Kirche Weinfelden stand, entsteht eine Kombination von Kirche und Dienstleistung, entsteht das "Perron Süd". Ein Ort zum Ankommen. Bis es soweit ist, kann die Gemeinde Veränderung einüben.

Auch ich werde in diesen Tagen Veränderungen einüben. Dabei frage ich mich: Was muss ich zuvor zurückbauen, was muss weichen? Was darf bleiben?

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Freitag, 28. Februar 2025

Grösste Flüchtlingsaufnahme der Schweizer Geschichte

Ein Zitat

Das Bourbaki-Denkmal vor der Römisch-Katholischen Kirchen in Weinfelden.
Foto © Jörg Niederer
"Soldaten! Ihr müsst aus diesem Kampfe nicht nur siegreich, sondern auch ohne Tadel hervorgehen … Deshalb stelle ich die Kinder, die Frauen, die Greise und die Diener der Religion unter Euren Schutz. Wer Hand an eine wehrlose Person legt, entehrt sich selbst und schändet seine Fahne. Die Gefangenen und besonders die Verwundeten verdienen umso mehr Eure Rücksichtnahme und Euer Mitleid, als ihr euch oft mit ihnen im selben Lager befunden habt …" Guillaume Henri Dufour (1787-1875)

Ein Bibelvers - Lukas 10,33+34

"Aber dann kam ein Samariter dorthin, der auf der Reise war. Als er den Verwundeten sah, hatte er Mitleid mit ihm. Er ging zu ihm hin, behandelte seine Wunden mit Öl und Wein und verband sie. Dann setzte er ihn auf sein eigenes Reittier, brachte ihn in ein Gasthaus und pflegte ihn."

Eine Anregung

Luzern hat das Bourbaki-Panorama und Weinfelden das Bourbaki-Denkmal. Es steht bei der katholischen Kirche, und erinnert an die Internierung von 500 französischen Armeeangehörigen im damals 2600-Seelen-Städtchen. Zum Vergleich: Müsste die Stadt Zürich mit ihrer aktuellen Wohnbevölkerung von 448'664 Menschen eine vergleichbare Flüchtlingszahl heute aufnehmen, wären es 86'281 Menschen. Auf fünf Einwohner käme ein Internierter.

Grund dieser hohen Zahl an ausländischen Soldaten im Thurgau war die Niederlage Frankreichs im Deutsch-Französischen Krieg, und die damit im Winter 1871 verbundene Internierung der französische Ostarmee in der Schweiz, die unter dem Kommando von General Bourbaki stand. Die Internierung, so heisst es auf der Webseite des Roten Kreuzes "...war ein Meilenstein in der Geschichte der schweizerischen Neutralitätspolitik. Innerhalb von weniger als 72 Stunden überquerten 87'847 französische Soldaten die Grenze. Dabei handelte es sich zweifellos um die grösste Flüchtlingsaufnahme in der Schweizer Geschichte".

Diese Armeeangehörigen wurden in der ganzen Schweiz, nicht aber im Tessins, auf die Gemeinden verteilt. Verpflegt wurden sie durch die ansässige Bevölkerung. In Weinfelden untergebracht waren sie im Schulhaus. Auch arbeiten durften oder mussten die Soldaten unmittelbar bei ihrer Ankunft, meist auf den umliegenden Bauernhöfen.

Das Bourbakidenkmal ist beschriftet: Darauf steht: "Zur Erinnerung der im Februar & März 1871 in hier verstorbenen 10 Internierten der Bourbakischen Armee." Einer starb an Pocken, sieben an Typhus, einer an Ruhr und einer an Lungenentzündung. Da der Friedhof bei der Kirche mit einheimischen Verstorbenen überfüllt war, wurden sie auf der Schützenwiese beigesetzt.

Mehr über die damaligen Herausforderungen Weinfeldes mit den Soldaten aus Frankreich erfährt man in einem illustrierten Bericht von Martin Sax.

Man merke: Am Anfang der schweizerischen Neutralitätspolitik stand die grösste Aufnahme von Fremden in der Schweiz. Und dann dies: Schon damals gab es in Weinfelden Probleme mit der Friedhofsordnung (Siehe Beitrag vom 14. Januar 2025).

Zur Schweizerischen Identität gehörte nicht die Rückweisung Fremder und die Begrenzung der Einwanderung, sondern eine unglaubliche Hilfsbereitschaft für Notleidende. Heute steht diese humanitäre Tradition auf dem Spiel. Es stellt sich die Frage: Wollen wir wirklich immer noch den unter die Räuber Gefallenen helfen (siehe Lukas 10,29-37)?

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Sonntag, 19. Januar 2025

Abendmahl

Ein Zitat

Glasfenster der Katholischen Kirche St. Johannes der Täufer in Weinfelden.
Foto © Jörg Niederer
"Wenn wir sagen, dass das Abendmahl auf das Gebot Christi zurückgeht, dann kann niemand christliche Frömmigkeit für sich beanspruchen, der es nicht so oft wie möglich empfängt." John Wesley (1703-1791)

Ein Bibelvers - Johannes 15,5

"Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer mit mir verbunden bleibt so wie ich mit ihm, bringt reiche Frucht. Denn ohne mich könnt ihr nichts erreichen."

Eine Anregung

Beim Abendmahl steht der sich den Menschen hingebende Christus im Zentrum. Das Glasfenster der Katholischen Kirche St. Johannes der Täufer in Weinfelden stellt diese Hingabe Christi als Kreuzigungsszene dar.

Diesen Sonntag feiern wir das Abendmahl in der Methodistenkirche St. Gallen. Dazu gibt es eine Predigt zur aktuellen Jahreslosung über 1. Thessalonicher 5,21. Wer gerne dabei sein möchte, auch zum Abendmahl, ist herzlich an die Kapellenstrasse 6 eingeladen. Der Gottesdienst beginnt um 10.15 Uhr.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Dienstag, 14. Januar 2025

Gemeinsam auf einem Friedhof

Ein Zitat

Frühmorgens auf dem Friedhof Weinfelden.
Foto © Jörg Niederer
"Anerkennung ist eine Pflanze, die vorwiegend auf Gräbern wächst." Robert Lembke (1913-1989)

Ein Bibelvers - 1. Könige 13,29+30

"Da hob der Prophet den Leichnam des Gottesmannes auf. Er legte ihn auf den Esel und nahm ihn mit zurück. Als er wieder in seiner Stadt war, trauerte der Prophet um ihn und begrub ihn. Er legte den Leichnam in sein eigenes Grab."

Eine Anregung

Zu einer Zeit, als in der Schweiz sich die Religionslandschaft noch weitgehend christlich zeigte, abgesehen von den ungeliebten schweizerischen Jüdinnen und Juden, verliefen weit heftigere Bruchlinien zwischen den Konfessionen, als dies heute der Fall ist. So war es undenkbar, dass Katholik:innen auf protestantischen Friedhöfen bestattet werden oder anders herum. Damals entstanden erste Methodistengemeinden. Ihren Pfarrern wurde es verboten, Abdankungen auf protestantischen Friedhöfen zu halten. Gläubige dieser damals neuen, aufblühenden Kirche in der Schweiz mussten sich für eine christliche Bestattung an den reformierten Pfarrer wenden. Der war den Methodisten oft ablehnend gesinnt. Aus diesem Grund kaufte etwa die Methodistengemeinde von Rheineck ein Stück Land, um dort ihre Toten "methodistisch" beisetzen zu können. Bevor es aber soweit war, kam eine neue Bundesverfassung und damit wurde das Bestattungswesen verstaatlicht, nicht zur Freude vieler evangelischer und katholischer Christen. Damals wollten Katholik:innen und Protestant:innen noch nicht nebeneinander in den Gräbern liegen, doch genau das brachte das staatliche Bestattungswesen mit sich. Ein Bundesgerichtsurteil bestätigte diese "Ungeheuerlichkeit" und hielt fest, dass im Tod alle gleich seinen, egal aus welchem Stand oder Konfession.

Heute kräht kein Hahn mehr nach getrennten Friedhöfen. Und die Bestattungsarten sind vielfältiger geworden als früher. Zur Erdbestattung ist die Kremation und Beisetzung in Urnengräbern oder Gemeinschaftsgräbern dazugekommen, wobei Urnen auch auf privatem Grund bestattet werden dürfen. Geschichtlich bedingt gibt es bis heute auch Friedhöfe, in denen ausschliesslich jüdische Menschen bestattet werden. Neuere Friedhöfe sehen für jüdische Gräber auch eigene Abteilungen in ihren Friedhofsanlagen vor. Gemeinsam auf einem Friedhof, aber in unterschiedlichen Bereichen, das gibt es auch für Muslime, etwa auf dem Waldfriedhof Meisenhard in Olten.

Genau dieser Wunsch von Muslimen nach einem eigenen Grabfeld auf dem gemeinsamen Friedhof gibt nun in Weinfelden heftig zu reden. Dabei wird, was einst ein wichtiger Schritt auf dem Weg der Gleichbehandlung von verstorbenen Christ:innen war, nun dazu verwendet, diesen Wunsch der Muslime zu kritisieren. Ein vor 150 Jahren integrierendes Gesetz wird heute für die Rückweisung der Ansprüche einer Religionsgemeinschaft verwendet, die es damals bei uns gar noch nicht gab.

Darf es auf einem Friedhof ausgewiesene Bereiche geben? Keine Frage, die gibt es schon: Urnennischen etwa. Erdgräber von Erwachsenen. In Winterthur auf dem Friedhof kann man sich Urnengräber unter Bäumen aussuchen. Für Kindergräber ausgewiesene Bereiche gibt es auch auf fast allen Friedhöfen der Deutschschweiz. Heisst das, dass Kinder nicht so wichtig sind wie Erwachsene? Doch sicher nicht. Im Gegenteil, man will ihnen besonders gerecht werden.

Rechtlich gesehen könnte ich als Erwachsener nun verlangen, dass ich auch im Bereich der Kindergräber bestattet werde. Denn Grabfelder dürfen nicht ausschliesslich für eine bestimmte Gruppe von Menschen verwendet werden. Das würde auch so sein bei einem islamischen Grabfeld auf dem Friedhof Weinfelden. Auch dort könnten sich Menschen anderer Religion oder Konfession bestatten lassen. Ob sie das wollen? Ich vermute, dass dies überraschend oft geschehen wird, besonders bei religionsgemischten Paaren.

Ich habe grosse Sympathie für den Wunsch der Muslim:innen auf ein eigenes Grabfeld innerhalb des gemeinsamen Friedhofs. Denn genau das drückt doch aus, dass alle dazugehören dürfen, verstorbene Kinder in ihrem Bereich, Erdbestattete in ihrem Bereich, Feuerbestattete in ihrem Bereich, unter Bäume bestattete in ihrem Bereich, jüdische Menschen in ihrem Bereich und auch muslimische Menschen in ihrem Bereich. Denn wenn es zur einer Bestattung kommen muss, dann will man doch nicht streiten, sondern Frieden finden.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Mittwoch, 25. Dezember 2024

Fuchsia-Weihnachtsbaum im Alpenraum

Ein Zitat

Per KI auf der Webseite der Reformierten Kirche Luzern erzeugte Weihnachtskarte.
Foto © KI auf Webseite der reformierten Kirche Luzern
"An Weihnachten verbringe ich Zeit mit meiner Familie." Jael auf der Webseite der reformierten Kirche Luzern

Ein Bibelvers - Ezechiel 37,26

"Dann schließe ich einen Bund des Friedens mit ihnen. Dieser Bund wird für alle Zeit gelten. Ich gebe ihnen das Land und sorge dafür, dass sie sich vermehren. Für immer wird mein Heiligtum in ihrer Mitte sein."

Eine Anregung

Ich habe es getan. Ich habe auf der Webseite der reformierten Kirche meine persönliche Weihnachtskarte durch eine Künstliche Intelligenz (KI) erstellen lassen. Ich habe mich für eine Berglandschaft entschieden und mir einen Fuchsia-Weihnachtsbaum gewünscht, und die KI hat das doch richtig toll hingekriegt. Sogar das Matterhorn ist darauf; es hätte aber auch ein anderer Berg sein dürfen.

Heute feiere ich einen Weihnachtsgottesdienst in Weinfelden. Darauf freue ich mich. Das Thema lautet wenig überraschend: "Gott in unserer Mitte". Da weiss man ja schon, was kommt, oder? Viele Weihnachtslieder!

Wer dabei sein möchte, kann das heute um 10.00 Uhr an der Hermannstrasse 10 in Weinfelden oder am morgigen Stefanstag um 10.15 Uhr an der Kapellenstrasse 6 in St. Gallen tun. Einen Fuchsia-Tannenbaum gibt es an beiden Orten leider nicht, dafür aber Wärme, Gemeinschaft und auch noch etwas Kaffee.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Sonntag, 15. Dezember 2024

Haltestelle Advent

Ein Zitat

Die neu erstellte Postautohaltestelle Illighausen Dorf ist das Adventsfenster vom 13. Dezember 2024.
Foto © Jörg Niederer
"Die Idee ist eine Haltestelle des Gedankens." Henri Bergson (1859-1941), Literaturnobelpreisträger

Ein Bibelvers - Jesaja 51,5

"Meine Gerechtigkeit ist nahe, meine Rettung ist schon auf dem Weg. Mit starker Hand schaffe ich Recht unter den Völkern. Auf mich hoffen die Bewohner der fernsten Inseln. Sie warten darauf, dass ich meine Stärke zeige."

Eine Anregung

Die Postauto-Haltestelle "Dorf" in Illighausen wurde diesen Sommer ganz neu gemäss den Vorgaben des Behindertengleichstellungsgesetzes ausgebaut. Sie sieht noch ziemlich jungfräulich aus, womit wir passend bei der Weihnachtsgeschichte angelangt sind. Zudem wurde sie zum Adventsfenster vom 13. Dezember 2024. Für uns war sie am Samstag Adventsentdeckung und Fluchtort vor dem kalten Regen zugleich.

Ein Haltestelle im Verlauf der Woche kann auch der Gottesdienst am Sonntag in der Kirche sein. Heute werde ich in der Methodistenkirche in Weinfelden noch einmal über die Flucht von Lot und seiner Familie predigen. Beginnen wird der Anlass um 10.00 Uhr an der Hermannstrasse 10. Dazu sind alle ganz herzlich eingeladen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Sonntag, 6. Oktober 2024

Fruchtbare Jahreszeit

Ein Zitat

Ein Hochstamm-Apfelbaum über dem Bodensee.
Foto © Jörg Niederer
"Dankbare Menschen sind wie fruchtbare Felder. Sie geben das Empfangene zehnfach zurück." August von Kotzebue (1761-1819)

Ein Bibelvers - Psalm 95,2

"Wir wollen mit Dank vor sein Angesicht treten. Lasst ihn mit unseren Gesängen hochleben."

Eine Anregung

Gestern schrieb ich schon von der Ernte. Auch heute begegnete ich ihnen im ländlichen Thurgau: den Erntehelfenden. Die einen pflückten Äpfel, andere schüttelten sie von den Bäumen, und einer las sogar Maroni von einer Edelkastanie in seinem Garten ab.

Wie wunderschön sind gerade jetzt die prallvollen Obstbäume. Im Thurgau gibt es auch noch die Hochstämmer, die für die Biodiversität besonders wertvoll sind.

Viel Grund also, dankbar zu sein für dieses Land, für die Fruchtbarkeit, für die damit verbundene Schönheit. Grund, Erntedank zu feiern, wie heute zum Beispiel in der Methodistenkirche Weinfelden. Um 10.00 Uhr geht es los, und anschliessend gibt es ein feines Mittagessen.

Die Methodistenkirche in Weinfelden findet man an der Hermannstrasse 10. Herzlich willkommen!

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Dienstag, 1. Oktober 2024

Seifenblasenfreude

Ein Zitat

Eine grosse Seifenblase steigt über den Dachgiebel des Altstadthauses in Weinfelden dem Himmel entgegen.
Foto © Jörg Niederer
"Wenn die Puste für Sackhüpfen nicht mehr reicht / und die Knochen für Purzelbäume zu alt sind, dann nimm Seifenblasen, die bringen in jedem Alter / Farbe, Freude und neue Träume in dein Leben." Vera Peiter

Ein Bibelvers - 2.Korinther 6,10

"Wir geraten in Trauer und bleiben doch fröhlich. Wir sind arm und machen doch viele reich. Wir haben nichts und besitzen doch alles!"

Eine Anregung

Grosse und kleine Seifenblasen tanzen über den Gottesdienstbesuchenden an der WEGA Weinfelden in der Luft und verbreiten Heiterkeit. Zuvor schon übten einige Jugendliche, wie sie die grossen Seifengebilde mittels zweier Stöcke und einer Schnur zum Leben erwecken können. 

Seifenblasen – die einen zerplatzen nach kurzer Zeit an einer Mauer oder am Boden. Andere steigen hoch, tanzen lange im sanften Wind, suchen den Himmel.

Seifenblasen – da sind die, welche wabernd und vibrierend ihre Form verändern. Andere kommen schon kugelrund zur Welt. 

Seifenblasen – transparent geben sie den Blick frei auf die Farben und Formen des Hintergrunds. Ich sehe das Grau der Mauern in der einen und das Blau des Himmels in der anderen.

Seifenblasen – Sie schillern die kurze Zeit ihres Seins. In diesen Augenblicken verbreiten sie Spielfreude, zaubern ein Lachen auf die Gesichter von Kindern und Alten.

Ich schaue zu, wie die Jüngsten voller Begeisterung Seifenblasen-Serien aus den kleinen Ringen blasen. So muss es gewesen sein, als Gott die Welt schuf. Mit jedem Atemzug kam er/sie der Schönheit und Zärtlichkeit nahe, ganz bei der Sache, ganz bei uns auf dieser einen runden irdenen Seifenblase, hervorgegangen aus dem Hauch seiner Worte, leuchtend blau und voller Lebendigkeit.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Sonntag, 14. Juli 2024

Kapelle mit Blätterdach

Ein Zitat

Baumkapelle im Jurapark Aargau, zwischen Linn und der Staffelegg bei Kilholz.
Foto © Jörg Niederer
"Uf dere Bank gaht's ned um's Gold, mer gseht es Stückli schöni Wällt. 2003" Anschrift an der Bank der Baumkapelle im Jurapark Aargau

Ein Bibelvers - 1. Könige 8,22-23

"Dann trat Salomo vor den Altar des Herrn. Vor der ganzen Versammlung der Israeliten breitete er seine Hände zum Himmel aus und betete: Herr, Gott Israels! Kein Gott ist wie du, weder oben im Himmel noch unten auf der Erde."

Eine Anregung

Nein, das ist kein gewöhnliches Bänkchen unter einigen Bäumen. Das ist eine Baumkapelle. Sie steht im Jurapark Aargau, an der Strecke der 2. Etappe des Jurahöhenwegs. Beschrieben wird sie auf einer Infotafel so: "Sie besteht aus vier Bäumen, die in einem Quadrat angeordnet sind. Ergänzt mit einer Sitzbank ergeben die zusammenwachsenden Kronen einen Rastplatz, der Ihren Aufenthalt noch angenehmer macht, während Sie die Aussicht in die Tafel- und Kettenjuralandschaft geniessen."

Die Kapelle der Methodistenkirche Weinfelden an der Hermannstrasse 10 kann nicht mit so einem grünen, lebendigen Dach aufwarten. Aber dafür muss sie auch nicht auf einer über 4 Kilometer langen Strecke erwandert werden, sondern ist nur gerade 5 Fussminuten vom Bahnhof Weinfelden entfernt. Morgen um 10.00 Uhr gibt es dort einen anregenden Gottesdienst. Alle sind herzlich eingeladen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Samstag, 23. März 2024

Magnolien, weil sie schön sind

Ein Zitat

Blühender Purpurmagnolienbaum in Weinfelden.
Foto © Jörg Niederer
"Großmäulig stehst du wieder da / In deiner rosa Blütenpracht, / Du hast dich kitschig schön gemacht, / Denn deine Blätter sind noch rar.
Musst stets eine der ersten sein, / Du trauriges Theaterstück, / Doch allzu kurz nur währt das Glück, / Zu schnell vorbei, der schöne Schein." Gedicht von Peddagog

Ein Bibelvers - Psalm 72,7

"Die Gerechtigkeit soll aufblühen in seinen Tagen. Und Frieden soll herrschen weit und breit, so lange, bis es den Mond nicht mehr gibt."

Eine Anregung

Auf "Threads" schrieb jemand als Begleittext zu einigen Fotos von Magnolien: "Das wievielte Magnolienbild soll hier noch gepostet werden?". Eine berechtigte Frage in diesen Tagen der Magnolienblüte. Ich finde, mein Foto von einer Purpurmagnolie gehört gezeigt. Einfach, weil die Pflanze schön ist. Sie stammt ursprünglich aus China und ist ein Elternteil der bekannten Tulpenmagnolie. Das muss man nicht wissen, um sich an der kurzen Prachtzeit zu erfreuen. Nicht lange, und die farbigen Blütenblätter bedecken den Boden und werden vom Wind in den Sommer hinein verweht. Dann wird der Magnolienbaum wohl nicht mehr besonders beachtet unter all den anderen grünblättrigen Gartengewächsen. So ist das Leben.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Sonntag, 14. Januar 2024

Ökumenisches OrgelWort

Ein Zitat

Die Gischt vom Bodensee hat ein Baugitter in Romanshorn in eine Eisskulptur verwandelt.
Foto © Jörg Niederer
"Der Zuhörer sitzt quasi mitten in der Orgel drin..." Zitat des Orgelbauers der neuen Orgel in St. Laurenzen, St. Gallen

Ein Bibelvers - Psalm 81-1-2

"Für den Chorleiter, zu spielen auf dem Musikinstrument aus Gat. Von Asaf. Jubelt Gott zu, er ist unsere Stärke, lasst den Gott Jakobs hochleben!"

Eine Anregung

Heute Sonntag finden landauf, landab die Gottesdienste der Allianzgebetswoche statt. Ich werde an der Feier in der Evangelischen Kirche Weinfelden beteiligt sein. Alle sind um 10.00 Uhr herzlich dazu eingeladen.

Am Abend findet aber noch ein weiterer bemerkenswerter Anlass statt. Zum 2. Mal wird in St Gallen das Ökumenische OrgelWort durchgeführt. Dieser Anlass beginnt um 17 Uhr in der Kathedrale, und endet eine Stunde später in St. Laurenzen. Orgelklänge gliedern und tackten die Zeiten in den beiden Kirchen. Texte, gelesen von Beteiligten aus der Römisch-katholischen, der Christkatholischen, der Reformierten und der Evangelisch-methodistischen Kirche, ergänzen die Klänge.

Über die Qualität der Orgel in der Kathedrale muss man nicht mehr viele Worte verlieren. Anders bei der Goll-Orgel in St. Laurenzen. Seit vergangenem Jahr findet sich dort die weltweit einzige quadrophonische Orgel. Sie verspricht einen ausserordentlichen Hörgenuss.

Nach der Zeit in den beiden Kirchen kann man sich bei heissen Marronis unterhalten und den Abend ausklingen lassen.

Aber was hat die Fotografie mit dem OrgelWort zu tun? Nun, die Gischt des Bodensees hat ein Baugitter in eine Eisskulptur verwandelt. Mit ihren aufgereihten Eiszapfen erinnert sie mich entfernt an einen lichtdurchfluteten, eisigen Orgelprospekt.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Dienstag, 19. Dezember 2023

Wunschkonzert

Ein Zitat

Drei Rehe auf einer Wiese oberhalb von Bussnang lassen sich auch am Tag kaum stören beim Äsen.
Foto © Jörg Niederer
"Wenn eine Sorge zu gering ist, sie in ein Gebet zu wandeln, dann ist sie auch zu gering, sie zu einer Last zu machen." Corrie Ten Boom (1892-1983)

Ein Bibelvers - Markus 11,24

"Deshalb sage ich [Jesus] euch: Für alles, worum ihr im Gebet bittet, gilt: Glaubt fest daran, dass ihr es bekommt, dann wird es euch geschehen."

Eine Anregung

Auf einer Anhöhe oberhalb von Bussnang gelang der Sonne endlich der Durchbruch. Dabei sah es zu Beginn unserer Wanderung trübe und eisig aus. Reifekristalle auf Blättern, Holz und Drahtgeflecht. Doch dann im Riet bei Märwil begann es zu tauen. Die Eiskristalle verwandelten sich unter den Bäumen in Regentropfen. Mit der Sonne kam die Gartenbank wie gerufen. Wir setzten uns und schauten über die Wiesen und Wälder hinüber zum Ottenberg und dem Schloss Weinfelden. 

"Jetzt wäre es schön, wenn auch noch Rehe aus dem Wald kämen", meinte meine Frau. Ehe wir es uns versahen, rannten drei dieser grazilen Tier in Windeseile über die Wiese, verschwanden hinter einem Wäldchen, um auf der anderen Seite wieder aufzutauchen. Wir freuten uns, und ich schlug vor, meine Frau solle sich nun auch noch einen Fuchs am Waldrand wünschen.

Dann ging unsere Wanderung weiter. Hinter einem Bauernhaus öffnete sich die Landschaft und dort sahen wir die drei Rehe wieder. In aller Ruhe ästen sie auf der Wiese. Immer wieder hob eines der Tier den Kopf und kontrollierte die Umgebung. Irgendeinmal entdeckten sie uns. Ab dann liessen sie die Augen nicht mehr von uns ab, bis sie sich über eine klein Hügelkuppe davongemacht und unseren Blicken entzogen hatten.

Nun denke ich mir, genauso könnte es doch sein, wenn wir beten: Kaum haben wir die Bitte ausgesprochen, schon wird sie Wirklichkeit. Nur, so ist es eben meistens nicht. Beten ist halt kein Wunschkonzert. Genauso wenig, wie der Natur zu sagen, sie solle drei Rehe vorbeischicken.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Samstag, 16. Dezember 2023

Die Axt an der Baumwurzel

Ein Zitat

Eine kranke Linde wird in Weinfelden fachmännisch gefällt.
Foto © Jörg Niederer
Der Stil der Axt, welche die Bäume fürchten, war selbst einmal Teil eines Baums im Wald.

Ein Bibelvers - Matthäus 3,10

Johannes der Täufer: "Die Axt ist schon an die Baumwurzel gesetzt: Jeder Baum, der keine gute Frucht bringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen."

Eine Anregung

Nein, dieser Baum beim Bahnhof Weinfelden wird in keine Stube gestellt und geschmückt. Dazu ist er von der falschen Sorte, schon zu umfangreich, und wie ich hörte, krank, und daher sturmgefährdet. Er musste gefällt werden, da er zu einem Sicherheitsrisiko wurde für die vielen Passantinnen und Passanten, die hier auf Strasse und Gehweg vorbeikommen.

Advent ist die Zeit der Gerichtspredigten. Die von der Axt, die an die Baumwurzel angesetzt wird, ist zu einem geflügelten Sprichwort geworden. Heute geschieht das natürlich mit der Motorsäge. So wurde ich Zeuge, wie die Linde fachmännisch entfernt wurde. Zwei Stunden später war vom einstigen Baum nur noch ein Loch übrig, in das in absehbarer Zeit eine Ersatzpflanzung erfolgen soll.

Heute wissen wir, wie wichtig Bäume und Grünflächen in Siedlungen sind. Es gibt sogar Citys, die zu sogenannten Schwammstädten werden wollen, also urbane Orte, in denen viel Wasser auch in Baustrukturen zurückgehalten wird, um so durch Verdunstung die Temperaturen in heissen Zeiten zu senken.

Vielleicht ist aber auch schon die Axt an unsere menschlichen Strukturen und unseren Lebensstil angelegt, weil wir über unsere Verhältnisse leben. Doch das will ich nun nicht weiter ausführen. Nur soviel: Advent ist halt auch eine Zeit der Gerichtsworte, wie dasjenige von Johannes dem Täufer.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen


Samstag, 18. November 2023

Bluegrass in Weinfelden

Ein Zitat

Rosi und Kent Miller spielen Bluegrass-Musik.
Foto © Rosi und Kent Miller
"Da ich aus der Bluegrass-Szene komme, verstehe ich Familienharmonien sehr gut." Marty Stuart, Country-Sänger

Ein Bibelvers - Psalm 150,1+4

"Halleluja. Lobt Gott in seinem Heiligtum! Lobt ihn in seiner starken Himmelsburg! ... Lobt ihn zur Handtrommel und tanzt im Kreis! Lobt ihn mit Saitenspiel und Flötenmusik!"

Eine Anregung

Ein besonderer musikalischer Leckerbissen erwartet die Gäste am Nachmittags-Bluegrasskonzert der Zweierformation "The Millers" am kommenden Dienstag, dem 21. November 2023 um 14.30 Uhr an der Hermannstrasse 10 in Weinfelden. Rosi und Kent Miller gehören zu den Menschen, die sich sehr um diese Musik aus der nordamerikanischen ländlichen Kultur in der Schweiz bemüht haben und regelmässig selbst auftreten. Der Anlass ist öffentlich und geeignet für alle Altersgruppen, richtet sich aber speziell an alle, die schon zu den 55+ gehören. 

Wer gerne einen Augenschein nehmen möchte, was ihn an diesem Nachmittag erwartet, kann sich durch ein eindrückliches Video informieren lassen. Und dann ist auch der Flyer gut für weitere Informationen. Wir freuen uns auf viele Konzertteilnehmende.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Samstag, 7. Oktober 2023

Brechsand

Ein Zitat

Kieswerk in Weinfelden mit verschiedenen Sandqualitäten.
Foto © Jörg Niederer
"Das Gute in Felsen schlag - dass du es siehst jeden Tag / Das Böse schreibe in Sand - mit den Wellen es verschwand" Jo Dantes

Ein Bibelvers - Sprüche 27,3

"Stein und Sand sind schwere Lasten. Aber schwerer als beide wiegt der Ärger, den du mit einem Dummkopf hast."

Eine Anregung

Das Kieswerk in Weinfelden ist weitherum und ganz besonders vom Zug aus gut zu sehen. Als ich vor einigen Tagen daran vorüberging, viel mein Blick auf Beschriftungen an einem grossen Gebäude. Nebst den Anschriften 4/8, Sand 6, Sand 5 und 8/16 stach mir besonders der Ausdruck "Brechsand" ins Auge. 

Ich musste sofort an die Hollandferien meiner Kindheit denken, an die Zeiten am Strand. Dort, im steten Wind, der vom Meer her blies, konnte man keinen Bissen nehmen, ohne dass Sandkörner zwischen den Zähnen knirschten. Vollends unangenehm wurde es, wenn man beim Herumtollen mit offenem Mund in den Sand fiel. Das artete in ein hysterisches Spucken aus, und wenn es ganz schlimm kam, wurde der Sand mit weiteren biologischen Zusatzstoffen den Dünen übergeben - sprich: erbrochen.

Bisher wusste ich nicht, dass solcherart Sand einen Namen trägt: "Brechsand"! Wobei, dass dieser Sand extra hergestellt wird, fand ich doch etwas dekadent. Statt die Stäbchen, welche sich die alten Römer in den Hals steckten, um so den Brechvorgang auszulösen und Platz für weitere Tafelfreuden zu machen, kennen wir nun also den Sand - den Brechsand?

Natürlich nicht. Brechsand hat nichts mit dem Übergeben und Erbrechen zu tun. Brechsand ist ein Qualitätsprodukt, wie ich zwischenzeitlich herausgefunden habe. Brechsand nennt man künstlich produzierten Sand mit Korngrössen von 1-5 Millimeter. Normaler Sand dagegen ist bis 2 Millimeter gross. Brechsand ist scharfkantig, schwer und doppelt so teuer wie anderer Sand. Im Gartenbau hemmt er als Fugensand das Wachstum der Pflanzen. Das zarte Grün findet die scharkantigen Brechsandkörner wohl zum Kotzen. Doch ganz verhindern kann auch Brechsand nicht den Lebenswillen der Pflanzen. Diese brauchen einfach etwas länger durch die sandig kratzende Masse. Schlussendlich brechen die zarten Pflanzen selbst durch den Brechsand hindurch. Eins zu Null für das Leben, das sich nicht brechen oder hindern lässt.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Mittwoch, 27. September 2023

Gratis, aber nicht umsonst!

Ein Zitat

Am WEGA-Gottesdienst 2022 in Weinfelden
Foto © Jörg Niederer
"Es ist umsonst, dass dir das Glück gewogen ist, wenn du nicht selbst erkennst, wie sehr du glücklich bist." Andreas Tscherning (1611-1659)

Ein Bibelvers - Jesaja 55,1

"Auf, ihr Durstigen, hier gibt es Wasser! Auch wer kein Geld hat, kann kommen. Kommt, kauft euch zu essen! Kommt und kauft ohne Geld! Wein und Milch – sie kosten nichts."

Eine Anregung

Die WEGA ist die Gewerbeausstellung des Kantons Thurgau. Jährlich findet sie in Weinfelden statt. Was seit einigen Jahren auch stattfindet, ist der WEGA-Gottesdienst. Am kommenden Sonntag um 10.00 Uhr ist es wieder soweit.

Thematisch geht es um das, was uns geschenkt wird. Ich habe an solchen Gewerbeausstellungen schon viel Ramsch erhalten. Dinge, die ich nur angenommen habe, weil sie kostenlos abgegeben wurden. Als Kinder sind wir in richtige Sammelschlachten gezogen. Unter der Beute fand sich dann bestimmt das dreissigste Käppi und der zweihundertste Kugelschreiber. Doch es gibt auch gratis Abzugebendes, das nicht umsonst ist, das sich echt lohnt. Was, das erfährt man am diesjährigen WEGA-Gottesdienst.

Und noch etwas Besonderes wird es geben. Auftreten wird auch eine Delegation des Union Gospel Choir mit Auszügen aus seinem Programm. Es lohnt sich also, am nächsten Sonntag zur TKB-Bühne an die WEGA in Weinfelden zu pilgern.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Dienstag, 5. September 2023

Am Frieden schmieden

Ein Zitat

Die einstige Schenke und Schlosserei zum Frieden in Weinfelden ist immer noch entsprechend beschriftet.
Foto © Jörg Niederer
"Wir kämpfen darum, in Frieden leben zu können." Aristoteles (384–321 v.Chr.)

Ein Bibelvers - Hebräer 12,14

"Bemüht euch um Frieden mit allen Menschen und auch um Heiligkeit. Ohne sie wird niemand den Herrn sehen."

Eine Anregung

In München steht das Hofbräuhaus und in Weinfelden an der Bankstrasse das Haus "Frieden". Die einstige Schenkenwirtschaft war auch eine Schlosserei. So ist diese Dorfbeiz von einst bis heute beschriftet: "Schlosserei zum Frieden". Die eine Hälfte des Hauses war also von Stammtischgesprächen erfüllt, während aus der andere Hälfte die dröhnenden und scheppernden Klänge eines metallverarbeitenden Betriebs zu hören waren.

Nun ist es in Zeiten, in denen die Rüstungsbetriebe Hochkonjunktur haben, eine wünschenswerte Sache, wenn in Wirtschaft und Gesellschaft am Frieden gearbeitet wird. Etwa am Umschmieden von Kriegsgerät zu landwirtschaftlichen Utensilien. "Schwerter zu Pflugscharen" um es in biblischer Metapher zu sagen. Auch besser ist es, wenn mit Worten am Schenkentisch gefochten wird, und nicht mit Spiessen in Schützengräben.

Frieden ist nicht leicht zu finden und nur schwer aufrecht zu erhalten. Frieden schaffen, das ist Handwerk, Knochenarbeit. Aber es lohnt sich. Wie sagte doch einst Jesus: "Glückselig sind die, die Frieden stiften. Denn sie werden Kinder Gottes heißen." (Matthäus 5,9)

Wenn also in der Schenkenwirtschaft statt Ränke geschmiedet der Frieden gebraut wird, wäre das doch auch richtig gut. In diesem Sinn wünsche ich uns heute nur Frieden. Ob geschmiedet, geschlossert, gekocht oder gebraut: Hauptsache dabei entsteht eine himmlische Zufriedenheit.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Freitag, 24. Februar 2023

Ein Jahr des verpassten Friedens

Ein Zitat

Friedenspfahl vor dem einstigen Kloster Allerheiligen in Schaffhausen.
Foto © Jörg Niederer
"Wir bitten dich für die Feinde des Friedens und für diejenigen, die den Unschuldigen Schaden zufügen wollen: Wende die Herzen aller der Güte und Freundschaft zu." Aus der Friedensliturgie zum Jahrestag des russischen Überfalls auf die Ukraine.

Ein Bibelvers - Jesaja 57,19-21

"Als Schöpfer sorge ich dafür, dass die Trauernden Loblieder auf den Lippen haben. Frieden, Frieden den Fernen und den Nahen. Ich will sie heilen, sagt der Herr. Aber die Frevler sind wie das aufgepeitschte Meer. Es kommt nie zur Ruhe, sein Wasser wühlt Schlamm und Dreck auf. Für die Frevler gibt es keinen Frieden! Das sagt mein Gott."

Eine Anregung

Heute jährt sich der Krieg russischer Streitkräfte gegen die Ukraine. Noch ist weit und breit kein Ende des Tötens abzusehen. Die Sehnsucht nach Frieden ist gross im überfallenen Land, genauso wie an jedem Ort, an dem die Waffen sprechen.

Unlängst kam ich an einem weiteren Friedenspfahl vorbei, nachdem ich diesen Stelen ein erstes Mal in Ascona auf dem Monte Verità begegnet war. Der fotografierte Pfahl steht in Schaffhausen vor dem ehemaligen Kloster Allerheiligen.

Die Kirchen der Schweiz rufen heute auf zu einem nationalen Gebet für den Frieden um 16.00 Uhr im Berner Münster.

Wer nicht so weit reisen möchte, ist etwa in St. Gallen zu folgenden beiden Anlässen eingeladen: Gemeinsam beten Gläubige heute Mittag um fünf nach Zwölf in der Stadtkirche St. Laurenzen für den Frieden. Abends um 18.15 Uhr predigt der ukrainische Bischof Bohdan Dzyurakh im Gottesdienst in der Kathedrale.

In Weinfelden findet das ökumenische Friedensgebet um 18.00 Uhr auf dem Pestalozzi-Schulhausplatz statt.

"Möge Frieden auf Erden sein" steht auf dem Friedenpfahl in Schaffhausen. Möge auch bald Frieden in der Ukraine und in allen anderen Krisenregionen sein.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Sonntag, 25. Dezember 2022

Gesegnete Weihnachten

Ein Zitat

Christbaum im Städtchen Zofingen.
Foto © Jörg Niederer
"Das ist das Wunder der Heiligen Nacht, dass in die Dunkelheit der Erde die helle Sonne scheint." Friedrich von Bodelschwingh (1831-1910)

Ein Bibelvers - Lukas 2,10+11

"Der Engel sagte zu ihnen: 'Fürchtet euch nicht! Hört doch: Ich bringe euch eine gute Nachricht, die dem ganzen Volk große Freude bereiten wird. Denn heute ist in der Stadt Davids für euch der Retter geboren worden: Er ist Christus, der Herr.'"

Eine Anregung

Weihnachten. An diesem Tag sollte alles perfekt sein. Doch oft ist es das Gegenteil von einem friedlichen Fest. Darüber gibt es am Stefanstag (also nicht heute am Weihnachtssonntag!) eine Predigt in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen, die auch online übertragen wird um ca. 10.30 Uhr.

Heute werde ich dabei sein am Weihnachts-Gottesdienst in der Evangelisch-methodistischen Kirche Weinfelden an der Hermannstrasse 10. Der Gottesdienst beginnt um 10.00 Uhr. Ich freue mich auf diese Zeit mit all den Mitfeiernden.

Für diesen Weihnachtstag wünsche ich allen eine gesegnete und unbelastete Feier.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde 

Montag, 3. Oktober 2022

Ein Rapper voller Hoffnung

Ein Zitat

Janic Müller alias Companion 19 tritt am WEGA-Gottesdienst auf.
Foto © Jörg Niederer
"Lass uns weder uns selbst, noch unsere Mitmenschen und am wenigsten Gott auf irgendeine Art und Weise limitieren." Janic Müller alias Rapper "Companian 19" im Interview mit livenet.ch

Ein Bibelvers - 1. Korinther 1,9

"Gott ist treu. Durch ihn seid ihr berufen zur Gemeinschaft mit seinem Sohn Jesus Christus, unserem Herrn."

Ein Anregung

Die letzten Tropfen eines Regenschauers gingen über den Besucherinnen und Besucher am WEGA-Gottesdienst 2022 nieder, als der Rapper Companion 19 auftrat und mit seiner Performance manche Frau und manchen Mann dazu bewegte, den Schirm loszulassen und rhythmisch in die Hände zu klatschen. "Companion 19", das ist Janic Müller, Jugendarbeiter im B!G, der Pfingstgemeinde "Begegnung im Giessenpark" in Weinfelden. Einst begann er als Gangsterrapper, doch nun ist er mit seinem Leben und der Musik ganz Christus verpflichtet. 

Das kommt auch in seinen Texten zum Ausdruck. Passend zum Anlass sang er den Song "#JeVaisDanser", ein Lied, mit der er dazu anregt, dankbar das Leben in einen Tanz der Freude zu verwandeln. Im Refrain heisst es: 

"Mir gots TipTop / und wenn der DJ nomol en Beat klopft / Reggaetone, Reggae oder Hip-Hop / gits es neuis Video für TikTok / Hashtag Je Vais Danser / Limit: Jede Tag en neui Chance gsee / i be meh am tanze als Beyoncé / läuft bi mir wie en neue Porsche..." 

Und dann predigt er Freude und Zuversicht: 

"Momentan ben i gsond / alles louft rond / und i bin dankbar / für jedi einzelni Tanzstond / mer laufet übers Wasser / aber stönd uf feschtem Grond / das git mir Zuversicht / wenn mol öpis anders chunt / denn mir sind no jung. / Vielicht kömmet mol no schweri Ziite /doch stell der vor du hesch e Schriber und e leeri Siite / ond du entscheidisch / was du aneschribsch oder zeichnisch, / gits en Delfin oder Haifisch? / Verstosch / i will nu säge das du frei bisch / wie du reagiersch / und wa du mache wirsch / nume, fals sich dini Situation mag verschlimmere / hoff ich denn du chasch di dra erinnere / und doch, mir gots TipTop..."

Wer mehr über Janic Müller erfahren möchte, kann bei livenet.ch über ihn lesen. Dort sagt er auch einige Sätze zum Song "#JeVaisDanser".

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde