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Dienstag, 13. Mai 2025

Ein Trank, der heilt

Ein Zitat

Ein Goldstaub-Taggecko labt sich im Gewächshaus des Botanischen Gartens St. Gallen am Nektar einer Dyckia-Blüte.
Foto © Jörg Niederer
"Jeder braucht Brot, das ihn sättigt; / jeder den Trank, der ihn heilt; / jeder ein Wort, das ihn froh macht; / jeder ein Leben, das bleibt." Hartmut Handt (*1940)

Ein Bibelvers - Sprüche 30,28

"Die Eidechse kann man mit Händen fangen, aber sogar in Königspalästen geht sie ein und aus."

Eine Anregung

Nein, ich war nicht schnell einmal in Madagaskar, und auch nicht im Terrarium eines Zoos. Ich war im Botanischen Garten St. Gallen. Dort gedeihen nicht nur viel Pflanzen, sondern unerwarteter Weise auch einige Tierchen. Dem Goldstaubgecko gefällt es offensichtlich gut. Er findet alles, was es zum Leben braucht. Die bunten kleinen Tierchen huschen überall herum und geniessen die Vielfalt der Pflanzen und das feuchtwarme Klima. Wer weiss, vielleicht finden die Geckos unter dem Glasdach genau den Trank, der sie nicht nur stärkt, sondern auch heilt.

Übrigens: Im Botanischen Garten findet am 2. September 2025 der Eröffnungsanlass zur Schöpfungszeit statt mit einer Flechten-Spezialistin, Führungen durch die Pflanzenwelt, einer gottesdienstlichen Feier und natürlich auch mit "Brot, das ... sättigt" und mehr. Thema: "Konkurrenz und Symbiose". Am Besten reserviert man sich diesen Abend ab 18.00 Uhr schon einmal in der Agenda.

Donnerstag, 27. Oktober 2022

Reisefüdli oder Stubenhocker?

Ein Zitat

Ein Rotmilan stillt den Durst im Restwasser eines ausgelassenen Beckens des Neeracher Rieds.
Foto © Jörg Niederer
"Gott gibt jedem Vogel Nahrung, aber er wirft es ihm nicht ins Nest." Josiah Gilbert Holland (1819-1881)

Ein Bibelvers - Psalm 50,1.10+11

"Gott, Gott, der Herr, begann zu reden und rief die Welt – vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Untergang... Denn mir gehören alle Tiere des Waldes, das Wild auf den Bergen zu Tausenden. Ich kenne alle Vögel in der Höhe. Ebenso ist mir die Grille auf dem Feld vertraut."

Ein Anregung

Der Zaunkönig ist in der Schweiz der drittkleinste einheimische Vogel (Siehe meinen früheren Beitrag dazu!). Der Rotmilan dagegen ist nach Bartgeier und Steinadler der drittgrösste hier lebende Vogel. In der Schweiz hat die Zahl dieser faszinierenden Vögel stark zugenommen. Nur in den Kantonen Genf und Tessin brüten diese Greifvögel noch nicht. In vielen anderen Ländern ist der Trend aber gegenläufig; es werden immer weniger Tiere.

Wenn ich im Büro aus dem Fenster schaue, kann ich von diesem hervorragenden Gleitfliegern manchmal zehn und mehr Tiere über dem Kulturland an der Thur kreisen sehen. Gelegentlich segeln auch einzelne Rotmilan mitten in die Wohnsiedlung hinein.

Nun ist es deutlich ruhiger geworden um die majestätischen Vögel mit ihrer schönen Federzeichnung. Viele sind in den Süden gezogen oder werden es bis Ende November noch tun. Etwa dreitausend der Rotmilane bleiben in der Schweiz. Es sind vor allem die älteren Tiere, welche die beschwerliche und nicht ungefährliche Reise ans Mittelmeer und ins tropische Afrika meiden. Sie haben gelernt, dass ihre Überlebenschancen hier besser sind. Die Jungtiere aber wollen die Welt sehen. Es ist beinahe so, wie bei uns Menschen. "Reisefüdli" oder "Stubenhocker", das ist auch bei vielen Vogelarten die Frage. 

Beim Rotmilan gibt es von beiden Sorten. Ich würde mich wohl als Kurzstreckenzieher bezeichnen. Mein Reiseradius ist eher klein, dafür nehme ich mir viel Zeit, um jeden Winkel von Gottes schöner, naher Welt kennen zu lernen. Da ich nicht so energiesparend fliegen kann wie ein Rotmilan, bleibe ich dafür auf dem sicheren Boden und bewundere die Tieren, die in der Luft zu Hause sind.

Doch selbst dies ist manchmal nicht ungefährlich. So war ich dabei, als ein Mann sosehr nach einem Rotkelchen auf dem Baum schaute, dass er vom Steg fiel und unsanft im Schilf landete.

Darum: Wenn du den Vögeln nachschaust, bleibe stehen! Wenn du vorankommen willst, schaue auf deinen Weg! Beides kann sinnvoll sein, aber besser nicht zur selben Zeit.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Dienstag, 20. Juli 2021

Vom Pfundskerl an die hohe Kante geführt

Ein Zitat

Katze an der Kante
Foto © Jörg Niederer
"Der Kreis ist eine geometrische Figur, bei der an allen Ecken und Kanten gespart wurde." Herkunft unbekannt

Ein Bibelvers - Römer 10,6b-8a

"Wer wird in den Himmel hinaufsteigen? – So als müsste man Christus von dort herabholen! – Auch nicht: Wer wird in die Unterwelt hinabsteigen? – So als müsste man Christus von den Toten holen! – Sondern wie heißt es doch? Das Wort Gottes ist dir ganz nahe. Es ist in deinem Mund und in deinem Herzen."

Ein Anregung

Sie setzt sich immer so hin, als würde sie an einem Rand in den Abgrund schauen. Die Katze könnte sich in die Mitte des Teppichs oder der Sportmatte platzieren. Aber das ist nicht ihr Stil. Sie will an den Rand, an die Kante, da wo es runter geht, wenn auch nur wenige Millimeter. Oder ist es ein Tick? Muss das Büsi sich an Linien orientieren, um sich wohl zu fühlen?

Die Katze ist damit da, wo man früher das Wertvollste versteckte, das Geld. Es wurde auf die Hohe Kante (von Betten oder Schränken) gelegt oder gestapelt, da, wo es scheinbar sicherer war als auf Augenhöhe. So handhabte es etwa König Friedrichs Kutscher Pfund, einer, der nicht auf den Kopf gefallen war, und der sprichwörtlich als "Pfundskerl" weiterlebt. Das sei seine finanzielle Sicherheit, sagte Pfund zum König, falls er von diesem entlassen werde. Darauf bekam er von König Friedrich weiter 10 Taler mit der Bemerkung: "Lege er es ebenfalls auf die hohe Kante. Aber mache Er sich keine unnützen Flausen". Gemeint sind mit den Flausen "unnötige Sorgen".

Es gibt weitere kantige Redensarten: "Nach allen Kanten loben" = in jeder Hinsicht loben. "Auf der Kante stehen" = etwas ist absturzgefährdet. "Einen an die scharfe Kante kriegen" = jemanden zu einer Entscheidung drängen. "An der Kante gehen" = es geht mit jemandem zu Ende. "Hinter die Kanten giessen" = Gemeint sind Bierkannen. Wer also etwas hinter die Kann(t)en giesst, ist mit Trinken zu weit gegangen.

Die Katze jedenfalls zeigt Kante, hat ihr klares Profil, selbst wenn sie sich setzt.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde