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Samstag, 6. Januar 2024

Die Kirche und das Klima

Ein Zitat

Regenbogen über stürmischer See bei IJmuiden in Holland.
Foto © Jörg Niederer
"Die durchschnittliche Jahrestemperatur im Jahr 2020 war 1,1°C höher als vor der industriellen Zeit... Der menschgemachte Klimawandel wird auf 0,8-1.3°C geschätzt." Christian Rolli

Ein Bibelvers - 1. Mose 7,13+14

"Genau an diesem Tag ging Noah in die Arche. Seine Söhne Sem, Ham und Jafet, seine Frau und die drei Frauen seiner Söhne gingen mit hinein. Bei ihnen waren alle Arten von wilden Tieren und Vieh und alle Tierarten, die auf der Erde kriechen."

Eine Anregung

Das Bild von der Menschheit als einem Schiff wird schon mindestens seit der biblischen Geschichte von Noahs Arche bemüht. Kein Wunder, dass Sarah Bach es wieder beizieht, wenn sie die Schicksalsgemeinschaft der Menschheit aufzeigen will, und wie diese Weltgemeinschaft auf den durch fossile Brennstoffe verursachten Klimawandel reagieren soll. Natürlich kommt in ihrem Bild auch "Noahs Taube" vor. 

In einem ersten von drei Videobeträgen geht es darum, wie die Kirche vom Glauben her auf die menschgemachte Erderwärmung reagieren soll und kann. Das hat in der Methodistenkirche etwas mit Liegenschaften zu tun, wie man auch unschwer daran erkennen kann, dass Thomas Oczipka von der Immobilienverwaltung der Kirche ausgiebig zu Wort kommt.

Die naturwissenschaftliche Seite vertritt im Video Christian Rolli, Student Science, Technology and Policy an der ETH.

Weiter wirft das Video einen Blick auf eine Situation, in der schon heute Menschen auf den Fiji-Inseln ihren Wohnort verlassen mussten, weil der vom Klimawandel getriebene Anstieg des Meeresspiegels ein Leben dort verunmöglicht hatte.

Der Videobeitrag von Michael Hari führt gut hinein in die Problematik, Aufgabe und Fragestellung, wie die Kirche und die Glaubenden einen substanziellen Beitrag leisten können zur Bewahrung der Schöpfung und des Lebensraums Erde.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Donnerstag, 30. November 2023

Der erste Schnee

Ein Zitat

Raubwürger im Schneetreiben
Foto © Jörg Niederer
"Viel Regen, wenig Schnee, tut Äckern und Bäumen weh." Bauernregel

Ein Bibelvers - Jeremia 18,14+15

"Schmilzt etwa der Schnee auf den Gipfeln des Libanon? Versiegt ein Bach, der aus dem Gebirge gespeist wird? Doch mein Volk handelt verkehrt und vergisst mich."

Eine Anregung

Der erste Schnee. Die ersten Flocken. Nichts Ernstes. Weisse Punkte, vom Wind getragen. Schon sind sie wieder vergangen. Der erste Schnee, er ist zum Schnee von gestern geworden.

Als Jeremia im Namen Gottes sprach, da waren die Gipfel des Libanon noch weiss vom Schnee. Was einst rhetorische Frage war, die es mit "Nein" zu beantworten galt, verlangt heute Zustimmung. Ja, der Schnee schmilzt weg auf dem Libanon. Und nicht nur dort. Selbst Bäche aus dem Gebirge versiegen heutzutage. Klimawandel. Menschgemacht, durch übermässigen Verbrauch fossiler Brennstoffe. 

Könnten da zur Abwechslung die Menschen nicht für einmal umdenken und richtig zu handeln beginnen, sich auf Gott besinnen und seiner Bestimmung als Geschöpfe folgen? Dem schneegleichen Raubwürger würde es gut bekommen, so wie allem Leben auf der Erde.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Montag, 20. November 2023

Umkehrbotschaft und Letzte Generation

Ein Zitat

Im Forenbachtobel hat ein durch Sturmtief Frederico umgeworfener Baum eine Fussgängerbrücke beinahe unpassierbar gemacht.
Foto © Sabine Möckli
"Der gefährlichsten Eingriff in den Strassenverkehr ist der motorisierte Strassenverkehr selbst."

Ein Bibelvers - Markus 1,14+15

"Nachdem Johannes gefangen genommen worden war, ging Jesus nach Galiläa und verkündete dort die Botschaft Gottes. Er sagte: 'Die Zeit ist gekommen, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt diese gute Botschaft!'"

Eine Anregung

Aktuell bemüht sich die Weltgemeinschaft, der sogenannten "Letzten Generation" recht zu geben. Je stärker sich Verantwortliche echauffieren über deren illegalen Protestaktionen und je mehrheitlich sich diese Gesellschaft nur mit Lippenbekenntnissen von den fossile Brennstoffen verabschiedet, desto klarer wird, dass der Moment einer echten Umkehr und damit einer Abkehr von einem global lebensbedrohlichen Zustand zu spät erfolgen könnte.

Als meine Frau dieses Wochenende im Forenbachtobel an diese Brücke (siehe Foto!) kam, welche von einem durch Sturmtief Frederico umgeworfenen massiven Baum schwer beschädigt worden war, dachte ich bei mir: Genauso sieht es im Moment aus. Der Steg ist gerade noch passierbar, wenn man sich den dünn macht oder kriecht. Aber wer will sich schon Einschränken oder gar den Realitäten beugen?

Was die Letzte Generation tut, ist in Wirklichkeit das, was die politischen Verantwortungsträgerinnen und -träger tun sollten. Die Umkehr mit aller Kraft anstreben und diesen unattraktiven Weg aus der Misere dem Stimmvolk plausibel machen. Doch kein Politiker und keine Politikerin kann es sich leisten, der Gesellschaft reinen Wein einzuschenken, wenn dieser sauer und unbekömmlich schmeckt. Schnell würde er oder sie ersetzt durch jene, welche opportunistisch ihr Fähnlein nach dem Wind hängen. Darum malt die Politik den durch fossile Energieträger menschgemachten Klimawandel schön, oder sucht die Sündenböcke bei der Opposition. Echte Umkehr sieht anders aus.

Dabei ist der Moment der Umkehr besonders herausfordernd, um nicht zu sagen: gefährlich. Wie ein riesiger Supertankern ist die Weltgemeinschaft auf dem Weg in eine Richtung. Sie abzubremsen, oder in eine andere Richtung zu bewegen ist nur mit viel Kraft und Willen möglich. Wenn nun aber der Raum, den es für dieses Wendemanöver braucht, schon unterschritten wurde, dann reicht weder Wille noch Kraft aus, und wir enden auf den Klippen, die wir vor 150 Jahren anvisiert haben. Das gilt umso mehr, als der aktuelle Wille moderat und die Kraft bescheiden ist.

"Kehrt um!" das war die entscheidende Botschaft von Jesus Christus. Umkehren bedeutet, sich auf die "Frohe Botschaft", auf eine erfreuliche Zukunft auszurichten. Im Umkehren, in einem totalen Sinnes- und Lebenswandel liegt begründete Hoffnung für diese Welt, in der wir gerade leben. Wer aber nur zögerlich und halbherzig umkehrt, wird der "Letzten Generation" und deren apokalyptischen Befürchtungen recht geben.

Darum: "Kehrt um!"

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen