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Dienstag, 5. Dezember 2023

Was Gott bäckt, das ist wohlgetan...

Ein Zitat

Schottische Hochlandrinder beim Wiederkäuen in der Allmend Frauenfeld.
Foto © Jörg Niederer
"Jedes Werden in der Natur, im Menschen, in der Liebe muss abwarten, geduldig sein, bis seine Zeit zum Blühen kommt." Dietrich Bonhoeffer (1906-1945)

Ein Bibelvers - Psalm 100,5

"Der Herr ist gut, für immer bleibt seine Güte und seine Treue von Generation zu Generation."

Eine Anregung

Die Geschichte ist von einem gewissen Cory Sayer. Gelesen habe ich sie vor einiger Zeit in einem weitergeleiteten Beitrag eines US-amerikanischen Kollegen. 

"Ein Pfarrer bat einen älteren Bauern in Latzhose, das Morgengebet für das Frühstück zu sprechen. 'Herr, ich hasse Buttermilch', begann der Bauer. Der Pfarrer öffnete ein Auge, um den Bauern anzusehen und sich zu fragen, worauf das hinauslaufen würde.
Der Bauer betete laut weiter: 'Gott, ich verabscheue Schweineschmalz.' Nun wurde der Pfarrer zunehmend besorgter.
Ohne eine Pause zu machen, fuhr der Bauer fort: 'Und guter Gott, du weisst, dass ich mit Weissmehl nicht viel anfangen kann'. Der Pastor schaute sich im Raum um, und sah, dass er nicht der Einzige war, der sich ob diesem Gebet unwohl zu fühlen begann.
Dann fügte der Bauer hinzu: 'Aber Herr, wenn meine Frau Buttermilch, Schweineschmalz und Mehl zusammenmischt und backt, dann liebe ich die warmen, frische Kekse, die sie aus dem Ofen zieht. Also, guter Gott, wenn Dinge auftauchen, die uns nicht gefallen, wenn das Leben schwer wird, wenn wir nicht verstehen, was du uns sagen willst, dann schenke uns Geduld, bis du mit dem Mischen fertig bist. Was dabei für unser Leben durch dich herauskommt, wird mit Sicherheit sogar besser werden als die sonst unübertrefflichen Kekse meiner Frau. Amen.'"

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Samstag, 23. September 2023

Freundschaft

Ein Zitat

Ein Star hat sich den Kopf eines Schottischen Hochlandrinds als Warte ausgesucht. Von dort aus jagt er nach den zahlreich vorhandenen Insekten, die das Weidetier umschwirren.
Foto © Jörg Niederer
"Wenn wir einander gut gesinnt sind, verbinden uns sogar gegensätzliche Meinungen." Ernst Ferstl (*1955)

Ein Bibelvers - Römer 15,1+2

"Wir, die Starken, sind verpflichtet, die Schwächen von denen mitzutragen, die nicht so stark sind. Es geht ja nicht darum, was uns gefällt. Vielmehr soll jeder von uns so handeln, wie es seinem Mitmenschen gefällt. Das tut diesem gut und hilft, ihn aufzubauen."

Eine Anregung

Mit stoischer Ruhe erträgt das Schottische Hochlandrind den Star, der sich direkt auf seinen Kopf zwischen die ausladenden Hörner gesetzt hat. Für den Vogel ist die Nähe zum Weidetieren nützlich, finden er doch dort allerlei Futterinsekten. Und für die Rinder ist der Vogel nützlich, befreit er sie doch ansatzweise von den lästigen Fliegen und Bremsen. Nebst Staren zeigen auch Elstern und Kuhreiher wenig Scheu, sich direkt auf die gutmütigen Kollosse niederzulassen. Die Bachstelzen ihrerseits suchen in Bodennähe den Kontakt zu den zottigen Riesen.

Natürlich ist das wohl noch keine Freundschaft. Eher ist es so etwas wie eine Zweckgemeinschaft. Gegenseitig tut man sich Gutes, ohne dass daraus eine enge Bindung entstehen muss.

Die Verschiedenheit der beiden Tiere zeigt, dass es nicht zwingend das selbe Aussehen und die selbe Sprache braucht, um gut miteinander auszukommen. In der Verschiedenheit liegt auch eine grosse Kraft. Ungleiche Freundinnen, ungleiche Freunde haben miteinander ein grösseres Potential, als würden sie je für sich ihr Leben leben.

Als Jesus die Menschen zu sich rief, da sammelte er um sich sehr verschiedene Charaktere. So ist es bis heute geblieben. Wer sich auf Jesus einlässt, wird eine Horizonterweiterung erleben, allein schon durch die anderen Menschen denen er oder sie im christlichen Umfeld begegnet. Wenn es auch äusserlich nicht so krass aussieht wie bei Rind und Star: Mitchristinnen und Mitchristen können Zumutungen sein, durch Christus freundschaftliche Zumutungen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Samstag, 21. August 2021

Eine Geburt zum Geburtstag

Ein Zitat

Eine Schottisches Hochlandrind leckt das frischgeborene Kalb einer andern Kuh trocken.
Foto © Jörg Niederer
Das grosse Glück beginnt hilflos und auf wackeligen Beinen.

Ein Bibelvers - Hiob 39,3+4

"Die Hirschkühe kauern sich nieder, werfen ihre Jungen und sind schnell ihre Geburtsschmerzen los. Ihre Jungen wachsen, werden groß und stark. Sie laufen ins Freie und kommen nicht wieder."

Ein Anregung

Dem Schottischen Hochlandrind schauten zwei Hufe aus dem Hintern. Die Nabelschnur pendelte zwischen den Beinen. Sie ging unruhig hin und her, setzte sich hin, stand wieder auf, legte sich hin, presste, atmete schwer.

In einem Häuschen neben der Weide sagten sie: "Da ist alles in Ordnung. Hochlandrinder muss man allein lassen, die kalben ohne Hilfe." So recht trauten wir der Sache nicht.

Doch dann muhte die Kuh, und erhob sich. Im Dämmerdunkel war im Gras ein Schatten auszumachen. Eine zweite Kuh und das Muttertier begannen, den Knäuel am Boden zu beschnuppern und abzulecken. Dann bewegte sich der Schatten, streckte Hufe empor. Es lebte. Doch nun geschah etwas Eigenartiges. Die zweite Kuh begann das Kalb gegen das Muttertier zu verteidigen. Immer wieder verjagte sie die Mutter, wollte das Kalb für sich allein. Das Muttertier begann nun aus etwa fünf Metern ganz sanft nach dem Kalb zu rufen.

Dann kam der Stier, und mit dem Stier weitere Tiere aus der Herde. Wir aber mussten weiter, der Bus würde nicht warten.

Jetzt, da ich diese Zeilen schreibe, fragen wir uns, wie der Kampf der Mütter um das Kalb ausgegangen sein mag. Und ich höre noch einmal die Stimme meiner Frau, wie sie beim Anblick des Neugeborenen sagte: "Das Kalb hat am selben Tag Geburtstag wie du". Beschenkt wurde ich, ganz unerwartet, mit der Geburt eins Kalbes. Das Wunder des Lebens vor unsern Augen, hineingeboren in die Welt, auf einer Weide unweit der Kartause Ittingen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde