Posts mit dem Label Gesundheit werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Gesundheit werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 30. September 2023

Übergänge

Ein Zitat

Die Ringelblume im Klostergarten St. Gallen
Foto © Jörg Niederer
"Wie leuchten Blütenkorb und Krone / Der Ringelblume uns entgegen. / Was täten Menschen wirklich ohne / Der Pflanze weit gestreuten Segen?" Ingo Baumgartner im Gedicht "Ringelblume"

Ein Bibelvers - Galater 5,22+23a

"Der Geist Gottes dagegen bringt als Ertrag: Liebe, Freude und Frieden, Geduld, Güte und Großzügigkeit, Treue, Freundlichkeit und Selbstbeherrschung."

Eine Anregung

Wir stehen am Übergang zur dunklen Jahreszeit. Auf meinem Weg zur Arbeit ist es finster, genauso wie am Abend, wenn ich wieder nach Hause komme. Dazwischen leuchten die Farben des Herbstes. Gewerbeausstellungen häufen sich. Erntedankfeste werden gefeiert. 

Übergänge zeigen sich auch auf dem Foto der Ringelblume. Die eine Blüte leuchtet wunderschön gelb, die andere hat sich schon zusammengezogen, eingerollt, aufgekringelt. 

In dieser Übergangszeit ist es besonders hilfreich, wenn wir einander Gutes tun, einander Freude bereiten und pfleglich behandeln. Dazu kann die Ringelblume mit ihren vielfältigen guten Wirkungen ein leuchtendes Beispiel sein. Die "Internationale Gesellschaft GartenTherapie" schreibt über diese Blume: "Sie wirkt wundheilend, antiseptisch, entzündungshemmend, erweichend, blutreinigend, krampflösend, menstruationsregulierend, schweiss- und wurmtreibend." Und wer kennt nicht die Ringelblumensalbe mit ihrer guten Wirkung?

Also: Gerade wenn sich Vieles ändert und mit Blick auf die Ringelblumen dürfen wir auf einen Rat aus dem Hebräerbrief (13,16) hören: "Vergesst nicht, Gutes zu tun und mit anderen zu teilen." Gutes teilen hilft in Übergangszeiten.

Übrigens: In manchen deutschen Regionen wird die Ringelblume auch "Jesus-", "Christus-" oder "Herrgottsauge" genannt, sowie "Jesus-" und "Christusblume". Das gefällt mir, weil ich nun immer an Christus erinnert bin, wenn ich eine Ringelblume sehe.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Donnerstag, 24. August 2023

Schönheitsbedarf

Ein Zitat

Ein schönes Geschenk. Ein Gewinn in Form von Verjüngungsmittel.
Foto © Jörg Niederer
"Albernheit ist eine Erholung von der Umwelt." Curt Emmrich, alias Peter Bamm (1897-1975)

Ein Bibelvers - Sprüche 3,7+8

"Halte dich nicht selbst für klug! Begegne dem Herrn mit Ehrfurcht und meide das Böse! Das hält dich gesund und ist eine Arznei für deinen Körper."

Eine Anregung

Zu meine Sonntagnachmittagsbeschäftigungen gehört es, das Kreuzworträtsel und die Sudokus der Sonntagszeitung zu lösen. So ist es auch schon vorgekommen, dass ich damit das eine oder andere gewonnen habe. Seit etwa eineinhalb Jahren ist das jedoch nicht mehr vorgekommen. Bis auf den Montag nach meinem 64. Geburtstag. Da erhielt ich unverhofft ein Paket, und der beiliegende Brief vermeldete: "Sie haben gewonnen!". Im Karton fand ich Schönheitspräparate. Besonders der Anti Aging Beauty Drink hat es in sich. Er soll Haut, Haare, Nägel und Bindegewebe vor der vorzeitigen Alterung bewahren und enthält Hyaluron. Etwa 60 Franken kostet die Flasche, die ich nun zur eigenen Verjüngung in täglichen 20 Milligramm-Dosen leeren soll. Im Saft auch enthalten sind zusätzliche Stoffe, die noch weit mehr bewirken sollen. Ein Beipackzettel habe ich nicht gefunden, folglich ist es kein Arzneimittel. Vegan ist das Ganze auch noch, was in meinem Fall aber kein Kaufargument wäre.

Was ich mich gefragt habe: Warum erhalte ich diese Anti-Aging-Ware ausgerechnet jetzt, kurz bevor das Pensionsalter droht über mich hereinzubrechen? Ist das ein Fingerzeig des Himmels? Will mich da jemand vor Runzeln und knarzenden Gelenken bewahren? Oder ist es eine Versuchung der dunklen Seite, mich meines Alters zu entfremden mit der Illusion ewiger Jugend?

Einem geschenkten Gaul, schaut man bekanntlicherweise nicht ins Maul, heisst es. Also werde ich nun auch nicht undankbar diesem Geschenk gegenüber sein. Nur wäre mir der Hauptpreis lieber gewesen: Einige Tage in einem Wellness-Hotel.

Noch eine letzte, diesmal ernster gemeinte Frage: Warum gibt es eigentlich keine Wellness-Kirchen? So mit Massagesesseln und gesegneten Fangopackungen, Fusswaschung und Heilsschlaf (Der Herr gibt's den Seinen ja im Schlaf). Das würde das Problem fehlender Pfarrpersonen lösen, könnte man so doch auch Podologinnen und Masseure anstellen!

Doch dann entdecke ich es: Es gab schon einmal einen Wellness-Kirchenanlass. An der BEXPO, durchgeführt von den Kirchen in Belp. Der Erlebnisbericht darüber kann hier nachgelesen werden. Sucht man im englischsprachigen Raum nach Wellness-Church, wird man gleich mehrfach fündig, etwa bei der "church of wellness". Sachen gibt es, da kann man nur staunen. Besonders über die Preise.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Freitag, 28. April 2023

Autofahrscham

Ein Zitat

Auto-Tagestouristen auf dem Parkplatz der Seilbahn Hoher Kasten.
Foto © Jörg Niederer
"Eines der besten Mittel gegen das Altwerden ist das Dösen am Steuer eines fahrenden Autos." Robert Lembke (1913-1989)

Ein Bibelvers - Jesaja 42,17

"Ganz anders geht es denen, die auf Götzenbilder vertrauen und zu gegossenen Bildern sagen: 'Ihr seid unsere Götter.' Sie müssen klein beigeben und stehen beschämt da."

Eine Anregung

Ich weiss, ich mache mich jetzt bei einigen Menschen unbeliebt, besonders bei Autofahrerinnen und Autofahrern. Aber ich brauche nun einmal diese "Chropfleerete".

Gestern sah ich eine kurze Reportage über die Leute, die sich auf der Strasse festkleben, weil es in Fragen der Klimakrise nicht sinnvoll und schnell genug weiter geht. Wie haben mir diese Leute leid getan bei all der Anfeindung die sie erleben, und wie hat es mir gut getan, dass sie sich so für eine Sache exponieren, die mir sehr am Herzen liegt. 

Ich erhoffe mir, dass nebst der Flugscham endlich auch eine Autofahrscham Kreise zieht.

Zunehmend empfinde ich den aktuellen Individual-Strassenverkehr als Körperverletzung. Die Autofahrenden schränken meine Freiheit und mein Bedürfnis auf eine weniger strassenverschandelte Umwelt massiv ein, genauso wie auch mein Ruhebedürfnis. Ununterbrochen brummt vor meinem Bürofenster in Frauenfeld der Strassenverkehr, an einem Ort, an dem es noch keine Staus gibt. 

Wenn ich gesunde Menschen sehe, die mit dem Auto ein Brötchen beim Bäcker holen, bekomme ich Herzkrämpfe. Wohlgemerkt, ich habe nichts dagegen, wenn Grossfamilien mit vollem Auto in die Ferien fahren. Auch nichts, wenn Menschen mit Behinderung ein Fahrzeug nutzen. Schon gar nichts habe ich gegen den Berufstransportverkehr (LKWs) auf der letzten Meile. Und auch nichts gegen Frauen und Männer, die sich Autos teilen, oder die in abgelegenen Regionen wohnen und arbeiten und folglich ein Auto brauchen.

Was ich nicht ertrage, sind die geschätzten 40% Autofahrten, die schlicht nicht sein müssten, nicht sein dürften. Den Tagesausflug mit Auto zur Bergbahn. Den Freizeitverkehr, der locker auch mit Bahn und Bus oder (Elektro-)Fahrrad bewältigt werden könnte. Die Kurzstreckenfahrten, die meist allein im Auto zurückgelegt werden. Die Berufspendlerei per Auto in Regionen, in denen man locker auf den öffentlichen Verkehr umsteigen könnte. Ich ertrage es nicht, wenn Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule fahren.

Es braucht auch nicht mehr Strassen, im Gegenteil. Generell 30 km/h innerorts ist überfällig. Kurzzeitparkerinnen und -parker vor Einkaufsläden sollte man den Parkpreis für eine ganze Woche einziehen, damit sie endlich ihr Mobilitätsverhalten anpassen an die Dringlichkeit durch die Klimakrise.

Klimaanlagen in Privatfahrzeugen einzubauen sollte verboten werden. 

Das allerwenigste Verständnis habe ich für Menschen, welche den Motor ihrer Fahrzeuge im Stillstand laufen lassen. Nicht selten parken sie dann auch noch halb auf den Gehsteigen, und werfen ihre Kippen aus den Fenstern.

Auch brauche ich diese plastifizierten Kreditkarten-Wurfsendungen nicht, in denen der Ankauf von Altautos angeboten wird, und die regelmässig den Weg in und neben meinen Briefkasten finden.

Wie wäre es, wenn auf jedem Neuwagen stehen muss: "Autos besitzen und damit herumfahren gefährdet die Gesundheit und das Überleben der gesamten Menschheit."

Und wenn jetzt jemand "Elektroauto" als Lösung ruft, dann gebe ich zu: Bei diesen Fahrzeugen ist das Problem etwas kleiner. Lärm (durch die Reibung der Autoräder), Flächenverbrauch und Null Veränderung beim Mobilitätsverhalten bleiben, in einer Zeit, in der wir die Alternativenergien nicht zusätzlich für unnötige Autofahrten verbrauchen sollten.

In die Politik und die Vernunft der Mehrheit der Autofahrenden habe ich wenig vertrauen. Also bleibt wohl nur noch das folgende tägliche Stossgebet zu Gott: "Lieber Gott, bitte mach, dass jedes Autos nur dann anspringen, wenn es wirklich auch Sinn macht. Amen."

 Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Montag, 11. Oktober 2021

Der Bischof schwingt den Kochlöffel

Ein Zitat

Äpfel sind ideal als Vitaminergänzung im Winterhalbjahr
Foto © Jörg Niederer
"Grundzutaten für gutes Essen: Liebe und Wissen." Georg-Wilhelm Exler

Ein Bibelvers - 1. Korinther 10,31

"Ob ihr esst oder trinkt oder etwas anderes tut, tut das alles zur Ehre Gottes!"

Ein Anregung

Warum Bischof Dr. Eduard Khegay, zuständig für die Evangelisch-methodistische Kirche Euroasien, gemeinsam mit Tochter oder Enkelin öffentlich Pfannkuchen bäckt, weiss ich nicht genau. Vielleicht ist das ein bischöflicher Erntedankbeitrag, oder eine Unterstützung der Volksgesundheit. Jedenfalls wurden die Haferflockenpfannkuchen ohne Zucker und Weizenmehl hergestellt. Herzhaft und mäßig süss seien sie, und gut für die Gesundheit. Durch die Pfannkuchen werde der Körper mit Ballaststoffen, Eiweiss und Magnesium versorgt. 

Auch wer Russisch nicht versteht, kann anhand des Videos und mit etwas Fantasie und Kochkenntnissen das traditionelle Frühstücksessen selbst herzustellen.

Bischof Khegay steht mit seinem sympathischen Beitrag in der Tradition von Kirchengründer John Wesley, der einst nebst der Sorge um den Glauben der Menschen auch Tipps zur gesunden Ernährung und Medizin gegeben hatte.

Man darf gespannt sein, wann der Kirchenmann das nächste Mal öffentlich seinen bischöflichen Kochlöffel schwingen wird.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Mittwoch, 14. Juli 2021

John Wesleys Burnout- und Gesundheitsregeln

Ein Gedanke

Wandern für ein gesünderes Leben
Foto © Jörg Niederer
"Der Mensch ist nicht frei von seinen Bedingungen, aber frei zu seinen Bedingungen Stellung zu nehmen." Viktor Frankl

Ein Bibelvers - Hiob 3,20

"Warum lässt er [Gott] die Sonne scheinen für den, der vom Leid geplagt ist? Warum schenkt er Leben den Menschen, die im Herzen völlig verzweifelt sind?"

Eine Anregung

Helfen Anregungen von John Wesley (1703-1791), Gründergestalt der methodistischen Bewegung, gegen Burnout? Dem ging ein kirchlicher Beitrag nach. 

Rae Jean Proeschold-Bell, Forschungsleiterin eines Gesundheitsprogramms der Duke Divinity School für methodistische Pfarrpersonen in North Carolina sagt: "Pfarrpersonen sind Generalisten. Sie sind in ihrem Beruf für 50 verschiedene Aufgaben verantwortlich, die wiederum 50 verschiedene Fähigkeiten erfordern. Das kann zu Burnout und Überlastung führen."

Für Wesley gehörten körperliche, geistige und spirituelle Gesundheit zusammen. Er achtete bei sich auf nahrhaftes Essen, Sport und einen strukturierten Tagesablauf mit zeitigem Aufstehen. Damit beugte er Krankheit vor und stärkte zugleich die spirituelle Vitalität.

In "Primitive Physic", Wesleys Gesundheitsbuch für die breite Masse, schriebt er: "Verzichte auf stark gewürzte oder scharfe Speisen. Verwende einfache, leicht verdauliche Kost... Trinke nur Wasser, wenn dein Magen es erträgt [Anm. des Übersetzers: Sauberes Wasser war in Wesleys Zeit nicht überall erhältlich]; wenn nicht, dann trinke gutes klares [Anm. des Übersetzers: und durch den geringen Alkoholgehalt von unter 3% keimfreies] Schwachbier. Bewege dich täglich so viel du kannst an der frischen Luft, aber nicht bis zur Erschöpfung. Iss am Abend um 18.00 oder 19.00 Uhr nur noch leichtesten Kost. Gehe früh zu Bett und stehe zeitig auf." Für Menschen, welche sich stetig an diese Regeln halten würden sei das schon die halbe Miete zu mehr Gesundheit, so Wesley.

Bei heutigen Burnout-Behandlungen werden Massnahmen zur Stressverringerung kombiniert mit Methoden der Entspannung. Sportliche Betätigung und Ernährung spielen auch eine Rolle, aber es kommen weitere Massnahmen dazu, je nach Ursache des Burnouts.

Auch wenn es vermutlich auch heute oft regnet: Es lohnt sich dennoch, sich an diesem Tag an der frischen Luft aus eigener Kraft zu bewegen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde