Posts mit dem Label Ornithologie werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Ornithologie werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 21. Oktober 2024

Seeadler im Thurgau

Ein Zitat

Am Hugiweiher bei Frauenfeld pausiert ein einjähriger Seeadler auf seinem Zug.
Foto © Jörg Niederer
"Wer will dem Adler die Bahn vorschreiben, wenn er die Schwingen entfaltet und stürmischen Flugs sich zu den Sternen erhebt?" Georg Büchner (1813-1837)

Ein Bibelvers - 2. Mose 19,3+4

"Da rief ihm der Herr vom Berg aus zu: 'Sag es dem Haus Jakob! Verkünde es den Israeliten: Ihr habt gesehen, was ich den Ägyptern angetan habe. Euch aber habe ich wie ein Adler auf Flügeln getragen und hierher zu mir gebracht.'"

Eine Anregung

Seit zwei Tagen kann am Hugiweiher bei Frauenfeld ein Seeadler beobachtet werden. Statistisch schwanken dessen Sichtungen in der Schweiz zwischen keinem bis 3 Tieren pro Jahr. In Frauenfeld ist es die allererste Beobachtung des grössten europäischen Greifvogels.

Der Adler ist nicht beringt. Er kommt somit nicht aus der französischen Zuchtstation am Genfersee. Heute Morgen habe ich mir dieses beeindruckende Wildtier angesehen können.

Solche besonderen Beobachtungen ziehen immer viele Vogelkundlerinnen und Vogelkundler an. Es ist also gerade einiges los rund um den Hugiweiher.

Seeadler sind mit einer Flügelspannweite von bis zu  2,4 Metern deutlich grösser als der bei uns oft zu sehende und auch schon beachtlich grosse Rotmilan. Seine Hauptnahrung sind bis fünf Kilogramm schwere Fische, aber auch Vögel und Säugetiere bis zur Grösse einer Graugans. Für die Berufsfischerei sind Seeadler nützlich, weil sie für Unruhe unter den Kormoranen sorgen. Der Seeadler in Frauenfeld ist wohl etwa einjährig und auf dem Zug in den Süden ans Meer oder zu einem bewaldeten See.

Beim Betrachten dieses eindrücklichen Vogels verstehe ich, warum Adler in der Bibel immer wieder in positiver Weise für Gottes Kraft und Stärke steht, aber auch für Kraft und Vitalität der Menschen, die durch Gottes Eingreifen bewirkt wird. (Psalm 103,5).

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Montag, 8. Juli 2024

Paarflug

Ein Zitat

Neuntöter-Paar (Weibchen links) auf einem ihrer Ansitze in der Allmend Frauenfeld.
Foto © Jörg Niederer
"Liebe heißt nicht, jemanden zu finden, mit dem man leben möchte. Liebe heißt jemanden zu finden, ohne den man nicht leben kann." Herkunft unbekannt

Ein Bibelvers - 1. Mose 24,67

"Isaak brachte Rebekka in das Zelt seiner Mutter Sara, die ja verstorben war. Rebekka wurde seine Frau, und er liebte sie sehr. Bei ihr fand er Trost nach dem Tod seiner Mutter."

Eine Anregung

Nicht dass alle Vögel feste Paarbeziehungen eingehen. Manche finden sich lediglich für einen Sommer. Andere leben polygam, sind beteiligt an der Zeugung und Aufzucht in mehreren Nestern. Wieder andere bevorzugen einen One-Day-Stand, sehen sich also nur für die Zeugung zuständig. Und dann gibt es auch die Vögel, die eine lebenslange Paarbeziehung eingehen. Bei Albatrossen soll dies so sein. Wobei, wenn es zu viele Weibchen gibt in einer Brutkolonie, dann paaren sie sich auch mit anderen Weibchen, helfen aber nur dem eigenen Weibchen bei der Aufzucht der Jungen.

Beim Neuntöter hängt es auch ab davon, ob beide den jährlich unter die Flügel genommenen langen Weg in den Süden und zurück überleben. Grundsätzlich sind sie einfach einmal für einen Sommer ein Paar. Aber wenn es sich ergibt, dann wiederholen sie ihre Partnerschaft im kommenden Jahr.

Neuntöter, von ihnen habe ich schon einmal ein Foto gezeigt. Sie gehören zu den Würgern. Das sind die einzigen Singvögel, die Kleinsäuger jagen können. Auf dem aktuellen Foto, aufgenommen in der Frauenfelder Allmend, sieht man ein Paar in trauter Zweisamkeit. 

Heute will ich nachdenken über meine Paarbeziehung. Sie hält schon etwa 43 Jahre, davon sind wir bald 40 Jahre verheiratet. Ich sehe es als ein besonderes Privileg, dass wir so lange schon zusammen sind, und auch heutzutage immer wieder gute, vertrauensvolle Zeiten erleben.

Danken wir Gott für das Geschenk, das er uns auf diese Weise mit anderen, besonderen Menschen macht. Denn ob nun in einer festen Beziehung oder nicht, Mitmenschen sind für alle wichtig.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Samstag, 2. September 2023

Faszinierende Stadtvögel

Ein Zitat

Feldornithologe Urs Heinz Aerni erzählt gegenüber der Sportanlage beim Stadtbad St. Gallen von Austernfischern als Pausenattraktion an einem Fussballspiel auf einer Nordseeinsel.
Foto © Jörg Niederer
"Gott, segne unsere Vorgärten dass sie Lebensraum geben zwischen den Mauern.
Gott, segne unsere Pärke, dass sie uns atmen lassen im heissen Sommer.
Gott, segne die Vögel vor unsern Fenstern dass sie unsere Städte beleben.
Gott, segne uns Menschen dass wir gut leben können in der Stadt und auf dem Land inmitten der Vogelschar."
Abendsegen als Abschluss des Vogelspaziergangs

Ein Bibelvers - Hosea 2,20

"Am selben Tag handele ich zu ihrem Vorteil: Ich schließe einen Bund mit den wilden Tieren, mit den Vögeln am Himmel und den Kriechtieren auf dem Erdboden. Ich zerbreche Bogen und Schwert und entferne alle Waffen aus dem Land. Ich lasse mein Volk in Sicherheit wohnen."

Eine Anregung

Nun, das mit den Kiebitzen gestern auf dem Vogelspaziergang durch die Stadt St. Gallen (Siehe Beitrag vom 1.9.2023) hat dann doch nicht geklappt. Die Voliere im Stadtpark St. Gallen war am Abend bereits abgeschlossen. Doch das änderte nichts an einer äusserst interessanten kleinen Exkursion mit Literaturagent und Feldornithologe Urs Heinz Aerni zu den Vögeln in den Häuserschluchten und Pärken der Stadt St. Gallen. Eingeladen dazu hatte aus Anlass der an diesem Tag beginnenden Schöpfungszeit die Arbeitsgruppe GFS (Gerechtigkeit, Frieden, Schöpfungsbewahrung) der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen beider Appenzell und St. Gallen.

Schon beim Areal Bach neben dem für Aerni "noch vor Schlieren hässlichsten Bahnhof der Schweiz" (gemeint war der Bahnhof St. Fiden) ging es los mit den vielen anregenden Gedanken. Da erfuhr man, wie gut es ist, wenn man vor dem Winter die Gärten nicht aufräumt. Oder dass Hausspatzen sehr intelligent sind und es verstehen, automatische Schiebetüren zu öffnen, um in die Supermärkte zu gelangen und wieder hinaus. Beim Anblick verschiedener Taubenarten hörten die Teilnehmenden davon, dass einige mitten im Winter Nachwuchs grossziehen und mit "Milch" aus dem Kropf füttern. Viel Vögel in der Stadt lebten ursprünglich in den Bergen. Sie haben die Wände der Häuser zu ihrem neuen "felsigen" Lebensraum erwählt. Dagegen sind die Vögel der Felder unter starkem Druck durch die gängige intensive Landwirtschaft.

Dass manche Vögel, wie der Austernfischer und die Kiebitze mit ihrem Füssen auf dem Boden trommeln, um den Würmern Regen vortäuschen, so dass diese in Schnabeldistanz an die Oberfläche gelangen, erfuhr man auch auf diesem Spaziergang. Genauso hörten die Teilnehmenden von der Wichtigkeit der Ruderalflächen, wie sie etwa um das Kantonsspital St. Gallen anzutreffen sind. Mehr Wildnis und unversiegelter Boden sei eine gute Sache, wie man am grösseren Vogel- und Tierreichtum in den Nachbarländern Frankreich und Deutschland sehen könne, so Urs Heinz Aerni, wo längst nicht jede Ecke als Kulturland genutzt werde.

Als dann beim Pfalzkeller auch noch die trillernden Rufe der Alpensegler ertönten und die eleganten Segler weit über dem Kloster ihre Flugshow zeigten, war der Spaziergang vollends zum unvergesslichen Erlebnis geworden.

Beschlossen wurde der Abend bei Käse, Brot, Apfelsaft und Wein in der Methodistenkirche, und mit einem Abendsegen, bei dem die äusserst feinfühlige musikalische Beteiligung von Organist Oliver Kopeinig sich mit dem fröhlich Gezwitscher aus mit Wasser gefüllten, tönernen Vögelchen mischte.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Freitag, 1. September 2023

Vogelspaziergang zum heutigen Schöpfungszeit-Auftakt

Ein Zitat

Ein Schwarm Kiebitze fliegt auf über dem Flachsee.
Foto © Jörg Niederer
"Du kannst nicht verhindern, dass ein Vogelschwarm über deinen Kopf hinwegfliegt. Aber du kannst verhindern, dass er in deinen Haaren nistet." Martin Luther (1483-1546)

Ein Bibelvers - Sprüche 26,2

"Wie ein Sperling, der umherflattert, wie eine Schwalbe, die hin und her fliegt, ist ein grundloser Fluch: Er trifft nicht ein!"

Eine Anregung

Ein Schwarm Kiebitze fliegt auf über dem Flachsee. Kiebitze werden wir auch heute sehen wenn wir uns um 18.00 Uhr aufmachen zu einer kleinen Exkursion durch das urbane Zentrum der Stadt St. Gallen. Zum Auftakt der Schöpfungszeit lädt die Arbeitsgemeinschaft christliche Kirchen zu einem Vogelspaziergang ein. Vom Areal Bach unmittelbar beim Bahnhof St. Gallen-St. Fieden geht es los, vorbei auch an der Volliere im Stadtpark. Dort ist es denn auch, wo wir die Kiebitze bestaunen können, da einige von ihnen in den Gehegen leben.

Begleitet werden die Teilnehmenden von Urs Heinz Aerni (1962). Der bekannte Journalist, Kommunikationsberater, Autor und Kulturvermittler ist auch Feldornithologe bei BirdLife und weiss allerlei Interessantes aus der Welt der Vögel und über die Natur zu erzählen. Auf der Suche nach biologischer Vielfalt in der Stadt kann ein Feldstecher gute Dienste leisten.

Der Vogelspaziergang klingt bei Apéro und Abendsegen in der Methodistenkirche (Kapellenstrasse 6) aus. Die Organisatorinnen und Organisatoren freuen sich über eine rege Beteiligung.

Alle Informationen zum Anlasse findet man auch auf dem Flyer.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Freitag, 4. August 2023

Pfahlstellung

Ein Zitat

Zwergdommel am Flachsee im Reusstal.
Foto © Jörg Niederer
"Einstens ließen sie es [Gottes Wort] schmieden / an des Kreuzes harten Pfahl, / hatten ihm den Tod beschieden, / ja, sie höhnten seiner Qual. / Gottes Wort blieb nicht gebunden, / sprengte gar des Todes Tor, / trat, die Hölle überwindend, / siegend aus dem Grab hervor." Gesangbuchlied "Gottes Wort ist nicht gebunden". Text von Hans Böhm (1899-1962)

Ein Bibelvers - Jesaja 30,15

"So sprach Gott, der Herr, der Heilige Israels: 'Wenn ihr umkehrt und still seid, werdet ihr gerettet. Wenn ihr Ruhe bewahrt und Vertrauen habt, seid ihr stark.'"

Eine Anregung

Wer sagt denn, dass es nach über 60 Jahren nicht noch Neues zu entdecken gibt. So wie gestern, als ich gleich zwei Zwergdommeln fotografieren konnte. Der kleinste Reiher, der in der Schweiz vorkommt, wird etwa so gross wie ein Eichelhäher und bewegt sich geschickt im Randbereich des Schilfs von Gewässern unterhalb von 600 Höhenmetern. Dort ist er hervorragend getarnt und nur schwer zu entdecken. Die hier abgebildete Zwergdommel habe ich aus einer Hide heraus fotografiert, also einer Beobachtungshütte. Doch schon zuvor entdeckte ich den kleinen Vogel, als ich beim aargauischen Rottenschwil mit dem Fernglas den Schilfgürtel auf der anderen Seite der Reuss absuchte.

Die Zwergdommel (wie auch ihre grosse Schwester, die Rohrdommel) zeigt ein Verhalten, das man Pfahlstellung nennt. Was hat es damit auf sich? Zwar ist die Zwergdommel durch ihre langsamen Bewegungen und das perfekt an den Lebensraum angepasste Federkleid schon sehr gut getarnt. Bei Gefahr hat sie aber noch einen weiteren Trick auf Lager. Sie macht sich lang wie ein Schilfhalm und streckt Kopf und Schnabel in den Himmel. In dieser Haltung verharrt der Minireiher, bis die Gefahr vorüber ist.

Bei Pfahl denkt der Theologe in mir nun natürlich sofort ans Kreuz, das in manchen Kirchenlieder so bezeichnet wird (siehe Liedzitat oben!). Und so erlaube ich mir wieder einmal eine Analogie für Christinnen und Christen aus dem Tierreich. 

Erstens sind wir in einer Zeit, in der die Menschheit die Natur sosehr ausbeutet, dass wir seit dem 2. August, dem diesjährigen Welterschöpfungstag, mehr verbrauchen als die Erde hergibt, dazu aufgerufen, es der Zwergdommel gleich zu tun, und uns ganz und gar einzufügen in unsere Umwelt, ja in ihr aufzugehen, unsichtbar zu werden. 

Zweitens ist es bei Gefahr ausgesprochen sinnvoll, nicht in blinde Aktionitis zu verfallen, sondern zuerst auf Gott zu vertrauen, den Blick und die Erwartung gen Himmel zu richten (wie es die Zwergdommeln tun) und Gottes Hilfe zu erwarten.

In diesem Sinn: Sei nachhaltig und vertrauensvoll!

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Dienstag, 7. Februar 2023

Vogel auf dem Kopf

Ein Zitat

Eine Möwe an der Sihl in Zürich lässt sich auf dem Kopf von Urs Heinz Aerni nieder.
Foto © Jörg Niederer
"Dass die Vögel der Sorge und des Kummers über deinem Haupt fliegen, kannst du nicht ändern. Aber dass sie Nester in deinem Haar bauen, das kannst du verhindern." Martin Luther

Ein Bibelvers - 5. Mose 22,6+7

"Folgender Fall: Du bist unterwegs und findest ein Vogelnest, sei es auf einem Baum oder in einem Erdloch. In diesem Nest liegen Küken oder Eier und die Vogelmutter sitzt auf den Küken oder den Eiern. Dann darfst du nicht beide zusammen herausnehmen, die Mutter und die Küken! Lass die Vogelmutter unbedingt fliegen! Nur ihre Jungen kannst du dir nehmen. Dann wird es dir gut gehen und du wirst ein langes Leben haben."

Eine Anregung

Erst fiel mir der seltsam geformte Rollkoffer auf, der bei jedem kleinen Absätzchen gefährlich ins Schlingern kam. Wahrscheinlich ein Geschenk von der Ehefrau, dachte ich mir, darum muss er das unpraktische Ding jetzt hinter sich herziehen. An der Sihl strebte er dem Ufer zu, stütze sich aufs Geländer und schaute hinunter zum Wasser.

Abgelenkt verlor ich ihn einen Augenblick aus den Augen und folgte dem Flug einer Lachmöwe. Sie landete keinen Meter weit weg vom Mann auf dem Geländer. Weitere Lachmöwen in ihren hellen Winterkleider reihten sich auf, flankierten den Mann. Dann setzte sich doch tatsächlich eine der Möwen ohne Scheu auf dessen Kopf, flog wieder auf und stellte sich erneut in die ergrauten Haare. Ich fotografierte die aussergewöhnliche Szene mit dem Mobiltelefon, worauf mir der Mann seine Telefonnummer zurief und um die Bilder bat.

Auf WhatsApp erfuhr ich dann mehr. Sein Bildchen neben dem Namen war eine schöne Zeichnung mit einem Mann, auf dessen Kopf ein Vogel Platz genommen hatte. Ich staune!

Stöbernd auf des Mannes Webseite wird mir bewusst, dass ich nicht nur einige schräge, zutrauliche Vögel abgelichtet habe, sondern auch einen richtigen Tausendsassa. Urs Heinz Aerni war einst unterwegs als Störbuchhändler und in dieser Funktion Gast bei Aeschbacher. Er beschreibt sich als Journalist, Kommunikationsberater, Texter, ist an einer Agentur für Kulturschaffende beteiligt. Der 1962 in Baden geborene  Hobby-Ornithologe kann für Vogelspaziergänge gebucht werden, philosophiert darüber, ob Vögeln trauern oder lügen, ist beteiligt am Buch "Aves / Vögel - Charakterköpfe", tritt mit bekannten Persönlichkeiten wie Hanspeter Müller-Drossart und Mona Vetsch auf, gibt Magazine und Bücher heraus, und, und, und... 

Ich bin fasziniert... von den zutraulichen Möwen ebenso wie von Urs Heinz Aerni.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Mittwoch, 28. Dezember 2022

Vogeljäger

Ein Zitat

Sperber im Auenwald bei Frauenfeld.
Foto © Jörg Niederer
"Das größte Leid ist das, was sich der Mensch selbst antut." Manes Sperber (195-1984) Schriftsteller

Ein Bibelvers - Lukas 12,51

Jesus: "Meint ihr, dass ich gekommen bin, um Frieden auf die Erde zu bringen? Nein, sage ich euch, sondern Streit."

Eine Anregung

Der Sperber ist ein kleinerer Greifvogel, der ausschliesslich Vögel jagt. Geschickt fliegt er in der Deckung von Hecken im Tiefflug heran, um sich dann gezielt eines der dortigen kleinen Vögelchen zu greifen. 

Ein Vogel, der Vögel frisst, das ist für Ornithologinnen und Ornithologen wohl ein kleiner Alptraum. Wenn Katzen nicht besonders beliebt sind, weil sie auch Vögel fressen, müsste dann diese "fliegende Katze", die nur Vögel frisst, nicht genauso verpönt sein? Aber Sperber sind Vögel, wildlebende, schöne Vögel.

Da gibt es doch diese Redensart: "Der Mensch ist des Menschen Wolf". Will sagen, dass wir Menschen einander gegenseitig am gefährlichsten sind. Wir sind für diese Welt bei weitem das grössere Problem als die Sperber es für die Vogelwelt sind. 

Ich jedenfalls freue mich, dass es diese faszinierenden Tiere gibt. "Sperber" ist übrigens die Zusammensetzung von zwei althochdeutschen Wörtern: "sparo" für Sperling und "aro" für Aar oder Adler. Entweder ist "Sperlingsadler" eine Anspielung auf die geringe Grösse dieses Greifers, oder aber auf seine Hauptbeute, den Sperling. Und noch eines: Die Weibchen sind deutlich grösser als die Männchen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Donnerstag, 13. Oktober 2022

Ein eiskalter Killer

Ein Zitat

Der Eisvogel mit einem gefangenen Fischchen, das er nun gleich durch Schlagen an den Ast töten wird.
Foto © Jörg Niederer
"Wer die Grausamkeit der Natur und der Menschen einmal erkannt hat, der bemüht sich, selbst in kleinen Dingen wie dem Niedertreten des Grases schonungsvoll zu sein." Christian Morgenstern (1871-1914)

Ein Bibelvers - 1. Mose 9,3+4

Gott zu Noah und allen Menschen: "Alles, was sich regt und lebt, soll eure Nahrung sein. Bisher waren es nur Pflanzen, nun gebe ich euch alles zu essen. Nur Fleisch, in dem noch Blut und damit Leben ist, dürft ihr nicht essen!"

Ein Anregung

Gleich noch einmal ein Vogel. Das Lieblingstier vieler Fotografinnen und Fotografen. "Eisi" werden sie verniedlichend von einigen genannt und Geschichten über sie erzählt vom Warten und Hoffen, dass er sich zeigen möge.

Gestern war ich in La Sauge. Zusammen mit dem angrenzenden bernischen Gebiet "Fanel" ist dieser Teil der Grand Cariçaie am südöstlichen Neuenburgersee bei der Mündung des Broyekanals das Nonplusultra der Ornithologinnen und Ornithologen. An keinem anderen Ort in der Schweiz können mehr Vogelarten in freier Natur beobachtet werden.

Dort im BirdLife-Zentrum kann aus einer Beobachtungshütte heraus ganz bequem der Eisvogel bewundert werden. In unserem Fall kam dann auch noch ein Rehbock mit nur einem Geweihende auf Visite. Das war der Moment, als der Eisvogel sich aufs Dach des benachbarten Beobachtungsbaus setzte und wohl die Beobachter beäugte.

Ja, sie sehen wunderschön aus, die Eisvögel. Zugleich sind sie ausgezeichnete Jäger und Fischliebhaber. "Eisi" ist, um es unverblümt zu sagen, ein eiskalter Killer. Nie wird aus diesem Vogel ein Vegetarier oder Veganer. Immer wird er den Fischen und Fröschen und Molchen nachstellen und sie zum Töten an einen Ast schlagen. Danach schlingt er seine Beute kopfüber als Ganzes  hinunter. 

Für den Fisch ist das nicht besonders bekömmlich. Doch Fische sind ja auch keine Engel, haben sie doch selbst wohl manchem Lebewesen ein Ende bereitet. Aber so ist die Natur: Fressen, und gefressen werden.

Ganz ehrlich, ich weiss nicht, wie das gehen soll: Zu leben, ohne anderem Leben das Leben zu nehmen. Aber vielleicht hat jemand, der dies liest, eine Idee?

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Freitag, 5. August 2022

Ein seltener Vogel vor meiner Haustür

Ein Zitat

Ein Kiebitz jagt in der Dämmerung nach Futter.
Foto © Jörg Niederer
Kiebitz: Zuschauerin oder Zuschauer bei Kartenspiel oder Schach. Das "Wort ist auch im englischen Sprachraum als kibitz oder kibitzer (Substantiv) oder to kibitz (Verb) bekannt. Im Polnischen wird als 'kibic' ein Fan einer Sportart, eines Sportklubs oder im Allgemeinen ein Zuschauer einer Sportveranstaltung bezeichnet." Quelle: Wikipedia

Ein Bibelvers - 1. Könige 18,44+45

"Beim siebten Mal meldete der Diener: 'Da ist eine Wolke, klein wie die Hand eines Mannes. Die steigt gerade aus dem Meer auf.' Darauf sagte Elija: 'Geh zu Ahab und richte ihm aus: Spann den Wagen an und fahr los, sonst hält dich der Regen noch auf!' Dann ging es Schlag auf Schlag: Wolken verdunkelten den Himmel und Wind kam auf. Plötzlich fiel starker Regen. Ahab bestieg seinen Wagen und fuhr nach Jesreel."

Ein Anregung

Es gehört zu den ganz besonderen Momenten, wenn man einem lebenden Juwel begegnet. Und das geschah so: Auf dem Heimweg vom Restaurantbesuch an unserem Hochzeitstag fuhr kein Postauto mehr. So gingen wir die 3-4 Kilometer zu Fuss nach Hause. Auf diesem Spaziergang sahen wir nun ein Vogelpaar in einem kleinen Feuchtgebiet, das wegen der Trockenheit grosse Uferübergänge aufweist, dort nach Futter suchen. Von weitem waren die Vögel aber nicht zu bestimmen. Ich vermutete erst, es seien Sandregenpfeifer. 

Doch vor zwei Tagen entdeckte ich, diesmal ausgerüstet mit Feldstecher und Kamera, dass es nicht Sandregenpfeifer sind, sondern ein Kiebitzpaar. Von dieser bekanntesten Limikolenart gab es in der Schweiz im Jahr 2016 nur noch 130-160 Brutpaare. Das Foto entstand in der Dämmerung, und so sieht man nur wenig vom schillernden Gefieder. Allzu nahe wollte ich dieser Rarität auch nicht kommen, um das heimliche Paar nicht zu stören. Genau weiss ich ja nicht, ob die zwei Kiebitze ein Paar sind. Ob sie gebrütet haben, ist mir auch nicht bekannt. Am Standort sind sie nun sicher schon 10 Tage.

Der Kiebitz war 2019 Vogel des Jahres. Besonders interessant ist er auch wegen seiner Jagdtechnik. Der Kiebitz simulieren mit seinen Füssen den Regen - man nennt das Bodenklopfen oder Fusstrillern - was die Beutetiere aus der Erde lockt.

Einmal mehr staune ich über diese kleinen Wunder aus meinem nahen Umfeld. Kennst du auch solche Schätze in deiner Nähe, die dich dankbar und "gwundrig" sein lassen?

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Mittwoch, 3. August 2022

Vom Retter der Schweizer Weissstörche

Ein Zitat

Während ein riesiger Traktor mit zwei Kreiselmähern die Feuchtwiese zurückschneidet, frisst ein Storch in unmittelbarer Nähe die dabei aufgescheuchten Insekten, Mäuse und Frösche.
Foto © Jörg Niederer
"Bleiben die Störche nach Bartholomä (24. August), so kommt ein Winter, der tut nicht weh." Bauernregel

Ein Bibelvers - Psalm 104,17

"Dort in ihren Zweigen nisten die Vögel, der Storch ist auf den Zypressen zu Hause."

Ein Anregung

Grosse Vögel lassen sich einfacher fotografieren, besonders, wenn sie, wie dieser Storch, die Gunst der Stunde nutzen und in unmittelbarer Nähe des riesigen, brüllenden Mähers nach aufgescheuchten Leckerbissen suchen. Eine solche Gelegenheit kommt für sie nur gerade einmal pro Sommer, dann, wenn die extensiv bewirtschafteten Feuchtwiesen zurückgeschnitten werden dürfen.

Auch wenn sich Weissstörche leicht fotografieren lassen, wäre es in der Zeit von 1950 bis 1962 in der Schweiz unmöglich gewesen, ein freilebendes Exemplar vor die Linse zu bekommen. Der Grossvogel war in unserem Land ausgestorben, sein Lebensraum auf wenige kleine Nischen zusammengeschmolzen, die Futtertiere durch eine intensive Landwirtschaft verdrängt.

Zwischenzeitlich ist das wieder anders. 2021 brüteten hier 1249 Paare. Es wurden um die 796 Jungtiere gezählt. Eine Erfolgsgeschichte, die mit einem Namen ganz besonders verbunden ist: Max Bloesch. Der gebürtige Oltner war Turnlehrer, bevor er und weitere Engagierte 1948 begangen, in Altreu den Weissstorch wieder anzusiedeln. Die Tiere dazu hatte der "Storchenvater" aus dem Elsass, der Tschechoslowakei und Algerien.

Weitere 22 Aussenstationen sicherten in der Folge den Bestand der Störche in der Schweiz in der Zeit, als sie freilebend als ausgestorben oder selten galten. So gelang durch Auswilderung die Rückkehr dieser majestätischen Vögel.

Was die Geschichte von Max Bloesch auch zeigt. Selbst als Nichtfachmann und interessierter Laie kann man Hervorragendes leisten. Wer mit Leidenschaft und Herz bei der Sache ist, trägt dazu bei, dass sich diese Welt erneuert und zum Guten verändern kann. 

Nebenbei: Max Bloesch war auch Teil der Feldhandballmannschaft, die 1936 für die Schweiz eine olympische Bronzemedaille gewannen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Samstag, 19. März 2022

Und ich sah noch einmal ganz neu

Ein Zitat

Versteckt mitten in der Stadt Frauenfeld haben sich zwei Eisvögel gefunden
Foto © Jörg Niederer
"Du Mensch, schau dich in deinem Leben nie so an, als wärst du ferne von Gott. Und wenn du dich nicht so ansehen kannst, dass du nahe seist bei Gott, so fasse doch den Gedanken, dass Gott nahe bei dir ist." Meister Eckhart (1260-1328)

Ein Bibelvers - Offenbarung 21,1a

"Dann sah ich einen neuen Himmel und eine neue Erde."

Ein Anregung

Heute geht es um das "Photo-a-day"-Wort "sehen" oder "suchen" (Englisch: looking).

In der letzten Zeit ist mir bewusst geworden, wie oft ich schon unaufmerksam an kleineren und grösseren Dingen am Wegrand vorbeigegangen bin. Neu habe ich mir daher angewöhnt, immer einmal wieder stehen zu bleiben, und die Umgebung genau abzusuchen.

Und siehe da: Plötzlich entdecke ich Dinge, die mir vorher nicht aufgefallen sind. Am meisten staune ich darüber, wie oft ich die grosse Zahl der verschiedenen Vögel nicht gesehen habe. Natürlich, Amseln, Krähen, Elstern, Spatzen, Kohlmeisen und Buchfinken hatte ich schon im Blick, genauso wie die Tauben, Mäusebussarde, Milane und Möwen. Aber dass es da im Geäst über mir Goldammern hat und Wacholderdrosseln, durchaus Vögel von beachtlicher Grösse, ist mir bisher entgangen. Also sehe ich genauer hin, suche zu erkennen. Ich staune neu über den schön gefärbten Zeisig und die Schwanzmeise, ja selbst die Wintergoldhähnchen fallen mir nun auf.

Bewusst hinsehen, sich beim Suchen Zeit lassen, das sind neue Erfahrungen. Und so sind mir dieser Tage auch wieder die Eisvögel begegnet. Ja richtig. Es ist ein Paar, dass da in der Stadt Frauenfeld an unruhiger, stark frequentierter Lage an der Murg eingezogen ist.

Dieses neue Sehen und Suchen ist eine Frucht der Pandemie. Mit dem heutigen Beitrag schaue ich auf zwei Jahre zurück, in denen ich versuchte, täglich etwas weiterzugeben, das hoffentlich meist Mut und Hoffnung bereitet hat. In dieser Zeit habe ich bewusster hingeschaut. Ich habe die Welt noch einmal neu entdeckt. Und ich habe die eine oder andere meiner Ansichten revidiert. Auch Ansichten über Gott und seine Welt. Danke allen, die sich auf diese Texte eingelassen haben. Danke für die Rückmeldungen und Anregungen. 

Vorerst werde ich weiterfahren mit den Blogbeiträgen. Es gibt wieder neue Schrecken in der Welt. Da braucht es weiterhin Gegengewichte der Solidarität, der Schönheit und der Liebe.

Morgen folgt ein Bild zum Wort "feiern" (celebrate).


Photo-a-day Lent 2022: Eine methodistische Webseite schlägt für die Fastenzeit vor, jeden Tag ein Foto zu teilen, das von einem bestimmten Wort inspiriert ist. Diese Sache nennt sich "Photo-a-day Lent 2022". So könne man sich der Fastenzeit auf eine neue Weise annähern. Die Bilder soll man mit #rethinkchurch taggen. Weitere Erklärungen zum Bild brauche es nicht.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Dienstag, 15. Februar 2022

Der königlicher Fischer

Ein Zitat

Fliegender Eisvogel
Foto © Jörg Niederer
"Angeln ist die einzige Art von Philosophie, von der man satt werden kann." Peter Bamm, deutscher Schiffsarzt, Chirurg, Journalist und Schriftsteller (1897-1975)

Ein Bibelvers - Markus 1,17

"Jesus sagte zu ihnen [den Fischern Simon und Andreas]: 'Kommt, folgt mir! Ich mache euch zu Menschenfischern!' Sofort ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm."

Ein Anregung

Auf Deutsch nennt man ihn Eisvogel. In Frankreich und Italien wird er "Martinsfischer" genannt. und im Englischen ist es der "Königsfischer". 

Der schillernde Vogel bleibt auch im Winter, bei Eis und Schnee in unseren Breiten. Kein Wunder, dass der leuchtende Farbfleck im Weiss und Grau dieser Zeit öfter wahrgenommen wird als im farbenreichen Sommer. Eben ein Vogel im Eis.

Auch dass er in England Königsfischer genannt wird, ist nicht verwunderlich bei seinem prunkvollen Federkleid, und Fischen - ja das kann er. 

Aber warum "Martinsfischer" in Frankreich und Italien? Es gibt da eine weiter hergeholte und zugleich plausible Erklärung. Im Französischen nennt man den Mauersegler "martinet". Diese Vögel kommen so um das Fest des Heiligen Martin (11. November) auf ihrer Reise nach Afrika in Nordfrankreich vorbei. Daher wurde er dort "MARTINet" genannt. Nun könnte es gegen Ende des 16. Jahrhunderts gewesen sein, dass man die Bezeichnung "martinet" des einen flinken Vogels auf die Bezeichnung des andern übertrug, ergänzt durch den Hinweis auf seine Fischerkünste. Also ein "martinet", ein "Mauersegler", der fischen kann.

Auf Rätoromanisch wird der Eisvogel "pestgaderin" genannt (von "pestgader" = Fischer).

So gibt es beim Eisvogel gleich mehrere Verbindungen zur Religion. Da wäre der heilige Martin, und da wären die Fischer in der Jüngerschaft von Jesus.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde


Mittwoch, 26. Januar 2022

Winzling ganz gross

Ein Zitat

Ein Zaunkönig sucht die Bachränder nach Futter ab.
Foto © Jörg Niederer
"Es heißt, dass wir Könige auf Erden die Ebenbilder Gottes seien. Ich habe mich daraufhin im Spiegel betrachtet. Sehr schmeichelhaft für den lieben Gott ist das nicht." Friedrich II. der Grosse (1712-1786 König von Preussen und Brandenburg)

Ein Bibelvers - 1. Samuel 15,17

"Und Samuel sprach weiter [zu Saul]: 'Du bist doch der Anführer der Stämme Israels, obwohl du dich für unbedeutend gehalten hast. Der Herr hat dich zum König über Israel gesalbt.'"

Ein Anregung

In Europa ist er die Nummer 3 bei den Miniaturen unter den Vögeln. Die noch kleineren gefiederten Mitbewohner gibt es auch in der Schweiz. Spitzenreiter in Sachen "Winzigkeit" ist das Wintergoldhähnchen, dann das Sommergoldhähnchen und dann kommt auch schon der Zaunkönig. Alle drei sind ungefährdet, wobei man dem Zaunkönig wohl am Öftesten begegnet. 

Wie eine kleine braune Maus wuselt er durchs Unterholz, mit Vorliebe in Bachnähe, wo es mehr Mücken und Larven gibt. Für einen so kleinen Vogel hat er ein recht grosses Maul, kann laut trällern und pfeifen.

Aesop hat von ihm schon eine Fabel gekannt, und die Gebrüder Grimm haben diese Geschichte bekannt gemacht. Sie handelt im Wesentlichen davon, warum ein solcher Winzling "König" genannt wird. 

Das hat mit List zu tun. So soll der Zaunkönig sich beim Wettkampf um den Königstitel, bei dem es darum ging, am höchsten zu fliegen, im Gefieder des Adler verborgen haben, um diesen an dessen höchster Stelle noch zu überflügeln. Doch die anderen Vögel misstrauten dem Winzling zu recht und verlangten nun in einem weiteren Wettkampf, dass Vogelkönig werde, wer am tiefsten in die Erde fallen könne. Nun, da hatte natürlich dieses gefiederte Mäuschen klare Vorteile, und verschwand unter der Erde in einem Mauseloch, aus dem es seinen Sieg mit lauter Stimme kundtat. Doch statt inthronisiert wurde der Zaunkönig dort in diesem Loch nun - von der Eule bewacht - gefangen gehalten, was nichts half, denn natürlich gelang dem Piepmatz in seinem angestammten Territorium die Flucht. Jedoch gilt seine Königswürde unter den Vögeln nur im Unterholz, in den Hecken. Ein Zaunkönig halt, aber einer mit grosser Persönlichkeit.

Ich, für meinen Teil lerne, dass ein jeder König oder Königin sein kann, wenn er da bleibt, wo er hingehört; also nicht nach Höherem strebt, sondern das tut, was er oder sie besonders gut zu tun versteht. Den zutrauen kann man sich da am Meisten, wo man sich auch wohl und sicher fühlt.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde


Montag, 24. Januar 2022

Ein Juwel im Winter - der Eisvogel

Ein Zitat

Eisvogel auf dem Stadtgebiet von Frauenfeld
Foto © Jörg Niederer
"Wie der Eisvogel erschaffen wurde zum Fische fangen und der Schmetterling zum Nektar saugen, so ist der Mensch zur Kontemplation bestimmt und zur Liebe zu Gott…" Ernesto Cardenal (1925-2020)

Ein Bibelvers - Matthäus 13,44

Jesus: "Das Himmelreich gleicht einem Schatz, der im Acker vergraben ist: Ein Mann entdeckte ihn und vergrub ihn wieder. Voller Freude ging er los und verkaufte alles, was er hatte. Dann kaufte er diesen Acker."

Ein Anregung

Es ist ein kleiner, tropisch anmutender Schatz im Grau und Braun des Januars. Ein Schatz, nach dem viel suchen und zunehmend fündig werden. Der Eisvogel. Weil er so selten geworden ist, wollen ihn alle fotografieren. Man könnte von einem Modetrend unter den Tierfotografinnen und -fotografen sprechen. Abgesehen von Hunden und Katzen werden gerade von keinem anderen Tier mehr Aufnahmen in den sozialen Medien gepostet. Nun folge also auch ich diesem Brauch, und zeige mit dieser eher dürftigen Aufnahme, dass ich den Eisvogel gesehen habe. In diesem Fall ist er mir an einem viel frequentierten Ort in Frauenfeld vor die Linse geflogen.

Die zunehmenden Beobachtungen des Eisvogels haben wohl auch mit dem Klimawandel zu tun. Denn dank des wärmeren Wetters bleiben mehr Kleingewässer im Winter eisfrei, und so findet der bunte Jäger auch im Winter seine Beute, kleine Fische. In der Folge sterben in der kalten Jahreszeit weniger Tiere an Nahrungsmangel, was auch Vogelzählungen belegen.

Die Vogelwarte Sempach weiss Mythologisches zu erzählen vom kleinen, heimlichen lebenden Sturztaucher. "Nach einer französischen Sage kam er zu seiner Farbenpracht, weil Noah ihn mit dem Auftrag, nach Festland Ausschau zu halten, fliegen liess. Wegen eines heftigen Sturms musste der Eisvogel so hoch fliegen, dass die Sonne unter ihm lag. Dabei nahm die Oberseite die Farbe des blauen Himmels an, die Unterseite färbte sich durch die Glut der Sonne rot."

Und damit wären wir bei einem weiteren Phänomen des Klimawandels. Nicht nur der Eisvogel nimmt an Zahl zu. Leider auch die Unwetter.

Die Fischchen jagt der Eisvogel von einem Ansitz aus, von dem er sich kopfüber ins Wasser stürzt, den Fisch ergreift und auf dem schnellsten Weg wieder auftaucht, sodass das Gefieder möglichst wenig nass wird, und er in der Folge noch fliegen kann. Anders als etwa die gleichgrosse Wasseramsel kann der geschickte Jäger im und unter dem Wasser nicht schwimmen.

Man beachte auch den entrindenden Teil des Astes, auf dem der Eisvogel sitzt. Daran schlägt der geschickte Jäger seine Beute tot, bevor er die Fischchen kopfüber schluckt.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde