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Samstag, 2. Juli 2022

Unverschämtes Nichtstun

Ein Zitat

Nichts los auf der Mündung des Medway, England
Foto © Jörg Niederer
"Im schlimmsten Fall kam es selten zum Allerschlimmsten." Aus: Malachy Tallack, Das Tal in der Mitte der Welt, München 2018, S. 21

Ein Bibelvers - Psalm 90,10

"Unser Leben dauert etwa 70 Jahre, und wenn wir bei Kräften sind, auch 80 Jahre. Das meiste daran ist nur Arbeit und vergebliche Mühe. Schnell ist es vorüber, im Flug sind wir dahin."

Ein Anregung

Im oben erwähnten Buch von Malachy Tallack über das Leben auf den Shetlandinseln wird eine Frau mit diesen Worten beschrieben: "Fast ihr ganzes Leben lang hatte sie Freizeit nicht gekannt. Zwei Mädchen aufziehen, arbeiten, alle mit Essen versorgen: Keine Zeit hatte sich je frei angefühlt. Und wenn sie mal eine Pause machte, was sie hin und wieder tun musste, hatte sie in diesen Augenblicken immer ein schlechtes Gewissen, als gehörten sie nicht rechtmässig ihr, sondern wären einem anderen gestohlen, einem, der sie mehr verdient hatte. wenn sie einmal innehielt und sich mit einer Tasse Tee in der Hand hinsetzte, überfielen sie sofort Gedanken an alles, was sie stattdessen tun könnte und tun sollte. Das Wohnzimmer musste gesaugt, das Bad musste geputzt, Essen musste gekocht, Wäsche gewaschen werden. Sie ärgerte sich nie über die Arbeit, die anfiel - schliesslich hatte sie sich dieses Leben ausgesucht -, aber sie hasste es, wie sie ihre Gedanken steuerte, als hätte sie einen Polizisten in sich." 

Kannst du dir vorstellen, keine Freizeit zu haben, immer beschäftigt, immer an der Arbeit? Meldet sich bei dir das schlechte Gewissen, wenn du einmal nichts tust?

Ich glaube, für Menschen ohne Musse hat Gott die Freizeit geschaffen, und den Ruhetag dazu, damit sich auch ja niemand aus dem Nichtstun herausreden kann. Gerade weil das Leben Arbeit und Mühe ist, braucht es auch das unverschämte Nichtstun.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Sonntag, 18. Juli 2021

Spirituell die Füsse hochlagern

Ein Zitat

Nichtstun am Strand
Foto © Jörg Niederer
"Vielleicht hängt die Wahrheit von einem Spaziergang um den See ab." Wallace Stevens (1879–1955), US-amerikanischer Dichter

Ein Bibelvers - Prediger 2,17

"Da begann ich das Leben zu hassen. So übel erschien mir das Tun, das unter der Sonne getan wird: Alles ist Windhauch und vergebliche Mühe!"

Ein Anregung

Nichts tun ist nicht immer falsch. Ausruhen gehört zum Leben. Ferien vom Leistungsdruck können sehr gut tun. Genau davon handelt die heutige Predigt in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen.

Es ist ein Plädoyer für ein zweckfreies, in Gott geborgenes Sein. Warum immer unter Strom stehen. Nimm dir doch einmal Zeit für den Stillstand. Versuche den Wind zu fangen. Das Leben, so der Prediger sei ja sowieso ein "Haschen nach Wind".

Andere Möglichkeiten: Sammle Licht ein oder Sterne, folge den Wolken, schlendere durch den Regen zum Anfang des Regenbogens, ordne die Reiskörner nach einem Muster oder untersuche, ob in der Buchstabensuppe das ganze Alphabet vorkommt.

Still halten ist nicht nur dann sinnvoll, wenn man muss. Es ist auch dann oft erhellend, wenn man darf.

Der Gottesdienst zum Thema "Müssiggang und Gvätterle" am Sonntag um 10.15 Uhr in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen kann live per Zoom (oder vor Ort) miterlebt werden. Dabei nehmen wir uns aber auch Zeit, um für die Opfer der Unwetter zu beten.

Die Predigt anhören!

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde