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Dienstag, 22. März 2022

Teilen oder Shareholder Value?

Ein Zitat

Ehemalige Neue Börse in Zürich
Foto © Jörg Niederer
"Für Börsenspekulationen ist der Februar einer der gefährlichsten Monate. Die anderen sind Juli, Januar, September, April, November, Mai, März, Juni, Dezember, August und Oktober." Mark Twain

Ein Bibelvers - Lukas 12,16-18 (Siehe dazu auch die Predigt vom vergangenen Sonntag!)

"Dazu erzählte Jesus ihnen ein Gleichnis: 'Die Felder eines reichen Grundbesitzers brachten eine besonders gute Ernte. Da überlegte er: Was soll ich tun? Ich habe nicht genug Platz, um meine Ernte zu lagern. Schließlich sagte er sich: So will ich es machen: Ich reiße meine Scheunen ab und baue größere. Dort werde ich dann das ganze Getreide und alle meine Vorräte lagern.'"

Ein Anregung

Das "Photo-a-day"-Wort von heute lautet "teilen" (Englisch: share). 

Als Fremdwort hat das Wort "share" in der Finanzwelt Einzug gehalten. "Share" das ist die Aktie. Die Aktie ist wiederum ein Anteil an einem Unternehmen. Aktien werden an Börsen gehandelt. Doch dabei geht es kaum um eine gerechte Verteilung der weltweiten Güter sondern um Profit und Gewinnmaximierung. Oft verstärkt der Aktienhandel die Ungerechtigkeit zwischen Arm und Reich.

Das Foto von der einstigen neuen Börse Zürich wurde aufgenommen, als dort noch der Shareholder Value regierte. Heute ist eine internationale Organisation im Haus, die Sprach- und Kulturaustausch anbietet. Sicher eine sinnvollere Art, wie Wissen, Kenntnis und Chancen geteilt werden können. Gelegentlich kann das Haus auch besichtigt werden.

Wie hast du es mit dem Teilen? Fällt es dir leicht, oder gehörst du zu den Menschen, die lieber Güter anhäufen? Strebst du nach Reichtum oder nach Gerechtigkeit? Oder nach beidem? Aber geht das: Reichtum und Gerechtigkeit? 

Morgen folgt ein Bild zum Wort "Notwendigkeit" (need).


Photo-a-day Lent 2022: Eine methodistische Webseite schlägt für die Fastenzeit vor, jeden Tag ein Foto zu teilen, das von einem bestimmten Wort inspiriert ist. Diese Sache nennt sich "Photo-a-day Lent 2022". So könne man sich der Fastenzeit auf eine neue Weise annähern. Die Bilder soll man mit #rethinkchurch taggen. Weitere Erklärungen zum Bild brauche es nicht.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Montag, 27. September 2021

Geld anhäufen ist eine brotlose Kunst

Ein Zitat

Rosette an schmiedeisernem Tor einer riesigen Villa in Dully am Genfersee
Foto © Jörg Niederer
Will Gott einem Menschen schaden, lässt er ihn reich werden.

Ein Bibelvers - Markus 8,36

"Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber sein Leben dabei verliert?"

Ein Anregung

Ich werde das Gefühl nicht los, dass Reichtum keine gute Idee ist. Diese ständige Konzentration auf Besitz, auf Geld, auf noch mehr Geld, glücklicher scheint es die Reichen nicht zu machen. Natürlich ist Armut auch nicht gut, macht auch nicht glücklich, auch wenn das immer einmal wieder behauptet wird mit Blick auf sogenannt fröhliche arme Menschen in den armen Regionen der Welt.

Gut ist es, wenn Menschen immer genug zum Leben haben, und wenn sie erfahren, dass ihnen zur rechten Zeit geholfen wird. 

Aber welchen Sinn macht es, superreich zu sein? Kohelet ortet den Grund im Neid der Menschen untereinander und bezeichnet es als Windhauch und vergebliche Anstrengung. (Prediger 4,4) Das Lebensziel "Reichtum" ist vermutlich sinnloser als alles, was man anstreben kann. Im Endeffekt führt es nur dazu, dass man einmal mehr verliert als alle andern, dann, wenn die letzte Stunde geschlagen hat.

Von Jesus ist kein Wort über die Homosexualität überliefert. Aber vor dem Reichtum warnt er in verschiedensten Zusammenhängen. "Eher komme ein Kamel durch ein Nadelöhr, als ein Reicher ins Himmelreich", meint er angesichts eines Mannes, der sich nicht von seinem Besitz lösen konnte (Lukas 18,15-30). Auch erzählt er ein Gleichnis über einen reichen Spekulanten an der Warenterminbörse, der bei seinen Plänen, noch mehr Güter anzuhäufen, nicht mit der Endlichkeit des eigenen Lebens rechnete (Lukas 12,16,21). 

Selbst hat Jesus genau das Gegenteil angestrebt. Er widerstand der Versuchung, die ganze Welt zu besitzen (Matthäus 4,8-10).

Wenn Reichtum so "lebensgefährlich" ist, warum nur bewundern viel die Reichen, und wollen nicht, dass die Güter dieser Welt gleichmässiger verteilt werden? Ist es vielleicht, weil sie sich sagen: Reichen kann am besten mit Reichtum geschadet werden? Oder steckt dahinter der Traum, selbst einmal reich zu sein?

Also ich werde das Gefühl nicht los, dass Reichtum keine gute Idee ist.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde