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Samstag, 12. Juli 2025

Die neuen Sozialen Grundsätze sind da

Ein Zitat

Im Jahr 2009 stand diese Skulptur sich liebender Weinbergschnecken beim Kloster Gnadenthal.
Foto © Jörg Niederer
"Make love, not war" (Deutsch: "Macht Liebe, nicht Krieg") Antikriegsslogan aus dem Jahr 1967

Ein Bibelvers - Jakobus 3,17

"Anders aber ist die Weisheit, die von Gott kommt: Sie ist zuerst einmal rein. Dann ist sie friedlich, gütig und bereit, sich etwas sagen zu lassen. Sie ist auch voller Barmherzigkeit und bringt gute Früchte hervor. Und sie ist unparteiisch und aufrichtig."

Eine Anregung

Nun sind die Sozialen Grundsätze der Evangelisch-methodistischen Kirche in der aktuellsten Version von 2024 auch Online verfügbar. Dies gilt sowohl in deutscher wie auch englischer Sprache.

Die Sozialen Grundsätze sind Teil der Kirchenordnung der weltweiten United Methodist Church. Mit der seit der Generalkonferenz 2024 gültigen Version liegt ein vollständig neuer Text vor, der über mehrere Jahre und durch Mitsprache von Menschen aus allen Weltgegenden entstanden ist.

Die Sozialen Grundsätze wollen Anregungen geben für ein christlich verantwortetes Leben. Sie sind in diesem Sinn nicht Gesetz, sondern Ausdruck der kirchlichen Verantwortungen gegenüber der Schöpfung, der Wirtschaft, dem Zusammenleben und der Politik. Dabei fällt den Grund- und Menschenrechten eine hohe Aufmerksamkeit zu. 

Gegenüber früheren Versionen achten diese Sozialen Grundsätze stärker auf eine globale Sichtweise, sind knapper formuliert und besser christlich-theologisch begründet.

Die deutschsprachige Version liegt auch als Heft 49 in der Reihe "EmK-Forum" vor. Es kann bezogen werden bei der Blessings 4 you GmbH, Postfach 311141, DE-70471 Stuttgart. Diese Fassung der Zentralkonferenz Deutschland ist meines Wissens weitgehend identisch mit der in der Schweiz und Österreich gültigen Version.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Montag, 7. Juli 2025

Leider doch

Ein Zitat

Plakat am Bahnhof Weinfelden gegen Rassismus und Antisemitismus: "Nicht bei uns!"
Foto © Jörg Niederer
"Arbeitgeber sind verpflichtet, ihre Mitarbeitenden vor rassistischer Belästigung zu schützen." Giulia Reimann von der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus

Ein Bibelvers - Sacharja 7,10

"Unterdrückt nicht Witwen und Waisen, Fremde und Arme! Plant nichts Böses gegeneinander!"

Eine Anregung

Gestern habe ich in der Sonntagszeitung gelesen, dass von 1000 Befragten 35% angegeben haben, dass sie in ihrer Ausbildung Rassismus erlebt haben, davon eine von zehn Person wiederholte Male. Die Studienautorin Félicia Fasel sagt: "Rassismus ist nicht die Ausnahme, sondern ein gesellschaftliches und strukturelles Phänomen." Besonders betroffen sind Jugendliche, die mit der Kundschaft oder mit Patient:innen in Kontakt kommen. Jugendliche mit dunkler Hautfarbe oder ausländischem Namen sind stärker betroffen.

Gerade auch ältere Menschen sind in Sachen Fremdenfeindlichkeit oft wenig sensibel. Ich erinnere mich an eine hundertjährige Bewohnerin eines Mietshauses, welche sich über einen dunkelhäutigen Mieter beschwerte, und ihn aggressiv als N* bezeichnete und mit der Polizei drohte.

Ebenfalls in der Sonntagszeitung lese ich in einem anderen Artikel davon, dass ausländische Mieterinnen und Mieter viel mehr für ihre Wohnung bezahlen müssen als Schweizer:innen. Im Artikel kommen die Autoren Andreas Tobler, Paul Ronga und Svenson Cornehls zum Schluss: "Eine ausländische Staatsbürgerschaft, fehlende sprachliche Kompetenzen oder das Aussehen können in der Schweiz dazu führen, dass jemand Wohnungen nicht erhält oder auf eine kleinere Auswahl Wohnungen zugreifen kann, also diskriminiert wird und deshalb gezwungen ist, eine teurere Wohnung zu nehmen."

An der Tagung der Jährlichen Konferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche Schweiz-Frankreich-Nordafrika hatte ein Passus der zu ratifizierenden Änderungen in der Verfassung über "...weisse Privilegien, weisse Vorherrschaft" zu reden gegeben. Es wurde moniert, dass es nicht nur weissen Rassismus gäbe. Mir scheint, dass allein schon die oben erwähnten Beispiele genügend aufzeigen, wie diese Vorstellung, dass wir weissen Einheimischen aus irgendeinem unerklärlichen, irrationalen Grund besser sind als die andern, immer noch oder wieder neu das Denken und Handeln in der Gesellschaft bestimmen.

Dagegen spricht sich die weltweite Evangelisch-methodistische Kirche in den neuen Sozialen Grundsätzen 2024 deutlich und klar aus. Da heisst es: "Wir verurteilen Rassismus, Antisemitismus, Ethnozentrismus und Tribalismus sowie jegliche Ideologie oder gesellschaftliche Praxis, die von der falschen und irreführenden Annahme oder Idee ausgeht, dass eine Gruppe von Menschen allen anderen Gruppen von Menschen überlegen ist."

Also in dieser Sache haben wir in der Schweiz noch einiges zu tun. Als Christinnen und Christen, welche daran glauben, dass Gott alle Menschen geschaffen hat und liebt, sind wir besonders gefordert, allen mit dem gleichen Respekt und der gleichen Sensibilität zu begegnen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Freitag, 5. Juli 2024

Über die Alten

Ein Zitat

Rüstiger Senior unterwegs am Bahnhof Wil.
Foto © Jörg Niederer
"Das Geheimnis eines schönen Alters ist der würdige Umgang mit der Einsamkeit." Gabriel Garcia Marquez (1927-2014)

Ein Bibelvers - 2. Mose 20,12

"Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren und für sie sorgen! Dann wirst du lange leben in dem Land, das der Herr, dein Gott, dir geben wird."

Eine Anregung

Da ich am Sonntag über das Verhältnis der Generationen predigen möchte, und dabei den Schwerpunkt auf die ältere Bevölkerung legen werde, habe ich mich gefragt, was die neuen Sozialen Grundsätze, welche an der Generalkonferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche im April/Mai 2024 angenommen wurden, über die älteren Menschen und das Altern sagen. Hier also der Text: 

DIE POLITISCHE GEMEINSCHAFT

C. Ältere Menschen und das Älterwerden 

Ältere Menschen haben viele Gaben. Wir rufen die Kirche, die Regierungen und zivile Einrichtungen auf, ihnen fortlaufend zu ermöglichen, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen und zu Gottes Werk in der Welt beizutragen. Ältere Menschen haben ein Recht auf Unterstützung und Schutz vor den Risiken des Älterwerdens, welche sich in wirtschaftlicher Benachteiligung, ungerechten Erbschaftsverfahren, unzureichender öffentlichen Gesundheitsfürsorge sowie systematischer Vernachlässigung aufgrund von Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit, Behinderungen und weiteren wirtschaftlichen Lebensbedingungen äussern.

Wir fordern die Kirche, die Regierungen und die Zivilgesellschaft auf, sozialpolitische Strategien und Programme zu entwickeln und umzusetzen, die den Bedürfnissen und Rechten älterer Menschen Rechnung tragen. Wir unterstützen eine Sozialpolitik, die ältere Menschen in das gesellschaftliche Leben integriert und Ressourcen für ihr Wohlergehen garantiert, einschließlich diskriminierungsfreier Beschäftigungsmöglichkeiten sowie Bildungs- und Dienstleistungsangebote. Sie sollen Zugang zu medizinischer Versorgung und Wohnraum haben, geschützt werden vor wirtschaftlicher oder psychologischer Ausbeutung sowie auf eine hochwertige, öffentlich unterstützte Seniorenbetreuung bauen können. Wir befürworten die Selbstbestimmung älterer Menschen unabhängig davon, ob sie allein, in Familien oder Institutionen leben. Wir verurteilen die Beeinträchtigung ihrer Lebensqualität durch unnötige Medikamente oder durch Einschränkungen ihrer sozialen Teilhabe und ihrer Handlungsfähigkeit.

Siehe zu diesem Teil der Sozialen Grundsätze auch die Beiträge vom 11. Mai 2024, vom 20. Mai 2024, vom 22. Mai 2024 und 7. Juni

(Anmerkung: Die Sozialen Grundsätze wurden in der hier verwendeten revidierten Version an der diesjährigen Generalkonferenz in Charlotte angenommen. Die vorläufige deutschsprachige Übersetzung der Sozialen Grundsätze hilft zwar beim Verstehen des englischen Originals, hat aber diverse sprachliche und orthografische Mängel. Diese versuche ich im von mir wiedergegebenen Text zu korrigieren. Es handelt sich also nicht um eine von den deutschsprachigen Zentralkonferenzen autorisierte Version. 

Die Sozialen Grundsätze sind nicht kirchenrechtlich verbindlich, sondern als Anleitung zu einer im Glauben an Christus begründeten Lebensführung zu verstehen. Ihre Geschichte begann vor mehr als 110 Jahren mit dem ersten Sozialen Bekenntnis, das durch die Bischöfliche Methodistenkirche formuliert wurde.)

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen


Freitag, 7. Juni 2024

Umweltrassismus und die Kirche

Ein Zitat

Allegorie zu Johannes 16,33: Die Kirche zwischen Umweltverschmutzung und Kriegsfolgen. Glasfenster von Edy Werlen nach einem Entwurf von Walter Jüstrich in der Evangelischen Kirche Berneck.
Foto © Jörg Niederer
"Der Begriff 'Umweltrassismus' ist in den 1980er-Jahren in den USA entstanden und artikuliert die rassistischen Effekte ungleicher Verteilung von Umweltgütern und -risiken." Heinrich-Böll-Stiftung Hessen e.V.

Ein Bibelvers - Klagelieder 5,7

"Unsere Väter sind schuld, sie leben nicht mehr. Doch wir müssen die Folgen ihrer Schuld tragen."

Eine Anregung

Die an der Generalkonferenz angenommenen revidierten Sozialen Grundsätzen der Evangelisch-methodistischen Kirche enthalten auch einen Abschnitt zum Umweltrassismus. Darunter versteht man eine ungleich verteilte Last. Nicht die Hauptverursacher tragen die Konsequenzen. Diese werden den Menschen aufgebürdet, welche meist deutlich weniger zum menschgemachten Klimawandel beigetragen haben. 

Es folgt der entsprechende Auszug aus den Sozialen Grundsätzen: 

Haushalterschaft der Schöpfung

In Genesis 1 lesen wir, dass Gott die Schöpfung für gut erklärt (Genesis 1,4.10.12.18.25.31), und in Genesis 2, dass Gott «den Menschen nahm und ihn in den Garten Eden setzte, dass er ihn bebaue und hüte» (Genesis 2,15). Die Güte der Schöpfung Gottes und der Wert, der jedem Teil davon zukommt, ist ein Aufruf an die Menschen, die Schöpfung und alle mit ihr zusammenhängenden Aspekte zu respektieren, zu schützen und für sie zu sorgen.

A. Umweltrassismus

Wir geben zu, dass die negativen Auswirkungen, die aus der Zerstörung der natürlichen Welt resultieren, in unverhältnismäßiger Weise marginalisierte Gemeinschaften treffen, darunter indigene Stämme, religiöse und ethnische Gemeinschafen, Menschen, die in Armut leben und andere gefährdete Gruppen. Wir versprechen daher, uns allen Formen der Umweltausbeutung, Vernachlässigung und Diskriminierung zu widersetzen. Diese Praktiken führen dazu, dass verarmte Bevölkerungsgruppen und Entwicklungsländer die Hauptlast von gefährlichen Umweltbelastungen, industrieller Verschmutzung, Giftmülldeponien und städtischem Verfall zu tragen haben. Solches Verhalten ist Umweltrassismus. Wir wenden uns gegen politische Massnahmen und Praktiken, welche marginalisierte Gemeinschaften auf Dauer in die Unterschicht abdrängen und indigene und andere Quellen gemeinschaftlicher Weisheit ignorieren, welche dazu aufrufen, Luft, Land und Wasser mit tiefem Respekt zu behandeln.

Darüber hinaus leiden diese Bevölkerungsschichten überproportional an vermeidbaren Krankheiten wie Asthma, Krebs, Geburtskomplikationen usw. Diese Gesundheitsprobleme werden mit Schadstoffen und anderen Chemikalien im Boden, im Wasser und in der Luft in Verbindung gebracht, welche unser Trinkwasser, unsere Lebensmittel und die natürliche Umwelt belasten. Wir fordern Regierungen, Unternehmen und die Zivilgesellschaft auf, den Zugang zu Präventions- und Therapieangeboten zu verbessern.

Wir verlangen die Einführung von umweltgerechten Standards, Strategien und Massnahmen. Wir bekräftigen die Weisheit und das Recht indigener Völker und marginalisierter Bevölkerungsgruppen, selbst über Praktiken und politische Massnahmen zu entscheiden, die ihre menschlichen Grundbedürfnisse auf giftfreie Nahrung, Wasser, Unterkunft und Boden am besten erfüllen. Selbstbestimmung bedeutet unter anderem, Zugang zu allen relevanten Informationen und ein erhebliches Mass an Entscheidungsgewalt über industrielle, landwirtschaftliche und andere Entwicklungen, die das Potential haben, Land, Luft und Wasser erheblich zu beeinträchtigen.

Siehe zu diesem Teil der Sozialen Grundsätze auch die Beiträge vom 1. Mai 2024, vom 20. Mai 2024 und vom 22. Mai 2024

(Anmerkung: Die Sozialen Grundsätze wurden in der hier verwendeten revidierten Version an der diesjährigen Generalkonferenz in Charlotte angenommen. Die vorläufige deutschsprachige Übersetzung der Sozialen Grundsätze hilft zwar beim Verstehen des englischen Originals, hat aber diverse sprachliche und orthografische Mängel. Diese versuche ich im von mir wiedergegebenen Text zu korrigieren. Es handelt sich also nicht um eine von den deutschsprachigen Zentralkonferenzen autorisierte Version.

Die Sozialen Grundsätze sind nicht kirchenrechtlich verbindlich, sondern als Anleitung zu einer im Glauben an Christus begründeten Lebensführung zu verstehen. Ihre Geschichte begann vor mehr als 110 Jahren mit dem ersten Sozialen Bekenntnis, das durch die Bischöfliche Methodistenkirche formuliert wurde.)

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Mittwoch, 22. Mai 2024

Die Abkehr von fossilen Energieträgern

Ein Zitat

Vor allem auf Wirtschafts- und Industriegebäuden gibt es noch viel Platz für Solaranlagen.
Foto © Jörg Niederer
"Wir sind aufgerufen, verantwortliche Haushalterschaft auszuüben und in richtiger Beziehung mit dem Schöpfer und mit der gesamten Schöpfung Gottes zu leben und nicht lediglich die Schöpfung so zu behandeln als ob sie der Menschheit nur zum Gebrauch und Konsum zur Verfügung gestellt wäre (Gen. 1:26–31; Matt. 6:26–30; Röm. 8:22–24)." Soziale Grundsätze der Evangelisch-methodistischen Kirche

Ein Bibelvers - 1. Mose 14,10a

"Das Tal Siddim aber war voller Asphaltgruben."

Eine Anregung

Zur geforderten Abkehr von fossilen Brennstoffen finden die Sozialen Grundsätzen der Evangelisch-methodistischen Kirche klare Worte. Dabei wird auch auf Wechselwirkungen geachtet. So könnte durch den Ausbau erneuerbarer Energien die Biodiversität noch weiter unter Druck geraten. Bei der wirtschaftlichen Umstrukturierung zu mehr Nachhaltigkeit kann es zu Arbeitsplatzverlust kommen. Beides muss in solidarischer und sozial sorgfältiger Weise aufgefangen werden.

Es folgt der entsprechende Auszug aus den Sozialen Grundsätzen:

C. Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen

Die Verbrennung fossiler Energieträger, einschließlich Kohle, Öl, und in einem geringeren Ausmaß Erdgas, ist zum größten Teil für den Anstieg an Treibhausgasen und der daraus folgenden Erwärmung der Erdatmosphäre verantwortlich. Um den derzeitigen Verlauf des globalen Klimawandels umzukehren, sind vermehrte Investitionen in Forschung, Entwicklung und Verbreitung von Alternativen zu fossilen Brennstoffen erforderlich. Dazu tragen nicht nur Solar-, Wind-, geothermische und wasserstoffbasierende Energiequellen bei.

Bei der weiteren Erforschung von Alternativen zu fossilen Brennstoffen ist es entscheidend, Situationen zu vermeiden, die gegenwärtige Probleme verschlimmern oder neue, unvorhergesehene Umweltherausforderungen schaffen. Eine Abhängigkeit von Nuklearenergie wirft zum Beispiel erhebliche Bedenken auf bezüglich der sicheren Lagerung von Sicherheitsbehältern und den darin befindlichen radioaktiven Abfällen.

In ähnlicher Weise können kürzliche Vorschläge zur Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen durch Geoengineering an der irdischen Biosphäre unvorhersehbare Nebenwirkungen und die weitere Destabilisierung der natürlichen Ökosysteme auslösen, von denen alles Leben abhängt.

Zwangsläufig wird die Umstellung von einer übermäßigen Abhängigkeit fossiler Brennstoffe negative Auswirkungen auf Einzelpersonen und Gemeinschaften haben, deren Lebensunterhalt noch immer stark von der Produktion, dem Verkauf und Vertrieb dieser Güter abhängt. Pläne für Entwicklung und Einsatz alternativer Energiequellen sollten weitestgehend negative finanzielle Auswirkungen minimieren. Dazu soll in Strategien investiert werden, welche Menschen beim erfolgreichen Berufswechsel unterstützen und die soziale Absicherung stärken, damit Betroffene beim Verlust von Arbeitsplatz und Einkommen nicht allein gelassen werden. Für diese Absicherung sollen Bildungs- und Umschulungsmöglichkeiten angeboten werden. 

Siehe zu diesem Teil der Sozialen Grundsätze auch die Beiträge vom 1. Mai 2024 und vom 20. Mai 2024!

 

(Anmerkung: Die Sozialen Grundsätze wurden in der hier verwendeten revidierten Version an der diesjährigen Generalkonferenz in Charlotte angenommen. Die vorläufige deutschsprachige Übersetzung der Sozialen Grundsätze hilft zwar beim Verstehen des englischen Originals, hat aber diverse sprachliche und orthografische Mängel. Diese versuche ich im von mir wiedergegebenen Text zu korrigieren. Es handelt sich also nicht um eine von den deutschsprachigen Zentralkonferenzen autorisierte Version.

Die Sozialen Grundsätze sind nicht kirchenrechtlich verbindlich, sondern als Anleitung zu einer im Glauben an Christus begründeten Lebensführung zu verstehen. Ihre Geschichte begann vor mehr als 110 Jahren mit dem ersten Sozialen Bekenntnis, das durch die Bischöfliche Methodistenkirche formuliert wurde.)

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Montag, 20. Mai 2024

Die Methodistenkirche und der Klimawandel

Ein Zitat

Mit einem selbstgebastelten Klima-Schriftzug auf der Windschutzscheibe ist es definitiv nicht getan. Occasions-Autohandel im Jahr 2011.
Foto © Jörg Niederer
"Wir bekräftigen, dass die gesamte Schöpfung Gott gehört und eine Manifestation von Gottes Güte und Fürsorge ist." Soziale Grundsätze der Evangelisch-methodistischen Kirche

Ein Bibelvers - Hiob 6,18

"Karawanen verlassen den Weg, um Wasser zu suchen. Sie ziehen hinein in die Wüste und kommen um."

Eine Anregung

Der Abschnitt zur durch fossile Brennstoffe verursachten Klimaerwärmung in den neuen Sozialen Grundsätzen der Evangelisch-methodistischen Kirche ist denkbar kurz. So angenommen wurde der Text an der diesjährigen Generalkonferenz in Charlotte. Viel muss zu dieser grössten Gefährdung der Biosphäre auch nicht gesagt werden. Die Sachlage ist wissenschaftlich mehr als hinreichend erforscht. Die Folgen sind spürbar. Nun müssen alle darauf hinarbeiten, die Globale Erwärmung vorerst zu stoppen. Auch Kirchen und Glaubende sind in der Pflicht. Mein Eindruck ist, dass die religiösen Gemeinschaften da durchaus noch etwas mehr geistgewirkte Dynamik brauchen könnten.
Es folgt nun der Auszug aus den Sozialen Grundsätzen: 

B. Globale Erwärmung und Klimawandel

Globale Erwärmung und Klimawandel schaffen bereits heute extreme Bedingungen, die das ganze Leben auf der Erde gefährden. Überindustrialisierung, weit verbreitete Abholzung sowie die übermäßige Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen sind nur einige der menschlichen Handlungen, die zur Erhöhung von Treibhausgasen wie Kohlendioxid, Methan und Stickoxid in der Erdatmosphäre beigetragen haben.

Ein drastischer Anstieg von Treibhausgasen in den letzten Jahrzehnten hat bereits zu einer stetigen Erhöhung des Meeresspiegels geführt, zu zunehmender Übersäuerung der Weltmeere, zu häufiger auftretender Trockenheit und zu Hungersnöten, sowie zu vermehrt auftretenden extremen Wetterereignissen. Klimaforschende warnen, dass der zeitliche Spielraum zur Abwendung der negativen Auswirkungen der globalen Erwärmung und des Klimawandels schon bald endet. Ohne gemeinsames Vorgehen durch Einzelpersonen, Kirchen, Gemeinden, Aktionäre, Betriebe, Regierungen und internationale Organisationen werden die negativen Auswirkungen irreversibel werden. 


(Anmerkung: Die vorläufige deutschsprachige Übersetzung der Sozialen Grundsätze hilft zwar beim Verstehen des englischen Originals, hat aber diverse sprachliche und orthografische Mängel. Diese versuche ich im von mir wiedergegebenen Text zu korrigieren. Es handelt sich also nicht um eine von den deutschsprachigen Zentralkonferenzen autorisierte Version.

Die Sozialen Grundsätze sind nicht kirchenrechtlich verbindlich, sondern als Anleitung zu einer im Glauben an Christus begründeten Lebensführung zu verstehen. Ihre Geschichte begann vor mehr als 110 Jahren mit dem ersten Sozialen Bekenntnis, das durch die Bischöfliche Methodistenkirche formuliert wurde.)

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Montag, 13. Mai 2024

Menschenwürde für Flüchtende

Ein Zitat

Stürmische Brandung an der türkischen Mittelmeerküste.
Foto © Jörg Niederer

"'Liebe ist des Gesetzes Erfüllung, das Ziel der Unterweisung.' Grossartiges wird über die Liebe gesagt: Sie ist das Wesen, der Geist, das Leben aller Tugend. Sie ist nicht nur das erste und grosse Gebot, sondern sie ist alle Gebote in einem. 'Was gerecht ist, was rein ist, was liebenswert oder ehrenwert ist; sei es eine Tugend oder ein Lob,' das alles ist eingefasst in dieses eine Wort — Liebe."
John Wesley in der Lehrpredigt "Die Beschneidung des Herzens"

Ein Bibelvers - 1. Mose 12,10

"Im Land Kanaan brach eine Hungersnot aus. Da zog Abram nach Ägypten, um sich dort als Fremder niederzulassen. Denn die Hungersnot lastete schwer auf dem Land."

Eine Anregung

Gestern habe ich den Bericht von einem Mann gesehen, der sich bei der Bewältigung von Krisen ausgezeichnet hat, insbesondere bei der Rettung von Flüchtenden über das Mittelmeer. Dieser Mann beschrieb, wie er sich vor der Möglichkeit fürchtete, Menschen, etwa Kindern zu begegnen, die vor seinen Augen ertrinken, ohne dass er würde helfen können. Da habe ich mir gedacht, ich lese einmal, was die neuen Sozialen Grundsätze über den Umgang mit Flüchtenden sagen. Sie wurden an der diesjährigen Generalkonferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche in Charlotte angenommenen.

Die vorläufige deutschsprachige Übersetzung der Sozialen Grundsätze hilft zwar beim Verstehen des englischen Originals, hat aber diverse sprachliche und orthografische Mängel. Diese versuche ich im von mir wiedergegebenen Text zu korrigieren. Es handelt sich also nicht um eine von den deutschsprachigen Zentralkonferenzen autorisierte Version.


Grundrechte und Freiheiten

G. Migranten, Immigranten und Flüchtlinge

Wir bekräftigen die Würde, den Wert und die Rechte von Migranten, Immigranten und Flüchtlingen, einschließlich vertriebener und staatenloser Menschen. Wir stellen fest, dass die Welt heute mit einer noch nie dagewesenen Krise hinsichtlich der Vertreibung einer sehr grossen Zahl von Menschen konfrontiert ist. Die Gründe sind fortwährende Kriege und weiterer Feindseligkeiten, ausländische Interventionen, weitverbreitete Hungersnöte, die globale Erwärmung und der Klimawandel sowie das Versagen von Nationalstaaten, ihre Bevölkerung ausreichend zu schützen und für sie zu sorgen.

Wir sind uns bewusst, dass vertriebene Menschen besonders gefährdet sind, da ihnen ihr Übergangsstatus oft nur wenig Schutz und Vorteil bietet und sie so Ausbeutung, Gewalt und Misshandlungen ausgesetzt sind. Wir fordern Methodistinnen und Methodisten auf, Flüchtlinge, Migranten und Immigranten in ihren Gemeinden willkommen zu heißen und sich zu verpflichten, ihnen konkrete Unterstützung anzubieten, einschließlich der Hilfestellung bei der Bewältigung restriktiver und oft langwieriger Immigrationsverfahren, sowie ihnen beizustehen bei der Sicherstellung der Lebensmittelversorgung, Unterkunft, Ausbildung, Arbeit und mit weiteren Formen der Unterstützung. 

Wir lehnen alle Gesetze und Massnahmen ab, die versuchen, vertriebene Menschen und Familien aufgrund ihres Status als Migranten, Immigranten und Flüchtlinge zu kriminalisieren, zu entmenschlichen oder zu bestrafen. Darüber hinaus verurteilen wir Versuche, vertriebene Menschen zu inhaftieren und sie unter unmenschlichen und unhygienischen Bedingungen festzuhalten. Wir wenden uns gegen Richtlinien, welche Familien auseinanderreissen, besonders indem Eltern von ihren minderjährigen Kindern getrennt werden, und wir lehnen profitorientierte Gefangenenlager für solche Zwecke ab.


Wer sich für Flüchtlinge einsetzen möchte, kann in St. Gallen und anderen Städten zum Beispiel an der Aktion "Beim Namen nennen" mitwirken. Sie findet vom 8. bis 9. Juni statt. Dabei wird an all die Menschen erinnert, denen auf der Flucht über das Meer das Leben genommen wurde. Weiter kann auch eine Petition an den Bundesrat unterschrieben werden. Ein Übersichtsflyer steht auch zur Verfügung. 

Übrigens: Die Sozialen Grundsätze sind in keiner Weise rechtlich verbindlich, sondern als Anleitung zu einer im Glauben an Christus begründeten Lebensführung zu verstehen. Ihre Geschichte begann vor mehr als 100 Jahren mit dem ersten Sozialen Bekenntnis, das durch die Bischöfliche Methodistenkirche formuliert wurde.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Samstag, 11. Mai 2024

Schöpfung in Gefahr

Ein Zitat

Raupe des Kleinen Frostspanners.
Foto © Jörg Niederer
"Die wichtige Lektion, die unser gepriesener Herr uns an dieser Stelle einschärfen will … besteht darin: Gott ist in allem und wir sollen den Schöpfer im Spiegel jedes Geschöpfes sehen; wir sollen nichts als von Gott getrennt gebrauchen und betrachten … der die ganze Schöpfung durchdringt und in Bewegung setzt und in wahrem Sinne die Seele des Weltalls ist." Zitat von John Wesley aus der Lehrpredigt "Über die Bergpredigt unseres Herrn"

Ein Bibelvers - Psalm 52,10

"Ich aber bin wie ein Ölbaum, der in Gottes Haus grünt und blüht. Alle Zeit vertraue ich auf Gottes Güte."

Eine Anregung

Ich nehme einen weiteren Text auf aus den neu revidierten und von der Generalkonferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche in Charlotte angenommenen Sozialen Grundsätzen (Siehe Beitrag vom 8. Mai).

Die vorläufige deutschsprachige Übersetzung der Sozialen Grundsätze hilft zwar beim Verstehen des englischen Originals, hat aber diverse sprachliche und orthografische Mängel. Diese versuche ich im von mir wiedergegebenen Text zu korrigieren. Es handelt sich also nicht um eine von den deutschsprachigen Zentralkonferenzen autorisierte Version.

Schöpfung in Gefahr

Wir anerkennen, dass nicht nachhaltige menschliche Handlungen die ganze Schöpfung Gottes in Gefahr gebracht haben. Außerdem bekennen wir, dass durch Abbau und massive Zerstörung die natürliche Umwelt von nie dagewesenem Schaden bedroht ist, was sowohl menschliches wie auch nichtmenschliches Leben in Gefahr bringt. 

A. Zerstörung von Ökosystemen

Wir sind, ob wir Menschen uns dessen bewusst sind oder nicht, Teilnehmende an und Empfangende von komplexen natürlichen Ökosystemen, die sich aus unzähligen symbiotischen Beziehungen von lebenden Organismen wie Tieren, Pflanzen, Insekten und Mikroorganismen sowie der physischen Umgebung, in der sie leben, einschließlich Luft, Wasser und Erde, zusammensetzen.

Überkonsum, kurzsichtige politische Maßnahmen, schlechtes Management von Naturschätzen, und andere untragbare Praktiken haben die verletzlichen, natürlichen Ökosysteme, von denen das gesamte Leben abhängt, schwer beeinträchtigt. Zu oft hat die Menschheit die verbliebene, geschaffenen Welt so behandelt, als ob man sie nach Gebrauch wegwerfen könnte. Zugleich ließ sie die Zerstörung von anderen lebenden Organismen und deren natürlichen Lebensräumen unkontrolliert zu. Außerdem wurden die Erfahrungen und Wortmeldungen der am meisten gefährdeten Menschen weitgehend ignoriert. 

Bemerkung: Die Sozialen Grundsätze werden nicht als rechtlich verbindlich angesehen, sondern als Anleitung zu einer im Glauben an Christus begründeten Lebensführung. Ihre Geschichte begann vor mehr als 100 Jahren mit dem ersten Sozialen Bekenntnis, das durch die Bischöfliche Methodistenkirche formuliert wurde.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Freitag, 3. Mai 2024

Die revidierten Sozialen Grundsätze sind beschlossen

Ein Zitat

Molly Mwayera aus Simbabwe bringt an der Generalkonferenz beim Eheverständnis in den Sozialen Grundsätzen einen Änderungsantrag ein.
Bildschirmfoto aus dem Livestream
"Die neu verabschiedeten Sozialen Grundsätze wurden als lehrreiches Dokument für alle Mitglieder der Evangelisch-methodistischen Kirche erstellt. Sie sind für die Erwachsenenbildung, für die Predigt von der Kanzel, für den Seminarunterricht und als Leitfaden für uns alle gedacht. So können wir sie jetzt nutzen." Bischöfin Sally Dyck

Ein Bibelvers - 2. Mose 20,1+2

"Gott sprach alle diese Worte: 'Ich bin der Herr, dein Gott! Ich habe dich aus dem Land Ägypten herausgeführt – aus dem Leben in der Sklaverei.'"

Eine Anregung

Die revidierten Sozialen Grundsätze sind beschlossen. Gestern wurde vom Plenum der Generalkonferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche in Charlotte, North Carolina auch der Abschnitt "The Social Community" mit 523 Ja-Stimmen gegen 161 Nein-Stimmen angenommen. In diesem Teil findet man den Abschnitt zur menschlichen Sexualität und das Eheverständnis der Kirche, also die zwei umstrittensten Themen, welche auch in gewisser Weise zur aktuellen Kirchenspaltung geführt haben.

Die an dieser Stelle 1972 in die Sozialen Grundsätze aufgenommene Aussage: "Die weltweite Evangelisch-methodistische Kirche kann die praktizierte Homosexualität nicht gutheissen und betrachtet diese Handlungsweise als unvereinbar mit der christlichen Lehre" ist in den revidierten Sozialen Grundsätzen nicht mehr zu finden.

Mehr zu reden gab das Eheverständnis. Im dazugehörigen Text wurde bekräftigt, die Ehe zu verstehen "...als einen heiligen, lebenslangen Bund, der zwei gläubige Menschen miteinander verbindet...". Molly Mwayera aus Simbabwe brachte dazu einen Abänderungsantrag ein. Sie nannte dies "die doppelte Definition der Ehe" und wolle damit die verschiedenen Ehevorstellungen in den Weltregionen stärken. Ihre vorgeschlagene Einfügung findet sich im nachfolgenden Zitat aus den Sozialen Grundsätzen zwischen den rechteckigen Klammern: "In der Kirche bekräftigen wir die Ehe als einen heiligen, lebenslangen Bund, der zwei gläubige Menschen [einen erwachsenen Mann und eine erwachsene Frau die ehemündig sind, oder zwei erwachsene, ehemündige Personen] in eine Verbindung miteinander bringt." ("Within the church we affirm marriage as a sacred lifelong covenant that brings two people of faith [adult man and woman of consenting age or two adult persons of consenting age] into union with one another.") Der Abänderungsantrag wurde von 72% der Stimmenden angenommen. Somit findet sich nun auch wieder das traditionelle Eheverständnis zwischen einem Mann und einer Frau in den Sozialen Grundsätzen.

Bischof Stefan Zürcher schreibt zu dieser Entwicklung in einem Brief, der in diesen Tagen allen Pfarrpersonen der Zentralkonferenz von Mittel- und Südeuropa zugestellt wird: "Die revidierten Sozialen Grundsätze enthalten weiterhin das traditionelle Verständnis der Ehe und eröffnen die Möglichkeit, es auch anders zu definieren. Qualifizierende Aussagen zur sexuellen Orientierung werden in den Sozialen Grundsätzen und der Kirchenordnung nicht mehr gemacht. Wichtig für uns: Die Generalkonferenz gab den Zentralkonferenzen ausdrücklich die Befugnis, für ihr Gebiet die Definition der Ehe und Richtlinien für Feiern zur Eheschliessung sowie die Anforderungen an Bewerbende für den pastoralen Dienst und die Ordination selbst festzulegen. Die Zentralkonferenzen können diese Kompetenzen an ihre Jährlichen Konferenzen übertragen. Was wir an der ausserordentlichen Zentralkonferenz in Basel im November 2022 beschlossen haben, können wir nun mit der vollen Unterstützung der Generalkonferenz umsetzen. Schon damals haben wir den Schutz der verschiedenen Überzeugungen in unserer Zentralkonferenz sichergestellt."

Mit diesem letzten Entscheid zu den Sozialen Grundsätzen hat eine 12-jährige intensive Arbeit, die ihren Ausgang im europäischen Kontext genommen hat (siehe Beitrag vom 29. April) einen erfolgreichen Abschluss gefunden. 

Und was ist aus der Amtszeitbeschränkung beim Bischofsamt geworden? Eine gestern diskutierte Vorlage sah vor, die Amtszeit in den USA auf 8 plus 4 Jahre zu beschränken. Dies wurde dann abgeändert auf 8 plus 8 Jahre. Letztlich wurde der Antrag als Ganzes an die zuständigen Boards zurückgewiesen. Für die Zentralkonferenzen hätte dieser Antrag sowieso keine Veränderung gebracht aufgrund des folgenden Satzes in der Vorlage: "Jeder Bischof, der von einer Zentralkonferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche gewählt wird, hat eine Amtszeit, die von der Zentralkonferenz, die den Bischof wählt, festgelegt wird."

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Montag, 29. April 2024

Die Revidierten Soziale Grundsätze - ein Kommentar

Ein Zitat

Der interimistische Generalsekretär John Hill von General Board of Church and Society informiert an einem der ersten Tage an der Generalkonferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche über die neu revidierten Sozialen Grundsätze und ihre Entstehung.
Bildschirmfoto aus dem Livestream
"In der Evangelisch-methodistischen Kirche, einschließlich ihrer Vorgänger, ist das Anliegen für soziale Gerechtigkeit tief in der eigenen Geschichte verwurzelt. Ihre Mitglieder haben oft offen und ehrlich zu kontroversen Themen, die christliche Grundüberzeugungen betreffen, Stellung bezogen." Aus dem Vorwort der Revidierten Sozialen Grundsätze der United Methodist Church

Ein Bibelvers - Römer 8,22

"Wir wissen ja: Die ganze Schöpfung seufzt und stöhnt vor Schmerz wie in Geburtswehen – bis heute."

Eine Anregung

Seit die Bischöfliche Methodistenkirche im Jahr 1908 als erste Kirche überhaupt ein Soziales Bekenntnis angenommen hat, ist die soziale Gerechtigkeit ein wichtiger Bestandteil deren Kircheseins. Seit Zusammenschluss zweier methodistischer Traditionen zur Evangelisch-methodistischen Kirche (United Methodist Church) im Jahr 1968 gibt es den Willen zu und die Umsetzung der Sozialen Grundsätzen. Diese wollen Leitlinie sein für das Leben als Christin, als Christ, werden aber nicht im Sinn von verpflichtendem Kirchenrecht verstanden.

Nun liegt ein revidierter, beziehungsweise vollständig neu verfasster Text der Sozialen Grundsätze an der Generalkonferenz der United Methodist Church in Charlotte zur Annahme vor. Darin heisst es: "Die Sozialen Grundsätze sind auch ein lebendes Dokument. In Anerkennung der wichtigen Änderungen, die in den vergangenen 50 Jahren in der Evangelisch-methodistischen Kirche stattgefunden haben, einschließlich bedeutender Entwicklungen in Afrika, Europa und den Philippinen, hat die Generalkonferenz 2012 eine Überarbeitung der Sozialen Grundsätze angeordnet, um deren theologisches Fundament, Prägnanz und globale Bedeutung zu vergrößern." 

Kommentar: Da ich eine der Personen bin, die seit 2006, als eine europäisch Konsultation zu den Sozialen Grundsätzen in Wien stattfand, immer eingebunden war in die Planung und die Revision der Sozialen Grundsätze, erlaube ich mir dazu einen Kommentar.

2006 formulierte der damalige, für die Zentralkonferenz von Mittel- und Südeuropa (ZKMSE) zuständige amtierende Bischof Heinrich Bolleter in Wien die Grundzüge der Revision der Sozialen Grundsätze. Durch die regelmässig an Generalkonferenzen ergänzten und neuformulierten Texte hatten die Sozialen Grundsätze den Charakter von Resolutionen angenommen. Sie waren auch stark auf den US-amerikanischen Kontext ausgerichtet und meist kaum theologisch und ekklesiologisch begründet. Dies sollte in einer Revision korrigiert werden. Allerdings hatte der damalige Generalsekretär des General Boards of Church and Society (GBCS) Jim Winkler grosse Bedenken, dass durch eine solche Revision die konservativen Aussagen in den Sozialen Grundsätzen noch stärker gewichtet würden; Aussagen wie die, dass Homosexualität nicht mit der christlichen Lehre vereinbar seien.

Ab 2007 war ich der Vertreter der ZKMSE im GBCS. An den zweimal jährlich stattfindenden Sitzungen brachten wir Europäer das Anliegen erneut auf den Tisch und fanden endlich Gehör. Allerdings teilte ich in dieser Zeit die Meinung von Jim Winkler, dass die Revision auch kontraproduktiv sein könnte. Die konservativen Kreise hatten an allen bisherigen Generalkonferenzen eine Mehrheit. Dies wäre wohl auch 2020 so gewesen, an der wegen COVID schlussendlich auf 2024 verschobenen Tagung. 2020 hätte ich den Revidierten Sozialen Grundsätzen keine Chance gegeben. Zu sehr hätte die damalige Mehrheit festhalten wollen an den traditionellen Vorstellungen zur Menschlichen Sexualität.

Jedoch ist in den letzten vier Jahren viel geschehen. Eine neue, traditionelle Kirche, die Global Methodist Church, wurde gegründet. In den USA (25% aller Gemeinden) und teils auch in anderen Weltgegenden haben sich traditionelle Gemeinden von der United Methodist Church abgespalten. Die Zusammensetzung der aktuellen Generalkonferenz ist heute so komplett verschieden von 2019 oder 2020, dass wir damit rechnen dürfen, dass die Revidierten Sozialen Grundsätzen die nötige Mehrheit bekommen werden an der Generalkonferenz. Die Kirchenspaltung hat es gebraucht, dass ein ureuropäisches Anliegen in der United Methodist Church endlich verwirklicht werden kann. Jetzt ist der Kairos dazu. Als jemand, der selbst beteiligt war an den Formulierungen der neuen Revidierten Sozialen Grundsätzen bete ich, dass die Generalkonferenz diesen Text annimmt. 

PS: Bei einigen Personen hat gestern der Link zum Lied "Ubi Caritas" nicht funktioniert. Hier darum noch einmal diese schöne Interpretation des Handglockenensembles The Charlotte Bronze.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Samstag, 20. Januar 2024

Im Zentrum der Macht

Ein Zitat

Seit 100 Jahren steht das United Methodist Building als einziges Nichtregierungsgebäude auf dem Capitol Hill in Washington DC.
Foto © Jörg Niederer
"Es ist ein Tag, an dem wir uns erneut verpflichten, das Werk zu vollenden, das Martin Luther King nicht vollendet hat." Coretta Scott King am 19. Oktober 1983 bei einer Rede im United Methodist Building

Ein Bibelvers - Kolosser 3,23+24

"Was immer ihr tut, das tut von Herzen. Tut es für den Herrn und nicht für die Menschen."

Eine Anregung

In Stein gehauen steht über dem Eingang zum United Methodist Building die Zahl 100. Nur einmal erreicht ein Gebäude das Alter seiner Hausnummer. 1923 begannen die Bauarbeiten in direkter Nachbarschaft zum Capitol in Washington DC. 1924 wurde das fünfstöckige Haus vollendet und seinem Zweck zugeführt.

Das United Methodist Building ist ein Unikat. Es ist das einzige Nichtregierungsgebäude auf dem Capitol Hill. In weiterer Nachbarschaft befindet sich der Supreme Court. Anfänglich wirkte von diesem Gebäude aus die Abstinenzbewegung der Methodistenkirche. Heute findet sich darin das General Board of Church and Society. Von seinen Räumen gingen unzählige Demonstrationen und Vorstösse aus. Im Kapellenraum hielt am 19. Oktober 1983 Coretta Scott King, die Witwe des ermordeten Martin Luther Kings eine wegleitende Rede. Von hier aus wird auf der Basis des christlichen Glaubens politisch und ethisch gehandelt und die Kirche in ihrem Wirken unterstützt. 

Anlässlich des Jubiläums wurde ein Film gedreht über das United Methodist Building und seine Bedeutung für die weltweite Kirche. Er ist in einfachem Englisch gehalten. Viele der Menschen, die darin zu Wort kommen, kenne ich aus der Zeit, als ich als europäischer Vertreter regelmässig an den Tagungen des zuständigen Aufsichtsorgans dabei sein durfte.

Schön, dass es dieses Haus gibt und die Arbeit, die darin getan wird!

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Donnerstag, 20. April 2023

Konzernverantwortung bleibt ein Thema

Ein Zitat

Die Fahnen zur Konzernverantwortung hängen wieder an Gebäuden in der Schweiz und erinnern Bundesrat und Parlament an ein gegebenes Versprechen.
Foto © Jörg Niederer
"Unser Respekt vor der allen Menschen innewohnenden Würde lässt uns einstehen für die Anerkennung, den Schutz und die Umsetzung der Prinzipien der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, so dass Gemeinschaften und Einzelpersonen ihre universalen, unteilbaren und unveräußerlichen Rechte in Anspruch nehmen können." Aus dem Sozialen Grundsätzen der Evangelisch-methodistischen Kirche

Ein Bibelvers - 1. Mose 9,6

"Wer das Blut eines Menschen vergiesst, dessen Blut soll durch Menschen vergossen werden. Denn Gott hat den Menschen als sein Ebenbild gemacht."

Eine Anregung

Sie hängen wieder, die Fahnen zur Konzernverantwortungsinitiative, auch am Gebäude der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen. Die Initiative wurde damals von der Kirche offiziell unterstützt. Sie erhielt 2020 eine Mehrheit der Stimmen, ging aber am fehlenden Ständemehr verloren. Im Vorfeld der Abstimmung versprach Bundesrätin Karin Keller Sutter, sie werde sich für ein "international abgestimmtes" Konzernverantwortungsgesetz und für "gleich lange Spiesse" für Konzerne in der Schweiz und in Europa einzusetzen. In der Zwischenzeit ist die EU in dieser Sache weiter als die Schweiz.

Daher wurde in der Schweiz eine Petition an Bundesrat und Parlament eingereicht. Innerhalb von nur 100 Tagen kamen 217'509 Unterschriften zusammen.

Nach wie vor besteht Handlungsbedarf. Gerade wieder wurde publik, dass durch ein Beauty-Produkt von Nestlé der brasilianische Agrarkonzern Marfrig unterstützt wird, der für Brandrodungen im Amazonas und Völkerrechtsverletzungen an den Indigenen verantwortlich ist. Aber auch die UBS ist verwickelt in illegale Abholzungen im Amazonas.

Es sind immer auch wieder Partnerorganisationen und Teile der weltweiten Evangelisch-methodistischen Kirche, die von solchen Machenschaften grosser Konzerne aus der Schweiz mitbetroffen sind. Das ist auch ein Grund, warum das Anliegen nach wie vor unterstützt wird. Entscheidend aber bleibt der Einsatz für die Würde des Menschen. So heisst es in den Sozialen Grundsätzen der Evangelisch-methodistischen Kirche: "Handel und Investitionen sollten auf Regeln basieren, die die Menschenwürde, eine saubere Umwelt und unser gemeinsames Menschsein achten." (IV. Die wirtschaftliche Gemeinschaft / K) Handel und Investitionen)

Mehr aktuelle Informationen gibt es auf der Seite der Koalition für Konzernverantwortung.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen