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Dienstag, 2. August 2022

Einmal rund um das Schwäbische Meer

Ein Zitat

Auf einem Zeppelinflug über dem Bodensee. Hinter dem Piloten ist die Mündung des Alten Rheins zu sehen.
Foto © Jörg Niederer
"Schwäbisches Meer / klein gekräuselt / und ängstlich / auf deinen Besitzstand bedacht / wie alles da unten" Dieter Strametz, 2011

Ein Bibelvers - Hiob 38,10-11

Gott: "Ich habe um das Meer eine Grenze gezogen, Türen und Riegel setzte ich ein. 'Bis hierher und nicht weiter', sagte ich, 'denn hier ist Schluss mit deinen hohen Wellen!'"

Ein Anregung

Wir haben den Bodensee umrundet. "Das machen viel", werdet ihr einwenden. Aber nicht ganz so viele sind dabei zu Fuss unterwegs. 

Über einige Jahre hinweg haben wir immer wieder Abschnitte entlang des Bodensees erwandert. 22 Etappen sind es geworden bei einer Gesamtstrecke von 310 Kilometern.

Auf vielen Streckenabschnitten teilen sich die Wandernden mit den Fahrradfahrenden die Wege. Das geht nicht immer ganz konfliktfrei ab.

Was mir über all die Jahre besonders aufgefallen ist: Es hat deutlich mehr Störche. Wer hätte das gedacht damals, als im solothurnischen Altreu 1948 erste Versuche starteten, sie in der Schweiz wieder anzusiedeln.

Und noch etwas ist mir aufgefallen. Der Tourismus um den Bodensee hat unglaubliche Ausmasse angenommen. Allein ist man in dieser Region praktisch, nie, nicht einmal an heftigen Regentagen.

Gestern, nach Abschluss unserer letzten Etappe, warteten wir am Busbahnhof Radolfzell. Da kam ein älterer Herr auf mich zu und fragte mich, woher ich komme. Grund war mein mittlerweile ziemlich schäbiges "Methodist"-T-Shirt. Es war einer der wenigen Radolfzeller Methodisten. Nur kurz dauerte das Gespräch, dann bestieg er den einen und wir den andern Bus. Und die Moral von der Geschichte: Auch in einem etwas desolaten Tenue kann man gute Begegnungen haben.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Freitag, 29. Juli 2022

Sonnenuntergang über Radolfzell

Ein Zitat

Sonnenuntergang von Markelfingen aus. Zu sehen sind die Halbinseln Mettnau und Höri, die Stadt Radolfzell und rechts die Vulkankegeln des Hegaus.
Foto © Jörg Niederer
"Lieber Mensch, nicht gar so sehr / Tracht nach Gut und eitler Ehr! / Allezeit dein End betracht, / Jeden Tag als letzten acht." Inschrift an der einstigen Wallfahrtskapelle ob Markelfingen

Ein Bibelvers - 4. Mose 13,27

"Wir kamen in das Land, in das ihr uns geschickt habt. Es ist tatsächlich ein Land, in dem Milch und Honig fließen. Schau dir nur die Früchte an!"

Ein Anregung

In der Ferienzeit steht der Sonnenuntergang unter besonderer Beobachtung. Kaum einmal sonst werden so viele Abendstimmungen fotografiert und gepostet. Da will ich natürlich keine Ausnahme machen.

Hier ein Panorama meiner aktuellen Aussicht vom Hotel Kapelle in Markelfingen aus. Zu sehen von links nach rechts: Markelfingen, dahinter der Untersee mit den Halbinseln Mettnau und Höri. Links von der Bildmitte der Kirchturm von Radolfzell. Ins goldene Licht der Sonne getaucht stehen die Vulkankegel des Hegaus am Horizont. Und wer nun noch das Foto in Originalgrösse öffnet, erkennt vielleicht auch auf der hintersten Hügelkuppe die Windräder auf dem Randen. 

Die ersten Besiedelungen dieser Gegend datieren in die Jungsteinzeit. Grabhügel aus der Hallstattzeit verstecken sich im Wald. Die Landschaft musste dem Alemannen Radolf von Verona (so genannt, weil er den Bischofssitz von Verona erbte) Eindruck gemacht haben. Also gründete er kurzerhand den Flecken Radolfzell. Heute ist es die drittgrösste Stadt am Bodensee.

Doch wie man sich selbst nun ein Bild machen kann, ist der Sonnenuntergang nicht von Radolfzell aus am Schönsten, sondern von Markelfingen, genauer von da, wo seit dem 16. Jahrhundert eine kleine Kapelle steht, und Urlauber heute ihre Ferien geniessen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Donnerstag, 28. Juli 2022

Die Schafe im China-Restaurant

Ein Zitat

In Radolfzell am See wurde ein ehemaliges China-Restaurant zu einem Schafstall umfunktioniert.
Foto © Jörg Niederer
"Die Diener des Evangeliums müssen in der Lage sein, die Herzen der Menschen zu erwärmen, in der Nacht mit ihnen zu gehen. Sie müssen ein Gespräch führen und in die Nacht hinabsteigen können, in ihr Dunkel, ohne sich zu verlieren. Das Volk Gottes will Hirten und nicht Funktionäre oder Staatskleriker." Papst Franziskus

Ein Bibelvers - Johannes 10,11

Jesus: "Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte setzt sein Leben ein für die Schafe."

Ein Anregung

Auf der ganzen Welt wird es "Schafstall" genannt. Nur in Radolfzell am Bodensee heisst es "China-Restaurant". Das Foto entstand auf einer Wanderung von Radolfzell nach Moos.

Umnutzungen gibt es nicht nur bei Gasthäusern. In Markelfingen zum Beispiel wurde eine alte katholische Wallfahrtskapelle in eine Wohnung mit Hotelanbau umfunktioniert. In Konstanz, wenn ich das richtig gesehen habe, wurde aus einer Kapelle ein Restaurant. Damit wären wir wieder beim Restaurant, das zum Schafstall wurde. Kirche, das ist eben auch Restaurant (aus dem Französischen: Ein Ort, um sich zu stärken). Stärken lassen sich die Menschen in der Kirche bekanntlicher Weise vom guten Hirten.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde