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Montag, 2. Dezember 2024

Frieren und feiern

Ein Zitat

Glühweinstand beim Bahnhof Frauenfeld.
Foto © Jörg Niederer
"Wenn dir kalt ist, stell dich doch in die Ecke, da hat es 90 Grad." Quelle unbekannt

Ein Bibelvers - Offenbarung 3,15

"Ich kenne deine Taten. Du bist weder kalt noch heiss. Ach, wärst du doch kalt oder heiss!"

Eine Anregung

Dezember: Nun poppen sie wieder auf, die Glühweinstände und die Raclette-Hütten.

Morgens steht der Stand von HP Meier in Frauenfeld wie ausgestorben da. Aber wenn ich abends beim Bahnhof Frauenfeld ankomme, dann überquellen die Tische mit Feiergelaunten. Sie trinken ihren heissen Punsch, Glühwein oder auch sonst etwas und geniessen es offensichtlich in dieser Runde. 

Immer dann frage ich mich, was daran so attraktiv ist, sich im Winter in die Kälte zu stellen, und stundenlang zu frieren. Vielleicht muss ich es halt doch einmal ausprobieren. Möchte vielleicht jemand mit mir mitkommen?

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Freitag, 21. Juni 2024

Türschliessung

Ein Zitat

Nach 6 Jahren schliesst am Samstag, 22. Juni das Be You Café in Frauenfeld.
Foto © Jörg Niederer
"'Die Leute sollen sich wohlfühlen', sagt sie. Daher komme auch der Name 'Be You'." Aus dem Beitrag der Zuger Zeitung zur Eröffnung des Be You Cafés in Frauenfeld.

Ein Bibelvers - 1. Mose 24,31

"Komm mit, du vom Herrn Gesegneter! Warum stehst du hier draußen? Ich habe im Haus schon alles herrichten lassen, auch für die Kamele ist genug Platz."

Eine Anregung

Ich besuche an meinem Wohnort in Frauenfeld nicht oft Restaurants. Aber im Be You Café gleich zwischen Bahnhof und Murg war ich gerne zu Gast. Nun schliesst das Café nach sechs Jahren am morgigen Samstag um 18.00 Uhr seine Türen für immer.

Hinter dem Be You Café stand mit Linda Portmann eine Absolventin des ISTL (International Seminary of Theology and Leadership). Bevor sie 2018 das Café eröffnete, arbeitete sie als Jugendpastorin bei der Viva Kirche (Chrischona) Stein am Rhein. 

Das Café am Lindenplatz zog nebst den Bahnhofpassanten entsprechend viele Menschen mit kirchlichem und christlichem Hintergrund an. Im Be You Café kam ich auch mit dem Buchautor Usama Al Shahmani näher ins Gespräch. Kinder waren gerne gesehen. Und zuletzt trafen sich die drei in Frauenfeld wohnhaften Methodistenpfarrer genau da zu ungezwungenen Gesprächen.

Das Café war eines dieser Projekte, welche man als Fresh Expressions of Churches bezeichnen könnte. In unaufdringlicher Weise wird dabei der christliche Glaube hinausgetragen, dahin, wo die Menschen sind. Gemeinsam mit der Restaurantkultur haben solche Projekte den Charakter der zeitlichen Begrenzung. Sie kommen und gehen. Ich finde es Schade, dass morgen Samstag nun die Dernière stattfindet. 

Linda Portmann dankt zum Abschied den Gästen des Cafés: "Jetzt so kurz vor dem Ende wird es doch noch sehr emotional für mich, denn ich habe die Zeit die ich im Café mit euch, meinen Kunden verbringen durfte, sehr genossen. Ich bin extrem positiv überrascht von all den wohlwollenden, grossartigen und liebeswürdigen Menschen, die mich über diese Jahre hinweg unterstützt und ermutigt haben; einfach dadurch, dass sie gerne in mein Café gekommen sind."

So sage ich an dieser Stelle auch ganz herzlich Danke. Ich war gerne im Be You Café zu Gast, und werde es vermissen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Donnerstag, 15. Dezember 2022

Der 50%-Weihnachtsbaum

Ein Zitat

Ein Deko-Weihnachtsbaum ist nur zur Auslage hin mit Lichterkugeln geschmückt.
Foto © Jörg Niederer
"Alternde Menschen sind wie Museen: Nicht auf die Fassade kommt es an, sondern auf die Schätze im Innern." Jeanne Moreau (1928-2017)

Ein Bibelvers - Matthäus 23,27+28

Jesus: "Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer! Ihr Scheinheiligen! Denn ihr seid wie Gräber, die frisch gekalkt sind: Von außen sehen sie gepflegt aus, aber innen sind sie voll von toten Knochen und Unreinem. So seid auch ihr: Von außen seht ihr aus wie Gerechte. Aber innen seid ihr voller Heuchelei und missachtet das Gesetz."

Eine Anregung

Dieser Weihnachtsbaum steht in einem Restaurant, in dem ich vor einigen Tagen ausgezeichnet gegessen habe. Er hat eine "Schokoladenseite", man könnte auch sagen, eine "schöne Fassade". Passantinnen und Passanten, die aussen am Restaurant vorüberschlendern, sehen ein hell erleuchtetes Bäumchen. Einmal im Haus, hat die Anziehungskraft des Lichts ihren Dienst getan. Die den Gästen zugewandte Seite bleibt ungeschmückt. Auch so kann man Energie sparen. Statt zwei Lichterketten wird nur eine verwenden. Immerhin eine 50%-Einsparung. Jedoch versichere ich, dass dies nicht aufs Essen abgefärbt hat. Die Speise war gar, durch und durch, und nicht nur zur Hälfte zubereitet.

Mir stellt sich bei diesem halbleuchtenden Baum wieder einmal die Frage: Wo zeige ich eine schöne Fassade? Wo ist bei mir nichts dahinter?

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Donnerstag, 28. Juli 2022

Die Schafe im China-Restaurant

Ein Zitat

In Radolfzell am See wurde ein ehemaliges China-Restaurant zu einem Schafstall umfunktioniert.
Foto © Jörg Niederer
"Die Diener des Evangeliums müssen in der Lage sein, die Herzen der Menschen zu erwärmen, in der Nacht mit ihnen zu gehen. Sie müssen ein Gespräch führen und in die Nacht hinabsteigen können, in ihr Dunkel, ohne sich zu verlieren. Das Volk Gottes will Hirten und nicht Funktionäre oder Staatskleriker." Papst Franziskus

Ein Bibelvers - Johannes 10,11

Jesus: "Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte setzt sein Leben ein für die Schafe."

Ein Anregung

Auf der ganzen Welt wird es "Schafstall" genannt. Nur in Radolfzell am Bodensee heisst es "China-Restaurant". Das Foto entstand auf einer Wanderung von Radolfzell nach Moos.

Umnutzungen gibt es nicht nur bei Gasthäusern. In Markelfingen zum Beispiel wurde eine alte katholische Wallfahrtskapelle in eine Wohnung mit Hotelanbau umfunktioniert. In Konstanz, wenn ich das richtig gesehen habe, wurde aus einer Kapelle ein Restaurant. Damit wären wir wieder beim Restaurant, das zum Schafstall wurde. Kirche, das ist eben auch Restaurant (aus dem Französischen: Ein Ort, um sich zu stärken). Stärken lassen sich die Menschen in der Kirche bekanntlicher Weise vom guten Hirten.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde