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Samstag, 3. Mai 2025

Die Natur schlägt zurück!

Ein Zitat

Anschlag des gemeinen Bibers auf das Wanderwegnetz.
Foto © Jörg Niederer
"Je steiniger der Weg desto wundervoller das Ziel." (Herkunft unbekannt)

Ein Bibelvers - Matthäus 9,36

"Jesus sah die große Volksmenge und bekam Mitleid mit den Menschen. Denn sie waren erschöpft und hilflos – wie Schafe, die keinen Hirten haben."

Eine Anregung

Ich habe es immer schon gewusst. Der Biber ist kein Freund der Wandersleut. Daherschreitende Zweibeiner lassen sich kaum noch fernhalten von den Revieren der Nager. So tun diese, was sie können: Sie nagen an Wanderers Lieblings-Signalisation. Ohne gelbe Rhomben ist selbst der bestens ausgerüstete Single-Trail-Geniesser hilf- und orientierungslos.

Es ist so: Die Natur schlägt erbarmungslos zurück. Wer kann da noch guten Muts oder Gewissens ohne eigentliche Notwendigkeit auf schnöden Wanderschuhen durch die Welt stolpern? "Bleibt zu Hause!", lautet die unzweideutige Botschaft der Scharfzahnigen: "Sonst fallen die Bäume und das Klima wird unerträglich."

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Montag, 27. Januar 2025

Kommen und Gehen

Ein Zitat

Skulptur 'Kommen und Gehen' von Roland Fornaro auf dem Friedhof Huttwil.
Foto © Jörg Niederer
"Vielleicht wird nichts verlangt von uns, während wir hier sind, als ein Gesicht leuchtend zu machen, bis es durchsichtig wird." Hilde Domin (1909-2006)

Ein Bibelvers - Psalm 139,7+8

"Wohin könnte ich gehen vor deinem Geist, wohin fliehen vor deiner Gegenwart? Würde ich in den Himmel steigen: Du bist dort. Würde ich mich in der Unterwelt verstecken: Dort bist du auch."

Eine Anregung

Einzelne Stahldrähte, gebogen zu Konturen eines Menschen in seinen verschiedenen Lebensstadien, das stellt die Skulptur "Kommen und Gehen" von Roland Fornaro auf dem Friedhof Huttwil dar. 

Schon immer haben wir das Leben in Stadien eingeteilt und fantasievoll dargestellt. Die Weise, wie es der Künstler mit dem gebogenen Draht tut, gefällt mir auch deshalb, weil er sich nicht scheut, auch das Ende, den Tod (auf der Fotografie links unten im der Ecke), darzustellen. Dem Kunstwerk beigefügt ist das Gedicht "Jeder der geht, belehrt uns ein wenig" von Hilde Domin: 

"Jeder der geht / belehrt uns ein wenig / über uns selbst.
Kostbarster Unterreicht / an den Sterbebetten.
Alle Spiegel so klar / wie ein See nach grossem Regen, / ehe der dunstige Tag / die Bilder wieder verwischt.

Nur einmal sterben sie für uns, / nie wieder.
Was wüssten wir je / ohne sie?
Ohne die sicheren Waagen / auf die wir gelegt sind / wenn wir verlassen werden.
Diese Waagen ohne die nichts / sein Gewicht hat.

Wir, deren Worte sich verfehlen, / wir vergessen es.
Und sie?
Sie können die Lehre / nicht wiederholen.

Dein Tod oder meiner / der nächste Unterricht: / so hell, so deutlich, / dass es gleich dunkel wird."

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Samstag, 18. Januar 2025

Maria Theresias letzte Fahrt in die Gruft

Ein Zitat

Warnung an der Fahrstuhltür, dass der Lift ausser Betrieb ist.
Foto © Jörg Niederer
"Einen Fahrstuhl zum Glück gibt es nicht, man muss die Treppe nehmen." Phil Bosmans (1922-2012), belgischer Ordenspriester

Ein Bibelvers - Hiob 19,25

"Aber ich weiss, dass mein Erlöser lebt, und als der Letzte wird er über dem Staub sich erheben."

Eine Anregung

Es ist eine seltsame Sache. Das, was wir heute Fahrstuhl nennen, hat nichts mit einem Stuhl zu tun. Und das, was wir Fahrstuhl nennen könnten, den Treppenlift, nennen wir in Entlehnung aus dem Englischen Lift. Der Aufzug, Gemäss DIN-Norm die offizielle Bezeichnung, wiederum ist zugleich auch Abzug. Ein Abzug hat wiederum nichts mit dem Fahrstuhl zu tun und auch nichts mit einem Zug. Da geht es um die Be- und Entlüftung von Räumen. Noch eine Ungereimtheit: Die Warnung auf dem Foto, dass der Lift nicht betreten werden dürfe, wird damit begründet, dass am Aufzug gearbeitet werde. Das stimmt zwar für den Montag. Aber kein Mensch arbeitete am Samstag und Sonntag an dieser technischen Errungenschaft. Am Wochenende hätte es heissen müssen: "Wir sind im Wochenende. Sie dürfen Treppen steigen."

Hebevorrichtungen sind schon sehr alt und basieren auf dem Flaschenzug von Archimedes. Das war wohl so um 236 vor Christus. Erste Personenaufzüge, in denen auch wilde Tiere befördert wurden, gab es um 80 n.Chr. im Kolosseum in Rom.

Die Bezeichnung "Fahrstuhl" wird mit der Kaiserin Maria Theresia (1717-1780) in Verbindung gebracht. Für sie soll man im Westflügel von Schloss Schönbrunn in Wien einen Stuhl eingebaut habe, mit dem sie von Stockwerk zu Stockwerk befördert wurde. Verbürgt ist auch der Fahrstuhl in der Kapuzinergruft, der Grabstätte der Habsburger in Wien. 15 Jahre lang besuchte die Kaiserin dort das Grab ihres verstorbenen Gemahls Franz Stephan, was ihr mit der Zeit zu Fuss die Treppe hinunter und wieder hinauf nicht mehr gut gelingen wollte. Also liess sie sich auf einem Stuhl an Seilen hinunter in die Gruft und auch wieder hinaufziehen. Das war der eigentliche erste Fahrstuhl. Es war im Jahr 1780, als nach dem Besuch des Grabs auf halber Höhe hinauf eines der Fahrstuhlseile riss, und die alte Dame zwischen Decke und Boden in der Luft hing, ohne Möglichkeit, sich zu befreien. Eine halbe Stunde habe es gedauert, bis man den Aufzug wieder repariert hatte. Sicher auf dem Boden angekommen meinte die Kaiserin: "Das war ein Zeichen. Die Gruft will mich halt nimmer hergeben." Drei Wochen später verstarb sie am 29. November 1780. Es ist nicht überliefert, ob der Sarg per Fahrstuhl in die Gruft hinuntergelassen worden war.

Zurück zum kaputten Aufzug bei uns im Haus. Vom Keller bis zu uns hinauf unter dem Dach sind es gerade einmal 4 Stockwerke. Zu Fuss ist das schon noch zu bewältigen. Zum Glück wohne ich nicht zuoberst im Empire State Building oder im Burj Khalifa.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Freitag, 18. Oktober 2024

Stillstand

Ein Zitat

Ein winzigkleiner, filigraner Pilz, wohl ein Helmling, wächst im Güttinger Eichenwald.
Foto © Jörg Niederer
"Wir müssen der Wandel sein, den wir in der Welt zu sehen wünschen." Mahatma Gandhi (1869-1948)

Ein Bibelvers - Psalm 62,2

"Bei Gott schweigt meine Seele still. Von ihm kommt die Hilfe, die ich nötig habe!"

Eine Anregung

Ich habe das kleine weisse Pünktchen auf dem sonst von Brauntönen domminierten, lichtarmen Waldboden nur gesehen, weil ich stehen geblieben bin. In der Dynamik des Wanderns wäre mir der kleine Pilz, wohl ein Helmling, nie aufgefallen.

Tags zuvor bin ich wieder einmal auf einer der wenigen Hochgeschwindigkeitsstrecken der Schweiz mit annähernd 200 Stundenkilometern unterwegs gewesen. Während die Welt im Bahnwagon, da wo wir sassen, sich kaum veränderte, entschwand das Draussen zusehends der Wahrnehmung. Unglaublich viele Dinge wurden, wie schon Reinhard Mey sang "nichtig und klein". So war es nicht weiter schlimm, dass die Bahn lange Zeit durch die Dunkelheit eines Tunnels raste und keine Blicke freigab auf das Sein und Vergehen da draussen.

Nun frage ich mich: Reicht es, das Grosse und Ganze zu sehen? Reicht es, mit meist beachtlicher Geschwindigkeit unsere Wege zurückzulegen? Bei der Einführung der Bahn diskutierte man noch, ob die "hohe" Geschwindigkeit von 20 Stundenkilometer nicht lebensbedrohlich sei für den menschlichen Körper, der dazu doch gar nicht geschaffen sei. Heute scheint mir, dass wir in anderer Weise uns und die Welt der Geschwindigkeit opfern. Vor lauter Übersicht sehen wir die feinen und filigranen Zusammenhänge nicht mehr. Wir eilen am Leben und seiner Vielfalt vorbei. Diese wird in unseren menschlichen Augen denn auch immer gleichgültiger. Es kommt nicht mehr darauf an, dass dieser kleine Pilz noch da ist; weil wir ihn schon gar nicht mehr sehen. Die Flasche, aus dem fahrenden Auto geworfen, wird von den Personen im Fahrzeug nicht mehr gesehen. Für den Bauern, auf dessen Weide sie zerschellt ist, oder für die Passantin, die auf dem Spaziergang daran vorüber geht, sind ihre Scherben dagegen sichtbar und ärgerlich, mitunter sogar gefährlich. 

So gesehen sind Staus auf den Strassen ein Segen. Sie unterbrechen unsere Bewegung und lassen uns den Ort und unsere wirklichen Bedürfnisse wenn nicht erkennen, so doch wenigsten erahnen. Da sehen wir dann diese hässlichen Strassenränder, die wir mit unserer Mobilität verbrochen haben, spüren unsere Launen, und in manchen Situationen den Harndrang fern einer Toilette (eine weitere Sache, zu der man besser still steht oder still kauert).

Still stehen. Still sein. Sehen. Hinhören. Riechen. Spüren. Das ist es, was wir wohl mehr denn je brauchen.

Wir benötigen Stillstand.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Montag, 29. Juli 2024

Wandern Pro oder Kontra?

Ein Zitat

Eine Familie wandert vom Hörnli hinunter nach Arosa.
Foto © Jörg Niederer
"Ich bin der Meinung, dass alles besser gehen würde, wenn man mehr ginge... So wie man im Wagen sitzt, hat man sich sogleich einige Grade von der ursprünglichen Humanität entfernt... Fahren zeigt Ohnmacht, Gehen Kraft." Johann Gottfried Seume (1763-1810)

Ein Bibelvers - Amos 3,3

"Gehen etwa zwei miteinander einen Weg, ohne sich vorher begegnet zu sein?"

Eine Anregung

Ich kenne einige Menschen, von denen ich weiss, dass sie die Freude am Wandern in der Kindheit verloren haben. Immer hätten sie mit dem Vater, den Eltern, in den Bergen Ferien verbracht, und immer wollte der Vater, die Eltern, dass sie stundenlang bergauf, bergab durch die Gegend rennen.

Meine Eltern trieb es in den Ferien nicht in die Berge, sondern an die Nordsee. Und mit Wandern hatten sie es auch nicht so. Also blieb ich verschont von negativen, demotivierenden Wandererfahrungen. Vielleicht deshalb liebe ich es schon mein ganzes Leben lang, mich zu Fuss durch die Welt zu bewegen.

In gewisser Weise fühle ich mich dabei Jesus nahe. Er war ein Wanderer, einer, der gelegentlich mal auf einem Esel sass, aber sonst meist auf Sandalen Palästina Hoffnung schenkte.

Hat deine Kindheits- und Familienzeit dich motiviert, eher zu wandern oder eher nicht? Wie beeinflusst das dein Bild von Jesus und dein Verhältnis zu ihm?

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Montag, 11. Juli 2022

Zwischen den Bäumen auf dem Weg

Ein Zitat

Auf der Allee zwischen dem Festland und der Insel Reichenau
Foto © Jörg Niederer
"Achten Sie besonders in der Morgen- und Abenddämmerung auf Tiere! Die Gefahr von Wildunfällen ist in Alleen besonders groß." Wichtiger Tipp für umweltgerechtes Reisen auf Alleen.

Ein Bibelvers - Sprüche 4,26

"Gib acht, dass dein Fuß in der Spur geht! Bewege dich nur auf sicheren Wegen!"

Ein Anregung

Auf die Insel Reichenau kommt man über eine Allee. Sie ist der letzte Teil einer von Nord nach Süd durch ganz Deutschland verlaufenden Alleenstrasse. Wobei, durchgängig mit Bäumen bepflanzt ist diese Route noch nicht.

Das Wort Allee soll vom französischen Wort für Gehen "aller" herkommen. Wir gingen am Samstag über diese Alleenstrasse von Reichenau nach Konstanz.

Entstanden sind Alleen einst, weil sie mehr Sicherheit und Schatten versprachen, den Weg befestigten und schützten, eine klare Richtung vorgaben. Heute sind Alleen häufig das genaue Gegenteil. In schnellen Motorfahrzeugen, die gegen die Alleebäume prallen, sterben immer wieder Menschen. Deshalb müssen in der Schweiz Bäume an Strassen, auf denen mit 80 Stundenkilometer gefahren werden darf, einen Abstand von 6 Metern vom Strassenrand aufweisen. Andererseits sind Alleen oft als schützenswerte Kulturlandschaften ausgewiesen. Bäume, die aus Alleen entfernt werden müssen, müssen aus Gründen des Landschaftsschutzes ersetzt werden. Doch das Neupflanzen so nahe, wie der alte Baum am Strassenrand stand, ist aus Gründen der Verkehrssicherheit verboten. Ein klassisches Dilemma.

Vielleicht sollte man die Alleen mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung versehen. Da Todesfälle bei seitlicher Kollisionen mit einem Baum schon bei 30 Stundenkilometern auftreten, müsste das Tempo folglich darunter liegen.

Zu Fuss bin ich noch nie lebensbedrohlich mit einem Baum zusammengestossen. Das passt ja auch sehr gut zusammen. "Gehen" (franz. aller) und die Allee(bäume). Darum empfehle ich, den Weg auf die Insel Reichenau zu Fuss unter die Füsse zu nehmen, so wie einst der heilige Pirmin, der Gründer der Abtei Reichenau. Diese Abtei werde ich mir bei meinem nächsten Besuch der Insel anschauen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Mittwoch, 20. April 2022

Im Tick-Schritt über den Bahnsteig

Ein Zitat

Die Frauenfeld-Wil-Bahn FWB auf dem weihnachtlichen Bahnhofsplatz in Frauenfeld
Foto © Jörg Niederer
"Das Leben, dachte Michel, müsste eigentlich etwas Einfaches sein; etwas, das man wie eine Aneinanderreihung endlos wiederholter kleiner Rituale erleben kann. Rituale, die etwas albern sein durften, aber an die man trotzdem glauben konnte. Ein Leben ohne große Erwartungen und ohne Dramen." Zitat aus dem Buch "Elementarteilchen" von Michel Houellebecq

Ein Bibelvers - Matthäus 15,36

"Dann nahm Jesus die sieben Brote und die Fische. Er dankte Gott, brach sie in Stücke und gab sie seinen Jüngern. Und die Jünger verteilten sie an die Volksmenge."

Ein Anregung

Er fiel mir erstmals in der Adventszeit auf. Und weil Menschen zu immer den selben Abläufen neigen, wiederholte sich die Geschichte an den meisten Morgen, dort auf dem grossen Bahnhofsvorplatz. Ich wartete in Frauenfeld auf die FWB, die Bahn, die mich nach Wil brachte. Etwa fünf Minuten vor der quietschenden Einfahrt des Zugs begann der Mann den Bahnsteig zu begehen. Er tat es auf ganz eigenartige Weise. Mit leicht vorgebeugtem Oberkörper, als müsse er gegen starken Wind ankämpfen, aber mit kleinsten Schritten, nicht einmal die Spanne eines Fusses lang, trippelte er voran. Passanten schauten ihm aus Distanz zu, wunderten sich, fragten sich. Er liess sich davon nicht stören. Er war ganz bei sich. Es war sein Morgen-auf-den-Zug-warten-Ritual. Es war seine Geschichte. Eine Geschichte, die nur er verstand, die niemand sonst verstehen musste.

Dann kam der Zug, holte den Mann ein, hielt an, die Türen öffneten sich, Reisende entstiegen ihm, ein kurzer Moment wimmelte es auf dem Perron. Das war das Signal. Denn nun wurden die Schritte des Mannes weit. Er strebte so schnell er konnte der Bahntür entgegen und verschwand im Innern des Waggons an immer der genau gleichen Stelle. Das war der Moment, wo er alle Auffälligkeiten verlor, einer von vielen wurde, ein gewöhnlicher Mensch neben gewöhnlichen Menschen, auf dem Weg an seinen Arbeitsplatz.

Nun frage ich mich, ob dieses Ritual dem Mann die Sicherheit gibt für den Anfang seines Tages. Ist es seine Achtsamkeitsübung? Ist es seine Weise, dem Gewöhnlichen zu widerstehen?

Mit welchen Ritualen, welchen "Ticks" nehme ich meine Reise auf, ziehe ich in den Tag hinein, der Arbeit entgegen, den Begegnungen, den Monotonien und Verwirrung, den Belastungen und Befreiungen? Was hält mich im Gewimmel der Zeiten?

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Sonntag, 23. Januar 2022

Das Wandern ist des Roboters Lust

Ein Zitat

Ein steiler Weg führt auf den Etzel.
Foto © Jörg Niederer
"...die Roboterprototypen gewannen an Reife, Autonomie und Zuverlässigkeit." Aussage über ANYmal auf der Webseite Scientifica

Ein Bibelvers - Apostelgeschichte 2,46a

"Tag für Tag versammelten sie sich als Gemeinschaft im Tempel"

Ein Anregung

Wandern ist eine meiner Leidenschaften. Darum finde ich es spannend, dass es nun auch einen wandernden Roboter gibt. Der Laufroboter ANYmal sieht ein bisschen wie ein blecherner Hund aus. Er geht auf vier Pfoten, und ist so geländegängig wie vor ihm keine andere Maschine. Das Gerät von der Robotic Systems Lab der ETH Zürich überwindet problemlos den steilen, mit Treppen und Wurzeln durchsetzten Wanderweg auf den Etzel. Dies gelingt, weil die Programmierer ANYmal nebst der visuellen Wahrnehmung auch mit Tastsinn in den Füssen ausgestattet haben.

Mich fasziniert, dass immer dann, wenn es vom Gelände her schwierig wird, nicht Räder zum Einsatz kommen, sondern Glieder. Wer Beine und Füsse hat, kommt einfach besser durch die Welt. Und das zeigt wieder einmal, wie genial wir Menschen und Tiere "konstruiert" sind. Folglich schauen Wissenschaftler beim Fliegen auf die Vögel, beim Schwimmen auf die Fische und beim Gehen auf die Hunde und Geparden und Tausendfüssler. Und wie wir Menschen, so muss auch der Wanderroboter das Gehen trainieren. 

ANYmal ist nun aber nicht als Rucksackträger bei Wanderungen gedacht (das würde mir auch gefallen), sondern für spezielle Aufgaben in sehr gefährlichem und schwierigem Gelände. Er wird wohl für den Katastropheneinsatz weiter optimiert und dann eingesetzt. 

Hier kann man sich ANYmal in Aktion ansehen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde