Posts mit dem Label Schweiz werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Schweiz werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 12. August 2025

Per Linienbus durch die Schweiz

Tobias Brülisauer ist in drei Tagen von Rheineck per Bus nach Genf gereist.
Foto © Jörg Niederer
Ein Zitat

"Verspätungen lösten bei mir Stress aus" Tobias Brülisauer

Ein Bibelvers - Psalm 127,2

"Es nützt euch nichts, dass ihr früh am Morgen aufsteht und euch erst spät wieder hinsetzt. Ihr esst doch nur das Brot, für das ihr unermüdlich arbeitet. Doch seinen Freunden schenkt der Herr einen ruhigen Schlaf."

Eine Anregung

Was ist das für eine geniale Idee. Tobias Brülisauer gehört zu den Unentwegten, die in der schweizweit einzigen noch übriggebliebenen Arbeitsgruppe für Gerechtigkeit, Frieden und Schöpfungsbewahrung (GFS) mitwirken. Diese Arbeitsgruppe GFS ist Teil der Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) der Kantone Appenzell Innerroden, Ausserroden und St. Gallen. Durch diese Arbeitsgruppe wird zum Beispiel am 2. September der Auftakt zur ökumenischen Schöpfungszeit im Botanischen Garten St. Gallen gestaltet.

Auch das ist genial. Aber an dieser Stelle geht es um eine andere Idee, die Tobias Brülisauer in diesem Sommer verwirklicht hat. Mit den öffentlichen Buslinien und ohne Benutzung anderer Verkehrsmittel wie Zug oder Schiff reiste er von Rheineck im Osten nach Genf im Süden quer durch die Schweiz. Das St.Galler Tagblatt berichtete in seiner Ausgabe vom 9. August 2025 von dieser aussergewöhnlichen Unternehmung. Bei der Planung sei schnell klar gewesen: Das gibt eine mehrtägige Unternehmung. Um die Reise von fünf auf drei Tage zu verkürzen, entschloss sie der aus Grub stammende Busreisende, 8 Kilometer von Oensingen im Kanton Solothurn nach Wiedlisbach im Kanton Bern zu Fuss zurückzulegen. Anders hätte er einen zeitraubenden Umweg über den Chasseral nehmen müssen.

Auf der Reise habe er immer Fensterplätze gehabt. Herausfordernd waren Busverspätungen, da die Umsteigezeiten oft sehr knapp berechnet waren. Schlussendlich erreichte er an seinen rund 50 Umsteigedestinationen alle Anschlussverbindung.

Dass diese Reise wie geplant gelang, ist auch Werbung für den aussergewöhnlich guten und meist pünktlichen öffentlichen Verkehr in der Schweiz.

Und weil eine solche Schweizreise im öffentlichen Busverkehr nicht nur von Ost nach West, sondern auch von Nord nach Süd funktionieren sollte, studiert Tobias Brülisauer schon einmal Busfahrpläne zwischen Schaffhausen und Chiasso.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Freitag, 1. August 2025

Viel Himmel, viel Wolken über der Schweiz

Ein Zitat

Die Schweizerfahne weht beim Wasserreservoir der Ortschaft Oberwagenburg im Kanton Zürich.
Foto © Jörg Niederer
"Wir müssen dankbar sein für ein so schönes Land wie die Schweiz." Älterer Mann, der mutterseelenallein auf einer Leiter balancierende eine Schweizerfahne an einer Scheunenwand anbringt im kleinen Weiler Obermettmenstetten.

Ein Bibelvers - 3. Mose 20,24a

"Daher habe ich euch versprochen: Das Land soll euch gehören. Ich werde es euch geben, und ihr sollt es in Besitz nehmen. Es ist ein Land, in dem Milch und Honig fließen. Ich bin der Herr, euer Gott."

Eine Anregung

Heute feiert die Schweiz zum 134. Mal den Nationalfeiertag und erinnert damit an den Bundesbrief von 1291. Die aktuelle und offizielle Nationalhymne singen wir nun schon seit 64 Jahren. Zuvor war der Schweizerpsalm noch nicht eidgenössische anerkannt, und bis 1981 auch nur provisorisch eingeführt, weil die Vorgängerhymne sich der Melodie des englischen Königlieds "God save the King" bedient hatte, was natürlich auf Dauer nicht gehen konnte in der zweitältesten, durchgehenden Demokratie der Welt. (Die älteste ist die der USA. "Switzerland second" halt!)

An den Tagen um den Nationalfeiertrag brennen Höhenfeuer, finden politische Reden statt, werden Lampions durchs Land getragen, wird auf Bauernhöfen geschlemmt, da werden Tellspiele aufgeführt, es wird gejasst und seit 1994 wird nur ausnahmsweise erwerbstätig gearbeitet.

Eher chinesisch mutet die Feuerwerksknallerei an, die in letzter Zeit wieder etwas mehr in die Kritik gekommen ist. Besinnlich und feierlich ist der Nationalfeiertag in einigen dunklen Nachtstunden also nicht mehr. Nun, wir werden es wohl auch in diesem Jahr überstehen, diese Lust aufs Zeuseln. Und da Gewitter angesagt sind heute Abend, wird manchenorts der Himmel selbst ein Feuerwerk veranstalten.

Apropos Himmel. Das wünsche ich der Schweiz: Viel Himmel für alle, die in den engen Grenzen meines Heimatlands leben, ob sie nun Hiesige sind oder nicht.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Donnerstag, 12. Juni 2025

Wink mit dem Wanderpfahl

Ein Zitat

Jemand hat den Wanderwegweiser inklusiver gestaltet und aus einem stilisierten Wandersmann eine Wandersfrau gemacht.
Foto © Jörg Niederer
"Kronen stellen seltsame Dinge mit den Köpfen darunter an." George R. R. Martin (*1948) in "Das Lied von Eis und Feuer"

Ein Bibelvers - 1. Mose 2,22+23

"Aus der Rippe, die er vom Menschen genommen hatte, bildete Gott der Herr eine Frau. Die brachte er zum Menschen. Da sagte der Mensch: 'Sie ist es! Sie ist von meinem Fleisch und Blut. `Frau` soll sie heißen und ich `Mann`. Von mir ist sie genommen, wir gehören zusammen.'"

Eine Anregung

Oft habe ich sie noch nicht gesehen; die Wanderwegweiser mit einer stilisierten Frau, statt eines stilisierten Mannes auf der Tafel. Auch auf der Webseite der Schweizer Wanderwege findet sich zu diesem neuen Design nichts.

Kein Wunder. Erst zuhause entdecke ich, dass die lustige Frauenfrisur nachträglich täuschend echt aufgemalt wurde. Eigentlich schade, dass es diese inklusivere Version nicht auch offiziell gibt.

Jedoch stellen sich einige Fragen. Warum gibt es nur männliche Wanderer auf den Schweizer Wanderwegweiser? Gibt es im Ausland Beispiele für Frauenfiguren auf Wegweisern? Erfüllt die Abänderung des Wanderwegweisers den Straftatbestand des Vandalismus? Was macht es mit Wanderinnen, wenn sie stehts diesen Männchen auf den Wegweisern nachlaufen?

In der Zeitschrift Bergwelt konnte man im vergangenen Jahr lesen, dass in der Schweiz mehr Frauen als Männer wandern. Auf der Signalisation wird das aber bis heute nicht berücksichtigt.

Wenn das in unserer stärker inklusiven Welt immer noch der Fall ist, wie war das wohl zur Zeit der biblischen Schriften? Gäbe es etwa mehr biblische Frauengestalten und wären mehr von ihnen in der Bibel zu finden, wenn schon damals die Gleichberechtigung stärker im Fokus gestanden hätte?

Geht man nach den biblischen Schöpfungsberichten, kann es nicht an Gott liegen. Er/Sie hat schon von Beginn der Menschheit an den Menschen als Frau und Mann geschaffen. Selbst im zweiten Schöpfungsbericht ist das so. Erst formte Gott den Menschen. Indem er dann aus einem Teil dieses anfänglich geschlechtslosen Wesens die Frau formte, entstand aus dem anderen Teil der Mann. Man könnte also sagen: Erst als Gott den Menschen auseinander nahm, entstanden die Geschlechter. Oder anders gesagt: Erst aus Mangel an "Frau" wurde "Mann".

Montag, 26. Mai 2025

Wie gefährlich wohnst du?

Ein Zitat

Überschwemmung in Reinach AG durch die hochgehende Wyna im Mai 1994.
Foto © Jörg Niederer
"Deine Sache wird gefährdet, wenn das Nachbarhaus brennt." Horaz (65-8 v.Chr.)

Ein Bibelvers - 4. Mose 16,31+32

"Gerade hatte Mose aufgehört zu reden, da spaltete sich der Erdboden unter Datan und Abiram. Die Erde öffnete ihren Rachen und verschlang sie alle: sie selbst mit ihren Familien, Korachs Leute und ihren ganzen Besitz."

Eine Anregung

Der Bergsturz bei Blatten wirft die Frage auf, wie sicher dass wir wohnen. Experten gehen davon aus, dass es Gefahren gibt, welche heute schon nahezu alle Regionen und Standorte in der Schweiz betreffen. Während in den Bergen Gerölllawinen und Bergstürze drohen, ist es im nördlichen Mittelland vor allem extreme Hitze. Überschwemmungen sind fast in der ganzen Schweiz wegen des zunehmenden Starkregens ein Problem.

Wer wissen möchte, wie gefährlich er oder sie wohnt, kann das auf einer Webseite über Naturgefahren hausgenau herausfinden. Zum Beispiel habe ich die Methodistenkirchen in St. Gallen und Weinfelden auf Naturgefahren abgefragt. Für die Wassergasse 19 in St. Gallen gibt keine Gefahren, einmal abgesehen von einem leicht erhöhten Erdbebenrisiko und der Möglichkeit, dass bei Starkregen oberflächlich eine Wassertiefe von 10-25 cm anfallen kann. Für die Hermannstrasse 10 in Weinfelden kann Hochwasser ein Problem werden, da vom angrenzenden Stadtbach Giessen eine geringe Gefährdung ausgeht. Auch Hagel ist ein Thema, und was auf dieser Webseite nicht ersichtlich ist: Es gibt hier ein grosses Hitzeproblem.

Letztlich ist aber kein Mensch ganz sicher und war es wohl auch noch nie. Wie gehst du damit um?

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Samstag, 8. März 2025

Frauen

Ein Zitat

Selbstbewusste junge Trachtenfrau am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest 2010 in Frauenfeld.
Foto © Jörg Niederer

"Menschenrechte sind Frauenrechte. Und Frauenrechte sind Menschenrechte."
Hillary Clinton (*1947)

Ein Bibelvers - 1. Samuel 25,32+33

"Da sagte David zu Abigajil: 'Gelobt sei der Herr, der Gott Israels! Er hat dafür gesorgt, dass du mir heute begegnet bist. Gelobt sei deine Klugheit! Du sollst gesegnet sein, weil du mich heute vor Schuld bewahrt hast. So habe ich kein Blut vergossen und mich nicht mit eigener Hand gerächt.'"

Eine Anregung

Der 8. März ist der Internationale Frauentag. Entstanden vor dem 1. Weltkrieg sollte er der Gleichberechtigung und dem Wahlrecht für Frauen sowie der Emanzipation von Arbeiterinnen Vorschub leisten. 

Bis heute gibt es immer noch Gesellschaften, welche die Frauen systematisch von Entscheidungen ausschliessen. Die MeToo-Bewegung hat weiter aufgezeigt, dass Männer auch in aufgeklärten Gesellschaften sich gegenüber Frauen Ungeheuerlichkeiten herausgenommen haben und es wohl immer noch tun.

Ich freue mich sehr, dass ich in einer Kirche arbeite, welche die Gleichstellung von Männern und Frauen weitgehend umgesetzt hat. So wurde der Evangelisch-methodistischen Kirche in der Schweiz von der Fachstelle UND im Jahr 2023 zum 2. Mal das Prädikat "Familie UND Beruf" ausgestellt. Was das im Detail bedeutet, kann man auf der Webseite der Kirche nachlesen. 

Mir gefällt, dass in dieser Kirche die Zugänglichkeit zu allen kirchlichen Ämtern und Berufsfeldern für Frauen und Männer in gleicher Weise gewährleistet ist. Das ist nur ein kleiner Teil von dem, was die EMK für ihre angestellten Mitarbeitenden unternimmt, für Arbeit und Familie, für Frau und Mann.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Donnerstag, 1. August 2024

Ein Nationalfeiertags-Blues

Ein Zitat

Fahnen flattern im Wind am Schiffssteg von Lausanne.
Foto © Jörg Niederer
"Stolz ist die Maske der eigenen Fehler." Aus dem Talmud

Ein Bibelvers - Sprüche 29,23

"Hochmut bringt einen Menschen zu Fall. Durch Demut kommt er zu Ehren."

Eine Anregung

Der 1. August ist Nationalfeiertag in der Schweiz. Ich erinnere mich daran, wie ich fasziniert war von den Höhenfeuern, die in meiner Kindheit an diesem Tag auf den Jurahöhen entzündet wurden. Unsere Eltern kauften uns Papierlampions, die wunderbar leuchteten. Eine Sonne war darunter, und wir Kinder trugen sie ganz vorsichtig zu einem nahen Aussichtspunkt hinauf. Auch Vulkane gab es schon, und von den bengalischen Zündhölzern erhielten wir Brüder je ein ganzes Schächtelchen. Mein Vater startete ein, zwei Raketen aus einer Glasflasche heraus, immer in beachtlichem Sicherheitsabstand zu unserer Position und den nächsten Feiernden. Ich war fasziniert.

Als Teenager besuchte ich dann mit einem Kollegen das offizielle Feuerwerk von Olten. Widerwillig, da ich es für eine grosse Geldverschwendung hielt, angesichts der Not in vielen Teilen der Welt. 

Einmal sass ich am Nationalfeiertag allein im Auto auf der Fahrt über die Autobahn nach irgendwohin, geplagt von trüben Gedanken. Das war kein gutes Gefühl.

Und heute: Ich bin dankbar, in der Schweiz leben zu dürfen. Aber der Nationalfeiertag hat seine Faszination für mich längst verloren. Mit der Knallerei kann ich nicht viel anfangen. Die patriotischen Reden habe ich meines Wissen sowieso noch nie besucht. Am Tag danach jammern mich die Fragmente der Raketen und Vulkane, die abgebrannt im öffentlichen Raum und der Landwirtschaft vor sich hin rotten. Sie bleiben tagelang liegen, bis die Stadtreinigung oder der Bauer sie wegräumt. Hat er sich wieder gewundert über die Unverschämtheit mancher Feiernden? Es ist paradox. Am Tag, an dem wir uns über die Errungenschaften unseres Landes freuen, missachten nicht wenige das Eigentum des andern.

An diesen Tag schliesse ich beim Einnachten die Fenster, weil ich nicht will, dass sich eine der gefährlich nahe abgefeuerten Raketen in meine Wohnung verirrt. Ich schliesse die Schweiz aus meiner Wohnung aus. 

Vielleicht lese ich dann in der Zeitung oder den Sozialen Medien, dass an manchen Orten die Reden ausfallen, oder das amtliche Feiern um einen Tag verschoben wird, weil in der Ferienzeit doch nur wenige Menschen daran teilnehmen würden. Fast ein bisschen so, wie man darüber lamentiert, dass nur noch wenige Leute am Sonntagmorgen den Gottesdienst in der Kirche besuchen würden.

Der Nationalfeiertag zeigt mir, dass die Zeiten sich geändert haben. Oder bin ich es, der sich geändert hat?

Vermutlich werde ich dereinst im Himmel den Nationalfeiertag nicht besonders vermissen. Oder ist dort der Reihenfolge nach an jedem Tag irgend ein Nationalfeiertag? Das wäre noch nicht ganz die Hölle für mich, aber käme ihr doch schon sehr nahe.

Wie hast du es mit den Nationalfeiertag?

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Donnerstag, 13. Juni 2024

Geschwisterlich beten

Ein Zitat

Die Schwestern Marianne Hasler und Christine Moll leiten das Gebet zum Auftakt der methodistischen Jährlichen Konferenz 2024 in Rothrist.
Foto © Jörg Niederer
"Die Menschen sind da, um einander zu helfen, und wenn man eines Menschen Hilfe in rechten Dingen nötig hat, so muss man ihn dafür ansprechen." Jeremias Gotthelf (1797 - 1854)

Ein Bibelvers - Psalm 3,9

"Beim Herrn findet sich Hilfe. Sprich deinen Segen über dein Volk."

Eine Anregung

Marianne Hasler und Christine Moll sind Schwestern und beide in Rothrist aufgewachsen. Also an dem Ort, an dem die Tagung der Jährlichen Konferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche Schweiz-Frankreich-Nordafrika aktuell bis zum kommenden Sonntag stattfindet. Gestern Abend nahmen sie die bereits angereisten Delegierten mit in eine Gebetszeit. Zu Psalmworten zeigte Marianne Hasler Fotos, welche sie in und um Rothrist herum aufgenommen hatte. Passend zum Konferenzthema "Zäme em Läbensdorscht of de Spuur" waren darauf viele Brunnen und Wasserläufe zu sehen. Der Lobpreis mit bekannten Liedern und auch die Gebetszeiten wurden von allen Anwesenden wohltutend und motivierend für die bevorstehenden Geschäftssitzungen erlebt.

Für mich klang der Abend aus an einem Tisch, den ich noch gut kenne aus meiner Zeit als Pfarrperson in Rothrist vor 15 Jahren. Zusammen mit einige weiteren Personen durfte ich die Gastfreundschaft und ein Bier bei Marianne und Daniel Hasler geniessen. Danke ihnen und allen anderen, welche sich vor Ort für eine gelingende Jährliche Konferenz einsetzen. Da geschieht viel Hilfe, um den Lebensdurst zu löschen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Donnerstag, 1. Februar 2024

Die weltweit vernetzte Kirche und das Klima

Ein Zitat

An den Küsten von Holland ist man durch jahrhundertelanger Erfahrung gut vorbereitet auf den klimabedingten Anstieg des Meeresspiegels. Das gilt für die meisten Orte aber nicht.
Foto © Jörg Niederer
"Ich bin überzeugt, dass wir unsere Spiritualität im Hinblick auf die Klimakrise weiterentwickeln müssen. Denn wenn wir die Schönheit und den Reichtum der Natur sehen, verwandelt sich in gewisser Weise auch unser Herz, indem wir sehen, was mit der Klimakrise geschieht. In gewisser Weise ist es eine angemessene Reaktion, wenn wir leiden." Daniel Steinvig, Methodist Church of Denmark

Ein Bibelvers - Psalm 24,1

"Dem Herrn gehört die Erde mit allem, was sie erfüllt. Ihm gehört das Festland mit seinen Bewohnern."

Eine Anregung

In einer zweiten Folge zum Klimanotstand auf der Welt und wie die Methodistinnen und Methodisten darauf reagieren, bringt Michael Hari Verantwortliche aus der Schweiz, Portugal, Grossbritannien und Dänemark ins Gespräch.

So hat, gemäss Hamish Leese, die Britische Methodistenkirche beschlossen, in allen Bereichen ihres Wirken, vom Teekochen über das Reisen, Heizen, Bauen bis zum Feiern, das Netto-Null-Ziel beim CO2-Verbrauch bis ins Jahr 2030 zu erreichen. Für dieses ehrgeizige Ziel werden verschiedene lokale, regionale und nationale Kräfte eingebunden, und mit anderen Kirchen zusammen wird auch politisch auf die Gesellschaft eingewirkt.

In Dänemark (Daniel Steinvig) und Portugal (Filipa Teixeira) wird mit kleineren Brötchen gebackt. So gibt es in der Methodistenkirche von Dänemark Energieberater und in Portugal sind vor allem die Liegenschaften und ihre umweltgerechte Sanierung ein grosses Thema. Aber auch für die Verhinderung von Abfall bei allen kirchlichen Aktivitäten ist man zunehmend sensibilisiert.

Natürlich erhofft man sich überall, dass durch einen verantwortlichen Umgang mit der Schöpfung und dem Klima auch wieder neue Personenkreise für Glauben und Kirche interessiert werden. Doch das eigentliche Ziel ist es, den durch fossile Brennstoffe verursachten Klimawandel so schnell wie möglich zu stoppen.

Eine grosse Stärke der Methodistenkirchen ist ihre gute Vernetzung. So erfährt man aus eigenen Kreisen davon, wenn Menschen unter der Klimakrise leiden und kann sich schnell in gemeinsamen Aktionen global verbinden. Das beton vor allem auch die Schweizer Pfarrerin Sarah Bach.

Dieser zweite von drei Videobeiträge zum Klimawandel kann auf Youtube angeschaut werden. Und auch der erste Beitrag ist nach wie vor verfügbar.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Mittwoch, 24. Januar 2024

Biodiversität - Schöpfungsvielfalt

Ein Zitat

Ein Dunkelwasserläufer im Jugendkleid im Oktober am Ägelsee bei Frauenfeld.
Foto © Jörg Niederer
"Jeder Verlust an Biodiversität ist oder wird zu einem Verlust an Lebensqualität." Siehe Biodiversitäts-Initiative!

Ein Bibelvers - 1. Mose 1,24+25

"Gott sprach: 'Die Erde soll Lebewesen aller Art hervorbringen: Vieh, Kriechtiere und wilde Tiere!' Und so geschah es. Gott machte die wilden Tiere und das Vieh und alle Kriechtiere auf dem Boden. Er machte sie alle nach ihrer eigenen Art. Und Gott sah, dass es gut war."

Eine Anregung

Ich habe mich im Rahmen der Biodiversitätsinitiative klar geäussert. Wer an einen Schöpfergott glaubt, kann es nicht akzeptieren, dass fortlaufend Lebensraum zerstört und Tiere und Pflanzen unwiederbringlich ausgerottet werden. Die Schweiz nimmt in dieser Hinsicht einen traurigen Spitzenplatz ein. Im Vergleich mit den Nachbarsländer schneidet sie miserabel ab. Nur bei den Gefässpflanzen ist Österreich noch schlechter. Überall sonst, bei den Brutvögeln, den Reptilien, den Amphibien und den Süsswasserfischen sind in der Schweiz mehr Arten gefährdet als in Deutschland, Italien, Österreich oder Frankreich. Aktuell geht die Entwicklung in die falsche Richtung.

In der Schöpfung ist alles aufeinander bezogen. Fällt ein Tier weg, dann hat das Einfluss auf alle anderen Lebewesen. Zu allem Überfluss dürfen gefährdete Tiere hier bei uns in der Schweiz immer noch bejagt werden. So etwa die Waldschnepfe oder der Feldhase. Ja selbst geschützte Arten werden wieder geschossen, wie das Beispiel vom Wolf zeigt. Da wurde nichts aus der Vergangenheit gelernt. Fast alle Greifvögel wurden einst durch Jagd ausgerottet, ebenso die Geier. Man sah sie als Gefahr für den Menschen. In allen Fällen völlig zu unrecht. So lebt der Steinadler heute nur noch in den Bergen, und der Seeadler ist kaum noch anzutreffen.

Grossraubtiere wie Bär, Wolf und Luchs sorgen für gesunde Wälder, da die Rehe nicht in aller Ruhe die Baumtriebe abfressen können. Zudem brechen sie oft die Tierkadaver auf, so dass auch andere, kleinere Tiere davon fressen können. Im Lebensraum der Grossraubtiere ist die Artenvielfalt deutlich grösser.

Es ist an der Zeit, dass wir Gottes Schöpfung wieder mehr Raum zurückgeben. Es ist an der Zeit, dass wir diese Erde nicht weiter mit Plastik und Treibhausgasen zumüllen und anheizen. Es ist an der Zeit, dass wir mitgeschöpflich zu Leben beginnen.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass Gott weiter möchte, dass wir in seine Schöpfung hineinpfuschen. Dagegen sollten wir uns freuen über alles Leben, dass trotz Widerstand durch uns Menschen einen Weg zurück in Gottes Welt und unseren Lebensraum findet. Das ist auch der Platz, den die Tiere im ersten Schöpfungsbericht der Bibel einnehmen. Tier und Mensch teilen sich den selben Schöpfungstag, den selben Lebensraum, das selbe Leben.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Mittwoch, 13. Dezember 2023

Methodist präsidiert Bundesratswahl

Ein Zitat

"Menschenwürde, Gleichheit der Menschen." Antwort von Eric Nussbaumer auf die Frage: "Was ist für Sie politisch nicht verhandelbar?"

Ein Bibelvers - Matthäus 22,37-39

Eric Nussbaumer im Jahr 2008, ein halbes Jahr nach seiner Wahl in den Nationalrat.
Foto © Jörg Niederer
"Jesus antwortete: 'Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Denken.' Dies ist das größte und wichtigste Gebot. Aber das folgende Gebot ist genauso wichtig: 'Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst.'"

Eine Anregung

Die Religionszugehörigkeit spielt zwar in einem Staat mit Religionsfreiheit keine Rolle bei der Ausübung von politischen Aufgaben. Aber so selbstverständlich ist es dann doch wieder nicht, wenn das Mitglied einer kleinen Freikirche, wie es die Evangelisch-methodistischen Kirche in der Schweiz ist, die Wahlen der Bundesrätinnen und Bundesräte als Präsident der Vereinigten Bundesversammlung leitet. Heute ist es soweit. 

Am 4. Dezember wurde Eric Nussbaumer zum Nationalratspräsidenten gewählt. Damit übt er das Amt des "höchsten Schweizers" aus und ist folglich auch mit der Leitung der Bundesratswahl betraut.

Eric Nussbaumer wurde 2007 erstmals in den Nationalrat gewählt. Das Foto zeigt ihn ein halbes Jahr nach dieser Wahl. Er ist aktives Gemeindeglied in der Methodistenkirche Liestal. Im Dienstagsmail wird er dazu wie folgt zitiert: "Ich bin gerne Christ, weil ich aus meiner Glaubensüberzeugung heraus Kraft schöpfe für mein tägliches Leben." Der Nationalrat wählte Eric Nussbaumer mit 180 von 192 gültigen Stimmen in diese Aufgabe. Gegenüber Idea meinte er dazu: "Es ist eine wichtige Aufgabe, das Parlament leiten zu dürfen. Ich durfte das schon auf kantonaler Ebene tun. In dem Sinne freue ich mich natürlich auf diese... Aufgabe".

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Mittwoch, 22. November 2023

Unter einem Dach

Ein Zitat

Haus mit zwei Eingangstüren in Endingen.
Foto © Jörg Niederer
"Die wie eine Legende vermittelten Deutungsangebote entwickelten sich im Laufe der Zeit zu einem einzigartigen Symbol. Die Doppeltür wurde so zu einem Sinnbild für das Zusammenleben in einer vielfältigen Gesellschaft." www.doppeltuer.ch

Ein Bibelvers - 5. Mose 21,23b

"Du darfst das Land nicht unrein werden lassen. Der Herr, dein Gott, hat es dir ja gegeben. Es soll dein Erbbesitz sein."

Eine Anregung

Zwei fast identische Türen bilden den Zugang zu einem Haus. Wohlgemerkt: es handelt sich nicht um einen Eingang mit grosser Doppeltür. Zu den beiden Türen führt eine gemeinsame Treppe. Das Haus bräuchte von der Grösse her auch nicht zwei Eingänge, einer würde gut für alle Bewohnenden ausreichen.

Wir befinden uns in Endingen. Das Aargauer Dorf und sein Nachbarsort Lengnau waren lange Zeit die einzigen Orte, an denen sich Jüdinnen und Juden in der Schweiz niederlassen durften. In den beiden Gemeinden lebten aber vor der Zwangsansiedlung der Juden auch schon christliche Bürgerinnen und Bürger. Da liess es sich nicht vermeiden, dass Angehörige beider Religionen unter einem Dach im selben Haus wohnten, was Jüdinnen und Juden durch ihre Religion oder durch die behördliche Gesetzte verboten war. Man behalf sich mit zwei Zugängen zum selben Haus. So nach dem Motto: Wer nicht durch die selbe Tür tritt, befindet sich auch nicht im selben Haus. (Vielleicht war es aber auch ganz anders.)

Das Zusammenleben von Menschen verschiedener Religionen und Philosophien kann kompliziert sein. Aber mit Phantasie und etwas gutem Willen finden sich Lösungen, Wege und Türen.

Ewiger, schenke uns Zugänge, die es uns ermöglichen, in aller Verschiedenheit unter einem – unter deinem – Dach zu leben. Amen

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen 

Sonntag, 22. Oktober 2023

Frieden, nicht Leid!

Ein Zitat

Die Synagoge von Endingen.
Foto © Jörg Niederer
"Wenn das Leben des Einzelnen heilig ist, ist es auch das Leben der Nation. Wenn der vereinzelte Mord mit Recht vom Weltgewissen verdammt wird, um wieviel mehr müsste von ihm die macht- und verhängnisvolle Organisation des Totschlages, die der Krieg darstellt, verdammt sein." Henri Dunant (1828-1910)

Ein Bibelvers - Jeremia 29,11+12

"Denn ich weiss, was ich mit euch vorhabe. – Ausspruch des Herrn – Ich habe Pläne des Friedens und nicht des Unheils. Ich will euch Zukunft und Hoffnung schenken. Ihr werdet zu mir rufen. Ihr werdet kommen und zu mir beten, und ich werde euch erhören."

Eine Anregung

Die Synagoge von Endingen ist das einzige Gotteshaus im kleinen Aargauer Ort. Die Christinnen und Christen die hier leben, besuchen seit Jahrhunderten die Gottesdienste in den Kirchen der Nachbarsdörfern. Denn Endingen und Lengnau waren über viele Jahre die einzigen Orte, an denen in der Schweiz jüdische Familien leben durften. So wird es heute in Endingen wohl keine Gottesdienste geben, feiern Jüdinnen und Juden doch an Samstagen in ihren Versammlungshäusern.

Doch in diesen Tagen ist es den jüdischen Gemeinden wohl nicht ums Feiern zumute. Jüdinnen und Juden sind der ganzen Welt und besonders in Israel bis aufs Blut herausgefordert. Aber nicht nur sie, auch die Menschen im Gaza, der Westbank und darüber hinaus im ganzen Nahen Osten stehen in der Gefahr, in einer Spirale von Gewalt und Gegengewalt unterzugehen. Über 1500 Kinder sind im Gaza in den letzten zwei Wochen ums Leben gekommen. In Israel selbst sind die Todesopfer des Kriegs auf eine Höhe geschnellt, wie schon lange nicht mehr. 

Gut, wenn wir Christen an diesem Tag in unseren Gottesdiensten für die Menschen dort beten: 

Gott, bewahre deine Kinder davor, den Hass zu vermehren und die Gewalt als Lösung der Probleme anzusehen! Lass nicht zu, dass immer noch mehr Leid gesät wird, so dass auf Jahre die Hoffnung auf Frieden erstickt wird! Das bitten wir dich auch für die Menschen, die an den Orten der gut 20 anderen Kriegsschauplätzen dieser Erde zu überleben versuchen. Denn du liebst den Frieden, und nicht den Untergang, du bist Leben und Licht. Du streckst uns immer wieder die Hand zur Versöhnung entgegen. Lass es uns dir gleichtun und nicht aufhören damit. Amen

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen 

Mittwoch, 9. August 2023

Kein schöner Land

Ein Zitat

Anschrift der Kantonalen Ausweisstelle am Bahnhof in Frauenfeld.
Foto © Jörg Niederer
"Wer stets mit seinem Lob geizt, zeigt damit seine eigene Mittelmäßigkeit." Luc de Clapiers, Marquis de Vauvenargues (1715-1747)

Ein Bibelvers - Jeremia 5,21b

"Ja, sie haben Augen, aber sie sehen nicht! Sie haben Ohren, aber sie hören nicht!"

Eine Anregung

Auf Facebook bin ich mit Verena Birchler befreundet. Kennengelernt habe ich sie an einem Medienkurs beim christlichen Fernseh- und Radiosender ERF Medien. Am 1. August postete sie auf Facebook einen Beitrag zum Motto: "In was für einem Land leben wir eigentlich." Meist ist das ja eine Floskel, welche negative Erfahrungen einleitet. Doch nicht so bei Verena Birchler. Sie hebt positiv das Besondere der Schweiz hervor anhand von Erfahrungen beim Ersatz ihrer Identitätskarte. Diese hatte sie wohl verloren und erlebte sowohl bei der Polizei wie auch im Passbüro (oder wie es richtig heisst: auf der Kantonale Ausweisstelle) wie schnell, unkompliziert und reibungslos an beiden Amtsstellen für die Bürgerinnen und Bürgern gearbeitet wird. Als Fazit schrieb sie: "Ich weiss nicht, in welchem Land man Pass und ID so schnell, unkompliziert und unbürokratisch erhält."

Gestern musste ich meinen Pass erneuern lassen. Und so kommt nun von mir ein weiteres Erlebnis dazu, welches die Beobachtung und Erfahrung von Verena Birchler unterstreicht.

Per Internet hatte ich mir vor einigen Tagen für die Passerneuerung den ersten Termin des Tages um 8 Uhr reserviert. Mit mir stieg eine weitere Person die zwei Stockwerke zur Kantonalen Ausweisstelle Frauenfeld hoch. Ich wunderte mich, dass da noch jemand zu dieser Zeit einbestellt war. Vermutlich Parallelbetrieb, dachte ich. Der andere Mann trat vor mir an den Schalter. Ich hörte richtig, auch er hatte einen Termin um 8 Uhr. Aber wie sich kurz darauf herausstellte, nicht in Frauenfeld, sondern im Passbüro in Weinfelden. Nun hätte die Beamtin in abweisen können, und er hätte wohl einen weiteren Termin in einigen Tagen beantragen müssen. Doch dann hörte ich die Frau hinter dem Schalter sagen: "Ich schaue mal nach, ob wir ausnahmsweise auch für Zeit haben". So ist es dann gekommen. Der Mann musste zwar etwas länger warten, während ich in 10 Minuten alles erledigen konnte. Aber dann wurde auch er ausserplanmässig aufgerufen, ganz ohne Vorwürfe, ohne Rückweisung, einfach so.

Ich kann nur Einstimmen in das Loblied von Verena Birchler auf diese Schweiz, die es auch gibt, mehr, als man sich manchmal bewusst ist. Wer Augen hat, das zu sehen, der sehe, in was für einem Land wir leben dürfen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Freitag, 16. Juni 2023

Vom Beten und Arbeiten

Ein Zitat

Thomas Matter hält die Morgenandacht an der Tagung Teil Schweiz der Evangelisch-methodistischen Kirche.
Foto © Jörg Niederer
"Ist das Gebet ein Selbstgespräch - Notabene mit einer kompetenten Person?" Thomas Matter in der Morgenandacht des Konferenzdonnerstags.

Ein Bibelvers - Psalm 31,9

"Du [Gott] hast mir weiten Raum gegeben, wo ich mich frei bewegen kann."

Eine Anregung

Natürlich besteht die Tagung der Jährlichen Konferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche Schweiz-Frankreich-Nordafrika wie so viele Hauptversammlungen von Vereinen auch aus Geschäftssitzungen. Rund 150 vollgeschriebene A4-Seiten gab es im Vorfeld für die Delegierten zu lesen, und all das will auch gewürdigt werden. Gestern etwa stellte man die Weichen für eine ökologischere und nachhaltigere Kirche. Auch der Bericht der Distriktsvorsteherin und der Distriktsvorsteher wurde behandelt und darüber ausgetauscht. Die Vereinsrechnung der Distriktstagung Schweiz wurde angenommen. Dabei erfuhr man, dass jeden Monat mehr als eine halbe Million Franken an Löhnen ausgezahlt wird. Andrea Roffler von der Zentralverwaltung liess allen Menschen in den Gemeinden einen herzlichen Dank ausrichten für die Bereitschaft und Verlässlichkeit, mir der diese dafür freiwillige Beträge und Kollekten übers Jahr zusammenlegen.

Doch ein grosser Teil der Konferenz besteht aus gottesdienstlichen Feiern. Immer wieder wird im Verhandlungsverlauf innegehalten und Jesus Christus ins Zentrum gestellt. Den Sonntag eingeschlossen verbringen die Tagungsteilnehmenden der Jährliche Konferenz rund 10 Stunden in Anbetung, bei Gedächtnisfeiern, und mit dem Singen von geistlichen Liedern. Das ist jedes Jahr inspirierend, wovon man sich auch von Zuhause aus ein Bild machen kann, indem man per Internet über Livestream daran teilnimmt (Siehe auch den gestrigen Beitrag).

Impressionen von dieser Tagung gibt es nun auch in Form von Fotografien. Weitere werden hinzukommen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Donnerstag, 15. Juni 2023

Die Jährliche Konferenz 2023 der Evangelisch-methodistischen Kirche hat begonnen

Ein Zitat

Die Lobpreisband nimmt die Jährliche Konferenz an der Abendfeier mit in die Anbetung.
Foto © Jörg Niederer
"Da ist Gnade, weiter als der Himmel, / eine Liebe, so beharrlich und konstant." Aus einem Lobpreislied

Ein Bibelvers - Psalm 119,45

"Durch ein weites Land werde ich gehen. Denn ich habe deine Anweisungen gesucht."

Eine Anregung

Gestern Abend begann die Tagung der Jährlichen Konferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche Schweiz-Frankreich-Nordafrika mit viel Raum für sich selbst, miteinander und mit Gott. Das Thema dieser - einer Synode ähnlichen - Versammlung "Räume entdecken – eröffnen – gestalten" wurde so schon einmal programmatisch aufgenommen.

Vorerst sind vor allem die Delegierten aus der Schweiz angekommen, da am heutigen Tag der sogenannte Distrikt Schweiz tagen wird. Am späteren Nachmittag kommen dann auch die Mitwirkenden aus Frankreich und Nordafrika dazu. Einige sind aber auch schon vor Ort und geniessen das schöne Umfeld an der Lenk. 

Besonders in musikalischer Hinsicht war der Eröffnungsabend voller Harmonien. Schon dieser Anlass wurde per Livestream übertragen. Weitere Teile der Konferenz können so auch von Zuhause aus mitverfolgt werden. Heute sind das um 09.30 Uhr der Sitzungsbeginn sowie ab 11.00 Uhr und ab 14.00 Uhr die Sitzungszeiten. Am Einfachsten informiert man sich über das Livestream-Programm auf der entsprechenden Internetseite. Auch auf Youtube werden bestimmt bald erste Clips der aktuellen Tagung zu finden sein.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Sonntag, 14. August 2022

Momente der Dankbarkeit

Ein Zitat

Auf dem Zugerberg geniesst ein Paar im Schatten des Kreuzes die Aussicht auf die Rigi.
Foto © Jörg Niederer
"Nicht die Glücklichen sind dankbar. Es sind die Dankbaren, die glücklich sind." Francis Bacon (1561-1626)

Ein Bibelvers - Psalm 103,2

"Lobe den Herrn, meine Seele! Und vergiss nicht das Gute, das er für dich getan hat!"

Ein Anregung

Ein einfaches Holzkreuz, darunter ein Paar auf einem Bänkchen. Verträumt schauen sie zur Rigi, dem schweizerischsten aller Schweizer Berge. Da kommen einige Klischees zusammen.

Heute am Sonntag macht es aber Sinn, sich in den Schatten des Kreuzes zu setzten, um der Dankbarkeit Raum zu geben für all die Schönheit und Sicherheit in diesem kleinen, gebirgigen Land. 

Entstanden ist das Foto auf dem Zugerberg. Wo ist dein Ort, an dem du heute Gott danken möchtest für alles Gute, dass er dir getan hat?

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Mittwoch, 3. August 2022

Vom Retter der Schweizer Weissstörche

Ein Zitat

Während ein riesiger Traktor mit zwei Kreiselmähern die Feuchtwiese zurückschneidet, frisst ein Storch in unmittelbarer Nähe die dabei aufgescheuchten Insekten, Mäuse und Frösche.
Foto © Jörg Niederer
"Bleiben die Störche nach Bartholomä (24. August), so kommt ein Winter, der tut nicht weh." Bauernregel

Ein Bibelvers - Psalm 104,17

"Dort in ihren Zweigen nisten die Vögel, der Storch ist auf den Zypressen zu Hause."

Ein Anregung

Grosse Vögel lassen sich einfacher fotografieren, besonders, wenn sie, wie dieser Storch, die Gunst der Stunde nutzen und in unmittelbarer Nähe des riesigen, brüllenden Mähers nach aufgescheuchten Leckerbissen suchen. Eine solche Gelegenheit kommt für sie nur gerade einmal pro Sommer, dann, wenn die extensiv bewirtschafteten Feuchtwiesen zurückgeschnitten werden dürfen.

Auch wenn sich Weissstörche leicht fotografieren lassen, wäre es in der Zeit von 1950 bis 1962 in der Schweiz unmöglich gewesen, ein freilebendes Exemplar vor die Linse zu bekommen. Der Grossvogel war in unserem Land ausgestorben, sein Lebensraum auf wenige kleine Nischen zusammengeschmolzen, die Futtertiere durch eine intensive Landwirtschaft verdrängt.

Zwischenzeitlich ist das wieder anders. 2021 brüteten hier 1249 Paare. Es wurden um die 796 Jungtiere gezählt. Eine Erfolgsgeschichte, die mit einem Namen ganz besonders verbunden ist: Max Bloesch. Der gebürtige Oltner war Turnlehrer, bevor er und weitere Engagierte 1948 begangen, in Altreu den Weissstorch wieder anzusiedeln. Die Tiere dazu hatte der "Storchenvater" aus dem Elsass, der Tschechoslowakei und Algerien.

Weitere 22 Aussenstationen sicherten in der Folge den Bestand der Störche in der Schweiz in der Zeit, als sie freilebend als ausgestorben oder selten galten. So gelang durch Auswilderung die Rückkehr dieser majestätischen Vögel.

Was die Geschichte von Max Bloesch auch zeigt. Selbst als Nichtfachmann und interessierter Laie kann man Hervorragendes leisten. Wer mit Leidenschaft und Herz bei der Sache ist, trägt dazu bei, dass sich diese Welt erneuert und zum Guten verändern kann. 

Nebenbei: Max Bloesch war auch Teil der Feldhandballmannschaft, die 1936 für die Schweiz eine olympische Bronzemedaille gewannen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Mittwoch, 13. Juli 2022

Schweiz-österreichische Fluchtgeschichten

Ein Zitat

Auch beim alte österreichische Zollamt bei der Schmitterbrücke Diepoldsau gibt es Fluchtgeschichten.
Foto © Jörg Niederer
"Wir haben es geschafft! Hoffe euch alle gesund! Und alles in Ordnung. Nun mein Bericht!" Willy Geber nach seiner Flucht in die Schweiz in einem Brief nach Wien im August 1938

Ein Bibelvers - Jesaja 60,18

"Dann hört man nichts mehr von Gewalt in deinem Land. In deinem Gebiet gibt es weder Verwüstung noch Zerstörung. Deine Mauern nennst du 'Rettung', deine Tore tragen den Namen 'Ruhm'."

Ein Anregung

Seit dem 3. Juli finden sich entlang der Radroute Nr. 1, von Bregenz bis Partenen, und an ausgewählten Orten in der Schweiz und in Liechtenstein 52 symbolische Grenzsteine. Dort befindliche Hörstationen erzählen von Flüchtlingsschicksalen, und laden per QR-Code dazu ein, sich auf die Geschichte des jeweiligen Ortes einzulassen, innezuhalten und die Umgebung aufmerksam wahrzunehmen. Es geht um die Zeit von 1938-1945.

Zehn der Stationen befinden sich in der Schweiz und Liechtenstein. Da erfährt man vom Protest einer Rorschacher Schulklasse gegen die Flüchtlingspolitik jener Zeit. Es wird von gelungener Flucht erzählt, von Paul Grüninger natürlich und dem Konsul und Methodisten Carl Lutz aus Walzenhausen, aber auch von aufgegriffenen Flüchtenden, deren Leben unter dem nationalsozialistischen Schafott endete.

Hinter diesem Hörweg steht das Jüdische Museum Hohenems

Ich finde das eine sehr gute Sache. Und sehr gut ist auch, dass die Hörstationen auch von zu Hause aus angehört und die Dokumente dazu auf der Webseite eingesehen werden können.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Samstag, 5. März 2022

Schutzbedürftig

Ein Zitat

Schutzvorrichtungen eines Gefängnisses
Foto © Jörg Niederer
"Sicher ist, dass nichts sicher ist. Selbst das nicht." Joachim Ringelnatz (1883-1934)

Ein Bibelvers - Psalm 9,10+11

"So ist der Herr eine feste Burg. Wer benachteiligt wird, findet bei ihm Schutz. Er ist eine feste Burg für die Zeiten der Not. Wer deinen Namen kennt, vertraut auf dich. Denn du, Herr, lässt niemanden im Stich, der deine Nähe sucht."

Ein Anregung

Mein "Photo-a-day"-Bild zum heutigen Schlüsselwort "beschützt" (protect) zeigt die von aussen sichtbaren Schutzvorrichtungen eines Gefängnisses. Wieweit aber ein Gefängnis subjektiv zu mehr Sicherheit beiträgt, ist nicht so sicher. Fühlen sich Anwohnerinnen und Anwohner im Umfeld eines Gefängnisses sicher, oder fürchten sie Ausbrüche und Freigänger?

Ein Dach schütz vor Regen, aber könnte auch über mir zusammenbrechen. Ein Sicherheitsgurt beschränkt meine Bewegungsfreiheit über lange Zeit, nur um bei einem der seltenen Ernstfälle zu schützen. Schutzräume, so unwirtlich sie sind, schützen vor Bomben und Tod. Kleider schützen vor Witterungseinflüssen und lüsternen Blicken. Der Wald in den Bergen schützt vor Lawinenniedergängen. Impfungen schützen vor schweren Krankheitsverläufen.

All diese Schutzvorkehrungen zeigen, wie verletzlich wir sind. Wohl dem Menschen, der dann Vertrauen finden kann über alle Schutzmassnahmen hinaus, um sich ungeschützt der Vorsehung Gottes zu ergeben.

Morgen folgt ein Bild zum Wort "feiern" (celebrate). 


Photo-a-day Lent 2022: Eine methodistische Webseite schlägt für die Fastenzeit vor, jeden Tag ein Foto zu teilen, das von einem bestimmten Wort inspiriert ist. Diese Sache nennt sich "Photo-a-day Lent 2022". So könne man sich der Fastenzeit auf eine neue Weise annähern. Die Bilder soll man mit #rethinkchurch taggen. Weitere Erklärungen zum Bild brauche es nicht.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Samstag, 19. Februar 2022

Chumm mit - Der besondere Film

Ein Zitat

Ausschilderung zur Vorpremiere des Wanderfilms "Chumm mit" in Weinfelden
Foto © Jörg Niederer
"Wer Rechtschreiberfehler findet, darf sie behalten." Zitat im Buch zum Film "Chumm mit"

Ein Bibelvers - Markus 2,13+14

"Jesus ging wieder hinaus zum See. Die ganze Volksmenge kam zu ihm, und er lehrte sie. Als er weiterging, sah er Levi, den Sohn des Alphäus. Der saß an seiner Zollstation. Jesus sagte zu ihm: 'Komm, folge mir!' Da stand er auf und folgte ihm."

Ein Anregung

"Chumm mit" könnte Jesus zu den Jüngern gesagt haben. "Chumm mit" könnte daher eine Kampagne der Evangelischen Allianz sein, um Menschen in die Christusnachfolge zu rufen. 

"Chumm mit" lautet aber der Titel eines Wanderfilms, der von einigen engagierten Frauen und Männern verwirklicht wurde. Dokumentiert werden je eine Wanderung pro (Halb-)Kanton der Schweiz. Das Kernteam aus der Ostschweiz wurde dabei immer wieder durch Mitwandernde verstärkt. Nebenbei erfährt man viel über das einmalige Schweizer Wanderwegnetz, die Wanderphilosophie von Menschen und die Geschichte des Kartenmaterials von Swisstopo. 

Gestern war die Vorpremiere im Kino Liberty in Weinfelden, zu der auch SponsorInnen eingeladen worden waren.

Was mir besonders gefallen hat. Bei dieser Filmproduktion spielten gewöhnliche Menschen mit, selbst solche, welche normalerweise mit dem Auto unterwegs sind. So machte sich einer mangels Wanderausrüstung mit dem alten Militärrucksack auf den Weg; ein anderer mit einem bunten Schirm, der dann auch mehrfach zum Einsatz kam.

Ab März läuft der von FELIXFILM.CH PRODUCTIONS GMBH produzierte Film in verschiedenen Kinos der Schweiz und Deutschland. Einblicke gibt auch die Webseite zum Film. Also ich werde bestimmt auf die eine oder andere dieser Wanderung gehen. Vielleicht schon am heutigen Samstag. Und bestimmt geht mir dann die Leitmelodie des Films durch den Kopf, das Lied "Hinderem Berg" von Michael von der Heide. Der "Taktgeber des Films" spielt übrigens auch in zwei kurzen Szenen mit.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde