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Freitag, 24. Januar 2025

Ich habe keine Angst!

Ein Zitat

Stele von Ueli Hausmann auf dem Friedhof in Huttwil.
Foto © Jörg Niederer
"Deine Geduld / ist der Boden, auf dem ich wachse.
Deine Liebe / ist die Wärme, in der ich blühe.
Deine Nähe / ist die Glut, in der ich reife.
Deine Gnade / ist der Korb, in den man mich erntet. 
Deine Vergebung / ist die Erde, in die man mich legt.
Ich habe keine Angst."
Gerhard Engelsberger (*1948)

Ein Bibelvers - Psalm 56,4+5

"Doch heute, wenn ich mich so fürchte, setze ich mein Vertrauen auf dich. Auf Gott – ich preise sein Wort: Auf Gott vertrau ich und fürcht mich nicht! Was können mir Menschen schon antun?"

Eine Anregung

Eine Stele, perfekt geformt vom Huttwiler Ueli Hausmann, steht aufrecht auf dem Friedhof. Stabil, kraftvoll. So leicht kann sie nichts erschüttern oder umwerfen.

Diese Sicherheit spürt man auch in den Worten von Gerhard Engelsberger. Sein Gedicht "Ich habe keine Angst" verknüpft Werden und Vergehen mit Gott, ohne diesen zu nennen.

Habe ich Angst vor dem Tod? Finde ich die Kraft zu sagen: "Deine Gnade ist der Korb, in den man mich erntet. Deine Vergebung ist die Erde in die man mich legt."?

Gott der Geduld, der Liebe, der Nähe, der Gnade, der Vergebung, nimm mir die Angst vor dem, was letztlich kommen wird.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Donnerstag, 11. Juli 2024

Gefährlich oder nicht?

Ein Zitat

Eine Südliche Glanz-Krabbenspinne lauert auf einem Jakobs-Greiskraut auf Beute.
Foto © Jörg Niederer
"Es wird manchmal gesagt, dass die Labour-Partei dem Methodismus mehr verdankt als Marx." Sir Keir Starmer, der neue Prime Minister von Grossbritannien

Ein Bibelvers - Matthäus 10,2-4

"Das sind die Namen der zwölf Apostel: zuerst Simon, der Petrus genannt wird, und sein Bruder Andreas, dann Jakobus, der Sohn von Zebedäus, und sein Bruder Johannes, Philippus und Bartholomäus, Thomas und Matthäus, der Zolleinnehmer, Jakobus, der Sohn von Alphäus, und Thaddäus, Simon, der Kananäer, und Judas Iskariot, der Jesus später verriet."

Eine Anregung

Das Jakobs-Greiskraut leuchtet in diesen Tagen wunderschön gelb von so mancher Blumenwiese, und erfreut so manche Betrachterin und manchen Betrachter. Doch vielleicht gehörst du zu den Menschen, die jetzt wie gebannt auf die Spinne schauen, und sich fürchten oder ekeln. Da kann die prächtigste Blüte das Herz der Menschen zu erfreuen versuchen, doch sie wird nicht mehr gesehen, weil da so ein gefährlich scheinendes Getier dich in die Flucht treibt.

Doch was ist eigentlich von den auf dem Foto abgebildeten Lebensformen gefährlicher?

Die Südliche Glanz-Krabbenspinne ist maximal 8 Millimeter gross. Der Winzling ist für Menschen absolut ungefährlich. Dass sie auf viele Menschen dennoch eine abschreckende Wirkung hat, hilft ihr wohl auch dabei, selbst zu überleben. Denn sie muss sich eher vor Menschen fürchten als der Mensch vor ihr.

Beim Jakobs-Greiskraut würde jetzt ein Landwirt wenig Freude zeigen. Denn die Pflanze ist in allen Teilen stark giftig. Gelangt sie beim Mähen unter das Viehfutter, kann das verhängnisvoll enden für Kühe und Pferde. Bei Pferden ist die tödliche Menge 40-80 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht der frischen Pflanze, beim Rind sind es 140 Gramm. Aber schon geringere Mengen können Leberkrebs verursachen.

Ob etwas gefährlich scheint ist also nicht gleichbedeutend, dass es auch gefährlich ist. Wobei, für eine Biene ist die Spinne gefährlicher als die Blume. Es kommt also auch noch darauf an, wer man ist und in welches Beutespektrum man gehört.

Frage: Wie hast du es mit Spinnen? Was macht dir Angst?

Übrigens: Das Jakobs-Greiskraut hat seinen Artennamen bekommen, weil es um die Zeit von Jacobi (25. Juli) blüht.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Montag, 13. November 2023

Unausweichlich

Ein Zitat

Trauerstatue in der alten Urnenhalle des Friedhofs Meisenhard in Olten.
Foto © Jörg Niederer
"Das ist unsere Lebensaufgabe, nicht war? Uns auf die Rückkehr zu Gott vorzubereiten." Erika K. R. Stalcup

Ein Bibelvers - Kolosser 2,12

"In der Taufe wurdet ihr mit ihm [Christus] begraben. Mit ihm wurdet ihr auch auferweckt. Denn ihr habt an die Kraft Gottes geglaubt, der Christus von den Toten auferweckt hat."

Eine Anregung

In der aktuellen Theologie für die Praxis (48. Jahrgang 2022), die von der Theologischen Hochschule Reutlingen herausgegeben wird, finden sich auch der Beitrag "Unserer Sterblichkeit ins Auge sehen" meiner Kollegin Erika K. R. Stalcup. Darin geht es um eine gesunde Haltung gegenüber dem Tod in der Liturgie. Hier einige Zitate aus diesem Text, der erstmals im Rahmen des Internationalen Worship Forums der Evangelisch-methodistischen Kirche vom 15. Oktober 2022 als Vortrag gehalten wurde. 

  • "Was ist falsch daran, alt zu sein? Und warum ist der Tod so stigmatisiert?"
  • "Manche befürchten, dass schon die blosse Erwähnung des Todes ihren eigenen Tod herbeiführen wird."
  • "'Haben Sie Angst vor dem Tod?' Ich weiss nicht, ob sie [diese Frage] wirklich als Lackmustest für den christlichen Glauben taugt, aber ich glaube, dass sie eine wesentliche Frage ist, die wir als Teil unserer christlichen Reise verhandeln müssen. Was ist der Sinn des Lebens ohne den Tod?"
  • "Über den Tod zu sprechen ist eines der 'gegenkulturellsten' Dinge, die wir heutzutage tun können."
  • "Was ist falsch daran, vergessen zu werden?"
  • "...im Gespräch mit einem Freund wurde mir plötzlich klar, dass meine Vorstellung vom Himmel aus blondhaarigen, hellhäutigen, Harfe spielenden Engeln bestand. Ich selbst habe weder blondes Haar noch helle Haut. Mein eigenes Bild vom Himmel schloss mich aus, ganz zu schweigen von 98 Prozent der Weltbevölkerung."
  • "Als Lazarus starb, weinte Jesus. Diese Tränen zeugen von einem Gott, der ganz und gar menschlich ist, der die Traurigkeit und den Kummer erlebt hat, die wir alle beim Tod derer empfinden, die wir lieben."
  • "Ich habe einmal ein Gebet gelesen, in dem es in etwa hiess: 'Oh Gott, hilf mir zu lernen, wie ich den Tag beenden kann, sonst weiss ich nicht, wie ich sterben soll.'"
  • "Das ist unsere Lebensaufgabe, nicht war? Uns auf die Rückkehr zu Gott vorzubereiten." 

Dienstag, 24. Oktober 2023

Sei kein Frosch!

Ein Zitat

Vermutlich ein Teichfrosch sonnt sich im Kaltbrunner Riet an einem namenlosen Bach.
Foto © Jörg Niederer
"Setz' einen Frosch auf einen weißen Stuhl, er hüpft doch wieder in den schwarzen Pfuhl." Wilhelm Müller, Dichter (1794-1827)

Ein Bibelvers - Psalm 56,4+5

"Doch heute, wenn ich mich so fürchte, setze ich mein Vertrauen auf dich. Auf Gott – ich preise sein Wort: Auf Gott vertrau ich und fürcht mich nicht! Was können mir Menschen schon antun?"

Eine Anregung

Sei kein Frosch! Warum eigentlich nicht? Der Teichfrosch (vielleicht auch ein Seefrosch) sieht doch richtig schön aus. Hat er gar blaue Augen?

Sei kein Frosch! Diese Redensart bedeutet: Sei nicht so furchtsam, verschwinden nicht schon bei der kleinste Herausforderung, die sich in deinem Leben abzeichnet! Stell dich den Aufgaben! Du kannst sie bewältigen!

Für Frösche ist die Flucht, der beherzte Sprung ins tiefe Wasser, bei all den Fressfeinden, die sie haben, überlebenswichtig. Bei uns Menschen dagegen sind das Abwarten, Ausharren und sich Durchkämpfen weitere Handlungsmöglichkeiten. Wir haben mehr Optionen.

Gott, soll ich nachgeben oder mutig vorwärtsdrängen? Soll ich fliehen oder aushalten? Soll ich still und unauffällig bleiben oder etwas sagen, schimpfen, rufen? Wie kann ich wissen, ob nicht eine andere Entscheidung sich später als besser herausstellt hätte? Leite du mich, damit ich zur richtigen Zeit weiche, damit ich in der richtigen Situation widerstehe, damit ich in angemessener Weise laut werde, oder auch ganz leise bleibe. Amen

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen 

Sonntag, 4. Juni 2023

Christliches aus dem Keller und vom Dachboden

Ein Zitat

Auf dem Dachboden der Kathedrale St.Gallen finden warten spezielle Dinge auf die Wiederverwendung.
Foto © Jörg Niederer
"Indem ich mich fast ausschliesslich auf die Abwendung von Gefahren konzentriere, kultiviere ich die Angst."

Ein Bibelvers - Matthäus 10,26a

"Habt keine Angst vor Menschen..."

Eine Anregung

Estrich und Keller sind geheimnisvolle Orte, aber auch Räume, in denen Ängste genährt werden können. An diesem Sonntag schauen wir die beiden Räume an und fragen, was sie mit uns Menschen machen und wie der Glaube unter dem Dach und im Keller Bedeutung bekommen kann. Zwei Fragen dazu: Wie kann Angst überwunden werden? Welche Schätze hinterlasse ich auf dem Dachboden des Glaubens für meine Nachkommen?

Wer mitdenken möchte, hat zwei Möglichkeiten: Vor Ort um 10.15 Uhr in der Methodistenkirche St. Gallen an der Kapellenstrasse 6, oder dann auf Youtube um 10.30 Uhr, zur Übertragung der Predigt. 

Noch vorher, um 09.40 Uhr, wird in der Sonntagschule ein Schatz gesucht und gehoben. Kinder bis 8 Jahre sind dazu herzlich willkommen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Sonntag, 11. Dezember 2022

Morgenrot oder Morgengrauen

Ein Zitat

Morgenrot über dem Mittelland bei Olten
Foto © Jörg Niederer
"Wenn alle nichts sehen, nennt man es Nebel, manch einer ist darin aufgewachsen." Rahel Müller (*1964), Kunstschaffende in den Bereichen Malerei, Fotografie, Installation, Performance, Text, Kunst und Bau.

Ein Bibelvers - Römer 13,12

"Die Nacht geht zu Ende, der Tag bricht schon an. Lasst uns alles ablegen, was die Finsternis mit sich bringt. Lasst uns stattdessen die Waffen anlegen, die das Licht uns verleiht."

Eine Anregung

Adventszeit ist Zeit der Erwartung. In diesen Tagen erleben wir einmal das Morgengrauen (unter dem Nebel), dann das Morgenrot (über dem Nebel). Mit welchen Bilder verbindest du die adventliche Erwartung? Mit welchen Bilder verbindest du den Jüngsten Tag. Ist es das pure Grauen, oder ist es das Licht einer neuen, hoffnungsvollen Zeit?

Ob du es so oder anders erlebst, hat viel damit zu tun, wie sehr uns die Liebe Gottes erfasst hat und mit Zuversicht und Kraft erfüllt. Diese Liebe überlässt uns nicht dem Grauen.

Mehr dazu gibt es heute um 10.15 Uhr im Gottesdienst zum 3. Advent in der Evangelisch-methodistischen Kirche St.Gallen zu erfahren. Die Predigt wird auch diesmal via Youtube ab 10.30 Uhr übertragen. Herzlich willkommen.

Und danach kann der neue Tag bei Nebel oder im Sonnenschein in der Stadt St.Gallen an der Weihnachtreise fortgesetzt werden. Viel Freude mit Herodes, den Weisen und Hirten, den Engeln und der heiligen Familie.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Montag, 30. Mai 2022

Kurt Marti und die Rapper

Ein Zitat

Die evangelische Kirche und der Friedhof in Erlen
Foto © Jörg Niederer
"mir hei e kei angscht / will me / für angscht chönne z'ha / kei angscht / vor dr angscht / dörfti ha / mir hei e kei angscht" Kurt Marti im Mundartband "Rosa Loui"

Ein Bibelvers - Philipper 1,21

"Denn für mich ist Christus das Leben. Und deshalb ist sogar das Sterben für mich ein Gewinn."

Ein Anregung

Kurt Marti stand am Sontag vor einer Wochen in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen im Zentrum einer Lesung mit Musik. Wie die Mundartdichtung des Pfarrers und Schriftstellers die Kultur geprägt hat und immer noch prägt, zeigen vertonte Gedichte. 

Der Rapper Baze nimmt in seiner Hommage an Kurt Marti mit "Dimanche brut" den Sonntag aufs Korn: "am sonntig setze mer zäme ond schwiege üs a..." 

Steff la Cheffe variiert den Text "kei angscht" aus dem Mundartband "Rosa Loui" von Kurt Marti.

Das Popduo Lo & Leduc ihrerseits beschäftigen sich anhand eines Marti-Textes im Lied "Argumänt" mit der Verdrängung des Todes. In der Regionalzeitung "Hope" sagt Luc (alias Leduc) dazu: "Kurt Marti nutzte seinen Resonanzraum immer wieder für kritische, politische und polarisierende Themen. Sowohl der Inhalt als auch die Form seiner Lyrik ist somit für uns inspirierend. Das Gedicht, welches wir vertonten, war uns sofort ins Auge gesprungen." und Lorenz (alias Lo) ergänzt: "Unserer Gesellschaft täte es gut, wenn wir den Tod wieder mehr in die Mitte holen würden, anstatt ihn zu verdrängen. Leider wird dieser Zustand auch durch ganz banale bürokratische Absurditäten gestützt, indem man beim Tod eines Familienangehörigen in gewissen Fällen nur einen bis maximal drei freie Tage bekommt und einem so für Trauer und Abschied keine Zeit bleibt."

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Sonntag, 27. März 2022

Besinnung auf Gott, Gespräche über Kirche und Welt

Ein Zitat

Singen von geistlichen Liedern an der Exekutivtagung der Zentralkonferenz von Mittel- und Südeurope in der Methodistenkirche in Mulhouse.
Foto © Jörg Niederer
"Wir sehnen uns nach Hoffnung, die nicht zerbricht, die nicht vor dem Tod in die Knie geht, die nicht zerbombt, zerstört, verunglücken, verschwinden kann. Hoffnung, die nicht von dieser Welt ist, die unser Begreifen und Verstehen übersteigt." Jürgen Muthmann, Pfarrer

Ein Bibelvers - Psalm 9,10+11

"So ist der Herr eine feste Burg. Wer benachteiligt wird, findet bei ihm Schutz. Er ist eine feste Burg für die Zeiten der Not. Wer deinen Namen kennt, vertraut auf dich. Denn du, Herr, lässt niemanden im Stich, der deine Nähe sucht."

Ein Anregung

Das "Photo-a-day"-Wort von heute lautet "feiern" (Englisch: celebrate). 

An der Exekutivsitzung der Zentralkonferenz vom Mittel- und Südeuropa vom 25.-26. März 2022 in Mulhouse gab es immer wieder Momente des Gebets und der Besinnung. Das Feiern gehörte nicht einfach dazu, sondern war die Basis allen Nachdenkens und Austauschens über die ganze Zeit.

In der Morgenandacht vom Samstag erzählte Daniela Stoilkova aus Nordmazedonien von einer Zeit der Verunsicherung und Furcht in ihrem Leben und den Leben von Andern. Ausgehend davon und mit Bezug zu Psalm 9 lud sie ein, zwei Fragen zu beantworten: 

1. Wo in meinem Leben erlebte ich Verunsicherung und Angst?
2. Was brauche ich in meinem Leben, damit ich mir sicher sein kann und bewahrt bleibe? 

Zwei Fragen, die mich auch an diesem Tag noch weiter begleiten werden. 

Morgen folgt ein Bild zum Wort "erhöht" (Englisch: raised).


Photo-a-day Lent 2022: Eine methodistische Webseite schlägt für die Fastenzeit vor, jeden Tag ein Foto zu teilen, das von einem bestimmten Wort inspiriert ist. Diese Sache nennt sich "Photo-a-day Lent 2022". So könne man sich der Fastenzeit auf eine neue Weise annähern. Die Bilder soll man mit #rethinkchurch taggen. Weitere Erklärungen zum Bild brauche es nicht.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Mittwoch, 12. Januar 2022

Keine Angst davor, nicht abzuheben

Ein Zitat

Die Spuren der Flugzeuge über dem Bahnhof Frauenfeld
Foto © Jörg Niederer
"Ihr aber seht und sagt: Warum? Aber ich träume und sage: Warum nicht?" George Bernard Shaw

Ein Bibelvers - Philipper 1,6

"Ich bin ganz sicher: Der das gute Werk bei euch begonnen hat, der wird es auch vollenden – bis zu dem Tag, an dem Jesus Christus wiederkommt."

Ein Anregung

Das Wolkenfenster ist nur klein. Zu sehen sind darin viele Kondensstreifen von Flugzeugen. Um keine Startfenster zu verlieren, lassen die Fluggesellschaften auch halbleeren Flugzeugen abheben. Und so ist der Himmel voll von ihnen, selbst in diesen Zeiten, in denen tausende das Haus coronabedingt gar nicht verlassen dürfen.

Geflogen wird also, um in Zukunft auch noch fliegen zu können. Was tun wir alles nur deshalb, damit wir es in Zukunft auch noch tun können? Womit wollen wir den Veränderungen widerstehen? Tun wir es für uns, für die Sache, für Gott oder für die Kirche?

Ich wünsche mir einen mit viel Vertrauen gepaarten Realismus. Ich will mich nicht Fürchten vor Veränderungen und den Folgen neuer Umstände.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Donnerstag, 30. Dezember 2021

Das Ende einer Rauhnacht

Ein Zitat

Morgenrot über der Ostschweiz (aus dem fahrenden Zug fotografiert)
Foto © Jörg Niederer
"Jegliche Arbeit in den Rauhnächten ist verboten, sonst fällt der Wolf in die Herde und das Vieh gedeiht nicht" Bauernregel

Ein Bibelvers - 1. Samuel 28,6+7

"Saul befragte deswegen den Herrn. Aber der Herr antwortete ihm nicht, weder durch einen Traum noch durch das Los noch durch das Wort eines Propheten. Da sagte Saul zu seinen Knechten: 'Gibt es hier in der Nähe eine Frau, die Tote aus einer Grube heraufbeschwören kann? Ich will zu ihr hingehen und sie befragen!'"

Ein Anregung

Der Himmel glüht, als würden Wälder brennen. Ein Fahrradwegweiser trotz in Frauenfeld den Fluten der Murg. Es ist Morgen nach einer weiteren Rauhnacht. 

Woran liegt es, dass es mir vorkommt, als wären die Rauhnächte plötzlich in allen Medien. Bisher sind mir diese Nächte vom 25. Dezember bis 6. Januar nicht besonders aufgefallen. Doch in diesem Jahr stolperte ich gleich mehrfach über diesen Begriff. Liegt es daran, dass alle einander abschreiben? Oder spielt mir mein Unterbewusstsein oder die Vergesslichkeit einen Streich. Jedenfalls befinden wir uns aktuell in den sogenannten Rauhnächten. 

Es seien zwölf heilige Nächte, gefeiert schon in vorchristlicher Zeit. An Silvester beginnt die Wilde Jagd, in der die Toten und Geister Zugang zur Welt der Lebenden bekommen. Um ihr Wirken zu beenden, gibt es überall im Alpenraum Vertreibungstraditionen. Dass es 12 Nächte sind, ergibt sich aufgrund der Differenz zwischen Mondjahr (354 Tage) und Sonnenjahr (365 Tage). Diese elf Tage und 12 Nächte dazwischen seien aus der Zeit gefallen, also besonders und geheimnisvoll. In den eingeschneiten Tälern des Alpenraums gab es in dieser Periode des Jahresübergangs wohl kaum etwas zu tun. Und so hatte man Zeit, seinen Gedanken nachzuhängen über den Lauf der Dinge. Kein Wunder, waren es Nächte der schauderhaften Geschichten, der lähmenden Ängste und der Fragen nach dem Sinn des Lebens. Zudem sollen die Rauhnächte und deren Wetter je für das Klima eines kommenden Monats stehen. Hier kann es nachgelesen werden.

Vielleicht ist von den Rauhnächten deshalb plötzlich überall zu lesen, weil wir in Zeiten von Corona wieder stärker auf der Suche nach einem jenseitigen Halt sind. Dabei orientiere ich mich ganz gerne an einem für mich Altbekannten: an Jesus Christus.

Was möchtest du im Übergang zum neuen Jahr definitiv vertreiben und hinter dir zurücklassen (einmal abgesehen von diesem Virus, von dem wohl alle definitiv genug haben)? Und welche Träume sollen dir im neuen Jahr in Erfüllung gehen?

Übrigens: Noch zum eingangs zitierten Bauernspruch. Damit wäre wohl klar, dass nicht der Wolf an Viehrissen schuld ist, sondern alle Gierigen, die nicht genug bekommen vom der Erwerbsarbeit.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde