Posts mit dem Label Engel werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Engel werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 28. August 2025

Ein ganz besonderer Engel

Ein Zitat

Engelskulptur von Barbara Hänggi von der Kirche Bruder Klaus in Gerlafingen.
Foto © Jörg Niederer
"Manchmal sind die hilfreichsten Engel die Menschen an unserer Seite." Herkunft unbekannt

Ein Bibelvers - Psalm 89,6

"Die Himmel preisen deine Wunder, Herr. Deine Treue loben die Engel in heiliger Schar."

Eine Anregung

Diese Engelskulptur wurde von Barbara Hänggi, Teilnehmerin der Tagesstätte Pro Infirmis in Gerlafingen geschaffen. In dieser Tagesstätte finden Erwachsene, die aufgrund schwerer Beeinträchtigungen nicht mehr am Erwerbsleben teilnehmen können, sinnvolle Beschäftigung und Gemeinschaft. Unter anderem wird dort Alltagskunst produziert und in einem Laden verkauft.

Die Engelskulptur wurde der Pfarrei Bruder Klaus erst als Exponat zur Verfügung gestellt und daraufhin spendenfinanziert erstanden. Der Grund wird auf einer kleinen Begleittafel zum Engel genannt: "Tief beeindruck von der Arbeit der Menschen in der Tagesstätte von Pro Infirmis und inspiriert von der wunderbaren Begegnung zwischen ihnen und der Pfarrei im Rahmen eines gemeinsamen Gottesdienstes wurde entschieden, den Engel über Spenden für die Pfarrei käuflich zu erwerben."

Diesem aussergewöhnlichen Kunstwerk füge ich Worte des kürzlich verstorbenen methodistischen Dichterpfarrers Robert Seitz hinzu. Sie finden sich im Büchlein "Engel der Fragenden".

Mit Buchstaben der Liebe

Dein Name / ist im Himmel geschrieben / mit Buchstaben der Liebe.

Denke daran. / Dein Name, / du, / nicht beurteilt, / nicht qualifiziert / von Menschen.

Du bist geliebt, / so wie du bist, / vom Himmel. 

 

Wie schon erwähnt, wird es ab dem 1. September keine Blogs mehr geben unter dieser Adresse oder per Mailingliste. Ich werde aber auch weiterhin Blogs schreiben und Fotos posten auf der neuen Seite 
"NNN - Nicht Nur Natur".
Aktuell ist dort noch nicht viel zu sehen. Aber man kann diesen Blog schon einmal abonnieren, oder die Seite anderweitig vormerken.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Samstag, 21. Dezember 2024

Engelswege

Ein Zitat

Der tonnenschwere Schutzengel von Niki de Saint Phalle wacht über dem Weihnachtsmarkt im Hauptbahnhof Zürich.
Foto © Jörg Niederer
"Jeder möchte sich beim Reisen beschützt fühlen. Und in der Welt, in der wir heute leben, brauchen wir erst recht einen besonderen Schutz." Niki de Saint Phalle (1930-2002)

Ein Bibelvers - Lukas 1,30

"Da sagte der Engel zu ihr: 'Fürchte dich nicht, Maria. Gott schenkt dir seine Gnade...'"

Eine Anregung

Im Advent sind die Engel wieder allgegenwärtig. Einzelne von ihnen bleiben auch das ganze Jahr, wie etwa der Schutzengel der Künstlerin Niki de Saint Phalle in der grossen Halle des Hauptbahnhofs Zürich. Zurzeit passt der Nana-Engel optisch recht gut in die weihnachtliche Szenerie.

Andernorts haben die Engel sich im Wald breitgemacht. So etwa auf dem Engelweg in Bischofszell. Auf kinderwagentauglichen Wegen geht es 900 Meter rundherum zu verschiedenen Engelsstationen. Da gibt es märchenhafte Lichterketten, eine Engel-Aufwärmstation mit warmen Getränken, und nach vielfältig kunsthandwerklich gestalteten Engeln landet man auch hier bei einem Schutzengel, dessen Botschaft, so das St. Galler Tagblatt, die Gäste auf den Heimweg begleitet.

Ein anderer Engelsweg findet sich in Dietfurt. Dort zumindest gibt es auch eine Krippe, eine Festwirtschaft und ein WC. Es ist also für alles gesorgt.

Wer weitere Engel sehen möchte, muss nicht zwingend nach Bischofszell oder Dietfurt. Achte dich doch einmal, wo sie in deinem Umfeld zu finden sind! Vielleicht wirst du ja gar nicht fertig damit, sie alle zu zählen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Mittwoch, 2. Oktober 2024

Schutzengel

Ein Zitat

Der Schutzengel von Andreas Hofer auf dem Friedhof Chloos in Kloten.
Foto © Jörg Niederer
"Wo Engel hausen, da ist der Himmel, und sei's auch mitten im Weltgetümmel." Hafis (um 1320-1388)

Ein Bibelvers - Apostelgeschichte 1,10-11

"Die Apostel starrten wie gebannt zum Himmel und schauten ihm [Jesus] nach. Da standen plötzlich zwei weiß gekleidete Männer bei ihnen. Die sagten: 'Ihr Männer aus Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg in den Himmel aufgenommen wurde, wird wiederkommen – genauso wie ihr ihn habt in den Himmel gehen sehen.'"

Eine Anregung

Der Schutzengel auf dem Friedhof Chloos in Kloten ist ein Geschenk. Geschaffen wurde er vom Davoser Künstler Andreas Hofer. Es ist nicht die einzige derartige Gestalt auf dem Totenacker. Hoch ragt er auf über die Gräber. Es macht den Anschein, als wäre der Baum, aus dem er geformt wurde, an Ort und Stelle gewachsen, und der Kopf vom Bildhauer in luftiger Höhe herausgearbeitet aus dem alten Holz. Die Flügel vollenden den Eindruck, machen den Engel aus. An ihnen ist er zu erkennen als das, was er darstellen soll.

Die Bibel nennt Engel an verschiedenen Stellen. Der Engel an der Pforte des Paradieses, die Engelchöre bei der Geburt von Jesus, die Engel der Apokalypse. Und dann gibt es in der christlichen Kunst die pausbäckigen, nackten, knabenhaften Puttenengel. Der Begriff "Putte" stammt denn auch vom italienischen Wort "putto" ab für "Knabe, Knäblein".

Sehen so die Engel aus? Wie stellst du sie dir vor? Glaubst du an Schutzengel? Oder ist das für dich nur so eine Redensart: "Da hat er/sie aber einen Schutzengel gehabt"?

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Donnerstag, 21. Dezember 2023

Maria und der Engel Gabriel

Ein Zitat

Glasfenster von Maria und dem Engel Gabriel in der Kirche Sainte-Catherine in Sierre.
Foto © Jörg Niederer
"Wir sind auf den Heiligen Geist angewiesen. In ihm ist uns Gott unvorstellbar nah." Peter Strauch (*1943), deutscher Pastor

Ein Bibelvers - Lukas 1,26

"Elisabet war im sechsten Monat schwanger. Da schickte Gott den Engel Gabriel zu einer Jungfrau in die Stadt Nazaret in Galiläa."

Eine Anregung

Bis Weihnachten zeige ich hier noch einige Kirchenfenster, die sich mit der Weihnachtsgeschichte beschäftigen.

Da wäre einmal der Anfang. Der Engel Gabriel verkündet Maria, dass sie schwanger werde vom Heiligen Geist und ein Kind gebäre, dem sie den Namen Jesus geben soll. Das Fenster auf dem Foto findet sich in der Kirche Sainte-Catherine in Sierre.

Der Engel Gabriel kommt auch im biblischen Buch Daniel vor. Im Islam ist er der Engel, der Mohamed den Koran überbrachte. Und in Judentum wird Gabriel in rabbinischen Texten als ein Engel ganz aus Feuer beschrieben. Sein Attribut ist das Gold, während im Christentum das Zeichen, das für diesen Engel steht, die weisse Lilie ist.

Auf dem Glasfenster zeigt sich über dem Engel Gabriel und Maria der Heilige Geist. Lateinisch angeschrieben ist die Szene mit den Worten: "Ecce Ancilla Domini" (Siehe des Herrn Magd!).

Der Botschaft des Engels Gabriel an Maria ist auf dem Fenster ganz unten ein weiteres Bild zugeordnet, das die Enthauptung des Johannes thematisiert. Das Ende von Johannes dem Täufer signalisiert den Beginn der irdischen Zeit von Jesus. Auch Johannes hat, wie der Engel Gabriel, der Welt Jesus Christus angekündigt.

Diese Szene mit Maria, wie sie vom Evangelisten Lukas überliefert wird, wurde von Siegfried Fietz im Lied "Gottes Engel Gabriel" vertont. Das Lied werde ich mir heute anhören, und versuchen, dabei ganz unvoreingenommen zu bleiben.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Freitag, 3. Februar 2023

Fliegende Meerjungfrauen und ein nackter Tschütteler

Ein Zitat

Skulptur an der Hauptpost der Stadt St. Gallen
Foto © Jörg Niederer
"Die Post ist die Trösterin des Lebens, denn sie verwandelt Abwesende in Gegenwärtige." Voltaire (1694-1778)

Ein Bibelvers - Römer 16,22

"Ich, Tertius, grüße euch ebenfalls. Ich habe diesen Brief im Dienst des Herrn für Paulus niedergeschrieben."

Eine Anregung

Ich habe mich redlich bemüht, den Sinn herauszufinden. Erfolgreich war ich nicht. Es ist ein bisschen so, wie bei Paracelsus. Er schriebe in logischen Sätzen, aber inhaltlich bleibt er unverständlich bis mehrdeutig.

Aber zur Sache. Die von 1911-1915 im Jugendstil erbaute Hauptpost in St. Gallen weist eine Reihe von Steinmetzarbeiten auf, darunter auch die abgebildete Skulptur. Drei Meerjungfrauen mit Engelsflügeln tragen eine grosse Kugel. Dazwischen finden sich zwei Knaben, der eine mit einem Fussball (?), der andere mit einem posthornähnlichen Blasinstrument.

Das muss ja – habe ich mir gedacht – irgendetwas mit der Post zu tun haben. Es erinnert mich ein bisschen an das Weltpostdenkmal in Bern. Aber dann doch wieder nicht. Erst dachte ich an Engel, aber was soll der schneckenförmig aufgerollte Schwanz der Wesen?

Weil sich zu diesem Kunstwerk wirklich kaum etwas finden lässt im weltweiten Web, nicht einmal ein Foto gibt es davon (bis jetzt!!), darf ich wohl einfach ein wenig spekulieren.

Die Post liefert in die ganze Welt. Das könnte mit der grossen Kugel zuoberst dargestellt sein. Die Post tut dies zu Luft und zu Wasser. Darum diese zwitterhaften Engelswesen; oder sind es Meerjungfrauen? Der nackte Junge rechts bläst wohl in ein Posthorn. 

Nun wird es schwierig. Was bitte schön hat ein nackter Fussballer mit der Post zu tun. Ist es, weil die Mannschaft des FC St. Gallens einst mit dem Postauto zu den Auswärtsspielen reiste? War der Sohn des Posthalters ein Tschütteler? Testete die Post die Beförderung der Briefpost in Fussbällen, die von Briefträger zu Briefträger gespielt wurden? Und waren die Briefträger damals wirklich nackt? Fragen über Fragen! 

Es könnte aber auch eine in Stein gemeisselte Prophezeiung sein auf den Jahre später beliebten FC Sangalle-Fussballer Tranquillo Barnetta. Ein bisschen gleicht der Junge mit dem Ball ja auch diesem herausragenden Mittelstürmer. (Ich meine bei der Ähnlichkeit natürlich die Gesichtszüge und nicht den Körperbau.)

Die Skulptur bleibt für mich ein Stein mit sieben Siegeln. Wenn mir diesbezüglich niemand auf die Sprünge hilft, werde ich mir wohl ab jetzt jeden Morgen, wenn ich vom Bahnhof St. Gallen zur Hauptpost hinüberschaue, den Kopf zerbrechen, was Barnetta und die drei hübschen Unterwasserengel miteinander zu tun haben. Also: Bitte befreit mich aus dieser Amphibolie!

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Montag, 5. Dezember 2022

Lebenszeit-Cherub

Ein Zitat

Holzskulptur eines Engels beim Eingang zur paritätischen Kirche St. Bartholomäus und zum Friedhof in Pfyn.
Foto © Jörg Niederer
"Heut schließt er wieder auf die Tür zum schönen Paradeis; der Cherub steht nicht mehr dafür. Gott sei Lob, Ehr und Preis, Gott sei Lob, Ehr und Preis!" Nikolaus Hermann (~1500-1561)

Ein Bibelvers - Lukas 1,13

"Aber der Engel sagte zu ihm: 'Fürchte dich nicht, Zacharias! Dein Gebet ist erhört worden. Deine Frau Elisabet wird dir einen Sohn schenken. Dem sollst du den Namen Johannes geben.'"

Eine Anregung

Engel stellt man sich meist wie Menschen mit je zwei Flügeln am Rücken vor. Häufig hat die dargestellte Figur weibliche Züge. So auch der aus Holz geschnitzte Engel auf dem Friedhof bei der paritätischen Kirche St. Bartholomäus im thurgauischen Pfyn. 

Dieser Engel bringt mich dazu, auf einen weiteren Adventskalender hinzuweisen. in der Zeitschrift "Unterwegs" der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland wurden in den letzten Jahren immer wieder Adventskalender eingeheftet. In diesem Jahr finden Abonnentinnen und Abonnenten den Kalender in der Ausgabe 24/2022.

Die Gedanken zum Kalender beigesteuert hat Andreas Malessa, baptistische Pastor, Journalist und Teil des Duos "Arno & Andreas". Dabei kommt er auch auf die Engel zu sprechen unter der Überschrift: "Angekokelter Salzteig-Engel".

Malessa schreibt: "Die zwei kleinen dicken Engelchen mit gelangweiltem Blick am unteren Rand des Gemäldes 'Sixtinische Madonna' von Raffaelo Santi [Hier kann das Bild betrachtet werden] sind das extreme Gegenteil all der biblischen Engel, die aus gutem Grund erst mal 'Fürchte dich nicht' sagen müssen. Schon der erste führt ein Flammenschwert und versperrt den Weg zurück ins Paradies, siehe 1. Mose 3,24! Als an unserem Weihnachtsbaum eine runterbrennende schiefe Kerze den benachbarten Salzteig-Engel anbrannte, fiel mir ein, wer dieser 'Cherub' sein könnte: meine Lebenszeit! Es gibt kein Zurück ins unschuldig paradiesische Kindsein. Nie mehr. Weihnachten pflegen wir die Sehnsucht danach. Wenigstens ein bisschen."

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Sonntag, 27. November 2022

Ein Winzling mit Engelsflügel

Ein Zitat

Schwanzmeise am Schweizer Ufer des Untersees.
Foto © Jörg Niederer
"Du hast ja eine Meise." Redensart, deren Bedeutung "nicht ganz bei Verstand sein" auf den Volksglauben zurückgeht, Geistesgestörtheit werde durch das Nisten von kleinen Tieren (z.B. Meisen) im Kopf verursacht.

Ein Bibelvers - Markus 13,31+32

"Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen. An welchem Tag oder zu welcher Stunde das sein wird, weiss niemand – auch nicht die Engel im Himmel, nicht einmal der Sohn, sondern nur der Vater."

Eine Anregung

Wieder so ein Winzling; die Schwanzmeise. Und hübsch ist dieses Vögelchen. Sympathisch auch, dass Schwanzmeisen sozial lebt, in kleinen Schwärmen fliegen sie von Futterbaum zu Futterbaum, ständig im Gespräch miteinander. Auch gebrütet wird in Kolonien. Nicht nur die Elterntiere füttern die Jungen, nein auch weitere Schwanzmeisen beteiligen sich an der Aufzucht.

Schanzmeisen sind Profiteure des Klimawandels. Harte Winter reduzierten die Tierchen um bis zu 80% des Bestands. Auch Monokultur-Tannenwälder mögen sie nicht. Beides wird seltener in diesen wärmeren Zeiten.

Schön, dass es diese Tierchen gibt, die uns Menschen zeigen, wie es auch gehen kann: Gemeinsam und einander zugetan.

Für mich ist die Schwanzmeise mit ihrem lustigen weissen Streifen über den Kopf selbst mitten im kalten Winter ein "leuchtendes" Engelswesen.

Nebenbei: Darum geht es übrigens heute um 10.00 Uhr im Fernsehgottesdienst auf Musig24. Um Engelswesen!

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Sonntag, 13. November 2022

Umgeben von Engeln

Ein Zitat

Am diesem Baumstrunk wachsen selbst die Pilze in Engelsgestalt.
Foto © Jörg Niederer
"Einen Engel erkennt man immer erst, wenn er vorüber gegangen ist." Martin Buber

Ein Bibelvers - Hebräer 2,6+7

"Vielmehr wird es in der Heiligen Schrift so bezeugt: 'Was ist der Mensch, dass du an ihn denkst, oder der Menschensohn, dass du dich um ihn kümmerst? Du hast ihn nur wenig geringer gestellt als die Engel. Du krönst ihn mit Herrlichkeit und Ehre.'"

Eine Anregung

Wer sagt denn, dass Engel nur in die Advents- und Weihnachtszeit passen? Vielleicht ist es sogar besser, ausserhalb dieser engelhaltigen Zeit über Gottesboten nachzudenken. Das macht es einfacher, die Klischees nicht oder zumindest weniger zu bedienen. 

Darum gibt es in der heutigen Predigt in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen einige allgemeine Gedanken über die Gottesboten und ihre Bedeutung im Christentum und der persönlichen Frömmigkeit. 

Vor Ort an der Kapellenstrasse 6 dabei sein kann man ab 10.15 Uhr. Via Youtube wird die Predigt ab ca. 10.30 Uhr übertragen. Schön, wenn wir dich auf die eine oder andere Art "sehen" dürfen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde


Mittwoch, 9. März 2022

Gloria und die Anbetung

Ein Zitat

Auslange in einer Bijouterie in St. Gallen
Foto © Jörg Niederer
"Eine Träne zu trocknen ist ehrenvoller, als Ströme von Blut zu vergießen." George Gordon Noel Byron, alias Lord Byron (1788-1824), britischer Dichter

Ein Bibelvers - Psalm 24,10

"Wer ist der König der Ehre? Es ist der Herr der himmlischen Heere."

Ein Anregung

Beim "Photo-a-day"-Bild von heute, geht es um die "Ehre", englisch: "glory".

Alles ist im Bild vorhanden. Der Engel, der Stern (Star) und das Gloria, gebettet auf hoffnungsgrünem Samt. Und doch kommt keine Anbetung bei mir auf. Hängt es an der Verbindung von Kommerz und Glaube? Gut, Weihnachten ist auch schon länger vorbei. Singen die Engel in der Fastenzeit weiter ihr "Gloria in excelsis deo"?

Vielleicht bring ja ein alter Song ein bisschen mehr Anbetung und Freude in diesen Tag. Wie wäre es da mit dem Gospel "Over in the Glory Land" von James Waren Acuff (1864-1937), interpretiert von den G-RUNNERS.

Morgen folgt ein Bild zum Wort "erwachen" (awake).


Photo-a-day Lent 2022: Eine methodistische Webseite schlägt für die Fastenzeit vor, jeden Tag ein Foto zu teilen, das von einem bestimmten Wort inspiriert ist. Diese Sache nennt sich "Photo-a-day Lent 2022". So könne man sich der Fastenzeit auf eine neue Weise annähern. Die Bilder soll man mit #rethinkchurch taggen. Weitere Erklärungen zum Bild brauche es nicht.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Mittwoch, 22. Dezember 2021

Der Engel auf dem Bügeleisen

Ein Zitat

Mit etwas Fantasie wird die Bügelsohle eines Glätteisens zum Bild eines Engels
Foto © Jörg Niederer
"Alternatives Spiel: Malen wir einen Engel an die Wand!" Walter Ludin, (*1945), Schweizer Journalist, Kapuziner, Redakteur, Aphoristiker und Buchautor

Ein Bibelvers - Offenbarung 8,2

"Ich sah die sieben Engel, die vor Gott stehen. Ihnen wurden sieben Trompeten gegeben."

Ein Anregung

Unser Gehirn versucht, in allen Formen Vertrautes zu erkennen. Menschliche oder menschenähnliche Gestalten oder Gesichter sehen wir daher auch da, wo sie gar nicht sind.

Bei mir, direkt im Blickfeld, steht das Bügeleisen. Auf der Bügelsohle sind die Dampflöcher in sorgfältiger Ordnung angebracht und grafisch hervorgehoben. In dieser Anordnung erkenne ich einen Engel. Vielleicht geht es dir gleich, wenn du die Fotografie genauer betrachtest. 

Den grössten Teil des Engels machen die Flügel aus, links und recht entlang des langgezogenen stilisierten Körpers angeordnet. Dann kommt oben der Kopf (In Wirklichkeit ein Dampfsymbol, eingerahmt vom Schriftzug "Precision Steamboost"). Links und rechts davon sehe ich die erhobenen Arme des Engels. Über dem Engel, im Hintergrund, bilden die Dampfdüsen eine Art Weihnachtsbaum. Es könnten natürlich auch das singende Engelheer sein oder die dramatische Beleuchtung der Szene. Die dunkelbraunen Verfärbungen der Bügelsohle geben der Illusion noch etwas Tiefe und Plastizität. 

Nun sehe ich also jedes Mal, wenn ich aufschaue, nicht nur das Bügeleisen, nicht nur die schon etwas abgenutzte Bügelsohle, sondern auch einen himmlischen Boten, einen Repräsentanten Gottes. Und wenn es sein müsste, könnte ich diesen Engel noch in geheimnisvolle Dampfschwaden hüllen.

Noch etwas: Selbst wenn ich wollte, ich könnte diesen Engel nicht mehr nicht sehen. Er ist da, und zeigt sich mir, ob ich es will oder nicht. Er ist da, und geht nicht mehr weg. Mir gefällt das gut.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Montag, 29. November 2021

Engel in Hülle und Fülle

Ein Zitat

Barocker Adventsengel auf der der Sebastianskapelle im aargauischen Baden.
Foto © Jörg Niederer
"Hat es eigentlich weh getan, als du vom Himmel gefallen bist?" Klischeehafte Engelsanspielung

Ein Bibelvers - Matthäus 2,12

"Gott befahl ihnen [den Sterndeutern] im Traum: 'Geht nicht wieder zu Herodes!' Deshalb kehrten sie auf einem anderen Weg in ihr Land zurück."

Ein Anregung

Engel haben aktuell Hochkonjunktur. Advent ist ihre Zeit. Im aargauischen Baden sind sie mir besonders aufgefallen. Lockiges Haar, Flügel, barockes Gehabe. Sie hängen zwischen den Häusern und spielen auf langen Trompeten, sie thronen gelangweilt auf dem Manor-Einkaufszentrum, oder, wie auf dem Foto, haben sie ihren Aussichtpunkt auf dem wehrhaften Beinhaus, der Sebastianskapelle bezogen. Klischeehafte Engel in Hülle und Fülle. 

In der Bibel sind die Engel nicht pausbäckig. Die Seraphen etwa haben Schlangengestalt. Andere Engel werden mit Schwert dargestellt. Doch Engel sind zuerst Botschafter (männlich oder weiblich?), bringen Informationen von Gott zu den Menschen. Wie etwa in der Weihnachtsgeschichte, als ein Engel zu Zacharias kam (Lukas 1,11), als der Engel Gabriel zu Maria ging (Lukas 1,26). Im Traum begegnete ein Engel dem Josef (Matthäus 1,20). Engel besuchten die Hirten auf dem Feld (Lukas 2,9). Bei den drei Weisen war es dann Gott selbst, der ihnen im Traum erschien (Matthäus 2,12). Danach träumte Josef wieder von einem Engel (Matthäus 2,13) und dann, einige Jahre später noch einmal (Matthäus 2,19).

Da frage ich mich doch, warum Gott allen Menschen seines auserwählten Volkes Engel sandte, aber ausgerechnet den fremden Sterndeutern aus dem Morgenland zeigt er sich höchstselbst? Schon speziell, oder?

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde