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Dienstag, 2. April 2024

Wachsam

Ein Zitat

Eine wachsame Graugans auf einer landwirtschaftlichen Brache.
Foto © Jörg Niederer
"Holzauge, sei wachsam!" Redensart

Ein Bibelvers - Psalm 123,1+2

"Meine Augen sehen auf zu dir, der du im Himmel thronst. Siehe, auch Sklaven sehen auf zu ihrem Herrn, wenn sie auf ein Handzeichen warten. Auch die Sklavin sieht auf zu ihrer Gebieterin, wenn sie auf wohlwollende Behandlung hofft. Genauso sehen wir auf zum Herrn, unserem Gott, bis er sich uns gegenüber barmherzig zeigt."

Eine Anregung

Wachsamkeit ist ein oft beschworener Wert. Nur so erhalte man sich die Freiheit und Unabhängigkeit. Wachsamkeit ist für viele Tiere überlebenswichtig. Gefahren und Fressfeinde lauern überall.

Nun kann jemand sehenden Auges blind sein für seine Umgebung, seine Mitmenschen. Andererseits gelingt es Menschen, selbst mit ganz wenig Einsicht tief zu blicken.

Vielleicht haben wir die Aussage: "Holzauge, sei wachsam!" ja diesem Umstand zu verdanken. Es könnte also Menschen geben, die selbst blind und holzäugig mehr sehen, als Sehende.

Andererseits sind Holzaugen Astlöcher in einem Brett. Beim Bearbeiten des Holzes sind es die Stellen, an denen man beim Hobeln des Bretts auf einen harten Astansatz stösst. Alle, die schon einmal gehobelt haben, wissen, dass da besondere Vorsicht geboten ist, will man auch an dieser Stelle das Brett gleichmässig flach bekommen. 

Vorsicht, Wachsamkeit, offene Augen, Aufmerksamkeit; heute will ich besonders aufmerksam auf die unauffälligen Dinge achten, denen ich auf meinem Weg durch den Tag begegne. Also: "Holzauge sei wachsam!"

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Freitag, 26. August 2022

Der Turmfalke und die Wachsamkeit

Ein Zitat

Ein Turmfalke jagt im Rüttelflug am Pfäffikersee
Foto © Jörg Niederer
"Ständig diese Hoffnung, dass ein Falke auf meiner Hand landet, wenn ich den Backofenhandschuh anziehe."

Ein Bibelvers – Hiob 39,26

"Geschieht es durch deine Einsicht, dass der Falke sich in die Lüfte erhebt? Liegt’s an dir, dass er seine Flügel ausbreitet und sich vom Südwind davontragen lässt?"

Ein Anregung

Es ist die häufigste Falkenart in der Schweiz. Der Turmfalke oder Rüttelfalke, wie man ihm auch sagt, weil er mit den Flügeln rüttelnd in der Luft "stillstehen" kann. Dem Raubvogel gelingt es dabei, den Kopf ganz ruhig zu halten und jede Bewegung auszugleichen. Das hilft ihm bei der Jagd auf kleine Vögel, Echsen, Mäuse und Käfer. 

Einmal wurde ich Zeuge, wie ein Falke ein vorbeiziehendes Vögelchen aus der Luft griff. Und immer, wenn ich in der Bahn von Frauenfeld nach Weinfelden unterwegs bin, fliegen Turmfalken vom herannahenden Zug aufgescheucht von den Stromleitungen auf und davon.

Ob es sich bei den in der Bibel erwähnten Raubvögeln und Falken handelt, ist unsicher. Für den wichtigsten Gott der alten Ägypter, für Horus, stand dann wohl auch eher der Wanderfalke Pate. Dieser wurde schon von den Assyrern zur Jagd auf Krähen abgerichtet. Die Pharaonen Ägyptens verstanden sich als Inkarnation des Horus ("Lebender Horus") und verwendeten den Falken in ihrem Königstitel. 

Da die Wurzeln der Israeliten eng verbunden sind mit Ägypten – man denke an Mose und die Pharaonentochter – war ihnen die Verehrung des Horusfalken als Hauptgott der Ägypter gut bekannt. Hier könnte der Grund liegen, dass Falken bei den Juden als unreine Tiere gelten, die man nicht essen darf. In Ägypten soll sogar die Todesstrafe auf das (zufällige) Töten eines Falken gestanden haben.

Im Mittelalter wurde der Falke mit der Wachsamkeit in Verbindung gebracht und allegorisch umgedeutet als christliche Wachsamkeit vor den Versuchungen der Sünde. Heute stehen Falken für eine unberechenbare Gefährlichkeit. Wenn jemand zu den Falken und nicht zu den Tauben gehört, dann geht es diesem Menschen nicht um den Frieden, dann muss man vor dieser Person auf der Hut sein.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Donnerstag, 10. März 2022

Das Erwachen der Wildschweine

Ein Zitat

Wildschweine beim Einnachten in der Almende Frauenfeld auf dem Weg zum Futterplatz
Foto © Jörg Niederer
"Ob wir wachen oder schlafen, nie sollten wir uns durch etwas anderes lenken lassen, als durch die Klarheit unserer Vernunft." René Descartes (1596-1650) französischer Philosoph

Ein Bibelvers - Psalm 57,9-11

"Wach auf, du herrlicher Glanz! Wach auf, du Harfe und Leier, ich will das Morgenrot wecken. Dir will ich danken, mein Herr, unter den Völkern. Für dich will ich musizieren vor den Nationen. Denn deine Güte reicht bis an den Himmel und deine Treue bis zu den Wolken."

Ein Anregung

Beim "Photo-a-day"-Bild von heute "erwachen" (englisch: awake) die Wildschweine und furten durch einen Teich zu ihren Futterplätzen im Schilf und Auenwald nahe Frauenfeld. Für die wachsamen Tiere beginnt das Erwachen in der Abenddämmerung. Die Flaneure und Hundehalterinnen sind schon auf dem Heimweg. Nun können sie sich hervorwagen und ihr Nachtwerk beginnen.

Wachsamkeit ist gerade dann, wenn die meisten sich schlafen legen, von grosser Wichtigkeit. Nachtwächter drehten einst ihre Runden, warnten vor Feuer- und Kriegsgefahr. Heute sind die Nachtwachen in sozialen Einrichtungen, in Spitälern nicht wegzudenken. Und dann sind da auch jene, die im übertragenen Sinn wachsam das Zeitgeschehen verfolgen.

Einst forderte Jesus seine Jünger dazu auf, zu wachen und zu beten. Noch in derselben Nacht wurde er verraten und verhaftet. Beten wir doch für die, welche gerade in diesen Nächten nicht ruhen können und wachen müssen. Vielleicht stimmt ihr dann auch noch ein in das Taizé-Lied: "Bleibet hier und wachet mit mir..."

Und dann noch dies: Am 24. März 2022 um 14.30 Uhr findet in der EMK Herisau ein Altersnachmittag zum Thema Frühlingserwachen statt.

Morgen folgt ein Bild zum Wort "gut" (good).


Photo-a-day Lent 2022: Eine methodistische Webseite schlägt für die Fastenzeit vor, jeden Tag ein Foto zu teilen, das von einem bestimmten Wort inspiriert ist. Diese Sache nennt sich "Photo-a-day Lent 2022". So könne man sich der Fastenzeit auf eine neue Weise annähern. Die Bilder soll man mit #rethinkchurch taggen. Weitere Erklärungen zum Bild brauche es nicht.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde