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Sonntag, 8. Juni 2025

Die Taube und der Heilige Geist

Ein Zitat

Heinrich Stäubli schuf das Priesterweihe-Fenster in der Katholische Kirche Bruder Klaus in Winkeln, St. Gallen
Foto © Jörg Niederer
"Atme in mir, Heiliger Geist, dass ich Heiliges denke! / Treibe mich, Heiliger Geist, dass ich Heiliges tue! / Locke mich, Heiliger Geist, dass ich Heiliges liebe! / Stärke mich, Heiliger Geist, dass ich Heiliges hüte. / Hüte mich, Heiliger Geist, dass ich das Heilige nie mehr verliere!" Augustinus (354-430)

Ein Bibelvers - Matthäus 3,16

"Als Jesus getauft war, stieg er sofort aus dem Wasser. In diesem Moment öffnete sich der Himmel über ihm. Er sah den Geist Gottes, der wie eine Taube auf ihn herabkam."

Eine Anregung

Wie nur ist die Taube auf den Heiligen Geist gekommen? Das ist eine gute Frage. Grundlegend war sicherlich die Aussage aus dem Taufbericht des Matthäus, in dem die Taube als Bild für den Heiligen Geist diente. Dieser Vergleich war durchaus naheliegend. An den vielen Stellen, in denen die Taube innerhalb und ausserhalb der Bibel beschrieben wird, steht sie für Kommunikation, bzw. für das Überbringen einer Botschaft. Man denke nur an die Brieftaube.

Da wäre erstens die Taube als Friedensbotin, etwa bei Noah. Dort bringt die Taube beim zweiten Ausflug einen Ölzweig auf die Arche zurück. Die Sintflut weicht, Gott bietet dem Menschen Frieden an. 

Dann ist sie das, was zwischen Liebenden geschieht. im Hohelied werden die Augen der oder des Geliebten mit Tauben verglichen die hin- und herfliegen. Das eröffnet einen Blick auf die Heilige Geistkraft als Botschafterin zwischen dem Gott der Liebe und den geliebten Menschen.

Um Austausch ging es auch beim Pfingstwunder in Jerusalem. Dort gelang Verständigung über alle Sprachen hinweg durch die Wirkung des Heiligen Geistes.

Ab dem 5. und 6. Jahrhundert taucht dann die Taube auf Kunstwerken auf als Bild für den Heiligen Geist. Die mit der Taube verbundene Aufgabe und Botschaft, die Kommunikation des Friedens und der Liebe, geht damit auf das Wirken und Erscheinen der Heiligen Geistkraft über. Gott wird verstehbar, als das, was er oder sie ist: Liebe und Frieden über, zwischen und bei den Menschen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Samstag, 8. Oktober 2022

Ferien oder Urlaub?

Ein Zitat

An einem Strand auf Korsika.
Foto © Jörg Niederer
"Urlaub ist für mich stets ohne Risiko, mein Chef sagt wann, meine Frau sagt wo." Herkunft unbekannt

Ein Bibelvers - Kolosser 2,16+17a

"Niemand soll euch danach beurteilen, was ihr esst oder trinkt – oder ob ihr bestimmte Feste, den Neumond oder den Sabbat haltet. Das alles ist doch nur ein Schatten von dem, was kommen wird."

Ein Anregung

"Ferien" ist ein Pluraletantum, ein Wort, das es nur in der Mehrzahl gibt. "Urlaub" dagegen wird meist im Singular gebraucht, auch wenn es den Plural "Urlaube" natürlich auch gibt.

Noch nie habe ich nachgeschaut, woher die Worte "Ferien" und "Urlaub" ursprünglich kommen. Was mir immer schon aufgefallen ist: In der Schweiz werden die Begriffe anders verwendet als in Deutschland und Österreich. Wenn man in Deutschland oder Österreich davon spricht, man fahre in den Urlaub, dann sagen die Schweizerinnen und Schweizer, dass sie in die Ferien gehen. Warum ist das so? Es ist an der Zeit, dieser weltbewegenden Frage auf den Grund zu gehen.

"Urlaub" ist abgeleitet vom Althochdeutschen "Urloup" und bedeutet im Wesentlichen "Erlaubnis". Wikipedia gibt einige Beispiele dazu, wobei das folgende das Erhellendste ist: "Eine weitere Überlieferung ist, wenn die Ernte (aus der Land- oder Weinwirtschaft) eingebracht war, konnten die Knechte und Mägde zum Altbauern, dem 'Ur' gehen und um Er'laub'nis fragen. Gab dieser die Erlaubnis, wurde auch oft zugleich ein 'Trinkgeld' zur Vergnügung mit ausbezahlt." Beim Wort "Urlaub" ist also die "Erlaubnis" und der die Erlaubnis erteilende "Dienstherr" in einem Wort zusammengefasst.

Dagegen ist "Ferien" ein lateinisches Lehnwort von "feriae" und wurde ursprünglich für die religiösen, wiederkehrenden Feiertage gebraucht. Das lateinische "feriae" soll seinerseits eine Zusammensetzung der Begriffen "fanum" (fanatisch) und "festus" (Fest) sein. Wenn das so ist, dann wurde also schon in römischer Zeit die Religion mit Fanatismus verbunden. Aber das ist ein anderes Thema.

Genau diese Unterscheidung von "Urloup" und "feriae" wird nun in Deutschland und Österreich weiterhin gemacht. Dort sind Ferien Tage, an denen die Institutionen wie Parlament, Schule und Universitäten schliessen. Alle Personen in diesen Institutionen haben frei. Und so spricht man im ganzen deutschsprachigen Raum etwa von "Schulferien". "Urlaub" dagegen wird für die Tage verwendet, die man individuell beziehen kann. Also die Zeit, in der eine Person mit Erlaubnis des oder der Vorgesetzten nicht arbeiten muss. Eben deshalb fährt man in Deutschland und Österreich nicht etwa in die Ferien, sondern in den Urlaub. Das kann in den Schulferien geschehen, muss aber nicht.

In der Schweiz wird diese Unterscheidung zwischen Ferien und Urlaub nicht mehr gemacht. Dort hat man "Ferien", genauer: man "geht in die Ferien" und das meist in der Zeit der Schulferien. Nebenbei: Die Deutschen "fahren" in den Urlaub. Die Schweizerinnen und Schweizer "gehen" in die Ferien. Wird da die Autovernarrtheit der deutschen Bürgerinnen und Bürger sprachlich sichtbar?

Nun: Die jährlich wiederkehrenden Feiertage werden heute meist nicht mehr mit dem "Urlaub" in Verbindung gebracht und auch nicht mit Fanatismus. Aber "Frei feiern", das tun wir an Feiertagen immer noch.

Wie auch immer freue ich mit auf die Ferien (oder eben auf den Urlaub), notabene währen der schulfreien Zeit. Ich habe also Ferien und Urlaub auf einmal. Das kann ja nur doppelt gut werden.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Sonntag, 13. März 2022

Feiern am Feiertag

Ein Zitat

Begehbares Labyrinth in St. Gallen anlässlich des Jubiläums der Pilgerherberge 2018
Foto © Jörg Niederer
"Dein Lied ist Morgentau, der über Rosen fließt. / Doch weißt du, Freund, daß Tau – auch Wasser ist?" Johann Heinrich Voß (1751-1826), Deutscher Dichter

Ein Bibelvers - Jesaja 62,3

"Du wirst eine prächtige Krone sein, ein königlicher Stirnreif, den der Herr in seiner Hand hält."

Ein Anregung

Das Bild zum heutigen "Photo-a-day"-Wort "feiern" (englisch: celebrate) weist auf die besondere Stellung des Sonntags als Feiertag hin.

Feiern lässt es sich sehr verschieden. So etwa beim schweigenden durchschreiten eines grossen, begehbaren Labyrinths. Oder mit viel Musik und Gesang. Letzteres gibt es heute im Gottesdienst in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen mit einer Zeit der Anbetung und des Gebets. Leiten werden uns Angie am Klavier und Attila an der Gitarre. Dabeisein kann man vor Ort ab 10.15 Uhr. 

Und hier gibt es einen musikalischer Vorgeschmack aus der Feder des Duos: "Yours ist the Crown". 

Morgen folgt ein Bild zum Wort "Geschenk" (present).


Photo-a-day Lent 2022: Eine methodistische Webseite schlägt für die Fastenzeit vor, jeden Tag ein Foto zu teilen, das von einem bestimmten Wort inspiriert ist. Diese Sache nennt sich "Photo-a-day Lent 2022". So könne man sich der Fastenzeit auf eine neue Weise annähern. Die Bilder soll man mit #rethinkchurch taggen. Weitere Erklärungen zum Bild brauche es nicht.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde