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Sonntag, 17. August 2025

Festsonntag

Ein Zitat

Altarraum der Reformierten Kirche Steckborn.
Foto © Jörg Niederer
"Erfolge muss man langsam löffeln, sonst verschluckt man sich an ihnen." Erika Pluhar (*1939)

Ein Bibelvers - Micha 6,8

"Es wurde dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir erwartet: das Rechte tun, Nachsicht mit anderen haben und bewusst den Weg mit deinem Gott gehen."

Eine Anregung

Das Setting kenne ich gut. Wie oft bin ich schon in Kirchen vorn gestanden. Nicht immer gab es da einen Altarraum. Aber immer war klar, was man von mir erwartete. Heute stehe ich ein letztes Mal als Pfarrer der Methodistenkirche St. Gallen vor der Gemeinde. Ich freue mich und bin zugleich auch etwas traurig. Wen werde ich in diesem Gottesdienst alles antreffen? Ich bin gespannt.

Wer kommen möchte, ist herzlich eingeladen um 10.30 Uhr an der Kapellenstrasse 6 in 9000 St. Gallen. Nach dem Gottesdienst wird es ein Mittagessen geben, zu dem alle willkommen sind.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Donnerstag, 31. Juli 2025

Trüber Tag in bunter Stadt

Ein Zitat

Das Gemälde am Rathaus von Stein am Rhein zeigt den dort predigenden Huldrych Zwingli.
Foto © Jörg Niederer
"Glück entsteht oft durch Aufmerksamkeit in kleinen Dingen, Unglück oft durch Vernachlässigung kleiner Dinge." Wilhelm Busch (1832-1908)

Ein Bibelvers - Prediger 7,21

"Beachte nicht das Gerede, das es überall gibt! Dann wirst du auch nicht hören, wie dein eigener Sklave über dich flucht."

Eine Anregung

Gestern landeten wir unerwartet in Stein am Rhein, in diesem touristisch überlaufene Schweizer Städtchen auf deutscher Seite des Rheins. Es war ein trüber Tag, doch die Fassadenmalereien des Ortes machten ihn abwechslungsreich.

Wer aus der Stadtkirche Stein am Rhein durchs Hauptportal ins Freie tritt, sieht vor sich auf der rechten Strassenseite das Rathaus mit einem seiner Gemälden. Das Fresko stellt den Zürcher Reformator Huldrych Zwingli dar, wie er in diesem Städtchen predigte.

Stein am Rhein war eine der ersten Städte, welche sich der Zürcher Reformation anschlossen. Dies führte in der Folge zum Sturm auf die Kartause Ittingen (Siehe dazu Blogbeitrag vom 19. Juli!).

Auch in Stein am Rhein wurde die Reformation kürzlich gefeiert. Auf einer Webseite kann man sich einen Überblick verschaffen. Besonders die Videos sind aufschlussreich.

Am Gemälde fallen mir die aufmerksam zuhörenden Menschen aus allen Ständen auf.

Mögen auch wir heute aufmerksam durch den Tag gehen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Montag, 25. Juli 2022

Der letzte Jude von Wangen

Ein Zitat

Der jüdische Friedhof von Wangen auf der deutschen Seite des Untersees.
Foto © Jörg Niederer
"Meine Eltern waren eigentlich beiden nicht fromm. Wir haben natürlich als Kinder gebetet, aber das haben uns die Dienstmädchen beigebracht." Hannelore König, Tochter von Nathan Wolf und Auguste Neuhaus

Ein Bibelvers - 1. Mose 23,19

"Anschließend bestattete Abraham seine Frau Sara in der Höhle auf dem Grundstück in Machpela. Das liegt östlich von Mamre bei Hebron im Land Kanaan."

Ein Anregung

Im Ort Wangen auf der deutschen Seite des Untersees lebten seit dem 17. Jahrhundert Juden. Anfang des 19. Jahrhunderts setzte sich die jüdische Gemeinschaft aus einem Drittel der Bevölkerung zusammen. Es gab eine jüdische Schule und auch eine Synagoge. 

1971 starb Selma Wolf, die letzte weibliche Jüdin des Dorfes, ein halbes Jahr nach ihrem berühmteren Bruder Nathan Wolf, dem letzten männlichen Juden.

Gestern standen wir auf unserer Wanderung vor den Mauern des jüdischen Friedhofs von Wangen. Er befindet sich in einem wuchernden Wald, und ist über eine verfallende Forststrasse erschlossen. Mit grossem Respekt haben wir einen Blick auf die Grabstätte geworfen.

Über die Familie Wolf aus Wangen gibt es umfangreiches Material im Internet. Dazu einige Beobachtungen. 

Nebst Selmas und Nathans Grab findet sich auch das von einem weiteren Bruder, von Wilhelm Wolf auf dem besagten Friedhof. Er nahm sich 1920 im Alter von 33 Jahren das Leben. Auf seinem Grabstein steht: "ein herzensguter Sohn und Bruder / ein tapferer Krieger / ruht hier in der geliebten Heimat-Erde". Speziell auf diesem Grabstein ist ein Kreuz, das aber wohl nicht christlich zu verstehen ist. Es hat die Form eines typischen deutschen Verdienstkreuzes.

Die Familie Wolf war sehr patriotisch eingestellt. Nathan kämpfte mit Überzeugung im 1. Weltkrieg. Er war Arzt und mit Auguste Neuhaus, einer Katholikin, verheiratet. Sie hatten zwei Kinder, die während des Nationalsozialismus als Halbjuden und Kinder einer Arierin nichts zu befürchten hatten. Nathan dagegen schon, wurde er doch nach dem Brand der Synagoge in der Reichskristallnacht vorübergehend in Dachau inhaftiert. Während der Kriegsjahre lebte er im Schweizer Exil in Stein am Rhein. Weil er einer Berliner Jüdin bei der Flucht half, wurde er von den Schweizer Behörden zu einer Gefängnis- und Geldstrafe verurteilt – wegen "Emigrantenschlepperei". Nur knapp entging er der Ausweisung aus der Schweiz.

Nach 1945 kehrte er nach Wangen zurück, wo er durch die französische Besatzung vorübergehend als Bürgermeister eingesetzt wurde. Für den Ort blieb er aber vor allem als Arzt von Bedeutung. Abenteuerlustig war er auch in späteren Jahren. Im Februar 1956 fuhr er mit seinem Auto über den zugefrorenen Untersee nach Steckborn. Kurz vor erreichen des Ziel brach das Auto im Eis ein und versank. Es gibt davon Fotos auf der Webseite über die Familie. 1962 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz verliehen. 1970 verstarb er 88-jährig. Auf seinem Grabstein kann man lesen: "Hier ruht der letzte Jude des Dorfes. Bald wird Gebüsch den Stein bedecken. Doch wird sein Grab nicht vergessen werden. Denn mehr als er liegt hier begraben."

Erst 2004, 34 Jahre nach seinem Tod und mehr als 60 Jahre nach dem Strafurteil, hob die Schweiz das besagtes Urteil wegen Fluchthilfe wieder auf.

Vieles mehr kann man von dieser bedeutenden jüdischen Familie auf der Höri, der Halbinsel zwischen Radolfzell und Stein am Rhein erfahren, wenn man sich in die Bilder, Tondokumente und Texte auf der Webseite vertieft, die Anne Overlack verdienstvoller Weise zusammengetragen hat.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Dienstag, 7. Dezember 2021

Auf Krippensuche

Ein Zitat

Ein lebender Esel an einer Weihnachtskrippe
Foto © Jörg Niederer
"Ich fange bei der Krippe an." Martin Luther (1483-1546)

Ein Bibelvers - Lukas 2,7

"Maria brachte ihren ersten Sohn zur Welt. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Futterkrippe. Denn sie hatten in der Herberge keinen Platz gefunden."

Ein Anregung

Man muss kein Esel sein, um sich für Weihnachtskrippen zu begeistern.

Wer die ganze Vielfalt an Kreativität erleben will, kann dies in der KrippenWelt im Städtchen Stein am Rhein tun. Die Sammlung umfasst 800 Weihnachtskrippen aus aller Welt, wovon nie alle gleichzeitig ausgestellt sind.

Weihnachtskrippen gib es seit dem Mittelalter. Sie entwickelten sich aus nachgespielten Szenen der Bibel, wobei Franziskus von Assisi als Erfinder der eigentlichen Weihnachtskrippe gilt. Er gesellte zum lebensgrossen Jesuskindchen in einer Futterkrippe noch je einen lebendigen Esel und einen Ochsen. Die älteste erhaltene Krippendarstellung befindet sich in einem Seitenschiff der Kapelle Santa Maria Maggiore in Rom. Dargestellt wird in diesem Werk mit verstellbaren Alabasterfiguren aus dem Jahr 1291 die Anbetung der drei Weisen aus dem Morgenland. Damit ist diese Krippe so alt wie der Bundesbrief, das ältestes Verfassungsdokument der Schweiz.

Heute gehören Weihnachtskrippen zum Brauchtum und werden zugleich in einer multikulturellen und säkularen Welt immer weniger verstanden.

An den nächsten beiden Wochenenden kann man im Rahmen der Weihnachtsreise in St. Gallen auf dem Klosterplatz eine lebendige Weihnachtskrippen-Szene besuchen. Natürlich könnte man anlässlich der Familienweihnachtsfeier den Besuch der Hirten beim neugeborenen Heiland auch gleich selbst darstellen und dann in Fotos festhalten. Oder man bastelt sich aus Müll und Resten eine eigene, ganz besondere Weihnachtskrippe. Derart kreativ vergeht die Zeit schnell bis zum 24. Dezember. Ab dann sind in St. Gallen wieder die Krippenwege eingerichtet. In diesem Jahr sind die beiden Routen zu vier besonderen Krippen interreligiös angereichert. Gerade auch mit Kindern kann viel entdeckt werden auf dem zweistündigen Weg zu weihnachtlichen Höhepunkten.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde