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Donnerstag, 27. Januar 2022

'Kindersicherung' für Peking

Ein Zitat

Wintersport am Schweizer Fernsehen
Foto © Jörg Niederer
"China hat die Heuchelei und Untätigkeit des Westens in Menschenrechtsfragen gesehen, deshalb sind sie noch kühner, skrupelloser und rücksichtsloser geworden." Ai Weiwei, Chinesischer Künstler

Ein Bibelvers - Amos 5,23+24

Gott spricht: "Lasst mich in Ruhe mit dem Lärm eurer Lieder! Auch euer Harfenspiel mag ich nicht hören! Vielmehr soll das Recht wie Wasser strömen und Gerechtigkeit wie ein Bach, der nie versiegt."

Ein Anregung

Ich wünsche mir so etwas wie eine "Kindersicherung" für die Olympischen Spiele in Peking. Also ein Filter, der verhindert, dass ich diesen Sportanlass beim Fernsehen, im Internet und in den Medien finde. 

Es gibt mehrere Gründe, warum ich das möchte. Der Entscheidende ist, dass es mich anwidert, dass solche Spiele in einem Land ausgetragen werden, in dem Menschenrechte mit Füssen getreten werden. Natürlich, Unrecht kommt in jedem Land vor, auch im eigenen. Aber in China werden tausende Menschen "umerzogen", weil sie als Uiguren geboren sind. Das Tian'anmen-Massaker wird bis heute geleugnet, die Demokratie in Hongkong zum Verschwinden gebracht, eine kolonialistische Aussenpolitik verfolgt, mit Säbeln gerasselt gegenüber Taiwan und noch viel mehr. All das ist mit meinen christlichen Moralvorstellungen unvereinbar.

Wenn dann eine Schweizer Delegation all dies in den Wind schlägt, weil es ihr Ziel ist, 15 metallene Medaillen bei Sportwettkämpfen zu gewinnen, dann ist das aus meiner Sicht obszön. Um im Jargon des Sports zu bleiben: Das ist unsportlich und menschenverachtend. So gerne ich Wintersport schaue, das will ich nicht auch noch durch meinen Konsum unterstützen.

Und da diese Doppelmoral der Verbände weitergeht mit der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar, lechze ich nach diesem Filter, mit dem ich mich nicht weiter besudeln lassen muss von Aussagen wie der, Sport habe nichts mit Politik zu tun.

Strahlt von mir aus in dieser Zeit alle Sandmännchen-Sendungen der Fernsehgeschichte aus. Da wissen wir wenigsten von Anfang an, dass man uns Sand in die Augen streuen will.

So, das musste ich einfach einmal loswerden. Und ich verspreche: Morgen gibt es wieder etwas Auferbauenderes.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Freitag, 20. August 2021

Lachen, bis Tür und Herz sich öffnen

Ein Zitat

Mit Lächeln in ein neues Lebensjahr eintreten
Foto © Jörg Niederer
"Wir alle müssen sichergehen, dass wir KI [Künstliche Intelligenz] zum Wohle der Menschheit nutzen und nicht umgekehrt." Tim Cook, CEO bei Apple

Ein Bibelvers - Jeremia 11,20a

"Doch du, Herr Zebaot, bist gerecht. Du prüfst Herz und Nieren."

Ein Anregung

Immer mehr Zugänge in Geschäftshäuser sind mit einer Gesichtserkennung versehen. Beim Kamerahersteller Canon China ist das auch so. Nur dass es dort Büros gibt, in die man nur mit einem freundlichen Gesicht hineinkommt. Die Künstliche Intelligenz erkennt, ob eine Person lächelt, und öffnet dann die Tür. Ohne Lächeln gibt es durch die "Smile Recognition"-Technologie keinen Einlass.

Begründet wird das damit, dass Lächeln die Gesundheit erhöhe, entspanne und und die Arbeitsmoral der Mitarbeitenden steigere. Ob auch erkannt wird, ob das Lächeln echt ist oder gestellt, wird nicht gesagt.

Ich orte noch weitere Anwendungsbereiche. Militärische Einrichtungen könnten nur Personen Einlass gewähren, die den Ramboblick vorzeigt. In Neuseeland käme man in die Einrichtungen der Maori, wenn man die Zunge wie beim Haka-Tanz weit hinausstreckt. Altersheime würden sich öffnen, wenn mindestens 50% des Gesichts mit Runzeln bedeckt wären. An Kirchentüre müsste man möglichst unschuldig in die Kamera schauen. Aber auch Weinenden könnte die Tür geöffnet werden. Priesterseminare blieben zu, würde eine Frau vor dem Eingang auftauchen. In Luxushotels müsste statt des Gesichts die mindestens 5'000 Franken teure Uhr der elektronischen Eingangskontrolle vorgezeigt werden.

Doch mit dieser Technik würde noch lange nicht erfasst, wie es im Herz eines Menschen aussieht. Fragt sich, ob das wünschenswert ist oder nicht, dass es noch keinen verlässlichen Detektor für die Güte der Menschen gibt? Was denkst du?

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde