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Sonntag, 29. September 2024

Es reise, wer trotzdem lacht?

Ein Zitat

Die letzte Tür der Zugskomposition sollte während der Fahrt nicht geöffnet werden.
Foto © Jörg Niederer
"Trage Freude in deinem Herzen und du kannst jeden Moment verzaubern!" Daniela Irrek

Ein Bibelvers - Prediger 7,14

"Am Glückstag sei guter Dinge, am Unglückstag aber denke daran: Den einen wie den anderen hat Gott gemacht. Deshalb verhalte dich entsprechend. Denn kein Mensch kann herausfinden, was die Zukunft bringt."

Eine Anregung

Der Bahnbetrieb nach und von Wien ist nach wie vor unwetterbedingt stark beeinträchtigt und wird es wohl noch über Monate bleiben. Zu Dritt versuchen wir, die Schweiz irgendwie noch vor dem Sonntagmorgen zu erreichen.

In Wien fällt der reguläre Zug Richtung Schweiz aus. Der Ersatzzug hat 35 Minuten Verspätung, die Sitzplatzreservationen haben ihre Gültigkeit verloren. Zum Glück ist in der 1. Klasse genügen Platz.

Kaum setzt sich der Zug mit Ziel Salzburg in Bewegung, werden alle Fahrgäste Zeug:innen eines Telefonanrufs eines wohl älteren Mannes. Im sympathischen Österreicher Dialekt teilt er der Anruferin oder dem Anrufer mit: "Ich sitz jetzt im Zug, aber er fährt nicht. Wenigstens sitze ich hier, aber er fährt nicht." Spätestens jetzt schmunzeln alle im Zug, und schauen sich gegenseitig an. "Wir sind nicht mal bis Wien Meidling gekommen", geht das Telefonat weiter: "Gerade mal zwei Minuten ist er gefahren." Dann nach einer kurzen Pause: "Echt gemütliche Sitze, da kann man übernachten. Ah, jetzt fährt er. Du, jetzt fährt er. Mal schauen, wie lange." Nach diesen Worten herrscht gute Stimmung im Wagon.

Zum Foto: Es ist zuvor im Zug von Budapest nach Wien entstanden. An der hintersten Tür hängt einer der gelben Zettel und vermeldet, dass die Tür nicht benützt werden könne. Für alle, die das nicht von sich aus gesehen haben, ist es ein überlebenswichtiger Hinweis. Ich jedenfalls habe es tunlichst vermieden, auszuprobieren, ob die Tür sich nicht doch öffnen lässt.

Humor, freiwilliger und unfreiwilliger, kann über manche Unannehmlichkeiten hinweg trösten. Ich wünsche euch heute Sonntag gute Momente, voller Heiterkeit und Freude. 

Nun noch die Auflösung der gestrigen Frage: Die Zentralkonferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche von Mittel- und Südeuropa, die vom 12.-16. März 2025 in Winterthur tagt, steht unter dem Thema "Schalom mit euch!".

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Donnerstag, 28. März 2024

Der heilige Gral

Ein Zitat

Kanzel im Stephansdom Wien
Foto © Jörg Niederer
"Nur einer ist euer Führer, Jesus Christus!" Predigtbotschaft am 7. Oktober 1938 im Stephansdom Wien durch Kardinal Theodor Innitzer (1875-1955)

Ein Bibelvers - Offenbarung 2,7

"Wer ein Ohr dafür hat, soll gut zuhören, was der Geist Gottes den Gemeinden sagt: 'Wer siegreich ist und standhaft im Glauben, dem gebe ich vom Baum des Lebens zu essen. Das ist der Baum, der in Gottes Paradies steht.'"

Eine Anregung

Da steht er also, der Heilige Gral! Selten ist mir die Kelchform der Kanzel so sehr aufgefallen, wie im Stephansdom in Wien. Nach der Mythologie ist der Gral eine "geheimnisvolle, wundervolle Schale, aus Stein oder Kristall, die immer nur Auserwählten oder Berufenen sichtbar ist". So steht es im Wiktionary-Beitrag dazu. Als heiliger Gral wird eine Schale bezeichnet, welche beim letzten Abendmahl von Jesus verwendet worden sein soll.

Dass eine Kanzel dem Kelch nachempfunden ist, der bei der Eucharistie- oder Abendmahlsfeier verwendet wird, ist irgendwie naheliegend. Man denke an die nach katholischer Lesart erfolgende Verwandlung von Wein in das Blut Christi. Aus etwas Profanem wird durch den feierlichen Nachvollzug des letzten Abendmahls etwas Heiliges, Verbindendes. 

So kann man sich vorstellen, dass im Kanzelkelch einer Kirche durch den Mund von Verkündigerinnen und Verkündiger kluge und wortgewandte Reden zu heiligem Wort Gottes werden. Es geschieht eine Verwandlung. Mitten in der wortlärmigen Welt wird an diesem einen Ort Sprache zu Hoffnung, bekommen Wortfetzen Sinn, geben Halt und Weisung.

So wie damals in Wien, als Kardinal Theodor Innitzer - er unterstützte den Anschluss Österreichs an Hitlerdeutschland und läutete die Glocken, als Hitler 1938 Wien besuchte, weiter bezeichnete er diesen als "von Gott gesandten Führer" - von der Kanzel im Stephansdom vor 9000 Jugendlichen verkündigte: "Nur einer ist euer Führer, Jesus Christus!". Das war wohl auch eine Art Verwandlung, die da im Kanzelkelch geschehen ist. Oder war sich der Kardinal der Brisanz seiner Worte nicht ganz bewusst? Jedenfalls stürmten am folgenden Tag Trupps der Hitlerjugend das erzbischöfliche Palais.

1940 gründete ebendieser Kardinal Innitzer die Erzbischöfliche Hilfsstelle für nichtarische Katholiken. Durch deren Einsatz konnten hunderte katholischen "Nichtarier" ins sichere Ausland fliehen.

Möge also der "Kelch Christi" noch manche Wandlung vom Bösen zum Guten bewirken.

Übrigens: Wer die Kanzel in Stephansdom besteigt, sieht auf dem Geländer der Treppe, die hinaufführt, wie die Eidechsen und Lurche (sie stehen für das Gute) gegen die aus dem Sumpf entstiegenen Frösche (sie stehen für das Böse) kämpfen. Geschieht da auf dem Weg zur Verkündigung auch ein innerer Kampf von Gut gegen Böse?

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Dienstag, 26. März 2024

Verharmlosungen

Ein Zitat

Kruzifixe im Laden des Stephansdoms in Wien.
Foto © Jörg Niederer
"Gestern standen wir noch am Abgrund. Heute sind wir schon einen Schritt weiter." Quelle unbekannt

Ein Bibelvers - Johannes 11,49+50

"Zum jüdischen Rat gehörte auch Kaiphas, der in dem Jahr der Hohepriester war. Er sagte: 'Ihr versteht gar nichts! Ihr bedenkt auch nicht, dass es besser für euch ist, wenn ein Mann für das Volk stirbt – besser, als wenn das ganze Volk vernichtet wird.'"

Eine Anregung

Immer, wenn verharmlosende Worte verwendet werden, soll auch etwas verschleiert werden. Sehr schön ist das zu sehen bei den Berichten über die "proaktive" Wolfsjagd dieses Winters. Dabei bedeutet "proaktiv", dass man die Wölfe schiesst, obwohl die meisten von ihnen noch keinen Schaden an Nutztieren angerichtet haben. Auf diesem Weg versuchte die Jägerschaft ganze Rudel zu "entnehmen". Ein weiterer Euphemismus. "Entnehmen" bedeutet in diesem Fall "Totschiessen". Warum sagt man es dann nicht so, wie es ist? Aktuell zeigt sich, dass die Ausrottung von Rudeln in vielen Fällen nicht gelungen ist. Sogar Leitwölfe scheinen den Jägern entgangen zu sein. Auch mit dem Reden von "Leitwölfen" wird etwas verschleiert, nämlich dass es sich dabei um die Elterntiere handelt, die mit dem eigenen Nachwuchs ein Rudel bilden. Übrigens bedeutet "proaktiv" auch: Man kann uns wenigstens keine Untätigkeit vorwerfen.

Bei der Kreuzigung von Jesus – wir befinden uns ja in der Karwoche – war das wohl auch so. Auch da wurde "proaktiv" gehandelt, bevor "grösserer Schaden" hätte am ganzen Volk entstehen können. Auch da wurde ein "Opfer" gebracht, damit die Welt nicht "untergeht". Damit sind wir bei einem weiteren Merkmal der Verschleierung angekommen. Zum euphemistischen Reden hinzu tritt das Schwarzmalen. Die möglichen Folgen aus einer Untätigkeit werden dramatischer dargestellt, als sie zu erwarten sind. Dieses Gegenteil eines Euphemismus nennt man Dysphemismus.

Eine euphemistische Wirkung hat aber auch die tausendfache Wiederholung. Die unzähligen Kruzifixe und Kreuze im christlichen Umfeld führen in einen Gewöhnungsprozess, stumpfen ab. Der Schrecken der Kreuzigung, dieser sehr brutalen römischen Hinrichtungsart, dritt in den Hintergrund, wird gar zu einer Devotionalie, einem Gegenstand der Anbetung. Oder die Kruzifixe und Kreuzigungsbilder werden zu schönen Werken, werden ästhetische Kunst oder kitschige Karikatur, werden vergoldet und versilbert. Auch das ist eine Form des Ausweichsens, des Übertünchens, des Verschleierns.

Da stellt sich die Frage: Gelingt es mir, die Kreuzigung von Jesus als das zu sehen, was sie wirklich war? Gelingt es mir, diese von all der Weichwascherei zu befreien und ihr auf den kaum auszuhaltenden Grund zu gehen?

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Freitag, 22. März 2024

Wien und das jüdische Erbe

Ein Zitat

Ein erleuchteter Davidstern auf einem Mast erinnert in Wien an die einstige jüdische Gesellschaft und Kultur.
Foto © Jörg Niederer
"Antisemitismus ist keine Meinung. Er ist eine Perversion. Eine Perversion, die tötet." Jacques Chirac (1932-2019) anlässlich einer Rede zur Einweihung des Holocaust-Mahnmals in Paris am 25. Januar 2005

Ein Bibelvers - Esther 3,6

"Man hatte Haman gesagt, zu welchem Volk Mordechai gehörte. Nun wollte Haman alle Juden vernichten, die irgendwo im Reich von König Xerxes wohnten. Denn sie waren das Volk, zu dem Mordechai gehörte."

Eine Anregung

Erst als mich mein Wiener Kollege Stefan Schröckenfuchs auf sie aufmerksam gemacht hatte, sind sie mir aufgefallen. Die Mahnmale bei einstigen jüdischen Einrichtungen. Am Tag und aus seitlicher Distanz sehen sie wie wirre, an verwelkende Blumen erinnernde Stahlrohrrosetten auf einem Mast aus. Erst wenn man darunter steht und nach oben schaut, formt sich aus dem Rohrgewirr ein Davidsstern. In der Nacht leuchtet er wie eine Lampe die Umgebung aus. Jeden Tag bin ich vom Hotel zur Kirche an einem dieser Sterne vorbeigekommen, da wo einst der Storchentempel in die Häuserzeile integriert war. Wie viele andere wurde er 1938 durch die Nationalsozialisten zerstört.

Die Evangelisch-methodistische Kirche Wien Fünfhaus befindet sich in einer einst stark jüdisch geprägten Gegend. Auf dem Weg in die Innenstadt kamen wir auch einmal an der 2011 künstlerisch gestalteten Gedenkstätte für den ebenfalls 1938 mit Handgranaten in Brand gesetzten Turnertempel vorbei, die überhaupt dritte, in Wien gebaute Synagoge. Bei Wikipedia lese ich: "Im Jahr 1935 gab es in Wien 6 Tempel, 89 Bethäuser, 55 zeitweilige Beträume, 55 Sprach- und Bibelschulen, 18 Seelsorger, 73 Religionslehrer und 117 religiöse Vereine... Insgesamt verfügte Wien in den Jahren vor 1938 bei einer Gesamtbevölkerung von knapp zwei Millionen über einen jüdischen Bevölkerungsanteil von rund 10 % bzw. rund 200.000 Personen. Nach 1945 zählte Wien etwa 5.000 jüdische Einwohner, bei der letzten Volkszählung 2001 waren es rund 7.000, das sind weniger als 0,5 %." 

1938 steht für den Auftakt einer beispiellosen Zerstörung jüdischen Lebens in Europe durch die Nationalsozialisten. In Wien und an vielen Orten ist es augenfällig.

Heute werden die Stimmen wieder lauter, die auf irreale Weise den Juden die Schuld am Elend in der Welt geben. In vielerlei Hinsicht ist dies eine Täter-Opfer-Umkehr. Am selben Tag, an dem wir den Platz beim einstigen Turnertempel passierten, begegneten wir bei der Hofburg einem kleinen, aber lautstarken Umzug von systemkritischen Menschen und Verschwörungsgläubigen. Allen voran drei, vier Freiheitstrychler, die vielleicht extra dafür aus der Schweiz angereist waren. Diese zusammengewürfelten Menschengruppen sind ein fruchtbarer Nährboden für den Antisemitismus.

Als christliche Kirchen ist es gut, wenn wir an den Seiten all der Menschen stehen, die allein ihres Glaubens und ihrer Herkunft wegen verleumdet und verfolgt werden. Dazu gehören nebst den Christinnen und Christen in vielen Ländern bei uns immer auch die jüdischen und muslimischen Menschen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Donnerstag, 21. März 2024

Safe oder Impro

Ein Zitat

Handwerker auf Rollkoffer in einer Wiener U-Bahn-Unterführung.
Foto © Jörg Niederer
"Improvisation ist zu gut, um sie dem Zufall zu überlassen." Paul Simon (*1941), Musiker

Ein Bibelvers - 2. Korinther 1,21-22

"Gott selbst ist es, der uns gemeinsam mit euch im Glauben an Christus festigt. Er hat uns gesalbt und uns sein Siegel aufgedrückt."

Eine Anregung

Das ist wohl nicht ganz Suva-konform, wie hier der Arbeiter seinen Rollkoffer nutzt. Aber in Wien ist ja auch nicht die Suva zuständig. Improvisationstalent jedenfalls hat der Mann.

Das ganze Leben ist doch immer wieder ein Abwägen zwischen Sicherheit und Wagnis, zwischen Improvisation und Regelkonformität. Manche wählen meist den sicheren Weg, aber nicht immer. Waghalsige versuchen die Grenzen auszuloten, aber nicht immer. Kein Mensch macht immer alles richtig und gut, und kein Mensch ist nur verkehrt unterwegs.

Wieviel Sicherheit brauchst du in Glaubensfragen? Wie beweglich und situativ bist du, weil du an Gott glaubst? Ist ein Mensch, der glaubt, risikofreudiger oder sicherheitsorientierter? Anders gefragt: Gibt dir der Glauben an Gott Halt, oder verunsichert er dich?

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Mittwoch, 20. März 2024

Bäcker unter Wasser

Ein Zitat

Zweierlei Ellenmasse und eine als Brotmass bekannte, kreisförmige Anomalie finden sich auf der linken Seite des Hauptportals in den Stephansdom von Wien.
Foto © Jörg Niederer
"Bäckerlein, Bäckerlein, / Lass dein Brot gewichtig sein! / Sonst zieh'n wir dich bei Schnee und Wind / Zur Donaulände hin geschwind." Aus einem Spottlied beim Bäckerschupfen

Ein Bibelvers - 1. Mose 40,16+17

"Als der Hofbäcker die erfreuliche Deutung hörte, sagte er zu Josef: 'Auch ich hatte einen Traum. Ich trug drei Körbe mit feinem Gebäck übereinander auf dem Kopf. Im obersten Korb lagen Backwaren für den Pharao. Doch die Vögel fraßen sie auf – aus dem Korb auf meinem Kopf heraus.'"

Eine Anregung

Gleich links vom Haupteingang in den Wiener Stephansdom sind zwei Gusseisenstangen waagrecht in die Mauer eingelassen. Dabei handelt es sich um früher übliche Längenmasse. Oben findet sich die kleine Tuchelle (776 mm) oder Wiener Elle (777,6 mmm), unten die grosse Leinenelle oder Brabanter Elle (896 mm). Dass die Tuchelle um 1,6 mm von der Wiener Elle abweicht, ist auffällig. Die Brabanter Elle hängt wohl mit flandrischen Tuchhändlern zusammen, welche um 1200 ein Handelsprivileg in Wien erhielten. Letzteres Mass war später nicht mehr in Gebrauch. Händler und Kunden konnten also hier öffentlich ihre Stoffe abmessen und kontrollieren.

Über den Ellen findet sich ein Kreis, der unter den Wienern als "Brotmass" bekannt ist, in Wirklichkeit aber nichts mit Brot zu tun hat. Dieser Kreis soll die Normgrösse des Brotes darstellen, an die sich ein Bäcker zu halten hatte. Tatsächlich sind es Einritzungen eines beweglichen Hackens, mit dem auf beiden Seiten des Haupteingangs das Eisentor, das es früher hier gab, befestigt wurde. Durch die Verwendung des Hackens zeichneten sich dessen Spuren eben kreisrund auf dem Sandstein ab.

Eine andere Sache aber gab es zwischen dem 13. Jahrhundert und dem Jahr 1773 in Wien wirklich: Das Bäckerschupfen. Bäcker, die beim Brotmass oder Brotgewicht betrogen, wurden in einem Käfig mehrfach in der Donau untergetaucht. Für den Bäcker war das gar nicht lustig. Beim Untertauchen wurde er mit Spott der Zuschauenden belegt. Auch historisch gesichert ist, dass es beim Bäckerschupfen in Wien mindestens einmal zu einem tödlichen Unfall gekommen war. Diese Strafe war folglich in der Bäckerzunft noch gefürchteter als Geldstrafen, Schandmasken und Pranger.

Dass es Bäcker auch schon zu Pharaos Zeiten schwer hatten, davon zeugt die biblische Josefsgeschichte. Darin wird einem inhaftierten Bäcker, der beim Pharao in Ungnade gefallen war, durch Josef ein Traum gedeutet mit dem Ergebnis: Todesstrafe durch Erhängen. So kam es dann auch.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Dienstag, 19. März 2024

Der Fahrstuhl nach oben ist besetzt...

Ein Zitat

Der Friedhof von Wien Meidling grenzt unmittelbar an den dortigen Bahnhof.
Foto © Jörg Niederer
"Oh, du lieber Augustin, Augustin, Augustin, / Oh, du lieber Augustin, alles ist hin. / Und selbst das reiche Wien, / Hin ist's wie Augustin; / Weint mit mir im gleichen Sinn, / Alles ist hin!" Wiener Volkslied

Ein Bibelvers - 1. Thessalonicher 4,16-17

"Der Herr selbst wird vom Himmel herabsteigen – wenn der Befehl ergeht, die Stimme des Erzengels erklingt und die Trompete Gottes ertönt. Dann werden zuerst die Toten auferweckt, die zu Christus gehören. Und danach werden wir, die dann noch am Leben sind, zusammen mit ihnen weggeführt. Wir werden auf Wolken in die Höhe emporgetragen, um dem Herrn zu begegnen. Dann werden wir für immer beim Herrn bleiben."

Eine Anregung

Unten Zugreisende, oben Gräber: Der Bahnhof Wien Meidling grenzt unmittelbar an den dortigen Friedhof. Und wieder zeigt sich in Österreichs Hauptstadt dieser vertraute Umgang der Lebenden mit den Toten. "Wien hat etwas Morbides", hat mir am Abend zuvor ein einheimischer Pfarrkollege gesagt. Hier wird es einmal mehr sichtbar. 

Da ist auch noch das Fahrstuhlsymbol auf Friedhofshöhe. Mir kommt das Lied vom Hazy Osterwalder Sextett in den Sinn: "Der Fahrstuhl nach oben ist besetzt, wir müssen warten". Zweifellos müssen sie warten, die Verstorbenen. Warten auf den Tag, an dem es - wie wir so sagen - nach oben geht, Gott und dem Himmel entgegen.

Eine Liftsymbol wird so an einem Wiener Bahnhof zu einem modernen Andachtsbild für Ostern, für die Auferstehung.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Montag, 18. März 2024

Bischof Stefan und die Kinder

Ein Zitat

Bischof Stefan Zürcher wird bei den Methodisten in Wien im Rahmen des Kinderteils im Gottesdienst von einer frechen Puppe befragt.
Foto © Jörg Niederer
"Die Evangelisch-methodistische Kirche (EmK) in Österreich ist in Österreich seit 1871 tätig und hat heute ca. 1500 Mitglieder in neun Gemeinden. Es gibt derzeit sechs hauptamtliche Pastorinnen und Pastoren." Info auf der Webseite

Ein Bibelvers - Johannes 12,20+21

"Es befanden sich auch einige Griechen unter denen, die zum Fest nach Jerusalem gekommen waren, um Gott anzubeten. Die gingen zu Philippus, der aus Betsaida in Galiläa stammte, und baten ihn: 'Herr, wir wollen Jesus sehen!'"

Eine Anregung

Anlässlich der Tagung der Exekutive der Evangelisch-methodistischen Kirche von Mittel- und Südeuropa in Wien feierte die English-Speaking United Methodist Church of Vienna und die Evangelisch-methodische Kirche Wien Fünfhaus den Gottesdienst vom 17. März gemeinsam. Dabei wirkte Bischof Stefan Zürcher als Verkündiger mit, aber auch als Interview-Partner im Kinderteil des Gottesdienstes. Bischof Stefan erwies sich im Verlauf dieser Befragung als durchaus kindertauglich. 

Kinder waren später, nach den biblischen Lesungen, einer afrikanischen Choreinlage und der Predigt des Bischofs, beim Abendmahl auch mit dabei. Denn in der Methodistenkirche sind Kinder und alle Erwachsenen beim Abendmahl herzlich willkommen. Entsprechend fröhlich und zugleich ernsthaft ging es dabei zu.

Der Gottesdienst mündete in ein Essen von Fingerfood, vielfältig wie die Menschen der beiden Gemeinden, die sich die Räume an der Sechshauserstrasse 56 teilen. Wer über die beiden Gemeinde mehr wissen möchte, findet alle Hinweise auf der Webseite.

Mitarbeitende von beiden Gemeinden bieten in der Winterzeit eine Wärmestube in den eigenen kirchlichen Räumen an. In dieser Saison wird wohl morgen Dienstag die tausendfünfhundertste Person dieses Angebot in Anspruch nehmen, das von der Caritas koordiniert wird. "Die zahlreichen Wärmestuben von Pfarren bieten Menschen, egal welcher Herkunft, Religion oder Aufenthaltsstatus im kalten Winter einen schützenden Zufluchtsort", schreibt Caritas. Bei den Methodisten in Wien sind jeweils um die 45 Menschen im Einsatz, um diesen Raum der Annahme mit ihrer Herzlichkeit, dem Essen und Wärme zu erfüllen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Sonntag, 17. März 2024

Jugendmitarbeitende und zwölf Apostel

Ein Zitat

Gruppenbild der Exekutiv-Delegierten und Jugendmitarbeitenden der Evangelisch-methodistischen Zentralkonferenz von Mittel- und Südeuropa.
Foto © Jörg Niederer
"Weil Helfen keine langen Sätze braucht - Pomagamy, Wij helpen, Noi ajutam, Segítünk, Wir helfen..." Werbeplakat der Caritas in Wien.

Ein Bibelvers - Apostelgeschichte 1,13

"In Jerusalem gingen die Apostel in den Raum im oberen Stockwerk ihres Hauses, wo sie von nun an immer wieder zusammenkamen. Es waren: Petrus, Johannes, Jakobus und Andreas, Philippus und Thomas, Bartholomäus und Matthäus, Jakobus, der Sohn des Alphäus, Simon der Zelot und Judas, der Sohn des Jakobus."

Eine Anregung

Beim heutigen Feiern der Exekutivmitglieder der Evangelisch-methodistischen Kirche vom Mittel und Südeuropa mit den drei Gemeinden in Wien und der Gemeinde in Linz, begleiten mich Eindrücke des gestrigen Samstags, als Kinder- und Jugendarbeit im thematischen Zentrum der Verhandlungen und Gespräche stand. Aus den verschiedenen Ländern angereist für diesen Tag waren die verantwortlichen Jugendmitarbeitenden. Sie gestalteten denn auch gleich das Programm. Dabei wurden eine Fülle an Anregungen zusammengetragen, aber auch ganz konkret ein internationales Jugendtreffen in Rumänien angeregt und fixiert.

Der Samstag klang aus mit einer Stadtführung, vorbei an jüdischen Denkmälern vergangener Schreckenszeiten, vorbei an der Hofburg und dem Stephansdom hinunter in den Zwölf-Apostelkeller zu einem feinen Essen mit ausgewählten österreichischen Spezialitäten.

Einige Angereiste und weiterer Personen - es sind die Delegierten an die Generalkonferenz - werden sich heute und morgen noch mit den Inhalten dieses alle vier Jahre stattfindenden Treffens beschäftigen. Die Generalkonferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche legt die wesentlichen Rahmenbedingungen der weltweiten Kirche fest. Sie findet vom 23. April - 3. Mai 2024 in Charlotte, North Carolina statt.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Samstag, 16. März 2024

Dem gemeinsam Methodistischen auf der Spur

Ein Zitat

An der Exekutivtagung der Evangelisch-methodistischen Kirche von Mittel- und Südeuropa wird intensive diskutiert über die Aufgaben der verschiedenen Arbeitsgruppen.
Foto © Jörg Niederer
"Ist mein Christentum stärker als mein Pass?" Aus dem Bericht von Lilla Kardosné Lakatos über den Europäischen Rat methodistischer Kirchen

Ein Bibelvers - Jesaja 11,10-12

"Zu der Zeit erhebt der Herr erneut seine Hand, um den Rest seines Volkes zu befreien. Was davon übrig geblieben ist, holt er aus Assyrien und Ägypten, Patros und Kusch. Aus Elam, Schinar und Hamat kommen sie herbei und auch von den Inseln des Meeres. Er richtet ein Feldzeichen unter den Völkern auf und sammelt die aus Israel Vertriebenen. Auch die Zerstreuten aus Juda bringt er zusammen von den vier Enden der Erde."

Eine Anregung

Noch bis Sonntag tagt die Exekutive der Evangelisch-methodistischen Kirche von Mittel- und Südeuropa unter der Leitung von Bischof Stefan Zürcher in Wien. Zur Zentralkonferenz von Mittel- und Südeuropa gehört die Kirche in Österreich, der Schweiz, Frankreich, Nordafrika, Tschechien, Ungarn, Rumänien, Polen, Serbien, Nordmazedonien und Albanien. Konferenzsprache ist Englisch.

In diesem Jahr geht es darum, die Aufgaben der Arbeitsgruppen zu klären und entsprechende Aufträge zu erteilen. In einem dynamischen Prozess gelang es bis gestern Abend, wesentliche Arbeitsschwerpunkte zu definieren. 

An diesem Samstag kommt es zu einer Begegnung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus den verschiedenen Ländern und den Delegierten. Nach einigen Jahren ohne klare Beauftragung und Führung dieser Arbeit fand im vergangenen Jahr erstmals wieder ein internationales Jugendtreffen in Ungarn statt. Solche Jugendreffen sind besonders wertvoll, weil sie dazu beitragen, Vorurteile und Ängste abzubauen auf der Basis des Glaubens an Jesus Christus. Ganz im Sinn einer Frage aus einem Bericht über die Tagung des Europäischen Rats der methodistischen Kirchen: "Ist mein Christentum stärker als mein Pass?".

Eindrücklich waren bisher auch die Andachten, welche durch die Vorsitzende der Arbeitsgruppe Liturgie, durch Erika Stalcup gestaltet und geleitet wurden. Dabei bewegten sich die Delegierten in Gedanken in alle Himmelsrichtungen und sangen Lieder in den Sprachen der verschiedenen Ländern.

Die Exekutivtagung wird am Sonntag nach den Gottesdiensten in Wien und Linz enden.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufe

Freitag, 15. März 2024

Sterblich sein in Wien

Ein Zitat

Ausschnitt aus der Werbung für eine Kunstausstellung in Wien.
Foto © Jörg Niederer
"Die Ausstellung befasst sich mit dem unausweichlichsten Bestandteil jeder Existenz: 'Sterblich sein' spürt mittels Gegenüberstellung von Kunstwerken, die einen kulturhistorischen Bogen vom Mittelalter bis zur Gegenwart spannen, der tiefen Bedeutung von Tod nicht nur im individuellen, sondern auch im kollektiven und gesellschaftspolitischen Kontext nach." Quelle: Webseite vom Dom Museum Wien

Ein Bibelvers - 2. Korinther 5,1+2

"Wir wissen ja: Unser Zelt in dieser Welt wird abgebrochen werden. Dann erhalten wir von Gott ein neues Zuhause. Dieses Bauwerk ist nicht von Menschenhand gemacht und wird für immer im Himmel bleiben. Darum seufzen wir und sehnen uns danach, von dieser himmlischen Behausung gewissermaßen umhüllt zu werden."

Eine Anregung

Wien ist nicht gerade die ewige Stadt. Dafür wird den Wienerinnen und Wienern einen morbiden Scharm nachgesagt. Das ist besonders auch im Umfeld des Stephansdom sichtbar.

Dass ich aber genau in der Zeit in dieser bemerkenswerten Stadt bin, in der Wien "sterblich" ist, ist schon etwas besonderes. Wie es mit den Wienerinnen und Wienern nach dem 25. August weitergehen soll, weiss ich nicht. Wird dann die österreichische Metropole unsterblich? 

Bei einer Führung durch die Katakomben unter dem Dom und der Stadt durfte ich nicht fotografieren. Dabei ist mir aber bewusst geworden, wie nahe sich die Verstorbenen und Lebenden an diesem Ort in räumlicher Hinsicht sind. Selbst Pesttote wurden unter dem Stephansplatz in unterirdischen Kammern notfallmässig beigesetzt. 

Um den morbiden Charme von Wien zu demonstrieren dient mir nun halt dieser Bild-Ausschnitt der Werbung für eine Ausstellung im "Dom Museum Wien".

Doch nun wende ich mich in der Exekutivsitzung der Evangelisch-methodistischen Kirche von Mittel- und Südeuropa wieder den Lebenden zu und freue mich an der vitalen internationalen Vielfalt in unserer Kirche.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufe

Donnerstag, 14. März 2024

Es geht noch schneller

Ein Zitat

Anzeige im Railjet Express auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke vor Wien.
Foto © Jörg Niederer
"Kein Mensch ist so beschäftigt, dass er nicht die Zeit hat, überall zu erzählen, wie beschäftigt er ist." Robert Lembke (1913-1989)

Ein Bibelvers - Psalm 90,4

"Denn tausend Jahre vergehen vor deinen [Gottes] Augen, als wäre es gestern gewesen. Sie gehen so schnell vorbei wie eine Nachtwache."

Eine Anregung

Da rase ich mit 240 Sachen auf Wien zu, und kein Mensch im Zug nimmt davon gross Notiz. Natürlich weiss ich, dass es auf Schiene und Strasse noch viel schneller geht. Aber auf Schiene scheint es mir, als wären 240 Stundenkilometer noch gar nichts, während es mir früher auf der Autobahn mit dem Mini Cooper meiner Mutter schon bei 150 Angst und Bange wurde. Geschwindigkeit ist relativ. Geschwindigkeit ergibt sich aus der Bewegung, die über eine genau definierte Zeit erfolgt. Sobald ich mich aber in gleicher Geschwindigkeit parallel zum Zug oder sogar innerhalb desselben bewege, erscheint es, als gäbe es keine Geschwindigkeit und kaum Bewegung. Ich darf dabei einfach nicht aus dem Fenster schauen, da dann wird das Tempo doch wieder sichtbar, wenn auch noch immer nicht gross spürbar.

Von der Relativität der Zeitwahrnehmung wusste man schon, als die biblischen Psalmen geschrieben wurden. Dabei wurde allein Gott die Möglichkeit zugesprochen, etwas zu tun, was viele Menschen möchten, nämlich die Zeit vor- und eben auch zurückspulen zu können.

Bis ich dann von Wien aus wieder mit 240 Stundenkilometern Richtung Schweiz rattern werde, bewege ich mich etwas gemächlicher in der Zeit und mit der Zeit. Mal schauen, ob der Stephansdom noch immer am selben Ort steht und was die Zeit an ihm mit welcher Geschwindigkeit und Intensität weitergenagt hat (als würde die Zeit nagen).

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufe

Sonntag, 2. April 2023

Juwelen in Wien

Ein Zitat

Heiligendarstellung als Werbung für einen Juwelier in Wien (2006)
Foto © Jörg Niederer
"Vergebung ist der einzige Weg, um den irreversiblen Fluss der Geschichte umzukehren." Hannah Arendt (1906-1975)

Ein Bibelvers - Lukas 2,36+38

"Es war auch eine Prophetin im Tempel. Sie hieß Hanna und war eine Tochter Penuels aus dem Stamm Ascher. Hanna war schon sehr alt... Jetzt kam sie dazu und lobte Gott. Dann erzählte sie allen von dem Kind, die auf die Rettung Jerusalems warteten."

Eine Anregung

Es war 2006 in Wien, als ich das Kirchen- oder Wirthausschild fotografierte. Es zeigt wohl die Szene, als Maria und das Jesuskind anlässlich der Beschneidung im Tempel in Jerusalem der Prophetin Hanna begegnete (Lukas 2,36-38). Aber sicher bin ich nicht. Die zweite Frau könnte auch Elisabeth oder Marias Mutter Anna oder eine ganz andere Frau darstellen. 

Ich habe nach Bildern im Internet gesucht von Maria, Jesus und Hanna. Doch es werden fast ausschliesslich Bilder mit Simeon aufgeführt (Lukas 2,25-35). Es scheint, als würde die Geschichte von Simeon die von Hanna weit in den Schatten stellen. Die Frau Hanna verschwindet im Schatten des Mannes Simeon.

Die ganze Szenerie der beiden Frauen mit dem Jesuskind wird eingerahmt von einem Tausendfüssler, einem hässlichen Leviatan. Da sind schon auch Engel, und eine kleine Sonne. Aber die Bedrohungssituation ist eben auch da.

Das Werbeschild mit der Aufschrift "Juwelen" ist wohl später dazugekommen. Martin Luther bezeichnete Maria als die "höchste Frau und das edelste Juwel im Christentum nach Christus." Somit sind alle, die von Maria und Jesus erzählen, dabei, Juwelen unter die Leute zu bringen. Heute Sonntag geschieht das wieder in vielen Kirchen. In der Methodistenkirche St. Gallen wird der Distriktsvorsteher Serge Frutiger predigen. Wer dabei sein möchte, kann um 10.30 Uhr in die Kapellenstrasse 6 kommen. Der Gottesdienst wird nicht auf Youtube übertragen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Dienstag, 6. Juli 2021

Der Hundesegen aus Wien

Ein Gedanke

Hunde beim Schleitheimer Randenturm
Foto © Jörg Niederer
"Das zärtlichste Wesen auf der ganzen Welt ist ein nasser Hund!" Ambrose Bierce (1842-1914)

Ein Bibelvers - Jesaja 65,10

"Denn Israels Wächter sind blind und merken nichts. Sie sind stumme Hunde, die nicht bellen können. Sie liegen schläfrig herum und wollen ihre Ruhe haben."

Eine Anregung

Auf der Suche nach alten christlichen Gebeten bin ich auf einen Hundesegen gestossen und dann auf die Gebetshaltung bei Hunden.

Bei der Gebetshaltung steht der Hund auf den Hinterläufen, während er die Vorderbeine weit nach vorn streckt und flach auf den Boden drückt. Das kann einerseits eine Aufforderung zum Spiel sein, aber auch ein Anzeichen einer lebensgefährlichen Magendrehung.

Der Hundesegen steht auf einem Codex aus dem 10. Jahrhundert und befindet sich in der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien.

Was mir auffällt: Der Hund wird darin gesegnet als ein Arbeitstier der Hirten und Bauern. Er wird also nicht um seiner selbst Willen oder als Geschöpf Gottes gesegnet, sondern in seiner Funktion als Hirten- und Wachhund.

Dann werden beim Wolf und Hund explizit beide Geschlechtern erwähnt. Das wirkt richtig modern und geschlechtergerecht. Eine gewisse Hochachtung vor dem Hund ist erkennbar, etwas, das der Bibel fast völlig abgeht.

Wiener Hundesegen
"Christ wurde geboren eher als Wolf oder Dieb,
da war Sankt Martin Christus Hirte.
Der heilige Christ und Sankt Martin der möge beschützen
heute die Hunde, die Hündinnen,
dass ihnen weder Wolf noch Wölfin schaden können,
wohin sie auch immer laufen, sei es Wald oder Weg oder Heide.
Der heilige Christ und Sankt Martin
Die mögen mir sie heute alle gesund nach Haus bringen."

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde