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Dienstag, 16. Juli 2024

Endlich erholen

Ein Zitat

Segelboote auf dem Bodensee.
Foto © Jörg Niederer
"Reisen bedeutet herauszufinden, dass alle Unrecht haben mit dem, was sie über andere Länder denken." Aldous Huxley (1894-1963)

Ein Bibelvers - Sprüche 15,19

"Faule Menschen sehen überall Dornen auf ihrem Weg. Ehrliche Leute aber finden immer eine Strasse, die sie gehen können."

Eine Anregung

Wenn der Sonntag der Ruhetag der Woche ist, dann sind die Ferien wohl die Ruhezeit des Jahres. Wobei, viele Menschen kennen keine Ferien. Andere machen Ferien nicht um zur Ruhe zu kommen, sondern um aktiv zu werden. Wieder andere wollen endlich einmal nach Paris oder nach Nome. Und noch einmal andere ziehen es vor, einfach am Strand zu liegen, möglichst an einem warmen Ort, also besser nicht in Nome.

Auch organisierte Familienferien sind beliebt, oder Mountainbike in den Alpen und Albanien.

Dann gibt es noch die Bildungsferien. in meinem Fall war das einmal ein vier Wochen dauernder Französisch-Intensivkurs in Neuchâtel. Danach konnte ich noch weniger Französisch.

Ferien sind auch ideal um einmal etwas zu tun, was man sonst nie tut. Wenn ich nur wüsste, was ich tun könnte, das ich noch nie getan habe.

Sehr beliebt ist auch der Tauchkurs. Angesichts von häufigerem Starkregen schadet es ja wirklich nicht, wenn man mit Schnorcheln zurechtkommt.

Abtauchen kann man auch auf christliche Weise. Kontemplativ in einem Kloster, oder auf den Spuren von Jesus und Paulus und Jakobus mit Reisebus oder gar zu Fuss.

In diesen Tagen habe ich Büchergutscheine bekommen, weil ich noch ein Jahr weiter an dem Ort wirke, an dem ich schon die letzten Jahre gewirkt habe. Also ich verspreche, dass ich ein christliches Buch kaufe, und es in den Ferien lesen werde.

Wie auch immer: Ich wünsche uns allen eine gute, erholsame Ferienzeit mit den folgenden Worten aus "Tagträume mit Gott" von Robert Seitz.


Gott der Müden und Entmutigten, 

gib mir Flügel des Adlers, die mich tragen

über dem Abgrund der Zeiten

und über meinen eigenen inneren Tiefen.

Gib mir Flügel der Hoffnung

und lass meine Seele 

den weiten Horizont sehen 

und deine aufgehende Liebe

über den Schatten des Daseins.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen 

Dienstag, 26. Juli 2022

Das Schiff am Himmel

Ein Zitat

Die Decke über dem Kirchenschiff des Reichenauer Münsters St. Maria und Markus
Foto © Jörg Niederer
"Es sind nicht die überragenden Segel, sondern der unsichtbare Wind, der das Schiff bewegt." Englisches Sprichwort

Ein Bibelvers - 1. Könige 9,27+28

"Auf den Schiffen arbeiteten Salomos Männer mit erfahrenen Seeleuten zusammen, die Hiram Salomo geschickt hatte. So kamen sie nach Ofir, holten dort über 14 Tonnen Gold und brachten sie zu König Salomo."

Ein Anregung

Gestern verbrachten wir den Abend in Sichtweite der Insel Reichenau. Da passt das Foto vom Kirchenschiff des dortigen Münsters St. Maria und Markus. Die Decke ist so gebaut, dass sie einem Schiffsrumpf gleicht. Man denke sich die Mauern der Kirche weg, und es sähe aus, als würde das Schiff über den Himmel gleiten. Im weiten Blau suchte es den Weg auf den Sonnenstrahlen.

Es ist schon so, man soll ins Träumen kommen, wenn man an die Decke einer Kirche anschaut. Träumen von einer Fahrt in Gottes Gegenwart hinein.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Mittwoch, 20. Juli 2022

Von Schiffen, Unterwäsche und dem besten Ausweg

Ein Zitat

Hinweistafel zu einer Schiffsrampe auf der Insel Reichenau.
Foto © Jörg Niederer
"Wie ein Schiff auf dem Trockenen sitzen..." Redewendung aus der Seefahrt

Ein Bibelvers - Epheser 4,22-24

"Deshalb sollt ihr den alten Menschen ablegen, denn er entspricht der früheren Lebensweise. Er wird sich zugrunde richten durch seine trügerischen Begierden. Lasst euch dadurch erneuern, dass Gottes Geist in eurem Verstand wirkt. Und zieht den neuen Menschen an wie ein neues Gewand."

Ein Anregung

Gelegentlich kommt es vor, dass ich einem neuen Wort begegne, das ich zuvor ausschliesslich aus anderen Zusammenhängen gekannt habe. So tauchte vor meinem inneren Auge Kurioses auf, als ich auf der Insel Reichenau dem Hinweisschild zu einer Slipanlage begegnete. Von einer Produktionsstätte für Unterwäsche war weit und breit nichts zu sehen. Auch nichts von einer Anlage zur vorübergehenden Unterbringung der Slips (der Wäsche) während des "Schwumms" im Untersee.

Die leichte Verwirrung kommt daher, dass das englische Wort "Slip" für "Gleiten" im Deutschen zur Bezeichnung für sehr Unterschiedliches verwendet wird. Bei der Slipanlage (engl. "slipway" = Gleitweg) handelt es sich um ein Bootsrampe, an der man eben Boote ins Wasser gleiten lassen beziehungsweise wieder herausziehen kann.

Der Slip dagegen ist die "schnelle" Unterhose. Früher gab es ja noch keine Gummizüge, und so musste die Unterwäsche mit Bändern, Schleifen und Knöpfen am Körper fixiert werden. Dieser Sicherungsschritt fiel weg, als die elastische Wäsche erfunden wurde. Nun konnte man einfach hinein-"slipen". Der Slip war geboren, und in der Folge auch der "Schlüpfer". Allerdings bezeichnet man heute im Deutschen mit "Slip" und "Schlüpfer" verschiedene Unterwäschemodelle.

Zurück zum Slipway. Früher konnte man das Wort "Schlupfweg" verwenden und meinte damit einen Ausweg aus einer misslichen Situation bei gleichzeitiger Überwindung aller Hindernisse.

Nun wird im Epheserbrief ja im Bild des Kleiderwechsels von der grundsätzlichen Änderung zum christlichen Lebensstil gesprochen. Der alte Mensch, die überholte Lebensweise, soll wie veraltete Wäsche ausgezogen, und der neue Mensch wie ein modernes funktionales Wäschestück angezogen werden. Ich stelle mir vor, dass man diesen neuen Menschen ganz leicht überziehen kann, wie ein Slip, in den man einfach hineinschlüpft und er hält und bleibt wo er soll. Da muss man nichts mehr festzurren, da ist alles angenehm zu tragen, eine Befreiung von Last und Konvention. Es ist ein lohnender Schlupfweg, ein Fluchtweg aus allerlei Lebensbelastungen. Oder noch in einem anderen Bild gesprochen: Es ist, als würde das auf dem trockenen liegende Boot über die Slipanlage zu Wasser gelassen, dahin, wo es der Bestimmung gemäss, in seinem Element, Fahrt aufnehmen kann. Genau so ist es, wenn ein Mensch sich bewusst Gott zuwenden!

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde