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Freitag, 29. November 2024

Kirchen am Rand

Ein Zitat

Erleuchteter, reich mit Ikonen versehener Gottesdienstraum der Rumänisch-orthodoxen Kirche St. Gallen in einem Gewerbehaus bei Abtwil.
Foto © Jörg Niederer
"Alte Kirchen haben trübe Augen." Holländische Redensart

Ein Bibelvers - Jeremia 29,4+5

"So spricht der Herr Zebaot, der Gott Israels! Das ist meine Botschaft für alle in der Verbannung, die ich aus Jerusalem nach Babylon weggeführt habe: Baut Häuser und lasst euch darin nieder! Legt Gärten an und esst, was dort wächst!"

Eine Anregung

Der Standort religiöser Bauten sagt viel aus über Bedeutung oder Ausrichtung der Konfession oder Religion in der Gesellschaft. Kirchen, die den Support des Staates haben, finden sich oft an zentraler Lage. Anders sieht es aus mit Gemeinschaften, denen man nicht so recht über den Weg traut. Aktuell sind es besonders die islamischen Kultusgemeinden, deren unauffällige Moscheen sich nicht selten in Industriequartieren befinden. Auch Kirchen, die dem Glauben eingewanderter Menschen entsprechen, landen oft irgendwo in einem Saal oder Gewerberaum abseits der Sichtbarkeit. So wie auf diesem Bild sich die Rumänisch-orthodoxe Kirche in einem Gewerbehaus an der Peripherie von St. Gallen einmieten konnte. 

"Ausserhalb der Stadtmauern", geduldet, aber nicht geliebt, an den Rand gedrängt, eingeschränkt in den Rechten. Es gab eine Zeit, in der es nur den Staatskirchen erlaubt war, Glockentürme zu unterhalten. Heute sind diese Kirchen selbst unter Druck, und viele müssen beim Glockengeläut zurückstecken.

Es sind diese kleinen Veränderungen die den gesellschaftlichen Wandel begleiten und sichtbar werden lassen. Heute werden die Glaubenswerke in die zunehmende Unsichtbarkeit gedrängt. Dagegen befinden sich die Tattoo-Studios, die sich einst in den schmuddeligen Hafenarealen fanden, mitten in den Citys an bester Lage in den hippen Quartieren.

Nun gibt es aber auch Kirchen, die sich ganz bewusst für die Peripherien entschieden haben. Sie gehen an die Orte, an denen sie den Bedürfnissen der Randexistenzen nahe sind. Ich glaube, das ist genau der Weg, den es einzuschlagen gilt. Dabei geht es nicht mehr um Ansehen oder Sichtbarkeit, sondern um Hinwendung und Wirksamkeit.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Dienstag, 28. Mai 2024

In die Hand gezeichnet

Ein Zitat

Ein frisches Hennatattoo. Fertig ist es frühestens nach etwa 8 Stunden.
Foto © Jörg Niederer
"Dass das Ornament in der Architektur ist kein Verbrechen." Adolf Loos (1870-1933)

Ein Bibelvers - Hohelied 1,14

"Mein Liebster ist ein Zweig von Hennablüten, ein Wohlgeruch in den Weinbergen von En-Gedi."

Eine Anregung

Das, was im Hohelied als Henna übersetzt wird, wird im Hebräischen "kofær" genannt. Davon abgeleitet ist das griechische "küpros". Und das wiederum ist die Bezeichnung von Zypern. Deshalb wird die Hennapflanze auch Zypernblume genannt. Aus dieser Pflanze kann ein Pulver gewonnen werden, das mit Wasser angerührt eine bräunliche Masse bildet. Mit dieser Masse nun kann man vorübergehende Körperbemalungen erstellen. In verschiedenen nordafrikanischen Ländern und in Indien wird vor der Hochzeit der Braut mittels Hennapaste ein kunstvolles Handtattoo gezeichnet. Damit die Hennapaste die Haut für etwa drei Wochen färbt, braucht es Geduld. Etwa 8 Stunden bis 3 Tage muss die Paste einwirken.

Nach dem Familiengottesdienst zur Geschichte von der Hochzeit zu Kana (Johannes 2,1-11) gab es in der Methodistenkirche St. Gallen am vergangenen Sonntag einige Mutige, welche sich solche Hennabemalungen aufzeichnen liessen. So wie auf dem Foto sieht es anfänglich aus.

Auch zu Liebe und Hochzeit passt, dass die Blüten der Zypernblume bei der Parfümherstellung Verwendung finden. In Ägypten wurden sie in Leinen eingewickelt auch den Verstorbenen mitgegeben.

Mir gefallen diese Brauntöne auf der Haut. Auch das Ornamentale finde ich sehr passend. Kunst mit biblischem Bezug.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen