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Donnerstag, 27. Februar 2025

Tageszeitengebete bei sich zuhause

Ein Zitat

Der ehemalige Klosterkomplex der Lazariter im Gfenn bei Dübendorf.
Foto © Jörg Niederer
"Jeden Morgen ereignet sich im Kleinen Ostern, leuchtet der Ostermorgen in unser Leben hinein. Jeden Morgen drängt Gott alle Kälte und Dunkelheit zurück, wälzt den Stein vom finsteren Grab und erschafft uns neue Zukunft." Aus dem Donnerstagmorgen-Tageszeitengebet auf der Webseite LebensLiturgien.

Ein Bibelvers - Matthäus 28,5

"Der Engel sagte zu den Frauen: 'Fürchtet euch nicht! Ich weiss: Ihr sucht Jesus, der gekreuzigt wurde.'"

Eine Anregung

Tageszeitengebete werden vorwiegend in Klöstern praktiziert. Ausserhalb dieser geistlichen Zentren ist es nicht so einfach, sich dazu die Zeit zu nehmen und konzentriert bei der Sache zu sein. Die Webseite "LebensLiturgien" bietet da Hilfestellung.

Die Tageszeitengebete dieses Angebots bestehen aus einem Satz von drei meditativen Andachten für jeden Wochentag, und einer Andacht für den Sonntag. Jede Woche wiederholen sich die Gebete und Lesungen und treffen auf einen einmaligen Tag.

Mehr Vielfalt bieten die Morgengebets-Podcasts. Aktuell kommen die Anregungen dazu aus dem Leben von Martin Luther King. Auch da sind die "Informationsbeiträge" eingebettet in Lesungen und Gebete. 

Sebastian Steinbach, evangelischer Pfarrer in Hirsau schreibt dazu: "Wir hoffen, dass LebensLiturgien dir dabei hilft, dein Denken und Tun heilsam zu unterbrechen, innerlich zur Ruhe zu kommen und dich mit Gott zu verbinden. Sei gesegnet!"

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Mittwoch, 26. Februar 2025

Verblassende Erkenntnisse

Ein Zitat

Teile vom Passionszyklus in der Lazariterkirche Gfenn. Die Geisselung Jesu.
Foto © Jörg Niederer
"Erst im tiefen Leid erkennt man, wer man wirklich ist." Marie Antoinette (1755–1793)

Ein Bibelvers - Johannes 19,1

"Daraufhin ließ Pilatus Jesus abführen und auspeitschen."

Eine Anregung

In keiner katholischen Kirche darf der Passionszyklus oder auch der Kreuzweg fehlen. Die Besinnung auf die zentrale Bedeutung der Leiden Christi und seiner Hinrichtung am Kreuz wird auf vertraute oder auch ganz neue Weise den Besuchenden in den Kirchen vor Augen gemalt.

So auch in der Lazariterkirche Gfenn bei Dübendorf. In dieser Kirche fand man Fragmente mittelalterlicher Gemälde. Vom dabei abgebildeten Passionszyklus ist nicht mehr viel übriggeblieben. Am besten zu erkennen ist die Szene der Geisselung Jesu. Da ist Jesus, an eine Säule gefesselt, als würde er sie umarmen. Die Geisselung selbst ist nicht mehr zu erkennen. Ich sehe allein Jesus. Hilflos, ausgeliefert, duldend.

Zwei Gedanken kommen mir dazu: Nur zu gern verdrängen wir Schmerzhaftes, Belastendes. Es ist, als solle die Erinnerung daran vergehen. Doch Fragmente davon drängen manchmal wieder ans Licht, ins Sichtfeld.

Die Leiden der unter die Räuber und Sünder gefallenen, wir können sie aus der warmen Stube eines Rechtstaats nicht wirklich verstehen. Vielleicht wollen wir sie auch nicht verstehen. Wir sehen sie, sehen sie wie Christus, gefesselt. Sie sind den Wohlhabenden, Starken, Mächtigen ausgeliefert, denen die das Sagen haben. Was das aber wirklich bedeutet, können wir nicht ergründen, es sei denn wir geraten selbst in diese bedrohliche Abhängigkeit. So sehen wir den gefesselten Christus in Menschen, die uns begegnen, ohne aber wirklich die Abgründe dahinter zu erkennen. Die Geissler sehen wir nicht, die ungerechten Richter sehen wir nicht.

Der andere Gedanke ist tröstlicher. Da ist in dieser Lazariterkirche von der ganzen Passion alles verblasst, bis auf diesen leidenserwartenden Jesus. Er ist gut zu erkennen. Er ist geblieben. Er ist als einziger noch da. Nicht der lehrende und heilende Christus, sondern der ausgelieferte, schmerzgefasste Jesus.

Genau so ist Christus mir ganz nahe, auch und gerade in Momenten meiner Hilflosigkeit. Dann ist er da, sagt mir: "Das stehen wir gemeinsam durch." Vielleicht auch: "Das stehe ich an deiner Stelle durch."

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen