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Freitag, 21. Juni 2024

Türschliessung

Ein Zitat

Nach 6 Jahren schliesst am Samstag, 22. Juni das Be You Café in Frauenfeld.
Foto © Jörg Niederer
"'Die Leute sollen sich wohlfühlen', sagt sie. Daher komme auch der Name 'Be You'." Aus dem Beitrag der Zuger Zeitung zur Eröffnung des Be You Cafés in Frauenfeld.

Ein Bibelvers - 1. Mose 24,31

"Komm mit, du vom Herrn Gesegneter! Warum stehst du hier draußen? Ich habe im Haus schon alles herrichten lassen, auch für die Kamele ist genug Platz."

Eine Anregung

Ich besuche an meinem Wohnort in Frauenfeld nicht oft Restaurants. Aber im Be You Café gleich zwischen Bahnhof und Murg war ich gerne zu Gast. Nun schliesst das Café nach sechs Jahren am morgigen Samstag um 18.00 Uhr seine Türen für immer.

Hinter dem Be You Café stand mit Linda Portmann eine Absolventin des ISTL (International Seminary of Theology and Leadership). Bevor sie 2018 das Café eröffnete, arbeitete sie als Jugendpastorin bei der Viva Kirche (Chrischona) Stein am Rhein. 

Das Café am Lindenplatz zog nebst den Bahnhofpassanten entsprechend viele Menschen mit kirchlichem und christlichem Hintergrund an. Im Be You Café kam ich auch mit dem Buchautor Usama Al Shahmani näher ins Gespräch. Kinder waren gerne gesehen. Und zuletzt trafen sich die drei in Frauenfeld wohnhaften Methodistenpfarrer genau da zu ungezwungenen Gesprächen.

Das Café war eines dieser Projekte, welche man als Fresh Expressions of Churches bezeichnen könnte. In unaufdringlicher Weise wird dabei der christliche Glaube hinausgetragen, dahin, wo die Menschen sind. Gemeinsam mit der Restaurantkultur haben solche Projekte den Charakter der zeitlichen Begrenzung. Sie kommen und gehen. Ich finde es Schade, dass morgen Samstag nun die Dernière stattfindet. 

Linda Portmann dankt zum Abschied den Gästen des Cafés: "Jetzt so kurz vor dem Ende wird es doch noch sehr emotional für mich, denn ich habe die Zeit die ich im Café mit euch, meinen Kunden verbringen durfte, sehr genossen. Ich bin extrem positiv überrascht von all den wohlwollenden, grossartigen und liebeswürdigen Menschen, die mich über diese Jahre hinweg unterstützt und ermutigt haben; einfach dadurch, dass sie gerne in mein Café gekommen sind."

So sage ich an dieser Stelle auch ganz herzlich Danke. Ich war gerne im Be You Café zu Gast, und werde es vermissen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Montag, 9. August 2021

Am vergessenen Tisch im Schwarzen Loch

Ein Zitat

Der vergessene Tisch
Foto © Jörg Niederer
"Manche Arbeiten muss man Dutzende Male verschieben, bevor man sie endgültig vergisst." Herkunft unbekannt

Ein Bibelvers - Jesaja 49,15

"Doch Gott antwortet: Kann denn eine Frau ihren Säugling vergessen? Hat sie nicht Erbarmen mit dem Kind, das sie im Leib getragen hat? Aber selbst wenn sie es vergessen sollte – ich vergesse dich nicht!"

Ein Anregung

Vermutlich gibt es ihn in jedem Restaurant und jedem Hotel: den vergessenen Tisch. Unlängst sassen wir an ihm, was vor allem eines bedeutete: Warten.

Es begann verheissungsvoll. Wir wurden sofort an diesen Tisch geführt, und konnten noch im gleichen Moment die erste Bestellung tätigen. Ja es kam sogar eine zweite Bedienung und wollte das selbe noch einmal aufnehmen. Dann war eine Viertelstunde lang Pause bis wir uns auffälliger bemerkbar machten. Noch einmal wurde die Bestellung aufgenommen und auch gebracht. Dann verirrte sich niemand mehr vom Personal an unseren Tisch. Wir kamen uns unsichtbar vor. Erneute Intervention. Der Hauptgang wurde bestellt, und wieder verging viel Zeit, in der andere, die nach uns kamen, ihr Essen erhielten, wir aber nicht. Nun, das Essen kam dann irgendeinmal, und es war gut. Es folgte der Versuch, zu bezahlen! Man sah uns und vergass uns sogleich wieder. Schon überlegten wir uns, die Zeche zu prellen, da wurden wir erneut nach unseren Wünschen gefragt. Mit der Rechnung kam ein Espresso und ein Grappa, wie üblich vom Haus spendiert. Und dann wurden wir erneut unsichtbar, bis nach geraumer Zeit jemand auf mein ausgiebiges Winken und Herumhampeln reagierte. Der Kellner meinte sogar: Beim dritten vergeblichen Ruf nach dem Service müssten wir nicht mehr bezahlen. Das haben wir dann aber dennoch getan.

Das Perfide, wenn man am vergessenen Tisch sitzt: Alle andern werden aufs Beste bewirtet und bedient. Nur an diesem Tisch sitzt man auf verlorenem Posten.

Gibt es solche vergessene Tische auch in der Kirche? Das wären Plätze und Ereignisse, in denen Menschen aus der Wahrnehmung der Andern verschwinden. Es lohnt sich, darüber nachzudenken: Wo an unseren Anlässen und in unseren Häusern sind diese blinden Flecken, diese vernachlässigten Nischen? Menschen die in diese "schwarzen Löcher" fallen, werden sich zweimal überlegen, ob sie noch einmal zu uns kommen wollen. Also sollten wir uns gut überlegen, wie wir unsere Gastfreundschaft flächendeckend und einladend gestalten können.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde