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Dienstag, 29. August 2023

Wo bleiben die guten Ideen?

Ein Zitat

Bergdohle auf Wanderschaft am Gemmipass.
Foto © Jörg Niederer
"Ideen kommen, wenn Du gehst." Youri Keifens

Ein Bibelvers - Apostelgeschichte 2,17+18

"Gott spricht: Das wird in den letzten Tagen geschehen: Ich werde meinen Geist über alle Menschen ausgießen. Eure Söhne und Töchter werden als Propheten reden. Eure jungen Männer werden Visionen schauen, und eure Alten von Gott gesandte Träume haben. Über alle, die mir dienen, Männer und Frauen, werde ich in diesen Tagen meinen Geist ausgießen. Und sie werden als Propheten reden."

Eine Anregung

"Wenn man die Menschen fragt, wie sie auf Ideen kommen, dann ist es immer beim Sport, unter der Dusche, beim Autofahren oder wenn sie mit dem Hund spazieren gehen. Also immer in solchen Situationen, wo sie nicht konkret an einem Problem arbeiten, sondern gedanklich umherwandern können. Nur dann sind sie in der Lage, kreative Ideen zu entwickeln." Das sagt Henning Beck, Neurowissenschaftler, Science-Slammer und Autor in einem Interview in der Sonntagszeitung vom 27. August 2023.

Nun weiss ich also, woran es liegt, dass ich selten kreative Ideen habe. Denn ich treibe kaum Sport, fahre nicht Auto und besitze keinen Hund. Unter der Dusche stehe ich nur solang wie nötig, also etwa 3 Minuten. Folglich komme ich im Alltag kaum dazu, "gedanklich umherzuwandern". 

Ich glaube, es wäre angesichts dieses Befunds wenig kreativ, ein Auto zu kaufen, um bei Spritztouren gute Ideen zu bekommen. Auch die Anschaffung eines Hundes würde wohl mehr Aufwand als Ideenreichtum bringen. Länger Duschen sollte man in Zeiten von Wasser- und Energiemangel wohl auch besser nicht. Gegebenenfalls könnte man Wandern als Sport betreiben, dann würde zumindest da ein Kreativitätsschub wahrscheinlich werden. Den ich gehöre zu den seltsamen Vögeln, die sich noch zu Fuss durch die Landschaft bewegen.

Wo aber kommt man auf schlechte Ideen? Und was haben gute Ideen mit Eingebungen zu tun? Eingebungen, Offenbarungen, sie erreichen zumindest in der Bibel die Menschen im Schlaf, bei der Arbeit, auf Bergen, im entrückten Trancezustand und bei Gesprächen mit anderen Menschen.

Woher bekommst du gute Ideen? Wo werden dir geistliche Einsichten geschenkt, Anregungen für eine gute christliche Lebensgestaltung? Und wie merkst du, dass es gute Ideen sind?

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Mittwoch, 29. Juni 2022

Alltagssport

Ein Zitat

Ein Mann trägt in Frauenfeld zwei Stühle nach Hause
Foto © Jörg Niederer
"Nicht die Last macht uns fertig, sondern wie wir sie tragen." Klaus Klages (*1938), deutscher Abreißkalenderverleger

Ein Bibelvers - Matthäus 11,29-30

Jesus: "Nehmt das Joch auf euch, das ich euch gebe. Lernt von mir: Ich meine es gut mit euch und sehe auf niemanden herab. Dann werden eure Seelen Ruhe finden. Denn mein Joch ist leicht. Und was ich euch zu tragen gebe, ist keine Last."

Ein Anregung

Warum die Frau sich mit einem Kleiderständer mit integriertem Spiegel ganz unten im Bahnhof Zürich beim Geleise 31 abmühte, weiss ich nicht. Es war ja nicht nur dieser Kleiderständer, bei dem zwei der vier Rädchen an den Füssen fehlten. Daran befestigt war auch ein sperriger Staubsauger. In der anderen Hand zog die Frau ein Wägelchen, darauf ein grosser Nassreiniger. Sichtlich genervt hob sie ein Staubsaugerrohr vom Boden auf und stellte es wieder in den Kleiderständer zurück. Für die 50 Meter zum Lift brauchte sie gut drei Minuten. Wie war sie wohl zuvor mit all dem Zeugs im Zug zurechtgekommen? Und wie weit musste sie nun noch damit durch die Stadt nach Hause?

Wenige Tage zuvor begegnete ich dem Mann auf dem Foto. Auch er brauchte einige Zeit, bis er wusste, wie er die beiden sperrigen Stühle nach Hause transportieren konnte. Stapeln liessen sie sich nicht. Am Ende trug er sie, als wären es Flügel.

Selbst habe ich auch schon Sessel mit Muskelkraft die 500 Meter vom Möbelhaus nach Hause getragen. Und Teile meiner theologischen Bibliothek brachte ich per Zug vom Wohnort an den Arbeitsplatz. Das war umständlich, aber es ging.

Heute tragen viele ihre Lasten nicht mehr selbst. Das Leben ist bequem geworden, und weil das nicht nur gesund ist, trainieren wir ins Fitnessstudio mit Hanteln und Gewichten.

Dabei böte der Alltag einige Möglichkeiten, um sich fit zu halten. Warum nicht mit dem Sixpack an Getränken das eigene Muskel-Sixpack stimulieren? Dabei ist mitunter auch Kreativität gefordert, wie man beim Mann mit den beiden Stühlen gut sehen kann.

Zuletzt: sitzt man nicht dankbarer und befriedigter auf Stühlen, die man mit einiger Mühe erstanden hat?

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Donnerstag, 27. Januar 2022

'Kindersicherung' für Peking

Ein Zitat

Wintersport am Schweizer Fernsehen
Foto © Jörg Niederer
"China hat die Heuchelei und Untätigkeit des Westens in Menschenrechtsfragen gesehen, deshalb sind sie noch kühner, skrupelloser und rücksichtsloser geworden." Ai Weiwei, Chinesischer Künstler

Ein Bibelvers - Amos 5,23+24

Gott spricht: "Lasst mich in Ruhe mit dem Lärm eurer Lieder! Auch euer Harfenspiel mag ich nicht hören! Vielmehr soll das Recht wie Wasser strömen und Gerechtigkeit wie ein Bach, der nie versiegt."

Ein Anregung

Ich wünsche mir so etwas wie eine "Kindersicherung" für die Olympischen Spiele in Peking. Also ein Filter, der verhindert, dass ich diesen Sportanlass beim Fernsehen, im Internet und in den Medien finde. 

Es gibt mehrere Gründe, warum ich das möchte. Der Entscheidende ist, dass es mich anwidert, dass solche Spiele in einem Land ausgetragen werden, in dem Menschenrechte mit Füssen getreten werden. Natürlich, Unrecht kommt in jedem Land vor, auch im eigenen. Aber in China werden tausende Menschen "umerzogen", weil sie als Uiguren geboren sind. Das Tian'anmen-Massaker wird bis heute geleugnet, die Demokratie in Hongkong zum Verschwinden gebracht, eine kolonialistische Aussenpolitik verfolgt, mit Säbeln gerasselt gegenüber Taiwan und noch viel mehr. All das ist mit meinen christlichen Moralvorstellungen unvereinbar.

Wenn dann eine Schweizer Delegation all dies in den Wind schlägt, weil es ihr Ziel ist, 15 metallene Medaillen bei Sportwettkämpfen zu gewinnen, dann ist das aus meiner Sicht obszön. Um im Jargon des Sports zu bleiben: Das ist unsportlich und menschenverachtend. So gerne ich Wintersport schaue, das will ich nicht auch noch durch meinen Konsum unterstützen.

Und da diese Doppelmoral der Verbände weitergeht mit der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar, lechze ich nach diesem Filter, mit dem ich mich nicht weiter besudeln lassen muss von Aussagen wie der, Sport habe nichts mit Politik zu tun.

Strahlt von mir aus in dieser Zeit alle Sandmännchen-Sendungen der Fernsehgeschichte aus. Da wissen wir wenigsten von Anfang an, dass man uns Sand in die Augen streuen will.

So, das musste ich einfach einmal loswerden. Und ich verspreche: Morgen gibt es wieder etwas Auferbauenderes.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Samstag, 7. August 2021

Frauen, Frauen, Frauen und auch einige Männer

Ein Zitat

Hauptsitz des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) in Lausanne
Foto © Jörg Niederer
"Gott gibt Talent; Arbeit verwandelt Talent in Genialität." Anna Pavlova, Russische Primaballerina

Ein Bibelvers - Micha 6,4

Gott zum Volk Israel: "Ich habe dich doch aus Ägypten geführt und aus der Sklaverei befreit. Ich habe Mose, Aaron und Mirjam dazu bestimmt, dass sie dir auf dem Weg vorausgehen."

Ein Anregung

Ist es dir auch aufgefallen? Gerade werden die Frauen hoch gehandelt. Am 1. August predigten vielerorts ausschliesslich Frauen. Auf das Bundeshaus werden aktuell die Bilder von verdienten Schweizerinnen projiziert. Und unter den aktuell bekannten Schweizerinnen und Schweizer, welche Olympia-Medaillen gewonnen haben, sind drei Männer und sage und schreibe zehn Frauen.

Ohne die Leistungen von Frauen ginge es nicht. Jedoch drang diese Erkenntnis nur sehr langsam ins Bewusstsein der Gesellschaft. Gut, dass es aus sportlicher Sicht mittlerweile keine Frage mehr ist, dass die Frauen an den Olympischen Spielen teilnehmen können. Sonst sähe die aktuelle Schweizer Bilanz eher bescheiden aus.

Die Evangelisch-methodistische Kirche brauchte Zeit, bis Frauen gleichwertig alle Ämter in der Kirche ausüben konnten. Andere Kirchen sind immer noch nicht so weit. Kein Wunder, halten das viele für einen stossenden Anachronismus. Mit dieser Haltung, Frauen zu diskriminieren, schaden Kirchen sich selbst, ja könnten zusehends in die Bedeutungslosigkeit abgleiten.

Auch wenn das Internationale Olympische Komitee (IOC - Auf dem Foto der Hauptsitz in Lausanne) kein Hort von Menschenrechten und Machtenthaltung ist; wenn es darum geht, begabten Frauen eine Plattform zu bieten, hat es gegenüber den Kirchen die Nase vorn.

An dieser Stelle nun die Namen der schweizerischen Medaillen-Gewinner*innen (inklusive der Männer) von diesem Jahr: 

Gold:
Tennis: Belinda Bencic; Mountainbike: Jolanda Neff; Schiessen: Nina Christen

Silber:
Tennis: Belinda Bencic und Viktorija Golubic; Radsport: Marlies Reusser; Mountainbike: Sina Frei; Mountainbike: Mathias Flückiger

Bronze:
Schiessen: Nina Christen; Mountainbike: Linda Indergand; Schwimmen: Jérémy Desplanches; Schwimmen: Noè Ponti; Radsport: Nikita Ducarroz; Beachvolleyball: Anouk Vergé-Dépré und Joana Heidrich

Welches ist aus deiner Sicht die Frau, die dich - einmal abgesehen von deiner Mutter - am meisten beeindruckt hat?

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Mittwoch, 14. Juli 2021

John Wesleys Burnout- und Gesundheitsregeln

Ein Gedanke

Wandern für ein gesünderes Leben
Foto © Jörg Niederer
"Der Mensch ist nicht frei von seinen Bedingungen, aber frei zu seinen Bedingungen Stellung zu nehmen." Viktor Frankl

Ein Bibelvers - Hiob 3,20

"Warum lässt er [Gott] die Sonne scheinen für den, der vom Leid geplagt ist? Warum schenkt er Leben den Menschen, die im Herzen völlig verzweifelt sind?"

Eine Anregung

Helfen Anregungen von John Wesley (1703-1791), Gründergestalt der methodistischen Bewegung, gegen Burnout? Dem ging ein kirchlicher Beitrag nach. 

Rae Jean Proeschold-Bell, Forschungsleiterin eines Gesundheitsprogramms der Duke Divinity School für methodistische Pfarrpersonen in North Carolina sagt: "Pfarrpersonen sind Generalisten. Sie sind in ihrem Beruf für 50 verschiedene Aufgaben verantwortlich, die wiederum 50 verschiedene Fähigkeiten erfordern. Das kann zu Burnout und Überlastung führen."

Für Wesley gehörten körperliche, geistige und spirituelle Gesundheit zusammen. Er achtete bei sich auf nahrhaftes Essen, Sport und einen strukturierten Tagesablauf mit zeitigem Aufstehen. Damit beugte er Krankheit vor und stärkte zugleich die spirituelle Vitalität.

In "Primitive Physic", Wesleys Gesundheitsbuch für die breite Masse, schriebt er: "Verzichte auf stark gewürzte oder scharfe Speisen. Verwende einfache, leicht verdauliche Kost... Trinke nur Wasser, wenn dein Magen es erträgt [Anm. des Übersetzers: Sauberes Wasser war in Wesleys Zeit nicht überall erhältlich]; wenn nicht, dann trinke gutes klares [Anm. des Übersetzers: und durch den geringen Alkoholgehalt von unter 3% keimfreies] Schwachbier. Bewege dich täglich so viel du kannst an der frischen Luft, aber nicht bis zur Erschöpfung. Iss am Abend um 18.00 oder 19.00 Uhr nur noch leichtesten Kost. Gehe früh zu Bett und stehe zeitig auf." Für Menschen, welche sich stetig an diese Regeln halten würden sei das schon die halbe Miete zu mehr Gesundheit, so Wesley.

Bei heutigen Burnout-Behandlungen werden Massnahmen zur Stressverringerung kombiniert mit Methoden der Entspannung. Sportliche Betätigung und Ernährung spielen auch eine Rolle, aber es kommen weitere Massnahmen dazu, je nach Ursache des Burnouts.

Auch wenn es vermutlich auch heute oft regnet: Es lohnt sich dennoch, sich an diesem Tag an der frischen Luft aus eigener Kraft zu bewegen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde