Ein Zitat
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| Foto © Jörg Niederer |
"Im Wesentlichen Einheit, in allem Anderen Freiheit, über allem die Liebe." John Wesley
Ein Bibelvers - Psalm 120,7
"Ich möchte doch nur in Frieden leben. Aber was ich auch sage, sie wollen Krieg."
Eine Anregung
Mit der VIVA Kirche (früher Chrischona) arbeiten wir von der Evangelisch-methodistischen Kirche etwa in der Evangelischen Allianz zusammen. Persönliche Begegnungen bei den Treffen der Pfarrpersonen und Pastoren in Weinfelden und St. Gallen unterstreichen das gute herzliche Miteinander. Umso mehr irritiert es, wenn zwei Vertreter der VIVA Kirche, die erst noch am selben Ort wohnen wie ich, in Frauenfeld, in einem Blogbeitrag mit der Überschrift: "Progressive Übernahme – ein Kommentar zur Generalkonferenz der Methodisten" ein wahres Freikirchenbashing (bashing = schlechtmachen, fertigmachen) betreiben. Dem Text ist abzuspüren, dass die beiden Brüder Paul und Peter Bruderer wohl vor Veröffentlichung des Beitrags nicht das Gespräch gesucht haben mit verantwortlichen Personen aus der Evangelisch-methodistischen Kirche (zumindest nicht mit solchen, welche ihre vorgefasste Meinung nicht teilen). Das wäre aus meiner Sicht ein erster Schritt gewesen, den jemand, der sich aus christlicher Motivation ernsthaft sorgt über die Entwicklung einer anderen Kirche, getan hätte. Solche Gespräche hätten beigetragen, die Einordnung der Generalkonferenz und ihrer Beschlüsse besser zu verstehen. Was die beiden Brüder zusammentragen, ist sicher nicht sinnlos, aber eben auch nicht sinnvoll, es ist leider in schlechter Weise halbsinnig. Das ist besonders perfide, weil dabei die sinnvollen Teile den sinnlosen oder auch einfach falschen Aussagen das Mäntelchen der Wahrheit überstreifen.
Genau solches Vorgehen von einigen Lobbygruppierungen auf der weit konservativen aber auch liberalsten Seite der Evangelisch-methodistischen Kirche haben die Verhandlungen und den Austausch an früheren Generalkonferenzen vergiftet. Ja, es gab Streit in der EMK, da haben die Brüder Bruderer recht. Und im Gefolge dieses Streits wurde an der ausserordentlichen Generalkonferenz 2019 eine Gesetzlichkeit von einer 3/5-Mehrheit eingeführt, welche es wohl vielen christusliebenden Methodistinnen und Methodisten aus allen Lagern unmöglich gemacht hätte, weiter in dieser Kirche zu bleiben. Dass die nachfolgende Trennung vieler Gemeinden von der Evangelisch-methodistischen Kirche in gegenseitigen Respekt so vereinbart wurde, von all dem liest man nichts im Beitrag der beiden Blogger. Dafür wird ein Schreiben einer afrikanischen Minderheitengruppe extra übersetzt. An der Generalkonferenz habe gerade 1/3 der afrikanischen Delegierten dieses Schreiben unterstützt. Die anderen afrikanischen Delegierten waren sich wohl bewusst, dass die Entscheide der diesjährigen Generalkonferenz ihre traditionelle Haltung schützen, und in Fragen der menschlichen Sexualität und beim Eheverständnis keinen Kadavergehorsam im Sinn einer Regenbogenkirche verlangen. Wenn aber mindestens die Hälfte einer Kirche keine Regenbogenkirche sein muss, wie kann da schon im ersten Satz des Bruderer-Beitrags behauptet werden: "Die weltweite Methodistische Kirche ist vergangene Woche zu einer Regenbogenkirche mutiert". Falls aber mit Regenbogenkirche gemeint ist, dass bei Gott und in der Evangelisch-methodistischen Kirche wirklich alle Menschen willkommen sind, ohne Ausnahme und ohne Ansehen der Person, ganz im Sinn des Regenbogens in der Noah-Geschichte als Friedenszeichen Gottes über allen Geschöpfen, dann hoffe ich, dass nicht nur meine Kirche, sondern jede christliche Gemeinschaft eine Regenbogenkirche ist.
Schade, die beiden Mitchristen Paul und Peter Bruderer von der VIVA-Kirche haben mit ihrer unausgegorenen Analyse der Generalkonferenz eines getan: Methodistinnen- und Methodistenbashing. Aber wer weiss, vielleicht gibt es ja irgendeinmal eine Entschuldigung, wenn auch nicht zum Inhalt, so wenigsten über das mich persönlich verletzende, wenig geschwisterliche Vorgehen.
Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen