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Freitag, 15. August 2025

Kirche im Übergang

Ein Zitat

Rückbau der Viva Kirche Weinfelden. Hier entsteht das neue Gemeindezentrum "Perron Süd".
Foto © Jörg Niederer
"Der Aufbau einer eigenen Meinung geht Hand in Hand mit dem Abbau von Vorurteilen." Ernst Ferstl (*1955)

Ein Bibelvers - 2. Korinther 5,17

"Wenn jemand zu Christus gehört, gehört er schon zur neuen Schöpfung. Das Alte ist vergangen, etwas Neues ist entstanden!"

Eine Anregung

So sieht ein Kirchengebäude im Übergang aus. Da wo bis vor kurzem die VIVA-Kirche Weinfelden stand, ist heute ein Bagger dabei, Mauerwerk zu verkrümeln.

Damit etwas Neues entstehen kann, muss Altes weggeräumt werden. Das ist nicht nur in der Baubranche so, sondern auch im Leben von Menschen. Auf alten, überholten Lebensfundamenten kann man zwar weiterbauen. Besser ist es aber, wenn man von Grund auf neu beginnt. Dann können neue Ideen verwirklicht werden, dann können neue Chancen genutzt werden.

Am Ort, an dem die alte Viva Kirche Weinfelden stand, entsteht eine Kombination von Kirche und Dienstleistung, entsteht das "Perron Süd". Ein Ort zum Ankommen. Bis es soweit ist, kann die Gemeinde Veränderung einüben.

Auch ich werde in diesen Tagen Veränderungen einüben. Dabei frage ich mich: Was muss ich zuvor zurückbauen, was muss weichen? Was darf bleiben?

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Freitag, 21. Juni 2024

Türschliessung

Ein Zitat

Nach 6 Jahren schliesst am Samstag, 22. Juni das Be You Café in Frauenfeld.
Foto © Jörg Niederer
"'Die Leute sollen sich wohlfühlen', sagt sie. Daher komme auch der Name 'Be You'." Aus dem Beitrag der Zuger Zeitung zur Eröffnung des Be You Cafés in Frauenfeld.

Ein Bibelvers - 1. Mose 24,31

"Komm mit, du vom Herrn Gesegneter! Warum stehst du hier draußen? Ich habe im Haus schon alles herrichten lassen, auch für die Kamele ist genug Platz."

Eine Anregung

Ich besuche an meinem Wohnort in Frauenfeld nicht oft Restaurants. Aber im Be You Café gleich zwischen Bahnhof und Murg war ich gerne zu Gast. Nun schliesst das Café nach sechs Jahren am morgigen Samstag um 18.00 Uhr seine Türen für immer.

Hinter dem Be You Café stand mit Linda Portmann eine Absolventin des ISTL (International Seminary of Theology and Leadership). Bevor sie 2018 das Café eröffnete, arbeitete sie als Jugendpastorin bei der Viva Kirche (Chrischona) Stein am Rhein. 

Das Café am Lindenplatz zog nebst den Bahnhofpassanten entsprechend viele Menschen mit kirchlichem und christlichem Hintergrund an. Im Be You Café kam ich auch mit dem Buchautor Usama Al Shahmani näher ins Gespräch. Kinder waren gerne gesehen. Und zuletzt trafen sich die drei in Frauenfeld wohnhaften Methodistenpfarrer genau da zu ungezwungenen Gesprächen.

Das Café war eines dieser Projekte, welche man als Fresh Expressions of Churches bezeichnen könnte. In unaufdringlicher Weise wird dabei der christliche Glaube hinausgetragen, dahin, wo die Menschen sind. Gemeinsam mit der Restaurantkultur haben solche Projekte den Charakter der zeitlichen Begrenzung. Sie kommen und gehen. Ich finde es Schade, dass morgen Samstag nun die Dernière stattfindet. 

Linda Portmann dankt zum Abschied den Gästen des Cafés: "Jetzt so kurz vor dem Ende wird es doch noch sehr emotional für mich, denn ich habe die Zeit die ich im Café mit euch, meinen Kunden verbringen durfte, sehr genossen. Ich bin extrem positiv überrascht von all den wohlwollenden, grossartigen und liebeswürdigen Menschen, die mich über diese Jahre hinweg unterstützt und ermutigt haben; einfach dadurch, dass sie gerne in mein Café gekommen sind."

So sage ich an dieser Stelle auch ganz herzlich Danke. Ich war gerne im Be You Café zu Gast, und werde es vermissen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Samstag, 18. Mai 2024

Wenn Freikirchler Freikirchen bashen

Ein Zitat

Frauenfeld - Blick zur Altstadt mit seinen markanten Kirchen.
Foto © Jörg Niederer
"Im Wesentlichen Einheit, in allem Anderen Freiheit, über allem die Liebe." John Wesley

Ein Bibelvers - Psalm 120,7

"Ich möchte doch nur in Frieden leben. Aber was ich auch sage, sie wollen Krieg."

Eine Anregung

Mit der VIVA Kirche (früher Chrischona) arbeiten wir von der Evangelisch-methodistischen Kirche etwa in der Evangelischen Allianz zusammen. Persönliche Begegnungen bei den Treffen der Pfarrpersonen und Pastoren in Weinfelden und St. Gallen unterstreichen das gute herzliche Miteinander. Umso mehr irritiert es, wenn zwei Vertreter der VIVA Kirche, die erst noch am selben Ort wohnen wie ich, in Frauenfeld, in einem Blogbeitrag mit der Überschrift: "Progressive Übernahme – ein Kommentar zur Generalkonferenz der Methodisten" ein wahres Freikirchenbashing (bashing = schlechtmachen, fertigmachen) betreiben. Dem Text ist abzuspüren, dass die beiden Brüder Paul und Peter Bruderer wohl vor Veröffentlichung des Beitrags nicht das Gespräch gesucht haben mit verantwortlichen Personen aus der Evangelisch-methodistischen Kirche (zumindest nicht mit solchen, welche ihre vorgefasste Meinung nicht teilen). Das wäre aus meiner Sicht ein erster Schritt gewesen, den jemand, der sich aus christlicher Motivation ernsthaft sorgt über die Entwicklung einer anderen Kirche, getan hätte. Solche Gespräche hätten beigetragen, die Einordnung der Generalkonferenz und ihrer Beschlüsse besser zu verstehen. Was die beiden Brüder zusammentragen, ist sicher nicht sinnlos, aber eben auch nicht sinnvoll, es ist leider in schlechter Weise halbsinnig. Das ist besonders perfide, weil dabei die sinnvollen Teile den sinnlosen oder auch einfach falschen Aussagen das Mäntelchen der Wahrheit überstreifen.

Genau solches Vorgehen von einigen Lobbygruppierungen auf der weit konservativen aber auch liberalsten Seite der Evangelisch-methodistischen Kirche haben die Verhandlungen und den Austausch an früheren Generalkonferenzen vergiftet. Ja, es gab Streit in der EMK, da haben die Brüder Bruderer recht. Und im Gefolge dieses Streits wurde an der ausserordentlichen Generalkonferenz 2019 eine Gesetzlichkeit von einer 3/5-Mehrheit eingeführt, welche es wohl vielen christusliebenden Methodistinnen und Methodisten aus allen Lagern unmöglich gemacht hätte, weiter in dieser Kirche zu bleiben. Dass die nachfolgende Trennung vieler Gemeinden von der Evangelisch-methodistischen Kirche in gegenseitigen Respekt so vereinbart wurde, von all dem liest man nichts im Beitrag der beiden Blogger. Dafür wird ein Schreiben einer afrikanischen Minderheitengruppe extra übersetzt. An der Generalkonferenz habe gerade 1/3 der afrikanischen Delegierten dieses Schreiben unterstützt. Die anderen afrikanischen Delegierten waren sich wohl bewusst, dass die Entscheide der diesjährigen Generalkonferenz ihre traditionelle Haltung schützen, und in Fragen der menschlichen Sexualität und beim Eheverständnis keinen Kadavergehorsam im Sinn einer Regenbogenkirche verlangen. Wenn aber mindestens die Hälfte einer Kirche keine Regenbogenkirche sein muss, wie kann da schon im ersten Satz des Bruderer-Beitrags behauptet werden: "Die weltweite Methodistische Kirche ist vergangene Woche zu einer Regenbogenkirche mutiert". Falls aber mit Regenbogenkirche gemeint ist, dass bei Gott und in der Evangelisch-methodistischen Kirche wirklich alle Menschen willkommen sind, ohne Ausnahme und ohne Ansehen der Person, ganz im Sinn des Regenbogens in der Noah-Geschichte als Friedenszeichen Gottes über allen Geschöpfen, dann hoffe ich, dass nicht nur meine Kirche, sondern jede christliche Gemeinschaft eine Regenbogenkirche ist.

Schade, die beiden Mitchristen Paul und Peter Bruderer von der VIVA-Kirche haben mit ihrer unausgegorenen Analyse der Generalkonferenz eines getan: Methodistinnen- und Methodistenbashing. Aber wer weiss, vielleicht gibt es ja irgendeinmal eine Entschuldigung, wenn auch nicht zum Inhalt, so wenigsten über das mich persönlich verletzende, wenig geschwisterliche Vorgehen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen