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Donnerstag, 30. März 2023

Nomen est Omen

Ein Zitat

Mulde des Recycling-Unternehmens Wiederkehr.
Foto © Jörg Niederer
"Anonymus: der in der gesamten Literatur am häufigsten vorkommende Autor." Herkunft unbekannt

Ein Bibelvers - 1. Mose 17,4+5

"Da sagte Gott zu ihm: 'Siehe, das ist mein Bund mit dir: Du wirst der Stammvater vieler Völker sein. Darum sollst du nicht mehr Abram heißen, sondern dein Name soll Abraham sein.'"

Eine Anregung

"Nomen est Omen", sagt man. Etwa wenn eine Recycling-Firma treffen "Wiederkehr" heisst. Beim Recyceln geht es doch darum, alte Dinge auf andere Weise wieder zu verwendet, sozusagen in ein neues Leben zurückführen.

Andere Beispiele: Ein langjähriger Mitarbeiter im Installationsgeschäft meines Vater hiess mit Nachnamen "von Rohr". Passender hätte er, der viel mit Rohren zu tun hatte, doch gar nicht heissen können. Ob es auch so gut passt mit dem Namen bei der "Schreinerei & Bestattungen Matthias Teufel"? Will man wirklich vom Herr Teufel beigesetzt werden? Auch lustig ist die Verbindung von Namen und Berufszweig bei der "Vinothek Bittermann".

Wie möchten wir aber heissen, wenn es darum geht, damit die eigene Lebens-Leidenschaft zu benennen. Auszeichnungen könnten Namen sein wie Gutmann, Gütig, Fromm, Langmut, Hoffnung, Gutmensch, Beistand, Fröhlich und viele mehr.

Für alle, deren Namen so gar nicht zur Person passt, sei gesagt: Gott sieht das Herz an, wenn er dich beim Namen ruft. Gott kennt und anerkennt dich im Guten.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Montag, 13. Februar 2023

Möwe fotografiert, Bildband erhalten

Ein Zitat

"AVES VÖGEL Charakterköpfe" ist ein aussergewöhnliches Buch mit Fotos von Tom Krausz und Texten von Elke Heidenreich und Urs Heinz Aerni.
Foto © Jörg Niederer
"Unsere Tierliebe gilt heute den Individuen; aber darauf können wir uns nichts einbilden, das geschieht aus der Not." Professor Dietmar Schmidt in: Tom Krausz, Elke Heidenreich und Urs Heinz Aerni, "AVES VÖGEL Charakterköpfe", München und Hamburg 2020, S. 15

Ein Bibelvers - 1. Mose 2,19+20a

"Gott der Herr formte aus dem Erdboden alle Tiere auf dem Feld und alle Vögel am Himmel. Dann brachte er sie zu dem Menschen, um zu sehen, wie er sie nennen würde. Jedes Lebewesen sollte so heißen, wie der Mensch es nannte. Also gab der Mensch ihnen Namen..."

Eine Anregung

Weil ich unter den vielen tausend Lachmöwen die eine entscheidende fotografierte, wurde mir als Preis ein besonders schönes Buch überreicht. Ich hatte also Glück, dass ich genau den richtigen Vogel ablichtete. Einmalig war dieser Moment auch weil ich dort in Zürich an der Sihl wohl kaum wieder sagen könnte, welche Lachmöwe es gewesen war, die mir nun Lese- und Sehvergnügen bereitet mit einem Buch, in dem zwar viele Vögel vorkommen, aber keine Lachmöwen. 

Gut, auch mit dieser Möwe hätte es nicht eine solche Wendung genommen, wäre sie nicht just im rechten Moment auf dem Kopf eines Mannes gestanden. Es wäre wohl auch anders herausgekommen, hätte dieser Kopf nicht einem bekannten Journalisten und Buchautor gehört, einem überaus kreativen Vogelliebhaber. Nichts wäre aus dem Buch geworden, wäre das Foto von Urs Heinz Aerni – so heisst dieser Journalist – mit der Möwe auf dem Kopf nicht in einer grossen Zürcher Zeitung erschienen, was wiederum eine kleine Kettenreaktion an Verdankungen auslöste, beim Journalisten mit Wein und bei mir mit dem Bildband von Portraits gefiederter Charakterköpfen. 

Ich bin fasziniert von Tom Krausz' Fotografien. Geniale Tiere, genial festgehalten. Physiognomien, Gesichtszüge von grosser Eindringlichkeit, nicht farbig schrill wie ein Teil der Vogelwelt, sondern in klassischem Schwarzweiss, so dass die Formen, der Blick, die Strukturen offensichtlich Verborgenes erkennbar hervortreten lassen. Zu jedem abgebildete Vogel gibt es Texte von Elke Heidenreich und Urs Heinz Aerni. Diese haben es in sich, es geht augenzwinkernd und philosophisch zu, Schwarzweiss gedruckt und doch weit mehr als Licht und Schatten. 

Dann wäre da noch auf einer der ersten Seiten diese Buches ein biblischer Bezug in den Gedanken von Professor Dietmar Schmidt zu entdecken. Er schreibt vom "adamitischem Reflex". Gemeint ist die "...Szene, in der Adam, der erste Mensch, die Tiere um sich versammelt, um ihnen Namen zu geben - und um im Akt der Benennung seine Herrschaft über das Tierreich zu proklamieren".

Wir Menschen haben einen Drang, alles zu ordnen und zu benennen. Auch einige Vögel, die Raben etwa, können in ihrer Sprache uns Menschen als Gattung von andern Tieren unterscheiden. Selbst zwischen Mensch und Mensch differenzieren sie, erkennen Gesichter, ordnen den Individuen Eigenschaften zu. "Sie sehen uns an..." schreibt Elke Heidenreich als Allererstes im Buch.

Individualisierung: In einer Mail habe ich Urs Heinz Aerni gefragt, ob die Möwe ihn schon vor dem Foto gekannt habe. Er antwortete (augenzwinkernd?): "...ja, der Vogel heißt Eduard".

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Donnerstag, 14. Oktober 2021

Die Strasse zur Karosseriewerkstätte

Ein Zitat

Strassenschild zur Rue de la Carrosserie in Crans-près-Celigny
Foto © Jörg Niederer
"Auf einer geteerten Straße kann man den richtigen Weg nicht finden." Bob Marley

Ein Bibelvers - Matthäus 7,13+14

Jesus: "Geht durch das enge Tor! Denn das Tor zum Verderben ist weit, und der Weg dorthin ist breit. Diesen Weg wählen viele Menschen. Aber wie eng ist das Tor zum Leben, und wie schmal ist der Weg dorthin! Diesen Weg finden nur wenige Menschen."

Ein Anregung

Keine Frage: Nach Mühlen sind viele Gassen, Strassen und Wege benannt. Und selbst arbeite ich an einem Kapellenweg und einer Kapellenstrasse. Da es auch Metzgergassen und Schmiedewege gibt, und ein Pier auch einmal nach dem Fischer benannt sein kann, spricht nichts dagegen, auch eine Strasse nach einer Karosseriewerkstätte zu benennen. Im abgebildeten Fall ist es die Carrosserie Bussy in Crans-près-Celigny. Der Gewerbebetrieb hat vielen Mühlen- und Kapellenstrassen eines voraus: Die Karosseriewerkstätte gibt es noch. An vielen Mühlen- und Kapellenstrassen dagegen sind die Mühlen und Kapellen schon längst verschwunden. Genauso wie auf Lindenplätzen oft gar keine Linden mehr stehen.

Wie ist das mit der Strasse, an der du wohnst: Stimmt deren Namen noch mit der Realität überein?

Und wie steht es mit deinem Leben? Stimmt es noch mit deinen Werten überein?

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde