Donnerstag, 20. Januar 2022

Eine Frau setzt sich durch

Ein Zitat

Diese Bibel überstand den Brand des Pfarrhauses von 1709, bei dem John Wesley als Kind gerade noch gerettet werden konnte.
Foto © Jörg Niederer

"Hilf mir, Herr, mich daran zu erinnern, dass Religion nicht auf die Kirche beschränkt ist... und auch nicht nur im Gebet und in der Meditation ausgeübt wird, sondern dass sie überall dort geschieht, wo ich mich in Deiner Gegenwart befinde."
Susanna Wesley (1669-1742)

Ein Bibelvers - 2. Mose 15,20+21

"Die Prophetin Mirjam, die Schwester Aarons, nahm ihre Pauke in die Hand. Auch alle anderen Frauen griffen zu ihren Pauken und zogen tanzend hinter ihr her. Mirjam sang ihnen vor: Singt für den Herrn: Hoch und erhaben ist er. Rosse und Wagen warf er ins Meer."

Ein Anregung

Heute jährt sich die Geburt von Susanna Wesley zum 353. Mal. Die Mutter von John und Charles Wesley, den beiden Gründergestalten des Methodismus, war massgeblich beteiligt daran, dass John Wesley während der methodistischen Anfängen auch einzelnen Frauen das predigen erlaubte. Kein Wunder, hielt Susanna Wesley ja selbst gottesdienstliche Feiern bei sich zu Hause im alten Pfarrhaus von Epworth ab, an denen bis 300 Menschen teilnahmen.

Diese "Gottesdienste" begannen, als ihr Mann und Ortspfarrer Samuel Wesley für Geschäfte mehrere Wochen nach London verreiste. Sein Stellvertreter war wenig motiviert. Und weil Susanna ihren zehn Kindern eine gute geistliche Begleitung möglich machen wollte, begann sie mit dem, was wir heute Hauskreis nennen würden. Ihre Kinder luden dann weitere Kinder zu den Sonntagnachmittagsstunden ein, und was für Kinder und Jugendliche gedacht war, wurde immer mehr auch von Erwachsenen besucht. Bald fanden sich 50 Personen und mehr zu diesen Treffen ein. Doch das gefiel dem Pfarrverweser Godfrey Inman gar nicht, und er beklagte sich im Namen von einigen wenigen weiteren Gemeindegliedern der Pfarrei brieflich bei Samuel Wesley. Er solle seine Frau in die Schranken weisen.

Auch Susanna schrieb daraufhin ihrem Mann: "Wenn Sie es dennoch für angebracht halten, diese Versammlung aufzulösen, so sagen Sie mir nicht, dass Sie es wünschen, denn das wird mein Gewissen nicht befriedigen, sondern senden Sie mir Ihren ausdrücklichen Befehl, der mich von aller Schuld und Strafe für die Vernachlässigung dieser Gelegenheit, Gutes zu tun, freisprechen kann, wenn Sie und ich vor dem großen und schrecklichen Gericht unseres Herrn Jesus Christus erscheinen werden." 

Nach diesen klaren Worten gab es keine Kritik mehr an den Versammlungen im Pfarrhaus, weder von Samuel Wesley noch von Godfrey Inman.

Gut möglich, dass die auf dem Foto abgebildete Bibel an diesen sonntäglichen Treffen benutzt wurde. Sie überstand den Brand des Pfarrhauses, bei dem der sechsjährige John Wesley 1709 als Kind gerade noch aus dem Flammen gerettet werden konnte. Heute ist die Bibel im Museum of Methodism in der Wesley Chapel in London ausgestellt.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Mittwoch, 19. Januar 2022

Vegan im Pelikan

Ein Zitat

Eingang zum Restaurant "Formidable Pelikan" in St. Gallen.
Foto © Jörg Niederer
"Stop acting like a disgruntled Pelikan" (Höre auf, dich wie ein verärgerter Pelikan zu verhalten.) Redensart und Label

Ein Bibelvers - Psalm 102,6+7

"Meine Stimme versagt vor lauter Stöhnen. Nur noch Haut klebt an meinen Knochen. Ich fühle mich wie eine Eule [ein Pelikan] in der Wüste. Ich gleiche einem Steinkauz in Ruinen."

Ein Anregung

Der Pelikan, das ist ein Haus in St. Gallen, welches erstmals um 1400 erwähnt wird.

Der Pelikan, das ist ein veganes Restaurant in diesem Haus mit einem innovativen Konzept.

Der Pelikan, das ist der unverwechselbare Wasservogel mit dem dehnbaren Hautsack am Unterschnabel. 

Nicht ganz sicher ist, ob der Pelikan in der Bibel vorkommt. In neueren Übersetzungen scheint es ihn nicht mehr zu geben. In der Tiersymbolik der Kirche kommt er aber vor und gilt als Sinnbild für Christus. Im um 200 n. Christus entstandenen Büchlein "Der Physiologus" (der Naturkundige) - einem Bestseller im Mittelalter und damals nur mit der Bibel selbst vergleichbar - heisst es über den Pelikan: "Der selige Prophet David sagt in seinem Psalter: Ich bin gleich einem Pelikan in der Wüste [Psalm 102,7]. Der Physiologus hat von dem Pelikan gesagt, er gehe völlig auf in der Liebe zu seinen Kindern. Wenn er die Jungen hervorgebracht hat, dann picken diese, sobald sie nur ein wenig zunehmen, ihren Eltern ins Gesicht. Die Eltern aber hacken zurück und töten sie. Nachher jedoch tut es ihnen leid. Drei Tage lang trauern sie dann um die Kinder, die sie getötet haben. Nach dem dritten Tag aber geht ihre Mutter hin und reisst sich selber die Flanke auf, und ihr Blut tropft auf die toten Leiber der Jungen und erweckt sie."

Es ist leicht ersichtlich, dass hier Menschwerdung, Kreuzigung und Auferweckung Jesu durch scheinbare Naturbeobachtung verarbeitet sind. In der Folge entstand die Vorstellung, dass der Pelikan seine Jungen mit dem Blut aus seiner Brust nähre. (Beim Blut handelte es sich vermutlich um für die Jungen hervorgewürgten vorverdauten Fisch. Oder dann ist die während der Brutzeit rote Färbung des Kehlsacks beim Krauskopfpelikan eine Erklärung.)

Eine blutige Geschichte, die da mit dem Pelikan verbunden ist. Und ausgerechnet in einem nach diesem Vogel benannten Haus wird dem Tierwohl nun besonders grosse Beachtung geschenkt, indem rein vegan gekocht und gegessen wird. 

Auch ohne tierische Speise isst man gut, im "Formidable Pelikan", das die junge Wirtin Désirée Fatzer mit vielen Ideen und Neuerungen führt. Ich jedenfalls habe mich wohl gefühlt im Pelikan, dem Haus zum Tier, das gemäss christlicher Tradition für Hoffnung und Trost steht.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Dienstag, 18. Januar 2022

Tauben - lebenslang treu

Ein Zitat

Ruhende Tauben beim Hafen von Horgen
Foto © Jörg Niederer
"Ein Spatz in der Hand ist besser als eine Taube auf dem Dach, sagt man. Der Spatz ist völlig anderer Meinung." Robert Lembke

Ein Bibelvers - Hohelied 6,9

"Doch für mich gibt es nur die eine: Sie ist mein makelloses Täubchen. Sie ist der Liebling ihrer Mutter, die wunderbarste Tochter, die sie geboren hat."

Ein Anregung

Tauben können beim Trinken das Wasser ansaugen. Ihre Jungen füttern sie mit Milch, die in einem ihrer beiden Kröpfe gebildet werden. Mit Nestern haben sie es nicht so. Diese sehen eher minimalistisch aus. Aber sie haben, mit Ausnahme der Arktis und Antarktis die ganze Welt besiedelt. Fast überall, wo es Menschen gibt, leben auch Tauben.

Unsere Stadttauben stammen wohl von verwilderten Brieftauben ab, die wiederum aus Felsentauben gezüchtet wurden. Stadttauben bezeichnet man wissenschaftlich als Pariaform. Gemeint sind damit rückverwilderte Haustiere. In meiner Jugend turtelten neben meinem Dachfenster die Stadttauben. Ihr gurren weckte mich jeden Morgen. Auch erinnere ich mich an die Fotos von den Reisen meiner Eltern, wie sie in Venedig auf dem Markusplatz als lebende Vogelständer für die Tauben figurierten.

Tauben leben sozial und brauchen doch einen Minimalabstand untereinander, damit sie sich wohl fühlen. Wie Menschen schliessen sie sich zu Arbeitsgemeinschaften zusammen. Wer zusammenwohnt, geht nicht zwingend gemeinsam der Nahrungssuche nach. Die Tiere haben in der Stadt nur gerade eine Lebenserwartung von 2 bis 3 Jahren. Von den Jungtieren sterben 90% im ersten Lebensjahr.

Da der Kot der Tiere aggressiv ist und die Gebäude schädigt, versucht man sie in ihrer Zahl zu kontrollieren. Das gelingt meist nicht, da Tauben Verluste durch mehr Nachwuchs wieder ausgleichen. Nur weniger Futter führt zu weniger Stadttauben. Darum gilt an vielen Orten ein Fütterungsverbot.

An Hochzeiten werden oft weisse Tauben fliegen gelassen. Damit diese Tauben wieder nach Hause finden, werden die monogam lebenden Taubenpaare getrennt, wobei dann das eine, das bei der Hochzeit aufgelassen wird, so schnell wie möglich versucht, wieder zum Partner zurückzufliegen. Man trennt also verliebte Tauben, damit verliebte Menschen ihre Vermählung feiern können. Das pass irgendwie nicht so.

Und manche der Tiere kehren gar nicht mehr nach Hause zurück, werden von einem Falken erwischt. So viel mir einmal auf einer Wanderung eine gerade geschlagene Taube beinahe auf den Kopf.

Bewundernswert jedenfalls ist die Treue der Taubenpaare. Und in der Liebe und Trauer fühle ich mich mit ihnen verbunden.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Montag, 17. Januar 2022

Es gallert

Ein Zitat

Heftiges Sommergewitter in Morges
Foto © Jörg Niederer
"Wenn man die Augen zumacht, klingt der Regen wie Applaus." Band Gloria (Album Gloria)

Ein Bibelvers - 1. Könige 18,45

"Dann ging es Schlag auf Schlag: Wolken verdunkelten den Himmel und Wind kam auf. Plötzlich fiel starker Regen. Ahab bestieg seinen Wagen und fuhr nach Jesreel."

Ein Anregung

Es gibt einige Begriffe für sehr starken Regen. Da giesst es in Strömen, der Regen prasselt und trommelt, pladdert und plästert, es schüttet wie aus Kübeln, die schweren Tropfen klatscht aufs Dach, es schifft und bullert vom Himmel, Wasser peitscht ins Gesicht.

Dann gibt es auch Menschen, die sprechen bei heftigen Regen davon, dass es "gallert" - und das hat nichts mit der Stadt oder dem Kanton St. Gallen zu tun. 

Gebräuchlich ist das Wort in Norddeutschland. Das Plattdeutsche Wörterbuch nennt noch weitere Bedeutungen für "gallern": Hauen, knüppeln, peitschen sich prügeln, sich schlagen, heftig regnen. 

Gallern beschreibt also, was wir in diesen Zeiten des Klimawandels noch öfter erleben werden. Hoffen wir, dass es ist St. Gallen nicht zu heftig gallert, auch nicht prügelnder Weise.

Lustig auch das in Bremen gebräuchliche plattdeutsche Wort "Galoppschoster". Ein Tipp: Es ist nicht der Hufschmied gemeint. 

Auf Platt heisst die Kirche "de Kark" und glauben "(g)löwen". "Fromm" dagegen bleibt auch bei denen, die Plattdeutsch proten "fromm".

Hier geht es zum Plattdeutschen Wörterbuch

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Sonntag, 16. Januar 2022

Das Alpha und Omega des Brots

Ein Zitat

Sauerteigbrot
Foto © Jörg Niederer
"Krümel sind auch Brot." Deutsches Sprichwort

Ein Bibelvers - Matthäus 6,11

"Gib uns heute unser tägliches Brot."

Ein Anregung

Die Universitäten Salzburg und Lüttich untersuchen gemeinsamen die Alltagssprache in den deutschsprachigen Regionen Europas. 

So haben sie festgestellt, dass es genau zwei Versionen gibt, mit der das "Gebet des Herrn" bezeichnet wird. Einmal als "Vaterunser" und dann als "Unservater". Aber dann gibt es auch noch die Beobachtung, dass diese Gebet in weinigen Regionen unbekannt ist.

Anders sieht es aus mit dem Teil des Brotes, das bei Gottesdiensten sehr selten für die Feier des Abendmahls verwendet wird. Ich meine den Anschnitt. Dafür gibt es unzählige Bezeichnungen: Kante, Anhau, Kipf, Kipfel, Ranft, Ränftchen, Rankl, Rafti, Knorze(n), Knust, Kniesje, Knäuschen, Knerzel, Knerzje, Scherz, Zipfel, Kruste, Kröstchen, Kirschte, Korscht, Knäppchen, Knippel, Marggel, Muger, Mutsch, Küpple, Reife, Riebele, Rindl, Chäppeli, Heudi, und auch "das Ende" (passend am Ende dieser Aufzählung).

In Wirklichkeit sind es noch mehr. Es scheint, dass die Enden des Brots die Menschen im Alltag stark beschäftigen. Sehr häufig seien die Bezeichnungen Scherz, Kante und Knust. Und in manchen Regionen wird das knusprige Anfangsstück (Knäusle) anders benannt als das vertrocknete Endstück (Riebele). 

So, das ist also das Alpha und das Omega des Brots. Ich wünsche dir einen gesegneten Sonntag mit mehr Knäusle als Riebele.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Samstag, 15. Januar 2022

Das reformierte Gesicht Zürichs

Ein Zitat

Lichtspiel auf der symbolische Darstellung der Gründungslegende des Fraumünsters, im Kreuzgang der Stadtzürcher Kirche.
Foto © Jörg Niederer
"Ein Christ syn ist nit schwätzen von Cristo, sundern wandlen, wie er gewamdlet hat." Huldrych Zwingli

Ein Bibelvers - Römer 1,20+21a

"Denn sein [Gottes] unsichtbares Wesen ist seit der Erschaffung der Welt erkennbar geworden – und zwar an dem, was er geschaffen hat. Es ist seine ewige Macht und seine Göttlichkeit. Deshalb haben die Menschen keine Entschuldigung. Sie kennen Gott."

Ein Anregung

Die Gründungslegende des Fraumünsters in Zürich erzählt von Hildegard und Bertha, den beiden Töchtern von König Ludwig dem Deutschen, welche auf dem Weg zu ihrem Gebetsplatz von einem Hirsch mit leuchtendem Geweih begleitet wurden. Vom königlichen Vater erbaten sie am Ort ihres Gebets ein Kloster, doch diesem gefiel der Standort im sumpfigen Abflussbereich des Zürichsee nicht. Nach intensivem Beten der Schwestern fiel auf wundersame Weise ein Seil vom Himmel, und umschloss genau die erbetene Stelle, an dem das Kloster daraufhin errichtet wurde. So entstand die Benediktinerinnenabtei Fraumünster in aktuell zentraler Lage des modernen Zürichs.

Heute ist das Fraumünster eine reformierte Kirche. Mit dem Lockdown 2020 begann der Lokalsender TeleZüri mit der reformierten Kirchgemeinde Zürich Gottesdienste zu produzieren und auszustrahlen. Auch in diesem Jahre wird alle zwei Wochen ein Gottesdienst gesendet. Das nächste Mal ist es am 23. Januar wieder soweit.

Vergangene Gottesdienste können auf der Webseite von TeleZüri immer noch angeschaut werden.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Freitag, 14. Januar 2022

Was sollen Kirchen tun?

Ein Zitat

In Kindern vereinen sich Mut, Verstand, Freude und Entdeckungsgeist
Foto © Jörg Niederer
"Was macht, dass ich so unbeschwert / Und mich kein Trübsinn hält / Weil mich mein Gott das Lachen lehrt / Wohl über alle Welt" Hans Dieter Hüsch

Ein Bibelvers - 1. Chronik 16,10+11

"Rühmt seinen heiligen Namen! Von Herzen sollen sich alle freuen, die den Herrn suchen! Fragt nach dem Herrn und seiner Macht! Kommt vor sein Angesicht zu jeder Zeit!"

Ein Anregung

Vorgestern am Neujahrsempfang in der Christkatholischen Kirche St. Gallen hielt Theodor Pindl, Intendant von WirkRaumKirche, eine seiner intelligenten und anregenden Reden. Darin wünschte er den Kirchen Viererlei: Mut, Verstand, Entdeckergeist und Freude. Aus jedem dieser vier Teile hier ein anregendes Zitat:

Mut: "Zu einfach wäre es jedenfalls – wie es der reformierte Theologe Ingolf Dalfehrt sagt – die Rolle der Kirchen 'auf die von NGOs zur Weltverbesserung zu verkürzen und sie damit um ihre religiöse und gesellschaftliche Wirkkraft zu bringen.' 'Wenn man nur noch sagt, was alle anderen auch sagen würden, [wenn sie aufmerksam wären und nachdenken würden,] dann hat man auch dann nicht Genügendes gesagt, wenn man allgemein nur Zustimmung erhält.'" 

Verstand: "Gegen das Überhandnehmen der vielfachen Unfehlbarkeitserklärungen und Verdammungen der Andersgläubigen müssen nun die Kirchen – und das ist vielleicht für viele ungewohnt! – das Lob des Zweifels und des Zauderns, des vernünftigen Arguments, des belastbaren Urteils und des gesunden Menschenverstands, des Selber-Denkens singen – kurz das Mantra der Aufklärung 'sapere aude' (wage es, weise zu sein)! Sie müssen Anwälte des strittigen, aber auch fairen Diskurses werden, müssen den Empörungsblasen die Luft herauslassen und dem Verschwörungsgeraune rationale Abrüstungssätze entgegensetzen." 

Entdeckergeist: "Johann Baptist Metz hat schon vor langer Zeit von einer 'Kirche mit dem Gesicht zur Welt' gesprochen. Ins Offene denken, unser Glaube lässt uns grossherzig, nicht kleingläubig sein. Sich am Erfahrungsschatz des Ungewöhnlichen und Ungewohnten freuen, sich überraschen lassen, neugierig auf Fremdes sein, die Andersheit des Anderen schätzen... Und dem heiligen Geist noch etwas zu tun übriglassen! Es geht letztlich doch darum, sich selbst und andere für Gottes Wirken zu öffnen und immer wieder der ersten frischen Brise des Evangeliums nachzuspüren..."

Freude: "Das wünsche ich uns allen besonders: Lassen wir uns die Freude nicht nehmen, sie wurzelt in der Dankbarkeit des Herzens, die verbunden ist mit dem Lobpreis unseres grossen Gottes, der nicht gross ist, weil er fern ist, sondern nah; er ist uns 'näher als wir uns selbst es sind', wie Augustinus sagt. Künden wir mit unserer Freude immer wieder von der Hoffnung, die uns trägt..."

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde


Donnerstag, 13. Januar 2022

Offene Türen

Ein Zitat

Blick aus der Christkatholischen Kirche über die Stadt St. Gallen
Foto © Jörg Niederer
"Wo alle loben, habt Bedenken. / Wo alle spotten, spottet nicht. / Wo alle geizen, wagt zu schenken. / Wo alles dunkel ist, macht Licht." Konstantin Wecker nach dem Gedicht des Theologen Lothar Zenetti.

Ein Bibelvers - Johannes 6,37

Jesus: "Alle, die mein Vater mir anvertraut, werden zu mir kommen. Und wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen."

Ein Anregung

Jeden Januar lädt die Christkatholische Kirche Vertreterinnen und Vertreter von kirchlichen Partnerorganisation zum Neujahrsempfang. Dann - und auch sonst - sind die Türen zu dem kunstvollen Bauwerk und zur Gemeinde offen, und nebst besonderen Präsentationen gibt es immer auch ein feines Essen.

Offene Türen. Da denke ich natürlich an die Jahreslosung von 2022. Christus der zusagt, dass er niemanden abweisen werde.

Im Auftrag des Evangelischen Jugendwerks in Württemberg entsteht jedes Jahr ein moderner Song zur Jahreslosung. So auch in diesem Jahr. Für Text und Musik zeichnen Gottfried Heinzmann und Hans-Joachim Eißler verantwortlich. Auf der Webseite kann das Lied in verschiedenen Versionen angehört werden. Auch Andachten und Bildbetrachtungen können heruntergeladen werden.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Mittwoch, 12. Januar 2022

Keine Angst davor, nicht abzuheben

Ein Zitat

Die Spuren der Flugzeuge über dem Bahnhof Frauenfeld
Foto © Jörg Niederer
"Ihr aber seht und sagt: Warum? Aber ich träume und sage: Warum nicht?" George Bernard Shaw

Ein Bibelvers - Philipper 1,6

"Ich bin ganz sicher: Der das gute Werk bei euch begonnen hat, der wird es auch vollenden – bis zu dem Tag, an dem Jesus Christus wiederkommt."

Ein Anregung

Das Wolkenfenster ist nur klein. Zu sehen sind darin viele Kondensstreifen von Flugzeugen. Um keine Startfenster zu verlieren, lassen die Fluggesellschaften auch halbleeren Flugzeugen abheben. Und so ist der Himmel voll von ihnen, selbst in diesen Zeiten, in denen tausende das Haus coronabedingt gar nicht verlassen dürfen.

Geflogen wird also, um in Zukunft auch noch fliegen zu können. Was tun wir alles nur deshalb, damit wir es in Zukunft auch noch tun können? Womit wollen wir den Veränderungen widerstehen? Tun wir es für uns, für die Sache, für Gott oder für die Kirche?

Ich wünsche mir einen mit viel Vertrauen gepaarten Realismus. Ich will mich nicht Fürchten vor Veränderungen und den Folgen neuer Umstände.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Dienstag, 11. Januar 2022

Spirituelle Ausblicke

Ein Zitat

Gedanken vom Glück beim Steinernen Tisch auf dem Buechberg bei Thal.
Foto © Jörg Niederer
"Willst du glücklich sein im Leben, dann sei es!" Leo Tolstoi

Ein Bibelvers - Genesis 2,2

"Am siebten Tag vollendete Gott sein Werk, das er gemacht hatte. An diesem Tag ruhte er aus von all seiner Arbeit, die er getan hatte."

Ein Anregung

Heute gibt es um 20 Uhr auf Instagram ein Gespräch mit dem Netzabt Dave Jäggi. Zum Austausch lädt die Instagramseite Glaubensweite ein. Der Live Talk kann auch später noch angesehen werden.

Aus der selben Netzkloster-Küche kommt der Hinweis auf eine meditative Seite. Ähnlich wie im Blog, in dem du gerade liest, gibt es jeden Tag ein Bild. Dazu kommt ein Satz oder Gedanke. Die Einblick erhält man auf untermdach.online

Die Fotos sind meditativ und bereiten Freude. Detlef Sturm zeichnet dafür verantwortlich. Seine Passion, so schreibt er, sei "Stilles Sitzen". Ob er deshalb so freundlich und glücklich von der Kontaktseite dem/der Betrachtenden entgegenschaut?

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Montag, 10. Januar 2022

Alljährliches Lichterlöschen

Ein Zitat

Weihnachtsbeleuchtung im Januar auf dem Marktplatz Weinfelden
Foto © Jörg Niederer
"Wahrlich, keiner ist weise, der nicht das Dunkel kennt." Hermann Hesse

Ein Bibelvers - Psalm 139,11+12

"Jesus Christus spricht: ‘Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen’."

Ein Anregung

Alljährliches Lichterlöschen. Nun werden sie wieder abgebaut, die Adventsbeleuchtungen in den Städten und Dörfern. Ein Glühweinstand nach dem andern verschwindet. Und da, wo sie noch stehen, sind sie nur noch spärlich besucht.

Ich schmücke pro Advents- und Weihnachtszeit so ein bis zwei Bäume. Die städtischen Angestellten dekorieren aber ganze Strassenzüge mit den Lichtern. Und auch zum Abräumen brauchen sie wieder viel Zeit, die sie in unangenehmer Lage in der Kälte verbringen. Hut ab.

Wie geht es dir? Hast du die Lichter nun gesehen? Oder möchtest du am liebsten das ganze Jahr Weihnachten?

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Sonntag, 9. Januar 2022

Fliegen, fliegen und nochmals fliegen

Ein Zitat

Die Mittelmeermöwe im Jugend-/Winterkleid. Dahinter eine Lachmöwe im Winterkleid.
Foto © Jörg Niederer
"Der Möwe gleich im Fluge / möchte ich getragen werden / von den Schwingen / getragen in die Lüfte / wo Gedanken kein Ballast." Karl Miziolek (1937-2021), österreichischer Hobbypoet

Ein Bibelvers - Jesaja 60,8+9

"Was schwebt da wie Wolken heran? Was fliegt herbei wie Tauben zu ihrem Schlag? Es ist eine Flotte, die von den Inseln her kommt, an ihrer Spitze die großen Handelsschiffe. Sie bringen deine Söhne aus der Ferne herbei und sind mit Silber und Gold beladen. Das geschieht zum Ruhm des Herrn, deines Gottes, denn der Heilige Israels hat dich herrlich gemacht."

Ein Anregung

Darf ich vorstellen: Die Mittelmeermöwe (Larus michahellis), die einzige brütende Grossmöwe in der Schweiz. So eine Mittelmeermöwe im Winter macht das Schwäbischen Meer doch gleich viel wärmer. Gesichtet haben wir das Tier in seinem Jugend-/Winterkleid bei Altenrhein. Ein weiteres Exemplar im Prachtkleid sass nicht weit davon auf einem anderen Poller. Die bräunliche Möwe hat mir aber besser gefallen. Nicht immer ist, was als prachtvoll gilt, wirklich auch prächtiger als das Gewöhnliche, Alltägliche. 

Auf unserer gestrigen Wanderung über den Buechberg zum Rheinspitz und weiter beehrten uns noch andere Tier. Grün- und Buntspecht kamen kurz vorbei. Der Zaunkönig huschte durch die Hecken. Silber- und Graureiher stakten umher; zwei Störche standen still. Wieder einmal flog ein Eisvogel davon.

Und dann wird in Altenrhein ja auch noch motorisiert geflogen, aber längst nicht so elegant wie es die Enten über Wasserstellen vorzeigen. 

Bei mir bedeutete "fliegen", dass ich mich zweimal auf schlüpfriger Wiese ungewollt im Dreck wiederfand. Also ein durchaus gelungener Ausflug - in jeder Hinsicht.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Samstag, 8. Januar 2022

Karpfen, Mönche, Fischer und Pfister

Ein Zitat

Der zugefrorene Bettenauer Weiher im Januar 2021
Foto © Jörg Niederer
"Samstag - Ain schwarz Erbis, item Ayer in ainer wissen Brü mitt Zibüllen und Opfell, darunder geschnetzett Visch oder Baches und ain Haberkern." Aus der Küchenordnung von Abt Ulrich Rösch, um 1480

Ein Bibelvers - Johannes 21,9

"Als sie [die Jünger] an Land kamen, sahen sie dort ein Kohlenfeuer brennen. Darauf brieten Fische, und Brot lag dabei."

Ein Anregung

Gerade habe ich ein kleines Büchlein erhalten, geschrieben von Kathrin Moeschlin. Sie hat sich im Auftrag der Stiftsbibliothek der Fischweiher angenommen, die ab dem 14. Jahrhundert zahlreich entstanden, um die Mönche des Klosters St. Gallen mit Karpfen und Hechten zu versorgen. 60 Weiher besass und betrieb das Kloster an insgesamt 42 Standorten.

Bereits nach den ersten Seiten habe ich für mich viel Neues erfahren.

1. Als erster schriftlich fassbarer Fischweiher gilt der Bettenauer Weiher. 889 wird er in einer Urkunde erwähnt. 1464 kam er in Klosterbesitz.

2. Für die Fischzucht erstmals vom Kloster genutzt wurde der von Abt Kuno von Stoffeln 1383 angelegte Weiher beim Wallfahrtsort Dreibrunnen.

3. Im Verlauf der Teichwirtschaft wurde ein System mit zwei, und dann mit drei Weihern eingeführt. In den Mutter-, Laich oder Streichweiher wurden Elterntiere eingesetzt um dort abzulaichen. Nach zwei Jahren kamen die erwachsenen Fische in den Setz- oder Karpfenweiher. Später wurde dann noch ein weiterer Weiher dazwischengeschaltet, den Streck- oder Wachsweiher, in dem die Jungfische, die "Buben" gehalten wurden.

4. Im Zusammenhang mit den Weihern wird auch die Kombination von Mühle und Bäckerei erwähnt. Das nannte man Pfisterei. Und der Pfister, das war der Bäcker.

5. Am liebsten assen die Mönche dreijährigen Karpfen, und das an drei Tagen pro Woche. In der Zubereitung verstanden sich die Berufsfischer auch, und waren folglich nicht selten auch kochend in der Klosterküche anzutreffen.

6. Die meisten Fischweiher des Klosters St. Gallen sind verschwunden. Nur 15 von ihnen können heute noch besichtig werden.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Freitag, 7. Januar 2022

Vom Buddha in der Auslage und Jesus im Lotossitz

Ein Zitat

Buddhafigur am Bahnhof von Ermatingen
Foto © Jörg Niederer
"Alles Glück dieser Welt entsteht aus dem Wunsch, dass andere glücklich sein mögen." Buddha

Ein Bibelvers - Matthäus 5,7

"Glückselig sind die, die barmherzig sind. Denn sie werden barmherzig behandelt werden."

Ein Anregung

Am Bahnhof Ermatingen gibt es eine Kunstscheune, ein Verkaufslokal, dass allerlei Fernöstliches zum Verkauf anbietet. Und so stehen dort auch Buddhas auf der Verkaufsrampe. Es ist nicht gerade die idealste Umgebung. Doch der Buddha aus Stein lässt sich von der trostlosen Situation bei seinen "Gedanken" und "Nichtgedanken" nicht stören. 

Buddhas sind zu Designobjekten geworden. Sie stehen in Gärten herum, bevölkern die Büchergestelle und Badezimmer mit ihrer in sich gekehrten Anwesenheit. Da frage ich mich, für wie viele Menschen der so im eigenen Umfeld platzierte Buddha mehr ist als eine Ferienerinnerung, als ein Kunstgegenstand, als ein Lifestyle-Accessoire.

In mein Haus und meine Vorstellung jedenfalls passen Buddhadarstellungen nur schlecht. Doch wenn es nun einen Jesus in Lotossitz gäbe? Würde ich ihn dann in meiner Wohnung aufstellen. So nachgedacht, habe ich also nach so einem buddhagleich sitzenden Jesus im Internet gesucht, und bin fündig geworden. Doch wie unterscheidet man den so sitzenden Jesus vom Buddha? Meist wird Jesus mit langen fallenden Haaren und Mittelscheitel dargestellt. Buddha dagegen hat welliges Kraushaar oder eine Glatze. Gelegentlich trägt Jesus (anachronistisch) ein Kreuz um den Hals. Oft hebt er die rechte Hand zum christlichen Segenszeichen. Und Heiligenscheine gibt es auch bei den Christusdarstellungen. Es ist also eindeutig Jesus, und nicht Buddha.

Und nun: Würde ich einen solchen meditierenden Heiland in meiner Wohnung oder im Garten aufstellen?

Dumm dass es diese Jesusfiguren im Lotossitz schon gibt. Nun ist das keine theoretische Frage mehr.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Donnerstag, 6. Januar 2022

Vom Erscheinen

Ein Zitat

Die "Heiligen Drei Könige" auf Kamelen am Weihnachtsmarkt in Frauenfeld
Foto © Jörg Niederer
Wenn heute an viele Türen "C+M+B" geschrieben wird, so sind das nicht die Anfangsbuchstaben der drei Weisen, sondern die Buchstaben stehen für "Christus Mansionem Benedictat" (Christus segne dieses Haus).

Ein Bibelvers - Matthäus 2,11

"Sie [die Sterndeuter] gingen in das Haus und sahen das Kind mit Maria, seiner Mutter. Sie warfen sich vor ihm nieder und beteten es an. Dann holten sie ihre Schätze hervor und gaben ihm Geschenke: Gold, Weihrauch und Myrrhe."

Ein Anregung

Was wäre wohl im Dreikönigskuchen versteckt statt des kleinen Königs, wenn die kirchliche Tradition von Magiern, Sterndeutern oder eben Wissenschaftlern ausgegangen wäre, statt von Königen? In der heutigen Zeit wohl eine symbolische kleine Impfspritze.

Was das für drei Reisende waren, das weiss heute niemand so genau. Und ob sie auf Kamelen ritten, wie die drei am Weihnachtsmarkt von Frauenfeld, ist auch fraglich.

Heute und Morgen ist noch einmal Weihnachten. Denn die Ostkirchen feiern nach dem Gregorianischen Kalender die Theophanie am 6. und 7. Januar.

Zu Weihnachten habe ich von einer Kantonalkirche einen Kalender der Religionen erhalten: "Berge - Stätten des Heiligen". Und da steht zu diesem 6. Januar: 

"Epiphanie / Heilige Drei Könige
Theophanie (orthodox)
(6. Januar: Gregor. Kal.; 19. Januar Jul. Kal.)
Im Westen: Fest der Heiligen Drei Könige im Gedenken an die Weisen, die gekommen sind, das Jesuskind anzubeten.
Im Osten: Offenbarung Jesu als Sohn Gottes bei der Taufe. Das Fest erinnert daran, dass Gott den Menschen in Jesus Christus erschienen ist. Für die westlichen Kirchen ist es das Fest der Epiphanie, abgeleitet vom griechischen epiphaneia: 'Erscheinung'; für die östlichen Kirchen das Fest der Theophanie, abgeleitet vom griechischen theophaneia: 'Erscheinen Gottes'."

Jetzt hoffe ich, dass dir heute etwas erscheint in deinem Stück vom Dreikönigskuchen. Oder noch besser: In deinem Herzen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Mittwoch, 5. Januar 2022

Methodistische Flugpioniere und eine Kirchenspaltung

Ein Zitat

Die Spirit of St. Louise im National Air and Space Museum
Foto © Jörg Niederer
"Wer fliegen will, muss den Mut haben, den Boden zu verlassen." Walter Ludin, Mitglied des franziskanischen Ordens der Kapuziner

Ein Bibelvers - Jesaja 60,8

"Was schwebt da wie Wolken heran? Was fliegt herbei wie Tauben zu ihrem Schlag?"

Ein Anregung

Vom ersten motorisierten Flug bis zum ersten Nonstopflug über den Atlantik am 21. Mai 1927 durch Charles Lindbergh in der Spirit of St. Louis dauerte es gerade einmal etwas mehr als 23 Jahre. Oder waren es 25 Jahre. In der Fachwelt wird nämlich gestritten, ob der motorisierte Erstflug den Gebrüder Wilbur und Orville Wright am 17. Dezember 1903 gelang, oder ob es Gustaf Weisskopf war, der am 14. August 1901 mit Motorenkraft als erster abgehoben habe.

Da wo die Spirit of St. Louise hängt, im National Air and Space Museum in Washington, findet man auch den Wright Flyer. Und dort, in Washington sind sie sich sicher, dass dieser erste bemannte Motorflug den Gebrüdern Wright - und damit zwei Methodisten - gelang. 

Der Vater von Wilbur und Orville war Bischof Milton Wright von den deutschsprachigen Vereinigten Brüdern in Christo, einer methodistisch und pietistisch geprägte Kirche, gegründet im Jahr 1800 von Pfarrer Philipp Wilhelm Otterbein (1726 - 1813), dem mennonitischen Pastor Martin Boehm (1725 - 1812) und elf weiteren Predigern. Obwohl sie sich Brüder nannten, erhielt in dieser methodistischen Kirche bereit im Jahr 1847 Charity Opheral als erste Frau eine Lizenz zum Predigen.

Die Vereinigten Brüder in Christo schlossen sich im Jahr 1946 mit der ebenfalls methodistisch geprägten, von Jacob Albrecht (1759 - 1808) in den USA gegründeten deutschsprachigen "Evangelischen Gemeinschaft" zur "Evangelical United Brethren Church" zusammen. Diese Kirche wiederum vereinigte sich 1968 mit der Bischöflichen Methodistenkirche zur "United Methodist Church" (im deutschsprachigen Raum "Evangelisch-methodistische Kirche").

Zurück zu den Gebrüdern Wright und ihrem bischöflichen Vater. 1889 gaben sich die Vereinigten Brüder in Christo eine neue Verfassung. Dabei kam es zu einem Streit. Aber nicht um die dabei eingeführte Frauenordination. Nein, es ging darum, ob ein Mitglied der Kirche auch Freimaurer sein könne. Eine Mehrheit sah darin kein Problem. Anders Bischof Milton Wright, unterstützt von seinen berühmten Söhne. Mit einigen tausend weiteren Personen gründeten sie die "Vereinigten Brüder in Christo (Alte Verfassung)". Diese Kirche gibt es heute noch, wobei der Klammerzusatz zwischenzeitlich wieder gestrichen wurde.

Auch Bischof Milton Wright, und nicht nur seine beiden Söhne, hatte einst abgehoben - mit seiner Kirche - und sie fliegt noch immer.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Dienstag, 4. Januar 2022

Neu Formen von Kirche in Frauenfeld

Ein Zitat

Das Gebäude der Evangelisch-methodistischen Kirche in Frauenfeld mit Kirchenteil und Wohnhaus.
Foto © Jörg Niederer
"Ich bin stolz darauf, dass wir im 'Kirchenkuchen' als sehr innovativ gelten." Chris Forster

Ein Bibelvers - Jesaja 43,19a

"Schaut her, ich schaffe etwas Neues! Es beginnt schon zu sprießen – merkt ihr es denn nicht?"

Ein Anregung

Bei der neusten Ausgabe von Kirche und Welt, der Zeitschrift der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK), hat es die EMK Frauenfeld auf die Titelseite geschafft. Das erst noch, nachdem es die dortige Gemeinde gar nicht mehr gibt. Doch es sind keine deprimierenden Nachrichten, kein Abgesang auf eine untergegangene, gloriose Vergangenheit.

Grund für die prominente Platzierung: In Frauenfeld startet das erste "Legacy"-Projekt. Dabei stellt die EMK vor Ort die Räumlichkeiten und Infrastruktur dem Bereich GemeindeEntwicklung kostenlos zur Verfügung. Falls diese Fachstelle eine Chance sieht für eine neue, frische Form von kirchlicher Arbeit, stellt sie Pionierinnen oder Pioniere an. Diese werden für die Aufgabe geschult und in der Ausübung eng begleitet.

Der Pionier in Frauenfeld, der dafür mit einem 40%-Pensum angestellt wurde und seit dem 1. November arbeitet, ist Martin Wieland. Er wirkt im Rahmen von "Kirche anders", und nicht etwa als Teil des Bezirks EMK Frauenfeld-Weinfelden. Bei "Kirche anders" sind alle Projekte zusammengefasst, die nicht in traditioneller Weise Gemeindearbeit betreiben. Martin Wieland hat 20 Jahre Erfahrung in der Projekterarbeitung und Begleitung. Diesen Aufgaben ging er in seiner Zeit in Südamerika nach und das kann er jetzt wieder für das Wirken in Frauenfeld gut gebrauchen.

Aktuell kann sich sein "Legacy"-Projekt noch in ganz unterschiedliche Richtungen entwickeln. Vermutlich wird es einen stark diakonischen Charakter bekommen. Gottesdienste sind nicht das Ziel. Erste ökumenische Kontakte in Frauenfeld sind geknüpft und helfen, Konkurrenzängste ab- und Vertrauen aufzubauen. Und auch der Informationsaustausch mit den Gemeindeverantwortlichen der EMK Frauenfeld-Weinfelden funktioniert.

Hier geht es zum Newsbeitrag über das Legacy-Projekt in Frauenfeld.

Und Radio LifeChannel hat darüber einen Beitrag gesendet.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Montag, 3. Januar 2022

Amtlich erwünschte Denunzianten

Ein Zitat

Amtliches Verbot aus dem Jahr 1919 bei einem Privatweg in Ermatingen
Foto © Jörg Niederer
"Mit Adleraugen sehen wir die Fehler anderer, mit Maulwurfsaugen unsere eigenen." Franz von Sales (1567-1622) Fürstbischof von Genf

Ein Bibelvers - 2. Timotheus 3,1.2+4a

"Du musst wissen: In den letzten Tagen stehen uns schwere Zeiten bevor. Denn die Menschen werden selbstsüchtig sein, geldgierig, prahlerisch und hochmütig... Sie werden lieblos sein, unversöhnlich, verleumderisch, unbeherrscht und gewalttätig. Sie werden das Gute hassen und Verrat begehen."

Ein Anregung

1. Ist das Schild noch gültig? Es sieht etwas heruntergekommen aus. Es steht an der Wolfsbergstrasse in Ermatingen. Darauf ist zu lesen: "Privatweg. Unberechtigten ist das Betreten der Strasse und der Gebäude bei Fr.20.- Busse verboten; dem Anzeiger die Hälfte. Der Gemeinderat. Ermatingen, den 11. Nov. 1919." 

2. Der dazugehörige Privatweg ist auf Google Maps nicht eingezeichnet. Er kreuzt die Wolfsbergstrasse und führt auf der westlichen Seite zu einer Villa auf einem vom Fruthwilenbach umflossenen landwirtschaftlich genutzten Grundstück. Das bedeutet, dass es sich immer noch um einen Privatweg handelt. Davor steht ein verschlossenes eisernes Tor, das wohl in der Zeit, als die amtliche Tafel angebraucht wurde, auch schon da war. 

3. 1919 kostete - so denke ich mir - das Weggli noch 5 Rappen. Folglich waren 20 Franken damals viel Geld. 

4. Es lohnte sich also, "Anzeiger" zu sein, oder wie man heute sagen würde: Denunziant.

5. Und jetzt die entscheidende Frage: Falls das Schild noch Gültigkeit haben sollte, bekomme ich dann 10 Franken, wenn ich jemand dazu anstachle, den Privatweg unberechtigt zu betreten, um in dann beim Gemeinderat anzuzeigen? 

6. All das ist natürlich nur ein theoretisches Gedankenspiel. Ich würde das nie tun. Aber es nähme mich halt schon wunder, wie der Gemeinderat auf eine Anzeige reagieren würde? Was denkst du? 

a) Der Gemeinderat erhebt die Busse und zahlt die Hälfte dem "Anzeiger"

b) Der Gemeinderat lässt das Schild restaurieren, weil es von historischem Interesse ist. 

c) Der Gemeinderat lässt das Schild entfernen. 

d) Der Gemeinderat hält dem Denunzianten eine Standpauke. 

e) Der Gemeinderat geht zu einem Lokaltermin, in deren Verlauf dessen Mitglieder wegen unberechtigtem Betreten des Privatwegs verzeigt werden. 

f) Der Gemeinderat schiebt die Anzeige auf die lange Bank worauf das Schild weitere hundert Jahre unbeachtet vor sich hin rostet.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde 

Sonntag, 2. Januar 2022

Angenommen

Ein Zitat

Cartoon von Sam Heger zur Jahreslosung 2022
Foto © Jörg Niederer
"Grundsätzliche Zustimmung ist die höflichste Form der Ablehnung." Robert Lembke (1913-1989) Journalist und Fernsehmoderator

Ein Bibelvers - Johannes 6,37

"Jesus Christus spricht: ‘Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen’."

Ein Anregung

Der Cartoon von Sam Herger zur Jahreslosung 2022 lässt mich an verschiedene Momente erinnern, als ich selbst Gastgeber war oder als Gast eingeladen wurde. Und mir kommen Geschichten in den Sinn über Momente der Annahme und Abweisung. All das verbindet sich zu Gedanken, über die ich heute predigen werden. Nicht abgewiesen werden, das bedeutet doch; ich bin willkommen.

Auch du bist willkommen im Gottesdienst oder auch nur zur Predigt.

Die Predigt kann um 10.30 Uhr per Youtube angehört werden.

Wer vor Ort dabei sein möchte: Der Gottesdienst beginnt um 10.15 Uhr an der Kapellenstrasse 6 in St. Gallen (Maskenpflicht und Abstand). 

Diesmal lässt sich aber fast zeitgleich um 10.00 Uhr die selbe Predigt inklusive Gottesdienst anhören, und zwar auf dem Fernsehsender Musig24.tv als Aufzeichnung.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Samstag, 1. Januar 2022

Gehen wir es ruhig und besonnen an

Ein Zitat

"Welche wunderbare Gabe doch das Staunen ist. Es durchbricht meinen Alltag und gibt mir eine Ahnung von Unendlichkeit." Johann Pock

Eselbuck bei Adlikon, unweit von Andelfingen
Foto © Jörg Niederer

Ein Bibelvers - Habakuk 1,5

"Seht auf die Völker, schaut hin! Staunt und erstarrt! Denn noch zu euren Lebzeiten werde ich ganz bestimmt handeln. Ihr werdet es nicht glauben, wenn man davon erzählt."

Ein Anregung

Ein einzelner Baum in einer ruhigen, sanften Landschaft. Darüber ein blauer Himmel. Ein Bild von unserer Silvesterwanderung. Warm und sonnig ging das Jahr zu Ende.

Beginnen wir das Jahr wie diese Landschaft. Ruhig, einfach, bescheiden. Mit einem weiten, offenen Himmel über uns. Mit Wegen, die in verschiedene Richtungen gehen können. Mit der Wahl, dahin oder dorthin zu streben. Schön, wenn wir dabei nicht aus dem Staunen kommen und uns immer wieder wundern können.

Vielleicht wird das Neue Jahr ein - wie man so sagt - bäumiges Jahr. Falls du dieses Adjektiv nicht kennen solltest: Gemeint ist ein ein starkes, cooles, tolles, grossartiges Jahr. Ich wünsche es dir und mir: ein bäumiges Jahr.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde