Samstag, 9. April 2022

Sprachlos angesichts der Kirchenspaltung

Ein Zitat

Pfarrer Daniel Topalski, bis vor kurzem Distrikstvorsteher von Bulgarien, im Jahr 2014 vor der Methodistenkirche in Sofia
Foto © Jörg Niederer
"Was aber eine Einheit bilden soll, muss der Art nach verschieden sein." Aristoteles (384-322 v. Chr.)

Ein Bibelvers - Römer 15,5

"Gott... gebe auch, dass ihr euch untereinander einig seid – so wie es Christus Jesus angemessen ist. Dann könnt ihr alle miteinander Gott, den Vater unseres Herrn Jesus Christus, wie aus einem Munde loben."

Ein Anregung

Das "Photo-a-day"-Wort von heute lautet: "Stille" (Englisch: silent). 

Die E-Mail löste bei mir ein informelles Getöse aus. Die Methodisten von Bulgarien und Rumänien verlassen die Evangelisch-methodistische Kirche. Während die rumänischen Methodisten dies auf respektvolle und versöhnlich Weise tun wollen, vollzieht die Methodistenkirche von Bulgarien diesen Schritt in radikaler Weise und ohne kirchenrechtliche Grundlage. Sie wechseln per 1. Mai in die Global Methodist Church, die ab dann ihre Arbeit aufnehmen wird. Dies wurde an der Jährlichen Konferenz (Synode) während einer Sitzung ohne den Bischof beschlossen.

Gestern an der Festakademie zu 175 Jahren Bistum St. Gallen sagte Frank Kreissl, Leiter des Pastoralamts des Bistums in seinem Referat: "Jede Spaltung ist zuerst einmal Verarmung". Er hat recht. Eine Bubble, eine Interessengemeinschaft mehr entsteht, bei der man "unter sich" sein will und andere Haltungen nicht auszuhalten imstande ist.

Der Dialog ist abgebrochen. Es bleibt Stille. Frustrierende Stille. Zornige Stille. Sprachlose Stille. Traurige Stille. Betroffene Stille. Schreiende Stille. Hoffentlich irgendeinmal aber auch versöhnliche Stille. 


Morgen folgt ein Bild zum Wort "Feiern" (Englisch: celebrate).


Photo-a-day Lent 2022: Eine methodistische Webseite schlägt für die Fastenzeit vor, jeden Tag ein Foto zu teilen, das von einem bestimmten Wort inspiriert ist. Diese Sache nennt sich "Photo-a-day Lent 2022". So könne man sich der Fastenzeit auf eine neue Weise annähern. Die Bilder soll man mit #rethinkchurch taggen. Weitere Erklärungen zum Bild brauche es nicht.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Freitag, 8. April 2022

Frieden schaffen

Ein Zitat

"Einer muss den Frieden beginnen, wie den Krieg." Stefan Zweig (1881-1942)

Ein Bibelvers - Hebräer 12,14

Die Teilnehmenden am Vorbereitungstreffen des Kulturenfests Weinfelden stehen für den Frieden in der Ukraine zusammen.
Foto © Kulturenfest Weinfelden
"Bemüht euch um Frieden mit allen Menschen und auch um Heiligkeit. Ohne sie wird niemand den Herrn sehen."

Ein Anregung

Das "Photo-a-day"-Wort von heute lautet: "Frieden" (Englisch: peace). 

Über den Frieden wissen die am meisten, denen er abhanden gekommen ist. Aktuell wüten weltweit 20 Kriege. Überall dort hat es auch Menschen, die sich um Frieden bemühen. Oft ohne oder mit wenig Erfolg. Doch gelegentlich kommt es zu einem Durchbruch.

Es wirkt natürlich etwas hilflos, wenn ich ein "NO WAR"-Banner vor das Fenster hänge. Ein Statement, mehr nicht.

Auf Gewalt könnte man ja mit Gegengewalt antworten. Das geschieht oft, und ist als Selbstverteidigung legitim. Vom Frieden ist man dabei aber weit entfernt.

Ich finde es ermutigend, dass an einem Vorbereitungstreffen für das Kulturenfest in Weinfelden alle anwesenden um eine Friedensfahne gestanden sind. Menschen vieler Herkunftsländer haben nicht nur gemeinsam ein Fest geplant, sondern auch zusammen Nein zum Krieg in der Ukraine gesagt. Die Botschaft lautet: Wir können in Frieden und gegenseitigem Respekt zusammenleben. Tun wir es doch an dem Ort, an dem wir leben.


Morgen folgt ein Bild zum Wort "Stille" (Englisch: silent).


Photo-a-day Lent 2022: Eine methodistische Webseite schlägt für die Fastenzeit vor, jeden Tag ein Foto zu teilen, das von einem bestimmten Wort inspiriert ist. Diese Sache nennt sich "Photo-a-day Lent 2022". So könne man sich der Fastenzeit auf eine neue Weise annähern. Die Bilder soll man mit #rethinkchurch taggen. Weitere Erklärungen zum Bild brauche es nicht.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Donnerstag, 7. April 2022

Himmelweit segnen

Ein Zitat

"Beim ersten Licht der Sonne heute sei gesegnet! Wenn der lange Tag gegangen ist – sei gesegnet! In deinem Lächeln und in deinen Tränen – sei gesegnet! An jedem Tag deines Lebens – sei gesegnet!" Altirischer Segenswunsch

Ein Bibelvers - Römer 12,14

"Segnet die Menschen, die euch verfolgen. Segnet sie und verflucht sie nicht."

Ein Anregung

Bibelwort auf einem Plakat der Agentur C in Niederglatt
Foto © Jörg Niederer
Das "Photo-a-day"-Wort von heute lautet: "gesegnet" (Englisch: blessed). 

Die Agentur C präsentiert im Schweizer Strassenbild Bibeltexte, wie etwa in Niederglatt diese Zusage von Jesus Christus. Gesegnet werde ich mit einer guten Botschaft. Gesegnet werde ich mit dem Versprechen, dass Christus immer bei mir ist. 

Nun, ich bin Christ. Für mich ist diese biblische Botschaft etwas Vertrautes. Doch wie wirken diese Worte auf Menschen mit anderen religiösen Hintergründen? Lesen sie diese auch als Segensworte? Oder empfinden sie die Worte als Provokation?

Ein Segen muss seinen Weg über die Religionsgrenzen hinweg finden können. Paulus plädierte dafür, selbst die Feinde zu segnen. Dass geht viel weiter, als Angehörige anderer Religionen zu segnen.

Schon sehr früh in der Bibel findet sich ein Text, in dem ein fremder Priester Abraham, den Stammvater der Israeliten, segnete (1. Mose 14,18-20). Melchisedek, so der Name des Segnenden, bedeutet König-Priester oder eben König der Gerechtigkeit.

Mir gefällt die Verbindung von Gerechtigkeit und Segen. Gerechtigkeit geschieht, wo unterschiedlichste Menschen einander segnen, einander Gutes wünschen und Gutes tun. 


Morgen folgt ein Bild zum Wort "Frieden" (Englisch: peace).


Photo-a-day Lent 2022: Eine methodistische Webseite schlägt für die Fastenzeit vor, jeden Tag ein Foto zu teilen, das von einem bestimmten Wort inspiriert ist. Diese Sache nennt sich "Photo-a-day Lent 2022". So könne man sich der Fastenzeit auf eine neue Weise annähern. Die Bilder soll man mit #rethinkchurch taggen. Weitere Erklärungen zum Bild brauche es nicht.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Mittwoch, 6. April 2022

Bedürfnisanstalten

Ein Zitat

Wegweisung in der Wesley Chapel in London
Foto © Jörg Niederer
"Ehe man vom Glück der befriedigten Bedürfnisse redet, sollte man entscheiden, welche Bedürfnisse das Glück ausmachen." Leo Nikolajewitsch Graf Tolstoi (1828-1910)

Ein Bibelvers - Philipper 4,19

"Und mein Gott wird euch alles geben, was ihr braucht. Er wird euch durch Christus Jesus am Reichtum seiner Herrlichkeit teilhaben lassen."

Ein Anregung

Das "Photo-a-day"-Wort von heute lautet: "Bedürfnisse" (Englisch: needs). 

Jeder Mensch hat Bedürfnisse. Einige Bedürfnisse können recht dringlich werden. Gut, wenn Piktogramme von männlichen und weiblichen Figuren den Weg weisen. 

In der Wesley Chapel in London geht es in die selbe Richtung zur Toilette, zum Grab von John Wesley und zur Foundery Chapel. Aber schon kurze Zeit später trennen sich die Wege.

Ich behaupte, dass mehr Menschen zur Toilette eilen als zum Grab von John Wesley. An ein Grab muss man ja auch nicht mehr eilen. Da pressiert es nicht mehr.

In der Wesley Chapel wurde die Toilettenanlage und die Foundery Chapel gemeinsam um 1890 als Anbau errichtet.

Bedürfnisse. Oben in der Foundery Kapelle fielen Lasten von der Seele, unten waren die viktorianischen Toiletten Schauplatz weiterer Erleichterungen. Erleichterungen tun gut. 

Wo liegen meine elementaren Bedürfnisse? Sind sie in den öffentlichen Bedürfnisanstalten, auf den Friedhöfen oder in der Kapelle zu finden? Oder gehören die verschiedenen Bedürfnisse alle zusammen, so wie bei der Heilsarmee das Seelenheil mit Suppe und Seife kombiniert ist? 


Morgen folgt ein Bild zum Wort "gesegnet" (Englisch: blessed).


Photo-a-day Lent 2022: Eine methodistische Webseite schlägt für die Fastenzeit vor, jeden Tag ein Foto zu teilen, das von einem bestimmten Wort inspiriert ist. Diese Sache nennt sich "Photo-a-day Lent 2022". So könne man sich der Fastenzeit auf eine neue Weise annähern. Die Bilder soll man mit #rethinkchurch taggen. Weitere Erklärungen zum Bild brauche es nicht.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Dienstag, 5. April 2022

Was bringts?

Ein Zitat

Postzustellung im österreichischen Grenzort Höchst
Foto © Jörg Niederer
"Bring mir Glück, Schornsteinfeger bring mir Glück. Morgen früh geht`s zu Marilyn zurück. Ich war lang nicht mehr da und weiß nicht was geschah. Bring mir Glück Schornsteinfeger bring mir Glück." Musik und Text: Pepe Ederer, Heinz Guley (Hier gesungen von den Calimeros!)

Ein Bibelvers - Matthäus 7,17+18

"Ein guter Baum bringt gute Früchte hervor. Aber ein schlechter Baum bringt schlechte Früchte hervor. Ein guter Baum kann keine schlechten Früchte hervorbringen und ein schlechter Baum keine guten Früchte."

Ein Anregung

Das "Photo-a-day"-Wort von heute lautet: "bringen" (Englisch: bring). 

Postunternehmen in der ganzen Welt werben damit. So heisst es z.B. bei der Schweizerischen Post: "Die Post bringts".

Als die Kinder noch klein waren, hofften sie immer, dass ich ihnen von den Reisen etwas mitbringe. Manchmal bitte mich meine Frau, noch die Bücher in der Leihbibliothek abzuholen und nach Hause zu bringen.

"Das het's jetzt brocht!" ist eine Redensart, die übertragenen davon redet, dass sich etwas gelohnt hat. 

"Was bringt mir der Glauben?" Lohnte es sich zu glauben?

Das ist gar nicht so einfach zu beantworten. Zwar heisst es, dass Menschen, die an etwas glauben, sich mit dem Leben leichter tun, bei Schicksalsschlägen nicht so schnell verzweifeln und gesundheitlich stabiler sind. Aber ist das wirklich Glauben, wenn ich dafür eine Gegenleistung erwarte, also dass es mir etwas bringt? Müsste es nicht anders sein: Glauben ohne Berechnung, ob es mir etwas bringt oder nicht? 


Morgen folgt ein Bild zum Wort "Bedürfnisse" (Englisch: needs).


Photo-a-day Lent 2022: Eine methodistische Webseite schlägt für die Fastenzeit vor, jeden Tag ein Foto zu teilen, das von einem bestimmten Wort inspiriert ist. Diese Sache nennt sich "Photo-a-day Lent 2022". So könne man sich der Fastenzeit auf eine neue Weise annähern. Die Bilder soll man mit #rethinkchurch taggen. Weitere Erklärungen zum Bild brauche es nicht.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Montag, 4. April 2022

Berufen und gesandt

Ein Zitat

Beauftragte an der Ordinantionsfeier 2019 der Evangelisch-methodistischen Kirche
Foto © Jörg Niederer
"Ein heilig Amt ist mir vertraut, / das soll ich treu versehn; / ich soll zur Ehre meines Herrn / nur ihm zu Diensten stehn." Charles Wesley (1707-1788)

Ein Bibelvers - Matthäus 10,16

Jesus: "Ihr sollt wissen: Ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe. Seid klug wie die Schlangen, aber zugleich aufrichtig wie die Tauben!"

Ein Anregung

Das "Photo-a-day"-Wort von heute lautet "gesandt" (Englisch: sent). 

In jedem Jahr werden an den Jährlichen Konferenzen (Synoden) der Evangelisch-methodistischen Kirche Menschen ausgesandt und eingesetzt in bestimmte Aufgaben. Da sind die, welche sich zu einem besonderen Dienst in der Kirche berufen wissen. "Ordinieren" nennt man die Beauftragung zum Ältestenamt. Mit dieser Einsetzung in einen besonderen Berufsstand ist bei den Methodistinnen und Methodisten auch die Sendung an einen bestimmten Ort verbunden, die sogenannte "Dienstzuweisung". So alle paar Jahre bedeutet dies, dass eine Pfarrperson vom Bischof in ein neues Aufgabengebiet gesandt wird und buchstäblich mit Kind und Kegel an den neuen Wirkort weiterzieht. Flexibilität ist gefragt.

Heute wird diskutiert, ob diese Form der Aussendung noch zeitgemäss ist.

Aber letztlich ist jeder Christ, jede Christin in die Welt gesandt, um ein Zeugnis für Christus zu sein. An der Jährlichen Konferenz werden daher alle Anwesenden gesegnet und ausgesandt. Dabei stellt sich die Frage: Welche Aufgabe hat Christus für mich vorgesehen? Zu welchen Menschen, in welchen Teil seiner Schöpfung sendet er mich?


Morgen folgt ein Bild zum Wort "bringen" (Englisch: bring).


Photo-a-day Lent 2022: Eine methodistische Webseite schlägt für die Fastenzeit vor, jeden Tag ein Foto zu teilen, das von einem bestimmten Wort inspiriert ist. Diese Sache nennt sich "Photo-a-day Lent 2022". So könne man sich der Fastenzeit auf eine neue Weise annähern. Die Bilder soll man mit #rethinkchurch taggen. Weitere Erklärungen zum Bild brauche es nicht.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Sonntag, 3. April 2022

Höhepunkte im Gottesdienst

Ein Zitat

Gottesdienst zum Reformationsjubiläum 2017 im Berner Münster
Foto © Jörg Niederer
"Klug hat Levin Theologie / und nicht die Schauspielkunst ergriffen; / denn auf der Kanzel wird man nie, / wie auf Theatern, ausgepfiffen." Johann Christoph Friedrich Haug (1761-1829), Dichter

Ein Bibelvers - Jakobus 1,27

"Zu einem frommen Leben gehört: Waisen und Witwen in ihrer Not beizustehen und sich vom Treiben dieser Welt nicht anstecken zu lassen. Ein solches Leben steht vor Gott, unserem Vater, rein und makellos da."

Ein Anregung

Das "Photo-a-day"-Wort von heute lautet "feiern" (Englisch: celebrate). 

Was ist das Entscheidende an einem Gottesdienst? Was bewirkt, dass wir Gottes Gegenwart beim Feiern erfahren können? Die Gemeinschaft? Die Predigt? Die Eucharistie, das Abendmahl? Der Kirchenkaffee? Die Lesungen in der Bibel? Die Atmosphäre? Der sakrale Raum? Das Singen? Die Gebete, laut oder schweigend? Zeichen und Symbole? Die brennenden Kerzen? Die liturgische Ordnung? Die spontane Eingebung und das prophetische Reden? 

Heute feiern viele wieder Gottesdienste. Viele werden dabei Gottes Gegenwart erleben, andere nicht. Für einige spricht Gott auf diese Weise. Für andere nicht.

Was ist dein Höhepunkt im Gottesdienst? 

Morgen folgt ein Bild zum Wort "gesandt" (Englisch: sent).


Photo-a-day Lent 2022: Eine methodistische Webseite schlägt für die Fastenzeit vor, jeden Tag ein Foto zu teilen, das von einem bestimmten Wort inspiriert ist. Diese Sache nennt sich "Photo-a-day Lent 2022". So könne man sich der Fastenzeit auf eine neue Weise annähern. Die Bilder soll man mit #rethinkchurch taggen. Weitere Erklärungen zum Bild brauche es nicht.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Samstag, 2. April 2022

Für immer und ewig

Ein Zitat

Rheinfall bei Neuhausen, Schweiz
Foto © Jörg Niederer

"Auch was wir am meisten sind, sind wir nicht immer."
Marie von Ebner-Eschenbach (1830-1916)

Ein Bibelvers - Psalm 145,1

"Hoch über alles will ich dich loben, mein Gott und König! Ich will deinen Namen preisen für immer und alle Zeit."

Ein Anregung

Das "Photo-a-day"-Wort von heute lautet "immer" (Englisch: always). 

"Immer" ist ein gefährliches Wort. Die Aussage: "Immer fällst du mir ins Wort", kann kaum stimmen und führt meist (nicht immer) zu Streit. "Die Alpen waren immer schon da", diese Aussage mag im Vergleich zur Dauer eines Menschenlebens stimmen, aber sie ist in geologischer Hinsicht total falsch. Gerade die Alpen sind ein sehr junges Gebirge.

Dass sich der scheinbar ewige Fels eben doch verändert, erkennt man an den Erosionsspuren beim Rheinfallfelsen. Bis auf die Höchstwasserlinie ist der Fels deutlich verjüngt. Er verändert sich, wie alles.

"Nüt esch för gäng" (Nichts ist für immer), ist eine sehr weise Erkenntnis, die in theologischer Hinsicht aber wohl auch wieder falsch ist. Es kann ja nur einen ewigen Gott geben, wenn es diesen auch immer gibt. 

Nebenbei: Beim englischen Begriff "always" kommen mir Hygieneartikel in den Sinn. Das "always" steht wohl für einen immerwährenden Schutz, den dieses Produkt bieten soll. Nun - auch das wird wohl meistens, aber nicht immer stimmen. 

Morgen folgt ein Bild zum Wort "feiern" (Englisch: celebrate).


Photo-a-day Lent 2022: Eine methodistische Webseite schlägt für die Fastenzeit vor, jeden Tag ein Foto zu teilen, das von einem bestimmten Wort inspiriert ist. Diese Sache nennt sich "Photo-a-day Lent 2022". So könne man sich der Fastenzeit auf eine neue Weise annähern. Die Bilder soll man mit #rethinkchurch taggen. Weitere Erklärungen zum Bild brauche es nicht.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde


Freitag, 1. April 2022

Halte mich fest!

Ein Zitat

Klettern im Alpstein
Foto © Jörg Niederer
"Nur wer mit dem Boden verhaftet bleibt, kann anderen Halt geben. Wer über den anderen schwebt, ist abgehoben und selbst nicht mehr fest verwurzelt, wie will so eine Person anderen Halt geben?" Nadine Rebel, Management-Trainerin

Ein Bibelvers - Psalm 46,2-3

"Gott ist für uns eine starke Zuflucht. In höchster Not steht er uns bei. Darum fürchten wir uns nicht, wenn die Fundamente der Erde schwanken und die Berge mitten im Meer wanken."

Ein Anregung

Das "Photo-a-day"-Wort von heute lautet "halten" (Englisch: keep). 

Abhängig vom individuellen Empfinden und dem Trainingszustand wird eine Klettertour als Genuss erlebt oder als Überforderung. Entscheidend ist der sichere Halt, der feste Griff. Je schwieriger die Route, desto öfter kommt es vor, dass das gesamte Körpergewicht von einer Hand gehalten wird.

In einer Seilschaft hält eine Bergsteigerin den andern Bergsteiger. Stürze werden durch die zweite Person aufgefangen. Ihr Halt muss gut genug für beide sein. 

Eine Hand hält die andere. Wir leben nur, weil wir eine Gemeinschaft von Haltenden und Gehaltenen sind. Letztlich hält uns Gott in seiner Hand. Was immer auch passiert. 

Im Lied "Ich singe dir ein Liebeslied" wird zu Jesus mit den Worten gebetet: "Halte mich fest, ganz nah bei dir in deinem Arm". Hier kann das Lied angehört werden. 

Morgen folgt ein Bild zum Wort "immer" (Englisch: always).


Photo-a-day Lent 2022: Eine methodistische Webseite schlägt für die Fastenzeit vor, jeden Tag ein Foto zu teilen, das von einem bestimmten Wort inspiriert ist. Diese Sache nennt sich "Photo-a-day Lent 2022". So könne man sich der Fastenzeit auf eine neue Weise annähern. Die Bilder soll man mit #rethinkchurch taggen. Weitere Erklärungen zum Bild brauche es nicht.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Donnerstag, 31. März 2022

Pflegen und gepflegt werden

Ein Zitat

Familie mit gepflegtem Erscheinungsbild
Foto © Jörg Niederer
"Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt der allertreusten Pflege des, der den Himmel lenkt. Der Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann." Paul Gerhardt (1607-1676)

Ein Bibelvers - Lukas 10,33b-35

"Als er [der Samaritaner] den Verwundeten sah, hatte er Mitleid mit ihm. Er ging zu ihm hin, behandelte seine Wunden mit Öl und Wein und verband sie. Dann setzte er ihn auf sein eigenes Reittier, brachte ihn in ein Gasthaus und pflegte ihn. Am nächsten Tag holte er zwei Silberstücke hervor, gab sie dem Wirt und sagte: 'Pflege den Verwundeten!'"

Ein Anregung

Das "Photo-a-day"-Wort von heute lautet "gepflegt" (Englisch: cared). 

Während im Englischen "cared" meist die Pflege von anderen Menschen beinhaltet, kann das deutsche Wort "gepflegt" auch als Adjektiv und im übertragenen Sinn verwendet werden. Dann reden wir etwa von einem "gepflegten Erscheinungsbild" oder einer "gepflegten Sprache". Das eine führt zum andern. Indem jemand pflegt, ist, erscheint oder wird etwas gepflegt. Von alleine kommt nichts. Ohne Fleiss, kein Preis. "Ungepflegt" beschreibt dagegen ein Defizit. Da fehlt etwas. Bei Äusserlichkeiten ist das nicht so schlimm. Aber wenn es um die gesundheitliche Pflege geht, dann darf das nicht geschehen, genauso wenig wie in der Altenpflege.

Gute Pflege macht Freude. Das gilt im sozialen Bereich genauso wie beim Städtebau, in der Kultur genauso wie in der Natur. Wobei es gerade auch in der Natur ein zuviel an Pflege und Eingriffen geben kann. Ein zu sauberer Wald, ein zu gepflegter Garten verliert an Vielfalt, wird artenarm.

Wie viel Pflege ist genug? Muss ich immer so aussehen, als ginge ich an ein Hochzeitsfest? Gibt es im sozialen Zusammenleben ein Zuviel an Pflege? Was, wenn die Pflege für die Pflegenden zu Überlastung führt? Wirst du gerne gepflegt? Oder ist es dir peinlich, wenn du nicht selbst für dich sorgen kannst?

Genug Fragen für mehr als einen gepflegt verbrachten Tag.

Morgen folgt ein Bild zum Wort "halten" (Englisch: keep).


Photo-a-day Lent 2022: Eine methodistische Webseite schlägt für die Fastenzeit vor, jeden Tag ein Foto zu teilen, das von einem bestimmten Wort inspiriert ist. Diese Sache nennt sich "Photo-a-day Lent 2022". So könne man sich der Fastenzeit auf eine neue Weise annähern. Die Bilder soll man mit #rethinkchurch taggen. Weitere Erklärungen zum Bild brauche es nicht.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Mittwoch, 30. März 2022

Vom Salben und Ölen

Ein Zitat

Olivenöl im Verkaufsregal
Foto © Jörg Niederer
"Schmieren und salben hilft allenthalben." Sprichwort

Ein Bibelvers - 2. Mose 37,29

"Bezalel stellte auch das heilige Salböl her und das reine, duftende Räucherwerk, wie es ein Salbenmischer macht."

Ein Anregung

Das "Photo-a-day"-Wort von heute lautet "gesalbt" (Englisch: anointed).

Gesalbt wird was das Zeug hält. Wobei es längst nicht mehr nur Salböl ist, das da eingerieben wird. Handcreme, Fusscreme, Gesichtscreme, Sonnenschutzöl, Anti-Aging-Creme, Anti-Falten-Creme usw. Es gibt salbungsvolle Worte, was meist nicht nur positiv vermerkt wird. Motoren laufen nur geölt gut.

In religiösen und gesellschaftlichen Kontexten wurden Menschen zu Königen gesalbt, werden Kinder symbolisch mit Salböl vom Bösen geschützt und mit Salböl Gott geweiht, dazwischen dann die Taufe. Am Ende des Lebens steht für viele die letzte Ölung.

Ich kann mich an eine Diskussion erinnern an einer Pfarrweiterbildung, bei der es darum ging, welches Öl verwendet werden soll bei einer Salbungshandlung. Man tendierte zu Olivenöl, weil das wohl auch zu Jesu Zeiten häufig anders als in der Salatsauce zur Anwendung kam.

Da frage ich mich nun: Wie stark hat Öl über seine kosmetischen, medizinischen, heiztechnischen und kulinarischen Verwendungszwecke hinaus bei mir eine geistliche Bedeutung?

Morgen folgt ein Bild zum Wort "gepflegt" (Englisch: cared).


Photo-a-day Lent 2022: Eine methodistische Webseite schlägt für die Fastenzeit vor, jeden Tag ein Foto zu teilen, das von einem bestimmten Wort inspiriert ist. Diese Sache nennt sich "Photo-a-day Lent 2022". So könne man sich der Fastenzeit auf eine neue Weise annähern. Die Bilder soll man mit #rethinkchurch taggen. Weitere Erklärungen zum Bild brauche es nicht.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Dienstag, 29. März 2022

Mein Platz im Beauty-Salon

Ein Zitat

Glasfenster mit der Fusswaschung in der Augustinerkirche in Zürich
Foto © Jörg Niederer
Füsse "tragen uns im Laufe unseres Lebens rund 130 000 Kilometer weit, also etwa dreimal um die Erde. Damit sind die Füße die meist beanspruchtesten Teile unseres Körpers." www.el-beauty.ch

Ein Bibelvers - Matthäus 20,26-28

Jesus: "Sondern wer von euch groß sein will, soll den anderen dienen. Und wer von euch der Erste sein will, soll euer Diener sein. Genauso ist auch der Menschensohn nicht gekommen, um sich dienen zu lassen. Im Gegenteil: Er ist gekommen, um anderen zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele Menschen."

Ein Anregung

Das "Photo-a-day"-Wort von heute lautet "dienen" (Englisch: served). 

Wenn ich im Warenhaus am Beauty-Salon vorbeigehe, sehe ich sie daliegen. Meist sind es Frauen, gelegentlich auch einmal ein Mann. Zu ihren Füssen sitzt dann eine Angestellte, und bearbeitet die Füsse, schneidet die Nägel, entfernt die Hornhaut, peelt und salbt und massiert und lackiert.

Eine der symbolträchtigsten Weisen, wie Jesus vom sich und seinen Nachfolgerinnen und Nachfolgern sprach und handelte, war die Fusswaschung. So wie diese vom Evangelisten Johannes beschrieben wird, war es einerseits eine sehr intime Handlung und zugleich banal. Es ging dabei um Reinheit und Zugehörigkeit zu Gott aber auch um die Weise, wie Menschen, die sich zu Christus halten, sich in die Hierarchien der Welt einordnen sollen. Jesus erklärt sein Tun so: "Ihr nennt mich Lehrer und Herr. Und ihr habt recht, denn das bin ich. Ich habe euch die Füße gewaschen – ich, der Herr und Lehrer. Also sollt auch ihr einander die Füße waschen. Denn ich habe euch ein Beispiel gegeben. Ihr sollt das tun, was ich für euch getan habe."

Bedeutet das nun, dass der Platz im Beauty-Salon des Lebens, den Christus Menschen zuweist, nicht zuerst auf der Kundenseite zu finden ist, sondern am Fussende, da wo gedient wird, da, wo Menschen Lasten abgenommen und Glücksgefühle geschenkt werden, sodass sie leichter und beschwingter ihren Weg weitergehen können? 

Morgen folgt ein Bild zum Wort "gesalbt" (Englisch: anointed).


Photo-a-day Lent 2022: Eine methodistische Webseite schlägt für die Fastenzeit vor, jeden Tag ein Foto zu teilen, das von einem bestimmten Wort inspiriert ist. Diese Sache nennt sich "Photo-a-day Lent 2022". So könne man sich der Fastenzeit auf eine neue Weise annähern. Die Bilder soll man mit #rethinkchurch taggen. Weitere Erklärungen zum Bild brauche es nicht.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Montag, 28. März 2022

Erhöht und exponiert

Ein Zitat

Wacholderdrossel in ihrem Nest
Foto © Jörg Niederer
"Es gibt hohe Stellungen, die man am leichtesten in gebückter Haltung erreicht." Robert Lembke (1913-1989)

Ein Bibelvers - Johannes 3,14+15

"Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit jeder, der glaubt, in ihm ewiges Leben hat."

Ein Anregung

Das "Photo-a-day"-Wort von heute lautet "erhöht" (Englisch: raised).

Die meisten Vögel nisten erhöht, in Bäumen, an Felsen und Gebäuden. So wie diese Wacholderdrossel, getarnt zwischen Efeulaub. Warum soll das ein Tier auch nicht tun, das fliegen kann. Es gibt deutlich weniger Raubtiere, die in der Lage sind, das Nest in dieser Höhe zu erreichen. Zudem hat man aus erhöhter Position den Überblick. Und doch gibt es auch viele Vögel, die am Boden brüten. Selbst da, wo sie es erhöht tun könnten.

Wenn von Christus gesagt wird, dass er erhöht worden sei oder erhöht werden müsse, dann hat das eine doppelte Bedeutung. Einerseits ist es ein Euphemismus für die Hinrichtung am Kreuz, andererseits ist es ein Bild für die Einsetzung in allerhöchster Stellung. 

Es hat eben vieles zwei Seiten. Wer hoch oben sein Nest baut, mag alles Überblicken. Zugleich ist er oder sie stärker exponiert. Da oben kann es auch ganz schön stürmen. 

Morgen folgt ein Bild zum Wort "dienen" (Englisch: served).


Photo-a-day Lent 2022: Eine methodistische Webseite schlägt für die Fastenzeit vor, jeden Tag ein Foto zu teilen, das von einem bestimmten Wort inspiriert ist. Diese Sache nennt sich "Photo-a-day Lent 2022". So könne man sich der Fastenzeit auf eine neue Weise annähern. Die Bilder soll man mit #rethinkchurch taggen. Weitere Erklärungen zum Bild brauche es nicht.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde


Sonntag, 27. März 2022

Besinnung auf Gott, Gespräche über Kirche und Welt

Ein Zitat

Singen von geistlichen Liedern an der Exekutivtagung der Zentralkonferenz von Mittel- und Südeurope in der Methodistenkirche in Mulhouse.
Foto © Jörg Niederer
"Wir sehnen uns nach Hoffnung, die nicht zerbricht, die nicht vor dem Tod in die Knie geht, die nicht zerbombt, zerstört, verunglücken, verschwinden kann. Hoffnung, die nicht von dieser Welt ist, die unser Begreifen und Verstehen übersteigt." Jürgen Muthmann, Pfarrer

Ein Bibelvers - Psalm 9,10+11

"So ist der Herr eine feste Burg. Wer benachteiligt wird, findet bei ihm Schutz. Er ist eine feste Burg für die Zeiten der Not. Wer deinen Namen kennt, vertraut auf dich. Denn du, Herr, lässt niemanden im Stich, der deine Nähe sucht."

Ein Anregung

Das "Photo-a-day"-Wort von heute lautet "feiern" (Englisch: celebrate). 

An der Exekutivsitzung der Zentralkonferenz vom Mittel- und Südeuropa vom 25.-26. März 2022 in Mulhouse gab es immer wieder Momente des Gebets und der Besinnung. Das Feiern gehörte nicht einfach dazu, sondern war die Basis allen Nachdenkens und Austauschens über die ganze Zeit.

In der Morgenandacht vom Samstag erzählte Daniela Stoilkova aus Nordmazedonien von einer Zeit der Verunsicherung und Furcht in ihrem Leben und den Leben von Andern. Ausgehend davon und mit Bezug zu Psalm 9 lud sie ein, zwei Fragen zu beantworten: 

1. Wo in meinem Leben erlebte ich Verunsicherung und Angst?
2. Was brauche ich in meinem Leben, damit ich mir sicher sein kann und bewahrt bleibe? 

Zwei Fragen, die mich auch an diesem Tag noch weiter begleiten werden. 

Morgen folgt ein Bild zum Wort "erhöht" (Englisch: raised).


Photo-a-day Lent 2022: Eine methodistische Webseite schlägt für die Fastenzeit vor, jeden Tag ein Foto zu teilen, das von einem bestimmten Wort inspiriert ist. Diese Sache nennt sich "Photo-a-day Lent 2022". So könne man sich der Fastenzeit auf eine neue Weise annähern. Die Bilder soll man mit #rethinkchurch taggen. Weitere Erklärungen zum Bild brauche es nicht.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Samstag, 26. März 2022

Die Ankunft des Flüchtlingszugs in der friedliche Schweiz

Ein Zitat

Ein Zug aus Budapest mit Flüchtenden aus der Ukraine und weiteren Reisenden trifft ein.
Foto © Jörg Niederer
"Wir nennen sie nicht Flüchtlinge, wir nennen sie Gäste. Aktuell haben wir sehr viel Gäste." Andrzej Malicki, Superintendent in Polen, wo bisher 2,2 Millionen ukrainische Menschen eingereist sind.

Ein Bibelvers - Psalm 137,1

"An den Kanälen von Babylon da saßen wir und weinten, als wir an den Zion dachten."

Ein Anregung

Das "Photo-a-day"-Wort von heute lautet "Mitgefühl" (Englisch: compassion). 

 Ich war zu früh aufgebrochen, gestern auf dem Weg nach Mulhouse. Und so war ich am Bahnhof Zürich, als der Zug von Budapest eintraf. Etliche Frauen und Männer in orangen Warnwesten erwarteten ihn. Besser, sie erwarteten Kriegsflüchtende aus der Ukraine.

In den Wagons konnte man die Menschen nicht unterscheiden. Ob auf der Flucht, auf einer Geschäftsreise, oder auf dem Weg in die Ferien, mir blieben die Gründe ihrer Reise schemenhaft verborgen.

Alte Filme aus der Zeit des 2. Weltkriegs drängten in mein Bewusstsein. Menschen auf der Flucht in überfüllten Zügen. Nie hätte ich gedacht, dass ich zu meiner Lebzeit dabei sein würde, wenn ein Zug mit Vertriebenen in der friedlichen Schweiz eintrifft. Es erfüllt mich mit Scham, mit dem Gefühl von Versagen, das so etwas wieder geschieht. Und ich empfinde Mitgefühl mit diesen Menschen. Nicht Mitleid, Mitgefühl. Ihr Leiden, ihre Schrecken sind nicht mein Leiden, schon gar nicht meine Schrecken. Aber ich fühle mit, das schon. Da ist diese Fähigkeit, die mir als Mensch gegeben ist, zu ahnen, wie es ihnen nun wohl gehen könnte. Die Zerstörung und das Leid habe ich auf Bildern gesehen, die Abschiede der Frauen und Kinder von den Männern. Aber selbst erlebt habe ich das alles nicht. Davon bin ich meilenweit entfernt. Aber Mitgefühl empfinde ich, wenigstens das. 

Morgen folgt ein Bild zum Wort "Feiern" (celebrate).


Photo-a-day Lent 2022: Eine methodistische Webseite schlägt für die Fastenzeit vor, jeden Tag ein Foto zu teilen, das von einem bestimmten Wort inspiriert ist. Diese Sache nennt sich "Photo-a-day Lent 2022". So könne man sich der Fastenzeit auf eine neue Weise annähern. Die Bilder soll man mit #rethinkchurch taggen. Weitere Erklärungen zum Bild brauche es nicht.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Freitag, 25. März 2022

Abschied von Rabbi Tovia Ben-Chorin

Ein Zitat

Rabbi Tovia Ben-Chorin an der Feier zum Interreligiösen Bettag in St. Gallen
Foto © Jörg Niederer
"Die Schöpfung kommt aus der Dunkelheit. Überhaupt, kreativ zu sein, ist, aus einer Dunkelheit raus zu kommen." Tovia Ben-Chorin

Ein Bibelvers - Johannes 19,28-30

"Nachdem das geschehen war, wusste Jesus, dass jetzt alles vollbracht war. Damit vollendet würde, was in der Heiligen Schrift steht, sagte er: 'Ich bin durstig!' In der Nähe stand ein Gefäß voll Essig. Die Soldaten tauchten einen Schwamm hinein. Dann legten sie ihn um einen Ysopbund und hielten ihn Jesus an den Mund. Nachdem Jesus den Essig genommen hatte, sagte er: 'Es ist alles vollbracht.'"

Ein Anregung

Das "Photo-a-day"-Wort von heute lautet "genug" (Englisch: enough). 

Sagt Gott irgendeinmal: "Es ist genug!" über einem Menschenleben? Dass es Menschen gibt, die das sagen, weil sie Sterben möchten, das weiss ich.

Wie es bei Rabbi Tovia Ben-Chorin war, weiss ich nicht. Ist er "lebenssatt" gestorben? Jedenfalls hat er Lebensfroh gelebt. Lebensfroh habe ich den Rabbiner von St. Gallen immer wieder erlebt. Wach und mit viel Interesse an allen Menschen. Nun ist er 86-jährig gestorben. Zum letzten Mal getroffen habe ich ihn im vergangenen Jahr an der kalten und verregneten Feier zum Interreligiösen Bettag, und habe ihn bewundert, wie er in der Kälte aushielt, und mir zugleich Sorgen um seine Gesundheit gemacht. Der Religionsfrieden war dem liberalen Rabbi wichtig. Theologisch war er mir eine Inspiration mit seiner jüdischen Version einer Reinkarnationsphilosophie. Wenn er Lieder anstimmte, dann sangen bald alle mit. Nun ist diese Stimme für den Frieden verstummt. 

Es ist genug! Das gilt auch für jede Art von Krieg. Gleich zwei Beiträge dazu kommen von Ausschuss Kirche und Gesellschaft der Evangelisch-methodistischen Kirche Schweiz.

Marietjie Odendaal zitiert aus zwei Verlautbarungen: Dem "Appell für Frieden und Entmilitarisierung" und einer Stellungname des Internationalen Versöhnungsbunds.

Die Gedanken von Markus Nagel sind persönlicher und werden begleitet von einem alten Lied aus dem Jahr 1778, gedichtet von Matthias Claudius: "S ist Krieg". Es ist an Leiden und Gewalt längst schon genug. Mehr Tod braucht es wirklich nicht. 

Morgen folgt ein Bild zum Wort "Mitgefühl" (compassion).


Photo-a-day Lent 2022: Eine methodistische Webseite schlägt für die Fastenzeit vor, jeden Tag ein Foto zu teilen, das von einem bestimmten Wort inspiriert ist. Diese Sache nennt sich "Photo-a-day Lent 2022". So könne man sich der Fastenzeit auf eine neue Weise annähern. Die Bilder soll man mit #rethinkchurch taggen. Weitere Erklärungen zum Bild brauche es nicht.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Donnerstag, 24. März 2022

Übervoll oder wunderbar gefüllt?

Ein Zitat

Bis an den Rand gefülltes Glas
Foto © Jörg Niederer
"Wenn einem eingefleischten Pessimisten ein Stein vom Herzen fällt, dann fällt er ihm bestimmt auf den Fuß." Herkunft unbekannt

Ein Bibelvers - Kolosser 2,9+10

"In ihm [Christus] ist die ganze Fülle Gottes leibhaftig gegenwärtig. Und an dieser Fülle habt ihr Anteil, weil ihr zu Christus gehört."

Ein Anregung

Das "Photo-a-day"-Wort von heute lautet "gefüllt" oder "erfüllt" (Englisch: filled). 

Das Bild vom halbvollen oder halbleeren Glas wurde schon oft bemüht. Ob jemand aber nun eine Optimist, eine Optimistin ist oder eine Pessimistin, ein Pessimist, das kann auch an einem vollen Glas veranschaulicht werden. 

Der Pessimist moniert, dass beim nächsten Tropfen das Glas überlaufen werde. Der Optimist freut sich: "Das ist jetzt einmal ein richtig schön volles Glas".

Die Pessimistin schimpft: "Wie soll ich das an meinen Platz tragen, ohne dass ich etwas verschütte". Die Optimistin dagegen nimmt es sportlich und wettet, dass sie mit dem Getränk, ohne etwas zu verschütten, den Tisch erreichen werde.

Nun muss ich mir nur noch darüber klar werden, wie ich auf mein randvolles Leben reagieren will. 

Morgen folgt ein Bild zum Wort "genug" (enough).


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Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Mittwoch, 23. März 2022

Die Not der Nothelfer

Ein Zitat

Inneres der 14-Nothelfer-Kapelle von Silenen.
Foto © Jörg Niederer
"Such, wer da will, Nothelfer viel, / die uns doch nichts erworben; / hier ist der Mann, der helfen kann, / bei dem nie was verdorben. / Uns wird das Heil durch ihn zuteil, / uns macht gerecht der treue Knecht, / der für uns ist gestorben." Georg Weissel (1590-1635)

Ein Bibelvers - Psalm 50,15

Gott: "Wenn du in Not bist, rufe nach mir! Dann rette ich dich, und du wirst mich ehren."

Ein Anregung

Das "Photo-a-day"-Wort von heute lautet "Notwendigkeit" (Englisch: need).

Was kann eine Not wenden? "Was haben wir nötig?"

Früher und auch heute noch wurden in den alten Kirchen die Vierzehn Nothelfer angerufen; "Nothelfer", maskulin - auch wenn darunter drei Frauen zu finden sind. Das waren die vierzehn Klingen am Sackmesser des Glaubens. Am Bekanntesten davon sind wohl die heilige Barbara, die Schutzpatronin der Bergleute und Mineure, sowie Christophorus, der Christusträger. Auch der heilige Georg ist noch im Bewusstsein vieler Menschen als Drachenkämpfer. Er ist der Schutzheilige in Kriegsgefahr, und wird wohl in Europa gerade wieder etwas häufiger angerufen als auch schon.

Die Reformation hat dann die Heiligen vom Sockel gestürzt. Zuständig für alle Sorgen und Nöte bei den Protestanten ist allein Christus. Sehr schön kommt das in der zweiten Strophe vom Lied "Such wer da will ein ander Ziel..." aus der Feder von Georg Weissel zum Ausdruck. Wer den Zugang zum König hat, muss nicht seine Bediensteten für ein gutes Wort bei ihm bemühen.

Damit ging natürlich auch etwas verloren, wie man schön in einem kurzen Video erklärt bekommt. Es ist das Wissen um Identifikationsfiguren, um das Schicksal von Menschen in der Nachfolge Christi. Diese Idole (ursprünglich für "Götterbild", später Vorbild), von denen es schon Vorläufer der Paninibilder gab, die sogenannten "Heiligenbildchen", wurden ersetzt durch andere Heldinnen und Helden. Nehmen wir Elon Musk mit seinem Fanclub. Wird er der neue Schutzheilige vor Klimaschäden, oder ist das doch eher die Ikone Greta Thunberg? Da hinzu gehört auch der neue Held des Westens, der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj.

Was sie alle haben, diese modernen Nothelferinnen und Nothelfer, das ist eine widersprüchliche, gebrochene Biografie. Es waren und sind Menschen, die selbst Nothelferinnen und Nothelfer nötig hatten und haben.

Morgen folgt ein Bild zum Wort "gefüllt" oder "erfüllt" (filled).


Photo-a-day Lent 2022: Eine methodistische Webseite schlägt für die Fastenzeit vor, jeden Tag ein Foto zu teilen, das von einem bestimmten Wort inspiriert ist. Diese Sache nennt sich "Photo-a-day Lent 2022". So könne man sich der Fastenzeit auf eine neue Weise annähern. Die Bilder soll man mit #rethinkchurch taggen. Weitere Erklärungen zum Bild brauche es nicht.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Dienstag, 22. März 2022

Teilen oder Shareholder Value?

Ein Zitat

Ehemalige Neue Börse in Zürich
Foto © Jörg Niederer
"Für Börsenspekulationen ist der Februar einer der gefährlichsten Monate. Die anderen sind Juli, Januar, September, April, November, Mai, März, Juni, Dezember, August und Oktober." Mark Twain

Ein Bibelvers - Lukas 12,16-18 (Siehe dazu auch die Predigt vom vergangenen Sonntag!)

"Dazu erzählte Jesus ihnen ein Gleichnis: 'Die Felder eines reichen Grundbesitzers brachten eine besonders gute Ernte. Da überlegte er: Was soll ich tun? Ich habe nicht genug Platz, um meine Ernte zu lagern. Schließlich sagte er sich: So will ich es machen: Ich reiße meine Scheunen ab und baue größere. Dort werde ich dann das ganze Getreide und alle meine Vorräte lagern.'"

Ein Anregung

Das "Photo-a-day"-Wort von heute lautet "teilen" (Englisch: share). 

Als Fremdwort hat das Wort "share" in der Finanzwelt Einzug gehalten. "Share" das ist die Aktie. Die Aktie ist wiederum ein Anteil an einem Unternehmen. Aktien werden an Börsen gehandelt. Doch dabei geht es kaum um eine gerechte Verteilung der weltweiten Güter sondern um Profit und Gewinnmaximierung. Oft verstärkt der Aktienhandel die Ungerechtigkeit zwischen Arm und Reich.

Das Foto von der einstigen neuen Börse Zürich wurde aufgenommen, als dort noch der Shareholder Value regierte. Heute ist eine internationale Organisation im Haus, die Sprach- und Kulturaustausch anbietet. Sicher eine sinnvollere Art, wie Wissen, Kenntnis und Chancen geteilt werden können. Gelegentlich kann das Haus auch besichtigt werden.

Wie hast du es mit dem Teilen? Fällt es dir leicht, oder gehörst du zu den Menschen, die lieber Güter anhäufen? Strebst du nach Reichtum oder nach Gerechtigkeit? Oder nach beidem? Aber geht das: Reichtum und Gerechtigkeit? 

Morgen folgt ein Bild zum Wort "Notwendigkeit" (need).


Photo-a-day Lent 2022: Eine methodistische Webseite schlägt für die Fastenzeit vor, jeden Tag ein Foto zu teilen, das von einem bestimmten Wort inspiriert ist. Diese Sache nennt sich "Photo-a-day Lent 2022". So könne man sich der Fastenzeit auf eine neue Weise annähern. Die Bilder soll man mit #rethinkchurch taggen. Weitere Erklärungen zum Bild brauche es nicht.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Montag, 21. März 2022

Mit oder ohne?

Ein Zitat

Brautkleidmode mit Maske
Foto © Jörg Niederer
"Probier's mal mit Gemütlichkeit / Mit Ruhe und Gemütlichkeit / Vertreibst du deinen ganzen Sorgenkram. Und wenn du / Stets gemütlich / Bist und etwas appetitlich ist, dann nimm es dir egal woher es kam." aus: Das Dschungelbuch, Songwriter: Terry Gilkyson

Ein Bibelvers - Psalm 18,30b

"Mit meinem Gott springe ich über Mauern."

Ein Anregung

Das "Photo-a-day"-Wort von heute ist die Präposition "mit" (Englisch: with).

Bald geht die Zeit zu Ende, in der wir an gewissen Orten nur mit Maske sein durften. Nicht mehr lange, und wir müssen selbst entscheiden, ob und wo wir die Maske weiter tragen wollen. 

Entscheiden müssen wir immer wieder, ob wir etwas mit oder ohne wollen: Eine Flugreise mit oder ohne CO2-Kompensation, den Hotelaufenthalt mit oder ohne Vollpension, den Einkauf mit oder ohne Garantieverlängerung, das Mittagessen mit oder ohne Fleisch, mit oder ohne Vorspeise; Döner Kebab "mit alles und scharf"?

Soll ein Fest mit oder ohne Alkohol durchgeführt werden? Will ich eine Wohnung mit oder ohne Balkon, ein Haus mit oder ohne Garten, mit oder ohne Aussicht ins Grüne? Suche ich ein Hotel mit oder ohne Wellnessangebot? Sage ich es mit oder ohne Blumen? Und was, wenn ich in Eile bin? Geschieht das mit oder ohne Weile?

Vielleicht zentraler ist die Frage: Gehe ich durchs Leben mit oder ohne einen Glauben an eine höhere Macht, an Gott? 

Und gilt beim Dessert: "Aber bitte mit Sahne" (Udo Jürgens)? Wir haben die Wahl. 

Bei "mit oder ohne" gibt es auch noch die Zwischentöne: "Bitte nur mit wenig Rahm im Kaffee!" sagen wir dann. 

Was so eine Präposition uns an Denkleistung abverlangt. Ich wünsche uns allen, dass wir heute mit Elan an die Sachen herangehen und unsere Entscheidungen treffen können, ob nun mit oder ohne.

Morgen folgt ein Bild zum Wort "teilen" (share).


Photo-a-day Lent 2022: Eine methodistische Webseite schlägt für die Fastenzeit vor, jeden Tag ein Foto zu teilen, das von einem bestimmten Wort inspiriert ist. Diese Sache nennt sich "Photo-a-day Lent 2022". So könne man sich der Fastenzeit auf eine neue Weise annähern. Die Bilder soll man mit #rethinkchurch taggen. Weitere Erklärungen zum Bild brauche es nicht.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde