Montag, 9. Januar 2023

Drachenfliegen

Ein Zitat

Ein Papierdrachen am Himmel über Gerlikon.
Foto © Jörg Niederer
Mit Liebe ist nicht zu spassen. Das wissen selbst die Spinnen.

Ein Bibelvers - Sacharja 5,1+2

"Als ich nochmals aufschaute, sah ich eine fliegende Schriftrolle. Der Engel fragte mich: 'Was siehst du?' Ich antwortete: 'Eine fliegende Schriftrolle.'"

Eine Anregung

Ritter kämpfen Drachen nieder
Kinder ziehen Drachen hoch
Ritter spotten
Kinder trauern
wenn die Drachen niederfallen.
Ritter jammern
Kinder lachen
wenn die Drachen höherfliegen. 

Warum die Drachen niederkämpfen?
Lasst sie einfach fliegen.
Wenn Krieger sich verlieren
singen Kinder Drachenlieder.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde


Sonntag, 8. Januar 2023

Kein Sonntag für das Leichtgewicht

Ein Zitat

Wintergoldhähnchen am Alten Rhein.
Foto © Jörg Niederer
"Achte auf das Kleine in der Welt, das macht das Leben reicher und zufriedener." Carl Hilty (1833-1909) Politiker und Laientheologe

Ein Bibelvers - Sprüche 30,24-28

"Vier sind die kleinsten Lebewesen auf der Erde und doch die größten im Blick auf ihre Weisheit: Die Ameisen sind ein schwaches Volk, aber sorgen schon im Sommer für ihre Nahrung. Die Klippdachse sind ein schwaches Volk, aber bauen sich sichere Wohnungen in den Felsen. Die Heuschrecken haben keinen König, aber ziehen wie ein geordnetes Heer ins Feld. Die Eidechse kann man mit Händen fangen, aber sogar in Königspalästen geht sie ein und aus."

Eine Anregung

Da haben wir ihn: Den kleinsten Vogel Europas. mit 6-8 Gramm Körpergewicht ist das Wintergoldhähnchen ein wahres Leichtgewicht. Zum Vergleich. Kolibris wiegen zwischen 1,8 und 24 Gramm.

Wie alle kleinen Vögel braucht das Wintergoldhähnchen viel Nahrung. Genauer gesagt muss es in den dunklen Wintermonaten in den sieben Tagesstunden soviel fressen wie es wiegt um die langen und kalten Winternächte zu überstehen. So sucht es jeden Tag unermüdlich die Bäume, Zweige und Gebüsche nach kleinen Spinnen und Insekten ab. 

Da haben wir Menschen es besser. Wir können an Sonntagen auch einmal ausruhen, oder einen Gottesdienst besuchen. Ich werde am Allianzgottesdienst in der Reformierten Kirche Linsebühl in St. Gallen mitwirken. Der Gottesdienst beginnt um 10.00 Uhr. Dann werden die Wintergoldhähnchen schon längst ihrer Arbeit und Bestimmung nachgehen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde


Samstag, 7. Januar 2023

Ablaufdatum

Ein Zitat

Teezubereitung in der Küche.
Foto © Jörg Niederer
"Der Weg zum Himmel führt durch eine Teekanne." Sprichwort aus England

Ein Bibelvers - Lukas 15,1

"Alle Zolleinnehmer und andere Leute, die als Sünder galten, kamen zu Jesus, um ihm zuzuhören."

Eine Anregung

06/2013, 25.08.2014, 11.03.2015. Diese Daten stehen auf drei Teebeutel-Boxen unter "Mindestens haltbar bis...". Die Tees sind also schon lange in unserem Besitz. Sie ruhten die ganze Zeit in einer Tragetasche in meinem Büro. Seit einigen Wochen versuche ich, diesen beachtlichen Vorrat aufzubrauchen. Ich verwende also Teebeutel, die schon seit fast 10 Jahren nicht mehr verkauft werden dürfen. Und der Tee ist gut, bekömmlich, schmeckt. Auch Jahre, nachdem er geerntet und verarbeitet worden ist.

Der Tee wird noch einige Wochen unsern Durst löschen. Gut, habe ich ihn nicht entsorgt. Zu früh sollte man Lebensmittel nicht abschreiben. Und Menschen sollte man schon gar nicht abschreiben. Gerade das scheint mir eine der wichtigsten Botschaften von Jesus gewesen zu sein. Wie gehst du mit abgelaufenen Lebensmitteln um? Und wie ganz generell mit Menschen?

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Freitag, 6. Januar 2023

Drei-Weisen-Kuchen

Ein Zitat

Krönungsmaterial am Dreikönigstag.
Foto © Jörg Niederer
"Weisheit ist eine goldige Krone." Sprichwort

Ein Bibelvers - Sprüche 4,8+9

"Schätze die Weisheit hoch, sie verleiht dir Ansehen. Sie bringt dich zu Ehren, wenn du sie umarmst. Sie setzt dir einen Lorbeerkranz auf den Kopf und schmückt dich mit einer prächtigen Krone."

Eine Anregung

Nein, es waren keine Könige. Nein, auch Kronen trugen sie nicht. Nein es waren auch nicht sicher drei; es könnten auch fünf oder zwanzig gewesen sein. Nein, sie trugen kein Kreuz mit sich (wie der kleine weisse König auf dem Foto). Nein, auch die Fleur-de-lis, die heraldische Lilie, hätte die Kronen nicht geziert, selbst wenn es diesen Kopfschmuck gegeben hätte. Aber Ja: Gestern in Weinfelden beim Kaffeetreff fand sich in meinem Dreikönigskuchenstück der kleine Mann, und so wurde ich für kurze Zeit zum Papierkronenkönig befördert.

Es wahren Wissenschaftler, Sternkundige, die sich auf die Suche nach dem neuen König machten. Aber es klänge halt nicht so gut, wenn wir sagen würden: "Drei-Wissenschaftler-Kuchen", oder "Drei-Astrologen-Kuchen". Ein schöner Brauch ist der Dreikönigskuchen so oder so. Seit 1561 wurde das Fest Epiphanias mit Kuchen gefeiert. Also ein süsses Fest. Die Fleur-de-lis hat dann wenigstens indirekt doch noch etwas zu tun mit der Geburt von Jesus; sie wird als Symbol der Muttergottes, also der Maria zugewiesen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Donnerstag, 5. Januar 2023

Holy Rock'n'Roll

Ein Zitat

Gospelkonzert in Schönenwerd im Jahr 1990.
Foto © Jörg Niederer
"Doch im Gegensatz zu Tharpe ist die blinde Gospel-Pionierin [Arizona Dranes] heute so gut wie unbekannt. vielleicht liegt es daran, dass sie sich zeitlebens als Missionarin oder Evangelistin verstand, nicht als Musikerin (und übrigens auch dementsprechend unspektakulär aussah)." Richard Koechli in "Holy Blues", S.139

Ein Bibelvers - 1. Mose 7,12

"40 Tage und 40 Nächte lang fiel Regen auf die Erde."

Eine Anregung

Rock'n'Roll sei ein Produkt der 1950er-Jahren. Dem widerspricht Richard Koechli im Buch "Holy Blues" und erinnert an die Grossmutter und an die Mutter des Rock'n'Rolls. Beide, Arizona Dranes (1889-1963) aus einer Pfingstkirche und Sister Rosetta Tharpe (1915-1973) aus einer Baptistengemeinde, waren überzeugte Christinnen. So sangen sie vor allem Gospel, aber auf eine unglaublich energiegeladene Weise.

Arizona Dranes war Pianistin und blind und musikalisch hochbegabt. Koechli schreibt über sie: "Die Frau war absolut unglaublich, als Sängerin und am Klavier; sie definierte den Gospel und Blues-Pianostil der Zukunft, war das Bindeglied zwischen den Spirituals der Sklavengenerationen und dem Chicago Blues der 1930er und 1940er-Jahre – und sie legte mit ihren verrückten, vom Dynamit des Heiligen Geistes gezündeten Aufführungen den Grundstein für das Feuer des Rock'n'Roll." (Holy Blues, S.85) Ein Muster ihrer Kunst gefällig: "Lambs Blood Has Washed Me Clean" (Das Blut des Lamms wusch mich rein).

Und Sister Rosetta Tharpe: Sie wurde zur geistigen Mutter für Elvis Presley, Johny Cash, Jerry Lewis, Keith Richards und Eric Clapton. Hier zwei Leckerbissen. Erst der Song über die Sintflut und Noahs Arche: "Didn'It Rain?" und dann noch ihr Bekenntnis: "Über mir da gibt es einen Himmel": "Up Above My Head". Noch einmal Richard Koechli: "Schlicht umwerfend!"

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Mittwoch, 4. Januar 2023

Die Schuld der Radieschen

Ein Zitat

Wurzelgeflecht auf einem Waldweg.
Foto © Jörg Niederer
"Wenn Sie heute Radieschen säen, können Sie morgen keine Ananas ernten." Herkunft unbekannt

Ein Bibelvers - 1. Mose 3,2+3

"Die Frau erwiderte der Schlange: 'Von den Früchten der Bäume im Garten dürfen wir essen. Nur die Früchte von dem Baum, der in der Mitte des Gartens steht, hat Gott uns verboten. Er hat gesagt: Esst nicht davon, berührt sie nicht einmal, sonst müsst ihr sterben!'"

Eine Anregung

Wurzel. Lateinisch: Radix. Im Wort "Radischen" steckt die Wortwurzel "Radix". Radieschen sind in der Tat Wurzeln. Im Schweizer Dialekt werden sie auch "Radisli" genannt. Dazu eine kleine Variation, niedergeschrieben irgendeinmal so um 1990. 

Paradies – Paradiesli – ein paar Radisli
und die Menschin nahm davon
und der Mensch ass davon
und das Paradies war vorbei
nicht einmal ein Paradisli blieb übrig
nur ein paar Radisli und ein Paar

Wer jetzt behauptet, der Sündenfall sei durch den Verzehr eines Apfel erfolgt, ist einem Gerücht aufgesessen. An keinem Ort in der Bibel wird die Frucht genauer bestimmt, welche verbotener Weise von Adam und Eva gegessen worden war. Es könnten also auch Radieschen gewesen sein, welche damals noch am Baum wuchsen, doch wegen der Beteiligung an einer fundamental verbotenen Aktion von Gott zu Wurzeln degradiert wurde. (Auch die Schlange, diese Versucherin, wurde beim Sündenfall zur Strafe der Beine und Füsse beraubt und zum Kriechen im Dreck bei den Radieschen verurteilt.) Darum sagt man bis heute: Bei "der Wurzel auf den Grund gehen." ;-)

Übrigens: Als im Paradies die Radieschen noch an den Bäumen hingen, bedeutete die Redensart "Die Radieschen von unten sehen" noch nicht Tod, sondern Leben.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde 

Dienstag, 3. Januar 2023

Schon wieder Frühling im Winter

Ein Zitat

Weidenkätzchen am 2. Januar beim Ringwiler Weiher
Foto © Jörg Niederer
"Ich glaube an das Gute im Menschen, sowie ich an den Frühling glaube, wenn ich die Weidenkätzchen blühen sehe." Phil Bosmans (1922-2012) belgischer, katholischer Ordensgeistlicher

Ein Bibelvers - Psalm 72,7

"Die Gerechtigkeit soll aufblühen in seinen Tagen. Und Frieden soll herrschen weit und breit, so lange, bis es den Mond nicht mehr gibt."

Eine Anregung

Gestern flogen die Bienen zu den wenigen Blüten, die schon lockten. Gestern, entdeckten wir die ersten Weidenkätzchen. Gestern war ein Tag, an dem ich ohne Jacke unterwegs sein konnte. Gestern raschelte das alte Laub auf den Wanderwegen. Gestern gab es Vogelkonzerte, als hätte die Balz begonnen. Gestern war Winter.

Da kommt mir unweigerlich das Weihnachtslied in den Sinn: "Es ist ein Ros entsprungen...". Darin heisst es: "...und hat ein Blümlein bracht, mitten im kalten Winter"

Weihnachten, Frühling, Herbst und Winter in einem. Fehlt nur noch der Sommer. Den Sonnenschutz jedenfalls hatten wir dabei. Ich bin gespannt, ab wann der Osterhase in diesem Jahr durch die Einkaufszentren hoppelt und der Ausverkauf der Sommermode beginnt. Oder ist es etwa schon wieder soweit?

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Montag, 2. Januar 2023

Sinistre Handschrift

Ein Zitat

Notizen, mit links geschrieben
Foto © Jörg Niederer
"Vor fünf Jahren war ich Lehrer als jetzt." Toni Lüthy (1940-2018), einst Lehrer, zuletzt Pfarrer in St. Gallen

Ein Bibelvers - Richter 20,16

"Außerdem befanden sich unter den Kriegsleuten 700 ausgewählte Soldaten, allesamt Linkshänder. Die konnten Steine haargenau schleudern, ihr Ziel verfehlten sie nicht."

Eine Anregung

Gelegentlich nehme ich alte Notizhefte hervor, und lese darin. Es gab eine Zeit, in der ich bitterböse Geschichten voller sinistrer Gedanken geschrieben habe.

"Sinister" ist ein anderes Wort für "düster, finster, unheilvoll". Als weitere Synonyme nennt wiktionary auch "links, linksseitig". Denn das lateinische Adjektiv "sinister", das wir im Deutschen als Fremdwort verwenden, bedeutet nichts anderes als "links"So habe ich also sinistre Gedanken mit meiner sinistren Hand zu Papier gebracht.

Sinister = links, finster, unheilvoll; Ich fühle mich gerade etwas diskriminiert als Linkshänder. Nicht, dass ich beim Schreiben mit Tinte weit häufiger Seiten noch einmal erstellen musste, weil ich mit Links die Tinte verwischt habe, und dies selbst wenn ich beim Schreiben die Arm- und Handhaltung unnatürlich über den Text drehte. Nein, nicht genug damit. Jetzt erfahre ich auch noch, dass dieses Schreiben sinister sei, also finster und unheilvoll schon in der Ausführung.

Zweifellos sind die Linken die Schlechten; linke Hunde, solche, die man links liegen lässt. Selbst die Redensart: "Etwa mit Links machen" meint abwertend, dass es dafür kein besonderes Geschick brauche. 

Gerade lese ich, dass die biblische Bezeichnung für Linkshänder indirekt geschah, indem man auf deren "ungeschickte, lahme, gehemmte rechte Hand" hinwies. Voila, da haben wir es.

Ehud war ein Benjaminit. Benjamin bedeutet wörtlich übersetzt: "Sohn der rechten Seite". (Richter 3,15). Ausgerechnet dieser Mann der rechten Seite war Linkshändler.

Versöhnlich stimmt mich der Hinweis, dass es unter den Soldaten im Stamm Benjamin 700 Elitesoldaten gab, die – allesamt Linkshänder – mit ihrer Steinschleuder ein Haar treffen konnten. Also aufgepasst, dass ich nie eine Steinschleuder in die Hand bekomme! 

Beim Kampf und Krieg scheinen Linkshänder erwünscht gewesen zu sein. Sonst wurde ihnen, Mädchen wie Knaben, die Linkshändigkeit über viele Jahrhunderte hinweg mit Schlägen ausgetrieben. Bei mir zum Glück nicht mehr. Aber der schlechte Ruf der Linken ist geblieben und lebt in den Redensarten und der Sprache fort. 

Ein Gutes hat es, meine Linkshändigkeit: Ich kann nun mit meiner linken Hand mit gutem Grund sinistre Gedanken und düstere Geschichte niederschreiben. Sinistre Handschrift, sinistrer Inhalt. Wer ein Muster davon lesen möchte, muss mich halt dazu ermuntern.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Sonntag, 1. Januar 2023

Orchideen und eine aussergewöhnliche Frau

Ein Zitat

Orchideen an unseren Fenstern.
Foto © Jörg Niederer
"Um klar zu sehen, genügt oft ein Wechsel der Blickrichtung." Antoine de Saint-Exupery

Ein Bibelvers - 1. Mose 16,13

"Hagar gab dem Herrn, der mit ihr geredet hatte, den Namen El-Roi, das heißt: Gott sieht nach mir. Denn sie hatte gesagt: 'Hier habe ich den gesehen, der nach mir sieht.'"

Eine Anregung

Bei unseren Fenstern blühen gerade mehrere Orchideen. Mitten im kalten Winter bringen sie Farbe in die Wohnung. Betreut werden sie von meiner Frau, der es immer wieder gelingt, bereits entsorgte Orchideen zum Strahlen und Blühen zu bringen. Und weil es gut ist, das neue Jahr mit etwas Kostbarem und Schönen zu beginnen, hier Blüten einer dieser Orchideen. Ich wünsche uns allen noch viel Schönes und Bezauberndes in den nächsten nun kommenden 365 Tagen.

Auch wenn heute Neujahr ist, findet doch auch ein Gottesdienst statt in der Methodistenkirche St. Gallen. Es wird eine Bildbetrachtung sein zur Jahreslosung. Wir lerne eine bemerkenswerte Frau kennen. Hagar ist die einzige Person in der Bibel, die Gott einen Namen gab. Wie es dazu kam, davon mehr im Gottesdienst um 10.15 Uhr an der Kapellenstrasse 6 in St. Gallen. Die Predigt wird per Youtube übertragen, und zwar ab ca. 10.30 Uhr.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Samstag, 31. Dezember 2022

Jahreswechsel

Ein Zitat

Raclette ist ein typisches Essen zum Jahreswechsel
Foto © Jörg Niederer
"Die Zukunft hört nicht auf, uns zu faszinieren, besonders am Anfang eines neuen Jahres." Georg Kreisler

Ein Bibelvers - Jesaja 43,18-19

"Denkt nicht mehr an das, was früher geschah. Beschäftigt euch nicht mit der Vergangenheit. Schaut her, ich schaffe etwas Neues! Es beginnt schon zu sprießen – merkt ihr es denn nicht? Ich lege einen Weg durch die Wüste an, im trockenen Land lasse ich Ströme fließen."

Eine Anregung

Es sind die Tage der traditionellen Festtagsgerichte, aufwändig zubereitet oder eher auf Geselligkeit ausgerichtet wie Raclette oder Fondue oder Fondue Bourguignon. Früher waren es Schweinebraten und Linsensuppe. Bei den Römern, welche den Jahreswechsel auf den 1. Januar legten, war damit ein ausschweifendes, fasnachtsähnliches Fest verbunden.

Viel über Silvester und Neujahr erfährt man in einem Artikel eines Immobilienunternehmens (Warum auch immer!).

Wir liessen früher das Neue Jahr mit einem nächtlichen Spaziergang beginnen. Es war die Zeit, als kaum Feuerwerk gezündet wurde und die Nacht noch sternenklar war. Manchmal wünsche ich mir diese Zeit zurück.

Schon jetzt freue ich mich auf den ersten Morgen im Neuen Jahr. Denn dann, wenn ich das Haus verlassen werde, wird es wieder still sein und noch dunkel. Ich werde nur wenigen Menschen begegnen, die meisten davon auf dem Weg nach Hause. Dann wird der Tag anbrechen und ich diesen mit einem Gottesdienst in der Kirche feiern. 

Ich wünsche euch allen ein frohes, neues Jahr. Der Friede Gottes möge diese Welt erfüllen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Freitag, 30. Dezember 2022

Fischadler mit Mond

Ein Zitat

"Greift der Fischadler zu, taucht er im aufspritzenden Wasser oft völlig unter." aus dem Buch "Rettet die Vögel, wir brauchen sie"

Ein Bibelvers - Psalm 121,5+6

"Der Herr wacht über dich. Der Herr ist dein Schutz, er spendet Schatten an deiner Seite. Am Tag wird dir die Sonne nicht schaden und der Mond nicht in der Nacht."

Eine Anregung

Fischadler am Lake Griffin, Florida sinniert über den Mond.
Foto © Jörg Niederer
Das Foto vom Fischadler entstand vor mehr als 10 Jahren am Lake Griffin in Florida mit einer eher bescheidenen Kamera. Ich wusste bis gestern gar nicht mehr, dass es existiert. Aus dieser Perspektive sieht es so aus, als würde der Fischadler über den Mond sinnierend auf ihn hinunterblicken.

Fischadler rasten auf der Durchreise regelmässig in der Schweiz, so auch im Fanel am Neuenburgersee, wo sich aktuell auch ein Seeadler aufhält. Seeadler werden auf der französischen Seite des Genfersees gezüchtet, um sie dann in Freiheit zu entlassen. Ob das Experiment einer Ansiedlung gelingt, ist noch nicht sicher.

Auch woher der Mond kommt ist bekannt. In der Frühzeit des Sonnensystems sei die damalige Erde mit einem marsgrossen Himmelskörper zusammengestossen. Dabei sei aus dem von der Erde weggeschleuderten Material der Mond entstanden. Sein Einfluss auf die Erde ist beachtlich. So löst er an manchen Orten der Erde (Bay of Fundy, Nordamerika) einen Tidenhub von 13-16 Metern aus. Vor dieser halbtäglichen Wasserstandsänderung wäre unsere Wohnung im dritten Stockwerk noch lange nicht sicher. 

Der Fischadler baut seinen Horst gerne auf der Spitze von Bäumen, hoch über den Wassern. Er muss den Mond nicht fürchten. Schon gar nicht am Neuenburger- oder am Genfersee. Mit dem Mond verbinden viele Menschen Gefühle und Befürchtungen. "Irgendwie spinnen heute alle. Ist wieder Vollmond?"; solche Aussagen höre ich immer einmal wieder.

Bist du mondfühlig. Reagierst du auf den Vollmond? Oder ist er für dich der "gute Mond" aus dem Lied von Matthias Claudius?

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Donnerstag, 29. Dezember 2022

Ohne Gospel kein Rock'n'Roll

Ein Zitat

Auf dem Lake Griffin vor dem Warren W. Willis United Methodist Camp in Florida bereitet sich ein Angler aufs Fischen vor.
Foto © Jörg Niederer
"Spirituals sind noch immer lebendig. Die Seele der Spirituals ist zudem in der Gospelmusik, den Freiheitsliedern der Bürgerrechtsbewegung, im Blues, Jazz, Rhythm'n'Blues, Country, Rock'n'Roll und Hip-Hop zu spüren – sie ist der Urgrund all dieser Musik." Richard Koechli im Buch "Holy Blues", S.57

Ein Bibelvers - Offenbarung 2,17

"Wer ein Ohr dafür hat, soll gut zuhören, was der Geist Gottes den Gemeinden sagt: 'Wer siegreich ist und standhaft im Glauben, dem werde ich von dem verborgenen Manna geben. Außerdem gebe ich ihm einen weißen Stein. Auf dem Stein steht ein neuer Name, den niemand kennt außer dem, der ihn empfängt.'"

Eine Anregung

Es ist "die erste Aufnahme eines afroamerikanischen Songs mit Gospel-Charakter", wie Richard Koechli im Buch "Holy Blues" (Seite 68) schreibt. Und das besondere daran: Diese Aufnahme können wir alle uns anhören, weil sie längst schon digitalisiert im Internet zu finden ist. 1902 veröffentlichte die Victor Talking Machine Compagny sechs Gospelsongs des Dinwiddie Colored Quartets. Es bestand aus den afroamerikanischen Musikern J. Mantell Thomas und Harry B. Cruder (beide Bass) und den Tenören Sterling Rex und J. Clarence Meredith.

Besonders hörenswert ist "Down On The Old Camp Ground", "ein wunderschöner afroamerikanischer Song im Stil der alten Spirituals, über die frohe Botschaft jubilierend und gleichzeitig poetisch geschickt mit dem Finger auf verlogene Frömmigkeit zeigend", wie Koechli schreibt (Seite 68f). Hier die Übersetzung des Liedtextes: 

Oh, da ist Jubel, da ist Jubel, da ist Jubel
Da unten auf dem alten Missionszeltplatz

Der kleine weiße Stein kam heruntergerollt
Da unten auf dem alten Missionszeltplatz
Und rollte wie ein Donnerschlag zu Boden
Da unten auf dem alten Missionszeltplatz
Du sagst, du strebst nach dem Himmel
Da unten auf dem alten Missionszeltplatz
Warum hörst du nicht auf, Lügen zu erzählen?
Da unten auf dem alten Missionszeltplatz 

Du sagst, dein Jesus hat dich befreit
Da unten auf dem alten Missionszeltplatz
Warum lässt du deine Nachbarn nicht in Frieden
Da unten auf dem alten Missionszeltplatz
Manche kommen in die Kirche, um zu singen und zu schreien
Da unten auf dem alten Missionszeltplatz
Und bevor sechs Monate vergangen sind, sind sie wieder weg
Da unten auf dem alten Missionszeltplatz

Du kommst zu mir nach Hause und trinkst meinen Tee
Da unten auf dem alten Missionszeltplatz
Dann läufst du durch die Stadt und lästerst über mich
Da unten auf dem alten Missionszeltplatz
Oh, manche gehen in die Kirche, um ihre Kleider zu zeigen
Da unten auf dem alten Missionszeltplatz
Und springen schnell hoch und eilen zur Tür hinaus
Da unten auf dem alten Missionszeltplatz

Komm in die Scheune auf mein Knie
Da unten auf dem alten Missionszeltplatz
Ich dachte, ich hörte das Huhn niesen
Da unten auf dem alten Missionszeltplatz
Es nieste so heftig vor Keuchhusten
Da unten auf dem alten Missionszeltplatz
Und nieste sich um Kopf und Kragen
Da unten auf dem alten Missionszeltplatz

Oh, da ist Jubel, da ist Jubel, da ist Jubel
Da unten auf dem alten Missionszeltplatz

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Mittwoch, 28. Dezember 2022

Vogeljäger

Ein Zitat

Sperber im Auenwald bei Frauenfeld.
Foto © Jörg Niederer
"Das größte Leid ist das, was sich der Mensch selbst antut." Manes Sperber (195-1984) Schriftsteller

Ein Bibelvers - Lukas 12,51

Jesus: "Meint ihr, dass ich gekommen bin, um Frieden auf die Erde zu bringen? Nein, sage ich euch, sondern Streit."

Eine Anregung

Der Sperber ist ein kleinerer Greifvogel, der ausschliesslich Vögel jagt. Geschickt fliegt er in der Deckung von Hecken im Tiefflug heran, um sich dann gezielt eines der dortigen kleinen Vögelchen zu greifen. 

Ein Vogel, der Vögel frisst, das ist für Ornithologinnen und Ornithologen wohl ein kleiner Alptraum. Wenn Katzen nicht besonders beliebt sind, weil sie auch Vögel fressen, müsste dann diese "fliegende Katze", die nur Vögel frisst, nicht genauso verpönt sein? Aber Sperber sind Vögel, wildlebende, schöne Vögel.

Da gibt es doch diese Redensart: "Der Mensch ist des Menschen Wolf". Will sagen, dass wir Menschen einander gegenseitig am gefährlichsten sind. Wir sind für diese Welt bei weitem das grössere Problem als die Sperber es für die Vogelwelt sind. 

Ich jedenfalls freue mich, dass es diese faszinierenden Tiere gibt. "Sperber" ist übrigens die Zusammensetzung von zwei althochdeutschen Wörtern: "sparo" für Sperling und "aro" für Aar oder Adler. Entweder ist "Sperlingsadler" eine Anspielung auf die geringe Grösse dieses Greifers, oder aber auf seine Hauptbeute, den Sperling. Und noch eines: Die Weibchen sind deutlich grösser als die Männchen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Dienstag, 27. Dezember 2022

Das Los des Weihnachtsgeschenkpapiers

Ein Zitat

Die Überreste einer Weihnachts-Geschenkverpackung.
Foto © Jörg Niederer
"Wunderschöne Geschenke verdienen es, genauso schön verpackt zu werden. Verleih' deinen Aufmerksamkeiten mit hochwertigem, kunstvoll bedrucktem Geschenkpapier das perfekte Finish." Aus der Werbung

Ein Bibelvers - Sprüche 18,16

"Wer Geschenke macht, erweitert seinen Spielraum und verschafft sich Zugang zu wichtigen Leuten."

Eine Anregung

Das Ende allen Feierns ist Müll. Doch zuvor werden die Geschenke ausgepackt. Dies geschieht auf vielfältige Weise.

Als Kind griffen wir schon einmal zur Schere, um die Knoten an den Bändel zu durchtrennen. Doch die Klebestreifen wurden sorgfältig und möglichst ohne das Geschenkpapier zu beschädigen abgelöst. Letzteres konnte so zu einem späteren Zeitpunkt wiederverwendet werden.

Als ich dann meine Frau kennenlernte, merkte ich bald, dass in ihrer Familie noch strengere Auflagen im Umgang mit Präsenten eingehalten wurden. Geöffnet wurden die Geschenke nacheinander, und auch die Bändel und Schnüre wurden ohne sie zu zertrennen entknotet. So konnte sich die Bescherung schon einmal über mehrere Stunden hinziehen, selten auch über mehrere Tage. Die Wiederverwendung von wenig beschädigtem oder zerknittertem Verpackungsmaterial war selbstverständlich.

Dann wurde die Familie erweitert mit einer Amerikanerin. Und wie es das Klischee so will, entpackten sich bei ihr die Geschenke in sekundenschnelle und ohne Rücksicht auf Papier und Bändel. Ehrlicherweise muss ich eingestehen, dass wir schon seit einigen Jahren in keiner Familientradition die Geschenkpapiere wiederverwenden. Sie landen fast ausschliesslich in der Papiersammlung. Und dies nicht nur, weil in diesem Jahr einige Geschenkeverpackungen fast mehr aus Klebestreifen denn Papier bestanden, sondern weil es einfach nicht mehr zeitgemäss erscheint, schon gebrauchtes Geschenkpapier mit neuem Inhalt weiterzuverschenken.

Wie ist das bei dir? Gibt es da Auspack-Rituale und eine Tradition der Geschenkpapier-Wiederverwendung? Oder läuft gar alles auf die Geschenkvermeidungsstrategie hinaus?

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde


Montag, 26. Dezember 2022

Perfekte Weihnachten

Ein Zitat

Hinter der sich auflösenden luftigen Hülle der gewöhnlichen Blasenkirsche leuchtet die rote, essbare Beere hervor.
Foto © Jörg Niederer
"Man braucht eine Weile um festzustellen, dass die Nonperfektion die eigentliche Perfektion ist." Christian Lenz

Ein Bibelvers - Maleachi 3,20

"Marias Mann Josef lebte nach Gottes Willen, aber er wollte sie nicht bloßstellen. Deshalb wollte er sich von ihr trennen, ohne Aufsehen zu erregen. Dazu war er entschlossen."

Eine Anregung

Hinter vielen von uns liegen eine oder zwei Familienweihnachtsfeiern. Waren es die erwarteten konfliktfreien, ja vielleicht sogar perfekten Festivitäten? Oder war es ein durchlittenes Fest mit Menschen, mit denen man früher oder später Stress bekommt? Der Wunsch nach dem vollkommenen Frieden, der heilen Welt ist an keinem anderen Tagen grösser als an Weihnachten. Die hohen Erwartungen müssen fast schon unausweichlich enttäuscht werden. Tröstlich, dass es selbst bei der Geburt von Jesus nicht besonders harmonisch zu und her ging, auch wenn wir oft daran vorbeischauen auf die jubilierenden Engel. 

Heute um 10.15 Uhr wird es um diese Erwartungen nach Vollkommenheit gehen im weihnachtlichen Gottesdienst in der Methodistenkirche in St. Gallen. Ab 10.30 Uhr wird die Predigt dann auch auf Youtube zu hören sein.

Es wird ein perfekter Gottesdienst – oder auch nicht. Aber schön, wenn du dabei bist auf die eine oder andere Weise.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde


Sonntag, 25. Dezember 2022

Gesegnete Weihnachten

Ein Zitat

Christbaum im Städtchen Zofingen.
Foto © Jörg Niederer
"Das ist das Wunder der Heiligen Nacht, dass in die Dunkelheit der Erde die helle Sonne scheint." Friedrich von Bodelschwingh (1831-1910)

Ein Bibelvers - Lukas 2,10+11

"Der Engel sagte zu ihnen: 'Fürchtet euch nicht! Hört doch: Ich bringe euch eine gute Nachricht, die dem ganzen Volk große Freude bereiten wird. Denn heute ist in der Stadt Davids für euch der Retter geboren worden: Er ist Christus, der Herr.'"

Eine Anregung

Weihnachten. An diesem Tag sollte alles perfekt sein. Doch oft ist es das Gegenteil von einem friedlichen Fest. Darüber gibt es am Stefanstag (also nicht heute am Weihnachtssonntag!) eine Predigt in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen, die auch online übertragen wird um ca. 10.30 Uhr.

Heute werde ich dabei sein am Weihnachts-Gottesdienst in der Evangelisch-methodistischen Kirche Weinfelden an der Hermannstrasse 10. Der Gottesdienst beginnt um 10.00 Uhr. Ich freue mich auf diese Zeit mit all den Mitfeiernden.

Für diesen Weihnachtstag wünsche ich allen eine gesegnete und unbelastete Feier.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde 

Samstag, 24. Dezember 2022

Panettone-Wallfahrt

Ein Zitat

Menschen warten vor Weihnachten in einer Reihe, um in der Fabbrica del Panettone von Bäcker Pietro Cappelli in St. Gallen das Mailänder Hefegebäck zu kaufen.
Foto © Jörg Niederer
"Panettoni lösen keine Probleme, aber das tun Äpfel ja auch nicht."

Ein Bibelvers - Matthäus 2,11

"Sie [die Sterndeuter] gingen in das Haus und sahen das Kind mit Maria, seiner Mutter. Sie warfen sich vor ihm nieder und beteten es an. Dann holten sie ihre Schätze hervor und gaben ihm Geschenke: Gold, Weihrauch und Myrrhe."

Eine Anregung

Auch das ist ein Adventsbild, das zur Stadt St.Gallen gehört. Menschen warten in einer Reihe vor der Fabbrica del Panettone, dass sie den Laden betreten können, um das luftige Gebäck von Pietro Cappelli zu kaufen. Seine Kreationen gewinnen regelmässig Gold an der Swiss Bakery Trophy. Das Mailänder Weihnachtsgebäck ist in der Welt so bekannt wie der Schweizer Emmentalerkäse. In der Advents- und Weihnachtszeit ist es heiss begehrt. Aber nur bei Maestro Capelli stehen die Kundinnen und Kunden in diesen Tagen hintereinander aufgereiht, um den Laden zu betreten.

Warten passt ja zum Advent. Warten viele nicht mehr auf die Ankunft von Christus, so warten sie wenigsten auf Capellis Spezialitäten. Ist man dann erst einmal im Laden, kann es geschehen, dass man dort vor leeren Regalen steht. Die Produktion hält kaum Schritt mit der Kauflust der Kundschaft. Trifft Nachschub aus der Fabbrica im improvisierten Landen ein, ist davon in Minutenschnelle schon wieder nichts mehr zu sehen, selbst wenn – wie in der Weihnachtszeit – der Einkauf auf drei Panettoni pro Person beschränkt bleibt. 

In diesen Tagen sind die Sauerteiggebäcke von Capelli nur in St.Gallen selbst erhältlich. Der Online-Verkauf pausiert von November bis Mitte Januar. Gleich den drei Weisen aus dem Morgenland nach Bethlehem, ziehen also Feinschmeckerinnen und Feinschmecker "notgedrungen" ins Linsenbühlquartier von St.Gallen. Was sie finden, ist sehr fein und besonders. Doch die drei Weisen haben etwas Feineres und Bleibenderes gefunden. Jesus Christus, Gottes Sohn; an Besonderheit nicht zu überbieten.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Freitag, 23. Dezember 2022

Unter Sterndeutern und Astrowissenschaftlern

Ein Zitat

Das Albristhorn von Adelboden aus gesehen leuchtet auf am frühen Morgen.
Foto © Jörg Niederer
"Sehen Sie, ich sehe Gott nicht hinter den Wolken hervorschauen, oder hinter den Sternen. Aber in einer anderen Richtung, in mir selbst, habe ich ein Gefühl. Gott nimmt man mit einem Gefühl wahr... und nicht mit dem Verstand" Arnold Benz, Astrophysiker

Ein Bibelvers - Matthäus 2,1b+2

"Da kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem. Sie fragten: 'Wo ist der neugeborene König der Juden? Denn wir haben seinen Stern im Osten gesehen und sind gekommen, um ihn anzubeten.'"

Eine Anregung

Wenn es einen Astrophysiker von Renommee gibt, der auch mit Glauben und Gott etwas anfangen kann, dann wird dieser Mensch früher oder später zu einem Liebling der kirchlichen Kreise und zu so etwas wie einem Vorzeige-Naturwissenschaftler. Folglich gibt es einige Beiträge von christlichen Medien mit dem modernen Sterndeuter Arnold Benz, dem emeritierter Professor für Teilchen- und Astrophysik an der ETH Zürich. Viele dieser Beiträge finden sich auch auf der privaten Webseite von Arnold Benz.

Logisch, dass er sich auch mit den früheren Berufskollegen beschäftigt, mit den drei Sterndeuter aus dem Morgenland, denen wir im Matthäusevangelium in der Weihnachtsgeschichte begegnen. Dazu hat Arnold Benz selbst eine Weihnachtsgeschichte verfasst, die bezeichnender Weise "Die drei Atheisten" heisst. Man kann sie sich von ERF-Moderatorin Tabea Kobel vorlesen lassen oder gleich selbst lesen. In dieser Geschichte ist es dunkel, gefährlich, einsam. Und es ist zugleich auf eine besondere Weise hell und klar, wie der Sternenhimmel zur Zeit, als Jesus geboren wurde.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Donnerstag, 22. Dezember 2022

Engelchöre in der Südsee

Ein Zitat

Details an einem Drahtzaun im eisigen Winter.
Foto © Jörg Niederer
"Hört es, freut euch überall: / Gott wird Mensch, ein Kind im Stall." Charles Wesley in: "Hark! The herald-angels sing"

Ein Bibelvers - Mathäus 13,43

"Aber alle, die nach Gottes Willen leben, werden im Reich ihres Vaters strahlen wie die Sonne."

Eine Anregung

Manchmal wollen wir etwas festhalten aus unserer Kindheit. Dazu gehören für viele auch die Verbindung von Schnee, Eis, Kälte und Weihnachten. Weisse Weihnachten ist aber in diesem Jahr im schweizerischen Mittelland sehr unwahrscheinlich. Schon sind letzte Schneeresten abgetaut, das Weiss dem Städtegrau gewichen. Zwölf Grad warm soll es werden am 25. Dezember.

Auf der Südseeinsel Tonga, mitten im Pazifik, ist Schnee sowieso kein Thema. Doch auch da feiern Christinnen und Christen Weihnachten, unter Palmen, und mit Liedern aus dem kühlen England. Hört doch einmal, wie das wohl berühmteste Charles Wesley-Weihnachtslied "Hark! The herald-angels sing" (Hört die Engelchöre singen) in Tongaisch klingt! Kommen da nicht doch auch Weihnachtsstimmung auf, fern dem Stall zu Bethlehem?

Übrigens: Das Wort "Lolotonga", mit dem der tongaischen Liedtext beginnt, hat nach Google in der Maori-Sprache die Bedeutung "Überschwemmung". Hoffentlich eine weihnachtliche Gefühls-Überschwemmung!

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Mittwoch, 21. Dezember 2022

Adventskalender mit Buchlesung

Ein Zitat

Winterliches Nebengewässer in den Murgauen von Frauenfeld.
Foto © Jörg Niederer
"Der christliche Glaube ist wie eine großartige Kathedrale mit herrlichen bunten Fenstern. Wer draußen steht, sieht sie nicht. Aber dem, der drinsteht, wird jeder Lichtstrahl zu einem unbeschreiblichen Glanz." Nathaniel Hawthorne (1804-1864), Amerikanischer Schriftsteller

Ein Bibelvers - Jesaja 65,1

"Ich wollte gesucht werden, doch niemand hat nach mir gefragt. Ich wollte gefunden werden, doch niemand hat nach mir gesucht. Ich sagte: 'Ich bin da, ich bin da!' Aber mein Volk rief meinen Namen nicht an."

Eine Anregung

Die Evangelisch-methodistische Kirche Waiblingen in Deutschland hat einen eigenen Adventskalender eingerichtet. Hinter jedem Törchen versteckt sich, vorgelesen von Gemeindegliedern, eine Geschichte aus dem Buch "24 Sternstunden für Himmelssucher" von Claudia Stangl. Die Autorin aus Niederbayern, 1969 geboren, "...ist verheiratet mit einem Landwirt und Mutter von drei Kindern im Teenageralter. Sie bezeichnet sich selbst als 'leidenschaftliche Gottsucherin'. Claudia Stangl schreibt gerne und teilt ihre Gedanken in Predigten und Artikeln. Die gelernte Krankenschwester hat eine weitere Ausbildung in Beratung und Seelsorge absolviert. Als Ausgleich ist sie am liebsten in der Natur unterwegs." (Verlagstext)

Es lohnt, sich für die kurzen, liebevoll vorgelesenen Texte Zeit zu nehmen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde