Mittwoch, 9. Juli 2025

Ganz besondere Eier

Ein Zitat

Glänzende Hühnereier warten in einem Sieb darauf, dass sie als Ostereier eingefärbt werden.
Foto © Jörg Niederer
"Wenn ich um jedes Ei / so kakelte, / mirakelte, / spektakelte, / was gäb's für ein Geschrei." Heinrich Seidel (1842–1906) Pfarrer und Schriftsteller

Ein Bibelvers - Lukas 11,11+12

"Welcher Vater unter euch gibt seinem Kind eine Schlange, wenn es um einen Fisch bittet? Oder einen Skorpion, wenn es um ein Ei bittet?"

Eine Anregung

Irgendwie kamen wir auf das religiöse Brauchtum im bäuerlichen Umfeld und dabei auf die Karfreitagseier zu sprechen. Mein Gegenüber erklärte, dass Hühnereier, die an Karfreitag gelegt würden, nie faul werden, im Gegensatz zu anderen Eiern. Diese Eigenschaft hätten sie deswegen, weil ihnen eine besondere Segenkraft innewohnt. Er selbst habe dies einmal getestet. So habe er ein Karfreitagsei und ein anderes Ei ungekocht und ungekühlt ein ganzes Jahr lang aufbewahrt. Dann sei er zu einem befreundeten Bauern gegangen und habe diesen gebeten, das Karfreitagsei an seiner Stalltür aufzuschlagen. Es war tatsächlich nicht faul. Die darin enthaltene Flüssigkeit war verdunstet und übrig geblieben war ein kleiner, vertrockneter Rest. Dann sollte der Bauer das andere Ei auch aufschlagen. Doch dazu war dieser nicht bereit, da er überzeugt war, dass dies ein faules Ei wäre, und den Gestank scheute.

Diese Reaktion seines Bauernkollegen habe ihn von der Segenskraft der Karftreitagseier überzeugt. So habe er sie auch schon einmal auf der Mauerumfriedung eines Klosters platziert, um die Nonnen darin zu segnen und zu schützen.

Manche mögen solche Ansichten als Aberglauben abtun. Mir gefällt der Gedanke, dass Karfreitagseier und Ostereier etwas Besonderes sind. Allein schon das Wissen, dass sie in Zusammenhang mit einem hohen christlichen Feiertag stehen, macht sie bedeutungsvoll.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

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