Samstag, 12. März 2022

Ausgewählt und für gut befunden

Ein Zitat

Gefärbte Ostereier warten auf die Verteilung
Foto © Jörg Niederer
"Es geht uns mit Büchern wie mit den Menschen. Wir machen zwar viele Bekanntschaften, aber nur wenige erwählen wir zu unseren Freunden." Ludwig Feuerbach (1775-1833)

Ein Bibelvers - 1. Korinther 1,28-30

"Was für die Welt keine Bedeutung hat und von ihr verachtet wird, das hat Gott ausgewählt. Er hat also gerade das ausgewählt, was nichts zählt. So setzt er das außer Kraft, was etwas zählt. Deshalb kann kein Mensch vor Gott stolz sein. Gott allein habt ihr es zu verdanken, dass ihr zu Christus Jesus gehört."

Ein Anregung

Das Bild zum heutigen "Photo-a-day"-Wort "erwählt" (englisch: chosen) zeigt gefärbte Eier, wie sie an Ostern zum Einsatz kommen. Mit diesen Ostereiern bin ich zeitlich natürlich viel zu früh. Aber nicht nur ich. Auch die Einkaufsläden sind schon voller Osterartikel. 

Mit den selbst gefärbten Ostereiern verbinden wir eine Familientradition, die gut zum Erwählungsgedanken passt. In der Familie meiner Frau versammeln sich jeweils drei Generationen zum Eierfärben. Am Schluss, wenn die Eier fertig sind, werden sie verteilt, wobei reihherum jede Person jeweils ein Ei auswählen darf. Jedes Ei wird dabei noch einmal gewürdigt und bewundert.

Wenn Gott uns Menschen erwählt, dann ist jede und jeder wertvoll und bewundernswert. Es ist dann eben nicht so wie beim Schulsport, wo die schlechtesten Spielerinnen und Spieler zuletzt "gewählt" werden. Gottes Wertschätzung gilt allen Menschen zu allen Zeiten an allen Orten unter allen Umständen. Seine Zuwendung ist allumfassend.

Morgen folgt ein Bild zum Wort "feiern" (celebrate).


Photo-a-day Lent 2022: Eine methodistische Webseite schlägt für die Fastenzeit vor, jeden Tag ein Foto zu teilen, das von einem bestimmten Wort inspiriert ist. Diese Sache nennt sich "Photo-a-day Lent 2022". So könne man sich der Fastenzeit auf eine neue Weise annähern. Die Bilder soll man mit #rethinkchurch taggen. Weitere Erklärungen zum Bild brauche es nicht.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Freitag, 11. März 2022

Als man begann, das Gute zu kaufen

Ein Zitat

Querschnitt durch den beheizbaren Boden im römischen Gutshof Seeb in der Schweiz
Foto © Jörg Niederer
"Was ein Mensch an Gutem in die Welt hinausgibt, geht nicht verloren." Albert Schweitzer (1875-1965)

Ein Bibelvers - Klagelieder 3,25-27

"Der Herr ist gut zu dem, der auf ihn hofft, zu dem Menschen, der nach ihm fragt. Gut ist es, sich in Geduld zu üben und still zu warten auf die Hilfe des Herrn. Gut ist es, wenn einer sein Leid trägt, wie er als junger Mann eine Last getragen hat."

Ein Anregung

Im Wort "Gutshof" steckt eine Substantivierung des Adjektivs "gut". Um dieses Wort "gut" (englisch: good) geht es beim heutigen "Photo-a-day"-Bild.

Als der römische Gutsbetrieb Seeb in der Schweiz gebaut wurde, gab es diese Substantivierung noch nicht. Sie ist seit dem 8. Jahrhundert belegt und meint Besitz, Gut, Vermögen. Die Römer, die lebten schon gut, wenigstens die Wohlhabenden. Sie kannten die Bodenheizung, den Mörtel, Toiletten und fliessendes Wasser. Von diesem Gutsbetrieb an bester Lage hatten sie Ausblick auf einen heute verschwundenen See. 

Nun gibt es auch die Substantivierung "das Gute". Da wird meist nicht an Materielles gedacht, sondern an die Summe von dem, was Zustimmung findet, oder im ethischen Sinn eine positiv bewertete Handlung. War Jesus ein guter Mensch? Viele würden diese Frage bejahen. Manche würden sagen, dass er ein vollkommen guter Mensch war.

Bin ich ein guter Mensch? Keine einfache Frage. Einfacher zu beantworten sind dagegen Fragen wie diese: Lebst du gut? Wie viel Hab und Gut hast du? Darf ich ein Guetzli (einen Kecks) haben? Auch in diesem schweizerischen Dialektwort steckt das Adjektiv "gut"

Schon interessant, dass es uns leichter fällt, auf die Fragen: "WAS ist gut?" zu antworten wie auf die Frage: "WER ist gut?".

Morgen folgt ein Bild zum Wort "erwählt" (chosen).


Photo-a-day Lent 2022: Eine methodistische Webseite schlägt für die Fastenzeit vor, jeden Tag ein Foto zu teilen, das von einem bestimmten Wort inspiriert ist. Diese Sache nennt sich "Photo-a-day Lent 2022". So könne man sich der Fastenzeit auf eine neue Weise annähern. Die Bilder soll man mit #rethinkchurch taggen. Weitere Erklärungen zum Bild brauche es nicht.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Donnerstag, 10. März 2022

Das Erwachen der Wildschweine

Ein Zitat

Wildschweine beim Einnachten in der Almende Frauenfeld auf dem Weg zum Futterplatz
Foto © Jörg Niederer
"Ob wir wachen oder schlafen, nie sollten wir uns durch etwas anderes lenken lassen, als durch die Klarheit unserer Vernunft." René Descartes (1596-1650) französischer Philosoph

Ein Bibelvers - Psalm 57,9-11

"Wach auf, du herrlicher Glanz! Wach auf, du Harfe und Leier, ich will das Morgenrot wecken. Dir will ich danken, mein Herr, unter den Völkern. Für dich will ich musizieren vor den Nationen. Denn deine Güte reicht bis an den Himmel und deine Treue bis zu den Wolken."

Ein Anregung

Beim "Photo-a-day"-Bild von heute "erwachen" (englisch: awake) die Wildschweine und furten durch einen Teich zu ihren Futterplätzen im Schilf und Auenwald nahe Frauenfeld. Für die wachsamen Tiere beginnt das Erwachen in der Abenddämmerung. Die Flaneure und Hundehalterinnen sind schon auf dem Heimweg. Nun können sie sich hervorwagen und ihr Nachtwerk beginnen.

Wachsamkeit ist gerade dann, wenn die meisten sich schlafen legen, von grosser Wichtigkeit. Nachtwächter drehten einst ihre Runden, warnten vor Feuer- und Kriegsgefahr. Heute sind die Nachtwachen in sozialen Einrichtungen, in Spitälern nicht wegzudenken. Und dann sind da auch jene, die im übertragenen Sinn wachsam das Zeitgeschehen verfolgen.

Einst forderte Jesus seine Jünger dazu auf, zu wachen und zu beten. Noch in derselben Nacht wurde er verraten und verhaftet. Beten wir doch für die, welche gerade in diesen Nächten nicht ruhen können und wachen müssen. Vielleicht stimmt ihr dann auch noch ein in das Taizé-Lied: "Bleibet hier und wachet mit mir..."

Und dann noch dies: Am 24. März 2022 um 14.30 Uhr findet in der EMK Herisau ein Altersnachmittag zum Thema Frühlingserwachen statt.

Morgen folgt ein Bild zum Wort "gut" (good).


Photo-a-day Lent 2022: Eine methodistische Webseite schlägt für die Fastenzeit vor, jeden Tag ein Foto zu teilen, das von einem bestimmten Wort inspiriert ist. Diese Sache nennt sich "Photo-a-day Lent 2022". So könne man sich der Fastenzeit auf eine neue Weise annähern. Die Bilder soll man mit #rethinkchurch taggen. Weitere Erklärungen zum Bild brauche es nicht.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Mittwoch, 9. März 2022

Gloria und die Anbetung

Ein Zitat

Auslange in einer Bijouterie in St. Gallen
Foto © Jörg Niederer
"Eine Träne zu trocknen ist ehrenvoller, als Ströme von Blut zu vergießen." George Gordon Noel Byron, alias Lord Byron (1788-1824), britischer Dichter

Ein Bibelvers - Psalm 24,10

"Wer ist der König der Ehre? Es ist der Herr der himmlischen Heere."

Ein Anregung

Beim "Photo-a-day"-Bild von heute, geht es um die "Ehre", englisch: "glory".

Alles ist im Bild vorhanden. Der Engel, der Stern (Star) und das Gloria, gebettet auf hoffnungsgrünem Samt. Und doch kommt keine Anbetung bei mir auf. Hängt es an der Verbindung von Kommerz und Glaube? Gut, Weihnachten ist auch schon länger vorbei. Singen die Engel in der Fastenzeit weiter ihr "Gloria in excelsis deo"?

Vielleicht bring ja ein alter Song ein bisschen mehr Anbetung und Freude in diesen Tag. Wie wäre es da mit dem Gospel "Over in the Glory Land" von James Waren Acuff (1864-1937), interpretiert von den G-RUNNERS.

Morgen folgt ein Bild zum Wort "erwachen" (awake).


Photo-a-day Lent 2022: Eine methodistische Webseite schlägt für die Fastenzeit vor, jeden Tag ein Foto zu teilen, das von einem bestimmten Wort inspiriert ist. Diese Sache nennt sich "Photo-a-day Lent 2022". So könne man sich der Fastenzeit auf eine neue Weise annähern. Die Bilder soll man mit #rethinkchurch taggen. Weitere Erklärungen zum Bild brauche es nicht.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Dienstag, 8. März 2022

Licht und Schatten

Ein Zitat

Lichtspiel im Wasser der Thur zwischen Flaach und Ellikon
Foto © Jörg Niederer
"Alle Flüsse, auch die schillerndsten, die, die in ihrem Lauf die Sonne einfangen, alle Flüsse fließen zum Meer hinunter und vergehen. So wartet das Leben auf den Menschen, wie das Meer auf den Fluss wartet." Simone Schwarz-Bart (geb. 1938)

Ein Bibelvers - 1. Könige 11,1+2

"König Salomo hatte neben der Tochter des Pharao viele ausländische Frauen, die er liebte: Frauen aus Moab, Ammon, Edom, Sidon und Hetiterinnen. Sie stammten aus Völkern, vor denen der Herr die Israeliten gewarnt hatte: 'Verbindet euch auf keinen Fall mit ihnen! Sonst wenden sie euer Herz ihren Göttern zu.' Doch Salomo hing an diesen Frauen und liebte sie."

Ein Anregung

Mein "Photo-a-day"-Bild zum heutigen Schlüsselwort "schillernd" (dazzling) zeigt die Spiegelungen der Sonne im Wasser der Thur. Das Wasser, das über die Kieselsteine fliesst, lässt die Schatten wild tanzen und hüpfen.

Schillernde Persönlichkeiten zeichnen sich durch Licht und Schatten aus. Ist da mehr Licht? Ist da mehr Schatten?

Ist bei mir mehr Licht? Ist bei mir mehr Schatten? Das ist die Frage, der ich mich heute stelle. 

Morgen folgt ein Bild zum Wort "Ehre" (glory).


Photo-a-day Lent 2022: Eine methodistische Webseite schlägt für die Fastenzeit vor, jeden Tag ein Foto zu teilen, das von einem bestimmten Wort inspiriert ist. Diese Sache nennt sich "Photo-a-day Lent 2022". So könne man sich der Fastenzeit auf eine neue Weise annähern. Die Bilder soll man mit #rethinkchurch taggen. Weitere Erklärungen zum Bild brauche es nicht.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Montag, 7. März 2022

Vertrauend beten

Ein Zitat

Friedenslicher werden entzündet in der Kathedrale St. Gallen
Foto © Jörg Niederer
"Ein Asyl für jeden Kummer ist das Gebet." Johannes Chrysostomus (349-407)

Ein Bibelvers - Psalm 18,7

"In meiner höchsten Not rief ich den Herrn. Ja, ich schrie um Hilfe zu meinem Gott. Er hörte mein Rufen in seinem Palast. Mein Hilfeschrei drang an sein Ohr."

Ein Anregung

Mein "Photo-a-day"-Bild zum heutigen Schlüsselwort "beten" (pray) zeigt den Moment, als beim Friedensgebet in der Kathedrale St. Gallen (Auf "Aufzeichnungen" klicken und dann den Beitrag vom 2. März auswählen.) viele Menschen ein Friedenslicht entzündeten und so für das Ende des Kriegs in der Ukraine beteten.

Beim Beten lege ich Gott alles in die Hände, was mir zu schwer ist. Beim Beten fokussiere ich mich auf das, was ich als nächstes tun will oder kann. Beim Beten verbinde ich mich mit Menschen, die mit mir beten, die für mich beten und für die ich bete. Beten muss nicht mit Worten geschehen. Es kann durch mein Tun und Nichttun, durch mein Schweigen geschehen. Beten ist Zwiegespräch mit Gott.

Morgen folgt ein Bild zum Wort "schillernd" (dazzling).


Photo-a-day Lent 2022: Eine methodistische Webseite schlägt für die Fastenzeit vor, jeden Tag ein Foto zu teilen, das von einem bestimmten Wort inspiriert ist. Diese Sache nennt sich "Photo-a-day Lent 2022". So könne man sich der Fastenzeit auf eine neue Weise annähern. Die Bilder soll man mit #rethinkchurch taggen. Weitere Erklärungen zum Bild brauche es nicht.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Sonntag, 6. März 2022

Frieden unter den Völkern

Ein Zitat

Christusikone des ukrainischen Künstlers Oleg Pona in der Kathedrale St. Gallen.
Foto © Jörg Niederer
"Was man mit Gewalt gewinnt, kann man nur mit Gewalt behalten." Mahatma Gandhi

Ein Bibelvers - Jesaja 60,2

"Noch liegt Finsternis über der Erde, Dunkelheit bedeckt die Völker. Doch über dir erstrahlt der Herr, sein herrlicher Glanz scheint auf dich."

Ein Anregung

Mein "Photo-a-day"-Bild zum heutigen Schlüsselwort "feiern" (celebrate) zeigt die Christusikone des ukrainischen Künstlers Oleg Pona. Sie steht in der Kathedrale St. Gallen. Sie stand auch dort während des Gebets für den Frieden vom vergangenen Mittwoch. Dompfarrer Beat Grögli lernte den Künstler und seine Familie 1996 bei einer Ukraine-Reise kennen. Nun ist Krieg im Land des Künstlers.

An diesem Sonntag feiern wir in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen Gottesdienst. Die Kollekte ist bestimmt für die Nothilfe in der Ukraine und den angrenzenden Länder. Der Gottesdienst nimmt den Krieg in der Ukraine auf und fragt, wie Völker in Frieden zusammenleben können.

Dabei sein kann man auch per Youtube. Ab 11.30 Uhr wird die Predigt übertragen. Wer dagegen vor Ort dabei sein möchte ist schon um 10.15 Uhr eingeladen an die Kapellenstrasse 6.

Morgen folgt ein Bild zum Wort "beten" (pray).


Photo-a-day Lent 2022: Eine methodistische Webseite schlägt für die Fastenzeit vor, jeden Tag ein Foto zu teilen, das von einem bestimmten Wort inspiriert ist. Diese Sache nennt sich "Photo-a-day Lent 2022". So könne man sich der Fastenzeit auf eine neue Weise annähern. Die Bilder soll man mit #rethinkchurch taggen. Weitere Erklärungen zum Bild brauche es nicht.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Samstag, 5. März 2022

Schutzbedürftig

Ein Zitat

Schutzvorrichtungen eines Gefängnisses
Foto © Jörg Niederer
"Sicher ist, dass nichts sicher ist. Selbst das nicht." Joachim Ringelnatz (1883-1934)

Ein Bibelvers - Psalm 9,10+11

"So ist der Herr eine feste Burg. Wer benachteiligt wird, findet bei ihm Schutz. Er ist eine feste Burg für die Zeiten der Not. Wer deinen Namen kennt, vertraut auf dich. Denn du, Herr, lässt niemanden im Stich, der deine Nähe sucht."

Ein Anregung

Mein "Photo-a-day"-Bild zum heutigen Schlüsselwort "beschützt" (protect) zeigt die von aussen sichtbaren Schutzvorrichtungen eines Gefängnisses. Wieweit aber ein Gefängnis subjektiv zu mehr Sicherheit beiträgt, ist nicht so sicher. Fühlen sich Anwohnerinnen und Anwohner im Umfeld eines Gefängnisses sicher, oder fürchten sie Ausbrüche und Freigänger?

Ein Dach schütz vor Regen, aber könnte auch über mir zusammenbrechen. Ein Sicherheitsgurt beschränkt meine Bewegungsfreiheit über lange Zeit, nur um bei einem der seltenen Ernstfälle zu schützen. Schutzräume, so unwirtlich sie sind, schützen vor Bomben und Tod. Kleider schützen vor Witterungseinflüssen und lüsternen Blicken. Der Wald in den Bergen schützt vor Lawinenniedergängen. Impfungen schützen vor schweren Krankheitsverläufen.

All diese Schutzvorkehrungen zeigen, wie verletzlich wir sind. Wohl dem Menschen, der dann Vertrauen finden kann über alle Schutzmassnahmen hinaus, um sich ungeschützt der Vorsehung Gottes zu ergeben.

Morgen folgt ein Bild zum Wort "feiern" (celebrate). 


Photo-a-day Lent 2022: Eine methodistische Webseite schlägt für die Fastenzeit vor, jeden Tag ein Foto zu teilen, das von einem bestimmten Wort inspiriert ist. Diese Sache nennt sich "Photo-a-day Lent 2022". So könne man sich der Fastenzeit auf eine neue Weise annähern. Die Bilder soll man mit #rethinkchurch taggen. Weitere Erklärungen zum Bild brauche es nicht.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Freitag, 4. März 2022

Allein muss man nicht Einsam sein

Ein Zitat

Ein Mann sitzt einsam in einem Park bei Lodrino
Foto © Jörg Niederer
"Einsamkeit ist Belästigung durch sich selbst." Werner Schneyder (1937-2019) Kabarettist und Schauspieler

Ein Bibelvers - 1. Mose 2,18

"Gott der Herr sprach: 'Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist. Ich will ihm eine Hilfe machen – ein Gegenüber, das ihm entspricht.'"

Ein Anregung

Mein "Photo-a-day"-Bild zum heutigen Schlüsselwort "allein" (alone) zeigt einen jungen Mann allein auf einer Parkbank bei einem kleinen Weiher.

Alleinsein kann belastend und befreiend sein. 

Wer viel unter Menschen ist, geniesst die Ruhe am Abend, geniesst es, keine Antworten geben, keine Fragen stellen zu müssen. Wer dagegen - wie 50% der Menschen in der Schweiz - in einem Single-Haushalt lebt, freut sich vielleicht mehr auf die Begegnungen mit Freundinnen und Freunden.

Allein sein kann also Segen und Fluch sein. 

Wer möchte, kann sich anhören, warum die Seelsorgerin Hildegard Aepli gerne als Single lebt. Dazu hat sie auch ein Büchlein geschrieben mit dem Titel: "Single - und wie?! Erfülltes Leben mit unerfüllten Wünschen" Bist du gerne für dich allein?

Morgen folgt ein Bild zum Wort "beschützt" (protect). 


Photo-a-day Lent 2022: Eine methodistische Webseite schlägt für die Fastenzeit vor, jeden Tag ein Foto zu teilen, das von einem bestimmten Wort inspiriert ist. Diese Sache nennt sich "Photo-a-day Lent 2022". So könne man sich der Fastenzeit auf eine neue Weise annähern. Die Bilder soll man mit #rethinkchurch taggen. Weitere Erklärungen zum Bild brauche es nicht.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Donnerstag, 3. März 2022

Aufs Zarteste versucht

Ein Zitat

Chocolaterie Kölbener in St. Gallen am Aschermittwoch
Foto © Jörg Niederer
"Versuchungen sind wie eine Stechmückenplage: Während wir eine erschlagen, sind tausend andere da." Ernst Reinhold Hauschka (1926 - 2012) Aphoristiker und Lyriker

Ein Bibelvers - Jakobus 1,13+14

"Niemand, der auf die Probe gestellt wird, soll sagen: 'Diese Prüfung kommt von Gott.' Denn Gott kann nicht zum Bösen verführt werden, und er führt auch selbst niemanden in Versuchung. Jeder Mensch wird vielmehr durch seine eigene Begierde verführt. Von ihr lässt er sich fortreißen, und er schluckt ihren Köder."

Ein Anregung

Mein "Photo-a-day"-Bild zum heutigen Schlüsselwort "versucht" (tempted) erzählt von Genussmitteln in der Fastenzeit. 

Die Werbung feiert die "längsten Pralinen der Welt" oder die "zarteste Versuchung, seit es Schokolade gibt". Und tatsächlich ist die Schokolade für mich eine ständige Versuchung. Nachgeben oder Widerstehen - das ist immer wieder die Frage. 

Wie kann man dich versuchen?

Morgen folgt ein Bild zum Wort "allein" (alone). 


Photo-a-day Lent 2022: Eine methodistische Webseite schlägt für die Fastenzeit vor, jeden Tag ein Foto zu teilen, das von einem bestimmten Wort inspiriert ist. Diese Sache nennt sich "Photo-a-day Lent 2022". So könne man sich der Fastenzeit auf eine neue Weise annähern. Die Bilder soll man mit #rethinkchurch taggen. Weitere Erklärungen zum Bild brauche es nicht. 

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Mittwoch, 2. März 2022

Gans ganz oder halb

Ein Zitat

Portrait einer Gans
Foto © Jörg Niederer
"Ah, ein Notfall, Schwester Anna, die Gans ist verblödet, ist sie ganz verblödet oder ist sie nur halb verblödet?" Otto Waalkes im Film "Der neue Film"

Ein Bibelvers - Kolosser 3,14

"Vor allem aber bekleidet euch mit der Liebe. Sie ist das Band, das euch zu vollkommener Einheit zusammenschliesst."

Ein Anregung

Eine methodistische Webseite schlägt für die Fastenzeit vor, sie beginnt heute an Aschermittwoch, jeden Tag ein Foto zu teilen, das von einem bestimmten Wort ausgeht. Diese Sache nennt sich "Photo-a-day Lent 2022". Auf diese Weise könne man sich der Fastenzeit auf eine neue Weise annähern. Die Bilder soll man mit #rethinkchurch taggen. Weitere Erklärungen zum Bild brauche es nicht. 

Ich habe mich entschlossen, da mitzumachen. Heute steht das englische Wort "full" im Zentrum. Und das habe ich übersetzt mit "ganz"

Das Bild dazu stellt eine Gans dar. Natürlich weiss ich, dass "ganz" etwas anderes ist als "Gans". Aber ich habe ein Lied von der Band "Engel wider Willen" im Kopf, in dem gefragt wird: "Ess ma die Gans ganz ode nua hoib". Und genau das bietet auf St. Pauli ein Imbiss an: "Gans ganz oder halb".

Was wäre dein Bild zum Wort "ganz"?

Morgen wird es dann ein Bild zum Wort "versucht" (tempted) geben.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Dienstag, 1. März 2022

Frühling im Anzug

Ein Zitat

Schneeglöckchen im Wald
Foto © Jörg Niederer
"Das muss man dem Frühling hoch anrechnen: Alle Jahre besingen ihn die Dichter, und er kommt trotzdem wieder." Karl Valentin

Ein Bibelvers - Joel 2,21+22a

"Fürchte dich nicht, du fruchtbarer Erdboden! Juble vor Freude, denn der Herr hat Großes getan! Fürchtet euch nicht, ihr wilden Tiere! Denn die Weideplätze sind wieder saftig grün."

Ein Anregung

Heute beginnt für die Meteorologinnen und Meteorologen der Frühling. Für sie umfasst diese Jahreszeit die Monate März, April und Mai. So lassen sich die Klimadaten bei den Jahreszeiten besser miteinander vergleichen.

Weil ich den Frühling lieber mag als den Winter, beginne ich ihn mit den Wetterexpertinnen und -experten, und wechsle am 21. Juni 2022 um 11.13 Uhr auf astronomische Weise in den Frühsommer. So kann ich ihn 21 Tage länger geniessen.

Welche Jahreszeit gefällt dir am Besten?

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Montag, 28. Februar 2022

Hinterlassenschaften von Armeen in der Schweiz

Die Schlachtkapelle auf dem Stoss
Foto © Jörg Niederer
Ein Zitat

"Die Tat ist vergangen, die Denkmäler bleiben." Ovid (43 v. Chr. - 17 n. Chr.)

Ein Bibelvers - 2. Mose 15,1

"Damals sangen Mose und die Israeliten dieses Lied für den Herrn: Ich will für den Herrn singen: Hoch und erhaben ist er, Rosse und Wagen warf er ins Meer."

Ein Anregung

Wie stark in der Schweiz die Armee verankert ist, sieht man an den über 900 militärischen Denkmälern. In einem Inventar der Armee dazu werden Schlachtendenkmäler, Aktivdienstdenkmäler, Truppendenkmäler, Denkmäler für fremde Truppen, Unglücksdenkmäler, Personendenkmäler und Spezialdenkmäler (z.B. als die Armee am 9. November 1932 in Genf auf linke Aktivistinnen und Aktivisten schoss, und dabei 13 Menschen tötete und 65 verletzte; oder auch der Einsatz von Armeeangehörige bei der Bekämpfung von Corona) unterschieden. Bei Swisstopo kann man sie alle auf einer Landeskarte abrufen. Zu jedem Denkmal gibt es auch eine ausführlichere Webseite. Als Beispiel sei auf die Schlachtkapelle am Stoss verwiesen.

Ich finde interessant, was es da unter diesen Formen des Erinnerns alles zu finden gibt. Zugleich hoffe ich, dass es irgendeinmal auch ein Denkmal geben wird, das an das Ende aller bewaffneten Feindseligkeiten erinnert und an die Abschaffung aller Armeen und Waffen auf dieser Erde.

Wenn wir schon mit der Schlachtkapelle auf dem Stoss im Kanton Appenzell sind: Die evangelisch-reformierten Appenzeller Kirchen werden am Mittwochabend, 2. März, um 18.30 Uhr vor den meisten ihrer Kirchen für das Ende des Kriegs in der Ukraine beten. Zum Teil werden diese Gebete in ökumenischer Weise stattfinden.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Sonntag, 27. Februar 2022

Stoppt den Krieg, schafft Frieden!

Ein Zitat

Demonstration gegen den Krieg in der Ukraine vom 26. Februar 2022 beim Bahnhof in Bellinzona
Foto © Jörg Niederer
"Ich weiss nicht, ob jemals ein Krieg dermassen glücklich ausging, dass ein verständiger Sieger das Unternehmen darauf nicht bereut hätte." Erasmus von Rotterdam (1466-1536)

Ein Bibelvers - 5. Mose 30,15+19

"Siehe, ich stelle dich heute vor die Entscheidung zwischen Leben oder Tod, zwischen Glück oder Unglück… Wähle das Leben, damit ihr lebt, du und deine Nachkommen!"

Ein Anregung

Ich durfte einige Jahre im Aufsichtsorgan des General Board of Church and Society (GBCS) der weltweiten Evangelisch-methodistischen Kirche mitwirken. Nun hat diese Kirchenbehörde Stellung genommen zum Krieg in der Ukraine. Im folgenden eine deutschsprachige Übersetzung des Wortlauts. 


Stoppt den Krieg, schafft Frieden! 

"Halte dich fern vom Bösen und tue Gutes! Suche den Frieden und setze dich dafür ein!" (Psalm 34,15). 
Das General Board of Church and Society der weitweiten Evangelisch-methodistischen Kirche schließt sich der internationalen Gemeinschaft an und verurteilt die militärische Aggression Russlands gegen die Ukraine und die Verletzung des Völkerrechts. Wir fordern die sofortige Einstellung aller militärischen Kriegshandlungen in der Ukraine, damit eine gerechte und friedliche Lösung gefunden werden kann. 
Mit tiefer Besorgnis appellieren wir an alle Konfliktparteien, diplomatische Möglichkeiten auszuloten. Wir sollen und müssen - auch wenn die Feindseligkeit bereits wütet - Leben, Existenzgrundlagen und wertvolle Ressourcen vor größeren Gefahren schützen. 
Die Evangelisch-methodistische Kirche glaubt, dass "Krieg mit der Lehre und dem Beispiel Christi unvereinbar ist... Wir bestehen darauf, dass es die oberste moralische Pflicht aller Staaten ist, gemeinsam daran zu arbeiten, alle zwischen oder unter ihnen aufkommenden Konflikte mit friedlichen Mitteln zu regeln." (Soziale Grundsätze der EMK 2016, Kirchenordnung, Par. 165/C)
Wir verstehen wohl nicht sofort die ganze Tragweite an Schmerz, Leid und Verlust, den dieser Konflikt den Völkern der Ukraine und Russlands zufügt. Aber wir sind uns sicher, dass alle Menschen gleichermassen vom barmherzigen Gott geliebt werden.
Unsere Gebete gelten allen Menschen, die in Gefahr sind, einschließlich der Zivilbevölkerung, der Kinder, der älteren Menschen, der Behinderten und der Vertriebenen. Wir beten für alle, die Führungsverantwortung tragen, genauso wie auch für Menschen, die in Angst leben und ins Kreuzfeuer geraten sind. Wir betrauern den Verlust von Menschenleben. Und wir bitten um Unterstützung für alle Organisationen, die umfassende humanitäre Hilfe möglich machen, und auch für diejenigen Menschen, die Zuflucht und Asyl suchen.
In den tiefgründigen Worten der Bibel, im 5. Buch Mose (30,15+19) heißt es: "Siehe, ich stelle dich heute vor die Entscheidung zwischen Leben oder Tod, zwischen Glück oder Unglück… Wähle das Leben, damit ihr lebt, du und deine Nachkommen!" Lasst uns das Leben wählen. 

Church and Society; 100 Maryland Ave, NE; Washington, DC 20002; Vereinigte Staaten

Original in Englischer Sprache

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Samstag, 26. Februar 2022

Lichtermeer für Frieden

Ein Zitat

Aktivdienstdenkmal zum 1. Weltkrieg im Kantonsschulpark St. Gallen
Foto © Jörg Niederer
"Auch an eigenen Waffen kann man sich tödlich verletzen." Michael Marie Jung (*1940)

Ein Bibelvers - Psalm 59,2+3

"Rette mich vor meinen Feinden, mein Gott, beschütze mich, wenn sie mich angreifen! Rette mich vor denen, die Unheil anrichten, hilf mir doch, wenn Menschen nach Blut dürsten!"

Ein Anregung

Sie werden wohl schon bald wieder gebaut. Vielleicht sind es dann Schlachtdenkmäler, heroische Darstellungen von Grausamkeiten. Vielleicht sind es Aktivdienstdenkmäler, Erinnerungen an erzwungenen Widerstand. Ob diese Monumente lügen oder die Wahrheit zeigen, das kommt auf den Standpunkt der Betrachterin, des Betrachters an. Besser wäre es, es gäbe keine dieser pickelharten Steinbilder.

Vielleicht ist die einzige angemessene Antwort weich und verformbar wie der Kerzenwachs. Ein Lichtermeer für Frieden und gegen Gewalt soll heute um 18.00 Uhr vor der Offenen Kirche in St. Gallen ein Zeichen setzen. Noch weitere Anlässe sind geplant, um an der Seite der Menschen zu stehen, die den Frieden suchen, erhoffen, an jedem Ort auf der Welt, und vordringlich in der Ukraine.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Freitag, 25. Februar 2022

Gebet um Frieden

Ein Zitat

Nationalen Monument des 1. Weltkriegs in Verdun, Frankreich
Foto © Jörg Niederer
"Man kann einen Krieg genauso wenig gewinnen wie ein Erdbeben." Jeannette Pickering Rankin (1880-1973), US-amerikanische Politikerin, Frauenrechtlerin und Friedensaktivistin

Ein Bibelvers - Johannes 14,27

Jesus: "Ich gebe euch meinen Frieden. Ich gebe euch nicht den Frieden, wie ihn diese Welt gibt. Lasst euch im Herzen keine Angst machen und lasst euch nicht entmutigen."

Ein Anregung

Die riesige Grabstätte beim Nationalen Monument des 1. Weltkriegs in Verdun, Frankreich stellt ein Schwert dar, das bis zum Schaft in den Boden gerammt ist. Das Blutvergiessen soll ein Ende haben; das ist die unmissverständliche Botschaft. Doch nun hat einer wieder das Schwert gezogen, und zieht erneut in einen blutigen Krieg. 

Was wir tun können, ist beten und protestieren. Auf den Seiten der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) Schweiz und EMK Deutschland finden sich auch Aussagen der Bischöfe und Verantwortlichen unserer Kirche zum Krieg in der Ukraine. Dem Aufruf zum Gebet kann auch mit den folgenden Worten der Evangelisch-reformierten Kirchen der Schweiz (EKS) gefolgt werden: 

Dreieiniger Gott Der Du die Welt und die Menschheit durch Deinen Sohn versöhnt hast, erbarme Dich Deiner Geschöpfe, die weiterhin Krieg und Tod verbreiten. Wieder wird die Zivilbevölkerung als Geisel genommen und zum direkten Opfer des Machthungers einiger weniger.
Erbarme Dich unser.
Beschütze Dein Volk, wo immer es sich befindet, lass hier und dort die Stimme Deiner Kirche erheben, damit dieser Wahnsinn und diese Verblendung aufhören. Gib uns allen die Kraft und den Mut, nicht in Hass, Ungerechtigkeit und Gewalt zu verfallen. Bewahre uns davor, oberflächlich zu urteilen, lass uns solidarisch mit den Opfern sein. Gib uns die Kraft, in der Wahrheit Deines Friedens zu leben.
Wir bitten Dich für die Menschen in Russland und in der Ukraine, für deren Regierende, für die Gläubigen und Verantwortlichen ihrer Kirchen und Religionsgemeinschaften. Stärke ihre Solidarität und Grossherzigkeit. Wir bitten Dich für unsere Regierungen in Europa und in der Welt, damit sie alles daran setzen, diese Flucht nach vorne zu beenden. Festige das Band des Friedens und der Achtung zwischen den Christinnen und Christen. Schütze sie vor Vorurteilen, Manipulationen und Instrumentalisierung. Gib ihnen Deinen Frieden, Gott, wir bitten Dich, schütze Dein Volk in der Ukraine und in Russland.
Im Namen Christi, Amen

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Donnerstag, 24. Februar 2022

Ein Winzling auf Besuch

Ein Zitat

Oegoconia deauratella, ein Nachtfalter mit Ringelsocken
Foto © Jörg Niederer
"Wer Schmetterlinge lachen hört, / der weiß, wie Wolken schmecken, / der wird im Mondschein / ungestört von Furcht, / die Nacht entdecken." Carlo Karges (1951-2002) schrieb den Text des Nena-Hits 99 Luftballons

Ein Bibelvers - Johannes 12,24

Jesus: "Amen, amen, das sage ich euch: Das Weizenkorn muss in die Erde fallen und sterben, sonst bleibt es allein. Wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht."

Ein Anregung

Der eine Teil des lateinischen Namens teilt das Tierchen sich mit der Goldbrasse oder der Dorade. Doch Oegoconia deauratella ist ein Nachfalter. 

Gestern landete das 5 bis 7 Millimeter grosse Insekt auf einem Lesebuch mit Texten von 135 Schweizer Autorinnen und Autoren und liess sich daselbst bei einem Fotoshooting nicht mehr aus der Ruhe bringen.

Der Winzling mit den gestreiften Strümpfchen trägt keinen deutschen Namen und liess sich auch nicht über die Bilderkennung von Google identifizieren. Selten musste ich so lange suchen, bis ich endlich wusste, mit wem ich es zu tun hatte. Dank einer technisch überholten Webseite von Andreas Haselböck steht nun fest, dass dieses Tierchen, anders als Mehl-, Dörrobst- oder Kleidermotten, meinem Besitz nicht gefährlich werden. Deren Raupen leben und geniessen trockenes Laub. Wir sind also keine Futterkonkurrenten.

Das filigrane Wesen wirkt besonders von vorne in der Vergrösserung respekteinflössend. Wie muss da erst ich auf den Winzling gewirkt haben.

Als Nebenprodukt zu meinen Nachforschungen über diesen Falter bin ich auf ein Liedchen gestossen vom Sprachkünstler Willy Astor.

Sind das nicht Geschenke aus den kreativen Werkstätten von Gott und seinen Geschöpfen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Mittwoch, 23. Februar 2022

Ermutigungen vom Jakobsweg

Ein Zitat

Stefan Zolliker an der Jährlichen Konferenz 2021
Foto © Jörg Niederer
"Es ist möglich, etwas zu tun, das einem zuerst unmöglich erscheint. Auf Füssen einen sehr weiten Weg zugehen..." Stefan Zolliker, Jakobsweg-Pilger

Ein Bibelvers - Markus 9,23b

Jesus: "Alles ist möglich für den, der glaubt."

Ein Anregung

Der Pfarrkollege Stefan Zolliker ist gemeinsam mit seiner Frau den Jakobsweg durch die Schweiz, Frankreich und Spanien gepilgert. Im Rückblich erzählt er nun in täglichen Beiträgen, was ihm auf dem Jakobsweg und danach Mut gemacht hat. "Ankommen" ist das Thema seines Einstands auf dem Youtube-Kanal der Evangelisch-methodistischen Kirche Winterthur.

Um die vier Minuten dauern die Beiträge. Ideal, um sich einen Moment zurückzunehmen und nachzudenken. Etwa darüber, wie es möglich wird, unüberwindbar scheinende Hindernisse zu überwinden.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde


Dienstag, 22. Februar 2022

Der Religionsgarten von Aarburg

Ein Zitat

Feigenbaum an der Limmat gegenüber der im Stil des Brutalismus erbauten Silos vom Kornhaus Zürich
Foto © Jörg Niederer
"Gärten sind wie gute, alte Freunde. Sie können trösten, beglücken, versöhnen, begeistern." Autorin oder Autor unbekannt

Ein Bibelvers - Hohelied 6,2+11

"Mein Liebster ging in seinen Garten, hinunter zu den duftenden Gartenbeeten. Die Gartenfreuden wollte er genießen und blühende Lilien pflücken... Ins Nussgärtlein ging ich hinunter, um nach den Trieben der Dattelpalme zu sehen. Ich wollte die Knospen am Weinstock betrachten und die zarten Blüten am Granatapfelbaum."

Ein Anregung

Vorbild ist der Bibelgarten in Gossau. Davon schwärmt der Initiator des Aarburger Religionsgartens Markus Bill im Beitrag von Radio Live Channel. Heute Abend findet die Gründung des Vereins statt. 

Nach und nach werden im Garten auf dem alten Friedhof von Aarburg die bereits vorbereiteten Beete angepflanzt und die Samen gesät. Zu finden sein werden Gewächse aus den drei Buchreligionen Judentum, Christentum und Islam. Damit weitet sich der Blick im Vergleich zum Bibelgarten in Gossau. Sonst wird er viel Ähnlichkeiten haben zum vielbesuchten Vorbild in der Ostschweiz. Wie die Bepflanzung wird auch die Beschriftung im Verlauf der Zeit an Umfang gewinnen. 

Die Evangelisch-methodistische Kirche der Schweiz hat über diesen Bibelgarten schon mehrfach informiert, ist doch der Initiator Markus Bill ein Mitglied der Gemeinde Rothrist. 

Wer in diesem Verein mitwirken möchte, kann sich gerne an Markus K. Bill wenden: Verein Religionsgarten Aarburg, Industriestrasse 2, 4657 Dulliken SO.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Montag, 21. Februar 2022

Selfie-Selbsterkenntnis

Ein Zitat

Selfie beim Schloss Castell
Foto © Jörg Niederer
"Γνῶθι σεαυτόν" (griechisch: Erkenne dich selbst!), Chilon von Sparta, um 556 v. Chr.

Ein Bibelvers - 1. Mose 3,7

"Da gingen den beiden [Adam und Eva] die Augen auf, und sie erkannten, dass sie nackt waren. Sie banden Feigenblätter zusammen und machten sich Lendenschurze."

Ein Anregung

Die beiden jungen Frauen waren in Ausgehlaune und auch entsprechend aufgebrezelt. Sie sassen im Zug, und brachten es nicht über sich, eine Maske zu tragen. Fast Nonstop betrachteten sie sich selbst in ihrem Handy, posierten und knipsten von sich selbst den Speicher voll. 

Selfies haben mitunter schon etwas Narzisstisches. Auch ich fotografiere mich gelegentlich selbst. Etwa auf einer Wanderung. Gemeinsam mit meiner Frau unterwegs soll auch ein gemeinsames Bild entstehen in typischem Handylook, bei dem einerseits irgendetwas besonderes auf dem Foto zu sehen ist (nebst uns) und eine meiner Extremitäten seltsam unnatürlich weggestreckt erscheint. Die Bilder sagen: Wir gehören zusammen, wir haben wieder etwas gemeinsam unternommen, wir haben es gut. Meist ist das dann auch so gewesen.

Erinnerungen wie diese Bilder führen uns wieder zurück zu Stationen unseres Lebens, zeigen Veränderungen, lassen erkennen, wie die Zeit Spuren auf unseren Gesichtern hinterlassen hat.

Am Apollotempel von Delphi stand der vielzitierte Satz, der Chilon, einem der sieben Weisen, zugeschrieben wird: "Erkenne dich selbst". Ohne Maske fällt das rein optisch wieder leichter. Wie ist es aber auf der philosophisch anthropologischen Ebene? Bin ich mir meiner Endlichkeit bewusst? Nehme ich mich in Relation und Abhängigkeit zur ganzen erschaffenen Welt wahr? Erkenne ich, wie wenig ich erkennen kann von den Geheimnissen in mir und um mich herum? Bin ich so, wie ich sein möchte?

Und was denken sich wohl zwei Kaiserpinguine, wenn sie ein Selfie von sich machen, wie auf dieser Aufnahme, entstanden mit einer autonomen Kamera?

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde