Mittwoch, 31. Juli 2024

Keine Ferien ohne Mauern

Ein Zitat

Blick von der Hörnlihütte hinunter nach Arosa. Man beachte die feine Linie, die links Unten beginnt und sich über das Bild hinzieht. Dabei handelt es sich um die Hörnlimauer.
Foto © Jörg Niederer
"Die Menschen bauen zu viele Mauern und zu wenig Brücken." Isaak Newton

Ein Bibelvers - Psalm 122,6+7

"Wünscht Frieden der Stadt Jerusalem: 'Alle, die dich lieben, sollen sicher leben! Es herrsche Frieden in deinen Mauern, es herrsche Wohlergehen in deinen Palästen!'"

Eine Anregung

Ich kann in die Ferien gehen, wohin ich will, irgend eine trennende Mauer ist dort zu finden.

In Arosa ist es die Hörnlimauer; kein unüberwindlicher Wall, aber eben doch Ausdruck eine Streits um Grund und Boden. Entstanden ist sie nach 1780. Es handelt sich um eine dieser typischen Trockensteinmauern, welche Weideland etwa auch im Jura begrenzt. Um Weideland ging es auch. So musste Arosa schon sehr früh weite Teile seiner Alpen an Chur verkaufen, um Schulden zu begleichen. Doch immer wieder kam es zu Streitigkeiten über die Nutzung der Schönbodenalp. Um den Streit definitiv beizulegen, wurde eben diese Mauer von einem Davoser Gericht angeordnet. Arosa musste zwei Drittel der Mauer aufrichten, Chur ein Drittel.

Bis heute teilt diese Mauer die zu Chur gehörigen Alpweiden von den Alpweiden, die zu Arosa gehören. Auf dem Foto ist die Mauer als feine Linie zu erkennen, die links unten auf dem Foto beginnt. Anders als die Berliner oder die Chinesische Mauer, oder auch der Hadrianwall ist es also ein Gemeinschaftswerk der Streitparteien. Seit 1984 steht nun auch fest, dass die Instandhaltung je zur Hälfte von Chur und von Arosa getragen werden muss. Zuvor war es allein Sache der Aroser Gemeinde.

Gibt es also auch Mauern, welche Frieden schaffen? Dass diese Mauer noch heute eine Rolle spielt, zeigt, dass wir Menschen wohl ohne Grenzziehungen nicht in Frieden mit- oder nebeneinander leben können. Irgendwie ist das traurig, erzählen doch solche Mauern immer von Streit, Ausgrenzung und Abgrenzung.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Dienstag, 30. Juli 2024

Bedauernswertes Christentum

Ein Zitat

Links ein Ausschnitt aus der Eröffnungsfeier von Olympia 2024 in Paris. Rechts findet sich eine Nachstellung aus einer Hexenverbrennung in Schanfigg.
Foto © Jörg Niederer
"Das war absolut respektlos gegenüber Christen. Das Christentum ist zahnlos geworden." Elon Musks

Ein Bibelvers - Lukas 14,23

"Da sagte der Herr zu ihm: 'Geh hinaus aus der Stadt auf die Landstraßen und an die Zäune. Dränge die Leute dort herzukommen, damit mein Haus voll wird!'"

Eine Anregung

Zwei Szenen, und in beiden möchte ich nicht stecken. Das eine ist ein Ausschnitt aus der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Paris. Das Foto ist aus dem Teil, über den sich gerade viele Christinnen und Christen empören. Manche sehen darin eine Verunglimpfung des letzten Abendmahls, so wie es Leonardo Da Vinci dargestellt hat, sowie eine Herabwürdigung ihres christlichen Glaubens.

Als wir am vergangenen Sonntag zufällig das Heimatmuseum in Arosa offen an unserer Wanderrute in Innerarosa vorfanden, gingen wir hinein. Da wurde ich durch ein anderes Bild wieder an die Szene mit dem nackten Weingott Dionysos aus der Eröffnungsfeier erinnert, der auf einem Tisch davon sang, dass nackt alle Menschen gleich seinen. Er sass dabei in einem bunten Strauss von Blumen, Früchten und Gemüsen. Er sass da, ausgestellt und im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.

Anders auf dem Schwarzweissbild aus dem Dorfmuseum. Darauf wird das Schicksal einer bedauernswerte Frau nachgestellt. So wurde zum letzten Mal eine Frau als Hexe im Schanfigg zur Richtstätte unterhalb der Kirche St. Peter getragen. Dort hat man sie auf ihrem eigenen Brennholz verbrannt. Das war in der Zeit zwischen 1680 und 1690. 

Die sogenannte Abendmahlsszene aus der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele hat meines Wissens bisher keine schwerwiegenden Folgen gehabt. Daran ist niemand gestorben. Niemand wird durch diese Aufführung seinen Glauben aufgeben müssen oder wollen. Man kann sich daran stören, dass dieses aus heidnischen Vorstellungen entlehnte ausgelassene Fest an manchen Stellen wie ein Abendmahl daherkommt. Brot und Wein spielen halt an vielen Orten, an denen gegessen und getrunken wird, eine gewisse Rolle.

Anders dagegen bei der Hexenverbrennung. Was da geschehen ist, auch im Namen der Kirche, ist ein eigentlicher Skandal. Da nimmt man einer unschuldigen Frau das Leben, nachdem man sie gefoltert und gequält hat, indem man sie bei lebendigem Leib auf dem eigenen Holz verbrennt. Zuvor wird sie durchs Dorf getragen, ausgestellt und lächerlich gemacht. Getragen, weil man nicht will, dass sie Boden unter den Füssen bekommt, wieder selbständig stehen und gehen kann. Vielleicht hat man sie so lange gequält, bis sie selbst glaubte, eine Hexe zu sein. Bei diesem Geschehen ist die Wahrheit und mindestens ein von Gott geliebter Mensch auf der Strecke geblieben. Und die Kirche hat mitgemacht, hat sich total verlaufen, ist in die Irre gegangen in ihrem Tun.

Diesen Fehler darf uns Christinnen und Christen nie mehr unterlaufen. Es darf nicht sein, dass wir wieder ins alte Fahrwasser gelangen, in dem wir aus Kränkungen heraus versuchen, das, was uns nicht genehm ist, aus der Welt zu schaffen. Statt wehleidig aufzuschreien wegen einer Parodie einer möglicherweise am letzten Mahl Christi angelehnten Szene sollten wir alles dafür tun, dass nie wieder einem Menschen das Recht auf die Gemeinschaft mit Christus abgesprochen oder genommen wird. Denn am Tisch des Herrn sind alle willkommen. Die Parodierenden und die Parodierten, die Gekränkten und die Kränkenden, die Gewöhnlichen und die Ungewöhnlichen, die Auffälligen und die Unauffälligen. An den Tisch des Herrn sind alle eingeladen, natürlich auch die Frauen, die zu Hexen phantasiert wurden, und wenn es in gäbe, wäre auch Dionysos, der Weingott eingeladen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Montag, 29. Juli 2024

Wandern Pro oder Kontra?

Ein Zitat

Eine Familie wandert vom Hörnli hinunter nach Arosa.
Foto © Jörg Niederer
"Ich bin der Meinung, dass alles besser gehen würde, wenn man mehr ginge... So wie man im Wagen sitzt, hat man sich sogleich einige Grade von der ursprünglichen Humanität entfernt... Fahren zeigt Ohnmacht, Gehen Kraft." Johann Gottfried Seume (1763-1810)

Ein Bibelvers - Amos 3,3

"Gehen etwa zwei miteinander einen Weg, ohne sich vorher begegnet zu sein?"

Eine Anregung

Ich kenne einige Menschen, von denen ich weiss, dass sie die Freude am Wandern in der Kindheit verloren haben. Immer hätten sie mit dem Vater, den Eltern, in den Bergen Ferien verbracht, und immer wollte der Vater, die Eltern, dass sie stundenlang bergauf, bergab durch die Gegend rennen.

Meine Eltern trieb es in den Ferien nicht in die Berge, sondern an die Nordsee. Und mit Wandern hatten sie es auch nicht so. Also blieb ich verschont von negativen, demotivierenden Wandererfahrungen. Vielleicht deshalb liebe ich es schon mein ganzes Leben lang, mich zu Fuss durch die Welt zu bewegen.

In gewisser Weise fühle ich mich dabei Jesus nahe. Er war ein Wanderer, einer, der gelegentlich mal auf einem Esel sass, aber sonst meist auf Sandalen Palästina Hoffnung schenkte.

Hat deine Kindheits- und Familienzeit dich motiviert, eher zu wandern oder eher nicht? Wie beeinflusst das dein Bild von Jesus und dein Verhältnis zu ihm?

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Sonntag, 28. Juli 2024

Charakterart

Ein Zitat

Grossblütige Gämswurz bei Arosa.
Foto © Jörg Niederer
"Ein Wolf ist der Mensch dem Menschen, kein Mensch, solange er nicht weiss, welcher Art der andere ist." Titus Maccius Plautus (ca. 254–184 v. Chr.), nach einer Übersetzung von Artur Brückmann

Ein Bibelvers - Jakobus 1,3-4a

"Denn ihr wisst: Wenn euer Glaube geprüft wird, bewirkt das Standhaftigkeit. Diese Standhaftigkeit aber soll euch zu einem Handeln befähigen, das vollkommen ist."

Eine Anregung

Wer Bilder von Alpenblumen zeigt, bevorzugt meist seltene Arten, solche, die sich ähnlich oder gleich nicht im Flachland finden lassen. Also etwa das Edelweiss, der Enzian oder die Alpenrose. Nicht gezeigt werden die üblichen Arten, die Blumen die häufig und immer in gleicher Gesellschaft und Umgebung blühen. Etwa die Grossblütige Gämswurz, eine Blume, die man auf Schotterfeldern und Geröllhalden in grosser Zahl findet. Sie ist so etwas wie das Gänseblümchen der Alpen. Beide Pflanzen sind in ihrem Umfeld Charakterarten. Wer sie sieht, weiss, wo er oder sie ist; auf der gemähten Wiese beim Gänseblümchen, im Geröllfeld bei der Grossblütigen Gämswurz.

Was wäre unter den Menschen eine Charakterart? Interessant ist, dass der Charakter beim Menschen nicht das typische ausdrückt, sondern das "individuelles Gepräge eines Menschen durch ererbte und erworbene Eigenschaften, wie es in seinem Wollen und Handeln zum Ausdruck kommt" (Oxford Language).

Beim Menschen wird mit Charakter das Spezielle betont, bei der Pflanze meint Charakter aber das Typische. Ein Mensch mit Charakter ist eine je individuelle Besonderheit, während Charakterarten bei Pflanzen und Tieren das Normale und Übliche bezeichnen. Wie schön wäre es, wenn man auch beim Menschen von Charakterart sprechen könnte in dieser typischen Weise wie bei den Pflanzen. Dann könnte man etwa sagen: Typisch für den Menschen ist seine Sorgfalt und Liebe zu Mitmenschen und zur Schöpfung. Wo es Menschen gibt, da ist die Welt noch in Ordnung. Stattdessen heisst es: "Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf." Letzteres jedoch würde ich nicht als Ausdruck von Charakter bezeichnen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Samstag, 27. Juli 2024

Gendern in Arosa

Ein Zitat

Anschrift an einem Gebäude beim Prätschli-Quartier in Arosa.
Foto © Jörg Niederer
"Durch Wertschätzung wird das Gewöhnliche zu etwas Außergewöhnlichem." Herkunft unbekannt

Ein Bibelvers - 1. Thessalonicher 5,13

"Begegnet ihnen wegen ihres Einsatzes mit größter Achtung und voller Liebe. Lebt in Frieden miteinander."

Eine Anregung

Das mag nun einigen gestandenen Schweizer:innen nicht gefallen. Auf einer Wanderung von der Ochsenalp nach Arosa hinunter bin ich dem Ursprung des Genderns auf die Spur gekommen. Er liegt unweit vom Prätschli-Quartier. Dort hängt an einem unscheinbaren Gebäude ein Schild mit der Aufschrift: "Apparategebäude Genderquellen". Beim weiteren Recherchieren bin ich dann auch noch auf die Genderstrasse gestossen, quasi der Pfad, der zu einer "Gleichbehandlung der Geschlechter in der schriftlichen und gesprochenen Sprache" (Wikipedia) führt. Der eigentlich Ort des Gendern liegt ob Arosa auf etwa 2140 m. ü. M. einige Meter in nordwestlicher Richtung vom Maraner Hauptji entfernt. Allerdings erheben auch noch weitere Orte in der Schweiz den Anspruch, am Ursprung des Genderns zu stehen, so etwas Naters, Ernen, Wiler, und Ferden, allesamt im Wallis gelegen. Diese Lokalitäten lassen vermuten, dass die Bezeichnung Gender etwas mit den Walsern zu tun haben könnte. Haben diese Hochgebirgssiedler:innen also das Gendern in die Welt gebracht. 

Spass beiseite: Natürlich hat das Gendern mit der Flurbezeichnung "Gender" nichts zu tun. Alles was ich über die wahre Bedeutung des Begriffs herausfinden konnte, ist, dass laut Rätischem Namensbuch damit eine Halde oder Alpweide bezeichnet wird. Das bedeutet aber nun auch wieder nicht, dass man das Gendern auf die Halde schmeissen sollte. Gendern hat viel mit gegenseitigem Respekt und Achtung voreinander zu tun. So gesehen ist Gendern eine christliche Tugend, bei der ich eine Person so akzeptiere, wie er oder sie oder es gerne selbst gesehen wird.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Freitag, 26. Juli 2024

Werden und Vergehen

Ein Zitat

Unweit der Alteiner Wasserfälle bei Arosa öffnet sich der Blick auf den Zusammenfluss von Welschtobelbach und Alteinbach.
Foto © Jörg Niederer
"Allein beständig ist Gott und die Vergänglichkeit."

Ein Bibelvers - Psalm 90,2

"Die Berge waren noch nicht geboren, die ganze Welt lag in Geburtswehen. Da bist du, Gott, schon da gewesen, vom ersten Anfang bis in alle Zukunft."

Eine Anregung

Der Alteinbach bei Arosa ist gerade einmal 3,3 km lang und eine Sehenswürdigkeit seiner Wasserfälle wegen. Der Welschtobelbach ist da mit 8,7 km deutlich länger und mächtiger. Aber beide sind im Vergleich keine besonders auffälligen Gebirgsfliessgewässer. Eindrücklich sind die breiten Schwemmfächer bei Isel im Plessurtal dennoch. Die wilde Geröll- und Kieslandschaft von mehr als einem Kilometer Länge ist laut Wikipedia im Bundesinventar der Auengebiete von nationaler Bedeutung verzeichnet.

Während die Alpen von der afrikanischen Platte tektonisch immer noch nach oben gedrückt werden und wachsen, bröckeln gleichzeitig unter dem Einfluss von Kälte und Wärme, von Wasser, Eis und der Schwerkraft die Berge zu Tal. Es entsteht eine wilde Landschaft in steter Veränderung. Beim kleinen Alteiner Wasserfall hat das Geröll Bäume zugeschüttet. Wie Gerippe strecken sie ihre toten Kronen gen Himmel. Dazwischen haben die Alpen-Pestwurz und weitere Rohbodenpioniere damit begonnen, die Geröllfelder für sich und weitere Pflanzen und Tiere zurückzuerobern.

Was im Gebirge deutlich heraussticht: Nichts ist von Dauer. Alles ist im Fluss, in Bewegung, ein Werden und Vergehen. Wir Menschen sind da keine Ausnahme. In der gewaltigen Gebirgslandschaft wird offensichtlich: Wir sind Gäste auf Erden.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Donnerstag, 25. Juli 2024

Antennen ausfahren

Ein Zitat

Zwei Witwenblumen-Langhornfalter sitzen auf einer Wald-Witwenblume.
Foto © Jörg Niederer
"Das Glück bedarf guter Antennen." Helmut Glaßl (*1950)

Ein Bibelvers - Jesaja 55,3a

"Hört mich an und kommt zu mir! Hört, dann lebt ihr auf!"

Eine Anregung

Die beiden Witwenblumen-Langhornfalter sitzen sinnigerweise auf einer Witwenblume. Ihre Antennen sind bemerkenswert. Beim Männchen entsprechen sie dreimal der Flügellänge. Dass sie damit überhaupt fliegen können!

Stell dir vor, dir sitzen Antennen auf dem Kopf, die dreimal so lang sind wie du gross bist, also so 4-6 Meter. Allein das Gehen stelle ich mir schwierig vor und erst das Schlafen. In übertragener Hinsicht wünsche ich dir aber maximal lange Antennen. Mögen deine Antennen weit ausgefahren sein für den Empfang von dem, was Gott dir im Leben Gutes und Wesentliches geben möchte!

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Mittwoch, 24. Juli 2024

Bär und Murmeltier

Ein Zitat

Ein junges Murmeltier wagt sich zwei Meter vor uns aus dem Bau.
Foto © Jörg Niederer
"Schlafen wie ein Murmeltier." Redensart

Ein Bibelvers - Psalm 104,18

"Im Hochgebirge hat der Steinbock sein Revier. Der Klippdachs versteckt sich in den Felsen."

Eine Anregung

Herzlichen Dank für all die lieben Wünsche zum 40. Hochzeitstag. Sabine und ich haben uns darüber sehr gefreut.

Unser besonderer Tag begann meteorologisch bewölkt und endete bei schönstem Sonnenschein. So hatten wir viel Zeit, den Morgen bei einem feinen Frühstück geruhsam anzugehen. Dann wanderten wir zur Mittelstation der Arosa-Weisshornbahn hoch, bewunderten die beiden Bären im Bärenland, wunderten uns über die Bären bewundernden Touristen, von denen einige sich doch sehr unpassend verhielten, ein bisschen so wie Zirkusbären (was die richtigen Bären im Bärenland ja einst wahren, bis sie in Arosa ihrer ursprünglichen Bestimmung wieder nahekommen durften), und machten uns dann per Bahn aufs Weisshorn davon. Dort eröffnete sich uns das Bergpanorama von Chur ganz unten bis zu Sandhubel, Schiesshorn, Aroser Rothorn und wie die Berge in Ocker und Grau alle heissen, ganz oben.

Der Abstieg zurück zur Mittelstation beschenkte uns mit einer reichhaltigen Bergblumenschale von kilometerweiter Ausdehnung. Und immer wieder grüssten die Bündner Alpengipfel. Einmal ging es gar drei Schritte über eines der letzten Schneefelder. In der Ferne wurde ein Greifvogel (ein Steinadler?) von einem kleineren Vogel aus dessen Revier vertrieben, die Bergpiper verritten uns, wo sie im Wiesenland ihre Brut versteckt hatten, und als Höhepunkt des Hochzeitstags machten uns Familie Murmeltier ihre Aufwartung. Ein Jungtier streckt unerschrocken gerade einmal zwei Meter von uns weg den Kopf aus dem Loch, begann dann sein Zuhause zu erkunden, besuchte das eine Alttier, um kurz später wohl mit der Mutter ein bisschen zu raufen und zu spielen. Es war zauberhaft.

Zu allem Guten erreichten wir dann auch noch die letzte Talfahrt der Bergbahn und genossen sie mehr oder weniger mit vielen Schulkinder aus der Region, die ein Sommerprogramm besucht hatten.

Um den Tag noch abzuschliessen gab es ein ausgesprochen feines Nachtessen im Hotel und das spendierte Glas Rotwein zuoberst im 5. Stock mit actionreichen Flugeinlagen der Rauchschwalben und Mauersegler.

Also ich finde, so kann es gerne weitergehen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Dienstag, 23. Juli 2024

40 Jahre

Ein Zitat

"Zu zweit ist der Weg nicht so weit." Irisches Sprichwort

Ein Bibelvers - Prediger 4,11-12

Gefleckte Fingerwurz und Bewimperte Alpenrose an ein und demselben Standort.
Foto © Jörg Niederer

"Wenn zwei dicht beieinanderliegen, wird ihnen warm. Wenn aber einer allein ist, wie kann dem warm werden? Einer allein kann überwältigt werden. Zwei miteinander können dem Angriff standhalten, und die dreifache Schnur reißt nicht so schnell!"

Eine Anregung

Das Foto ist eine Auftragsarbeit für meine Frau. Sie will hier nicht im Bild erscheinen, um dann via Internet weltweit angeschaut zu werden. Nach 40 Ehejahren auf den Tag genau respektiere ich natürlich ihren Wunsch. Auch wenn ich schon ein bisschen mit ihr Angeben möchte. 

Wir beide sind verschieden. Und sind zugleich gemeinsam einander vertraut, haben zusammen viel erlebt. Ich möchte die Zeit nicht missen. Damit sind viele gute Erinnerungen verbunden. Wir haben manche Hindernisse überwunden.

Vielleicht sind wir wie die Gefleckte Fingerwurz, eine Orchideenart, und die Bewimperte Alpenrose auf dem Foto. In verschiedener Weise blühen wir am gemeinsamen Standort. Wir gehören zusammen, und respektieren uns doch in unserer Eigenständigkeit. Da sind auch drei Söhne, die ihr Leben leben, an dem wir weiter teilhaben dürfen. Dass es so ist, daran hat Sabine einen sehr grossen Anteil. Ohne sie wäre ich nur ein halber Mensch.

Mal schauen, wohin die gemeinsame Reise noch geht. Heute jedenfalls wollen wir hoch hinaus. Und das, wie wir es uns gewöhnt sind, ganz unaufgeregt, dankbar für die vergangene Zeit und ohne grosses Aufsehen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Montag, 22. Juli 2024

Opportunismus

Ein Zitat

Ein Tannenhäher auf dem Eichhörnchenweg in Arosa wartet auf fütternde Passanten.
Foto © Jörg Niederer
"Opportunismus verkauft sich, verbal aufgehübscht, gerne auch mal als Flexibilität." Thom Renzie

Ein Bibelvers - Galater 2,12

"Zunächst hatte er [Petrus] nämlich zusammen mit Menschen aus den Völkern gegessen. Aber dann kamen einige Leute aus dem Kreis um Jakobus. Da zog er sich zurück und hielt sich von ihnen fern. Denn er hatte Angst vor den Leuten jüdischer Herkunft."

Eine Anregung

Nachdem ich nun schon viele Male im Gebirge war, habe ich mir diesmal schon erhofft, endlich einmal einem Tannenhäher zu begegnen. Nun sind mir diese Rabenvögel buchstäblich um die Ohren geflattert. Auf dem Eichhörnchenweg in Arosa verfolgen sie die Passanten in der Hoffnung auf eine Baum- oder Haselnuss. Meist lassen sie die Eichhörnchen die Nüsse bei den fütternden Menschen aus der Hand abholen, beobachten dann die Nager, wo sie diese Nüsse verstecken und holen sie dort wieder aus dem Depot. An diesem Touristenort sind beide, Eichhörnchen und Tannenhäher, zu Opportunisten geworden. Sie holen sich das Futter da, wo die Arbeit dafür am geringsten ist. Dazu braucht es aber eine lückenlose Fütterung der Tiere, wofür wohl Tourismus Arosa besorgt ist.

Die Vögel mit dem grossen kräftigen Schnabel und den weissen Punkten auf der braunen oder schwarzen Brust sind die wichtigsten Bergwaldpflegerinnen und -pfleger. Sie haben sich auf Arvennüsschen spezialisiert. Davon sammelt jeder Vogel so 30'000 bis 100'000 pro Jahr und versteckt diese in Vorratsdepots. Ihr Gedächtnis ist hervorragend, finden sie doch 80% dieser Nüsschen über den Winter wieder, teils unter meterhohem Schnee. Aus den anderen Depots entwickeln sich dann neue Arven, und zwar an Orten, an denen kein Mensch und kein anderes Tier und auch der Baum, vom dem sie stammen, sie hätte hinpflanzen können.

Erstaunlich, dass sich lange die Meinung hielt, Tannenhäher würden den Wald schädigen. Darum wurden sie gejagt und geschossen, wie heute noch immer die Eichelhäher. Heute sind es andere Tiere, die aus dem selben Grund auf der Abschussliste stehen. Etwa soll der Bestand der Biber oder Kormoran wieder vermehrt reguliert werden, was nichts anderes bedeutet, als dass sie wieder abgeschossen werden sollen.

Wir Menschen habe eine etwas eingeschränkte Erkenntnis über die Welt. Daraus entsteht ein kurioses gegensätzliches Verhalten. Einerseits füttern wir Wildtiere, weil sie "härzig" sind, andererseits töten wir diese Tiere, weil sie schädlich sein sollen. Es kommt halt darauf an, was wir gerade wollen. Im Zoo soll es Nachwuchs geben, da junge Tiere Besuchende anlocken, zugleich gibt es von vielen Zootieren zu viele Junge, als dass sie alle am Leben gelassen werden könnten. Also werden diese geschlachtet, was bei Bären auch schon nicht gut angekommen ist, als bekannt wurde, dass das Fleisch dann in einem Restaurant auf dem Gourmettisch landete.

Letztlich sind wir Menschen die grössten Opportunisten. In der Religion bedeutet das: Wir glauben, wenn es uns etwas nützt. In der Natur gilt: Wir lassen Schöpfung zu, wenn sie uns etwas bringt. In der Finanzwelt gilt: Wir machen mit, wenn wir dabei reicher werden können. So gesehen hinken wir Menschen selbst den Tannenhähern hinterher.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Sonntag, 21. Juli 2024

Vollmondnacht

Ein Zitat

Der Vollmond erstrahlt über den Bergen bei Arosa.
Foto © Jörg Niederer
"Das ärgerliche am Ärger ist, dass man sich schadet, ohne anderen zu nutzen." Kurt Tucholsky (1890-1935)

Ein Bibelvers - 1. Mose 37,18+19

"Die Brüder sahen Josef schon von Weitem kommen. Noch bevor er bei ihnen war, beschlossen sie, ihn zu töten. Sie sagten zueinander: »Seht! Da kommt er ja, der Meisterträumer."

Eine Anregung

Erste Nächte an einem fremden Ort sind immer etwas Besonderes. Einerseits ist da die ungewohnte Umgebung, ein anderes Bett und dann die Geräusche der Nacht. Für manche Touristen werden Kuhglocken oder der Schlag der Kirchturmuhr zu nächtlichen Spielverderbern. Auch schlafen manche Menschen in einer Vollmondnacht bestimmt nicht besser als in anderen Nächten. Doch all das war meinem Schlaf in keinster Weise abträglich. Es war eine andere Sache, die sich regelmässig einstellt, wenn man sich an einem Ort mit vielen Touristen eingefunden hat. Nein Partystimmung gehört wohl eher in die Wintersaison von Bergdestinationen. Aber immer gibt es einige wenige Menschen, die lange in die Nacht hinein sich austauschen, endlich Zeit finden, alles zu besprechen was sie schon immer besprechen wollten und sei es noch so belanglos und unbedeutend. Dagegen ist nichts einzuwenden. Jedoch meine ich eine Gesprächskonstellationen, welche sich bis um drei Uhr morgens hinziehen, geführt in leicht angeheiterter und zu lauter Stimmlange, und das auf dem Balkon des Hotels unserer Wahl. Was vom Gespräch bei mir ankam, war unverständlich, und Verständnis hatte ich dafür auch kaum. Entlastend sei gesagt, dass ich dennoch gut geschlafen habe, weil ich irgendeinmal aufhörte, mit meinen Gedanken um die Impertinenz der anderen Hotelgäste zu kreisen.

Zumindest haben mir diese Männerstimmen in der Nacht auch die Gelegenheit eröffnet, einen Blick auf dem Vollmond über den Bergen Arosas zu werfen. "Es hat halt alles auch seine guten Seiten", wie man fälschlicher Weise so sagt. Denn nicht alles hat seine guten Seiten, wie ich aus Erfahrung weiss.

Was ich wieder einmal mehr erfahren habe: Es lohnt sich nicht, mich aufzuregen über das, was andere nicht so tun, wie ich es für richtig halte. Das führt nur dazu, dass zuerst ich selbst keinen Ruhe finde.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Samstag, 20. Juli 2024

Flatternde Überraschung

Ein Zitat

Ein Schwalbenschwanz-Falter labt sich auf der Kartäuser-Nelke.
Foto © Jörg Niederer
"Leben allein genügt nicht, sagte der Schmetterling, Sonnenschein, Freiheit und eine kleine Blume muss man auch haben." Hans Christian Andersen (1805-1875) in der Erzählung "Der Schmetterling"

Ein Bibelvers - Sprüche 4,23

"Gib acht auf dein Herz, mehr als auf alles andere! Denn davon hängt dein Leben ab."

Eine Anregung

Seit es mitten in der Stadt St. Gallen vermehrt mit einheimischen Gräsern und Wildblumen bepflanzte kleinere und grössere Brachen gibt, kommt es zu überraschende Begegnungen. So flatterte vor dem Migros-Einkaufszentrum Neumarkt dieser Schwalbenschwanz-Falter von Blüte zu Blüte, von Kartäuser-Nelke zu Malve zu Königskerze und wieder zurück. Neben ihm brummte der Strassenverkehr, eine Frau versuchte, die Blüten in ihr Mobiltelefon zu packen, Menschen eilten zum Mittagessen in irgend eine Bude, zum Einkauf oder wieder an die Arbeit. Auf dem Weg zum Bahnhof und in die Ferienzeit hinein schien es mir, als winkte mir der Falter fröhlich zu. Dann flog er leicht und beschwingt weiter, stehts auf der Suche nach einem nahrhaften Snack.

Schön, wenn der letzte Arbeitstag vor den Ferien so faszinierend mit einem Geschenk des Himmels endet.

Übrigens ist die Erzählung "Der Schmetterling" von Hans Christian Andersen eine schöne Allegorie auf das Leben und die verpassten Gelegenheiten: Ein weiterer Schmetterling, den ich heute entdecken durfte.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Freitag, 19. Juli 2024

Reformierte Zerstörungswut

Ein Zitat

Mönchsklausen der Karthause Ittingen.
Foto © Jörg Niederer
"Die Reformation ist radikal. Sie ist zornig, sie tobt, wütet, ist unversöhnlich, arrogant, besserwisserisch, spaltend, befreiend, intellektuell, hassend, versöhnend und erhebend. Sie ist meisterhaft und kleingeistig. Sie bringt Freiheit und Vernichtung. Sie stiftet Gemeinschaft und pervertiert sich in Abgrenzung. Sie ist voller Glaube und voller Verachtung. Demütig und übermütig zugleich." Erik Flügge (1986*)

Ein Bibelvers - 2. Könige 18,3+4

"Hiskija tat, was dem Herrn gefiel, und handelte wie sein Vorfahre David. Er schaffte die Kultplätze ab, zerschlug die Kultsteine und fällte den Kultpfahl. Er zerstörte auch die Schlange aus Bronze, die Mose gemacht hatte."

Eine Anregung

Heute vor 500 Jahren brannte die Kartause Ittingen. Das Geschehen ging als Ittinger Sturm in die Geschichte ein und gehört zu den Wirren der Reformation in der Schweiz. Was in der Region um Stammheim damals geschah, hätte gut und gerne in einen Krieg ausarten können. Bauernproteste und die neuen reformatorischen Ideen verbanden sich zu einem explosiven Gemisch. Es kam an verschiedenen Orten im Kanton Zürich zu Bilderstürmen, auch angestachelt durch Entscheide des Zürcher Rats, die Heiligenbilder aus den Kirchen zu entfernen. Als dann auch noch der reformatorisch gesinnten Pfarrer Hans Oechsli aus Burg bei Stein am Rhein im Auftrag der katholisch dominierten Tagsatzung entführt und in Frauenfeld eingekerkert wurde, versuchten Tausende von Bauern den Pfarrer zu befreien. Doch die wütende Meute fand keinen Weg über die Thur, und so entlud sich die ganze Unzufriedenheit gegen das Kloster Ittingen. Die dortigen Mönche hatten sich - und das war bekannt - dezidiert gegen die Reformation ausgesprochen und waren so ideale Sündenböcke. In einem Beitrag von ref.ch steht dazu: "Bilder wurden zerstört, Bücher verbrannt, sogar den Fischteich liess man ab. Enthemmt vom Wein aus dem Klosterkeller steckten die Aufständischen die Kartause schliesslich in Brand." 

In der Folge musste der Stand Zürich klein beigeben, war er doch in der Eidgenossenschaft nach diesem Geschehen isoliert. Es kam zu Auslieferungen und Hinrichtungen von Rädelsführern, sowie zu Reparationszahlungen an das Kloster Ittingen.

Im Rückblick wird klar, dass die soziale Not der leibeigenen Bauern und die durch die Reformation erfolgte religiöse Befreiung von Zwängen zu dieser explosiven gesellschaftlichen Entwicklung führte, deren Schattenseite die Radikalisierung war.

Die Zerstörung von religiösen Kunstwerken und Symbolen kennen wir auch aus neuerer Zeit, etwa in Form der Koranverbrennungen oder der Zerstörungen der grössten stehenden Buddhastatuen im afghanischen Bamiyan durch die Taliban. Auch nationalsozialistische Verbrennungen von Bildern und Büchern sind vergleichbar mit dem, was damals in der Folge der Reformation geschah.

In dieser Hinsicht ist der Ittinger Sturm eine Warnung vor jeder Form der Radikalisierung. Veränderungsprozesse müssen Raum lassen für andere Ansichten und Lebenseinstellungen. Sonst führen sie zu Gewalt und Diktatur.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Donnerstag, 18. Juli 2024

Betteln

Ein Zitat

Ein junger Neuntöter bettelt um Futter. Das Neuntöter-Männchen erfüllt den Wunsch des kleinen mit einer Heuschrecke und fliegt gleich weiter zum nächsten Einsatz.
Foto © Jörg Niederer
"Wir sind Bettler, das ist wahr." Martin Luther (1483-1546), kurz vor seinem Tod geschrieben

Ein Bibelvers - Lukas 11,9

Jesus: "Bittet und es wird euch gegeben! Sucht und ihr werdet finden! Klopft an und es wird euch aufgemacht!"

Eine Anregung

Es lässt sich bei vielen Jungvögeln beobachten. Sie können schon fliegen, aber mit der Futterbeschaffung ist es noch so eine Sache. Da sind ja noch die Elternvögel, und die haben bisher für das leibliche Wohl gesorgt. Also bettelt der Jungvogel heftig flügelschlagend und laut piepsend um Nahrung. Auf den beiden Fotos sind es Neuntöter. Dem Jungvogel wurde dann auch vom Altvogel eine kleinen Heuschrecke überreicht. Sie ist noch im Schnabel zu erkennen. 

Betteln. Manche betteln um Aufmerksamkeit. Andere ganz materialistisch um Geld. Kinder betteln um Süssigkeiten oder um irgend ein Spielzeug. Auch um Liebe wird gebettelt.

Bettelnde stellen sich dabei besonders bedürftig dar, "flattern mit den Flügeln", jammern besonders herzerweichend. Dabei ist oft nicht ganz klar, wie bedürftig die Bittstellenden denn nun wirklich sind.

Stossen sie auf Ablehnung, dann sind die Reaktionen sehr unterschiedlich und gehen von lauten Schreien und "Täubelen" bei Kindern bis zur Beschimpfung durch den Bettelnden.

Bettelnde werden oft verachtet. Man unterstellt ihnen Faulheit, sieht sie als Verlierer, verdächtigt sie, das Geld doch nicht dafür einzusetzen, wofür sie es sammeln.

Dann sind da auch noch die Bettelbriefe für eine gute Sache, die ungefragt ins Haus flattern. Seit einigen Jahren gibt es auch Bettelanrufe von Organisationen, denen ich schon einmal gespendet habe.

Und vor Gott? Da sind wir alle Bettelnde. Nicht ein Mensch kann von sich behaupten, Gott stehe in seiner Schuld. Im Gegenteil: Wir alle sind bedürftig vor Gott. Darum betteln wir bei ihm, dem Vater im Himmel, der selbst den Spatzen zu essen gibt. Wir betteln. Nur sagen wir es etwas netter: Wir beten. Vielleicht beten wir zu Gott: Du hast mir doch schon einmal geholfen. Jetzt habe ich eine neue Sache, könntest du mir da nicht noch einmal beistehen? Und statt dass wir mit Flügeln schlagen, halten wir die Hände in die Höhe oder falten sie. Auch, wenn wir mit diesen Händen das Problem mitunter selbst lösen könnten, so, wie die Jungvögel auch schon selbst ihr Futter sammeln und erjagen könnten. So geht christliches Betteln. Nach der Devise: Bittet, so wird euch gegeben!

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Mittwoch, 17. Juli 2024

Vielfalt statt Einfalt

Ein Zitat

Gartenhummel auf weissem Duftlavendel.
Foto © Jörg Niederer
"Jeder Verlust an Biodiversität ist oder wird zu einem Verlust an Lebensqualität." Aus meinem Statement zur Biodiversitätsinitiative

Ein Bibelvers - Psalm 24,1+2

"Dem Herrn gehört die Erde mit allem, was sie erfüllt. Ihm gehört das Festland mit seinen Bewohnern. Denn über dem Meer hat er die Erde verankert, über den Fluten der Urzeit macht er sie fest."

Eine Anregung

Es ist kein Geheimnis, dass ich mich für die Biodiversität in der Schweiz stark mache. Die Vielfalt an Pflanzen und Tieren ist aus meinem theologischen Verständnis heraus gottgewollt. Darum reden Christinnen und Christen ja immer auch von der Schöpfung, von dem, was Gott geschaffen hat.

Natürlich ist der Glaube an den Schöpfer keine alternative Sichtweise zu den Erkenntnissen der Biologie und Wissenschaft. Was ich mit Schöpfung ausdrücke, ist eine theologische Ergänzung zur empirischen Wissenschaft. Ich glaube, dass die unglaublich komplexe Natur nicht der menschlichen Verfügbarkeit überlassen werden darf, sondern letztlich Gott gehört. Ja wir selbst sind ein Teil der Natur, ein Teil der Schöpfung. Wenn nun durch Gottes Willen oder auch durch einen evolutionären Prozess so unglaublich viele Lebewesen entstanden sind und miteinander agieren, kann es nicht gut sein, wenn davon immer mehr unwiederbringlich verschwinden. Genau das geschieht aber in der Schweiz in viel stärkerem Ausmass als im übrigen Europa: "Ein Drittel der einheimischen Arten und die Hälfte der Lebensräume sind in der Schweiz vom Aussterben bedroht, stehen also auf der Roten Liste." So steht es in einem Beitrag von BirdLife. Statt dass wir aber etwa dagegen tun, befördern wir diesen Prozess. Da wird lieber über die Regulierung von Grossraubtieren diskutiert, statt bestehende Schutzgebiete sorgfältig zu pflegen, oder wie international beschlossen, auszubauen.

Die Schweiz gehört vor Bosnien Herzegowina und der Türkei zu den Schlusslichtern bei der Ausweisung von Naturschutzgebieten. In der Folge ist auch der Biodiversitätsverlust in der Schweiz einer der höchsten in Europa. Das hat nichts damit zu tun, dass wir in der dichtbesiedelten Schweiz dafür keinen Platz hätten. Luxemburg ist noch dichter bevölkert, und hat über 50% seiner Fläche unter Schutz gestellt, die Schweiz gerade einmal 10%.

Was bisher in der Schweiz fehlt, ist der politische Wille, etwas zu tun. Mit anderen Worten: In der Schweiz betreiben wir Raubbau an Gottes Schöpfung. Die Biodiversitätsinitiative ist daher ein Anliegen, das ich aus christlicher Sicht mittragen will und kann. Mit ihr können Weichen in eine vielfältigere, natürlichere und gesündere Zukunft der Schweiz gestellt werden. Auf dass das Loblied von allem Erschaffenem bei uns nicht verstummt.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Dienstag, 16. Juli 2024

Endlich erholen

Ein Zitat

Segelboote auf dem Bodensee.
Foto © Jörg Niederer
"Reisen bedeutet herauszufinden, dass alle Unrecht haben mit dem, was sie über andere Länder denken." Aldous Huxley (1894-1963)

Ein Bibelvers - Sprüche 15,19

"Faule Menschen sehen überall Dornen auf ihrem Weg. Ehrliche Leute aber finden immer eine Strasse, die sie gehen können."

Eine Anregung

Wenn der Sonntag der Ruhetag der Woche ist, dann sind die Ferien wohl die Ruhezeit des Jahres. Wobei, viele Menschen kennen keine Ferien. Andere machen Ferien nicht um zur Ruhe zu kommen, sondern um aktiv zu werden. Wieder andere wollen endlich einmal nach Paris oder nach Nome. Und noch einmal andere ziehen es vor, einfach am Strand zu liegen, möglichst an einem warmen Ort, also besser nicht in Nome.

Auch organisierte Familienferien sind beliebt, oder Mountainbike in den Alpen und Albanien.

Dann gibt es noch die Bildungsferien. in meinem Fall war das einmal ein vier Wochen dauernder Französisch-Intensivkurs in Neuchâtel. Danach konnte ich noch weniger Französisch.

Ferien sind auch ideal um einmal etwas zu tun, was man sonst nie tut. Wenn ich nur wüsste, was ich tun könnte, das ich noch nie getan habe.

Sehr beliebt ist auch der Tauchkurs. Angesichts von häufigerem Starkregen schadet es ja wirklich nicht, wenn man mit Schnorcheln zurechtkommt.

Abtauchen kann man auch auf christliche Weise. Kontemplativ in einem Kloster, oder auf den Spuren von Jesus und Paulus und Jakobus mit Reisebus oder gar zu Fuss.

In diesen Tagen habe ich Büchergutscheine bekommen, weil ich noch ein Jahr weiter an dem Ort wirke, an dem ich schon die letzten Jahre gewirkt habe. Also ich verspreche, dass ich ein christliches Buch kaufe, und es in den Ferien lesen werde.

Wie auch immer: Ich wünsche uns allen eine gute, erholsame Ferienzeit mit den folgenden Worten aus "Tagträume mit Gott" von Robert Seitz.


Gott der Müden und Entmutigten, 

gib mir Flügel des Adlers, die mich tragen

über dem Abgrund der Zeiten

und über meinen eigenen inneren Tiefen.

Gib mir Flügel der Hoffnung

und lass meine Seele 

den weiten Horizont sehen 

und deine aufgehende Liebe

über den Schatten des Daseins.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen 

Montag, 15. Juli 2024

Montag, es geht wieder los!

Ein Zitat

Eine Katze streckt und dehnt sich nach der Siesta, um sich dann wieder hinzulegen.
Foto © Jörg Niederer
"Wenn das ganze Jahr über Urlaub wäre, wäre das Vergnügen so langweilig wie die Arbeit." William Shakespeare (1554-1616)

Ein Bibelvers - Sprüche 10,26

"Wie Essig für die Zähne und Rauch für die Augen – so schädlich ist ein fauler Mensch für die, die ihn mit einem Auftrag losschicken."

Eine Anregung

Montag. Es geht wieder los. Müdigkeit abschütteln, einige Dehn- und Streckübungen, und du bist bereit für die neue Woche. Es gibt viel zu tun. Du wirst gebraucht. Also reiss dich zusammen, geh an die Arbeit, auch wenn alle anderen Ferien geniessen, und freue dich an deiner Schaffenskraft. 

Oder vielleicht: Freue dich an deiner Fähigkeit, den Tag zu verschlafen. Wenn du dich gedehnt hast, brauchst du doch bestimmt wieder Erholung. Die Ferien der andern sind Motivation genug, sich wieder hinzulegen, ausgiebig zu Gähnen, und die nächsten paar Stunden auf dem Liegestuhl zu verbringen.

Frage: Ist es eher motivierend für dich, zu arbeiten wenn andere in den Ferien sind, oder macht der weniger hektische Alltag in der Ferienzeit zu Hause dich eher schläfrig und lässt dich demotiviert sein?

(Bitte jetzt nicht aus diesem Text auf meine Arbeitsbereitschaft schliessen. Ich bin gerade voll motiviert, und gleiche in keiner Weise der Katze auf den Fotos.)

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Sonntag, 14. Juli 2024

Kapelle mit Blätterdach

Ein Zitat

Baumkapelle im Jurapark Aargau, zwischen Linn und der Staffelegg bei Kilholz.
Foto © Jörg Niederer
"Uf dere Bank gaht's ned um's Gold, mer gseht es Stückli schöni Wällt. 2003" Anschrift an der Bank der Baumkapelle im Jurapark Aargau

Ein Bibelvers - 1. Könige 8,22-23

"Dann trat Salomo vor den Altar des Herrn. Vor der ganzen Versammlung der Israeliten breitete er seine Hände zum Himmel aus und betete: Herr, Gott Israels! Kein Gott ist wie du, weder oben im Himmel noch unten auf der Erde."

Eine Anregung

Nein, das ist kein gewöhnliches Bänkchen unter einigen Bäumen. Das ist eine Baumkapelle. Sie steht im Jurapark Aargau, an der Strecke der 2. Etappe des Jurahöhenwegs. Beschrieben wird sie auf einer Infotafel so: "Sie besteht aus vier Bäumen, die in einem Quadrat angeordnet sind. Ergänzt mit einer Sitzbank ergeben die zusammenwachsenden Kronen einen Rastplatz, der Ihren Aufenthalt noch angenehmer macht, während Sie die Aussicht in die Tafel- und Kettenjuralandschaft geniessen."

Die Kapelle der Methodistenkirche Weinfelden an der Hermannstrasse 10 kann nicht mit so einem grünen, lebendigen Dach aufwarten. Aber dafür muss sie auch nicht auf einer über 4 Kilometer langen Strecke erwandert werden, sondern ist nur gerade 5 Fussminuten vom Bahnhof Weinfelden entfernt. Morgen um 10.00 Uhr gibt es dort einen anregenden Gottesdienst. Alle sind herzlich eingeladen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Samstag, 13. Juli 2024

Ideenlos

Ein Zitat

Blütendolde der Wilden Möhre.
Foto © Jörg Niederer
"Die Vitamine in der Karotte sind sehr gut für die Augen! Oder hast du jemals einen Hasen mit Brille gesehen?"

Ein Bibelvers - 2. Thessalonicher 3,5

"Der Herr aber richte eure Herzen aus auf die Liebe zu Gott und das Warten auf Christus."

Eine Anregung

Es kommt mir gerade nicht viel in den Sinn, über das ich hier schreiben könnte. Darum bringe ich das Foto dieser Blütendolde der Wilden Möhre. Die tiefwurzelnde, essbare Pflanze ist gerade auf vielen Wiesen anzutreffen. Ich finde ihren Blütenteller faszinierend.

Mal schauen, wie faszinierend dieser berufsarbeitsfreier Tag wird. Ein Gottesgeschenk ist er schon.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Freitag, 12. Juli 2024

Die Versammlung der Toilettenhäuschen

Ein Zitat

Gepackt fürs Open Air Frauenfeld.
Foto © Jörg Niederer
"Das ist alles Kopfsache, du könntest jetzt noch 10 Kilometer weiterrennen ohne Probleme!" Sportliche Jugendliche zu mitjoggender, wenig motivierter Freundin

Ein Bibelvers - 5. Mose 1,10

"Der Herr, euer Gott, hat euch so zahlreich werden lassen. Seht nur, heute seid ihr schon so viele wie die Sterne am Himmel."

Eine Anregung

Wenn du am Bahnhof mit Werbegeschenken überhäuft wirst, wenn orange gekleidete Personen auf dem Perron in ein Megaphon sprechen, wenn die Züge überfüllt sind mit leicht bekleideten Teenies und Jugendlichen, wenn gewaltige Mengen an Ausrüstung auf meist wenig geeigneten Transportmitteln am Bahnhof herumstehen, wenn Tische und Stühle vor dem Imbiss auch tagsüber angekettet werden oder gar weggeräumt sind, wenn des Nachts das Bum-Bum-Bum durchs offene Schlafzimmerfenster wabert, wenn in der Migros die Handys geladen werden, wenn es noch mehr als sonst süsslich riecht an allen Ecken und Enden, wenn auch die Christinnen und Christen auf Missionstour sind, dann ist Open Air-Zeit in Frauenfeld.

In der Allmend Frauenfeld ist in diesen Tagen eine riesige Zeltstadt entstanden, es wurden in wochenlanger Arbeit Kulissen und Bühnen und ganze Einkaufzentren erstellt, alle 50 Meter steht ein Abfallbehälter, und auch die mobilen Toiletten versammeln sich zu hunderten auf weitem, überlaufenen Feld. 

Das Ganze endet dann am Sonntagmorgen mit einem hohen Aufkommen an müden Gesichtern und Gestalten, leicht säuerlich riechenden Mitreisenden in den öffentlichen Transportmitteln und einer kollektiven Katerstimmung. Mit anderen Worten: Es ist eine wunderbare Zeit, die unvergesslich in Erinnerung bleiben wird. Eine Zeit, von der man später immer wieder schwärmen wird: "Weisst du noch, wie wir am Open Air..."

Nun frage ich mich, an welche Momente in meinem Leben ich gerne zurückdenke? So aus sicherer zeitlicher und räumlicher Distanz, aus einem bewährten Indoor-Umfeld heraus, kann ich mich ja gefahrlos an Vergangenes heranwagen und dabei immer auch wissen: Wie schön muss ich das alles nicht mehr mitmachen!

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Donnerstag, 11. Juli 2024

Gefährlich oder nicht?

Ein Zitat

Eine Südliche Glanz-Krabbenspinne lauert auf einem Jakobs-Greiskraut auf Beute.
Foto © Jörg Niederer
"Es wird manchmal gesagt, dass die Labour-Partei dem Methodismus mehr verdankt als Marx." Sir Keir Starmer, der neue Prime Minister von Grossbritannien

Ein Bibelvers - Matthäus 10,2-4

"Das sind die Namen der zwölf Apostel: zuerst Simon, der Petrus genannt wird, und sein Bruder Andreas, dann Jakobus, der Sohn von Zebedäus, und sein Bruder Johannes, Philippus und Bartholomäus, Thomas und Matthäus, der Zolleinnehmer, Jakobus, der Sohn von Alphäus, und Thaddäus, Simon, der Kananäer, und Judas Iskariot, der Jesus später verriet."

Eine Anregung

Das Jakobs-Greiskraut leuchtet in diesen Tagen wunderschön gelb von so mancher Blumenwiese, und erfreut so manche Betrachterin und manchen Betrachter. Doch vielleicht gehörst du zu den Menschen, die jetzt wie gebannt auf die Spinne schauen, und sich fürchten oder ekeln. Da kann die prächtigste Blüte das Herz der Menschen zu erfreuen versuchen, doch sie wird nicht mehr gesehen, weil da so ein gefährlich scheinendes Getier dich in die Flucht treibt.

Doch was ist eigentlich von den auf dem Foto abgebildeten Lebensformen gefährlicher?

Die Südliche Glanz-Krabbenspinne ist maximal 8 Millimeter gross. Der Winzling ist für Menschen absolut ungefährlich. Dass sie auf viele Menschen dennoch eine abschreckende Wirkung hat, hilft ihr wohl auch dabei, selbst zu überleben. Denn sie muss sich eher vor Menschen fürchten als der Mensch vor ihr.

Beim Jakobs-Greiskraut würde jetzt ein Landwirt wenig Freude zeigen. Denn die Pflanze ist in allen Teilen stark giftig. Gelangt sie beim Mähen unter das Viehfutter, kann das verhängnisvoll enden für Kühe und Pferde. Bei Pferden ist die tödliche Menge 40-80 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht der frischen Pflanze, beim Rind sind es 140 Gramm. Aber schon geringere Mengen können Leberkrebs verursachen.

Ob etwas gefährlich scheint ist also nicht gleichbedeutend, dass es auch gefährlich ist. Wobei, für eine Biene ist die Spinne gefährlicher als die Blume. Es kommt also auch noch darauf an, wer man ist und in welches Beutespektrum man gehört.

Frage: Wie hast du es mit Spinnen? Was macht dir Angst?

Übrigens: Das Jakobs-Greiskraut hat seinen Artennamen bekommen, weil es um die Zeit von Jacobi (25. Juli) blüht.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Mittwoch, 10. Juli 2024

Frieden statt Krieg

Ein Zitat

Werk "Farben des Friedens" von Sarath Maddumage.
Foto © Jörg Niederer
"Dir kann nicht genommen werden, was du in deinem Kopf hast." Singhalesisches Sprichwort

Ein Bibelvers - Judas 1,2

"Ich wünsche euch Barmherzigkeit, Frieden und Liebe in immer größerem Mass!"

Eine Anregung

Am 13. Juli 2024 um 16.00 Uhr findet die Finissage einer Bilderausstellung am Altweg 15 in Frauenfeld statt, die den Frieden thematisiert. Gezeigt und verkauft werden Werke von Sarath Maddumage, Gründer von "Hope Squad Sri Lanka". Die Ausstellung in den Räumlichkeiten der "Projekt Werkstatt" wird mitorganisiert von der "Amnesty International Gruppe Thurgau"

Die Werke haben autobiografischen Zusammenhang. Einige sind entstanden bei der Aufarbeitung der Flucht von Sarath Maddumage aus Sri Lanka. Aus politischen Gründen musste er 2009 das Land verlassen und konnte in der Schweiz dank guter Bildung eine neue Existenz aufbauen.

Über Hope Squad Sri Lanka kann man mehr aus einem Bericht in der Thurgauer Zeitung erfahren. Der Flyer zur Ausstellung kann hier heruntergeladen werden.

Gabriella Clerc, die Leiterin der Projekt Werkstatt kennt Sarath Maddumage als einen Mann des Ausgleichs. Er meide die extremen Positionen und suche den Frieden. Auch der christliche Glaube sei eine verbindende Kraft, die auf Hoffnung setze.

Der 13. Juli ist noch der einzige Tag, an dem man die Bilder besichtigen und mit Sarath Maddumage darüber ins Gespräch kommen kann.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Dienstag, 9. Juli 2024

Auf den Kopf gestellt

Ein Zitat

Sommerlinde beim Vögeligarten in Olten.
Foto © Jörg Niederer
"Es ist nicht unbedingt schlecht, wenn dein Leben mal auf dem Kopf steht. Es ist wie bei Shampoo-Flaschen: manchmal kommt dann mehr raus." Herkunft unbekannt

Ein Bibelvers - Hiob 9,5

"Er verrückt Berge, ohne dass sie es merken, und stürzt sie um in seinem Zorn."

Eine Anregung

Die Sommerlinde hat schon einige Jahre überstanden. Gut möglich, dass ich in meiner Kindheit unter diesem Baum gespielt habe. Sie steht unweit vom Haus, in dem ich aufgewachsen bin, da wo man durchkommt, wenn man das Altersheim Haus zur Heimat in Olten besucht. Die kräftigen Äste tragen jetzt im Sommer ein dichtes grünes Kronendach.

Interessant ist, dass dieses Foto auch funktioniert, wenn man es sich auf den Kopf gestellt anschaut. Dann sieht es aus, als stände der Baum auf kräftigen Luftwurzeln, ein bisschen so, wie die Bäume in den Mangroven.

Gut, vielleicht widersetzt sich nun dein Mobiltelefon dem Versuch, das Foto auf dem Kopf zu stellen und dreht es immer wieder in die richtige Ausrichtung. Dann musst du halt das Mobiltelefon flach auf den Tisch legen, und dich selbst so positionieren, dass du das Foto verkehrt herum anschauen kannst.

Manchmal wünsche ich mir, wenn mein Leben Kopf steht, dass dann jemand kommt oder etwas geschieht, dass es wieder normal ausrichtet. Aber vielleicht ist mein Leben auch gut, wenn es auf dem Kopf steht. Entscheidend ist wohl, dass ich den Halt nicht verliere, beziehungswiese dass ich gehalten bin und gehalten bleibe.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen