Sonntag, 30. Juni 2024

Fussball und Bluegrass

Ein Zitat

Rispengras wächst in die Morgensonne hinauf auf einen Getreidefeld.
Foto © Jörg Niederer
"Bluegrass ist eine wunderbare Musik. Ich bin froh, dass ich sie erfunden habe." Bill Monroe (1911-1996)

Ein Bibelvers - Matthäus 6,28-30

"Seht euch die Wiesenblumen an: Sie wachsen, ohne zu arbeiten und ohne sich Kleider zu machen. Ich sage euch: Nicht einmal Salomo in all seiner Herrlichkeit war so schön gekleidet wie eine von ihnen. So schön macht Gott die Wiesenblumen. Dabei gehen sie an einem Tag auf und werden am nächsten Tag im Ofen verbrannt. Darum wird er sich noch viel mehr um euch kümmern."

Eine Anregung

Gestern gewann die Schweizer Fussballnationalmannschaft höchstwahrscheinlich darauf das Euro-Achtelfinal gegen Italien. Ich meine den Rasen, dessen Bestandteil auch das Wiesen-Rispengras ist, oder wie es in den USA heisst: Bluegrass. Diese Pflanze bildet dichte Pflanzenteppiche, und ist daher meist auch Bestandteil von Fussballrasen.

Das ist doch ein guter Grund, heute Morgen am Bluegrass-Konzert in der Kirche teilzunehmen. Alle sind zum Auftritt von "The Millers" herzlich in die Methodistenkirche St. Gallen eingeladen. Um 10.15 Uhr beginnt der musikalische Leckerbissen an der Kapellenstrasse 6. Kinder sind herzlich willkommen. Auch gibt es nach dem einstündigen Anlass die Möglichkeit, Burger (auch Vegi) als Mittagessen zu geniessen.

Wir freuen uns über alle, die kommen. Eintritt ist frei, es wird eine Kollekte erhoben.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Freitag, 28. Juni 2024

Wurzeln

Ein Zitat

Wurzel und Stamm eines Mammutbaums in Romanshorn.
Foto © Jörg Niederer
"Gütige Herzen sind die Gärten. Gütige Gedanken sind die Wurzeln. Gütige Worte sind die Blüten. Gütige Taten sind die Früchte." Kirpal Singh (1894-1974)

Ein Bibelvers - Sprüche 12,3

"Kein Mensch, der Unrecht tut, hat einen sicheren Stand. Der Gerechte aber hat Wurzeln, sodass er nicht wankt."

Eine Anregung

Wurzeln schlagen oder in die Ferne schweifen? Wenn der Sommer naht, stellt sich diese Frage. Bin ich ganz wohl hier bei mir zuhause. Oder will ich weit weg, um etwas Neues zu erleben?

Meist sind wir nur kurzzeitig auf Reisen. Danach, wenn die Ferien vorbei sind, wollen wir wieder nach Hause, zurück zu unseren Wurzeln.

Meine Wurzeln sind mir wichtig. Sie geben mir Sicherheit und Halt. Ich kann mich auch in der Fremde auf die Vertretungen meines Landes verlassen. Wenigstens meistens.

Wurzeln. Da gibt es die Bäume, die mitten in der Wüste über ihre Wurzeln Wasser in grosser Tiefe fassen können. Einer der wohl grösste Organismen, der auf Erden lebt, ist ein Verbund von 47'000 genetisch identischen Zitterpapeln, die alle über das Wurzelwerk miteinander verbunden sind. Längst wissen wir, dass Kraut, Pilze und Bäume über das Wurzelwerk kommunizieren. Und auch das gibt es: Ein Baumstrunk bleibt am Leben, weil die Bäume aus der Nachbarschaft ihn mit Nährstoffen versorgen.

Genauso ist es doch auch in unserem Leben. Wenn ich verwurzelt bin in einer Gemeinschaft, dann finde ich mitunter die Muse, tiefer zu dringen, Kultur zu schaffen. Ich finde Halt bei anderen, die wie ich ihre Wurzeln ausstrecken. Selbst in schweren Zeiten, wenn ich mich nicht mehr selbst am Leben halten kann, bin ich getragen und geborgen.

Verwurzelt bin ich nicht zuletzt in der Kirche. In Washington oder Kinshasa erlebte ich etwas von diesem weltumspannenden Wurzelgeflecht, als ich dort Glaubensgeschwistern begegnete. Irgendwie matchte es. Das ist wohl auch der Grund, warum Migrationsgemeinden überall aus dem Boden schiessen. In der christlichen Gemeinschaft suchen und finden sie gemeinsame Wurzeln, werden heimisch, sind zuhause.

Heute könnt ihr in St. Gallen mit uns auch über eure Wurzeln ins Gespräch kommen. Von 10-15 Uhr kann man Frauen und Männer der Methodistenkirche St. Gallen auf dem Bärenplatz antreffen. Es gibt auch Kuchen, Kaffee, Sirup und Spiele.

Am Sonntag dann spielen "The Millers" Bluegrass in der Kirche an der Kapellenstrasse 6. Alle sind dazu um 10.15 Uhr herzlich willkommen. Anschliessend offerieren wir Burger (auch Vegi), Kuchen und Kaffee.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Beim Bären in St. Gallen

Ein Zitat

Der Bär auf dem Bärenplatz in St. Gallen einmal in unüblicher Farbe.
Foto © Jörg Niederer
"Ich erinnere mich, und wenn ich dann versuche, mich zu erinnern, vergesse ich es wieder." Winnie the Pooh

Ein Bibelvers - Jesaja 59,11

"Vor Trauer brummen wir wie die Bären und gurren wie die Tauben. Wir hoffen auf Recht, aber es kommt nicht. Wir warten auf Rettung, doch sie bleibt aus."

Eine Anregung

Der Bärenplatz in St. Gallen ist Handlungsort so mancher Geschehnisse. Ob allerdings der steinerne Bär dort wirklich St.Galler-grün eingefärbt wurde? Am morgigen Samstag, den 29. Juni, kann man dies überprüfen und dort auch Frauen und Männer der Methodistenkirche antreffen. Sie bieten den Passantinnen und Passanten Kaffee, Kuchen und Spiele an. Vorbeischauen lohnt sich. Kinder kommen auch auf ihre Rechnung.

Falls jemand nicht weiss, was so alles in einer Methodistenkirche geschieht, kann sich nie einfacher darüber informieren als in der Zeit zwischen 10.00 und 15.00 Uhr.

Wir freuen uns auf den Besuch bei uns am Stand auf dem Bärenplatz St. Gallen.

Und nicht vergessen: Am Sonntag gibt es Bluegrass-Musik in der Kirche.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Donnerstag, 27. Juni 2024

Bluegrass in der Kirche

Ein Zitat

Rosi und Kent Miller sind seit vielen Jahren als The Millers Botschafter dieser amerikanischen Volksmusik in der Schweiz.
Foto © Jörg Niederer
"Bluegrass hat mehr Menschen zusammengebracht und mehr Freundschaften geschlossen als jede andere Musik der Welt. Man trifft Menschen auf Festivals und erneuert Jahr für Jahr Bekanntschaften." Bill Monroe (1911-1996) US-amerikanischer Country-Sänger, Musiker und Songwriter.

Ein Bibelvers - 1. Petrus 1,24-25

"Denn es heisst: 'Alle Menschen sind wie Gras. Und ihre ganze Herrlichkeit ist wie eine Wiesenblume. Das Gras verdorrt und die Blume verwelkt. Aber das Wort des Herrn bleibt für alle Zeit.' Es ist dieses Wort, das euch als Gute Nachricht verkündet worden ist."

Eine Anregung

"The Millers", das sind Rosi und Kent Miller. Ihre Leidenschaft gilt seit vielen Jahren der Bluegrass-Musik. Durch die Arbeit in der Swiss Bluegrass Music Association (SBMC) sind sie mit vielen Grössen der Szene aufgetreten oder haben sie zu Konzerten in die Schweiz geholt. Auch schon viele Jahre arbeitet Kent Miller als Redaktor und Moderator bei Country Radio Switzerland. Seine Sendung "The SBMA Bluegrass Show" wird jeweils am Sonntag um 19 Uhr sowie am Montag und Donnerstag als Wiederholungen ausgestrahlt. Auf der Webseite können die neuesten Ausgaben auch als Podcast angehört werden.

Am kommenden Sonntag, dem 30. Juni (Siehe Flyer!) werden The Millers anstelle eines Gottesdienst den Sonntagmorgen in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen gestalten. Der Anlass beginnt um 10.15 Uhr an der Kapellenstrasse 6. Nebst ihrem musikalischen Können werden Rosi und Kent an diesem Morgen auch viel Interessantes über den Bluegrass erzählen.

Die Kinder sind anfänglich beim Konzert dabei, um dann in ihr eigenes Programm zu wechseln.

Passend zu diesem Anlass werden anschliessend Burger (auch Vegi), Kuchen und Getränke offeriert. 

Der Eintritt ist frei, es wird eine Kollekte erhoben. Alle sind herzlich zu diesem musikalischen Leckerbissen eingeladen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Mittwoch, 26. Juni 2024

Hotel Mama

Ein Zitat

Noch auf dem Blütenkopf der Mutterpflanze wächst eine neue Winterzwiebel heran.
Foto © Jörg Niederer
"Familie ist wie ein Baum. Die Zweige mögen in unterschiedliche Richtungen wachsen, doch die Wurzeln halten alles zusammen!" Quelle unbekannt

Ein Bibelvers - Jesaja 49,15

"Doch Gott antwortet: Kann denn eine Frau ihren Säugling vergessen? Hat sie nicht Erbarmen mit dem Kind, das sie im Leib getragen hat? Aber selbst wenn sie es vergessen sollte – ich vergesse dich nicht!"

Eine Anregung

Auch im Pflanzenreich gibt es das Hotel Mama. Noch auf dem Blütenkopf der Mutterpflanze treibt eine der dortigen Samen zu einer neuen Winterzwiebel aus. Diese Zwiebelart vermehrt sich zusätzlich durch Nebenzwiebeln. Ohne Zutun eines Gärtners oder einer Gärtnerin entstehen so dichte Gruppen von Winterzwiebeln, es kommt zu einer sogenannte Horstbildung. Man könnte auch sagen, diese Pflanze lebt sehr enge Familienbande.

Familienbande, das wünsche ich dir. Dass du dich auf deine Familie verlassen kannst. Und wenn das nicht mehr sein sollte, dann wünsche ich dir ein Ersatzfamilie, eine Gemeinschaft, die dich trägt und hält.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen


Dienstag, 25. Juni 2024

Christengürtel

Ein Zitat

Der Stahlblaue Grillenjäger, eine Grabwespe, auf einem Hain-Sabei.
Foto © Jörg Niederer
"Wie Gazellen, wie goldene Dinare, lieblich in weißen Gewändern sind sie. / Palmsonntag hat sie zu uns geführt mit ihren schönen Gürteln / Lange Locken haben sie, Schwalbenschwänzen gleichen sie. / Zarte Taillen haben sie, Wespen gleichen sie." Aus einem Gedicht des Kalifen Almanon (786-833)

Ein Bibelvers - Kolosser 3,12

"Gott hat euch als seine Heiligen erwählt, denen er seine Liebe schenkt. Darum legt nun das neue Gewand an. Es besteht aus herzlichem Erbarmen, Güte, Demut, Freundlichkeit und Geduld."

Eine Anregung

Die Wespentaille ist eine Modeerscheinung. Bei der allerersten Erwähnung einer eingeschnürten Taille durch den Bibliothekar der Fatimiden Asch-Schabuschti um das Jahr 1008 wurden die Mieder, die zu solch engen Taillen führten, Christengürtel genannt. Dabei bezog der Muslim sich auf die Begegnung mit christlichen Mädchen aus dem Hofstaat.

Es ist eine wiederkehrende Sache, dieses Ideal einer Wespentaille. Bis heute gibt es Frauen, welche sich dazu das untere Rippenpaar chirurgisch entfernen lassen. Immer dann, wenn Wespentaillen in sind, kommt es unter den Personen, welche sich entsprechend die Körpermitte mit Miedern einschnüren, zu Kurzatmigkeit und Ohnmachtsanfällen. Schlimmer sind Folgeschäden an Milz, Nieren und der Leber. Bei Letzterer wird aufgrund der Krankheitsursache auch von "Schnürleber" gesprochen.

Nach Jahren ohne Windsurfpraxis wollte ich es wieder einmal versuchen und habe mir dazu einen Neoprenanzug ausgeliehen, der unglücklicherweise deutlich zu eng und zu klein war. Kaum auf dem Wasser musste ich den Reisverschluss wieder öffnen, weil es mir sonst den Atem abgedrückt hätte. An eine sportliche Betätigung war so nicht zu denken. Genau so muss sich wohl eine Frau mit modisch erzeugter Wespentaille fühlen.

Nur Wespen haben mit Wespentaillen keine Probleme. So wie bei der abgebildeten Grabwespe, ein erst vor etwa 30 Jahren in die Schweiz eingewanderter Stahlblauer Grillenjäger. Das Insekt heisst so, weil es für seine Brut Grillen und Heuschrecken erbeutet, und diese als Nahrung für die Larven zum Gelege bringt.

Heute wünsche ich dir, dass der Glaube für dich nie zu einem "Christengürtel" wird und dir das Leben schwer macht. Mögest du frei atmen und nichts dich einschnüren. Möge jeder Atemzug ein Freudenfest sein.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Montag, 24. Juni 2024

Hirt auf sechs Beinen

Ein Zitat

Ameisen mit Läuseherde auf Acker-Kratzdistel.
Foto © Jörg Niederer
"Die Blattlaus frisst Pflanzen, der Rost Metalle und die Lüge die Seele." Anton Pawlowitsch Tschechow (1860 - 1904)

Ein Bibelvers - 1. Petrus 5,4

"Wenn dann der oberste Hirte erscheint, werdet ihr den Siegeskranz empfangen, dessen Herrlichkeit unvergänglich ist."

Eine Anregung

Halten sich die Blattläuse nun Ameisen als Wächter, oder halten sich die Ameisen Blattläuse als ihre "Milchkühe"? Jedenfalls profitieren beide Insektenarten voneinander. Die Ameisen erfreuen sich an den Ausscheidungen der Blattläuse, und diese vertrauen der aggressiven Verteidigung ihres Lebensraums durch die Ameisen. Der "gute Hirte" kann also auch einmal sechs Beine haben, und auch die "schwarzen und weissen Schafe" an der Spitze der Acker-Kratzdistel weisen zwei Extremitäten mehr auf als die Wollschafe im Dienste der Menschheit. 

Die Blattläuse produzieren aus dem Phloemsaft, den sie aus den befallenen Pflanzen saugen, ein Abbauprodukt, den als Honigtau benannten Zucker, und scheiden diesen aus. Die Ameisen sind ganz scharf darauf und provozieren die Läuse durch eine Art Tastsprache, ein Klopfen mit den Beinen auf den Körper der Blattläuse, diesen auszuscheiden. So melken sie die Läuse und können den Zuckersaft frisch ab Laus trinken.

In Asien gibt es Ameisen, welche die Blattläuse sogar zu geeigneten Pflanzen transportieren, also auf die Weide führen. Sollten Fressfeinde der Blattläuse auftauchen, etwa Marienkäferlarven, dann werden diese sofort angegriffen und soweit möglich vertrieben. 

Blattläuse, die von Ameisen gehalten werden, haben Vorteile gegenüber den Schafen in Menschenhand. Ameisen fressen nie ihre eigenen Herdentieren, was man bei Menschen so nicht sagen kann. Da verlieren mehr Schafe durch die Hirten ihr Leben als durch andere Raubtiere.

Ich finde, diese innige Zusammenarbeit zweier verschiedener Insektenarten ist bemerkenswert. Das wäre natürlich anders, wenn ich die Laus-Ameisen-befallene Pflanze wäre. Dann würde ich ein Loblied auf die Marienkäfer singen. Psalmen wären wohl von Tier zu Tier sehr unterschiedlich. Ob sie sich alle an den gleichen Gott richten würden?

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Sonntag, 23. Juni 2024

Vom Saulus zum Paulus

Ein Zitat

Flanell-Sonntagschulbild über die Bekehrung des Saulus.
Foto © Jörg Niederer
"Falsch handeln aus Überzeugung ist die verhängnisvollste Form von Lebensfehler."

Ein Bibelvers - Apostelgeschichte 9,9

"Drei Tage lang war Saulus blind. Er ass nichts und trank nichts."

Eine Anregung

Paulus war, als er noch Saulus hiess, ein Überzeugungstäter. Er war sich sicher, das Richtige zu tun, als er die ersten Christen im Auftrag der jüdischen Hohepriester verfolgte. Er war blind für die Wahrheit. Genau dies wurde ihm deutlich gezeigt, in dem er durch Gottes Eingreifen für drei Tag erblindete.

Heute Sonntag steht diese dramatische Bekehrungsgeschichte im Zentrum des gottesdienstlichen Nachdenkens in der Methodistenkirche an der Kapellenstrasse 6 in St. Gallen. Alle sind ab 10.15 Uhr herzlich eingeladen, auch zur Teilnahme am Abendmahl.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Samstag, 22. Juni 2024

Hoffnungszeichen am Abgrund

Ein Zitat

Eine Pyramiden-Knabenkraut, auch Pyramiden-Hundswurz genannt, wächst am Bord der Schnellstrasse von Rothrist.
Foto © Jörg Niederer
"Nichts ist so gut, wie es zunächst den Anschein hat." George Eliot (1819-1880), eigentlich Mary Ann Evans

Ein Bibelvers - Kolosser 2,2b-4

"Denn sie sollen das Geheimnis Gottes erkennen: Christus. In ihm sind alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis verborgen. Das sage ich, damit euch niemand durch seine Überredungskünste täuschen kann."

Eine Anregung

Während der Tagung der Jährlichen Konferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche Schweiz-Frankreich-Nordafrika führte mich mein täglicher Fussweg entlang der Ausfallstrasse zwischen dem Dorf Rothrist und der Autobahnausfahrt. Es war nicht einfach, zwischen den mit 80 Stundenkilometern heranbrausenden Autos die Strasse zu überqueren, da, wo auf der anderen Seite eine kleine Holztreppe ins Quartier führte. Genau dort fiel mir die Orchidee auf, die da ganz allein und hellrot blühend den Blick buchstäblich auf sich zog. Wer hätte an diesem Ort ein Pyramiden-Knabenkraut vermutet. Es passte so gar nicht in diese trostlose Umgebung. Doch es stand da und verstreute Freude.

Warum heute der deutsche Namen Hundswurz bevorzugt wird, weiss ich nicht. Benannt ist sie wohl so, weil man früher dachte, die Orchidee sei für Hunde giftig. Das hat sich aber als falsch erwiesen. Auch gaukelt die Pflanze den bestäubenden Schmetterlingen reiche Nahrung vor. Diese finden dort aber gar keinen Nektar, so dass sie ohne Gegenleistung wieder abflattern müssen.

Mich hat das blühende Pyramiden-Knabenkraut jeden Morgen und jeden Abend auf meinem Weg erfreut. Schön, dass es in dieser unwirtlichen Situation am Rand des Abgrunds Signale der Hoffnung aussendet.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Freitag, 21. Juni 2024

Türschliessung

Ein Zitat

Nach 6 Jahren schliesst am Samstag, 22. Juni das Be You Café in Frauenfeld.
Foto © Jörg Niederer
"'Die Leute sollen sich wohlfühlen', sagt sie. Daher komme auch der Name 'Be You'." Aus dem Beitrag der Zuger Zeitung zur Eröffnung des Be You Cafés in Frauenfeld.

Ein Bibelvers - 1. Mose 24,31

"Komm mit, du vom Herrn Gesegneter! Warum stehst du hier draußen? Ich habe im Haus schon alles herrichten lassen, auch für die Kamele ist genug Platz."

Eine Anregung

Ich besuche an meinem Wohnort in Frauenfeld nicht oft Restaurants. Aber im Be You Café gleich zwischen Bahnhof und Murg war ich gerne zu Gast. Nun schliesst das Café nach sechs Jahren am morgigen Samstag um 18.00 Uhr seine Türen für immer.

Hinter dem Be You Café stand mit Linda Portmann eine Absolventin des ISTL (International Seminary of Theology and Leadership). Bevor sie 2018 das Café eröffnete, arbeitete sie als Jugendpastorin bei der Viva Kirche (Chrischona) Stein am Rhein. 

Das Café am Lindenplatz zog nebst den Bahnhofpassanten entsprechend viele Menschen mit kirchlichem und christlichem Hintergrund an. Im Be You Café kam ich auch mit dem Buchautor Usama Al Shahmani näher ins Gespräch. Kinder waren gerne gesehen. Und zuletzt trafen sich die drei in Frauenfeld wohnhaften Methodistenpfarrer genau da zu ungezwungenen Gesprächen.

Das Café war eines dieser Projekte, welche man als Fresh Expressions of Churches bezeichnen könnte. In unaufdringlicher Weise wird dabei der christliche Glaube hinausgetragen, dahin, wo die Menschen sind. Gemeinsam mit der Restaurantkultur haben solche Projekte den Charakter der zeitlichen Begrenzung. Sie kommen und gehen. Ich finde es Schade, dass morgen Samstag nun die Dernière stattfindet. 

Linda Portmann dankt zum Abschied den Gästen des Cafés: "Jetzt so kurz vor dem Ende wird es doch noch sehr emotional für mich, denn ich habe die Zeit die ich im Café mit euch, meinen Kunden verbringen durfte, sehr genossen. Ich bin extrem positiv überrascht von all den wohlwollenden, grossartigen und liebeswürdigen Menschen, die mich über diese Jahre hinweg unterstützt und ermutigt haben; einfach dadurch, dass sie gerne in mein Café gekommen sind."

So sage ich an dieser Stelle auch ganz herzlich Danke. Ich war gerne im Be You Café zu Gast, und werde es vermissen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Donnerstag, 20. Juni 2024

urban und höflich

Ein Zitat

Der Prime Tower in Zürich.
Foto © Jörg Niederer

"Begegne den Menschen mit der gleichen Höflichkeit, mit der du einen teuren Gast empfängst."
Konfuzius (551-479 v.Chr.)

Ein Bibelvers - Römer 12,10-11

"Liebt einander von Herzen als Brüder und Schwestern. Übertrefft euch gegenseitig an Wertschätzung. Lasst nicht nach in eurem Eifer. Lasst euch vom Geist anstecken und dient dem Herrn."

Eine Anregung

Wo sind die Menschen höflicher; auf dem Land oder in der Stadt?

Im Dorf, da grüsst man sich, in der Stadt geht man wortlos aneinander vorbei. Auf dem Land kennt man sich und hilft sich. In der Stadt nimmt niemand vom andern Notiz. In der Stadt beschimpfen die staugeplagten Autofahrenden die unverschämten Fahrradfahrer. Auf dem Land hat man Zeit und Fahrrad fahren sowieso nur die Schülerinnen. In der Stadt gibt es ein ausgeprägtes, parfümiertes Kulturleben, im Dorf riecht es in besten Fall einmal nicht nach Jauche. In der Stadt ist Schickimicki, auf dem Land herrscht gelassene Normalität.

Wo sind die Menschen also höflicher? Ich würde sagen, auf dem Land. Weil man sich da noch kennt? 

Das war aber nicht immer so. Angesichts der Urbanität von Zürich habe ich mich gefragt, woher das Wort oder der Name "Urban" kommt. Wikipedia sei Dank habe ich es herausgefunden. Grundlage dieses in viele Sprachen übernommenen Fremdworts ist der lateinische Begriff "urbs" (nein, kein Rülpser). "Urbs" steht für "Stadt" und insbesondere für "Rom". Davon abgeleitet bedeutet "urban" "städtisch" oder "der Städter"; und nun kommts: "urban" steht auch für "der Höfliche, Feingebildete".

Zur Zeit von Papst Urban I. (gestorben 230) wurden die Städter also gleichgesetzt mit höflichen Menschen. Ob das wohl eine schmeichelhafte Selbstbezeichnung war, in Abgrenzung zur barbarischen, ungebildeten Landbevölkerung? Sahen sich so die Urbanen und Feingeistigen? 

Fragt sich, ob Höflichkeit eine christliche Tugend ist? Es sieht ganz danach aus. So soll gemäss Bibel ein Mensch jede andere Person höher achten als sich selbst (Philipper 2,3). Paulus rät weiter, dass wir uns gegenseitig an Wertschätzung übertreffen sollen. So sieht Höflichkeit aus, die auf die Spitze getrieben ist. Wie sähe wohl die Welt aus, wenn wir uns alle daran halten würden? Wenn alle urban, höflich und zuvorkommend handeln und leben?

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Mittwoch, 19. Juni 2024

Leben aus trüben Tassen

Ein Zitat

Ein ungepflegter, zugewachsener Brunnen im Zentrum von Rothrist.
Foto © Jörg Niederer
"...ein Brunnen, der in den Himmel schaut." Fernando Pessoa (1888-1935)

Ein Bibelvers - Sprüche 13,14

"Die Weisung, die ein kluger Mensch gibt, ist eine Quelle des Lebens. Wer sich daran hält, entgeht dem Tod."

Eine Anregung

Der Brunnen bringt viel Wasser. Auch wenn die Ausflussröhre schief sitzt, und der Wasserstrahl nicht die Mitte der Brunnenachse trifft. Der Brunnen bringt viel gutes Wasser. Auch wenn sich im Wasser Algen bilden und am Rand des Brunnentrogs als einen grünen Saum ansammeln. Der Brunnen bringt viel gutes Trinkwasser, auch wenn Gras und Brombeerdornen es nicht leicht machen, aus ihm zu trinken. Der Brunnen plätschert lustig vor sich hin, auch wenn am dazugehörigen Haus die Läden schief, die Schilder verrostet sind; der Anblick traurig macht.

Mir gefällt dieser Brunnen. Weil er aus der Reihe fliesst bei all den schönen anderen öffentlichen Wasserspendern in Rothrist. So unansehnlich wie er ist, tut er doch, was er soll. Er kommt seiner Bestimmung nach, Wasser zu geben, Leben zu sichern.

Es ist viel besser, einen solchen Brunnen im Garten zu haben, als einen, der, kunstvoll geformt, trocken da liegt.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Dienstag, 18. Juni 2024

70 Jahre, und das Ende ist nicht abzusehen

Ein Zitat

Ernst Gisler ist mir auch als "Wort zum Sonntag"-Sprecher in guter Erinnerung. Das Foto entstand an seinem 60-Jahr-Jubiläum als Methodistenpfarrer an der Jährlichen Konferenz 2024.
Foto © Sigmar Friedrich (bearbeitet)
"Neben der 'Tagesschau' ist das 'Wort zum Sonntag' das zweitälteste TV-Format von SRF, das ununterbrochen ausgestrahlt wird." SRF

Ein Bibelvers - Jesaja 40,8

"Ja, das Gras verdorrt, die Blume verwelkt, aber das Wort unseres Gottes bleibt für alle Zeit."

Eine Anregung

Seit 70 Jahren gibt es das "Wort zum Sonntag", das, anfänglich auch an Sonntagen ausgestrahlt, heute seinen Platz im Samstag-Vorabendprogramm von SRF gefunden hat. Dazu gibt es nun eine Jubiläumssendung, in der die katholische Theologin Ines Schaberger von St. Gallen einige Einblicke in frühere Sendungen gibt.

Als an der Tagung der Jährlichen Konferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche Schweiz-Frankreich-Nordafrika die Jubilarinnen und Jubilare gefeiert wurden, sass da mit Ernst Gisler, er feierte das 60. Dienstjubiläum als Pfarrer, ein von mir gern gesehener "Wort-zum-Sonntag"-Sprecher in der Runde. Das liegt allerdings schon wieder einige Jahre zurück. Als einer meiner ersten Distriktsvorsteher war er ein motivierender und prägender Pfarrkollege, ohne den ich vielleicht nicht da wäre, wo ich heute bin. 

Zurück zum "Wort zum Sonntag". Ob das Format die galoppierende Säkularisierung weitere 70 Jahre überleben wird, halte ich für eher unwahrscheinlich. Mal schauen, ob ich das 100-Jahr-Jubiläum dieser Meinungs- und Glaubenssendung erleben darf. Das ist ja nicht nur von der Sendung abhängig.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Montag, 17. Juni 2024

Die Ersten und die Letzten

Ein Zitat

Helferinnen und Helfer an der Tagung der Jährlichen Konferenz versammeln sich vor dem Breitesaal Rothrist zu einem Gruppenfoto.
Foto © Jörg Niederer
"Christen glauben an einen bedürftigen, durstigen Gott." Bischof Stefan Zürcher in der Konferenzpredigt

Ein Bibelvers - Offenbarung 21,6

"Ich bin das Alpha und das Omega, der Anfang und das Ende. Ich werde dem Durstigen Wasser geben, das aus der Quelle des Lebens fließt. Ich gebe es ihm umsonst."

Eine Anregung

Sie sind da, bevor alle anderen kommen, und sie bleiben auch noch, wenn alle anderen gegangen sind. Die Helferinnen und Helfer an Veranstaltungen. So war es auch an der gestern zu Ende gegangenen Tagung der methodistischen Jährlichen Konferenz Schweiz-Frankreich-Nordafrika. 

Ohne die Helferinnen und Helfer geht es nicht. Sie haben den Delegierten die Tage ausgesprochen angenehm gestaltet, waren da, wenn man sie brauchte, gaben Rat und förderten auch eine Säge zu Tage, wenn danach gefragt wurde, selbst wenn diese dann gar nicht zum Einsatz kam.

Helferinnen und Helfer sind die Ersten und die Letzten an einem Anlass. Damit rücken sie ganz nahe zu Gott, von dem die Bibel sagt, er sei der Erste und Letzte, der Anfang und das Ende, Alpha und Omega.

Was inhaltlich dabei an so einer Tagung herauskommen kann, wenn dank Helferinnen und Helfer Infrastruktur und Rahmenprogramm und Toilettensauberkeit und Gepäckaufbewahrung stimmen, davon kann man sich auf der Webseite zur Jährlichen Konferenz ein Bild machen. Das ist auch die ideale Quelle, um vom gelungenen Anlass im Rothrist der Wasserläufe und Tranksame in den eigenen Gemeinden zu berichten.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Sonntag, 16. Juni 2024

Anfangen und Vollenden

Ein Zitat

Grégoire Chahinian präsentiert den Bericht der Distriktsvorsteherin und der Distriktsvorsteher.
Foto © Jörg Niederer
"Deshalb liegt es an uns, auf sie zuzugehen, uns zu 'destabilisieren'... aus Liebe!" Grégoire Chahinian

Ein Bibelvers - Johannes 17,18; 20,21

"Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich jetzt euch!"

Eine Anregung

Der Konferenzgottesdienst der methodistischen Kirche Schweiz-Frankreich-Nordafrika ist ein Höhepunkt im Kirchenjahr und wird heute ab 10.00 Uhr aus Rothrist per Livestream übertragen.

Im Rückblick auf die Tagung des methodistischen Kirchenparlaments möchte ich einige Sätze aus dem Bericht der Distriktsvorsteherin und der Distriktsvorsteher hier wiedergeben. Formuliert hat den Bericht in diesem Jahr Grégoire Chahinian. Seine Worte, er ist für Frankreich zuständig, haben eine besondere Aktualität in diesen Tagen, in der sich ein Teil der französischsprachigen Gemeinden aus der Evangelisch-methodistischen Kirche gelöst und eine eigene Kirche gegründet hat. 

Hier also einige Zitate aus dem Bericht der Distriktsvorsteherin und der Distriktsvorsteher: 

"Jesus ist dafür bekannt, ein Freund der Sünder zu sein, und nicht nur 'Kontakte' zu ihnen zu haben."

"Es ist zwingend notwendig, dass unsere Gemeinden heute ihren öffentlichen Aussenraum definieren, damit sie wissen, wie sie dort präsent sein und ihre Mitmenschen lieben können."

"Man muss sich wirklich der (realen und normalen) psychologischen Barriere unserer Zeitgenossen bewusstwerden: wie schwierig es für sie ist, zu uns zu kommen, sich von ihrer Familie abzugrenzen, an einen unbekannten Ort zu kommen. Es ist eine fast unmögliche Mission für sie! Sich so sehr verunsichern lassen? Stellen wir uns vor, wir würden uns in ihre Lage versetzen und sie zu einer Veranstaltung begleiten, die uns selbst irritiert: zum Beispiel zu einem Hahnenkampf!"

"Wie auch immer, ob er es will oder nicht, der Christ trägt Christus (mit und) in sich!"

"Wir wollen, dass unsere Freunde an Christus glauben... aber: Haben wir den Mut, sie unserer Kirche so vorzustellen, wie sie sind; oder ziehen wir es vor, dass sie erst 'geläutert' werden, bevor wir sie in die Kirche integrieren?"

"Und noch bevor sie [die Jünger] wirklich bekehrt sind (vgl. Lukas 22,31ff), lässt Jesus sie arbeiten, gibt ihnen Taten auf, die sie tun sollen, bezieht sie in seinen Auftrag ein..."

"All dies, um zu zeigen, dass die Pädagogik Jesu nicht lautete: 'Glauben -> im Leben umsetzen -> Dazugehören', sondern umgekehrt: 'Dazugehören -> im Leben umsetzen -> Glauben'."

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen 

Samstag, 15. Juni 2024

Sprudel und Harfe wacht auf

Ein Zitat

Pernilla Palmberg spielt konzentriert auf der Harfe, beobachtet von Gunnar Wichers.
Foto © Jörg Niederer
"Wenn eine Apfelsine und ein Apfel eine Konferenz abhalten würden, könnte dabei eine Birne herauskommen." Ronald Reagan (1911-2004)

Ein Bibelvers - Sprüche 10,19

"Wo viel geredet wird, bleiben Fehler nicht aus. Wer aber seine Zunge im Zaum hält, zeigt Verstand. Was ein Gerechter sagt, ist reines Silber wert, was Frevler sich ausdenken, dagegen nichts."

Eine Anregung

An Konferenzen sammelt sich das ganze Spektrum menschlicher Reaktionsfähigkeit. Absolute Aufgeregtheit wechselt sich ab mit einem gefahrlosen Sekundenschlaf. Einmal ist man ganz bei der Sache, dann nur noch halb oder gar nicht. Auch das Studium menschlicher Frisuren und Lautäusserungen hilft mitunter, sich die Zeit totzuschlagen. Wobei die einen etwas langweilig finden, dieweil andere vor Aufregung über die gleiche Sache ganz aus dem Häuschen geraten. Meist sind die Vortragenden die, welche ihre Anliegen besonders spannend finden, ohne dass diese Ansicht auch von den Zuhörenden geteilt werden muss. Die Gewichtung ist sowieso Geschmackssache. Die einen freuen sich über ein Wort, das bei zwanzigstündigem Verhandlungsmarathon in einem Ausschuss geboren wurde, andere dagegen fragen sich, ob da nicht ein Berg eine Maus geboren hat. 

Richtig erhebend wird es aber, wenn einmal die Konzentration der einen auf die ungeteilte Aufmerksamkeit der andern trifft, und sich im Konferenzraum eine gespannte und erfüllte Stimmung ausbreitet. So geschehen bei den Harfenklängen von Pernilla Palmberg im Rahmen der Ehrungen von Jubilarinnen und Jubilaren. Da ereignete sich ein Wunder. Für einmal zerstörte kein Handy-Klingelton den Fluss der Harmonien, die in den kollektiven Gehörgang der atemlos staunenden Konferenz drangen. Fragt sich, ob das wohl auch so gekommen wäre, wenn jene Delegierten auch da gewesen wären, die es vorgezogen hatten, das Auftakt-Fussballspiel der Europameisterschaft zu schauen. 

Ein Gedanke gebiert den nächsten, und ich frage mich nun, ob eine Harfe sich eignen würde, um die Fangesänge in Stadien anzuleiten? Es wäre zumindest eine ästhetische Aufwertung der dortigen Szenerie. Statt bierbauchig paukenschlagender Recke, die fingerfertige Künstlerin und ihr Zauberinstrument. Noch eine Frage: Wie würde sich der Paukenmusiker aus dem Fussballstadium an der Tagung der Jährlichen Konferenz machen?

An Konferenzen kommen ja Welten zusammen. Gut ersichtlich wird das daran, ob man zur Partei der Sprudeltrinkenden gehört oder zu der, welche pures Wasser vorzieht. Es gibt da eine atemberaubende Bandbreite an Persönlichkeiten und Lebensstilen und grenzt an ein Wunder, dass wir trotz sprudelnder Unterschiede es lange vier Tage miteinander aushalten; und das alle Jahre wieder.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Freitag, 14. Juni 2024

Befindlichkeitsrituale

Ein Zitat

Annegret Jende und Sigmar Friedrich in intensivem Gespräch während einer Konferenzpause.
Foto © Jörg Niederer
"Alles wirkliche Leben ist Begegnung. Wenn wir aufhören, uns zu begegnen, ist es, als hörten wir auf zu atmen." Martin Buber (1878-1965)

Ein Bibelvers - Johannes 4,6+7

"Dort befand sich der Jakobsbrunnen. Jesus war müde von dem langen Weg und setzte sich an den Brunnen. Es war um die sechste Stunde. Da kam eine Samariterin, um Wasser zu schöpfen. Jesus bat sie: 'Gib mir etwas zu trinken.'"

Eine Anregung

Begegnungen sind ein wesentlicher Teil von Konferenzen. In diesem Jahr kommen nebst den vielen Delegierten, die ich kenne, auch noch die Gemeindeglieder der Methodistenkirche Rothrist dazu. Es sind schöne Begegnungen, die mich an die Zeit erinnern, als ich Pfarrer hier im Dorf war. So wurde und werde ich immer wieder gefragt, wie es mir gehe. Die schnellen Floskeln würden mich vor längeren Erklärungen retten. Soll ich wirklich sagen, es gehe mir gut, wenn es gar nicht so eindeutig ist? Also sage ich, und bewege den Kopf dabei nachdenklich hin und her, es sei mir auch schon besser gegangen. Das führt unweigerlich zu weiteren Erklärungen. Ich komme auf meine Schmerzen zu sprechen und dann auch auf den kürzlichen Tod meines jüngsten Bruder. Nun mag das wiederholte Erzählen mir helfen, diese belastenden Dinge zu verarbeiten. Zugleich möchte ich nicht jedes Mal die Aufmerksamkeit auf mich und meine Sorgen lenken. Auch ist es ja nicht so, dass es da nicht auch Schönes gibt im Leben, selbst jetzt, in diesen durchzogenen Tagen. Ich freue mich über all die interessanten Gespräche und Begegnungen, die oft anknüpfen an Erlebnissen, die schon weiter zurückliegen. Zugleich sind meine Gedanken immer wieder bei meinem Bruder, mit dem ich solche Begegnungen viel zu wenig hatte, und die ich nun auch nicht mehr nachholen kann.

Also frage ich zuerst, noch bevor man mich fragen kann: Wie geht es dir? Je nach Antwort folgt ein intensives Gespräch oder auch nicht. Beides ist und tut gut.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Donnerstag, 13. Juni 2024

Geschwisterlich beten

Ein Zitat

Die Schwestern Marianne Hasler und Christine Moll leiten das Gebet zum Auftakt der methodistischen Jährlichen Konferenz 2024 in Rothrist.
Foto © Jörg Niederer
"Die Menschen sind da, um einander zu helfen, und wenn man eines Menschen Hilfe in rechten Dingen nötig hat, so muss man ihn dafür ansprechen." Jeremias Gotthelf (1797 - 1854)

Ein Bibelvers - Psalm 3,9

"Beim Herrn findet sich Hilfe. Sprich deinen Segen über dein Volk."

Eine Anregung

Marianne Hasler und Christine Moll sind Schwestern und beide in Rothrist aufgewachsen. Also an dem Ort, an dem die Tagung der Jährlichen Konferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche Schweiz-Frankreich-Nordafrika aktuell bis zum kommenden Sonntag stattfindet. Gestern Abend nahmen sie die bereits angereisten Delegierten mit in eine Gebetszeit. Zu Psalmworten zeigte Marianne Hasler Fotos, welche sie in und um Rothrist herum aufgenommen hatte. Passend zum Konferenzthema "Zäme em Läbensdorscht of de Spuur" waren darauf viele Brunnen und Wasserläufe zu sehen. Der Lobpreis mit bekannten Liedern und auch die Gebetszeiten wurden von allen Anwesenden wohltutend und motivierend für die bevorstehenden Geschäftssitzungen erlebt.

Für mich klang der Abend aus an einem Tisch, den ich noch gut kenne aus meiner Zeit als Pfarrperson in Rothrist vor 15 Jahren. Zusammen mit einige weiteren Personen durfte ich die Gastfreundschaft und ein Bier bei Marianne und Daniel Hasler geniessen. Danke ihnen und allen anderen, welche sich vor Ort für eine gelingende Jährliche Konferenz einsetzen. Da geschieht viel Hilfe, um den Lebensdurst zu löschen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Mittwoch, 12. Juni 2024

Lebensdurst und intensive Gespräche

Ein Zitat

Erstmals wird der 2022 gewählte neue Bischof Stefan Zürcher die Jährliche Konferenz über die ganze Zeit leiten.
Foto © Jörg Niederer
"Sportlicher und konditionell anspruchsvoller sind hier die angesprochen, die joggend Natur, Autobahn, Bahnstrecke, Aare und körperliche Herausforderung suchen." Aus der Information zum Konferenz-Workshop "Tuusigerstägeli"

Ein Bibelvers - Offenbarung 22,17b

"Wer Durst hat, soll kommen! Wer will, bekommt das Wasser des Lebens geschenkt."

Eine Anregung

Heute um 20.00 Uhr beginnt die Tagung der Jährlichen Konferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) Schweiz-Frankreich-Nordafrika in Rothrist mit einer Gebetszeit. Die Konferenz die unter dem Thema "Zäme em Läbensdorscht of de Spuur" steht, dauert bis zum kommenden Sonntag. Geleitet wird die Tagung vom 2022 neu gewählten Bischof Stefan Zürcher. Die Sitzungszeit ist zweigeteilt. Bis zum späteren Donnerstagnachmittag werden Themen behandelt, welche ausschliesslich den Teil Schweiz betreffen. Danach geht es um Anliegen, welche auch Frankreich und Nordafrika betreffen. Zusätzlich integriert in die Tagung sind die Hauptversammlungen von Connexio hope und develop, den beiden Hilfswerk-Bereiche der Evangelisch-methodistischen Kirche.

Nebst Geschäftssitzungen wird die Tagung geprägt von vielen Gottesdiensten und Feierstunden und am Samstag und Sonntag auch von Besuchen ausgewählter Orte, an denen Wasser eine bedeutende Rolle spielt. Dafür hat die örtliche Kirchgemeinde einen interessanten Mix an Workshops zusammengestellt. So geht es etwa zum Flusskraftwerk oder in ein Biberrevier. Man kann entlang von Kanälen von Murgenthal nach Rothrist wandern oder sich mit Yoga und christlicher Spiritualität beschäftigen. Für diese Workshops ist eine Anmeldung erforderlich.

Höhepunkt ist der Konferenzsonntag. An diesem Tag reisen Methodistinnen und Methodisten an den Konferenzort, um dort den Tag mit Gottesdienst und Begegnungen zu erleben, und um sich erneut als Nachfolgende von Jesus Christus senden zu lassen. Aus diesem Grund fallen viele methodistische Gottesdienste in der Schweiz und Frankreich aus. Für Personen, welche nicht nach Rothrist reisen können, wird der Konferenzgottesdienst per Livestream übertragen, so wie zuvor auch die meisten anderen Feiern und Geschäftssitzungen an den anderen Konferenztagen.

Alle Informationen für diese besondere Zeit in Rothrist können auf der Webseite der EMK Schweiz gefunden werden.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Dienstag, 11. Juni 2024

Klatschmohn klatschen

Ein Zitat

Klatschmohnfeld beim Nussbaumersee.
Foto © Jörg Niederer
"Die einen klatschen im Takt, die andern aus Freude."

Ein Bibelvers - Jesaja 55,12

"Voll Freude werdet ihr aus Babylon fortziehen und wohlbehalten nach Hause gebracht werden. Berge und Hügel brechen in Jubel aus, wenn sie euch sehen. Die Bäume in der Steppe klatschen in die Hände."

Eine Anregung

Der Klatschmohn blüht auf Feldern oder als Begleitflora im Weizen. Schön sieht das aus, und ist für die Ernte auch kein Problem, da moderne Mähdrescher und die Mühlen die Fremdsamen sicher aussortieren können.

Heute habe ich gelesen, woher der Name Klatschmohn kommen soll. Wenn man die Blütenblätter vorsichtig zu einem kleinen Ballon formt und dann draufklatscht, entweicht die Luft mit einem lauten Ton. Das habe ich noch nie ausprobiert, werde es aber bei Gelegenheit überprüfen.

Für heute lade ich ein, in ein Lied hineinzuhören, das ohne Klatschen nicht funktioniert. Auch ohne Mohnballon kann ich so mit einem rhythmische Morgenklatschen in den Tag starten: "Es ist die Kraft des Herrn...Es ist die Kraft des Herrn...".

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Montag, 10. Juni 2024

Ein methodistisches Manifest

Ein Zitat

Überdimensionierter Trichter als Werbeträger für die Klangwelt Toggenburg.
Foto © Jörg Niederer
"Führe uns über die ausschließliche Sorge um das Wohlergehen anderer Menschen hinaus zu einer umfassenderen Sorge um das Wohlergehen der Vögel in unseren Hinterhöfen, der Fische in unseren Flüssen und aller Lebewesen auf dem Erdboden." John Wesley (1703-1791)

Ein Bibelvers - Daniel 3,4

"Dann rief ein Ausrufer mit lauter Stimme: 'Euch wird etwas befohlen, euch Menschen aller Völker, Nationen und Sprachen!'"

Eine Anregung

Selbst als ein gestandener Methodist entdecke ich doch ab und zu etwas Neues (Danke Sarah Staub!), das mir bisher entgangen war. So habe ich heute auch vom "Wesley Manifesto" erfahren, das man auf Deutsch auch in einem Beitrag auf Jesus.de finden kann.

Es seien erstaunlich zeitgemässe Aussagen von einem Menschen, der vor 300 Jahren gelebt habe, wird dort gesagt. Kein Wunder, werden doch die Originalaussagen von John Wesley, so wie sie uns im Wesley Manifesto begegnen, bereits in eine moderne und auf ihren Kern zusammengefasste Sprache heruntergebrochen. Ich habe nun die zugrundeliegenden Originalsätze mit der Hilfe von DeepL.com auf Deutsch übersetzt. Auch diese sind durchaus lesenswert.

1. Seid bereit, an alle zu geben, wie sie es nötig haben.

2. Böse und teuflisch falsch ist der übliche Einwand: 'Sie sind nur deshalb arm, weil sie faul sind. Verschafft ihnen Arbeit... Dann werden sie ihr eigenes Brot verdienen und essen.' 

3. Wie viele gibt es in diesem christlichen Land, die sich abmühen und arbeiten und schwitzen... aber gleichzeitig mit Müdigkeit und Hunger kämpfen? Ist es nicht schlimm, wenn man nach einem harten Arbeitstag in eine arme, kalte, schmutzige, unbequeme Unterkunft zurückkehrt und dort nicht einmal das Essen vorfindet, das notwendig wäre, um seine erschöpften Kräfte wiederherzustellen?

4. Hüte dich vor der gewöhnlichen, aber verflixten Art, Kinder zu Nachplapperern zu machen... Achte nicht darauf, wie viel, sondern wie gut und zu welchem guten Zweck sie lesen können. Der Zweck der Erziehung... [ist], uns zu helfen, jedes falsche Urteil unseres Verstandes zu entdecken und jede falsche Leidenschaft in unseren Herzen zu unterdrücken... [und] so viel zu verstehen, wie wir dazu fähig sind.'

5. Ich träume weiter... [von der Zeit, in der das Potenzial] jedes Menschen entfesselt werden kann.

6. Wenn wir auch nicht gleich denken können, können wir dann nicht gleich lieben? Können wir nicht eines Herzens sein, auch wenn wir nicht einer Meinung sind?

7. Können nicht auch Frauen, so wie die Männer, einen ehrenvollen Platz einnehmen... und sich nicht länger der schändlichen [gesellschaftlichen] Fessel beugen müssen? Ihr seid ebenso wie die Männer vernunftbegabte Geschöpfe. Ihr seid, wie sie, nach dem Bilde Gottes geschaffen.'

8. Indem ihr [Menschen] das Glück im Reichtum sucht, strebt ihr nur danach, aus leeren Bechern zu trinken. Und mögen sie noch so schön bemalt und vergoldet sein, sie sind trotzdem leer.

9. Niemand soll dir dienen, außer durch sein selbstbestimmtes Tun und Handeln, durch sein eigenes freiwilliges Handeln. Weg mit allen Peitschen, allen Ketten, allem Zwang!... Behandle jeden anderen so, wie du willst, dass er dich behandelt.

10. Krieg: Welchen weiteren Beweis brauchen wir für die völlige Entartung aller Nationen von den einfachsten Prinzipien der Vernunft und Tugend, von dem absoluten Mangel sowohl an gesundem Menschenverstand als auch an gesunder Humanität, der das ganze Menschengeschlecht durchzieht?

11. Die Welt ist meine Kirchengemeinde.

12. Führe uns über die ausschließliche Sorge um das Wohlergehen anderer Menschen hinaus zu einer umfassenderen Sorge um das Wohlergehen der Vögel in unseren Hinterhöfen, der Fische in unseren Flüssen und aller Lebewesen auf dem Erdboden.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen 

Sonntag, 9. Juni 2024

Umkehr in der Asylpolitik

Ein Zitat

Jeder einzelne Zettel um die Kirche St. Laurenzen in St. Gallen steht für einen auf der Flucht nach Europa getöteten Menschen.
Foto © Jörg Niederer
"Seit 1993 sind mehr als 60'000 Babys, Kinder, Frauen und Männer, gestorben beim Versuch, nach Europa zu flüchten." Beim Namen nennen

Ein Bibelvers - 5. Mose 10,18+19

"Gott verhilft Waisen und Witwen zu ihrem Recht. Er liebt die Fremden und versorgt sie mit Nahrung und Kleidung. Darum sollt auch ihr die Fremden lieben. Denn ihr wart selber Fremde im Land Ägypten."

Eine Anregung

Es schmerzt, von all den Menschen zu hören, die irgendwo auf der Flucht nach Europa in den Fluten der Meere verschwunden sind. Jede einzelne Frau, jeder einzelne Mann, jedes Kind wird mit Namen genannt oder als besonderer Mensch sichtbar gemacht. Es sind unglaublich traurige Schicksale, welche in St. Gallen in der St. Laurenzen-Kirche an der Aktion "Beim Namen nennen" nicht vergessen werden.

In der Flüchtlingspolitik läuft gerade so Vieles grundfalsch. Aus christlicher Sicht halte ich eine Asylpolitik für inakzeptabel, welche auch nur einen toten Menschen in Kauf nimmt. Und doch sind es Tausende, die jedes Jahr das Leben an den Grenzen Europas lassen. Es braucht nicht weitere Verschärfungen, nicht noch besser bewachte Grenzen, nicht noch mehr Abschreckung, nicht noch mehr Bollwerk Europa. Es braucht eine Umkehr, ein U-Turn, eine totale Kehrtwende. Es braucht endlich eine humane Asylpolitik. Es braucht vor allem offenere Herzen.

Vom Umkehren handelt heute auch der Gottesdienst in der Methodistenkirche Weinfelden. Alle sind um 10.00 Uhr herzlich an die Hermannstrasse 10 eingeladen. Und wer nicht aus dem Haus kann, der kann zur selben Zeit den Gottesdienst auf Musig24.tv schauen. Auch da ist der U-Turn das entscheidende Thema.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Samstag, 8. Juni 2024

Ein Morgen mit Gesängen

Ein Zitat

Ein Schilfrohrsänger singt am Rand des Nussbaumersees.
Foto © Jörg Niederer
"Ein Spaziergang am frühen Morgen ist ein Segen für den ganzen Tag." Henry David Thoreau (1817-1862)

Ein Bibelvers - 1. Chronik 23,30

"Sie sollen jeden Morgen und jeden Abend bereitstehen, um den Herrn zu loben und zu preisen."

Eine Anregung

Nein, ein Glanzstück der Tierfotografie ist das Bild nicht gerade. Aber nach Vergrösserung und weiteren Bearbeitungsschritten ist der Schilfrohrsänger doch deutlich erkennbar. Angetroffen haben wir den auffälligsten unter den Rohrsängern 200 Meter vom Ufer des Nussbaumersees entfernt in einem kleinen Schilfbestand. 

Gestern früh am Morgen durfte ich einen befreundeten Ornithologen beim Kartieren von Vögeln begleiten. Rund um den Nussbauersee hatten wir rund 250 Vogelsichtungen, die entsprechend erfasst auf einer Onlinekarte eingetragen wurden. Interessant waren die Kuckucke, von welchen mindestens ein halbes Duzend in beachtlicher Aufregung früh Morgens um den See herum einander Verfolgungsjagden lieferten. Auch hörten wir den an ein Bellen erinnernden Ruf der Zwergdommel.

Aber das Highlight war der Schilfrohrsänger. Dass er jetzt im Juni mit seinem Ruf ein Revier markiert, könnte Hinweis auf ein Brutpaar sein. Das wäre bemerkenswert, brütete doch im Jahr 2016 kein einziger Schilfrohrsänger mehr in der Schweiz. Sicher ist die Brut damit aber noch nicht. Dazu braucht es einen weiteren Nachweis ein, zwei Wochen später. Ich bin gespannt.

Ich habe es genossen, früh am Morgen an einem schönen Ort die Ohren zu spitzen. Das hatte etwas Meditatives. Ein Morgen mit Gesängen, inklusive Fuchsgebell, Rehsichtung und anregenden Gespräche.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen