Freitag, 31. Mai 2024

Beschirmt und beschattet

Ein Zitat

Schirmdach in der Kirchgasse Olten am Dienstag nach der internationalen Stadt-Orientierungslauf-Veranstaltung.
Foto © Jörg Niederer
"Müll ist die Pest eines überverpackten Zeitalters." Fritz P. Rinnhofer (1939-2020)

Ein Bibelvers - Matthäus 5,43-45

Jesus: "Ihr wisst, dass gesagt worden ist: 'Liebe deinen Nächsten' und hasse deinen Feind! Ich sage euch aber: Liebt eure Feinde! Betet für die, die euch verfolgen! So werdet ihr zu Kindern eures Vaters im Himmel. Denn er lässt seine Sonne aufgehen über bösen und über guten Menschen. Und er lässt es regnen auf gerechte und auf ungerechte Menschen."

Eine Anregung

Schirmdächer sind schön anzusehen, wenn auch nicht mehr besonders originell. Ich habe sie schon in verschiedenen Städten gesehen. Sie bringen Farbe in die Strassen und spenden Schatten. Das ist gemäss Pressemitteilung der Stadt Olten auch das Ziel: Die ästhetische "Beschattung der Kirchgasse im Sommerhalbjahr".

An den Dienstagen ist in Olten auch die Müllabfuhr mit ihrem High-Tech-Müllfahrzeug unterwegs. 700'000 Franken habe es gekostet. Unter dem Schirmbaldachin war es zum Zeitpunkt der Fotografie noch nicht vorbeigekommen. So ergabt sich diese Korrespondenz von gelben Müllsäcken unten mit den farbigen Schirmen oben. Wohl niemand würde sagen: Lasst doch die Müllsäcke noch etwas liegen, sie leuchten so schön gelb. Das Hässliche, auch wenn es eine schöne Fassade zeigt, das Schmutzige, auch wenn es gut verpackt ist, stört und muss weg.

Wir wollen es schön und sauber und gesund haben da bei uns. Doch der bergende Schatten fällt immer auf das ganze Leben in seiner Ambivalenz von gut und böse, von schön und schmutzig, von kitschig und ästhetisch. Unten leben wir wie auf einer unablässig sich ändernden, gesellschaftsformenden und ausschussproduzierenden Baustelle. Da tut es doch gut, dass Gott es in seiner Liebe auf Gute und Böse scheinen lässt, dass sein/ihr kühlender Schatten nicht nur den Sonnenverwöhnten und Artigen gilt, sondern allen, also auch den Junkies und der High Society.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Donnerstag, 30. Mai 2024

Stärke oder Schwäche

Ein Zitat

Ausschnitt aus der Werbung einer bekannten Brillenverkaufskette.
Foto © Jörg Niederer
"Schwäche zu zeigen ist ein Zeichen von wahrer Stärke." Herkunft unbekannt

Ein Bibelvers - 2. Korinther 12,9+10

"Aber der Herr hat zu mir gesagt: 'Du brauchst nicht mehr als meine Gnade. Denn meine Kraft kommt gerade in der Schwäche voll zur Geltung.' Ich will also gern stolz auf meine Schwäche sein. Dann kann sich an mir die Kraft von Christus zeigen."

Eine Anregung

"Sonnenbrillen in deiner Stärke"! Müsste das nicht "Sonnenbrille in deiner Schwäche" heissen? Schliesslich geht es ja bei der sogenannten "Stärke" um die Korrektur der individuellen Sehschwäche. Da wird also aus der Schwäche eine Stärke gemacht. Werbepsychologisch ist es natürlich viel besser, den Menschen nicht auf seine Schwäche anzusprechen, sondern ihm "Stärke" zu verkaufen.

In theologischer Hinsicht fällt mir da natürlich Paulus ein, dem sich die Vorteile seiner Schwachheit – vielleicht ja auch eine Augenkrankheit – im Verlauf der Zwiesprache mit Gott erschlossen haben. Das führte bei ihm zu einer irritierenden Aussage: "Ich will also gerne stolz auf meine Schwäche sein". Auch theologisch wird aus der Schwäche eine Stärke. Diese heisst: "Kraft von Christus".

"Gerne stolz sein auf meine Schwäche": Diese Aussage gibt mir heute zu denken.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Mittwoch, 29. Mai 2024

Vermooster Weg auf dem Waldfriedhof Meisenhard in Olten.

Ein Zitat

Vermooster Weg auf dem Waldfriedhof Meisenhard in Olten.
Foto © Jörg Niederer
"Niemand empfängt Segen nur für sich selbst." Friedrich von Bodelschwingh (1831-1910)

Ein Bibelvers - Matthäus 27,7

"Deshalb beschlossen sie: 'Wir kaufen von dem Geld den Acker des Töpfers. Dieser Acker soll als Friedhof für Fremde dienen."

Eine Anregung

Die Stimmung ist bezaubernd, morgens um 8 Uhr auf dem Waldfriedhof Meisenhard. Bei den Felsennischen mit ihren Urnengräbern wähnt man sich in einem verwunschenen Märchenwald. Moos bedeckt Mauern und selbst den gekiesten Weg. Durch die Blätter und Stämme der Bäume findet die Sonne einen seltenen Weg der Erleuchtung. Nur wenige Friedhofsbesucher sind um diese Zeit bei ihren lieben Verstorbenen.

Was man auf dem Bild nicht sieht: Die Geräuschkulisse der Fahrzeuge auf der nahen, vielbefahrenen Aarauerstrasse. Die Vögel in den Bäumen haben alle Mühe, das Brummen und Kreischen zu übersingen.

Schliesse ich die Augen, ist da nur noch Lärm. Öffne ich die Augen und blende den Lärm aus, ist da dieses beruhigende, erfrischende Grün. Zwei Seiten des Lebens. Da das Hoffnungsvolle, das Schöne, die Freude, die Ruhe; dort das Laute, das Zermürbende, das Hässliche, das Hoffnungslose.

Was bestimmt mein Leben mehr? Ist da ein Überfluss an Last und Not? Oder überwiegt der Segen? Ohne den in mein Leben inkarnierten Segen Gottes könnte ich wohl kaum hoffnungsfroh über den Friedhof Meisenhard gehen. Dass ich diesen Segen mit offenen Augen sehen darf, trotz all dem Schweren, ist ein besonderes Geschenk.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

 


Dienstag, 28. Mai 2024

In die Hand gezeichnet

Ein Zitat

Ein frisches Hennatattoo. Fertig ist es frühestens nach etwa 8 Stunden.
Foto © Jörg Niederer
"Dass das Ornament in der Architektur ist kein Verbrechen." Adolf Loos (1870-1933)

Ein Bibelvers - Hohelied 1,14

"Mein Liebster ist ein Zweig von Hennablüten, ein Wohlgeruch in den Weinbergen von En-Gedi."

Eine Anregung

Das, was im Hohelied als Henna übersetzt wird, wird im Hebräischen "kofær" genannt. Davon abgeleitet ist das griechische "küpros". Und das wiederum ist die Bezeichnung von Zypern. Deshalb wird die Hennapflanze auch Zypernblume genannt. Aus dieser Pflanze kann ein Pulver gewonnen werden, das mit Wasser angerührt eine bräunliche Masse bildet. Mit dieser Masse nun kann man vorübergehende Körperbemalungen erstellen. In verschiedenen nordafrikanischen Ländern und in Indien wird vor der Hochzeit der Braut mittels Hennapaste ein kunstvolles Handtattoo gezeichnet. Damit die Hennapaste die Haut für etwa drei Wochen färbt, braucht es Geduld. Etwa 8 Stunden bis 3 Tage muss die Paste einwirken.

Nach dem Familiengottesdienst zur Geschichte von der Hochzeit zu Kana (Johannes 2,1-11) gab es in der Methodistenkirche St. Gallen am vergangenen Sonntag einige Mutige, welche sich solche Hennabemalungen aufzeichnen liessen. So wie auf dem Foto sieht es anfänglich aus.

Auch zu Liebe und Hochzeit passt, dass die Blüten der Zypernblume bei der Parfümherstellung Verwendung finden. In Ägypten wurden sie in Leinen eingewickelt auch den Verstorbenen mitgegeben.

Mir gefallen diese Brauntöne auf der Haut. Auch das Ornamentale finde ich sehr passend. Kunst mit biblischem Bezug.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Montag, 27. Mai 2024

Schuhgedanken

Ein Zitat

Baby in Kinderwagen mit schönen, modischen Sonntagsschuhen.
Foto © Jörg Niederer
"Ich könnte es nicht ertragen, wenn jemand auf meine Schuhe schaut und sagt: 'Oh Gott! Sie sehen so bequem aus!'." Christian Louboutin (*1964), Französisch-ägyptischer Schuh- und Taschendesigner

Ein Bibelvers - Psalm 119,133

"Mach meine Schritte fest durch deine Verheissung und gib dem Unrecht keine Macht über mich!"

Eine Anregung

Es gibt sie noch, die Menschen, die am Sonntag besonders herausgeputzt und "gsonntiget" in den Gottesdienst kommen. So wie gestern am ukrainisch-schweizerischen Familiengottesdienst dieses Mädchen in besonders festlichen Schuhen steckte. 

Schuhe. Dem Schuster wird empfohlen, bei seinen Leisten zu bleiben. Seine Kundinnen und Kunden dagegen erobern in von ihm gefertigten Schuhen die Welt. Ich habe gelesen, dass bei jedem Schritt, den wir gehen, das Zwei- bis Dreifache unseres Körpergewichts auf die Füsse wirkt. Kein Wunder, ist da die Schuhwahl von grosser Bedeutung. Nicht immer ist schön auch bequem. Doch es gibt sie, die noch von Hand gefertigten, an den Fuss individuell angepassten, modisch zeitlosen und bequemen Schuhe. Dafür wird oft ein Vermögen ausgegeben. Imelda Marcos, die Frau des einstigen philippinischen Diktators, besass über eintausend Schuhe der Grüsse 39,5. In solchen Zusammenhängen redet man auch von Schuhfetischismus.

Gute Schuhe erleichtern das Leben ungemein. Ich denke jetzt besonders an das Servicepersonal, das oft die ganze Arbeitszeit auf den Beinen verbringt und so in ihren Schuhen lange Strecken zurücklegt.

Leider haben Schuhe auch die Eigenschaft, schmutzig zu werden. Da ich etwas schuhputzfaul bin, sehen meine Schuhe auch nicht immer besonders vorteilhaft aus. (Nach diesem Bekenntnis werden mir wohl die Gemeindeglieder besonders aufmerksam auf die Schuhe schauen.) Acht haben auf Füssen und Schuhen ist ja auch gar nicht so falsch. 

Zuletzt noch einige anregende Fragen rund um die Schuhe: In welchen Schuhen bist du heute unterwegs? Wohin tragen sie dich? Fühlst du dich wohl darin? Verursachen sie dir Schmerzen? (Schönheit, aber auch Dummheit, müsse leiden, sagt man.) Könntest du in den aktuellen Schuhen tanzen? Und warum tust du es dann nicht? Hast du deine Hochzeitsschuhe, deine Taufschuhe noch? Wie sähe ein Dankgebet für deine Schuhe aus?

Mögen deine Schuhe dich heute an segensreiche Orte tragen!

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Sonntag, 26. Mai 2024

Auf zum Fest für die ganze Familie

Ein Zitat

Allegorie zu Johannes 16,33: Die Kirche zwischen Unsicherheit und Angst. Glasfenster von Edy Werlen nach einem Entwurf von Walter Jüstrich in der Evangelischen Kirche Berneck.
Foto © Jörg Niederer
"Ein Heiliger, das ist ein Mensch, durch den die Sonne scheint." Kindermund im kirchlichen Unterricht

Ein Bibelvers - Johannes 16.33b

"In der Welt habt ihr Angst. Aber fasst Mut, ich habe die Welt besiegt!"

Eine Anregung

Die Glasfenster von zwei einheimischen Künstlern in der Evangelischen Kirche Berneck sind eindrücklich. Auf dem hier abgebildeten wird ein zentrales Wort von Jesus aus dem Johannesevangelium bildlich umgesetzt.

Auch im heutigen Familiengottesdienst in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen wird eine Geschichte von Jesus aus dem Johannesevangelium angeschaut, in der seine Vollmacht sichtbar wird. In diesem Gottesdienst werden zum ersten Mal die ukrainische Gemeinde und die Methodistengemeinde zusammen feiern. Und die Kinder stehen besonders im Zentrum. Aber auch musikalisch wird etwas geboten. Anschliessend gibt es Wurst und Bratkäse vom Grill, Kaffee und Kuchen sowie Kinderschminken, Henna-Handbemalung und Spiele mit attraktiven Preisen.

Wer dabei sein möchte, ist herzlich eingeladen ab 10.15 Uhr oder auch später zu einem bestimmt lebendigen und überraschenden Morgen in der Kirche an der Kapellenstrasse 6 in St. Gallen.

Den Flyer dazu gibt es hier!

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Samstag, 25. Mai 2024

Ins Leben kriechen

Ein Zitat

Wandfries vom Künstler Spigar am Bahnhofsgebäude Rheineck
Foto © Jörg Niederer
"Das Thema Mensch ist für mich so nah wie das Spiegelbild meiner selbst. Eigentlich ist das was ich male, ein Selbstbildnis in Situationen, da ich mich liebe und da ich mich hasse. Diese zwei Gegensätze zu harmonisieren ist meine Aufgabe und soll Ausdruck meiner Bilder sein." Norbert "Spigar" Spirig, (*1948) Rheinecker Künstler

Ein Bibelvers - Jesaja 51,12

"Gott sagt: Ich bin es, der dich tröstet. Wieso fürchtest du dich vor Menschen, die sterben und vergehen wie Gras?"

Eine Anregung

Gestern, auf dem Weg an eine Beisetzungsfeier in Berneck, fotografierte ich in Rheineck aus dem Zug heraus, da wo jeweils die Bergbahn nach Walzenhausen losfährt, ein Detail am historischen Bahnhofsgebäude, das mir so bisher noch nie aufgefallen ist. Da kriechen menschliche Gestalten der Flachdachkante entlang. Auf mich wirken sie wie Figuren aus einem Totentanz. Noch haben sie sich nicht in ihr Schicksal ergeben. Der Tanz des Lebens ist zwar zu Ende, die Unbeschwertheit ist dahin, aber solange man noch kriechen kann, besteht noch Hoffnung.

Oder ist das gar nicht so zu verstehen? Kriechen werdende Menschen hier dem Leben entgegen? Suchen sie einen Gebärausgang an die Sonne?

Geschaffen wurde der Wandfries vom bekannten Rheinecker Künstler Norbert "Spigar" Spirig im Jahr 1999. Im Internet lese ich, dass das Grundthema seiner Werke Ursprung und Tod des Menschen sei. Ich würde sagen, meine Interpretationsversuche des etwas versteckten Werks von Spigar passen. Es geht um den Menschen auf der Lebensreise zwischen Werden und Vergehen.

Nun kann es sein, dass du auf deiner Lebensreise gerade kriechen musst. Dann wünsche ich dir, dass sich der Raum um dich weitet, und dir die Möglichkeit gibt, dich wieder aufzurichten. Helfende Hände, wie bei den ersten Gehversuchen eines Babys, sind dir durch Gott, der uns Mutter und Vater, ja die uns alles ist, gewiss.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Freitag, 24. Mai 2024

Morgengebet

Ein Zitat

Morgenstimmung im Domviertel von St. Gallen.
Foto © Jörg Niederer
"Die Hoffnung des ganzen Jahres – der Frühling. Die Hoffnung des Tages – der Morgen." aus Japan

Ein Bibelvers - Markus 1,35

"Am Morgen, als es noch dunkel war, verließ Jesus die Stadt. Er ging an einen einsamen Ort und betete dort."

Eine Anregung

Morgenstimmungen sind oft voller Poesie. Der passende Moment für ein Morgengebet aus Syrien.

Beim aufgehenden Morgenlicht 

preisen wir dich,

guter Herr.

Du bist der Erlöser der ganzen Schöpfung.

Schenke uns in deiner Barmherzigkeit

einen Tag ganz erfüllt von deinem Frieden.

Vergib uns unsere Schuld.

Lass unsere Hoffnung nicht scheitern.

Erhalte uns in dir.

In deiner fürsorgenden Liebe trägst du uns allezeit

und heilst all unsere Wunden.

Lass nicht ab von uns, und verlass uns nicht,

barmherziger Gott.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen 

Donnerstag, 23. Mai 2024

Der Mitte, der Tiefe zu

Ein Zitat

Gewöhnlicher Wurmfarn.
Foto © Jörg Niederer
"Das Tiefste hat das kleinste Publikum." Theodor Fontane (1819-1898)

Ein Bibelvers - 2. Timotheus 3,15

"Und du kennst auch von klein auf die Heilige Schrift. Sie kann dir das nötige Verständnis vermitteln, damit du durch den Glauben an Christus Jesus gerettet wirst."

Eine Anregung

Ich folge gerne den Farnwedeln zur Mitte, in die Tiefe. Je näher ich diesem Zentrum kommt, desto gleichmässiger und zugleich faszettenreicher wird das Bild. Zuunterst findet sich ein dunkler Kreis, ein Schwarzes Loch, ein Ursprungsort, ein geheimnisvolles Nichts.

Ich folge gerne den Gedanken und Worten der Bibel zur Mitte, in die Tiefe. Je näher ich diesem Zentrum komme, desto gleichmässiger und zugleich faszettenreicher wird das Bild. Zuunterst findet sich eine nicht weiter zu ergründende Stelle, ein erster Gedanke, ein axiomatischer Raum, ein Ursprungsort, ein geheimnisvolles Alles.

Im Lesen und Nachdenken über biblischen Texten erschliesst sich mir dieses Wunder nicht einmal unter tausend, sondern immer wieder von Neuem. Als wäre die Bibel ein Wald voller Farnpflanzen, die mich je zur Mittel leiten, zu Gott.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Mittwoch, 22. Mai 2024

Die Abkehr von fossilen Energieträgern

Ein Zitat

Vor allem auf Wirtschafts- und Industriegebäuden gibt es noch viel Platz für Solaranlagen.
Foto © Jörg Niederer
"Wir sind aufgerufen, verantwortliche Haushalterschaft auszuüben und in richtiger Beziehung mit dem Schöpfer und mit der gesamten Schöpfung Gottes zu leben und nicht lediglich die Schöpfung so zu behandeln als ob sie der Menschheit nur zum Gebrauch und Konsum zur Verfügung gestellt wäre (Gen. 1:26–31; Matt. 6:26–30; Röm. 8:22–24)." Soziale Grundsätze der Evangelisch-methodistischen Kirche

Ein Bibelvers - 1. Mose 14,10a

"Das Tal Siddim aber war voller Asphaltgruben."

Eine Anregung

Zur geforderten Abkehr von fossilen Brennstoffen finden die Sozialen Grundsätzen der Evangelisch-methodistischen Kirche klare Worte. Dabei wird auch auf Wechselwirkungen geachtet. So könnte durch den Ausbau erneuerbarer Energien die Biodiversität noch weiter unter Druck geraten. Bei der wirtschaftlichen Umstrukturierung zu mehr Nachhaltigkeit kann es zu Arbeitsplatzverlust kommen. Beides muss in solidarischer und sozial sorgfältiger Weise aufgefangen werden.

Es folgt der entsprechende Auszug aus den Sozialen Grundsätzen:

C. Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen

Die Verbrennung fossiler Energieträger, einschließlich Kohle, Öl, und in einem geringeren Ausmaß Erdgas, ist zum größten Teil für den Anstieg an Treibhausgasen und der daraus folgenden Erwärmung der Erdatmosphäre verantwortlich. Um den derzeitigen Verlauf des globalen Klimawandels umzukehren, sind vermehrte Investitionen in Forschung, Entwicklung und Verbreitung von Alternativen zu fossilen Brennstoffen erforderlich. Dazu tragen nicht nur Solar-, Wind-, geothermische und wasserstoffbasierende Energiequellen bei.

Bei der weiteren Erforschung von Alternativen zu fossilen Brennstoffen ist es entscheidend, Situationen zu vermeiden, die gegenwärtige Probleme verschlimmern oder neue, unvorhergesehene Umweltherausforderungen schaffen. Eine Abhängigkeit von Nuklearenergie wirft zum Beispiel erhebliche Bedenken auf bezüglich der sicheren Lagerung von Sicherheitsbehältern und den darin befindlichen radioaktiven Abfällen.

In ähnlicher Weise können kürzliche Vorschläge zur Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen durch Geoengineering an der irdischen Biosphäre unvorhersehbare Nebenwirkungen und die weitere Destabilisierung der natürlichen Ökosysteme auslösen, von denen alles Leben abhängt.

Zwangsläufig wird die Umstellung von einer übermäßigen Abhängigkeit fossiler Brennstoffe negative Auswirkungen auf Einzelpersonen und Gemeinschaften haben, deren Lebensunterhalt noch immer stark von der Produktion, dem Verkauf und Vertrieb dieser Güter abhängt. Pläne für Entwicklung und Einsatz alternativer Energiequellen sollten weitestgehend negative finanzielle Auswirkungen minimieren. Dazu soll in Strategien investiert werden, welche Menschen beim erfolgreichen Berufswechsel unterstützen und die soziale Absicherung stärken, damit Betroffene beim Verlust von Arbeitsplatz und Einkommen nicht allein gelassen werden. Für diese Absicherung sollen Bildungs- und Umschulungsmöglichkeiten angeboten werden. 

Siehe zu diesem Teil der Sozialen Grundsätze auch die Beiträge vom 1. Mai 2024 und vom 20. Mai 2024!

 

(Anmerkung: Die Sozialen Grundsätze wurden in der hier verwendeten revidierten Version an der diesjährigen Generalkonferenz in Charlotte angenommen. Die vorläufige deutschsprachige Übersetzung der Sozialen Grundsätze hilft zwar beim Verstehen des englischen Originals, hat aber diverse sprachliche und orthografische Mängel. Diese versuche ich im von mir wiedergegebenen Text zu korrigieren. Es handelt sich also nicht um eine von den deutschsprachigen Zentralkonferenzen autorisierte Version.

Die Sozialen Grundsätze sind nicht kirchenrechtlich verbindlich, sondern als Anleitung zu einer im Glauben an Christus begründeten Lebensführung zu verstehen. Ihre Geschichte begann vor mehr als 110 Jahren mit dem ersten Sozialen Bekenntnis, das durch die Bischöfliche Methodistenkirche formuliert wurde.)

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Dienstag, 21. Mai 2024

Besungene Namen

Ein Zitat

Margeritenwiese
Foto © Jörg Niederer
"Alles am Schlager ist echt, weil es so wunderschön falsch ist." Kurt Tucholsky (1890-1935)

Ein Bibelvers - Psalm 28,7

"Der Herr ist mein Schutz und mein Schild. Ihm vertraute ich in meinem Herzen – und mir wurde geholfen. Jetzt jubelt mein Herz vor Freude. Mit meinem Lied will ich ihm danken."

Eine Anregung

Gibt es wohl Frauennamen, die nicht besungen wurden oder besungen werden? Da will einer mit Liselotte auf die Wiese gehen, ein anderer besingt die Barbara mit ihrem schwarzen Haar, selbst das schielende Lotti hat ein Lied und s'Käthi, das nach Toblerone riecht. Auch von Rosamunde wird geträllert. Gut, dass da auch die Männer schlagermusikalisch ihr Fett abbekommen, etwa jener Theo, dessen Partnerin nach Lodz will, oder ein gewisser Dschingis Khan, Kriegsheld von Beruf. Auch der Hansjakobli ist zu nennen, der sich mit seinem Babettli auf und unter dem Taburettli vergnügt.

Ein berühmter Schweizer Klassiker ist da auch das Margritlilied. Im Film "S'Margritli und d'Soldate" aus dem Jahr 1940 wurde es interpretiert durch die damals bekannten Geschwister Schmid und einem gewissen Teddy Stauffer. Da ich heute familiär unterwegs bin, und jemand aus meiner Familie den Namen Margrit trägt, soll dieses Lied hier auch verlinkt sein. Einmal im Original und dann interpretiert von der Obwaldner Huismuisig und den Geschwister Rymann

Wie steht es mit deinem Namen? Findet er sich auch schon in Liedern? Meiner ist tatsächlich mehrfach verarbeitet, etwa im Song: "Onkel Jörg hat einen Bauernhof, i-a-i-a-o". Naja!

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Montag, 20. Mai 2024

Die Methodistenkirche und der Klimawandel

Ein Zitat

Mit einem selbstgebastelten Klima-Schriftzug auf der Windschutzscheibe ist es definitiv nicht getan. Occasions-Autohandel im Jahr 2011.
Foto © Jörg Niederer
"Wir bekräftigen, dass die gesamte Schöpfung Gott gehört und eine Manifestation von Gottes Güte und Fürsorge ist." Soziale Grundsätze der Evangelisch-methodistischen Kirche

Ein Bibelvers - Hiob 6,18

"Karawanen verlassen den Weg, um Wasser zu suchen. Sie ziehen hinein in die Wüste und kommen um."

Eine Anregung

Der Abschnitt zur durch fossile Brennstoffe verursachten Klimaerwärmung in den neuen Sozialen Grundsätzen der Evangelisch-methodistischen Kirche ist denkbar kurz. So angenommen wurde der Text an der diesjährigen Generalkonferenz in Charlotte. Viel muss zu dieser grössten Gefährdung der Biosphäre auch nicht gesagt werden. Die Sachlage ist wissenschaftlich mehr als hinreichend erforscht. Die Folgen sind spürbar. Nun müssen alle darauf hinarbeiten, die Globale Erwärmung vorerst zu stoppen. Auch Kirchen und Glaubende sind in der Pflicht. Mein Eindruck ist, dass die religiösen Gemeinschaften da durchaus noch etwas mehr geistgewirkte Dynamik brauchen könnten.
Es folgt nun der Auszug aus den Sozialen Grundsätzen: 

B. Globale Erwärmung und Klimawandel

Globale Erwärmung und Klimawandel schaffen bereits heute extreme Bedingungen, die das ganze Leben auf der Erde gefährden. Überindustrialisierung, weit verbreitete Abholzung sowie die übermäßige Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen sind nur einige der menschlichen Handlungen, die zur Erhöhung von Treibhausgasen wie Kohlendioxid, Methan und Stickoxid in der Erdatmosphäre beigetragen haben.

Ein drastischer Anstieg von Treibhausgasen in den letzten Jahrzehnten hat bereits zu einer stetigen Erhöhung des Meeresspiegels geführt, zu zunehmender Übersäuerung der Weltmeere, zu häufiger auftretender Trockenheit und zu Hungersnöten, sowie zu vermehrt auftretenden extremen Wetterereignissen. Klimaforschende warnen, dass der zeitliche Spielraum zur Abwendung der negativen Auswirkungen der globalen Erwärmung und des Klimawandels schon bald endet. Ohne gemeinsames Vorgehen durch Einzelpersonen, Kirchen, Gemeinden, Aktionäre, Betriebe, Regierungen und internationale Organisationen werden die negativen Auswirkungen irreversibel werden. 


(Anmerkung: Die vorläufige deutschsprachige Übersetzung der Sozialen Grundsätze hilft zwar beim Verstehen des englischen Originals, hat aber diverse sprachliche und orthografische Mängel. Diese versuche ich im von mir wiedergegebenen Text zu korrigieren. Es handelt sich also nicht um eine von den deutschsprachigen Zentralkonferenzen autorisierte Version.

Die Sozialen Grundsätze sind nicht kirchenrechtlich verbindlich, sondern als Anleitung zu einer im Glauben an Christus begründeten Lebensführung zu verstehen. Ihre Geschichte begann vor mehr als 110 Jahren mit dem ersten Sozialen Bekenntnis, das durch die Bischöfliche Methodistenkirche formuliert wurde.)

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Sonntag, 19. Mai 2024

Erfüllende Begeisterung

Ein Zitat

Foto © Jörg Niederer
"Gott ist meist grosszügiger, als wir Menschen es für erlaubt halten."

Ein Bibelvers - Apostelgeschichte 10,44

"Petrus hatte seine Rede noch nicht beendet, da kam der Heilige Geist auf alle seine Zuhörer herab."

Eine Anregung

Auch diesen Sonntag gibt es ein langes Bild und einen kurzen Text. Das Glasfenster in der Kirche Gottlieben vom Künstler Werner Eberli, es stellt die Endzeit und Neuschöpfung durch Gott dar, enthält gleich zweimal, je nach Betrachtungsweise sogar dreimal eine Taube, einmal in betonter Darstellungsweise des Heiligen Geistes. Ich finde, das passt zu Pfingsten.

Pfingsten ist auch eine wunderbare Möglichkeit, den Gottesdienst irgendwo auf der Welt zu besuchen. Ich wünsche uns allen erfüllende Begeisterung!

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Samstag, 18. Mai 2024

Wenn Freikirchler Freikirchen bashen

Ein Zitat

Frauenfeld - Blick zur Altstadt mit seinen markanten Kirchen.
Foto © Jörg Niederer
"Im Wesentlichen Einheit, in allem Anderen Freiheit, über allem die Liebe." John Wesley

Ein Bibelvers - Psalm 120,7

"Ich möchte doch nur in Frieden leben. Aber was ich auch sage, sie wollen Krieg."

Eine Anregung

Mit der VIVA Kirche (früher Chrischona) arbeiten wir von der Evangelisch-methodistischen Kirche etwa in der Evangelischen Allianz zusammen. Persönliche Begegnungen bei den Treffen der Pfarrpersonen und Pastoren in Weinfelden und St. Gallen unterstreichen das gute herzliche Miteinander. Umso mehr irritiert es, wenn zwei Vertreter der VIVA Kirche, die erst noch am selben Ort wohnen wie ich, in Frauenfeld, in einem Blogbeitrag mit der Überschrift: "Progressive Übernahme – ein Kommentar zur Generalkonferenz der Methodisten" ein wahres Freikirchenbashing (bashing = schlechtmachen, fertigmachen) betreiben. Dem Text ist abzuspüren, dass die beiden Brüder Paul und Peter Bruderer wohl vor Veröffentlichung des Beitrags nicht das Gespräch gesucht haben mit verantwortlichen Personen aus der Evangelisch-methodistischen Kirche (zumindest nicht mit solchen, welche ihre vorgefasste Meinung nicht teilen). Das wäre aus meiner Sicht ein erster Schritt gewesen, den jemand, der sich aus christlicher Motivation ernsthaft sorgt über die Entwicklung einer anderen Kirche, getan hätte. Solche Gespräche hätten beigetragen, die Einordnung der Generalkonferenz und ihrer Beschlüsse besser zu verstehen. Was die beiden Brüder zusammentragen, ist sicher nicht sinnlos, aber eben auch nicht sinnvoll, es ist leider in schlechter Weise halbsinnig. Das ist besonders perfide, weil dabei die sinnvollen Teile den sinnlosen oder auch einfach falschen Aussagen das Mäntelchen der Wahrheit überstreifen.

Genau solches Vorgehen von einigen Lobbygruppierungen auf der weit konservativen aber auch liberalsten Seite der Evangelisch-methodistischen Kirche haben die Verhandlungen und den Austausch an früheren Generalkonferenzen vergiftet. Ja, es gab Streit in der EMK, da haben die Brüder Bruderer recht. Und im Gefolge dieses Streits wurde an der ausserordentlichen Generalkonferenz 2019 eine Gesetzlichkeit von einer 3/5-Mehrheit eingeführt, welche es wohl vielen christusliebenden Methodistinnen und Methodisten aus allen Lagern unmöglich gemacht hätte, weiter in dieser Kirche zu bleiben. Dass die nachfolgende Trennung vieler Gemeinden von der Evangelisch-methodistischen Kirche in gegenseitigen Respekt so vereinbart wurde, von all dem liest man nichts im Beitrag der beiden Blogger. Dafür wird ein Schreiben einer afrikanischen Minderheitengruppe extra übersetzt. An der Generalkonferenz habe gerade 1/3 der afrikanischen Delegierten dieses Schreiben unterstützt. Die anderen afrikanischen Delegierten waren sich wohl bewusst, dass die Entscheide der diesjährigen Generalkonferenz ihre traditionelle Haltung schützen, und in Fragen der menschlichen Sexualität und beim Eheverständnis keinen Kadavergehorsam im Sinn einer Regenbogenkirche verlangen. Wenn aber mindestens die Hälfte einer Kirche keine Regenbogenkirche sein muss, wie kann da schon im ersten Satz des Bruderer-Beitrags behauptet werden: "Die weltweite Methodistische Kirche ist vergangene Woche zu einer Regenbogenkirche mutiert". Falls aber mit Regenbogenkirche gemeint ist, dass bei Gott und in der Evangelisch-methodistischen Kirche wirklich alle Menschen willkommen sind, ohne Ausnahme und ohne Ansehen der Person, ganz im Sinn des Regenbogens in der Noah-Geschichte als Friedenszeichen Gottes über allen Geschöpfen, dann hoffe ich, dass nicht nur meine Kirche, sondern jede christliche Gemeinschaft eine Regenbogenkirche ist.

Schade, die beiden Mitchristen Paul und Peter Bruderer von der VIVA-Kirche haben mit ihrer unausgegorenen Analyse der Generalkonferenz eines getan: Methodistinnen- und Methodistenbashing. Aber wer weiss, vielleicht gibt es ja irgendeinmal eine Entschuldigung, wenn auch nicht zum Inhalt, so wenigsten über das mich persönlich verletzende, wenig geschwisterliche Vorgehen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Freitag, 17. Mai 2024

Unscheinbar

Ein Zitat

Gartengrasmücke beim Strandbad Triboltingen.
Foto © Jörg Niederer
"Wer die unscheinbaren Dinge im Leben schätzt, ist dem wahrhaftigen Glück am nächsten." Hubert Joost (*1939), Steuerberater im Ruhestand

Ein Bibelvers - Lukas 17,10

"So soll es auch bei euch sein: Wenn ihr alles getan habt, womit euch Gott beauftragt hat, dann sagt: 'Wir sind Knechte, weiter nichts. Wir haben nur unsere Pflicht getan.'"

Eine Anregung

Unscheinbarkeit ist ihr Merkmal. Die Gartengrasmücke fällt nicht gross auf, und sieht gewöhnlich aus. Ein Allerweltsvogel. Irgendwie schafft sie es, bei uns zu sein, ohne dass wir sie sofort sehen. Singen kann sie aber eindrücklich und anhaltend, und, wie es ein befreundeter Ornithologe sagte, im Unterschied zur Mönchsgrasmücke mit französisch anmutendem Singsang.

Scheinbar oder Unscheinbar? Wie soll meine Präsenz in dieser Welt sein? Bescheiden dem Schuster gleich bei meinen Leisten bleiben? In der unaufgeregten Stille des Alltags wirken? Sich nicht aus dem Fenster lehnen? Der Öffentlichkeit aus dem Weg gehen? Publikumsscheu sich davonstehlen?

Heute singe ich der guten Bürgerlichkeit ein Lied. Wie gut, dass wir nicht alle Stars sein müssen, nicht alle aus dem Rahmen fallen müssen, nicht alle Paradiesvögel auf der grossen Bühne sein müssen. Wie gut, dass wir unsere Leistungen nicht in den Himmel loben müssen, unser Können leise getan werden darf.

Wie bei der Gartengrasmücke. Unscheinbar flirtet sie nicht mit der Kamera. Auch wenn sie weitgereist ist, bis nach Namibia und wieder zurück und viel zu erzählen wüsste.

Wie gut, gibt es die Gartengrasmücke. Wie gut, gibt es dich und mich.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Donnerstag, 16. Mai 2024

Jammerpsalm

Ein Zitat

Trauer-Rosenkäfer und Honigbiene auf Wiesen-Witwenblume.
Foto © Jörg Niederer
"Ha nüt geschlafen letzte Nacht. Danke." WhatsApp-Nachricht an mich.

Ein Bibelvers - Psalm 23,4

"Und muss ich durch ein finsteres Tal, fürchte ich kein Unglück. Denn du bist an meiner Seite! Dein Stock und dein Stab schützen und trösten mich."

Eine Anregung

Mir ist gerade nicht ums jubeln. Also jammere ich. Nicht ohne Hoffnung. Und doch auch ziemlich hoffnungslos. Also wenn du gerade Aufmunterung brauchst, liest du besser nicht weiter. Ich bin heute weit entfernt von hoffnungsvollen Gedanken.


Diese Nacht findet kein Ende.

Schuldgefühle häckseln meine Ausflüchte klein.

"Es ist zu spät." Ein Satz den es nicht geben dürfte.

Der Trauer-Rosenkäfer, hätte ich ihm nur geglaubt.

"Und ob ich schon wandere im finsteren Tal..."

Höhnender Konjunktiv. Da ist finsterer, nicht endender Abgrund.

Wut. Wo haben wir einander verloren?

Wo bist du mir, wo bin ich dir entglitten?

Warum hast du mich zum Todesboten verdammt?

Wie soll ich das nur weitersagen? 


Ich buchstabiere deinen Namen.

"Sollt ich meines Bruder Hüter sein?"

Mein Versagen, in ewig bittere Worte gefasst. 


Schöne Reime. Hässlich sollten sie sein.

Zelebriere ich jetzt mein Selbstmitleid?

Kleide ich die Trauer in Hochzeitsgewänder?

Weinerliche Rechtfertigungen.

Nichtgesagtes pflastert die Seele zu.

"Wie ist mir leid um dich..."


Das Leben geht weiter, sagt die Vernunft,

und ist im Bruchteil eines Nichts

liegen geblieben.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen 

Mittwoch, 15. Mai 2024

Körperlich beten und entspannen

Ein Zitat

Susanne John entspannt sich in einer Kaffeepause im Teich der Propstei Wislikofen.
Foto © Jörg Niederer
"Man schreit ja nie die Haustiere an. Dann sind es wohl doch eher der Ehemann und die Kinder." Susanne John

Ein Bibelvers - Psalm 23,5b+6

"Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein. Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar."

Eine Anregung

Susanne John hat sich in Körper-Themen weitergebildet, nachdem sie als Musikerin mit allen Facetten von Stress, Druck und Schmerz konfrontiert war und durch eine chronische Krankheit Zeiten grosser Erschöpfung erlebte. Ihr Angebote reicht von Progressiver Muskelentspannung über Autogenem Training nach den Vorgaben der Schulmedizin bis zur Spiraldynamik. Am gestrigen Tag leitete Susanne John in bewusst christlicher Weise die Teilnehmenden an der Pfarrweiterbildung der Evangelisch-methodistischen Kirche an in Progressiver Muskelentspannung. Das Ziel dabei war programmatisch: "Körperglück". So nennt sie ihr Atelier für Entspannung.

Unter dem Thema "Körperlichkeit und Kontemplation" beteten die Teilnehmenden durch den Tag hindurch immer wieder den Psalm 23 in bewusst körperlicher Weise. Auch die Achtsamkeitsmeditation wurde eingeübt und eine Schokoladen-Meditation für alle Sinne.

Einige Zitate aus den theoretischen Blöcken können vielleicht auch andere zu Nachdenken und mehr Körperbewusstsein verhelfen.

"Wir sind oft im Kopf, und versuchen in den Körper zu kommen."

"Ich bin der Tempel Gottes. Gott wohnt in mir."

"Gott wohnt in meinem zerbrechlichen Gefäss. Das ist eine Auszeichnung."

"Wir leben in einer körperhüllenfixierten Gesellschaft. Zugleich ist diese Gesellschaft merkwürdig körperlos."

"Es geht darum, den Körper zu entfalten."

"Das Ziel ist die Kongruenz von Gefühl und Körper."

"Wir lassen das Gebet in den eigenen Körper, die eigenen Zellen fliessen."

"Nutzen wir den vorhandenen Hormoncocktail zur Entspannung."

"Entspannung ist ein angenehmer Zustand, der auch messbar ist. Entspannung muss kultiviert werden. Nur was wir üben, das können wir."

"Ich finde es sehr schwer, nichts erreichen zu wollen."

"Reserviere dir Zeit, ohne Handyklingeln, ohne Optimierung deiner selbst."

"Wenn psychische Anspannung zu körperlicher Anspannung führt, kann körperliche Entspannung auch zu psychischer Entspannung führen."

Nach diesen Aussagen von Susanne John zuletzt noch eine Zitat aus anderer Quelle: "Es gibt vielleicht kein allgemeineres Heilmittel als Ruhe." Edmund Jacobson (1888-1983)

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Dienstag, 14. Mai 2024

Spiritualität und Körperlichkeit in der Aargauer Pampa

Ein Zitat

Sarah Staub liest aus ihren Texten.
Foto © Jörg Niederer
"'Wenn Sie hinter sich Hufgetrappel hören, erwarten Sie nicht, ein Zebra zu sehen.' Im Kontext bedeutet dieser Rat, dass die zukünftigen Ärzt*innen in ihrem Berufsalltag nach den häufigeren und üblicheren, nicht nach den überraschenden Diagnosen suchen sollten. Seit Kurzem weiss ich, dass ich 'ein Zebra'." Sarah Staub in einem Text auf RefLab

Ein Bibelvers - Lukas 24,38-40

"Jesus sagte zu ihnen: 'Warum seid ihr so erschrocken? Und warum zweifelt ihr in euren Herzen? Ich bin es wirklich: Seht meine Hände und Füße an. Fasst mich an und überzeugt euch selbst – ein Geist hat weder Fleisch noch Knochen, wie ihr sie bei mir sehen könnt.' Während er das sagte, zeigte er ihnen seine Hände und Füße."

Eine Anregung

"Willkommen in der aargauischen Pampa." So begrüsste gestern Pfarrer Thomas Matter die Angereisten zum Weiterbildungsanlass für Pfarrpersonen der Evangelisch-methodistischen Kirche in der Propstei Wislikofen.

Das kommt mir in den Sinn heute Morgen, während der Girlitz sein heiseres Lied singt vor meiner Suite. Vom Wald her meldet sich der Schwarzspecht. Ackerfelder wechseln sich ab mit Wiesen und Fruchtfeldern. Die Sonne kämpft sich über den Hügel langsam hinab zu den Häusern, die sich ums Bildungszentrum herum gruppieren. Ich höre eine Kuh muhen. Auch der Stiglitz singt sein Lied und der Hausrotschwanz, den ich gestern schon hörte. Die Rauchschwalben fliegen noch nicht, auch nicht die Mauersegler. Ein Rotmilan, den Kopf wie zum Gebet gesenkt schwebt langsam über den Baum, in dem der Girlitz verstummt. Eine Frau hat ihr Auto auf ein Parkfeld gestellt, raucht bei laufendem Motor eine Zigarette, bis nach etwa 10 Minuten eine weitere Frau heraneilt und ins Auto steigt. Sie fahren los, wohl zur Arbeit. Ein Mann mit schwarzem Hund dokumentiert den Spaziergang mit seinem Handy. Ein anderer, älterer Herr mit Hosenträgern fotografiert eine dieser Gelben Walzmaschinen, wie sie im Baugewerbe zum Einsatz kommen.

Mein Zimmer in der Propstei ist ohne Fernseher, dafür hat es ein Himmelbett. Der Rotwein, den wir gestern zu Viert getrunken haben, erinnert mit seinem Namen an ein anderes Koster, das Kloster Sion in Klingnau. Sowohl die Propstei Wislikofen wie auch das Kloster Sion waren einige Zeit lang vom Kloster St. Blasien im Südschwarzwald abhängig. Beide Klöster wurden etwa zur gleichen Zeit im Prozess der Säkularisierung um 1807-1810 aufgehoben. Genauso wie auch das Mutterkloster St. Blasien. Säkularisierung - das gab es also schon vor 200 Jahren.

Heute ist die Propstei wieder eine kirchliche Einrichtung, ein Bildungszentrum der Römisch-katholischen Kirche. In diesen Tagen beschäftigen wir uns mit Körperlichkeit und Spiritualität. Begonnen hatte es gestern Abend mit einer Lesung von Sarah Staub. Sie lebt, so sagt sie selbst, mit einer "Behinderung", die von einem Gendefekt herrührt, dem Ehlers Danlos Syndrom. Zwei ihrer gelesenen Texte können bei Reflab gefunden werden. Einmal "Der behinderte Gott" und dann "Das Therapiebad, meine Kirche".

Probstei Wislikofen, Aargauer Pampa, Körperlichkeit; mal schauen, ob der Ort für mich zu einem Therapiebad wird für Leib, Seele und Geist.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Montag, 13. Mai 2024

Menschenwürde für Flüchtende

Ein Zitat

Stürmische Brandung an der türkischen Mittelmeerküste.
Foto © Jörg Niederer

"'Liebe ist des Gesetzes Erfüllung, das Ziel der Unterweisung.' Grossartiges wird über die Liebe gesagt: Sie ist das Wesen, der Geist, das Leben aller Tugend. Sie ist nicht nur das erste und grosse Gebot, sondern sie ist alle Gebote in einem. 'Was gerecht ist, was rein ist, was liebenswert oder ehrenwert ist; sei es eine Tugend oder ein Lob,' das alles ist eingefasst in dieses eine Wort — Liebe."
John Wesley in der Lehrpredigt "Die Beschneidung des Herzens"

Ein Bibelvers - 1. Mose 12,10

"Im Land Kanaan brach eine Hungersnot aus. Da zog Abram nach Ägypten, um sich dort als Fremder niederzulassen. Denn die Hungersnot lastete schwer auf dem Land."

Eine Anregung

Gestern habe ich den Bericht von einem Mann gesehen, der sich bei der Bewältigung von Krisen ausgezeichnet hat, insbesondere bei der Rettung von Flüchtenden über das Mittelmeer. Dieser Mann beschrieb, wie er sich vor der Möglichkeit fürchtete, Menschen, etwa Kindern zu begegnen, die vor seinen Augen ertrinken, ohne dass er würde helfen können. Da habe ich mir gedacht, ich lese einmal, was die neuen Sozialen Grundsätze über den Umgang mit Flüchtenden sagen. Sie wurden an der diesjährigen Generalkonferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche in Charlotte angenommenen.

Die vorläufige deutschsprachige Übersetzung der Sozialen Grundsätze hilft zwar beim Verstehen des englischen Originals, hat aber diverse sprachliche und orthografische Mängel. Diese versuche ich im von mir wiedergegebenen Text zu korrigieren. Es handelt sich also nicht um eine von den deutschsprachigen Zentralkonferenzen autorisierte Version.


Grundrechte und Freiheiten

G. Migranten, Immigranten und Flüchtlinge

Wir bekräftigen die Würde, den Wert und die Rechte von Migranten, Immigranten und Flüchtlingen, einschließlich vertriebener und staatenloser Menschen. Wir stellen fest, dass die Welt heute mit einer noch nie dagewesenen Krise hinsichtlich der Vertreibung einer sehr grossen Zahl von Menschen konfrontiert ist. Die Gründe sind fortwährende Kriege und weiterer Feindseligkeiten, ausländische Interventionen, weitverbreitete Hungersnöte, die globale Erwärmung und der Klimawandel sowie das Versagen von Nationalstaaten, ihre Bevölkerung ausreichend zu schützen und für sie zu sorgen.

Wir sind uns bewusst, dass vertriebene Menschen besonders gefährdet sind, da ihnen ihr Übergangsstatus oft nur wenig Schutz und Vorteil bietet und sie so Ausbeutung, Gewalt und Misshandlungen ausgesetzt sind. Wir fordern Methodistinnen und Methodisten auf, Flüchtlinge, Migranten und Immigranten in ihren Gemeinden willkommen zu heißen und sich zu verpflichten, ihnen konkrete Unterstützung anzubieten, einschließlich der Hilfestellung bei der Bewältigung restriktiver und oft langwieriger Immigrationsverfahren, sowie ihnen beizustehen bei der Sicherstellung der Lebensmittelversorgung, Unterkunft, Ausbildung, Arbeit und mit weiteren Formen der Unterstützung. 

Wir lehnen alle Gesetze und Massnahmen ab, die versuchen, vertriebene Menschen und Familien aufgrund ihres Status als Migranten, Immigranten und Flüchtlinge zu kriminalisieren, zu entmenschlichen oder zu bestrafen. Darüber hinaus verurteilen wir Versuche, vertriebene Menschen zu inhaftieren und sie unter unmenschlichen und unhygienischen Bedingungen festzuhalten. Wir wenden uns gegen Richtlinien, welche Familien auseinanderreissen, besonders indem Eltern von ihren minderjährigen Kindern getrennt werden, und wir lehnen profitorientierte Gefangenenlager für solche Zwecke ab.


Wer sich für Flüchtlinge einsetzen möchte, kann in St. Gallen und anderen Städten zum Beispiel an der Aktion "Beim Namen nennen" mitwirken. Sie findet vom 8. bis 9. Juni statt. Dabei wird an all die Menschen erinnert, denen auf der Flucht über das Meer das Leben genommen wurde. Weiter kann auch eine Petition an den Bundesrat unterschrieben werden. Ein Übersichtsflyer steht auch zur Verfügung. 

Übrigens: Die Sozialen Grundsätze sind in keiner Weise rechtlich verbindlich, sondern als Anleitung zu einer im Glauben an Christus begründeten Lebensführung zu verstehen. Ihre Geschichte begann vor mehr als 100 Jahren mit dem ersten Sozialen Bekenntnis, das durch die Bischöfliche Methodistenkirche formuliert wurde.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Sonntag, 12. Mai 2024

Umkehren

Ein Zitat

Glasfenster vom Künstler Werner Eberli in der Kirche Gottlieben. Das Fenster stellt Szenen der Offenbarung dar.
Foto © Jörg Niederer
"Der Lebenswandel folgt dem Sinneswandel."

Ein Bibelvers - Matthäus 4,17

"Von da an verkündete Jesus: ‘Kehrt um! Denn das Himmelreich kommt jetzt den Menschen nahe.’"

Eine Anregung

Sonntag. Dazu gibt es ein langes Bild und einen kurzen Text. Anders als auf dem Glasfenster in der Kirche Gottlieben vom Künstler Werner Eberli geht es in der heutigen Predigt in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen nicht um die Endzeit und die Offenbarung, sondern um das, was ein Navigationsgerät üblicherweise mit "Bitte wenden" formuliert. Ausnahmsweise beginnt dieser Gottesdienst schon um 09.15 Uhr an der Kapellenstrasse 6. Dorthin sind alle Interessierten herzlich eingeladen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Samstag, 11. Mai 2024

Schöpfung in Gefahr

Ein Zitat

Raupe des Kleinen Frostspanners.
Foto © Jörg Niederer
"Die wichtige Lektion, die unser gepriesener Herr uns an dieser Stelle einschärfen will … besteht darin: Gott ist in allem und wir sollen den Schöpfer im Spiegel jedes Geschöpfes sehen; wir sollen nichts als von Gott getrennt gebrauchen und betrachten … der die ganze Schöpfung durchdringt und in Bewegung setzt und in wahrem Sinne die Seele des Weltalls ist." Zitat von John Wesley aus der Lehrpredigt "Über die Bergpredigt unseres Herrn"

Ein Bibelvers - Psalm 52,10

"Ich aber bin wie ein Ölbaum, der in Gottes Haus grünt und blüht. Alle Zeit vertraue ich auf Gottes Güte."

Eine Anregung

Ich nehme einen weiteren Text auf aus den neu revidierten und von der Generalkonferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche in Charlotte angenommenen Sozialen Grundsätzen (Siehe Beitrag vom 8. Mai).

Die vorläufige deutschsprachige Übersetzung der Sozialen Grundsätze hilft zwar beim Verstehen des englischen Originals, hat aber diverse sprachliche und orthografische Mängel. Diese versuche ich im von mir wiedergegebenen Text zu korrigieren. Es handelt sich also nicht um eine von den deutschsprachigen Zentralkonferenzen autorisierte Version.

Schöpfung in Gefahr

Wir anerkennen, dass nicht nachhaltige menschliche Handlungen die ganze Schöpfung Gottes in Gefahr gebracht haben. Außerdem bekennen wir, dass durch Abbau und massive Zerstörung die natürliche Umwelt von nie dagewesenem Schaden bedroht ist, was sowohl menschliches wie auch nichtmenschliches Leben in Gefahr bringt. 

A. Zerstörung von Ökosystemen

Wir sind, ob wir Menschen uns dessen bewusst sind oder nicht, Teilnehmende an und Empfangende von komplexen natürlichen Ökosystemen, die sich aus unzähligen symbiotischen Beziehungen von lebenden Organismen wie Tieren, Pflanzen, Insekten und Mikroorganismen sowie der physischen Umgebung, in der sie leben, einschließlich Luft, Wasser und Erde, zusammensetzen.

Überkonsum, kurzsichtige politische Maßnahmen, schlechtes Management von Naturschätzen, und andere untragbare Praktiken haben die verletzlichen, natürlichen Ökosysteme, von denen das gesamte Leben abhängt, schwer beeinträchtigt. Zu oft hat die Menschheit die verbliebene, geschaffenen Welt so behandelt, als ob man sie nach Gebrauch wegwerfen könnte. Zugleich ließ sie die Zerstörung von anderen lebenden Organismen und deren natürlichen Lebensräumen unkontrolliert zu. Außerdem wurden die Erfahrungen und Wortmeldungen der am meisten gefährdeten Menschen weitgehend ignoriert. 

Bemerkung: Die Sozialen Grundsätze werden nicht als rechtlich verbindlich angesehen, sondern als Anleitung zu einer im Glauben an Christus begründeten Lebensführung. Ihre Geschichte begann vor mehr als 100 Jahren mit dem ersten Sozialen Bekenntnis, das durch die Bischöfliche Methodistenkirche formuliert wurde.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen