Mittwoch, 7. Mai 2025

Rauchzeichen

Ein Zitat

Schwarzer Rauch steigt aus dem Kamin einer Dampflokomotive.
Foto © Jörg Niederer
"Mein Bruder wird bestimmt nicht Papst." Georg Ratzinger (1924–2020) über seinen Bruder, den späteren Papst Benedikt XVI.

Ein Bibelvers - Offenbarung 15,8

"Da füllte sich der Tempel mit dem Rauch, der von Gottes Herrlichkeit und Macht ausging. Niemand konnte in den Tempel hineingehen, bis die sieben Plagen der sieben Engel zu Ende waren."

Eine Anregung

Rauchzeichen werden heute im Verlauf des Abends erwartet. Sie kommen aus der Sixtinischen Kapelle, in der sich die Kardinäle zur Wahl des neuen Papstes versammeln. Schwarzer Rauch, wie er zum Beispiel auch bei Dampflokomotiven beobachtet werden kann, bedeutet, dass die Wahl nicht zustande gekommen ist. Weisser Rauch besagt, dass der Papst erfolgreich gewählt worden ist.

Heute wird es kaum schon soweit sein. Was wir aber sicher wissen dürfen, und es stimmt bestimmt viele Menschen froh: Der aktuelle Präsident der Vereinigten Staaten hat bei dieser Wahl garantiert keine Chance. Vermutlich weiss er das auch, aber sicher kann man bei ihm ja nie sein.

Beten wir, dass die Wahl gelingen möge und der neue Papst die richtigen weiteren Schritte einleiten wird zur Erneuerung der Kirche. Ich wünsche mir noch zu meinem Lebzeiten eine Päpstin. Jedoch allzu optimistisch bin ich nicht.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Dienstag, 6. Mai 2025

Rapsfeld und Krieg

Ein Zitat

Ein Rapsfeld unter blauem Himmel beim Nussbaumersee steht in voller Blüte.
Foto © Jörg Niederer
"Selten ist in Europa überall Frieden, und nie geht der Krieg in den anderen Weltteilen aus." Carl von Clausewitz (1780-1831)

Ein Bibelvers - 2. Petrus 1,2

"Ich wünsche euch Gnade und Frieden in immer größerem Mass. Sie werden euch zuteil durch die Erkenntnis Gottes und unseres Herrn Jesus."

Eine Anregung

Früher dachte ich mir nicht viel, wenn ich ein blühendes Rapsfeld unter blauem Himmel betrachtete. Heute kommt mir unweigerlich die Ukraine in den Sinn, und damit der Krieg, die Angst der Menschen in den Städten und an den Frontlinien. Ich denke an Schmerzen und Tod, an Gewalt und Zerstörung. Ich sehe vor dem inneren Auge Menschen, die dieses Elende verursacht haben, und deren Namen ich nicht nennen will; aber auch Freunde und Bekannte auf der Flucht und im Exil.

Wann wohl werde ich bei dieser Orgie in Gelb und Blau wieder unbeschwert dankbar sein können?

Beten wir für Frieden auf der ganzen Welt! Suchen wir den Frieden, wo immer er sich finden lässt!

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Montag, 5. Mai 2025

Oldtimer oder Schrott

Ein Zitat

Alte Autos rosten bei der Postautohaltestelle Löwen auf dem Hauenstein vor sich hin.
Foto © Jörg Niederer
"Das Auto ist jetzt vollkommen. Es bedarf keiner Verbesserung mehr." Aus einem Artikel der Allgemeinen Automobil Zeitung von 1921

Ein Bibelvers - Römer 2,11

"Denn Gott urteilt ohne Ansehen der Person."

Eine Anregung

Vor allem Wandernde steigen an der Haltestelle Hauenstein Löwen auf dem Unteren Hauenstein aus. Die alten Autos, die dort am Gehsteigrand langsam von der Vegetation überwuchert werden, würdigen sie kaum eines Blickes.

Ist das nun Schrott, oder schlummern hier Oldtimer ihrem Revival entgegen? Hat da einer die Ahnengalerie seiner Fahrzeuge deponiert? Sollen die Fahrzeuge auf irgendwie schräge Weise Leute in den Löwen locken, ein Gasthaus, das rein äusserlich betrachtet auch zur Vergangenheit gehört?

Ist das nun Schrott oder Schatz? Dass noch niemand die Karossen geklaut hat, lässt vermuten, dass sie wohl eher das erstere sind: Schrott.

Nun gehe ich ja mit Riesenschritten meinem Ruhestand entgegen. Das stellt sich mir auch die Frage, wie ich diese kommende Zeit interpretiere. Werde ich nun Oldtimer, oder bin ich ab sofort verkehrsuntüchtig? Ist das gar Ansichtssache? Und wessen Ansichtssache ist es? Halten mich die einen in Zukunft für Schrott, und die andern für ein Faktotum, ein Mädchen für alle, das man irgendwie nicht los wird, das aber auch nicht mehr flexibel genug ist, um all den Trends und Anforderungen zu folgen? In meinem Fall könnte es heissen: Für Predigtvertretungen kann man ihn ja noch anfragen. Was er sagt, klingt zwar ein wenig altväterlich, aber zumindest spricht er in ganzen Sätzen.

Nun steht man ja immer in der Gefahr, sich selbst unentbehrlich zu machen. Solange ich also noch gebraucht werde, ist alles noch nicht all zu schlimm. Wobei, dieses Denken und Vorgehen hat auch etwas von Werkgerechtigkeit. ICH mache MICH nützlich.

So gesehen ist es vielleicht sogar besser, eine Schrottkarre zu sein in der Sammlung des lieben Gottes. Denn bei Gott kommt es nicht darauf an, ob man Oldtimer ist oder Alteisen. Bei Gott ist kein Ansehen der Person.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Sonntag, 4. Mai 2025

Perfekte Landung

Ein Zitat

Perfekte Landung eines Höckerschwans bei Romanshorn auf dem Bodensee.
Foto © Jörg Niederer
"Wer immer auch behauptet, Glück komme mit dem Sonnenschein, hat noch nie im Regen getanzt." (Herkunft unbekannt)

Ein Bibelvers - Psalm 74,12+16

"Doch Gott ist mein König seit Urzeiten... Dir gehört der Tag und auch die Nacht. Du hast Mond und Sonne bereitgestellt."

Eine Anregung

Elegant landet ein Höckerschwan auf dem in der Morgensonne flimmernden Bodensee. Sein Tag beginnt voller Licht.

Das wünsche ich auch allen, die heute einen Gottesdienst besuchen oder sich daran beteiligen. Möge das Licht der Auferstehung diesen Sonntag verzaubern und hoffnungsvoll stimmen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Samstag, 3. Mai 2025

Die Natur schlägt zurück!

Ein Zitat

Anschlag des gemeinen Bibers auf das Wanderwegnetz.
Foto © Jörg Niederer
"Je steiniger der Weg desto wundervoller das Ziel." (Herkunft unbekannt)

Ein Bibelvers - Matthäus 9,36

"Jesus sah die große Volksmenge und bekam Mitleid mit den Menschen. Denn sie waren erschöpft und hilflos – wie Schafe, die keinen Hirten haben."

Eine Anregung

Ich habe es immer schon gewusst. Der Biber ist kein Freund der Wandersleut. Daherschreitende Zweibeiner lassen sich kaum noch fernhalten von den Revieren der Nager. So tun diese, was sie können: Sie nagen an Wanderers Lieblings-Signalisation. Ohne gelbe Rhomben ist selbst der bestens ausgerüstete Single-Trail-Geniesser hilf- und orientierungslos.

Es ist so: Die Natur schlägt erbarmungslos zurück. Wer kann da noch guten Muts oder Gewissens ohne eigentliche Notwendigkeit auf schnöden Wanderschuhen durch die Welt stolpern? "Bleibt zu Hause!", lautet die unzweideutige Botschaft der Scharfzahnigen: "Sonst fallen die Bäume und das Klima wird unerträglich."

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Freitag, 2. Mai 2025

Fruchtbare Schönheit

Ein Zitat

Die Purpurweide sendet Samen aus, die mit feinen, silbrig weiss schillernden Flughaaren versehen sind.
Foto © Jörg Niederer
"Das Leben ist ein andauerndes Staunen über das Wunder, zu leben." Rabindranath Thakur (1861-1941)

Ein Bibelvers - Psalm 139,14b

"[Gott] Ich weiss, wie wundervoll deine Werke sind."

Eine Anregung

Es schneit Samen der Purpur-Weide. Die Keimlinge sind mit Flughaaren versehen, die dem Schnee gleich durch die Luft wirbeln und sich zu luftigen Haufen am Wegrand zusammenfügen. Irgendwie sieht es aus wie Zuckerwatte.

Zauberhaft glitzern die Samen mit ihren Silberfäden in der aufgehenden Morgensonne. Ein Augenschmaus der mitunter in der Nase kitzelt.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Donnerstag, 1. Mai 2025

Ich war ganz unten

Ein Zitat

Die Eisenbahnbrücke von Mellingen von der Reuss aus gesehen.
Foto © Jörg Niederer
"Von allem, was der Mensch baut und aufbaut, gibt es nichts Besseres und Wertvolleres als Brücken." Ivo Andrič (1892–1975)

Ein Bibelvers - Hebräer 4,14

"Wir haben einen großen Hohepriester, der alle Himmel durchschritten hat: Es ist Jesus, der Sohn Gottes. Lasst uns also an dem Bekenntnis zu ihm festhalten!"

Eine Anregung

Vermutlich bin ich schon mehr als 1000 Mal in einer Zugskomposition über diese Brücke gefahren. Meine Reisen führten vom Arbeitsort nach Hause und wieder zurück, von meinem Wohnort zum Wohnort meiner Eltern und wieder zurück, aber auch aus dem Aargau nach Zürich oder Winterthur und wieder zurück. Dann kam es vor, dass ich von der Eisenbahnbrücke Mellingen hinunter geschaut und mich gefragt habe, wie es wohl da unten an der Reuss aussieht, und wie sich die Flusslandschaft hinter der nächsten Biegung fortsetzt. 

Gestern war ich endlich ganz unten, auf einer Wanderung vom ehemaligen Kloster Gnadenthal die Reuss abwärts nach Birmenstorf. Angekommen unter der Brücke schaute hoch, wo im Zweiminutentakt Züge über sie hinweg donnerten oder auch rauschten.

Nun weiss ich, wie es da unten ausschaut. Und einmal mehr staune ich über diese höchste Bahnbrücke im Kanton Aargau. 50 Meter über der Reuss quert sie das dort relativ schmale Reusstal auf einer Länge von 193 Metern. Ihre Anfänge gehen auf das Jahr 1877 zurück, als die Schweizerische Nationalbahn sie als Teil der Neubaustrecke Wettingen-Zofingen erbauen liess. Heute ist sie eine der meistbefahrenen Brücken des Schweizerischen Eisenbahnnetzes.

Sie ist auch die Eisenbahnbrücke meines Lebens. So Gott will, werde ich noch viele Male in meinem Leben aus dem Wagonfenster der SBB zur Reuss hinunterschauen und staunen über die technischen und natürlichen Meisterleistungen, die es da zu erfahren und zu erkennen gibt.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Mittwoch, 30. April 2025

Der Schatz von der Alt-Bechburg

Ein Zitat

Die Ruine Alt-Bechburg liegt unweit vom solothurnischen Holderbank an einem alten Passübergang über den Buchsiterberg.
Foto © Jörg Niederer
"Die Bibel ist mein edelster Schatz, ohne welchen ich elend wäre." Immanuel Kant (1724-1804)

Ein Bibelvers - Matthäus 13,44

Jesus: "Das Himmelreich gleicht einem Schatz, der im Acker vergraben ist: Ein Mann entdeckte ihn und vergrub ihn wieder. Voller Freude ging er los und verkaufte alles, was er hatte. Dann kaufte er diesen Acker."

Eine Anregung

Die Burg Alt-Bechburg bestand einst aus zwei Wohnteilen, die deutlich voneinander abgetrennt waren. Erbaut ab 1100 kam sie bereits 1416 in den Besitz der Stadt Solothurn. Diese verlieh die Burg mit dem dazugehörigen Sennhof "Oberschloss" an eine Bauernfamilie. 1713 brannte die damals schon marode und verfallene Alt-Bechburg ab. Teile der Ruine wurden durch die Bauern als Baumaterial verwendet. Doch das Gemäuer hütete auch dann noch ein Geheimnis. Ein Silberschatz von 5216 Münzen in einem Münztopf lag dort nur 50 Zentimeter tief vergraben, bis man ihn 1937 bei historischen Arbeiten entdeckte. Es handelt sich überwiegend um "stumme Münzen". Bei diesen zweiseitig geprägten Silberstücken mit Doppelknollenkreuz bzw. Rad geht man davon aus, dass sie um 1180 in Solothurn geprägt wurden. Der Schatz befindet sich heute im Historische Museum Blumenstein in Solothurn.

Mir kommt dabei die biblische Geschichte vom Schatz im Acker in den Sinn (siehe oben). Bei diesem Gleichnis wird schnell klar, dass es dabei um einen Betrug geht. Jemand erwirbt von einer anderen Person ein Grundstück, von dessen verborgenem Wert der Verkäufer keine Ahnung hat. Ihm wird mit anderen Worten ein Schatz entwendet.

Doch das ist nicht der eigentliche Vergleichspunkt in dieser Geschichte. Es geht darum, dass man für das Gottesreich, also die Zugehörigkeit zu Gott, bereit sein sollte, alles zu geben. Oder noch einmal anders gesagt: Besser du lebst in einer Ruine mit Gott, als dass dir die ganze Welt gehören würde, aber ohne Gott.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Dienstag, 29. April 2025

Belchenflue

Ein Zitat

Jörg Niederer auf der Belchenfluh bei Olten. (Foto: Sabine Möckli Niederer)
Foto © Sabine Möckli Niederer
"Bereits in der Primarschule erfährt man, dass im Raum Solothurn-Olten-Basel fünf Jura-Ketten hintereinander liegen: Weissenstein-, Farisberg-, Passwang-, Hauenstein- und Blauenkette." Ranger Jura Südfuss

Ein Bibelvers - Apostelgeschichte 2,46

"In den Häusern hielten sie die Feier des Brotbrechens. Voller Freude und in aufrichtiger Herzlichkeit assen sie miteinander das Mahl."

Eine Anregung

Da oben auf fast 1100 Metern blies ein kaltes Lüftchen. Gestern stand ich wieder einmal auf meinem Jura-Hausberg der Kindheit, der Belchenflue ob Olten. Es ist schon faszinierend, nach so vielen Jahren all die vertrauten und bekannten Wege und Landschaftsformen wieder zu erleben. Erinnerungen kommen hoch an ein Schulreise, an die vielen Touren mit dem Mountainbike-Club auf den Hauenstein, an Familienausflüge im Sommer und Winter.

Aber es gibt auch Dinge, die ganz anders geworden sind. So hält seit diesem Jahr in Bärenwil kein Postauto mehr, obwohl in den Onlinekarten die Haltestelle noch eingezeichnet ist. Wir mussten unsere Wanderung also ausweiten, bis nach Langenbruck. So sind wir nicht ganz gewollt vom Unteren zum Oberen Hauenstein gewandert. 

In Bärenwil übrigens gibt es ein Restaurant Chilchli. Nicht dass dieses Haus einst eine Kirche gewesen wäre. Es war lediglich der Ort, an dem die römisch-katholischen Geistlichen in einem Zimmer Gottesdienste abhielten. Genau dieses Haus bekam 1833 einen Dachreiter mit Glocke. Seit dann gleicht es schon irgendwie einer Kirche.

Man isst im Chilchli wohl nicht schlecht, denn allein von den Gästen dieses Dorfes könnte ein Wirt nicht leben. Gottesdienste gibt es dort im Juradorf nur noch an einzelnen Sonntagen im Jahr, und dann wohl im Freien.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Montag, 28. April 2025

Überflug

Ein Zitat

Storch über unserer Wohnung in Frauenfeld
Foto © Jörg Niederer
"Ein Reisender ohne Beobachtungsgabe ist wie ein Vogel ohne Flügel." – Moslih Eddin Saadi (1209-1291)

Ein Bibelvers - Johannes 4,6

"Jesus war müde von dem langen Weg und setzte sich an den Brunnen. Es war um die sechste Stunde."

Eine Anregung

Es kommt vor, dass der Storch direkt über mein Büro fliegt. Dann stelle ich mir vor, wie ich mich ihm anschliesse. Ich öffne das Bürofenster, hüpfe auf das Fensterbrett, Breite die Arme aus und fliege ihm nach. Im warmen Aufwind steige ich höher und höher. Der Schreibtisch entschwindet meinem Blick. Unter mir nehmen die Häuser und Autos Spielzeuggrösse an. Ich schwebe dahin, immer dem Weissstorch nach. Es ist als hätte ich Ferien.

Da wache ich auf, und stelle fest: Ich habe Ferien.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Sonntag, 27. April 2025

Wort oder Wasser?

Ein Zitat

Sehenswürdigkeit Rheinfall.
Foto © Jörg Niederer
"Überlege, was du sagst. Deine Sätze sollen sein wie ein Wasserfall, klar und rein und gewichtig wie ein Fels." Konfuzius 551-479 v. Chr.

Ein Bibelvers - Galater 6,3

"Wenn allerdings jemand meint, er sei etwas Besonderes, dann macht er sich etwas vor. Denn das ist er keineswegs."

Eine Anregung

Es ist schon erstaunlich, wie viele Menschen extra anreisen, um dem Wasser dabei zuzuschauen, wie es über Felsen in die Tiefe stürzt. Zugleich ist es auch erstaunlich, wie wenige Menschen sich heutzutage auf eine anspruchsvolle Predigt einlassen.

Ob die heutige Predigt in der Methodistenkirche St. Gallen anspruchsvoll ist, kann ich noch nicht sagen. Gehalten wird sie vom Pfarrer und Distriktsvorsteher Serge Frutiger. Ich gehe mal davon aus, dass sie wohl dazu anregen wird, das Leben in christlicher Weise zu führen. 

Für einmal beginnt dieser Gottesdienst bereits um 9.30 Uhr, da im Anschluss daran auch noch die Hauptversammlung der Kirche, die Bezirksversammlung, durchgeführt wird. Auch dabei können alle Interessierten teilnehmen. Ebenfalls um 9.30 Uhr gibt es ein Kinderprogramm. Alles findet an der Kapellenstrasse 6 statt. Herzlich willkommen!

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Samstag, 26. April 2025

Wortwörtlich

Ein Zitat

Aufkleber des FC Aarau auf einer Verbotstafel an einem Elektrokasten irgendwo in Bahnhofsnähe in Olten.
Foto © Jörg Niederer
"Ich bin zwar langsam, aber vor dir." Aufkleber an einem Auto

Ein Bibelvers - 2. Mose 20,16

"Du sollst nichts Falsches über deinen Nächsten sagen!"

Eine Anregung

Ein Aufkleber ist kein Plakat, das ist schon klar. Wenn da steht, Plakate anbringen verboten, dann hält man sich auch daran. Aber von Aufklebern ist da gar nichts zu lesen. Also frisch fröhlich mittendrauf. 

Nun wissen es alle: Die vom Fussballclub Aarau sind helle Köpfe. Die kleben ihre Sticker nur dorthin, wo Aufkleber nicht explizit verboten sind. Also eigentlich überall.

Zugleich gewinnen Verbotstafeln ja auch nicht gerade Schönheitswettbewerbe, und solche Elektrokästen am Strassenrand werden auch nur äusserst selten als denkmalgeschützt ausgewiesen. So gesehen ist der stilisierte Adler noch das Schönste an diesem Foto. Wobei es schon etwas übergriffig ist, wenn sich ein Aargauer Verein im Kanton Solothurn derart manifestiert. Vielleicht ist es auch bewusst eine Demütigung, gibt es doch im ganzen Kanton Solothurn keinen Fussballverein mit Mannschaft in der Challenge League oder darüber. 

Wenn da jetzt statt eines Fussballemblems was von Jesus stehen würde, das wäre doch viel besser, oder?

Mit Aufklebern habe ich so meine Probleme. Immer wieder bekomme ich welche, die ich weder an meinem Bett noch an einem Schrank und auch nicht auf der Gefriertruhe oder sonstwo in der Wohnung anbringen will. Meine Fahrhabe soll diesbezüglich auch unbefleckt bleiben. Also was werde ich mit diesen Dingern tun? Sie im öffentlichen Raum "entsorgen"? Geht doch irgendwie auch nicht. So sammle ich sie, bis ich sie dann mit schlechtem Gewissen weiterverschenke, wohlwissend, dass andere womöglich wenig feinfühlig die Sticker auf fremde Autos, Strassenlaternen und Schaukästen kleben.

Frage: Kennst du einen sinnvollen Verwendung von Aufklebern?

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Freitag, 25. April 2025

Inklusin wie Wiborada

Ein Zitat

Ikone der Heiligen Wiborada in der Zelle, geschrieben von Hedi Fussenegger in einem Ikonenmalkurs 2024 in St. Gallen.
Foto © Jörg Niederer
"Was mir nicht fehlen wird? Das Gefühl, im Hamsterrad zu drehen!" Irene Franziska Meli, Inklusin für eine Woche

Ein Bibelvers - Apostelgeschichte 5,18+19

"Sie ließen die Apostel festnehmen und ins öffentliche Gefängnis werfen. Aber in der Nacht öffnete ein Engel des Herrn die Gefängnistüren, führte sie hinaus..."

Eine Anregung

Seit 2021 lassen sich in Erinnerung an Wiborada jedes Jahr fünf Menschen eine Woche lang in die Wiboradazelle bei der Kirche St. Mangen einschliessen. Heute ist es wieder soweit. Irene Franziska Meli aus Romanshorn wird im Rahmen eines Einschliessrituals um 18.30 Uhr die Zelle beziehen. Im Wochenrhythmus weiter geht es dann mit den Inklus:innen Brigitte Schoepf, Simone Capaul, Tim Mahle und Petra Gächter.

Wiborada war die erste kanonisch heilig gesprochene Frau. Im 9. Jahrhundert geboren, liess sie sich aus freien Stücken in eine Zelle einschliessen. Als Inklusin wurde sie für Menschen aus allen Ständen zu einer Ratgeberin. Ein Jahr vor dem Einfall der Ungarn in die Stadt warnte sie die Mönche, so dass diese den Kirchenschatz, die wertvolle Bibliothek sowie Bevölkerung und sich selbst in Sicherheit bringen konnten. Wiborada wollte die Zelle nicht verlassen und wurde von den einfallenden Horden im Jahr 926 umgebracht.

Wiborada ist nebst Gallus und Othmar die am wenigsten bekannte Stadtheilige. Das soll sich ändern. Auch wurde sie in der letzten Zeit zu einer Symbolfigur für die Gleichstellung der Frauen in der Römisch-katholischen Kirche.

Weitere Informationen gibt es auf der Webseite zu Wiborada 2025. Auch in diesem Blog habe ich schon vermehrt über Wiborada geschrieben.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Donnerstag, 24. April 2025

Wachsende Musik

Ein Zitat

Junge Blätter des Hirschzungenfarns entrollen sich Musiknoten gleich zu einer neuen Generation von Blättern.
Foto © Jörg Niederer
"Christ, der Herr, ist auferstanden, halleluja, sagt es laut in allen Landen, halleluja, Siegesjubel hoch erschallt, halleluja, Erd und Himmel widerhallt. Halleluja." Charles Wesley (1707-1788)

Ein Bibelvers - Psalm 150,1+5

"Halleluja. Lobt Gott in seinem Heiligtum!... Lobt ihn mit kleinen hellen Zimbeln! Lobt ihn mit großen dunklen Zimbeln!"

Eine Anregung

In diesen Tagen besuchte ich die Gräber meiner Brüder, meines Vaters und meiner Tante auf dem Friedhof Meisenhard in Olten. Beim Urnengrab meines jüngsten Bruders wachsen seltene Hirschzungenfarne. Genau in dieser Zeit von Karfreitag und Ostern sehen sie einerseits desolat und mitgenommen aus, andererseits sind da auch ganz frische saftige Triebe. Vor dem Hintergrund der durchlöcherten, absterbenden alten Blätter entrollen sie sich pflanzlichen Musiknoten gleich und formen eine nie gespielte, grün schillernde Melodie.

Ich versuche den Tönen dieser Noten-Blätter nachzuspüren. Was erzählen sie mir über das Leben und Sterben? Was erzählen sie mir von den Übergängen, von der Hoffnung, der Zuversicht, der Freude? Die Klangabfolgen, die von den Farnwedeln gebildet werden, verändern sich mit jedem erwachenden Tag. Die Tonlagen werden wohl höher und leiser, enden vielleicht in einem Summ- oder Brummton. Wer übersetzt sie in die von uns Menschen hörbare Welt? Dabei spielt auch Jazz, Improvisation, und doch ist nichts dem Zufall geschuldet.

In diesen Tagen hat meine Pfarrkollegin Erica Stalcup mich und wohl so einige andere Menschen erfreut mit einer Interpretation von Charles Wesleys Lied "Christ, der Herr, ist auferstanden", und zwar im Stil des amerikanischen Jazzpianisten Dave Brubeck. Auf Facebook kann man es sich zu Gemüte führen. Und sollte es dort nicht angehört werden können, dann ist es hier als Audiodatei einige Zeit verfügbar. 

Bei so viel Kreativität und Lebensfreude im Pflanzen- und Menschenreich kann man doch von Herzen "Halleluja" singen, oder?

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Mittwoch, 23. April 2025

Bischof auf grossem Fuss?

Ein Zitat

Bischof Patrick Streiff steht auf dem Gehsteig am Strassenrand, dieweil eine Stretchlimousine mit feiernden Menschen wieder Fahrt aufnimmt.
Foto © Jörg Niederer
"Chateauneuf, später Siegelbewahrer von Ludwig XII., ist noch im zarten Alter von neun Jahren, als ihm der Bischof zahlreiche Fragen stellt, auf die der Junge recht flotte Antworten weiss. Schließlich meint der Bischof: Du bekommst eine Orange, wenn du mir sagst, wo Gott ist. Du lieber Himmel, gibt der Junge zurück, Sie bekommen zwei Orangen, wenn Sie mir sagen, wo er nicht ist." Autor:in unbekannt

Ein Bibelvers - Matthäus 5,37

Jesus: "Sagt einfach 'Ja', wenn ihr 'Ja' meint, und 'Nein', wenn ihr 'Nein' meint. Jedes weitere Wort kommt vom Bösen."

Eine Anregung

Heute hätte die Wahl des Römisch-katholischen Bischofs in St. Gallen stattgefunden, wenn sie nicht auf unbestimmte Zeit verschoben werden musste. Der Tod des Papstes hat der Kirche einen Strich durch die Rechnung gemacht. Denn römisch-katholische Bischöfe müssen immer durch den Papst bestätigt werden. Es könnte also noch etwas dauern, bis eine Wahl wieder möglich wird. Darum gibt es hier eine kleine Geschichte eines anderen Bischofs.

Patrick Streiff ist evangelisch-methodistischer Bischof im Ruhestand. Es war 2018 in Budapest. Gerade ist der Bischof seinem Dienstfahrzeug entstiegen, einer bescheidenen Stretchlimousine, dieweil die anderen Konferenzteilnehmenden wieder aufbrechen, um unter und über dem Autodach noch etwas weiterzufeiern.

So sieht es jedenfalls aus. Nein, natürlich hat ein methodistischer Bischof keine Stretchlimousine als Dienstfahrzeug. Ich weiss nicht einmal, ob je ein Bischof dieser Kirche in Europa ein Dienstfahrzeug hatte. Ob Bischof Patrick Streiff in der Limousine war, weiss ich auch nicht mehr. Es könnte sein. Dass er darin bei Sekt und so gefeiert hätte, glaube ich eher nicht. Es würde nicht zu ihm passen.

Das Foto ist lediglich ein Schnappschuss, ein Bild, das eine Geschichte erzählt, eine Erinnerung bewahrt. Ich betrachte es gerne. Es regt die Fantasie an. Die Wahrheit spielt dabei keine Rolle. Alles könnte ja inszeniert sein. Was ich aber garantieren kann: dieses Bild wurde nicht mit künstlicher Intelligenz erstellt oder bearbeitet. Es ist somit nicht gefaket, keine Lüge. Es ist - ich weiss nicht was. Es ist eben.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Dienstag, 22. April 2025

Kein Papst für alle

Ein Zitat

Die Delegation der Methodisten an der 4. Weltkonferenz über den Dialog von Religionen und Zivilgesellschaften im Jahr 2016 in Bitola, Nord-Mazedonien.
Foto © Jörg Niederer
"Man kann nicht Gott und dem Geld dienen." Papst Franziskus (1936-2025)

Ein Bibelvers - Lukas 16,13

Jesus: "Kein Diener kann gleichzeitig zwei Herren dienen! Entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben. Oder er wird dem einen treu sein und den anderen verachten. Ihr könnt nicht gleichzeitig Gott und dem Geld dienen."

Eine Anregung

Dem gestern verstorbenen Papst Franziskus bin ich nie persönlich begegnet. Doch an ein Gespräch über ihn kann ich mich noch sehr gut erinnern. Es war 3 Jahre nach seiner Wahl, als ich im Jahr 2016 als Delegierter der Evangelisch-methodistischen Kirche an der 4. Weltkonferenz über den Dialog von Religionen und Zivilgesellschaften in Bitola, Nord-Mazedonien teilnehmen durfte.

An einem Abend sass ich mit zwei Monsignores beim Abendessen. Der eine kam aus Belgien, der andere aus Slowenien. Das Gespräch kam auf den "neuen" Papst zu sprechen. Einig waren sich die beiden, dass dieser Mann die falsche Person in diesem Amt sei, und dass es unmöglich lange so mit ihm weitergehen könne. Dieser Papst habe so kein Feingefühl für die wohlhabenden und angesehenen Menschen, welche die Kirche unterstützen würden. Als Beispiel fügte der eine an, dass Papst Franziskus doch tatsächlich finanzkräftige Sponsoren von Renovationen des Petersdoms am Vatikan mit einem Spaghettiessen abspeisen wollte. Das gehe doch nicht.

Vor allem einer liess kein gutes Haar am Papst. Es gebe am Vatikan eine einflussreiche Gruppe von starken Persönlichkeiten, die diesem Papst und seinen seltsamen Gepflogenheiten wohl nicht lange zuschauen würden, so der Kirchenmann. Aus dem Gespräch schloss ich, dass Papst Franziskus wohl ernsthaft in Gefahr sei.

Es ist glücklicherweise nicht so gekommen, wie die beiden Monsignores unkten. Doch durch dieses Gespräch wurde mir Papst Franziskus noch etwas sympathischer. Seine Liebe zur Einfachheit und zu den "gewöhnlichen" Menschen bleibt mir in guter Erinnerung. Und wenn Papst Franziskus dann auch ab und zu Dinge verlauten liess, die wiederum ich schwierig fand, dann dachte ich an das Gespräch mit den beiden Monsignores und war im Grossen und Ganzen wieder zufrieden mit dem Papst. Denn auch ein Papst ist ja nur ein Mensch.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Montag, 21. April 2025

Wiedergeburt

Ein Zitat

Nymphe einer Prachtwanze auf dem jungen Blatt eines Berg-Ahorns.
Foto © Jörg Niederer
"Alles verändert sich nur, nichts stirbt." Ovid (43 v.Chr. - 14 n.Chr.)

Ein Bibelvers - Johannes 3,3

"Jesus antwortete: 'Amen, amen, das sage ich dir: Nur wenn jemand neu geboren wird, kann er das Reich Gottes sehen.'"

Eine Anregung

Das frische Berg-Ahornblatt auf Augenhöhe war so faszinierend, dass wir dort am Rheinfall das tosende Wasser für einen Moment vergassen, und uns diesem Baum zuwandten. Nur so entdeckte ich das vielleicht 1,5 mm kleine Wesen, das da sass und sich nicht rührte. Die starke Vergrösserung offenbarte so etwas wie ein Grille oder Heuschrecke mit besonderer Färbung. Doch das ist es nicht, was mir da vor die Kamera geraten ist. Es handelt sich um eine Nymphe, also um die jugendliche Erscheinung einer Prachtwanze.

Wie das maximal 11,7 mm grosse Insekt einmal aussehen wird, kann man sich bei Wikipedia anschauen. Marienkäfern gleich wird die Prachtwanze dereinst Jagd auf Blattläuse machen, aber auch nichts gegen den Saft in den Blättern von Laubbäumen haben.

Bis aus der Nymphe ein fertiges Insekt wird, durchläuft sie fünf Nymphenstadien. Zum geflügelten Insekt wird die Prachtwanze erst mit der fünften Häutung. Also gleich fünf Verwandlungen erlebt sie. Wie ist das wohl, so oft neu geboren zu werden?

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Sonntag, 20. April 2025

Mit Christus leben

Ein Zitat

Die drei Frauen begegnen am Grab von Jesus einem Engel. Glasfenster in der Kirche St. Otmar in St. Gallen.
Foto © Jörg Niederer
"Ach, frag du mich nach der Auferstehung. / Frag, was ich dazu denke, fühle oder auch nicht fühle. / Halte aus, dass ich womöglich nur stammeln kann, / denn das Ganze ist ja viel zu groß und überhaupt nicht zu begreifen." Christiane Quincke

Ein Bibelvers - Markus 16,1

"Als der Sabbat vorbei war, kauften Maria aus Magdala, Maria, die Mutter von Jakobus, und Salome wohlriechende Öle. Sie wollten die Totensalbung vornehmen."

Eine Anregung

An Ostern feiert die Christenheit die Auferstehung Jesu von den Toten. Es brauchte Zeit, bis die Nachricht, das Christus auferstanden sei, von den Christ:innen geglaubt wurde. Denn die Botschaft von der Auferstehung führte anfänglich bei den Christusnachfolgenden zu zwiespältigen Gefühlen. 

Auch heute ist es für viele Menschen nicht recht klar, wie sie die Aussagen von der Auferstehung Jesu einordnen sollen. Darum gehe ich in meiner heutigen Predigt auf die Suche nach Antworten, die selbst mit zweifelnden Glauben möglich sind.

Wer dabei sein will, kann gerne hinzustossen: Der Gottesdienst findet um 10.15 Uhr in der Methodistenkirche St. Gallen statt. Diese befindet sich an der Kapellenstrasse 6. Da wir ein offenes Abendmahl feiern, sind alle ohne Ausnahme auch dazu herzlich eingeladen. Zum Kirchenkaffee natürlich auch.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Samstag, 19. April 2025

Alpha und Omega

Ein Zitat

Keramikarbeiten der ungarischen Künstlerin Mária V. Majzik in der Methodistenkirche Budakeszi.
Foto © Jörg Niederer
"Lehm formt der Töpfer zum Gefäss, doch der Leerraum macht es erst zu dem, was es ist." Frei nach Laotse (vermutlich 6. Jh. v. Chr.)

Ein Bibelvers - Lukas 23,53

"Dann nahm er [Josef von Arimatäa] ihn [Jesus] vom Kreuz ab und wickelte ihn in ein Leinentuch. Schliesslich legte er ihn in eine Grabkammer. Die war in Felsen gehauen, und es hatte noch niemand in ihr gelegen."

Eine Anregung

Vorgestern (siehe Beitrag vom 17. April 2025) schrieb ich schon über ein Werk der ungarischen Künstlerin Mária V. Majzik (1949-2016). Dort erwähnte ich auch, dass in der Methodistenkirche Budakeszi nicht nur eine Dauerausstellung der Künstlerin zu sehen ist, sondern dass sie auch die künstlerische Gestaltung des Gottesdienstraums übernommen hat. Damit man sich eine Vorstellung machen kann von der eindrücklichen Keramikarbeit sei hier das zentrale Werk "Alpha und Omega" im Altarraum der Kirche wiedergegeben.

An diesem Übergangstag zwischen Karfreitag und Ostern stehen wir zwischen Alpha und Omega, zwischen Tod und Auferstehung. Wir sind dazwischen. Aber der Anfang und das Ende stehen fest.

Hier findet sich noch ein Beitrag der Methodistenkirche in Ungarn zum Tod von Mária V. Majzik.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Freitag, 18. April 2025

Kreuzweg der Gegenwart 2025

Ein Zitat

Am letztjährigen Kreuzweg der Gegenwart von Karfreitag in St. Gallen beteiligten sich wie jedes Jahr eine grössere Zahl Menschen.
Foto © Jörg Niederer
"Wir tragen ein Kreuz und erinnern dabei an alle Kreuze, die unsichtbar sind. Sie belasten uns als Einzelne, als Gesellschaft, als Glaubende und Zweifelnde. Täglich nehmen wir solche Kreuze auf, tragen sie, vielleicht unbeachtet, und doch durch sie belastet." Matthias Wenk

Ein Bibelvers - Lukas 23,46

"Und Jesus schrie laut: 'Vater, ich lege mein Leben in deine Hand.' Nach diesen Worten starb er."

Eine Anregung

Heute um 12.00 Uhr machen sich Interessierte bei der Kirche Riethüsli an der Gerhardtstrasse 11 in St. Gallen wieder auf den Weg zu Stationen auf dem Kreuzweg der Gegenwart. Der Anlass findet schon seit fast zwei Jahrzehnten jeweils an den Karfreitagen in St. Gallen statt und wird von vielen Kirchen gemeinsam getragen.

Der diesjährige Weg führt über sieben Stationen zur Kirche St. Otmar. Bei jeder Station wird innegehalten. Es folgen Gedanken zu einem Thema, das mit diesem Ort verbunden ist. Dann wird in das mitgeführte Holzkreuz ein Nagel eingeschlagen. Eine Schweigeminute endet mit einem Taizé-Lied. In diesem Jahr werden zudem Sänger:innen unterwegs drei Choräle aus der Johannespassion singen.

Oft hinterlassen die Texte zu den Stationen nachhaltigen Eindruck. Die ökumenische Gemeinschaft ist gerade in der Passionszeit von besonderer Bedeutung.

Zum Kreuzweg der Gegenwart sind alle herzlich eingeladen. Einzige Voraussetzung: Es gilt einen Weg von ca. 5 Kilometern zu bewältigen, wobei es in diesem Jahr kaum Anstiege zu verzeichnen hat. Der Anlass endet um 14.00 Uhr.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen