Ein Zitat
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Foto © Jörg Niederer |
Ein Bibelvers - Ezechiel 27.29
"Ruderer verlassen ihre Schiffe. Matrosen und Seeleute bleiben an Land."
Eine Anregung
Für einmal ist es nicht der heilige Nepomuk, dem auf der Brücke bei Döttingen ein Denkmal gesetzt ist, sondern dem bekannten Nikolaus von Myra. Was wie eine seltsame "Dächlikappe" aussieht, ist sein Kopf mit wallendem Bart. Er steht hier unterhalb des Klingnauer Stausees als Schutzheiliger der Flösser. In dieser Funktion wird er in unseren Breitengraden nur noch wenig zu tun haben. Die Flösser sind nahezu ausgestorben. Am Ägerisee gibt es sie noch. Sonst ist die Tradition lediglich in Form historischer Flossfahrten lebendig.
Dem heiligen Nikolaus geht dennoch die Arbeit nicht aus, ist er doch auch Schutzpatron der "Advokaten, Bäcker, Bierbrauer, Weinhändler, Metzger, Steinmetze, Jungfrauen und viele mehr". Interessant an dieser Aufzählung ist, wie die Frauen, von denen es auch Advokatinnen, Bäckerinnen, Bierbrauerinnen, Weinhändlerinnen, Metzgerinnen und Steinmetzinnen gibt, sichtbar werden: als Jungfrauen! Mir scheint, das generative Maskulin kann hier nicht wirklich auf neutrale Weise den Frauen gerecht werden. Nun haben die Frauen auch ihre eigene Schutzheilige. Es ist heilige Jeanne d'Arc, also die Frau, die einen Männerjob in der Armee hatte. Das Flössen war auch Männerarbeit. Sollte es Frauen in diesem Gewerbe gegeben haben, hätten sie die Wahl zwischen dem heiligen Nikolaus und der heiligen Jeanne d'Arc gehabt. Mir würde diese Auswahl nicht behagen. Doch wen würde ich mir als Vorbild und Fürsprecher:in wünschen?
Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen