Ein Zitat
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Foto © Jörg Niederer |
Ein Bibelvers - Jeremia 29,4+5
"So spricht der Herr Zebaot, der Gott Israels! Das ist meine Botschaft für alle in der Verbannung, die ich aus Jerusalem nach Babylon weggeführt habe: Baut Häuser und lasst euch darin nieder! Legt Gärten an und esst, was dort wächst!"
Eine Anregung
Der Standort religiöser Bauten sagt viel aus über Bedeutung oder Ausrichtung der Konfession oder Religion in der Gesellschaft. Kirchen, die den Support des Staates haben, finden sich oft an zentraler Lage. Anders sieht es aus mit Gemeinschaften, denen man nicht so recht über den Weg traut. Aktuell sind es besonders die islamischen Kultusgemeinden, deren unauffällige Moscheen sich nicht selten in Industriequartieren befinden. Auch Kirchen, die dem Glauben eingewanderter Menschen entsprechen, landen oft irgendwo in einem Saal oder Gewerberaum abseits der Sichtbarkeit. So wie auf diesem Bild sich die Rumänisch-orthodoxe Kirche in einem Gewerbehaus an der Peripherie von St. Gallen einmieten konnte.
"Ausserhalb der Stadtmauern", geduldet, aber nicht geliebt, an den Rand gedrängt, eingeschränkt in den Rechten. Es gab eine Zeit, in der es nur den Staatskirchen erlaubt war, Glockentürme zu unterhalten. Heute sind diese Kirchen selbst unter Druck, und viele müssen beim Glockengeläut zurückstecken.
Es sind diese kleinen Veränderungen die den gesellschaftlichen Wandel begleiten und sichtbar werden lassen. Heute werden die Glaubenswerke in die zunehmende Unsichtbarkeit gedrängt. Dagegen befinden sich die Tattoo-Studios, die sich einst in den schmuddeligen Hafenarealen fanden, mitten in den Citys an bester Lage in den hippen Quartieren.
Nun gibt es aber auch Kirchen, die sich ganz bewusst für die Peripherien entschieden haben. Sie gehen an die Orte, an denen sie den Bedürfnissen der Randexistenzen nahe sind. Ich glaube, das ist genau der Weg, den es einzuschlagen gilt. Dabei geht es nicht mehr um Ansehen oder Sichtbarkeit, sondern um Hinwendung und Wirksamkeit.
Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen
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