Dienstag, 31. Dezember 2024

Wie Eis an der Sonne

Ein Zitat

Eiszapfen im Kurzloch bei Lohn SH.
Foto © Jörg Niederer
"Monde und Jahre vergehen, aber ein schöner Moment leuchtet das Leben hindurch." Franz Grillparzer (1791-1872)

Ein Bibelvers - Sprüche 23,17c+18

"Bleib du beim Herrn und hab Ehrfurcht vor ihm! Denn wenn du das tust, hast du eine sichere Zukunft. Deine Hoffnung wird nicht enttäuscht."

Eine Anregung

Die letzten Stunden dieses Kalenderjahrs. Sie schmelzen weg wie Eis an der Sonne. Dieser kleine Eiszapfen ist für mich ein Gleichnis für das zu Ende gehende Jahr. Lang dauert es nicht mehr.

Wobei, würden wir diesem Tag nicht eine besondere Bedeutung geben als letztem der Kalendertage des Jahres 2024, wäre es ein ganz gewöhnlicher Tag und eine ganz gewöhnliche Nacht, eine von vielen, die gekommen sind oder noch kommen werden. Also wozu dieses Aufheben? Wohl, weil wir Menschen nicht anders können.

Nun frage ich mich: Was hat an diesem 31. Dezember bleibende Bedeutung für mich? Die Antwort mag noch ein wenig länger als bis Mitternacht auf sich warten.

Das neue Jahr, es kommt, und ich wünsche allen Gottes Segen und viele gute Momente in den nun wieder vor uns liegenden, nächsten 365 Tagen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Montag, 30. Dezember 2024

Das andere schwarze Schaf

Ein Zitat

Ein Graureiher geht unter den Allmendschafen in Frauenfeld auf Nahrungssuche.
Foto © Jörg Niederer
"Eine Reise wird besser in Freunden als in Meilen gemessen." Tim Cahill (*1979), Australischer Fussballspieler

Ein Bibelvers - 1. Mose 14,18+19

"Auch Melchisedek, der König von Salem, kam dorthin und brachte Brot und Wein. Er war Priester des Höchsten Gottes. Er segnete Abram und sagte: 'Gesegnet sei Abram vom Höchsten Gott, der Himmel und Erde erschaffen hat!'"

Eine Anregung

Was ist schon ein schwarzes unter weissen Schafen. Beide sind ja immer noch Schafe, und sie verstehen sich blendend, da sie sich keinen Deut um die Wollfarbe scheren.

Eine deutlich grössere Herausforderung ist es, als schräger Vogel unter den Schafen auszuhalten. Dem Graureiher jedenfalls und den vielen Vierbeinern gelingt die tierische Völkerverständigung ausgezeichnet. Immer wenn ihm ein Schaf, neugierig, was das für ein seltsames Lebewesen ist, zu nahe kommt, weicht der Graureiher gerade so viel zurück, wie unbedingt nötig. Und so kuscheln Schaf und Vogel zwar nicht, aber bleiben sich dennoch nahe. Auch schon habe ich Graureiher unter Rindern beobachtet. Da war das Verhältnis etwas komplizierter, wollten doch einige der Rinder mit dem Vogel spielen, was diesem dann aber doch nicht so ganz behagte.

Nun, mir gefällt dieses friedliche Zusammenleben der zweierlei Tieren. Genau das wünschte ich mir auch immer wieder zwischen Ansässigen und Fremden, zwischen Menschen und Menschen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Sonntag, 29. Dezember 2024

Die Heilige Familie und das Bundeserneuerungsgebet

Ein Zitat

Der heilige Josef von Nazareth mit Lilie als Zeichen der Keuschheit hält das Jesuskind auf dem Arm. Jesus seinerseits hat den Reichsapfel bei sich. Die Statue findet sich am ehemaligen Kapuzinerkloster in Bremgarten.
Foto © Jörg Niederer
"Josef von Nazareth, hat es dich nie gestört, dass du in der Geschichte von Jesus nur eine Randerscheinung bist?" Fiktive Frage an Josef, den Ziehvater von Jesus

Ein Bibelvers - Lukas 1,38

"Da sagte Maria: ‘Ich diene dem Herrn. Es soll an mir geschehen, was du gesagt hast.’"

Eine Anregung

Könntest du das folgende Gebet mitbeten?

"Ich gehöre nicht mehr mir, sondern dir. Stelle mich, wohin du willst. Geselle mich, zu wem du willst. Lass mich wirken, lass mich dulden. Brauche mich für dich, oder stelle mich für dich beiseite. Erhöhe mich für dich, erniedrige mich für dich. Lass mich erfüllt sein, lass mich leer sein. Lass mich alles haben, lass mich nichts haben.

In freier Entscheidung und von ganzem Herzen überlasse ich alles deinem Willen und Wohlgefallen.

Herrlicher und erhabener Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist: Du bist mein, und ich bin dein. So soll es sein. Bestätige im Himmel den Bund, den ich jetzt auf Erden erneuert habe.

Amen." 

Um dieses Gebet geht es heute im Gottesdienst in der Methodistenkirche St. Gallen. Dabei schauen wir auch das Beispiel der Heiligen Familie an. Bei jedem Satz aus dem Gebet findet sich eine Parallele entweder im Leben von Jesus, Josef oder Maria.

Nur ein Beispiel: Zum Satz aus dem Gebet: "Ich gehöre nicht mehr mir, sondern dir", passt doch eindrücklich die Aussage von Maria "Ich diene dem Herrn. Es soll an mir geschehen, was du [der Engel, der ihr mitteilt, dass sie Gottes Sohn gebären wird] gesagt hast." 

Mehr dazu heute um 10.15 Uhr an der Kapellenstrasse 6 in St. Gallen. Alle sind herzlich eingeladen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Samstag, 28. Dezember 2024

Weihnachts-Kitsch

Ein Zitat

Tannenbäume und eine Weihnachtsmannzipfelmütze singen Weihnachtslieder und wackeln dazu auf dem Christkindlmarkt in Strasbourg.
Foto © Jörg Niederer
"Die Stille offenbart uns mehr, als der Verstand uns sagen kann." Otto Pötter (*1948), Dichter und Autor

Ein Bibelvers - Sprüche 17,28

"Auch einen Dummen kann man für klug halten, solange er schweigt. Hält er seinen Mund, gilt er als schlau."

Eine Anregung

Nun, einige Tage nach den heiligen Nächten darf man es wohl sagen: Die Weihnachtszeit verkommt in manchen Bereichen zu Phantasie und Kitsch.

Das wurde mir wieder bewusst, als ich kürzlich über den Christkindlmarkt in Strasbourg schlenderte, und die Szene mit den tanzenden Weihnachtsbäumen und der wackelnden Weihnachtszipfelmütze entdeckte. Mir kamen die auf Brettern an der Wand hängenden Fischimitate in den Sinn, denen ich vor etwa 5 Jahren an einer Weihnachtfeier in der Wohnung eines Bekannten ausgesetzt war. Sie plärrten Weihnachtlieder zum Besten und wackelten dabei mit Kopf und Schwanz. Oder ich denke an die übergross aufgeblasenen Weihnachtmänner und an die Rentier-Geweihe aus Stoff, die sich manche beim Weihnachtsbesuch am eigenen Kopf anbringen.

Erst beim Anschauen des Videos von diesen Zipfeldingern wurde mir noch etwas bewusst: Der unglaubliche Lärm, dieses gleichzeitige sinnlose Tönen und Plappern.

Insofern wünscht man sich eine stille Nacht, in der für einmal weder Fische, noch Tannenbäume, noch Weihnachtshüte und auch keine realen Personen das Lied "Stille Nacht" in unterschiedlicher Virtuosität von sich geben. Ich jedenfalls wünsche mir aktuell einfach mehr Ruhe und Stille.

Natürlich hoffe ich, dass ihr euch nun trotzdem den 15 Sekunden Skurrilität aussetzt und euch mein kurzes Beleg-Video zum Geschriebenen anschaut. Danach gönne ich euch gerne auch die euch nötige Zeit der Stille.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen


Freitag, 27. Dezember 2024

Sehnsucht

Ein Zitat

Archivbild: Am 28. Februar 2022 in der Kirche St. Laurenzen in St. Gallen anlässlich des russischen Überfalls auf die Ukraine.
Foto © Jörg Niederer
"Gott sehnt sich nach uns, erzählt uns die Weihnachtsgeschichte. In dieser Nacht sucht sich Gott einen Raum auf dieser Welt, obschon nirgends Platz ist." Kathrin Bolt in der Predigt der Christnachtfeier vom 24. Dezember 2024 in der Kirche St. Laurenzen in St. Gallen.

Ein Bibelvers - Lukas 2,3

"Da machten sich alle auf, um sich in die Steuerlisten eintragen zu lassen – jeder in seine Heimatstadt."

Eine Anregung

Ich habe die Christnachtfeier in der Evangelisch-reformierten Stadtkirche St. Laurenzen in St. Gallen verpasst. Doch wem es wie mir ergangen ist, und Weihnachten viel zu schnell vorbei zu sein scheint, kann jetzt auf vielerlei Aufzeichnungen zurückgreifen. Auch auf die Aufzeichnung dieses Gottesdienstes, in dem nebst den Hirten und den drei Königen auch die Tiere auf dem Feld und die Vögel des Himmels ihren Platz finden.

Hier geht es zu diesem feierlichen, tiefgründigen, sehnsuchtsvollen Gottesdienst.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Donnerstag, 26. Dezember 2024

Ochsentour

Ein Zitat

Ochsen auf der Weide bei der Waldegg in Teufen.
Foto © Jörg Niederer
"Doch über Ochs und Esel schweigt es sich aus, und trotzdem fliegen sie aus der Krippe nicht raus." Aus: "Ich Esel! Du Ochse..." von Carsten Dahmann

Ein Bibelvers - Sprüche 14,4

"Wo keine Rinder vorhanden sind, gibt es auch kein Getreide. Wo man über starke Ochsen verfügt, bringen die Felder reichen Ertrag."

Eine Anregung

Auf meiner Weihnachtskarte (Siehe mein Beitrag vom 24. Dezember) sind auch Ochse und Esel zu finden. Beide Tiere haben nicht den besten Ruf, wobei das mehr über Menschen aussagt als über die zwei Arten von Vierbeinern. Jedenfalls haben sie ihren Platz an der Krippe. Da viele heute nicht mehr wissen, wie Ochsen aussehen, habe ich dieses Foto von zwei der Kraftprotzen gewählt. Die Eunuchen unter den Vierbeinern sind aus der Mode gekommen, seit es sie nicht mehr zum Pflügen braucht, und der Schwertransport auf den Strassen auf Rädern und nicht mehr per Ochsenkarren erfolgt.

Carsten Dahmann, Spoken Word Artist und Musiker nennt in einem Reim, den er schon vor sechs Jahren geschrieben hat, Ochs und Esel "die zwei letzten treudoofen Seelen" im Weihnachtszenario. Und mit schrägem Lächeln schreibt er dazu: "Ich wünsche allen Ochsen und Eseln da draussen gesegnete Weihnachten!" Doch es lohnt sich, für vier Minuten dem begabten Texter und seiner gereimten Ansprache zu folgen.

Heute feiere ich noch einen verspäteten Weihnachtsgottesdienst in St. Gallen. Das Thema lautet wie gestern: "Gott in unserer Mitte". Wer dabei sein möchte, kann das heute um 10.15 Uhr an der Kapellenstrasse 6 in St. Gallen tun. Es gibt Weihnachtslieder, Gedanken, Wärme, Gemeinschaft und auch noch etwas Kaffee und Weihnachtsgebäck. Also gerne vorbeischauen!

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Mittwoch, 25. Dezember 2024

Fuchsia-Weihnachtsbaum im Alpenraum

Ein Zitat

Per KI auf der Webseite der Reformierten Kirche Luzern erzeugte Weihnachtskarte.
Foto © KI auf Webseite der reformierten Kirche Luzern
"An Weihnachten verbringe ich Zeit mit meiner Familie." Jael auf der Webseite der reformierten Kirche Luzern

Ein Bibelvers - Ezechiel 37,26

"Dann schließe ich einen Bund des Friedens mit ihnen. Dieser Bund wird für alle Zeit gelten. Ich gebe ihnen das Land und sorge dafür, dass sie sich vermehren. Für immer wird mein Heiligtum in ihrer Mitte sein."

Eine Anregung

Ich habe es getan. Ich habe auf der Webseite der reformierten Kirche meine persönliche Weihnachtskarte durch eine Künstliche Intelligenz (KI) erstellen lassen. Ich habe mich für eine Berglandschaft entschieden und mir einen Fuchsia-Weihnachtsbaum gewünscht, und die KI hat das doch richtig toll hingekriegt. Sogar das Matterhorn ist darauf; es hätte aber auch ein anderer Berg sein dürfen.

Heute feiere ich einen Weihnachtsgottesdienst in Weinfelden. Darauf freue ich mich. Das Thema lautet wenig überraschend: "Gott in unserer Mitte". Da weiss man ja schon, was kommt, oder? Viele Weihnachtslieder!

Wer dabei sein möchte, kann das heute um 10.00 Uhr an der Hermannstrasse 10 in Weinfelden oder am morgigen Stefanstag um 10.15 Uhr an der Kapellenstrasse 6 in St. Gallen tun. Einen Fuchsia-Tannenbaum gibt es an beiden Orten leider nicht, dafür aber Wärme, Gemeinschaft und auch noch etwas Kaffee.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Dienstag, 24. Dezember 2024

Weihnachtsgruss

Ein Zitat

Heilige Familie mit geigendem Engel. Fresco in Morcote.
Foto © Jörg Niederer
"Der Himmel hängt voller Geigen." Redensart

Ein Bibelvers - Lukas 2,7

"Maria brachte ihren ersten Sohn zur Welt. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Futterkrippe. Denn sie hatten in der Herberge keinen Platz gefunden."

Eine Anregung

Es war auf einer Herbstwanderung, als ich in Morcote auf dieses Weihnachtsbild stiess. Überraschend daran ist der weibliche Engel mit Geige. Ein Anachronismus, da es zur Zeit von Maria und Josef dieses Instrument noch gar nicht gab.

Die Geburt Jesu hätte es verdient, dass der Himmel voller Geigen hängt. Streichmusik ist ja auch heute Bestandteil festlicher Musik. 

Auch wenn es nur eine Geigerin gibt auf diesem Fresko, so spielt doch nicht sie die erste Geige. Die erste Geige spielt das Jesuskind, das freudig intensiv zu uns Betrachtenden blickt, während es sich in den Schoss von Maria schmiegt.

Mit der Geige verbunden sind viele Redensarten. So sagte man von einem Menschen, der fundamentale Dinge nicht gelernt hat: "Es ist ihm nicht an der Wiege gegeigt worden." Sagt jemand: "Dir werde ich es schon geigen", dann geht es um die ungeschminkte Wahrheit. Auch Jesus spricht im Verlauf seine Lebens von Wahrheit: "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Es gibt keinen anderen Weg zum Vater als mich." (Johannes 14,6) 

Eine andere Redensart lautet: "Was die Fürsten geigen, das müssen die Untertanen tanzen." Was negativ gemeint ist, bekommt beim "Fürsten" Jesus eine neue Bedeutung: "Was Christus geigt, das dürfen wir tanzen." Das ist ganz im Sinn einer Aussage von Jesus, die mir beim Ochsen auf dem Bild einfällt: "Nehmt das Joch auf euch, das ich euch gebe. Lernt von mir: Ich meine es gut mit euch und sehe auf niemanden herab." (Matthäus 11,29)

Gott meint es gut mit uns. Darum wurde er in Jesus Mensch. Grund, unsere Geigen nach seiner zu stimmen. 

Ich wünsche uns allen Christi Gegenwart, Sanftmut und Augenblicke voller Freude.

Gesegnete Weihnachten und ein hoffnungsreiches Neues Jahr.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Montag, 23. Dezember 2024

Licht und tiefste Dunkelheit

Ein Zitat

Die Lichter an einem Stand des Weihnachtsmarkts am HB Zürich leuchten in der Dunkelheit.
Foto © Jörg Niederer
"Wir sind gemeinsam hier, um uns gegenseitig Halt zu geben und auszuhalten, was nicht zu begreifen ist. Gemeinsam sind wir hier, um Hass und Gewalt nicht das letzte Wort zu lassen." Bischof Gerhard Feige am Trauergottesdienst nach dem Attentat in Magdeburg

Ein Bibelvers - Sprüche 3,29

"Plane nichts Böses gegen deinen Nächsten! Er wohnt doch friedlich in deiner Nachbarschaft."

Eine Anregung

Am Weihnachtsmarkt in der grossen Halle am Hauptbahnhof Zürich geht alles seinen gewohnten Gang. Die Stände bieten ihre Leckereien und Waren an, die Leute schlendern und trinken und essen und kaufen. Vor dem Lindt-Weihnachtsbaum lassen sich Posierende in einer Schlittenattrappe ablichten, dieweil im Hintergrund eine Lichterprojektion den Bahnhof mit immer wieder anderen Bilder bereichert.

In Magdeburg ist fertig Weihnachtsmarkt. Die Lichter sind aus. Nach dem schrecklichen Attentat sind fünf Menschen tot und 200 Verletzte zu beklagen. Zurück bleibt Entsetzen und Trauer.

Eigentlich wollte ich heute ja etwas lustiges vom Christkindlmarkt in Strasbourg zeigen, doch nun denke ich nur noch an die dortigen Strassenkontrollen und an die bewaffnete Militärpolizei mit ihren halbautomatischen Waffen, die wieder zwischen den Besuchenden patrouilliert, genauso, wie acht Jahre zuvor schon, als ich in Strasbourg beim Dom dem Treiben zuschaute.

Vielleicht ist Weihnachten so. Ein Fest der Freude, bei dem sich tägliche und ausserordentliche Gewalt besonders kontrastreich abzeichnet.

Hier soll abschliessend ein Gebet stehen der Bischöfin Beate Hofmann von der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck:

"Wir rufen zu Gott: Du Gott des Friedens und der Liebe, / fassungslos stehen wir vor dem Angriff in Magdeburg.

Stärke und heile, die an Leib und Seele verletzt wurden. / Tröste die, die Angehörige verloren haben.

Gib uns Besonnenheit, die Tat nicht vorschnell zu beurteilen. / Hilf uns, trotz dieses Schreckens auf Weihnachten zuzugehen.

Erinnere uns, warum Jesus in diese Welt kam: / Licht durchbricht die Finsternis.

Gerechtigkeit und Friede erweisen sich stärker als Hass und Gewalt. / Komm zu uns, Gott, wir sehnen uns nach Deinem Frieden.

Amen."

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen 

Sonntag, 22. Dezember 2024

Maranata

Ein Zitat

Gewitterwolken über dem Chasseral und Montmirail.
Foto © Jörg Niederer
"Alles, was sich zu lange hinschleppt, ehe es zu etwas nur irgend Sichtbarem wird, verliert an Interesse." Wilhelm von Humboldt (1767-1835)

Ein Bibelvers - 1. Korinther 15,51

"Seht doch, ich weihe euch hier wirklich in ein Geheimnis ein: Wir werden nicht alle sterben, wir werden aber alle verwandelt werden."

Eine Anregung

An diesem 4. Advent geht es noch einmal um die Erwartung. Oder auch um das Ausbleiben des Erwarteten, der sogenannten Parusieverzögerung. Darunter versteht man das Ausbleiben von der in der Bibel angekündigten Wiederkunft von Jesus Christus, also seinem zweiten Erscheinen, diesmal aber in Macht und Herrlichkeit. Zwei Fragen stellen sich: Was sind die Zeichen der Zeit, dass die Wiederkunft Christi nahe ist? Mit welchen Erwartungen lebe ich in dieser sich zunehmend bedrohlicher erscheinenden Welt?

Wer mehr erfahren möchte, ist eingeladen, den Gottesdienst in der Methodistenkirche St. Gallen zu besuchen. Der Anlass beginnt um 10.15 Uhr an der Kapellenstrasse 6.

Alle sind herzlich eingeladen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Samstag, 21. Dezember 2024

Engelswege

Ein Zitat

Der tonnenschwere Schutzengel von Niki de Saint Phalle wacht über dem Weihnachtsmarkt im Hauptbahnhof Zürich.
Foto © Jörg Niederer
"Jeder möchte sich beim Reisen beschützt fühlen. Und in der Welt, in der wir heute leben, brauchen wir erst recht einen besonderen Schutz." Niki de Saint Phalle (1930-2002)

Ein Bibelvers - Lukas 1,30

"Da sagte der Engel zu ihr: 'Fürchte dich nicht, Maria. Gott schenkt dir seine Gnade...'"

Eine Anregung

Im Advent sind die Engel wieder allgegenwärtig. Einzelne von ihnen bleiben auch das ganze Jahr, wie etwa der Schutzengel der Künstlerin Niki de Saint Phalle in der grossen Halle des Hauptbahnhofs Zürich. Zurzeit passt der Nana-Engel optisch recht gut in die weihnachtliche Szenerie.

Andernorts haben die Engel sich im Wald breitgemacht. So etwa auf dem Engelweg in Bischofszell. Auf kinderwagentauglichen Wegen geht es 900 Meter rundherum zu verschiedenen Engelsstationen. Da gibt es märchenhafte Lichterketten, eine Engel-Aufwärmstation mit warmen Getränken, und nach vielfältig kunsthandwerklich gestalteten Engeln landet man auch hier bei einem Schutzengel, dessen Botschaft, so das St. Galler Tagblatt, die Gäste auf den Heimweg begleitet.

Ein anderer Engelsweg findet sich in Dietfurt. Dort zumindest gibt es auch eine Krippe, eine Festwirtschaft und ein WC. Es ist also für alles gesorgt.

Wer weitere Engel sehen möchte, muss nicht zwingend nach Bischofszell oder Dietfurt. Achte dich doch einmal, wo sie in deinem Umfeld zu finden sind! Vielleicht wirst du ja gar nicht fertig damit, sie alle zu zählen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Freitag, 20. Dezember 2024

Von Hoffnung erfüllt

Ein Zitat

Bischof Stefan Zürcher anlässlich des Abendmahlsgottesdienstes der Zentralkonferenz-Exekutive 2024 in Wien.
Foto © Jörg Niederer
"Weihnachten erinnert uns daran dass Jesus in diese Welt gekommen ist; er unsere Hoffnung, unsere Freude, unser Licht." Bischof Stefan Zürcher in seiner Weihnachtsbotschaft 2024

Ein Bibelvers - Jesaja 12,2

"Ja, Gott ist meine Rettung. Ich bin voll Vertrauen und fürchte mich nicht. Denn Gott, der Herr, ist meine Zuflucht, von ihm singe ich in meinem Lied. Er hat mir die Rettung gebracht."

Eine Anregung

Die Weihnachtsbotschaft des evangelisch-methodistischen Bischofs Stefan Zürcher geht aus vom bekannten Taizé-Lied: "Meine Hoffnung und meine Freude, meine Stärke, mein Licht: Christus, meine Zuversicht, auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht, auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht."

Angehört und angesehen werden kann die knapp 4 Minuten dauernde, mutmachende Botschaft auf Youtube.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Donnerstag, 19. Dezember 2024

Senza Maria

Ein Zitat

Krippenfiguren an einem Stand am Christkindlmarkt in Strasbourg.
Foto © Jörg Niederer
"Und wäre Christus tausendmal in Bethlehem geboren, doch nicht in dir, du gingest ewiglich verloren!" Angelus Silesius (1624-1677)

Ein Bibelvers - Hebräer 9,12

"Christus brachte nicht das Blut von Ziegenböcken und Kälbern als Opfer dar, sondern sein eigenes Blut. So ist er ein für alle Mal in das Heiligtum eingetreten und hat die ewige Erlösung erwirkt."

Eine Anregung

In einem Weihnachtsgruss an die Dienstgemeinschaft der Pfarrpersonen schreibt Nicole Becher davon, dass eines Tages bei den Krippenfiguren die Maria fehlte. Das löste so einiges aus in den Gesprächen: "Ohne Maria ist kein Weihnachten möglich", so Nicole Becher und sie fährt fort: "Wenn keine Maria da ist, wer wird das Kind auf die Welt bringen? Wie kann ein Mensch werden, wie kann Gott* Mensch werden, so ganz richtig, ohne dass es eine werdende Mutter gibt?"

Noch Drastischeres ereignete sich vor Jahren, als mein Hund das aus Zeitungsschnipseln und Fischkleister in der Schule gebastelte Jesuskind aus der Weihnachtskrippe frass. Damals blieben Maria und Josef verschont, aber das Ergebnis war das selbe. Welchen Wert für Gottes Plan mit der Schöpfung, einschliesslich der Menschen, hätten Maria und Josef ohne Jesuskind?

Und nun, am gestrigen Christkindelmarkt in Strasbourg - ich war in dieser europäischen Metropole, um an der Trauerfeier von meinem einstigen Kirchengeschichts- und Griechisch-Lehrer Michel Weyer Abschied zu nehmen - und nun diese Inflation an Jesusfiguren, Marienfiguren, Joseffiguren. Ein Mangel an Jesuskindern scheint auf den Weihnachtsmärkten nicht zu herrschen.

Da stellt sich doch die Frage, was wäre, wenn es nicht nur eine Maria und einen Josef und einen Jesus gäbe, sondern Hunderte, ja Tausende? Gäbe es dann auch Hunderte und Tausende Kreuze und Gekreuzigte? Gab und gibt es die nicht sowieso, damals im Römischen Reich und heute in neuen Foltergefängnissen? Wäre Gottes Sohn uns präsenter, wenn es ihn gleich tausendfältig gäbe? Könnten wir ihn nicht mehr übersehen im Trubel des Alltags, da er sowieso an jeder Strassenecke zu finden wäre? Würde uns das gar noch stärker abstumpfen für die Geschichte Gottes mit den Menschen, als dass dies in der heutigen säkularisierten und kommerzialisierten Welt geschieht?

Nun, neu sind diese Gedanken nicht, wie man gut am Zitat von Angelus Silesius erkennen kann.

Ich finde, es ist gut, dass es Jesus und Maria und Josef nur je einmal gibt. Aber weniger als einmalig dürfte es sie auch nicht geben.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Mittwoch, 18. Dezember 2024

Lokomotiven im Advent

Ein Zitat

Weihnachtsbeleuchtung in Form von einer Lokomotive.
Foto © Jörg Niederer
"Ich gäbe alle meine Symphonien darum, die Lokomotive erfunden zu haben." Antonín Leopold Dvořák (1841-1904)

Ein Bibelvers - 1. Mose 8,21

"Auch Josef ging von der Stadt Nazaret in Galiläa nach Judäa. Sein Ziel war die Stadt Betlehem, aus der David kam. Denn er stammte von David ab."

Eine Anregung

Ich frage mich gerade, warum es in der Adventszeit so viele Lichtinstallationen in Gestalt von Lokomotiven gibt. Meines Wissens kommen die nicht vor in der Weihnachtsgeschichte. Sie sind zwar weniger kitschig wie Elche und Rehe und die Weihnachtsmänner. Ganz nebenbei: Die kommen auch nicht vor in der Weihnachtsgeschichte. 

Also, warum Lokomotiven in Advent?

Ich habe wieder einmal die Künstliche Intelligenz befragt und folgende Antwort erhalten: "Lokomotiven als Lichterinstallation in der Adventszeit sind eine charmante und nostalgische Tradition. Sie symbolisieren oft die Reise und das Zusammenkommen von Familien während der Feiertage. Die Lokomotive steht für Bewegung, Abenteuer und die Freude am Reisen, was gut zur festlichen Stimmung passt. Außerdem erinnern sie an die historischen Dampflokomotiven, die in vielen Kulturen ein Symbol für Fortschritt und Verbindung sind." 

Mit dieser Antwort bin ich grad so klug wie davor. Zu allem Überfluss fragt mich im Anschluss dieser Antwort die Künstliche Intelligenz: "Hast du eine besondere Erinnerung oder Geschichte, die du mit solchen Lichterinstallationen verbindest?"

Nein, habe ich nicht. Einmal abgesehen davon, dass wir jeweils zu Weihnachten weitere Schienen zur Briobahn erhalten haben. Irgendwo in einer Kiste im Keller könnte dieser Holzeisenbahn-Bausatz vor sich hinschlummern. Vielleicht sollte ich doch wieder einmal eine Weihnachts-Eisenbahn in der Stube aufstellen.

Nachtrag: Gerade sagt mir meine Frau, dass die Briobahn bei einer Cousine gelandet ist, welche diese wiederum an unbekannte Personen weitergegeben hat. Das macht mich jetzt fast ein wenig sentimental und traurig.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Dienstag, 17. Dezember 2024

Aprikosen am Ginkgobaum

Ein Zitat

Der Same eines Ginkgobaums ist in Teilen essbar.
Foto © Jörg Niederer
"Schon im 18. Jahrhundert wurde klar, dass der Ginkgo weder Fisch noch Vogel ist und wurde darum bis 1897 bei den 'plantae obscurae' eingeteilt, den Pflanzensonderlingen." Gartencenter Hauenstein

Ein Bibelvers - 1. Mose 8,21

"Der Geruch stimmte den Herrn gnädig und er sagte zu sich selbst: 'Nie wieder will ich die Erde wegen der Menschen verfluchen.'"

Eine Anregung

Dieser Tage bin ich in Winterthur an einem winterkahlen Ginkgobaum vorbeigekommen, an dem Früchte hingen. Schon etwas schrumpelig waren sie, dafür hatten sie ihren schlechten Geruch schon abgelegt. Denn die äussere fleischige Schicht dieses Samens stinkt nach ranzigem Butter.

Aus diesem Grund werden in der Schweiz kaum weibliche Ginkgobäume kultiviert. Fast alle Ginkgobäume, die wir in den Parks und an Strassen finden, sind männlich und somit geruchsverträglich. 

Der Name Ginkgo lässt sich vom chinesischen Wort "gin-kyo" ableiten und bedeutet Silberaprikose. Wie kleine Aprikosen sehen die Samen denn auch aus. Essbar ist der innerste Teil des Samens, der in einer Schale sitzt, fast wie bei der Pistazie.

Für mich ist dieser Same des Ginkgobaums eine Erstsichtung, eine wunderschöne Adventsentdeckung, die nun Eingang in meine Sammlung an seltsamen Gewächsen gefunden hat.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Montag, 16. Dezember 2024

Pastell-Christbäume

Ein Zitat

Die untergehende Sonne zaubert rosa Wölkchen in die kahlen Winterbäume.
Foto © Jörg Niederer
"Das Licht der Herrlichkeit scheint mitten in der Nacht. Wer kann es sehn? Ein Herz, das Augen hat und wacht." Angelus Silesius (1624-1677)

Ein Bibelvers - 1. Johannes 1,5

"Das ist die Botschaft, die wir von Jesus Christus gehört haben und die wir euch verkünden: Gott ist Licht, in ihm gibt es keine Spur von Finsternis."

Eine Anregung

Die untergehende Sonne schmückt die Bäume auf dem Feld mit pastellfarbig leuchtenden Wölkchen. Selbst der Himmel macht mit bei der diesjährigen Adventserhellung und zaubert Weihnachtsbäume an Orte, an denen man sie gar nicht erwartet.

Für mich ist das eine 16. Adventsentdeckung dieses Jahres.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Sonntag, 15. Dezember 2024

Haltestelle Advent

Ein Zitat

Die neu erstellte Postautohaltestelle Illighausen Dorf ist das Adventsfenster vom 13. Dezember 2024.
Foto © Jörg Niederer
"Die Idee ist eine Haltestelle des Gedankens." Henri Bergson (1859-1941), Literaturnobelpreisträger

Ein Bibelvers - Jesaja 51,5

"Meine Gerechtigkeit ist nahe, meine Rettung ist schon auf dem Weg. Mit starker Hand schaffe ich Recht unter den Völkern. Auf mich hoffen die Bewohner der fernsten Inseln. Sie warten darauf, dass ich meine Stärke zeige."

Eine Anregung

Die Postauto-Haltestelle "Dorf" in Illighausen wurde diesen Sommer ganz neu gemäss den Vorgaben des Behindertengleichstellungsgesetzes ausgebaut. Sie sieht noch ziemlich jungfräulich aus, womit wir passend bei der Weihnachtsgeschichte angelangt sind. Zudem wurde sie zum Adventsfenster vom 13. Dezember 2024. Für uns war sie am Samstag Adventsentdeckung und Fluchtort vor dem kalten Regen zugleich.

Ein Haltestelle im Verlauf der Woche kann auch der Gottesdienst am Sonntag in der Kirche sein. Heute werde ich in der Methodistenkirche in Weinfelden noch einmal über die Flucht von Lot und seiner Familie predigen. Beginnen wird der Anlass um 10.00 Uhr an der Hermannstrasse 10. Dazu sind alle ganz herzlich eingeladen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Samstag, 14. Dezember 2024

Christbaum auf dem Klo

Ein Zitat

Der Schriftzug von "Laufen Bathrooms" enthält anstelle des Buchstabens A ein Tannenbäumchen.
Foto © Jörg Niederer
"Auf dem Gelände wird eine Kantine eingerichtet, in der den Arbeitern hochwertige Mahlzeiten für 40 Cent angeboten werden." Der Eintrag zum Jahr 1905 aus der Geschichte des Unternehmens "Laufen"

Ein Bibelvers - Jesaja 41,19

"Ich lasse Zedern in der Wüste wachsen, Akazien, Myrtenbüsche und Olivenbäume. Im wasserlosen Land pflanze ich Kiefern, zusammen mit Pinien und Zypressen."

Eine Anregung

Gestern habe ich dabei geholfen, den Weihnachtsbaum in der Kirche aufzustellen und mit elektrischen Kerzen zu bestücken. Vielleicht dieser Arbeit wegen ist mir dann auf dem Herrenklo zum ersten Mal der kleine Tannenbaum im Schriftzug des Keramik- und Toilettenproduzenten "Laufen Bathrooms" aufgefallen. Vor über 130 Jahren gegründet ist das Unternehmen heute Teil der Roca-Gruppe und bekannt für sehr ästhetische Keramik auf dem Klo.

Wenn ich das erste Foto auf der Seite zur Unternehmensgeschichte anschauen, fallen mir jedoch auch die Kinder auf, die da als Teil der damaligen Mitarbeitenden zu sehen sind. Nun, diese Zeiten, als Kinder arbeiten mussten, sind zumindest in der Schweiz glücklicherweise vorbei. Dafür dürfen wir dankbar sein.

Das Tannenbäumchen im Namenszug "Laufen" jedenfalls ist meine heutige Adventsentdeckung. Ob ich jetzt jeweils dann, wenn ich auf die Toilette muss, an Weihnachten denke?

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Freitag, 13. Dezember 2024

Flötenklänge

Ein Zitat

Installation mit Musiknoten auf den Weissenstein bei Solothurn.
Foto © Jörg Niederer
"Die C-Flöte ist aller Laster Anfang." Abgewandeltes deutsches Sprichwort

Ein Bibelvers - Psalm 150,1.4

"Halleluja. Lobt Gott in seinem Heiligtum! … Lobt ihn zur Handtrommel und tanzt im Kreis! Lobt ihn mit Saitenspiel und Flötenmusik!"

Eine Anregung

Die Musiklehrerin hatte den adventlichen Auftritt ihrer Schülerinnen und Schüler im Altersheim eingefädelt. Ich war damals in der 4. Primarschulklasse, und der wohl mit Abstand unmotivierteste und unbegabteste Flötenspieler überhaupt. So kam es, wie es kommen musste. Mein Spielen war unterirdisch, ein Störfaktor der Harmonie. Es war das letzte Mal, dass ich öffentlich auftreten musste. Wobei dies wohl nicht an der Musiklehrerin lag. Nein, ich entzog mich dem Flötenunterricht, zu einer Zeit, als ich das Wort "Schulschwänzen" noch gar nicht kannte.

Flöten habe in der Advents- und Weihnachtszeit einen ihrer Einsatzhöhepunkte. Und dann werden sie noch einmal mit Leidenschaft in der Fastnachtszeit vorgeführt. Dann aber ist es das Piccolo und die Pfyffe, die in den Gassen von Basel und anderswo erklingen. In den übrigen Zeiten könnte man meinen, die Flöten seien "flöten gegangen", seien abhanden gekommen.

Kein Wunder also, dass gerade jetzt im Advent wieder geflötet wird was das Zeug hält, und anders als bei mir klingt es auch noch gekonnt und gut.

Meine 13. Adventsentdeckung ist das Woodpeckers Recorder Quartet. Zu viert spielen sie das Weihnachtslied "Hark, the herald angels sing". Die Melodie geht auf Felix Mendelssohn Bartholdy zurück, der Hauptteil des Textes auf den Methodisten John Wesley. Später wurde dieser Text dann noch von einem weiteren bekannten Prediger und Zeitgenossen Wesleys bearbeitet und in die heutige Form gebracht, von George Whitefield. Viel Freude beim Reinhören.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Donnerstag, 12. Dezember 2024

Hoffnung entfalten

Ein Zitat

Origami-Taube der Advents-Heilsarmeekampagne 2024.
Foto © Jörg Niederer
"Nur wenn wir einen Menschen wirklich sehen – mit all seinen Träumen, Leidenschaften und Ideen – kann echte Hoffnung entstehen." Text auf der Homepage der Heilsarmee

Ein Bibelvers - Kolosser 3,16

"Gebt dem Wort Raum, in dem Christus bei euch gegenwärtig ist. Lasst es seinen ganzen Reichtum unter euch entfalten."

Eine Anregung

Es ist eine typische Heilsarmee-Adventsentdeckung. Wieder gelingt es der sozial sehr aktiven christlichen Organisation, die Menschen für Randständige und andere Menschen zu sensibilisieren. Diesmal steht ein Obdachloser im Zentrum, der Origami-Tauben faltet und sie überall in der Stadt verteilt. Dort werden sie von vielen übersehen, aber nicht von allen.

"Hoffnung entfalten" lautet der Slogan der Kampagne. "Wer hinsieht, kann helfen." Es geht darum, die Menschen mit ihrem Potential zu entdecken, und dabei zu sein beim Entfalten ihrer und der eigenen Hoffnung. 

Hier geht es zum Kampagnenfilm, hier zur Faltanleitung für die Origami-Taube und hier zur Kampagnenseite mit weiteren Beiträgen, wie Hoffnung gerade auch durch die Heilsarmee entfaltet wird. Natürlich kann man da auch etwas in die virtuelle Topfkollekte einlegen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen


Mittwoch, 11. Dezember 2024

Lichter für die Religionsfreiheit

Ein Zitat

Weihnachtsbeleuchtung in der Altstadt von Winterthur.
Foto © Jörg Niederer
"Jeder Mensch hat Anspruch auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit; dieses Recht umfasst die Freiheit, seine Religion oder seine Überzeugung zu wechseln, sowie die Freiheit, seine Religion oder seine Überzeugung allein oder in Gemeinschaft mit anderen, in der Öffentlichkeit oder privat, durch Lehre, Ausübung, Gottesdienst und Vollziehung von Riten zu bekunden." Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte.

Ein Bibelvers - Apostelgeschichte 8,1

"An diesem Tag begann für die Gemeinde in Jerusalem eine schwere Verfolgung. Mit Ausnahme der Apostel zerstreuten sich alle über das Gebiet von Judäa und Samarien."

Eine Anregung

Heute ab 18.00 Uhr organisiert die Hilfsorganisation Christian Solidarity International (CSI) an vielen Orten Mahnwachen aus Solidarität für Glaubensverfolgte. Dazu schreibt CSI auf der Webseite: "Weltweit werden Millionen von Menschen wegen ihres Glaubens diskriminiert und verfolgt. viele davon sind Christen. Mit der Mahnwache setzen wir ein Zeichen und beten gleichzeitig an über 60 Orten in der Schweiz für Glaubensverfolgte."

Auch in Winterthur, da wo dieses Foto der Weihnachtsbeleuchtung aufgenommen wurde, findet eine Mahnwache statt, und zwar am Oberen Graben in der Altstadt.

Auch das ist eine Adventsentdeckung, dass Menschen gerade in der Zeit, in der dem Kommerz Lichter entzündet werden, einige Lichter für Menschen angezündet werden, die ihren Glauben nicht offen leben können.

Wer nun in Weinfelden, Frauenfeld, St. Gallen oder anderswo sich der Mahnwache anschliessen möchte, ist dazu herzlich eingeladen. In Frauenfeld findet die Mahnwache beim Sämannsbrunnen statt, in St. Gallen beim Brunnen in der Marktgasse und in Weinfelden beim Bahnhof/Postpärkli.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen


Dienstag, 10. Dezember 2024

Stolperstein

Ein Zitat

Der Stolperstein für Arthur B. Vogt an der Kolosseumstrasse 21 in der Stadt St. Gallen.
Foto © Jörg Niederer
"Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren." Aus der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte

Ein Bibelvers - Daniel 9,4+5

"Ich betete zu meinem Gott, dem Herrn, bekannte meine Schuld und sagte: 'Ach Herr, du großer und furchterregender Gott! Du stehst zu deinem Bund und schenkst denen Gnade, die dich lieben und deine Gebote einhalten. Wir haben Sünden begangen und Unrecht getan, wir haben Schuld auf uns geladen und uns aufgelehnt. Von deinen Geboten und Vorschriften sind wir abgewichen.'"

Eine Anregung

Heute, am internationalen Tag der Menschenrechte ist meine Adventsentdeckung der bisher erste und einzige Stolperstein in St. Gallen. Und ausgerechnet heute ist die Webseite zu den Stolpersteinen nicht erreichbar. Vielleicht ändert das ja in Kürze wieder.

Stolpersteine sind kleine Messing-Gedenktafeln, die am Ort des Geschehens in den Boden eingelassen sind. Dahinter steht ein Projekt des deutschen Künstlers Gunter Demnig (*1947). Auch in der Stadt St. Gallen sollen weitere solche Stolpersteine im kommenden Jahr gesetzt werden.

Etwas versteckt an der Kolosseumstrasse 21, unweit vom Bahnhof St. Fiden, wohnte einst Arthur Bernhard Vogt als Sohn einer Schweizerin und eines Tschechen. Geboren 1912 in Gossau war sein Verhängnis, dass er nicht die Schweizer Staatsbürgerschaft hatte und homosexuell war in einer Zeit, als die Homosexualität (bis 1942) noch unter Strafe stand und danach noch lange diskriminiert wurde. Zudem war er mit seiner beachtlichen Grösse von fast zwei Metern eine auffällige Gestalt. 

Nachdem er immer wieder aus verschiedenen Kantonen ausgewiesen und auch mehrfach in der Schweiz inhaftiert wurde, wies man den tschechischen Staatsbürger 1937 aus der Schweiz aus. Das war in der Zeit, als die Einverleibung des Tschechischen Staates in das Deutsche Reich begann. Damit wurde aus dem Tschechen Arthur Vogt der Deutsche Staatsbürger Arthur Vogt.

1943 versuchte Vogt zusammen mit dem Polen Zygmunt Bak bei Lustenau aus Deutschland illegal in die Schweiz auszureisen. Der illegale Ausreiseversuch in die deutschlandfeindliche Schweiz wurde den beiden Männern von deutschen Gerichten als Feindbegünstigung ausgelegt ("...weil er durch seine Flucht die eigene Arbeitsleistung dem Reich entziehen würde...") und sie wurden beide zum Tod durch das Fallbeil verurteilt. Das Urteil wurde am 19. September 1944 in München-Stadelheim vollzogen.

Weltweit gibt es heute schon über 100'000 Stolpersteine. Wie wäre es, wenn du an diesem Menschenrechtstag einen Stolperstein in deiner Region besuchst? Wikipedia listet alle bisher gesetzten 37 Stolpersteine in der Schweiz auf.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen


Montag, 9. Dezember 2024

Lebendiger Weihnachtsbaumschmuck

Ein Zitat

Ein Graureiher steht einbeinig auf einem Baum in den Murgauen in Frauenfeld.
Foto © Jörg Niederer
"Es geht nicht darum, was unter dem Christbaum steht, sondern wer drum herum steht." Charlie Brown

Ein Bibelvers - Hebräer 12,12+13

"Macht deshalb die müden Hände und die erlahmten Knie wieder stark! Und schafft für eure Füße gerade Pfade. Denn was lahm ist, soll nicht auch noch fehltreten, sondern geheilt werden."

Eine Anregung

Meine neunte Adventsentdeckung hat etwas mit Christbaumschmuck zu tun.

Gehörst du zu den Menschen, die jedes Jahr etwas neues für an den Weihnachtsbaum kaufen? Das meiste davon hängen wir ja dran. Aber einige Dinge stehen auf den Zweigen.

Dieser Tage erzählte mir jemand, wie sie Eulen gebastelt und auf einen Weihnachtsbaum gesteckt hätten. Plötzlich sein ein richtiger Waldkauz zum Fenster hereingeflogen, und habe sich zwischen die künstlichen Eulen gesetzt. Nun, ich habe meine Zweifel an dieser Geschichte. Vielleicht war es ein anderer Vogel, eine Amsel oder eine Drossel, eine Taube oder ein Sperling. Vielleicht hat die Geschichte auch nur in der Phantasie der Erzählerin stattgefunden oder kam in einem Film vor, den sie gesehen hatte.

Lebendiger Weihnachtsbaumschmuck gibt es glücklicherweise nur in Form von echten Tannenbäumen oder Pflanzen zu kaufen. Im Freien dagegen schmücken Tiere meist heimlich die Bäume, nebst Eichhörnchen, Baummarder, Hirschgeweihkäfer und Schnecken eben auch Vögel oder Füchse (Siehe dazu den Beitrag vom 20. Oktober 2021!).

Besonders gut gefällt mir der Graureiher auf dem Foto. Der Kälte wegen einbeinig hält er sich auf dem Ast und schein in aller Seelenruhe vor sich in zu meditieren. Man beachte das gelbe Auge und das kräftige Bein. Für mich ein schöner, lebendiger Adventsschmuck.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen


Sonntag, 8. Dezember 2024

Zurückschauen

Ein Zitat

Der Turm der Stadtkirche St. Niklaus in Frauenfeld hebt sich vor Alpengipfeln ab.
Foto © Jörg Niederer
"An der Vergangenheit festzuhalten ist gefährlich. Man muss einfach weitermachen." Robert Redford (*1936)

Ein Bibelvers - 1. Mose 19,17

"Als sie im Freien waren, sagte der eine [Engel zu Lot]: 'Rette dein Leben! Schau nicht zurück und bleib nirgendwo stehen! Rette dich ins Gebirge, sonst kommst du um!'"

Eine Anregung

Meine achte Adventsentdeckung ist eine Aussicht, die ich bisher so noch nie gesehen habe. Von der Allmend Frauenfeld geht der Blick zum Kirchturm der Stadtkirche St. Niklaus. Dahinter heben sich überraschend klar die Alpen ab, und selbst der bekannte Zürcher Aussichtsberg Hörnli mit seiner Antenne ist gut zu sehen. Das kommt davon, wenn man einmal an einer Stelle, an der man es noch nie getan hat, zurückschaut.

Zurückschauen war keine Option, als Lot mit seiner Familie aus Sodom und Gomorra fliehen musste. Sein Weg in die Berge war viel zu weit, um sich dort in Sicherheit zu bringen. So bat er um die Bewahrung in der nahen Kleinstadt Zoar, und Gott gewährte ihm diesen Bitte.

Darüber werde ich heute in St. Gallen und in einer Woche in Weinfelden predigen. Erstaunlich, wie gut diese Geschichte auch in den Advent hineinpasst.

Vor Ort in St. Gallen kann man heute den Gottesdienst um 10.15 Uhr miterleben. Dazu sind alle ganz herzlich an die Kapellenstrasse 6 eingeladen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen


Samstag, 7. Dezember 2024

Märchenhaft

Ein Zitat

Im Froschpärkli in St. Gallen findet sich der Froschkönig als Brunnenfigur.
Foto © Jörg Niederer
"Da sagte der König [zur Prinzessin]: 'Was du versprochen hast, das musst du auch halten; geh nur und mach ihm [dem Froschkönig] auf.'" Zitat aus dem Märchen "Der Froschkönig" nach den Gebrüdern Grimm

Ein Bibelvers - 2. Mose 26,28

"Der Nil wird von Fröschen wimmeln. Sie werden heraufkriechen und in dein Haus dringen. Sie werden in dein Schlafzimmer kommen und auf dein Bett."

Eine Anregung

Meine siebte Adventsentdeckung ist der Froschkönig-Brunnen. Er steht heute im Froschpärkli, unweit des Bahnhofs St. Fiden in St. Gallen. Die schöne, ausserhalb der Winterzeit wasserspeiende Bronze erinnert mich daran, dass im Advent die Märchen in den Fernsehprogrammen Hochkonjunktur haben. Allerdings sind es meist Versionen von Aschenputtel oder Cinderella, die gezeigt werden, oder der Nussknacker flimmert über den Bildschirm. An das Märchen vom Froschkönig kann ich mich weniger gut erinnern. Als ich es wieder einmal im Original gelesen habe, musste ich staunen.

Frage: Weisst du, wie der Froschkönig erlöst wird? Bisher dachte ich immer, dass es durch einen Kuss der jüngsten und schönsten Tochter des Königs geschehen sei. Nun aber lese ich, dass es ganz anders war. Erlöst wurde der Froschkönig dadurch, dass die Prinzessin, als der Frosch zu ihr ins Bett wollte, diesen an die Wand warf. Also durch einen aggressiven Akt wird aus dem garstigen Frosch ein schöner Prinz, und den liess die Prinzessin dann, nachdem sie ihn geheiratet hatte, doch noch in ihr Bett.

Bleibt zu sagen, dass ich kein Problem hätte, einen Frosch zu küssen, solange er nicht aus dem Tropen ist und Pfeilgift aus seinen Poren ausscheidet. Dagegen habe und würde ich wohl nie einen Frosch essen.

Übrigens wird der Frosch in der Bibel nur als Plage erwähnt. Man stelle sich vor, die Frösche, die damals dem Nil entstiegen waren, wären alles verwunschene Prinzen gewesen. Ganz Ägypten wäre nun voller Aristokraten.

Zurück zum Märchen. Was ist dein liebstes Märchen in dieser Weihnachtszeit?

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen