Freitag, 29. August 2025

2000 Gründe zur Freude

Ein Zitat

Tassenkreation von frolein MINT und Bromelien von der Schlagerfamilie.
Foto © Jörg Niederer
"Als Kind ist jeder ein Künstler. Die Schwierigkeit liegt darin, als Erwachsener einer zu bleiben." Pablo Picasso (1881-1973)

Ein Bibelvers - 1. Chronik 4,23

"Sie waren Töpfer, wohnten in Netaim und Gedera und arbeiteten in den Werkstätten des Königs."

Eine Anregung

Das ist nun mein 2000. Blogbeitrag, seit ich in der Coronazeit damit begonnen habe. Noch ein Grund zum Feiern in diesen Tagen.

Vor vier Jahre habe ich in Weinfelden als Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche zu predigen begonnen. Bis heute wusste ich aber nicht, dass im selben Haus "frolein MINT" so allerlei besonderes aus Papier, Karton und Porzellan kreiert. Ausgangspunkt war eine Tasse mit Unterteller, welche ein Gemeindeglied in der Brockenstube erstand. frolein MINT verzierte es passend zu meinem Hobby mit der Skizze eines Fotografen auf einem Baum, der Vögeln im Flug nachstellt. Was für ein kreatives, originelles Geschenk.

Der Topf mit Bromelien im Hintergrund wurde mir auch gerade eben anlässlich der Aufzeichnungen zum Schlagerfamilien-Gottesdienst (Siehe Beitrag vom 27. August 2025) überreicht. So könnte ich noch weitere Geschenke aufstellen, eine weitere Tasse aus St. Gallen, die aber schon in den für den Umzug gepackten Kisten meiner Büro-Habseligkeiten verschwunden ist. Aktuell ernähre ich mich auch etwas ungesund von diversen Schokoladegaben. Danke an dieser Stelle für alles, was da so hereingeflattert ist, auch an Reaktionen auf meine Blogbeiträge. Wie es damit weitergeht, das könnt ihr unten lesen.

Ab dem 1. September wird es keine Blogs mehr geben unter dieser Adresse oder per Mailingliste. Ich werde aber auch weiterhin Blogs schreiben und Fotos posten auf der neuen Seite "NNN - Nicht Nur Natur". Aktuell ist dort noch nicht viel zu sehen. Aber man kann diesen Blog schon einmal abonnieren, oder die Seite anderweitig vormerken.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Donnerstag, 28. August 2025

Ein ganz besonderer Engel

Ein Zitat

Engelskulptur von Barbara Hänggi von der Kirche Bruder Klaus in Gerlafingen.
Foto © Jörg Niederer
"Manchmal sind die hilfreichsten Engel die Menschen an unserer Seite." Herkunft unbekannt

Ein Bibelvers - Psalm 89,6

"Die Himmel preisen deine Wunder, Herr. Deine Treue loben die Engel in heiliger Schar."

Eine Anregung

Diese Engelskulptur wurde von Barbara Hänggi, Teilnehmerin der Tagesstätte Pro Infirmis in Gerlafingen geschaffen. In dieser Tagesstätte finden Erwachsene, die aufgrund schwerer Beeinträchtigungen nicht mehr am Erwerbsleben teilnehmen können, sinnvolle Beschäftigung und Gemeinschaft. Unter anderem wird dort Alltagskunst produziert und in einem Laden verkauft.

Die Engelskulptur wurde der Pfarrei Bruder Klaus erst als Exponat zur Verfügung gestellt und daraufhin spendenfinanziert erstanden. Der Grund wird auf einer kleinen Begleittafel zum Engel genannt: "Tief beeindruck von der Arbeit der Menschen in der Tagesstätte von Pro Infirmis und inspiriert von der wunderbaren Begegnung zwischen ihnen und der Pfarrei im Rahmen eines gemeinsamen Gottesdienstes wurde entschieden, den Engel über Spenden für die Pfarrei käuflich zu erwerben."

Diesem aussergewöhnlichen Kunstwerk füge ich Worte des kürzlich verstorbenen methodistischen Dichterpfarrers Robert Seitz hinzu. Sie finden sich im Büchlein "Engel der Fragenden".

Mit Buchstaben der Liebe

Dein Name / ist im Himmel geschrieben / mit Buchstaben der Liebe.

Denke daran. / Dein Name, / du, / nicht beurteilt, / nicht qualifiziert / von Menschen.

Du bist geliebt, / so wie du bist, / vom Himmel. 

 

Wie schon erwähnt, wird es ab dem 1. September keine Blogs mehr geben unter dieser Adresse oder per Mailingliste. Ich werde aber auch weiterhin Blogs schreiben und Fotos posten auf der neuen Seite 
"NNN - Nicht Nur Natur".
Aktuell ist dort noch nicht viel zu sehen. Aber man kann diesen Blog schon einmal abonnieren, oder die Seite anderweitig vormerken.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Mittwoch, 27. August 2025

Fernsehgottesdienst zum letzten

Ein Zitat

Die an der Aufzeichnung des Fernsehgottesdienstes auf Musig24 beteiligten. V.l.n.r: Michel Hirt, Anaïs Ehrsam, Ingrid Zimmermann und Jörg Niederer.
Foto © Jörg Niederer
"'musig24' hat als Zielpublikum die Altersgruppe 32 Jahre plus und will als echter Schweizer Musiksender wahrgenommen werden." Aus der Beschreibung auf musig24.tv

Ein Bibelvers - Lukas 12,3

"Deshalb wird alles, was ihr im Dunkeln sagt, am hellen Tag zu hören sein. Und was ihr euch hinter verschlossenen Türen ins Ohr flüstert, wird von den Dächern gerufen."

Eine Anregung

Sechszehnmal war ich in den vergangenen vier Jahren auf dem Fernsehsender musig24.tv mit gottesdienstlichen Beiträgen zu sehen. Meist zusammen mit Ingrid Zimmermann von der Schlagerfamilie. Dabei sind wir ein gutes Team geworden, haben einander bestens ergänzt.

Nun werde ich vorerst zum letzten Mal über den Bildschirm flimmern. Gestern haben wir in der 3x3-Gemeinde Hunzenschwil den Gottesdienst vom Eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettag aufgenommen. Er wird am 21. September um 10 Uhr ausgestrahlt.

Mit Eintritt in den Ruhestand werde ich vorerst einmal pausieren und auf andere Weise die Schlagerfamilie unterstützen. Im Verlauf der Jahre, in denen ich "Grüss Gott"-Andachten und Gottesdienste auf dem Sender mitgestaltet habe, lernte ich viele liebe und engagierte Menschen kennen. Diese bleiben mir wichtig. Vor allem freue ich mich darauf, nun auch endlich an Live-Events der Schlagerfamilie teilnehmen zu können.

Zum Abschluss gab es ein Selfie zusammen mit (v.l.n.r.) Michel Hirt, Anaïs Ehrsam, Ingrid Zimmermann und mir. Michel und Anaïs haben alle Jahre die Fernsehgottesdienste aufgezeichnet und für Musig24.tv aufbereitet. Ihnen gilt für die feine Zusammenarbeit einen ganz herzlichen Dank, auch für die freundschaftliche Verbundenheit, die über diese Zeit hinweg entstanden ist. Schön war es, wenn auch manchmal fordernd und zeitintensiv.

Es geht weiter, vorerst einmal ohne mich.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Dienstag, 26. August 2025

Gold im Mund

Ein Zitat

Dramatisches Morgenrot über dem Säntismassiv.
Foto © Jörg Niederer
"Ein heller Morgen ohne Sorgen / folget der düsteren Nacht. / Nach Dunkel und Schatten / leuchten die Matten, die Flur / und der Wald erwacht. / Des Herren Macht hat Licht gebracht." Kanon von Willi Gohl (1925-2010)

Ein Bibelvers - 2. Samuel 23,3+4

"Der Gott Jakobs hat gesprochen, der Fels Israels hat zu mir gesagt: Wer gerecht über Menschen herrscht, der herrscht in Ehrfurcht vor Gott. Er ist wie die helle Morgensonne an einem klaren Morgen ohne Wolken. Sie sendet ihre Strahlen auf die Erde. Da sprießt grünes Gras nach dem Regen."

Eine Anregung

Irgendwie schräg, dass man sagt: "Morgenstund hat Gold im Mund". Was hat der Morgen mit den Goldzähnen zu tun, und sind die nicht auch am Abend und im Übrigen dort, wo sie sein sollten? Kaum einer läuft mit offener Speisezufuhröffnung des Morgens früh durch die Gegend, sodass die aufgehende Sonne in dessen Schlund scheinen kann. Gut, ein frühmorgendliches Gähnen könnte dann schon auf dem Goldbesatz unter den Beisserchen ein Bling-Bling auslösen. Aber insgesamt scheint mir das mit dem Gold im Mund zur Morgenzeit doch recht seltsam und kurios.

Die Sache wird erst verständlich, wenn wir uns in lateinisch mythologische Zeiten zurückversetzen, als die Morgenröte noch Aurora hiess und man sie sich als Person vorstellte. Damals nervte man die Schlafmützen mit dem wie folgt lautenden Sprichwort: "Aurora habet aurum in ore", was übersetzt heisst: "Die Morgenröte trägt Gold im Mund".

Nun ist es also der Anblick dieser gewissen Aurora, wie sie offenmundig den Morgen einleuchtet. Die ideale Zeit, um den Schlaf abzuschütteln und sich des warmen Lichts zu erfreuen. Natürlich auch die Zeit, in der nächtlicher Müssiggang überwunden wir, und das Tagwerk beginnt, mit einem schmackhaften Frühstück. Vielleicht mit goldig glänzendem Honig auf dem Brötchen und zwischen den Zähnen. So gesehen offenbart das Sprichwort noch einen weiteren, zeitgemässen Sinn.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Montag, 25. August 2025

Anziehungskraft

Ein Zitat

Muslima mit blauem Kopftuch betrachtet am Internationalen Photo Festivals Olten Fotos, auf denen Menschen mit blauen Handschuhen Vögel und Fledermäuse füttern.
Foto © Jörg Niederer
"Farbharmonie ist die Kombination von Farben, die ein ästhetisch ansprechendes und ausgewogenes Design schaffen. Sie ermöglicht es, mit Farben ein Gefühl von Ordnung, Einheit und Ausgewogenheit in deinen Designs zu schaffen." Webdesign Journal

Ein Bibelvers - Psalm 133,1

"Seht, wie gut es ist und wie wohltuend, wenn Menschen beisammen wohnen – als wären sie Bruder und Schwester."

Eine Anregung

Passt. Im Rahmen des Internationalen Photo Festivals Olten fand auch der Fotowettbewerb photoville4600 statt. Die Gewinner konnten ihre Werke im öffentlichen Raum ausstellen, darunter in der Kategorie NATURE auch die Solothurner Fotografin Sara Affolter. Auf ihren Fotos finden sich Tiere, die von Menschen in blauen Plastikhandschuhen medizinisch behandelt oder gefüttert werden.

Diese Bilder weckten wohl auch das Interesse einer jungen Frau mit blauem Kopftuch. Farblich passte dies wunderbar zusammen.

Ist sich die junge Frau dieser Kongruenz bewusst? Oder geschah da eine unbewusste Annäherung. Die Vorliebe für Blau liess sie einerseits zum entsprechenden Kopftuch greifen, andererseits wurde sie unter allen Fotos gerade besonders von diesen "blauen" Bildern angezogen. Sind Farben wie Magnete, denen wir Menschen uns nicht erwehren können?

Für einen Moment taucht die junge Frau in diese blaue kleine Welt ein. Daneben schmerzt eine gewohnt inkonsequent vielfarbige Szenerie die Harmonie. Schön, wenn einmal alles zusammenpasst, in einer Welt, in der oft nichts zusammenpasst.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Sonntag, 24. August 2025

Was sollen wir tun?

Ein Zitat

Fotos vom Nikita Teryoshin, aufgenommen an Waffenmessen, stehen anlässlich des Internationalen Photo Festivals Olten im Garten des ehemaligen Kapuzinerklosters.
Foto © Jörg Niederer
"Heutzutage verwenden Unternehmen Slogans wie '70 Jahre Verteidigung des Friedens' oder 'Eine bessere Zukunft gestalten'. Es ist schwer vorstellbar, dass jemand in der Waffenindustrie wirklich an solche Aussagen glaubt." Nikita Teryoshin (*1986)

Ein Bibelvers - Micha 6,6a

"Womit soll ich vor den Herrn treten? Wie kann ich mich angemessen verhalten gegenüber dem Gott, der in der Höhe wohnt?"

Eine Anregung

Abseits der Kriege, der Explosionen, der Verletzten und Toten finden die Verkaufsmessen von Waffensystemen statt. In Anzügen, rotlippig geschminkt und in Galauniformen wird darüber diskutiert, welche Geräte sich besser eignen für die Zerstörung des Feindes. Handschläge besiegeln den Kauf der Tötungsmaschinen.

Nikita Teryoshins Reportagefotos von 14 Waffenmessen weltweit zwischen 2016 und 2025 zeichnen ein zynisches Bild. Es ist eine widersprüchliche Hochglanzwelt.

Ausgerechnet im Klostergarten des einstigen Kapuzinerklosters sind die Fotos ausgestellt. Da, wo die Gräber von verstorbenen Mönchen an den einstigen Ort des Gebets erinnern, da wo der Gekreuzigte in Stein gemeisselt gegenwärtig ist, wirken diese Einblicke in eine abgründige Welt noch verstörender.

Im heutigen Gottesdienst geht es auch um diese gebrochene Welt. Nach St. Gallen verabschiede ich mich nun auch in der Methodistenkirche Weinfelden als Pfarrer. Ausgangspunkt der Predigt ist ein Text aus dem Propheten Micha. "Was sollen wir tun?", lautet die Frage an Gott. Gottes Antwort ist in dieser zerrissenen Welt unbequem und fordert uns alle heraus.

Wer am Gottesdienst und dem anschliessenden Mittagessen teilnehmen möchte, ist um 11.00 Uhr eingeladen an die Hermannstrasse 10 in 8570 Weinfelden.

Nikita Teryoshins Fotos sind im Rahmen des Internationalen Photo Festivals Olten zu sehen, das heute Sonntag zu Ende geht.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Samstag, 23. August 2025

Bild mit Unterbrüchen

Ein Zitat

Mural von Amed an der Rückseite eines Hauses in Frauenfeld.
Foto © Jörg Niederer
"Welch wunderbarer Lärm schalt herauf aus dem Park. Es ist das Lied der Kinder, und es erklingt bis in die Nacht." Neal Diamond: "Beautiful Noise"

Ein Bibelvers - Ezechiel 1,24

"Ich hörte das Rauschen ihrer Flügel: Wenn sie sich bewegten, rauschten ihre Flügel wie gewaltige Wassermassen, wie die Stimme des Allmächtigen. Es war so laut wie in einer Menschenmenge, wie der Lärm in einem Heerlager. Wenn die Wesen standen, ließen sie ihre Flügel sinken."

Eine Anregung

Ich habe sie noch nicht alle gesehen, die Graffiti im öffentlichen Raum von Frauenfeld. Das fotografierte Mural von Amed liegt auf meinem Heimweg, und doch habe ich es erst gestern entdeckt. Die von zwei Fensterreihen unterbrochene Wand führt zu einem lückenhaften Bild. Das ganze Gemälde ist nur denkend zu erahnen. Wobei der Ausschnitt zwischen den Fenstern mit dem lachenden Kindergesicht auch für sich allein stehen könnte.

Es gehört zu unseren Fähigkeiten, die Zusammenhänge über Lücken hinweg zu erkennen. Der Junge oder das Mädchen hält je einen Trommelstock in seinen oder ihren Händen. Die Trommel findet sich unten im Bild, links neben dem Quietscheentchen. Auf ihr wiederholt sich die runde, orange Sonne die den Himmel dominiert. Das Entchen trägt Krönchen.

Ein Bild voller Freude. Und weil ich die Lücken im Bild selbst mit meiner Fantasie auffüllen muss, springt die Freude auf mich über. Ich werde selbst Teil des Bildes.

Habe ich früher als Kind getrommelt? Mein Vater wollte uns keine dieser Kindertrommeln kaufen. Er dachte wohl an die Nachbarn und an den Lärm und ein wenig auch an sich selbst. Wir haben dann halt mit den Kochtöpfen herumgelärmt.

Es gibt also fröhlichen Lärm. Das wusste auch Neal Diamond, und sang das Lied "Beautiful Noise". Da heisst es in einer Strophe: "What a beautiful noise / Comin' up from the park / It's the song of the kids / And it plays until dark"

Heute will ich mich nach diesem erfreulichen Lärm umhören. Die Chancen stehen gut, komme ich doch an einem beliebten Spielplatz vorbei, dort, wo ich selbst schon als Kind herumgelärmt habe.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Freitag, 22. August 2025

10, 9, 8, 7...

Ein Zitat

Morgenstimmung am Kalterersee.
Foto © Jörg Niederer
"Die wirklich guten Gespräche sind die, vor denen man sich schon dreimal Gute Nacht gesagt hat."

Ein Bibelvers - 2. Korinther 4,16

"Darum lassen wir den Mut nicht sinken. Auch wenn unsere äußeren Kräfte aufgezehrt werden, bekommen wir innerlich Tag für Tag neue Kraft."

Eine Anregung

Während ich dies Schreibe, beobachte ich einen Mann auf dem Nachbarshaus, welcher in etwa 10 Metern Höhe auf dem Flachdach nah am Abgrund Schmutz von der Balkonüberglasung entfernt. Einen kurzen Moment scheint er das Gleichgewicht zu verlieren, doch dann geht alles noch einmal gut.

Das Ende ist immer wieder einmal nahe. Zwischenzeitlich ist es kein Geheimnis mehr, dass meine Pensionierung vor der Tür steht. In zehn Tagen ist es definitiv so weit. Der Countdown läuft.

Da ich die Blogs an dieser Stelle als Pfarrer der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) geschrieben habe, wird sich etwas ändern. Diejenigen, welche diese Beiträge als Teil meiner Arbeit in der EMK St. Gallen per Mailingliste erhalten haben, sowie alle, die sie auf emkstgallen.blogspot.com lesen, müssen sich dann umorientieren, wollen sie weiterhin von mir hören.

Ob das dann wieder täglich sein wird, wird sich zeigen. Was sicher sein wird, ich werde weiter schreiben und Fotos posten unter einer anderen, neuen Webadresse. Sobald es soweit ist, werdet ihr es hier erfahren. Meine Schwerpunkte werden dann Reise- und Naturerfahrungen sein. Vielleicht spielen auch Ruhestands-Betrachtungen eine Rolle und auch der christliche Glaube wird, wohl etwas weniger explizit, gut zu erkennen sein.

Es würde mich freuen, wenn du dann auch wieder mit dabei sein wirst.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Donnerstag, 21. August 2025

radio m - M wie Methodist:innen

Ein Zitat

Radio hören kann man auch methodistisch; auf radio m.
Foto © Jörg Niederer
"Impulse und Hintergründe. Christlich, menschlich, relevant." Slogan von radio m

Ein Bibelvers - 1. Korinther 13,8a

"Die Liebe hört niemals auf."

Eine Anregung

Gerade habe ich festgestellt, dass es in methodistischen Kreisen Leute gibt, die nicht wissen, dass auch die Evangelisch-methodistische Kirche deutschsprachige Radioprogramme produziert. 

Radio m erzeugt christlich geprägte Podcasts und Videos. Diese werden in verschiedenen Radiostationen in deren Programm integriert. Radio m streamt also nicht selbst ein fortlaufendes Radioprogramm. Jedoch können alle Beiträge und Formate auf der eigenen überschaubaren Webseite angehört oder angesehen werden. 

Richtig gut finde ich die täglichen Andachten. Sie dauern gerade einmal eine Minute. Da ist nicht viel Zeit für Geplapper. Im Gegenteil. Die Sprecherinnen und Sprecher kommen schnell auf den Punkt. Gestern ging es um Kraftworte.

Auch spannend: Der Beitrag des Schweizer Professors Christoph Schluep an der Theologischen Hochschule Reutlingen über das Thema: "Warum lässt Gott Leid zu?"

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Mittwoch, 20. August 2025

Erinnerungsfalter

Ein Zitat

Foto © Jörg Niederer
"Die Monate haben es eilig. Die Jahre haben es eiliger. Und die Jahrzehnte haben es am eiligsten. Nur die Erinnerungen haben Geduld mit uns." Erich Kästner (1899-1974)

Ein Bibelvers - Johannes 14,26

Jesus: "Der Vater wird euch in meinem Namen den Beistand senden: den Heiligen Geist. Der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich selbst euch gesagt habe."

Eine Anregung

Die Sechsfleck-Widderchen sind da. Vor wenigen Tagen habe ich sie wenige Meter hinter unserer Wohnung auf einer Gewerbefläche entdeckt. Diese Schmetterlinge begleiten mich schon seit meiner Kindheit durchs Leben. Nicht in Natura, sondern als Briefmarke. Zum Beispiel findet sich ein Widderchen auf der 10-Rappen-Marke der Pro Juventute-Serie von 1956.

Die auffälligen Nachtfalter tragen Warnfärbung. Das ist auch gut so, sind sie doch die einzigen Falter, welche hochgiftige cyanogene Glykoside produzieren können. Darum sind die Falter wenig scheu. Während der aktuellen Paarungszeit haben sie zusätzlich anderes im Kopf.

Für mich sind die Widderchen Erinnerungsfalter. Sie beflügeln meine Erinnerung. Gerade auch, weil sie in der Zeit ausfliegen, in der ich geboren wurde.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen


Dienstag, 19. August 2025

T-Falter

Ein Zitat

Eine Federmotte hat in einer Wiese ihre Ruheposition in Form des Buchstabens T eingenommen.
Foto © Jörg Niederer
"Wir sehen in der Natur nicht Wörter, sondern immer nur Anfangsbuchstaben von Wörtern, und wenn wir alsdann lesen wollen, so finden wir, dass die neuen so genannten Wörter wiederum bloß Anfangsbuchstaben von andern sind." Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799)

Ein Bibelvers - Römer 7,6

"Aber nun gilt das Gesetz für uns nicht mehr. Denn wir sind für das Gesetz gestorben, an das wir bisher gebunden waren. Jetzt können wir Gott in einer neuen Weise dienen, die von seinem Geist geprägt ist – und nicht mehr in der alten Weise, die durch Buchstaben bestimmt ist."

Eine Anregung

Winzig ist sie, aber schaut direkt in die Kameralinse. Die Federmotte könnte man als kleines, vom Mäher zerrupftes Teilchen eines getrockneten Grashalms halten. Mit ihren federartigen Flügeln gleicht sie in Ruhestellung einem winzigen T. Würde sie nicht bei Störung auffliegen, nie wäre mir in den Sinn gekommen, genauer hinzusehen. 

Der kleine Falter hat, wie sein Name sagt, Flügel, die aus mehreren kleinen Federchen bestehen. Diese kann er einem Fächer gleich in Tragflächen verwandeln. In Ruhestellung liegen die Federn ineinander. Erst die Makroaufnahme ermöglicht es, genauer hinzusehen. Faszinierend auch die Beine mit ihren seltsamen Verzweigungen.

Es gibt in Europa etwa 70 verschiedene Federmotten-Arten. Um welche es sich hier handelt, kann ich nicht sagen. 

Bei der T-Form des Tierchens denke ich ans Kreuz. Es gibt Untersuchungen, die bei diesem Hinrichtungsinstrument der Römer davon ausgehen, dass der Querbalken ganz zuoberst auf dem Längsbalken ruhte. Dann wäre Jesus also an einem T gehangen und verstorben.

Die Federmotten könnte man deshalb auch als Jesus-Christus-Falter bezeichnen. Oder auch ganz einfach T-Falter, so wie es eben auch schon C-Falter gibt.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Montag, 18. August 2025

Grosse Dankbarkeit

Ein Zitat

Die Festgemeinde anlässlich des Abschieds von Jörg Niederer(Rechts im Bild) beim Mittagessen in der Evangelisch-methodistischen Kirche St.Gallen.
Foto © Jörg Niederer
"A Mentsch trifft immer a Mentsch." Jüdische Redensart

Ein Bibelvers - Kolosser 3,16

"Das Wort, in dem Christus gegenwärtig ist, wohne in reichem Maß bei euch. Lehrt einander und ermahnt euch gegenseitig. Tut das in aller Weisheit. Singt Gott aus vollem Herzen Psalmen, Hymnen und geistliche Lieder. Denn er hat euch Gnade geschenkt."

Eine Anregung

Das war richtig schön. So viele Menschen waren schon längere Zeit nicht mehr in der Evangelisch-methodistischen Kirche St.Gallen zu einem Gottesdienst zusammengekommen, wie bei meiner gestrigen Verabschiedung in den Ruhestand. Nebst der methodistischen Kerngemeinde nahmen auch die ukrainische Gemeinde und das Gebetshaus an diesem Fest teil. Hinzu kamen offizielle Vertretungen aus anderen Kirchen und Verbänden, so aus der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen, von der Römisch-katholischen Kirche, der Reformierten Kirche, der Evangelischen Allianz St.Gallen und der GFS-Arbeitsgruppe. Auch weitere besondere und liebe Gäste waren da. Es gab ein gutbesuchtes Kinderprogramm parallel zum Gottesdienst, und anschliessend ein ausgezeichnetes Essen, gekocht von Jimmy, Fränzi, Marisa und Noel.

Einer der besonderen Höhepunkte im Gottesdienst war das Spiel auf dem Hackbrett vom Teenager Stefan Grob. Eine Überraschung, da ich als Pfarrer bis zu diesem Sonntagmorgen nicht wusste, was mich musikalisch im Gottesdienst erwartet.

Was macht es mit einem Menschen, wenn, wie in den an die Predigt anschliessenden Grussworten geschehen, Lobeshymnen über ihn gesungen werden. Gestern durfte ich das erleben und habe gestaunt, wie viel Positives meiner Zeit in St.Gallen abgewonnen werden konnte. So erfuhr ich, wie man mich da und dort über die acht Jahre im kirchlichen Umfeld wahrgenommen hat. Sicher wurde da etwas schöngezeichnet, aber wohl nicht ganz an der Realität vorbei. Für einen Menschen wie mich mit – wie meine Frau behauptet – grossem Selbstbewusstsein, war das für das Ego kein ungefährlicher Teil des Festes. Es war darum gut, dass ich auch hören konnte, wie ich bei ersten Begegnungen mitunter durchaus auch durchfallen bin.

Ich bin sehr dankbar für die Zeit in St.Gallen. Ich bin sehr dankbar für diesen bewegenden Abschied in den Ruhestand. Ich habe in der Begegnung mit den Menschen dieser Stadt und Region immer wieder erlebt, wie verbunden und ernsthaft-fröhlich Vertrauen in die Liebe und Fürsorge Gottes gelebt werden kann. Heute bin ich über Massen erfüllt von grosser Dankbarkeit. Möge Christus uns an allen Tagen, die nun kommen werden, nahe sein.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Sonntag, 17. August 2025

Festsonntag

Ein Zitat

Altarraum der Reformierten Kirche Steckborn.
Foto © Jörg Niederer
"Erfolge muss man langsam löffeln, sonst verschluckt man sich an ihnen." Erika Pluhar (*1939)

Ein Bibelvers - Micha 6,8

"Es wurde dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir erwartet: das Rechte tun, Nachsicht mit anderen haben und bewusst den Weg mit deinem Gott gehen."

Eine Anregung

Das Setting kenne ich gut. Wie oft bin ich schon in Kirchen vorn gestanden. Nicht immer gab es da einen Altarraum. Aber immer war klar, was man von mir erwartete. Heute stehe ich ein letztes Mal als Pfarrer der Methodistenkirche St. Gallen vor der Gemeinde. Ich freue mich und bin zugleich auch etwas traurig. Wen werde ich in diesem Gottesdienst alles antreffen? Ich bin gespannt.

Wer kommen möchte, ist herzlich eingeladen um 10.30 Uhr an der Kapellenstrasse 6 in 9000 St. Gallen. Nach dem Gottesdienst wird es ein Mittagessen geben, zu dem alle willkommen sind.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Samstag, 16. August 2025

Vorbeigeflitzt

Ein Zitat

Pfarrer Robert Seitz 1988 in rasender Fahrradfahrt hinunter vom Col du petit Ballon.
Foto © Jörg Niederer
"Du hast den Lebensgarten verlassen, doch deine Blumen leben weiter." Worte von Manfred Hoffmann auf der Todesanzeige von Robert Seitz (1940-2025)

Ein Bibelvers - Sprüche 4,23

"Gib acht auf dein Herz, mehr als auf alles andere! Denn davon hängt dein Leben ab."

Eine Anregung

Gestern beim Ausmisten meiner Regale kam es mir wieder in die Hände. Ein kleines Büchlein von meinem am 26. Juni 2025 im Alter von 85 Jahren verstorbenen Pfarrkollegen Robert Seitz. In einigen verdichteten Gedanke versucht er darin Spuren von Gottes Nähe zu finden.

Im Rückblick verschwimmen viele meiner Erinnerungen an Robert Seitz. Es ist, als seien die gemeinsamen Momente in rasendem Tempo vorbeigegangen. So wie damals im Jahr 1988, als wir von der Pfarrversammlung im elsässischen Landersen per Fahrrad nach Basel zurückfuhren. Roberts Geschwindigkeit vom Col du petit Ballon hinunter überforderte meine fotografischen Fähigkeiten; und doch ist es dieses unscharfe Bild wert, betrachtet zu werden.

Ich erinnere mich auch noch gut daran, wie Robert Seitz mit mir über das Sterben gesprochen hat. Er war gerne draussen unterwegs, auch in den Bergen. Angesichts des tödlichen Absturzes eines bekannten Bergsteigers meinte er: So zu sterben würde er sich wünschen. Draussen in der Natur, unerwartet und schnell. Es ist anders gekommen.

Für diesen Tag soll ein als Gebet formuliertes Gedicht von Robert Seitz mich durch den Tag begleiten.

Warum sind die Blumen nicht grau? 

Lieber Gott, / erlaube mir die Frage: / Warum hast du / die Blumen geschaffen, /die Farben und die Formen? / Warum sind / nicht alle Blumen grau, / rechteckig und gleich gross?

Weil meine Augen / mich mit deiner Herrlichkeit / erfüllen sollen. 

Lieber Gott, / warum hast du / den Wind geschaffen / und die wärmenden Strahlen / der Sonne? / Warum ist die Welt nicht / ein vollklimatisiertes Büro?

Weil mein Leib / deine Liebkosungen spüren soll.

Lieber Gott, / warum hast du / den Abend geschaffen, / die Dämmerung und die Stille, / das aufgehende Licht des Mondes / und der Sterne? / Warum kennt deine Welt / nicht künstliche Lichter / und keine Diskotheken / oder Nachtsitzungen?

Weil ich im Frieden des Abends / zur Ruhe kommen soll.

Und, lieber Gott, / warum hast du / den Nächsten geschaffen / als Mann und als Frau, / mit einem Herzen / und einer Seele / und einem Leib? / Warum kann er / Freude und Schmerz empfinden? / Warum ist er keine Maschine / und kein Computer?

Weil mein Leben auf Erden / deine Liebe mehren soll.

Lieber Gott, / wie kann ich dich loben? / Weniger mit vielen Worten / und mehr mit / allen meinen Sinnen. 

(aus Robert Seitz: Spuren deiner Nähe finden, Zürich 1991, Seite 14-16)

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Freitag, 15. August 2025

Kirche im Übergang

Ein Zitat

Rückbau der Viva Kirche Weinfelden. Hier entsteht das neue Gemeindezentrum "Perron Süd".
Foto © Jörg Niederer
"Der Aufbau einer eigenen Meinung geht Hand in Hand mit dem Abbau von Vorurteilen." Ernst Ferstl (*1955)

Ein Bibelvers - 2. Korinther 5,17

"Wenn jemand zu Christus gehört, gehört er schon zur neuen Schöpfung. Das Alte ist vergangen, etwas Neues ist entstanden!"

Eine Anregung

So sieht ein Kirchengebäude im Übergang aus. Da wo bis vor kurzem die VIVA-Kirche Weinfelden stand, ist heute ein Bagger dabei, Mauerwerk zu verkrümeln.

Damit etwas Neues entstehen kann, muss Altes weggeräumt werden. Das ist nicht nur in der Baubranche so, sondern auch im Leben von Menschen. Auf alten, überholten Lebensfundamenten kann man zwar weiterbauen. Besser ist es aber, wenn man von Grund auf neu beginnt. Dann können neue Ideen verwirklicht werden, dann können neue Chancen genutzt werden.

Am Ort, an dem die alte Viva Kirche Weinfelden stand, entsteht eine Kombination von Kirche und Dienstleistung, entsteht das "Perron Süd". Ein Ort zum Ankommen. Bis es soweit ist, kann die Gemeinde Veränderung einüben.

Auch ich werde in diesen Tagen Veränderungen einüben. Dabei frage ich mich: Was muss ich zuvor zurückbauen, was muss weichen? Was darf bleiben?

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Donnerstag, 14. August 2025

Dreimal Abschiedspredigt

Ein Zitat

Auf dem Weg zum Weissmiesgipfel zeigt sich die ganze Schönheit der Berge.
Foto © Jörg Niederer
"Es würde sehr wenig Böses auf Erden getan werden, wenn das Böse niemals im Namen des Guten getan werden könnte." Marie von Ebner-Eschenbach (1830-1916)

Ein Bibelvers - Micha 6,2

"Hört, ihr Berge, worum es dem Herrn geht! Gebt acht, ihr Fundamente der Erde! Der Herr hat einen Rechtsstreit mit seinem Volk."

Eine Anregung

Berge und die Fundamente der Erde werden von Gott bei einem Rechtsstreit mit Israel als Zeugen aufgerufen. Es geht darum, ob Gott wirklich sein Volk vernachlässigt hat oder nicht. Aus diesem Rechtsstreit heraus entwickelt sich ein Dialog, der schlussendlich zu einer zentralen Aussage führt über das, was Gott bei den Menschen zu finden hofft, nämlich das Gute, das was verbindet.

An den nächsten drei Sonntagen werde ich, bedingt durch meine Pensionierung, an drei verschiedenen Orten meine Abschiedspredigt halten.

Am nächsten Sonntag findet der Gottesdienst dazu um 10.30 Uhr in der Methodistenkirche an der Kapellenstrasse 6 in 9000 St. Gallen statt.

Am 24. August um 11.00 Uhr kann man dann in der Methodistenkirche an der Hermannstrasse 10 in 8570 Weinfelden dabei sein.

Und am 31. August um 10.00 Uhr nehme ich definitiv Abschied in der Methodistenkirche an der Neudorfstrasse 7 in 9444 Diepoldsau.

Ich schaue mit Spannung und etwas Wehmut diesen drei Anlässen entgegen. Vielleicht treffe ich dich ja am einen oder andern Ort. Das würde mich freuen. An allen Orten gibt es anschliessend ein Mittagessen. Also herzlich willkommen. Zum Gottesdienst, zum Mittagessen oder zu beidem.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Mittwoch, 13. August 2025

Aus den Augen, aus dem Sinn

Ein Zitat

Foto © Jörg Niederer

"Auf den zweiten Blick aber vermitteln die Aufnahmen von Peter Maurer auch ein Unbehagen - ein vages Gefühl, dass hier etwas nicht stimmt."
Aus dem Vorwort von Peter Pfrunder zum Buch "Terra Deposita" von Peter Maurer

Ein Bibelvers - Sprüche 25,4+5

"Entfernt man die Schlacke aus dem Silber, so gelingt dem Gold- und Silberschmied sein Werk. Entfernt man den Frevler aus der Umgebung des Königs, so wird sein Thron durch Gerechtigkeit gefestigt."

Eine Anregung

Ich habe ein Buch gekauft, das riecht nach dem, was darin auf Fotos dargestellt ist. Es riecht nach Mülldeponie. Ich vermute, das ist so gewollt. Zum Visuellen kommt das Olfaktorische hinzu.

Im Buch "Terra Deposita - Belastetes Land im Zwielicht" von Peter Maurer (ISBN 978-3-03942-269-2) findet man Fotos von Deponien aller Art. Manche sind kaum noch als solche zu erkennen. Andere zeigen auf den ersten Blick ihre belastete Vergangenheit oder Gegenwart. Altlasten werden hier gekonnt ins Bild gesetzt, nach einer ganz besonderen Technik. Die Fotos entstanden bei Dämmerung und in der Nacht mit einer Belichtungszeit von 51 Minuten. Damit erinnert Maurer an die Area 51, ein Sperrgebiet in der Wüste von Nevada. Dort soll es geheime Beweise geben von UFOs. Mülldeponien und Altlasten werden bei uns oft versteckt, geheim gehalten oder deren Gefährlichkeit heruntergespielt.

Heute sind 38'000 Orte in der Schweiz belastet. 4000 sind dringend sanierungsbedürftig. Der Bund will sie allesamt bis ins Jahr 2045 entgiften.

Das Buch enthält wenig Text. Die Fotos sollen für sich sprechen. Wer sich ein eigenes Bild von den Deponien machen möchte, kann diese anhand ihrer geografischen Koordinaten finden. Etwa die Deponie Neudorf, St. Gallen (Auf der linken Seite des Fotos oben): 47°26'34.6"N 9°25'23.5"E (oder: 47.442944°N 9.423189°E). Bei Google ins Suchfeld eingeben, und schon wird Ort und Stelle angezeigt.

Dazu die Beschreibung: "Der Ablagerungsstandort war von 1940-1968 in Betrieb. Der Unterschachenbach wurde in den 1960er Jahren eingedolt, durch die Sanierung hat man ihn wieder freigelegt. Flora und Fauna können sich erneut entfalten, und der Hochwasserschutz wird verstärkt. Für eine Renaturierung war eine temporäre Rodung nötig. Spuren der ehemaligen Deponie sind noch heute gut zu sehen."

Die Sünden von einst sind immer noch zu sehen. So ist das mit Sünden, mit Altlasten. Sie gehen uns Menschen lange nach, manchmal über Generationen hinweg. Eine Sündensanierung ist nicht billig und einfach zu haben. Doch wenn sie gelingt, dann kann nach und nach neues Leben und Frieden entstehen.

Noch besser wäre, gar nicht erst unser Land zu vergiften. Und auch kein anderes Land und auch nicht das eigene oder ein fremdes Leben.

Während ich das schreibe, habe ich den Geruch des Buches in der Nase. Dazu schlage ich ein kleines Experiment vor. Vergrabe einmal in deinem Garten oder an einem anderen Ort eine Baumwollunterhose und eine Kunstfaserunterhose zwei Monate lang im Boden! Danach grabe sie wieder aus, und vergleiche die beiden Kleidungsstücke! Besser für uns ist alles, was stärker und schneller zersetzt wird. Das andere kann zu einer Altlast werden.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Dienstag, 12. August 2025

Per Linienbus durch die Schweiz

Tobias Brülisauer ist in drei Tagen von Rheineck per Bus nach Genf gereist.
Foto © Jörg Niederer
Ein Zitat

"Verspätungen lösten bei mir Stress aus" Tobias Brülisauer

Ein Bibelvers - Psalm 127,2

"Es nützt euch nichts, dass ihr früh am Morgen aufsteht und euch erst spät wieder hinsetzt. Ihr esst doch nur das Brot, für das ihr unermüdlich arbeitet. Doch seinen Freunden schenkt der Herr einen ruhigen Schlaf."

Eine Anregung

Was ist das für eine geniale Idee. Tobias Brülisauer gehört zu den Unentwegten, die in der schweizweit einzigen noch übriggebliebenen Arbeitsgruppe für Gerechtigkeit, Frieden und Schöpfungsbewahrung (GFS) mitwirken. Diese Arbeitsgruppe GFS ist Teil der Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) der Kantone Appenzell Innerroden, Ausserroden und St. Gallen. Durch diese Arbeitsgruppe wird zum Beispiel am 2. September der Auftakt zur ökumenischen Schöpfungszeit im Botanischen Garten St. Gallen gestaltet.

Auch das ist genial. Aber an dieser Stelle geht es um eine andere Idee, die Tobias Brülisauer in diesem Sommer verwirklicht hat. Mit den öffentlichen Buslinien und ohne Benutzung anderer Verkehrsmittel wie Zug oder Schiff reiste er von Rheineck im Osten nach Genf im Süden quer durch die Schweiz. Das St.Galler Tagblatt berichtete in seiner Ausgabe vom 9. August 2025 von dieser aussergewöhnlichen Unternehmung. Bei der Planung sei schnell klar gewesen: Das gibt eine mehrtägige Unternehmung. Um die Reise von fünf auf drei Tage zu verkürzen, entschloss sie der aus Grub stammende Busreisende, 8 Kilometer von Oensingen im Kanton Solothurn nach Wiedlisbach im Kanton Bern zu Fuss zurückzulegen. Anders hätte er einen zeitraubenden Umweg über den Chasseral nehmen müssen.

Auf der Reise habe er immer Fensterplätze gehabt. Herausfordernd waren Busverspätungen, da die Umsteigezeiten oft sehr knapp berechnet waren. Schlussendlich erreichte er an seinen rund 50 Umsteigedestinationen alle Anschlussverbindung.

Dass diese Reise wie geplant gelang, ist auch Werbung für den aussergewöhnlich guten und meist pünktlichen öffentlichen Verkehr in der Schweiz.

Und weil eine solche Schweizreise im öffentlichen Busverkehr nicht nur von Ost nach West, sondern auch von Nord nach Süd funktionieren sollte, studiert Tobias Brülisauer schon einmal Busfahrpläne zwischen Schaffhausen und Chiasso.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Montag, 11. August 2025

Farbenfreude

Ein Zitat

Eine Gemeine Florfliege sitzt an der Wand eine Buswartehäuschens.
Foto © Jörg Niederer
"Der Abschied schmerzt immer, auch wenn man sich schon lange auf ihn freut." Arthur Schnitzler (1862-1931)

Ein Bibelvers - 1. Mose 32,1

"Am Morgen stand Laban früh auf. Er küsste seine Enkel und seine Töchter und segnete sie. Dann kehrte er nach Hause zurück."

Eine Anregung

Sie scheint fast schon metallisch zu glänzen, die Gemeine Florfliege. Ihr grüner Körper korrespondiert wunderbar mit dem gelb-weissen Hintergrund. Ein farbenfrohes Bild dieses kleinen Nützlings. Denn deren Larven vertilgen Blattläuse.

Mir gefällt das Foto vor allem farblich sehr gut. Es ist ein richtiges Frohe-Laune-Foto, riecht nach Sonne, Sommer, Sonnenschein.

Das kann ich heute gut gebrauchen. Nach einigen Tagen Sommerferien starte ich in meine drei letzten Wochen Erwerbsarbeit. Ich freue mich einerseits, und zugleich schaue ich auch mit etwas Unruhe diesen Tagen des Abschieds entgegen. Mögen es fröhliche, farbenfrohe Tage werden. Genau das wünsche ich nicht nur mir, sondern uns allen. Friede und Freude sei mit uns!

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen


Sonntag, 10. August 2025

No-Trump-Tag

Ein Zitat

Aufdringliche Stockente in Küssnacht am Rigi.
Foto © Jörg Niederer
"Tierfreunde lesen am liebsten Boulevardzeitungen. Der vielen Enten wegen." Markus M. Ronner (1938–2022) Schweizer Theologe, Publizist und Journalist

Ein Bibelvers - 1.Korinther 15,25+26

"Denn Christus muss so lange herrschen, bis Gott ihm alle seine Feinde zu Füßen gelegt hat. Der letzte Feind, den er vernichten wird, ist der Tod."

Eine Anregung

Sie war richtig aufdringlich, diese Stockente am See in Küssnacht am Rigi. Ständig unterschritt sie die Naheinstellgrenze meines Kamera-Objektivs, ständig kam sie mir zu nahe.

So geht es mir auch mit Donald Trump. Während mir die Trickfilmente Donald Duck noch Freude bereitet, kommt mir dieser andere Donald deutlich zu nahe. Jeden Tag sein Gesicht in der Zeitung, jeden Tag wird über ihn und seine Eskapaden berichtet, Trump hier, Trump dort, Trump überall.

Darum plädiere ich für einen No-Trump-Tag pro Woche. Warum nicht jeden Sonntag? Das würde wohl unserem Seelenheil so richtig gut tun. Wir könnten uns auf einen richtigen Erlöser ausrichten, einen Heiland nicht nur für die Reichen.

Also: Streicht Herrn Trump wenigstens am Sonntag aus allen Medien und bringt uns Gute Nachricht! 

Was ich in jedem Fall tun kann: Ich lasse mich von diesem sogenannt mächtigsten Mann der Welt nicht mehr ärgern oder mir den Tag verderben. Es ist Sonntag. Kein Tag für selbsternannte Götter. Es ist Sonntag. Da soll alles Freude sein.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen